Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN WOLFGANG AMADÉ MOZART IN MÜNCHEN SALZBURG, 30. SEPTEMBER BIS 2. OKTOBER 1777
IV________Mon trés cher Fils!______________________________________________________________________________\hfill Salzb: d letzt Sept: _________________________________________________________________________________________________________________________________________\hfill 1777 Heut frühe war Prob im Theater, Haydn muste zur Zayre Zwisch Musik unter die Ackt mach. schon um 9 uhr kam einer nach dem andern, nach 10 uhr fieng sie an und geg halbe 12 uhr wurd sie erst fertig; natürlicherweise war imer die türkische Musik darunter, dan auch ein Marche. die Gräfin v Schönborn kam vom gr: Czernin in einer chaise geführt auch zur Probe. die Musik soll sehr zur Action passen u gut seÿn. Obwohl es nun nichts als Instrumentalmusik war, so mußte der Hofflügl hinüber gebracht werd, den Haydn spielte. den Tag vorher, ist beÿ der Nacht die Hafenederische Finalmusik hint im Edlknabgart, wo die Rosa wohnte, gemacht word. der Fürst speißte im Hellbrun: und die Comœdie fieng nach halbe 7 uhr an. h: v.Maÿregg stand beÿ der thür als Comissarius und die 2 Camerdr Bauernfeind, und Aigner nahm die Billets ein, die Noblesse hatte keine Billets, und doch sind 600 ausgegeb word. Wir sah vom Fenster den Zulauf, der aber nicht so gross war, als ich mir vorstellte, den fast die halb Billets blieb aus. Man sagt, es soll öfter aufgeführt werd, dan kan ich die Musik hör, wens mich freuet, die Hauptprobe habe ich geseh. die Comoedie war schon um halbe 9 uhr aus, folglich muste d Fürst und alles auf ihre Wägen eine halbe Stund warten. Eine halbe Granadier Compagnie stand auf dem Platz um zu paradiern, und der Fürst kam durch den Garten. Den 1sten octob. Heut frühe sind die freul: von Schiedenhof, und Kronach und die Nanerl auf Maria Plain gegangen für uns alle zu beth. und um halbe 11 uhr sind sie itzt eb zurück, und nun macht die Kronach Nanrl der Nanerl die Haar zurecht. – – Ist B: Dirnitz nicht in Münch? – – er wird wohl auf seinem Guth seÿn. was macht dan der geistl: h: v Dufraisne? – – Gestern erhielt ich recht unvermuthet ein Schreiben vom Misliwetcek. Ich will hier den ganz Brief abschreib. Diversi ordinari sono ch'io ricevei aviso da Napoli che per diversi impegni fortissimi hano dovuto prender un certo Maestro Valentini per l'opera di Carnevale, non ostante però s' accorderano gigliati 100 al Sg: Figlio per un opera l'Ano Venturo. ma Vogliono l'Impressaro, cio è il Sgr. Don Gaetano Santoro, che V: S: gli scriva che per meno di 100 Cigliati non puol venire, ma con i 100 d'esser pronto d'accetar l'opera che si destinerá. Io sono tanto tormentato da cotesti Impressari che assolutamente vogliono ch'io ne scriva due l'ano venturo: e a momenti aspetto la Scrittura. Gia a me tocherano gli siti piu Cattivi, non importa. io in Napoli sono conosciuto, e ne scrissi Sei. perche so che vogliono che io scrivessi la prima, e probabilmente la terza. Io consiglio sempre, per maggior Sicurezza, l'opera del Carnovale. Dio sa, se ci potrò andare, ma giá che vogliono cosi, accetteró la Scrittura, se non potró, la rimanderò. V: S: dunque da me sarà avisato quali opere mi devono toccare. ed allora potrà lei scriver al Sgr: Don Gaetano Santoro circa il prezzo e circa l'opera a dirittura; overo man=darmi la Lettera, che io l'invierò. frà tanto mille saluti a tutta la stimatssma Famiglia, e mi do l'onore p p: Du siehst aus diesem schreib, daß ich eben nicht gleich auf dieses Schreib antwort darf, weil ich ohnehin noch von ihm abzuwart habe, was für opern er machen soll. Vermög diesem Schreib, weis er nun auch noch kein Wort, daß Du in Münch bist. Ich warte demnach ein Brief von dir ab, den ich morg frühe zu erhalt hoffe, um so dan ein weitern Entschluß zu fass, nach den Umständ, kan man sich richt, der Weeg bis Neapel ist zu