Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN WOLFGANG AMADÉ MOZART IN MANNHEIM SALZBURG, 24. NOVEMBER 1777
____________________________________________20.______________________________\hfill Salzb: d 24t Novemb 1777. _____Mon très cher Fils! Ich weis in der That nicht was ich schreiben soll, so sehr war ich über euer letztes vom 16t betroff. mir wurde mit der gröst Leichtigkeit erzehlt, daß h: Schmalz, ver=muthlich der vatter, bruder oder befreunde des h: Schmalz beÿ der Lederfabrick in Münch, oder etwa gar er selbst, sich entschuldigte daß er keine Anweisung hätte dir Geld zu geb. das glaube ich gerne; er hatte auch recht: dan du hättest den h: Herzog, oder die Noker und Schiedlische Handlung darum ersuch soll, dir ein klein Credit weiter zu verschaff, wie ich es zu thun pflegte: dan sie hatt vom Hagenauersch Hauß keine ordre diesen Credit auf ande Orte zu erweitern, und aus der buchstablich ordre geht kein Kaufman: auf dein Ersuch würde er es dir aber gethan hab. dieser Zufahl wurde mir aber so natürlich und Gleichgültig erzehlt, als wen ich alle käst voll Geld hätte, und mich nur ganz erschröcklich darüber aufhalt würde, daß nicht augenblicklich die Bezahlung erfolgte. Ich will mich mit weitläuftiger Beschreibung unser Umstände nicht aufhalt, du weist sie selbst, und die Mama weis solche eb so gut, und in meinem Schreib vom 20t habe alles das grösste angeführt und noch eine ziemliche ____Summa_______________waaren Conto ohaam eines wmmrln Csnts beÿm Hagenauer vergess, wo wir doch itzt kein _____kreuzer aufschreiben___lassen krlhzlr mhiocurlfbln emooln. das, was mich am meisten beÿ Erhaltung des letzt Schreibens in verwundung setzte, war, daß du auf ein mahl mit dieser Geschichte zum vorschein kahmst, ohne mir etwas im vorhergehend Brief zu meld, wo es nur heisst, daß zum Reisen das Geld nötiger und besser gewes wäre, als eine gallanterie; da ihr doch schon damals gewust, daß ihr schlecht beÿ Geld seyd. Ich würde also, wen h: Schmalz willfährig gewesen wäre, ohne von euch die mindeste vorläufige Nachricht gehabt zu hab, in einem Augenblick, wo ich es nicht vermuthet hätte, eine Bezahlungs Anweisung auf dem Hals gehabt hab. das ist in der That schön! – – Ich lasse es deiner Überlegung in Betracht aller meiner Umstände über. von Augsp: schriebst du mir, daß ihr nun nicht mehr, als um 27 f in verluest stehet. – Nun machte ich die Rechnung, daß, wen ihr auch um 30 f zurückstehet, so habt ihr 170 f. hat euch nun die dume Reise über Waller=stein nach Manheim 70 f gekost. so sollten euch 100 f in Händ geblieb seÿn. hat sie euch mehr gekostet, so sollte euch den nicht so viel übrig geblieb seÿn um die Reise nach Maÿnz mach zu könn? wo ihr dan nahe an Frankfort würdet gewes seÿn, um in allem höchstnothwendig Falle etwas vermög des zweyt Credit Briefes vom h: Bollon=gari aus Frankfort zu bezieh. dan hättet ihr nur därff beÿ einem Kaufman in Maynz nachfrag, der mit h: Bollongari in Correspondenz stehet; der hätte es über=nom den Credit Brief an h: Bollong: zu schick, und das verlangte zu bezieh. wäre das nicht vernünftiger gewes, als in Manheim herzusitz und das Geld ohne Nutz zu verzehr: da ihr um dieses Geld vielleicht die Reise, die euch etwa 15 od 16 f würde gekostet hab, hättet mach könn. da bis worms nur 1 und 14tl bis oppenheim 2. bis Maynz 1. folglich in allem nur 3 und 34 Post sind. und hättet ihr beÿ der An=kunft auch wenig od kein geld, so sind bekannte da, die euch beÿsteh, und kein Cavalier hat sich zu schäm, wen er kein Kreuzer Geld im Sack hat, im gegentheil aber ein Credit=Brief aufweisen kan: dan dieß kan dem reichest und vornehmst gescheh, ja es ist eine Maxime beÿm Reisen, wens möglich, nur das nothwendige Geld beÿ sich zuführ. Ich rede blindlings imer von Maynz, aus natürlicher vermuthung, weil ich in keinem einzig Brief von euch iemals mit der Nachricht bin beehret word, wo ihr INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 hinzureisen gedenket, nur den letzt Augenblick schriebst du mir von Augsp: morg werd wir nach Wallerstein geh; und h: Stein schrieb mir sie sind nach Wallerstein und Manheim Sontags um halbe 8 uhr abgereiset. da doch solche sach einige Zeit vor=aus sollt geschrieb werd, da ich manchmahl nutzliche Anstalt und Erinerung mach könnte; wie ich wegen Frankfort, durch meine Schreib an h: Otto und Pfeil zu thun bemühet war. – – freÿlich gehet euere Reise mich nichts an! nicht wahr? – – Von Manheim könntet ihr freÿlich noch ein ganz and Weeg genom hab: nämlich nach Würzburg, und von da zum Margrafen nach Darmstatt herunter, dan Frankfort–Maynz. allein wie kan ich euere Gedanck errath, od euch ein Vorschlag machen, da ich niemals zu Rath gezog werde, und nicht wuste wie ____________________________________________________________________________________________wo du mit dem