Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG MANNHEIM, 4. NOVEMEBR 1777 mit Nachschrift von Maria Anna Mozart
11. __________Monsieur mon trés cher Pére. wir haben geschrieben den tag vor unserer abreise von Augspurg; sie müssen halt den brief noch nicht empfangen haben. mir wäre leid wen er sollte verloren gegangen seÿn; dan es ist viell geschrieben. er ist das ganze Concert darin beschrieben; es ist auch vom stein seiner Tochter etwas darin, wie auch die dancksagung für die glückwünsche auf meinem Namens=tag. doch iezt hoffe ich werden sie ihn schon haben. dieß ist der zweÿte brief den ich von Manheim schreibe. ich bin alle tage beÿ Canabich. heüt ist auch meine Mama mit mir hingegangen. Er ist ganz ein anderer Man, als er vorher war; es sagt es auch das ganze orchestre. er ist sehr für mich eingenomen. er hat eine tochter die ganz artig clavier spiellt, und damit ich ihn mir recht zum freünde mache, so arbeite ich iezt an einer Sonata für seine Mad:selle tochter, welche schon bis auf das Rondeau fertig ist. ich habe wie ich das erste Allegro, und Andante geendiget hatte selbe hingebracht und ge=spiellt; der Papa kan sich nicht vorstellen was die sonata für einen beÿfall hat. es waren einige von der Musick just dort, der Junge danner, ein waldhornist lang, und der Hautboist, dessen Namen ich nicht mehr weis, welcher aber recht gut bläst, und einen hübschen feinen ton hat. ich habe ihm ein Præsent mit den Hautbois Concert gemacht. es wird im zimer beÿ Canabich abgeschrieben. der Mensch ist Närrisch für freüde; ich hab ihm das Concert heüt auf dem Piano forte beÿm Canabich vorgespiellt; und obwohl man wuste, das es von mir ist, so gefiele es doch sehr. kein mensch sagte daß es nicht gut gesezt seÿe; weil es die leüte hier nicht verstehen – – sie sollen nur den Erzbischof fragen, der wird sie gleich auf den rechten weeg bringen. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 heüte habe ich alle meine sechs sonaten beÿm Canabich gespiellt. h: kapellmeister Holzbauer hat mich heüt selbst zum h: jntendant graf Savioli geführt. kanabich war just dort. h: Holzbauer sagte auf welsch zum grafen; das ich möchte die gnade haben mich beÿ S: Churf: Durchl: hören zu lassen. ich bin schon vor 15 jahren hier gewesen. ich war dort 7 jahr alt, aber nun bin ich älter und grösser geworden, und so auch in der Musick. ah, sagte der graf, das ist der – – was weis ich für wem er mich hielt, da nahm aber gleich der Canabich das wort, ich stellte mich aber, als wen ich es nicht hörte, liess mich mit andern in Discurs ein. ich merckte aber das er ihm mit einer ernsthaften Mine von mir sprach. der graf sagte dan zu mir, ich höre daß sie so ganz Passable clavier spiellen? – ich machte eine verbeügung. Nun Muß ich von der hiesigen Musick reden. ich war samstag am allerheiligen tag in der kapelle in Hochamt. das orchestre ist sehr gut und starck. auf jeder seite 10 bis 11 violin, 4 bratschn, 2 oboe, 2 flauti und 2 Clarinetti, 2 Corni, 4 violoncelle, 4 fagotti und 4 Contrabassi und trompetten und Paucken. es läst sich eine schöne Musick machen, aber ich getrauete mir keine Mess von mir hier zu produciren. warum? – – wegen der kürze? – Nein, hier muß auch alles kurz seÿn – – wegen dem kirchenstÿl? – nichts weniger. sondern weil man hier iezt beÿ dermaligen um=ständen hauptsehlich für die istromenti schreiben muß, weil man sich nichts schlechters gedencken kan, als die hiesige Vocal=stimen. 6 soprani, 6 alti, 6 tenori, und 6 Bassi, zu 20 violin und 12 Bassi, verhält sich just wie 0 zu 1. nicht wahr h: Bullinger? – – dieß komt daher. die wälschen sind hier iezt miserable angeschrieben. sie haben nur 2 Castraten hier, und die sind schon alt. man läst sie halt absterben. der Sopranist möchte schon auch lieber den alt singen. er kan nicht mehr hinauf. die etliche buben die INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 sie haben sind elendig. die tenor und Bass wie beÿ uns die todten=singer. der h: vice=kapellmeister Vogler der neülich das Amt machte, ist ein eder Musickalischer spass=macher. ein Mensch der sich recht viell einbildet und nicht viell kan. das ganze orchestre mag ihn nicht. heüt aber als Sontag habe ich eine Messe vom Holzbauer gehört, die schon 26 jahr alt ist, und aber recht gut ist. er schreibt sehr gut. einen guten kirchen=stÿl. einen guten saz der vocal=stimen und instrumenten; und gute fugen. 