Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
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Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART SALZBURG
MÜNCHEN, 16. UND 17. DEZEMBER 1774
mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart
___________________________________________________________\hfill Münch d 16 Decemb:
________________________________________________________________________________\hfill 1774
Nun hat die Nanerl eine Wohnung. und wo glaubst du
wohl? – – Beÿ der Madame od vielmehr beÿ der verwittibt
gnädig Frau von Durst, gewesten Salzmaÿrin zu Reichen=hall zu welcher d h: von Mölk so oft hinüber gefahren,
und wir so oft hab nen hör; zu einer Frau, die erst
26 oder 28 Jahre höchstens alt ist, Braunet, schwarzaugend,
sehr eingezog, und voller belesenheit und vernunft ist, die übri=gens kein Umgang von schmirbern um sich leidet, und sehr
höflich und angenehm ist. Und wer glaubst du hat mir zu
diesem Ort verholfen? – – der h: v Dufraisne. Er fragte
mich warum ich die Nanerl nicht auch mitgenom: ich sagte ihm
daß sie zwar Gelegenheit hätte in d Gesellschaft der Md:me v
Robini nach Münch zu kom, da wir aber itzt beÿ h: von Pernat
wohnt, so wüste ich kein Ort für sie. Er besan sich; und sagte
mir endlich, er wüste ein Ort, beÿ d Md:e v Durst. Er wollte
unter der Hand mit ihr sprech, und hör was sie sagte, er
mache sich gute Hofnung, indem sie ganz allein und eine Person
seÿ, wo nichts als ihre nächste freunde und herrn Dufresne
Eltern hinkom. Er brachte mir dan auch Nachricht, daß
es in so weit richtig wäre, nur hätte sie Anstand sie möchte
sich den h: v Belval dadurch ins Hauß zieh, weil sie weis, daß
er beÿ uns in Salzb: war; Nicht daß er die Nanerl nicht etwa be=such dörfte, sond er möchte dadurch Gelegenheit nehm auch
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nach der Hand ihr über den Hals zu lauff. Die Ursache ist
ganz natürlich. Eine junge Wittwe will keine öftern Besuche
von einem Man, d mit seiner Frau nicht lebt.
Heute war ich selbst beÿ ihr. die Nanerl bekomt ein
aigenes Zimer zum schlaff. solches ist zwar etwas finster,
allein die übrige Zeit wird sie beÿ der Gnädig Fr: in ihrem
Zimer zubring, das auf den gross Markplatz herabgehet,
und wohin auch ein flügl wird gesetzt werd.
Nun komt der Zufall, wo die Nanerl sieht, wie Elend es ist
wen man sich selbst keine Haube aufsetz, und sich selbst wed
einschmier, noch ande derleÿ Kleinigkeit thun kan.
Man kan nicht allzeit die Ehehalt ander Leute zu sein dienst
haben. Ich vermuthe die Gnädige Frau wird ihr Kopf
wohl meistens selbst in Ordnung zu bring gewohnt seÿn.
die Nanerl muß also eine negligé haube selbst sauber auf=zusetz und sich einzuschmier gewöhn und das Clavier recht
exercier. absondlich die Sonaten vom Paradies und Bach p:
und das Concert v Luchesi p._____ Noch hab wir kein Brief
von euch. wir Kiss euch beyde, empfehl uns aller Ort u bin
\newpage ___________________________________________________________________\hfill d alte
Wie geht es den weg dem Ball auf___________________\hfill Mzt mp
dem Rathaus? – was macht Miss Pimpess? –
Mde: v Durst hat auch ein Kleines Leckerl, ich mein es heist
Finettl.
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___________________________________Ich habe zahnwehe.
johanes chrisostomus Wolfgangus Amadeus Sigismundus Mozartus Mariæ annæ Mozartæ
__matri et sorori, ac amicis omnibus, præsertimque pulchris virginibus,
________________________ac freillibus, gratiosisque freillibus
__________________________________________S: P: D:
d 17t morgens.
gestern Blieb der Wolfg: zu Hauß weil er Zähnwehe hatte, und heute
wird er auch zu Hause bleib, dan er ist nun geschwoll.
vor allem muß die Nanerl Gelegenheit such dem Graf Sauerau
zu sagen, daß sie Lust hat in Compagnie der Md:me v Robini und h:
gschwendners nach Münch zu reisen. Man muß ihm vor allen das
vertrau machen solches zu sag. addio. heute hoffe ein Brief von
dir zu seh.
h: v Pernat und Bellval empf: sich allezeit.
mit nächster Post werde das mehrere schreib.
Eben empfange Euren Brief. Ihr hattet keine adresse nötig.
wir wiss die Post; und die Post weis uns.
h: Fischietti hat gut gethan sich bald etwas zu wählen, damit er
bald anfang kan. Wen du ihn siehest kanst du ihm
ein Compliment von uns meld. Wir hab noch nicht daran gedacht
etwas auszusuch. dazu ist noch zeit genug.
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À Madame
Madame Marie Ane Mozart
à
Franco
Salzbourg
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