Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
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Morgenstern
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Kelnreiter
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Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA MOZART IN SALZBURG
MÜNCHEN, 30. DEZEMBER 1774
mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna (Nannerl) Mozart
______________________________________________________________________________________________\hfill Salzbg: d
______________________________________________________________________________________\hfill Münch den 30t Decemb:
______________________________________________________________________________________________________________________\hfill 1774
Da du dieses liesest wird die Nanerl schon fast alles eingepackt hab. und
denoch muß ich euch Nachricht geb, daß sie noch etwas mitbring soll. Es ist eine
Kleinigkeit, und komt nur darauf an, daß es glatt liegt. nämlich von unsern
Pariser=Portrait=Kupfern etwa 5 oder 6 Stück. der h: von Pernat will absolute
eins hab, und dann noch ein und anderer guter freund. du wirst sie in der
Schublade, wo alle Kupferstiche sind, NB rechter Hand, wie glaube zimlich oben
gleich an der Seite finden. Es komt nur darauf an, daß sie glat lieg und nicht
verbogen werden. Ich vergas auch zu schreib, daß die Nanerl ein Masquera=kleid mit nehm könnte: und sollte es auch eine Salzburgerin seÿn. mir ist leid,
daß ich nicht eher daran gedacht. dan hier wird sie nichts als eine Domino bekom.
doch vielleicht habt ihr es nicht vergessen. Heute war wir beÿ S.r Ex: dem
Kaÿsl: Gesandt, der recht freundlich und gnädig mit uns war. Ihr werdet
wohl einige Neujahrwünsch=Billets ausgesendet hab. Ihr solltet SrE: Graf Sauerau
und Gräfin von Lodron nicht vergess hab. An S:r Hochf: Gnad habe ich geschrieb,
und das neue Jahr gewunsch._____ die Nanerl komt eben recht zur opera, den
am Mittwoche nachmittag wird sie ankom, und am Donerstage wird sie aufge=_______________________führt. komt h: von Mölk auch mit, so sieht er sie auch;
_______________________komt er aber später, so sieht er nichts mehr davon bis
_______________________Ostern: den alsdan werd die operetten nicht mehr im
_______________________theater, sond auf dem Reduttensaal, und zwar nur
_______________________Intermezzi gegeben; darunter nebenbeÿ viele 100
_______________________Masquern spazieren geh, red, scherz, und an viel spiltisch
_______________________spielen. folglich wird nichts gescheides mehr aufgeführt.
Nun must Du wissen, daß der Maestro Tozi der heuer die opera Seria
schreibt vorm Jahr eben um diese zeit eine opera Buffa geschrieb, und sich
so bemühet solche gut zu schreib um die opera Seria, die vorm Jahr der
Maestro Sales schrieb niederzuschlag, daß des Sales opera wirklich nicht mehr
recht gefall woll. Nun eraignet sich der zufall, daß des Wolfgangs
opera eben vor der opera des Tozi gemacht wird. und da sie die erste
Probe hörten, sagte alles, nun wäre Tozi mit gleicher Münz bezahlt, in=dem die opera des Wolfg: die opera des Tozi niederschlage. dergleich sach
sind mir nicht lieb, ich suche dergleich red zu still, so viel möglich, protestiere
ohne End: allein das ganze orchester und alle die die Probe gehört sag daß sie
noch keine schönere Musik gehört, wo alle Ari schön sind. Aller Orten, wo wir
hinkom, weis man \newpage es schon. Basta! Gott wird alles gut mach. Lebts wohl, ich
wünsch der Nanerl glückl: Reise. wir Kiss euch Beÿde, empf: uns allen u
bin dein alter\newline ____________________\hfill Mozart mp.
ich bitte meine Empfehlung an die Roxelana, und sie wird heünte abends mit den sultan
den thèe nehmen. an die jungfrau Mizerl bitte alles erdenkliches, sie soll an meiner liebe
nicht zweiflen, sie ist mir beständig in ihrer reizenden Negligèe vor augen; ich hab
vielle hübsche mädl hier gesehen, aber eine solche schönheit habe ich nicht gefunden.
DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM
INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881
Meine schwester soll nicht vergessen die variationes über den Menueto d'ecaudè von Ecart, und
meine variationes über den Menuet von fischer mitzunehmen. gestern ware ich in der Comoedie,
nähmlich in der Mode nach der haushaltung; sie haben es recht gut gemacht. meine Empfeh=lung an alle gute freünd und freündinen. ich hofe du wirst – – – lebe wohl – – ich sehe
dich bald in München zu hoffen. von der frau von Durst habe ich ein Compliment auszurichten.
ist es wahr, daß der hagenauer zu wien Professor der bildhauereÿ worden? der h: v: Mölk
hat es den P: wasenau geschrieben, dan der brief hat mir seinen Pater wasenau gelesen.
adieu. der Mama küsse ich die hände, und damit hat es heünt sein Ende. halte dich recht
warm auf der Reiß, ich bitte dich, sonst kanst du deine 14 täge zu haus sizen, und hinter den
ofen schwizen, wer wird dich beschüzen? ich will mich nicht erhizen, iezt fängsts an
zu blitzen. ich bin allzeit dein München.
__________________\hfill bruder den 1774sten 30. Anno Decembre.
À Madame
Madame Marie Anne Mozart
Franco_____________Salzbourg
DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM
INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881