2 orga=nisten haben sie hier, wo es der mühe werth wäre eigenst nach Man=heim zu reisen. ich habe gelegenheit gehabt sie recht zu hören, den hier ist es nicht üblig das man ein Benedictus macht, sondern der organ[ist] muß dort allzeit spiellen. das erstemahl habe ich den zweÿten gehört, und das andertemahl den ersten. ich schätze aber nach meiner meÿnung den 2:ten noch mehr als den ersten. den wie ich ihn gehört habe, so fragte ich, wer ist der, welcher die orgl schlägt? – unser 2:ter organist. er schlägte miserable. wie ich den andern hörte, wer ist den der? – – unser erster. der schlagte noch miserabler. ich glaub wen man sie zusamen stöste, so würde noch was schlechters heraus komen. es ist zum todlachen diesen herrn zuzusehen. der zweÿte ist beÿ der orgl wie das kind beÿm dreck; man sieht ihm seine kunst schon im gesichte an. der erste hat doch brüllen auf. ich bin zur orgl hingestanden, und habe ihm zugesehen in der absicht ihm etwas abzulernen; er hebt die hände beÿ einer jeden Note in alle höhe auf. was aber seine force ist, ist daß er 6 stimig spiellt, meisten=theils aber quint=stimig und octavstimig. er läst auch oft für spass die rechte hand aus, und spiellt mit der lincken ganz alleine, mit einem worte, er kan machen was er will, er ist völlig herr über seine orgl. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 die Mama läst der der Nanerl sagen, daß das futter zum Rock in grossen kasten, rechterhand, und völlig unten liegt; es werden aller=hand fleck drauf liegen. schwarze, weisse, gelbe, braune, rothe, grüne, blaue Etc: die Mama empfehlet sich allerseits. sie kan ohn=möglich schreiben, den sie muß noch ihr officium betten. wir sind gar spätt von der grossen opera Prob nach haus gekomen. das baumwoll=gaden ist keins in schleichen, sondern in kneil oder knal oder gar knul, und in einen blauen Tüchel eingebunden. ja, so ist es und nicht anderst. Morgen muß ich nach dem Hochamt zu der gestrengen frau Churfürstin, sie will mir absolument filée stricken lehren; ich habe völlig sorg darauf, den so wohl sie als auch der Edlveste h: Churfürst will daß ich schon künftigen donerstag abends in der großen galla schlacademie öfentlich stricken soll. die jungf: Prinzessin hier, welche ein beschissens kind zur Churfürstin ist, strickt auch selbst recht hübsch; um 8 uhr Puncto • ist der zweenbruck und seine zwobrückin hier angelanget. appropós. Meine mama und ich bitten den Papa recht schön, sie möchten doch die güte haben, und unserer lieben baase ein angedencken schicken. den wir haben alle zweÿ bedauret daß wir nichts beÿ uns haben, aber versprochen dem Papa zu schreiben das er ihr was schickt. aber zweÿerleÿ sachen. in mamen der Mama ein so doppel düchel wie die Mama eins hat, und im namen meiner eine galanterie. eine dose, oder Zahnstockerbüchsl etc: oder was es ist, wen es nur schön ist; den sie verdient es. sie und ihr h: vatter haben sich vielle Mühe gegeben, und vielle Zeit mit uns ver=loren. der h: vetter hat beÿm Concert das Geld eingenomen. addio. Baccio le mani di vostra Paternità, ed abbraccio con leggiertà la mia sorella, e faccendo i miei complimenti da per tutto sono di tutto Cuore Wolfgango Amadeo Mozart. Manheim li 4 di Nov:bre 1777 ______________________________________________4. Nov 77 ein gewisser Singnor gervasio und seine frau, welche dich von holland aus keneten, last dir graduliern zu dein virtuosen Sohn, er spillet Mandolin und sie Singt, sie hab heunt ein Consert geb. unsere Empfehlung an ganz Salzburg, absonderlich an unsere wahr freinde, herr bullinger und Jungfer Sallerl. Von Mozarts Mutter: Mariana Mozart. ______________gilowskÿ katherl, fr: v: gerlisch, h: von heffner, fr: v: heffner, fr: v: schidenhofen, h: geschwendner, h: Sandner und alle die gestorben sind. die scheiben, wens es nicht zu spät ist, bitte ich mir so aus. ein kleiner Mensch mit lichten haaren steht gebuckt da, und zeigt den blosen arsch her. aus seinen Mund gehen die wort. guten appetit zum schmaus. der andere wird gemacht, in stiefl und sporn, ein roths kleid, eine schöne Perücke nach der Mode; er muß von mitterer grösse seÿn. er wird in der Positur vorgestellt wie er den andern just im arsch leckt. aus seinen Mund gehen die worte. ach, da geht man drüber N'aus. so, ich bitte. wen es diesemahl nicht seÿn kan, ein andermahl. Von W. A MozartsHand. À Monsieur frei Augspurg Monsieur Leopold Mozart Maitre de la Chapelle de S: A: R: L'archeveque de à Salzbourg.