weit, und zu kostbar: sonderheitl: wen man sich noch mehr entfernt. Unsere Absicht ist itzt ganz eine andere und solltest du das Glück hab, welches hart zu vermuth ist, in Münch anzukom; so kan man auch nicht gleich das erste Jahr davon lauff; man kan aber das Schreib an den Sgr: Santoro alsdan so einricht, daß es dir Ehre macht, und dich sicher stellt auf iedes anderes Jahr, wen es mehr gelegen und thunlich ist, eine opera in Neapel sicher zu bekom. Wen unterdess h: Misliwetcek erfährt od erfahr hat, daß du in Münch bist, so muß und kan dir allzeit zur Entschuldigung dien, wen du ihn nicht besuch willst, daß die Mama es dir verbiethet, auch noch durch andere Leute dazu aufgeredt wird p: Es ist, in der That, ein verdrüsslicher Punckt, den er aber, wen er vernünftig denkt, selbst INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 einsehen muß, und einer Mutter nicht übl nehm kan. Was würde der arme Mann, wen er auch nach Neapl reisen kan, itzt ohne Nase im Theater für eine Figur machen? – – Doch propria culpa haec acciderunt. wem kan er die Schuld, als sich selbst, und seinem abscheulich Leb geben? – – welche Schande vor der ganz Welt! alles muß ihn flieh und verabscheuen; das heist ein wahres sich selbst zugezogenes Elend! – Donerstag den 2t octob. heute war ich im Pfinstag amt, da erfuhr ich, daß am Samstage die Comœdie wiederholt, und am Sontag ball seÿn wird: vermutlich bezahlter Ball. Die Zwischenmusik vom Haydn war so gut, daß ihm der Erzb: die Ehre angethan beÿ der Tafel zu sagen: er hätte nicht ge=glaubt, daß der Haydn so was zu machen im Stande wäre: er sollte anstatt Bier nichts als Bur=gunder trinken. was ist doch dieß für eine Rede! Ehre, und Unehre! wieder ein – – Wasch mir den Beltz p p: Ich bin nach dem Amt gleich nach Hause gegang, um ein Brief von euch zu erwart. Nun ist es 12 uhr mittags, aber noch kein Brief. Ich will euch unter=dess sag, daß ich um viel besser mich befinde, doch habe noch ein klein Hust, und stinckend Auswurff, und das ist gut: vor 2 täg hat sich noch obendrein ein kleiner Revmatismus in meiner linken Achsel angemeldet, ich hielt mich warm, und gestern Nachmittage gieng ich beÿ der grossen Sonenwärme mit d Nanerl und Pimperl spatzier, ließ mich von d Sone bren, schöpfte gute Luft und befand mich recht gut, so daß ich gewunsch habe in ein Wagen sitz, und davon reisen zu kön. Der Erzbischof fuhr eben mit seiner Famille beÿm Mirabellthor hinaus, als wir von der Schießstatt her beÿm grossen Stadl gieng, beÿ ihm sass graf Gundacker, wir macht ihm ein Knicks, bis die übrig aber nachkam, war wir schon beÿm thor vorbeÿ. Sie fuhr allen zum Neugebäude, den gross kostbarfürstl: Garten Pallast zu bewund. Der graf Khünburg Oberst: hat uns sondhitl: seine Empfehl: an euch aufgegeb. S E: Obersthofmeister ist hier, ich war aber noch nicht beÿ ihm, den er ist den ganz Tage in der Leopoldskron. morg, weil fasttag ist, speiset er zu hause, da gehe ich zu ihm. Itzt kom ich aus der Lytanie, dan morg ist Maria de Mercede, wo mir h: v Benike sagte er höre der Fürst Breiner werde den ball geb. Da nun 4 uhr nachmittag vorbeÿ und kein Brief mehr zu hoff, so schlüsse, und gehe dan mit d Nanerl und Pimpes spazier. alles empfehlt sich, sondhtl: die Fr: Hagenauerin, mit der ich eben auf der gassen gesproch und die uns täglich einlad lässt, und selbst einladet. Ich und die Nanerl küss euch millionmahl, wünsch euch 1000 glück und absonderlich gute Gesundheit, und in hofnung morg etwa ein Brief zu erhalt, bin d alte____________________________________________________________________\hfill Strowittweber von Weib __________________________________________________________________________________________\hfill und Kind Mozart mp Wen du etwas vor dem Churf producier Kanst; wenigst solltest od könntest ein Present bekom; wen doch sonst nichts zu mach wäre. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881