Kurfürsten die Sach in Manheim stund, ja nach deinem Schreib |: ws dh aft dla Cuhrifrotln so vertraut zu sprechen gelegenheit hattest os vlrtrmht zh oprlculn glelglnulft uattlot :| ganz ande Absicht und ein langen Aufenthalt alda vermuth musste; welches alles, was deine Meinung, Neigung, Absicht p: seÿn möchte also gleich beÿ Zeit aufrichtig hätte soll berichtet werd, da die Briefe mit Empfang und Antwort, wen sie auch richtig geh, 12 Täge zu lauff hab. aber auch dieses hast du zu überdenk dir keine Mühe genom, indem du mir im letzt Brief unterm 16t schreibst, ich könnte dir also noch nach Manheim schreib, da du doch diesen Brief erst nach 12 Täg aufs geschwindeste, und also erst den 28t erhalt könntest: wo unterdess h: Herzog längst geantwortet, und du abgereist seÿn wirst. dein Brief hab aber erst den 21 am freÿtag zu unserm Hochzeittage als ein present erhalt, konnte demnach vor dem 24t nicht antwort; du wirst ihn also den 1t od 2t December, Gott weis wo, lesen. Ihr müst beÿde nicht glaub, als wüste ich nicht, wie viele nebenausgaab auf Reisen vor=kom, und wie das Geld weg fliegt, sonderheitlich wen man zu freygebig, od zu gut ist. Mein liebes Weib, hat sich gerühmt, daß sie frühe aufsteh, sich nicht aufhalt, und alles geschwind und Hauswirthschaftlich mach werd. 16 täge in Münch. 14 täge in Augspurg und nun von deinem letzt Briefe d 16t Nov: 17 täge in Manheim welches mit abwartung der Antwort von Augsp: auf 3 Woch kom wird. das ist in der that Hexereÿ; ihr seyd erst 8 woch, folglich 2 Monate weg, und schon in Manheim? – – das ist ohnbegreiflich geschwind! da wir nach Engelland reist, warn wir 9 täge in Münch, war beym Churf: und Herzog Clement, und must auf das present wart. – wir war 15 täge in Augsp:, gab aber 3 Concert alda, nämlich den 28 und 30 Junij und den 4t Julij. – wir sind den 9t Junii von Salzb: abgereist, sind erst d 12t in Münch eingetroff, weil in Wasserburg neue Räder gemacht wurd, und sind doch den 13t Julii in Schwezing gewesen. obwohl wir uns auch in Ulm, Ludwigsburg, und Bruchsal aufgehalt. Ihr sehet also, daß der Lange und unnötige Aufenthalt alles verderbt, der schönste Herbst, der beÿ Mansgedenk gewesen, ist so dahin gegang, und bis itzt habt ihr eine Spazierreise gemacht, und ist die zeit mit Unter=haltung und spaß dahingegang: Nun ist die üble Witterung, der kurze Tag, die kälte schon da, und wird noch mehr kom, und die aussicht, das ziel, kostbar und entfernt. den ganz Winter kan man nicht reisen; und wen man bleib will, so muß es in einer gross Statt seÿn, wo welt ist, wo zum verdienste Hofnung und Gelegenheit ist: und wo ist ein solcher Platz in d ganz Gegend? – ausgenom Paris: – – In Paris zu leb gehört aber ganz eine ande Lebensart, eine ande Gedenkungsart, Aufmerksamkeit, tägliches Nachdenk etwas zu gewin, und die äusserste Politesse sich beÿ Person von Stande zu insinuier dazue: davon ich das mehrere in meinem nächst Briefe schreib werde, wo ich euch auch meine Gedanck weg einer etwa zu nehmend ganz and Strasse eröffn werde, unn, wie glaube, geschwind nach Paris zu kom. nämlich von Coblenz nach Trier, Luxenburg, Sedan wo h: Ziegenhagen der mit h: Wahlen beÿ uns war, seine Tücherfabrick hat, INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 und vielleicht ist er da. dan nach Rethel, Reims, Soissons nach Paris. NB. von Paris nach Rethel sind 22 französische Post. Von Rethel ist ein kazensprung nach Sedan – – Luxenburg auch nicht weit und Trier gleich an Luxenburg. Luxemburg, eine ansehnliche Vestung, wo viel officier seÿn werd. Rheims und Soissons sind grosse Hauptstätte. Hier lässt sich aller Ort eher etwas verdien um die Reiseköst zu gewin, weil die Virtuos sehr selt an solche Pläze kom. da hingeg von Brüssl bis Paris 34 Post zu mach sind, die uns 20 Louisd'or gekostet mit 6 Pferd, ohne ein Kreuzer einzunehm. und von Coblenz bis Brüssl ist nichts zu mach, als vielleicht beÿm Churf: von Cölln. vielleicht? – und was in Brüssl? – – – – – unterdess mag ein Weeg genom werd, was für einer will, so sorge für Recomen=dationsbriefe nach Paris, von wem sie imer seÿn mög, – Kaufleut, Cavagliers pp: und ist nicht etwa ein französ: Gesandter, od Resident in Maynz od Coblenz? ich glaub nein. du hast gar keine Empfehlungsschreib, und ich hatte dern eine Menge; sie sind höchst nothwendig, um sich gleich protection und bekanntschaft zu verschaff. So eine Reise ist kein Spaß, das hast du noch nicht erfahr, man muß ande wichtigere Gedank im Kopf hab, als Narrensposs, man muß hundert sach vorauszuseh bemühet seÿn, sonst sitzt man auf einmahl im dreck, ohne Geld, – – und wo kein Geld ist, – ist auch kein freund mehr, und wen du hundert Lecktion umsonst giebts, Sonaten Componierst, und alle Nächte, statt wichtigern dingen, von 10 uhr bis 12 uhr Saurei machst. Begehre dan ein GeldCredit! – da hört aller spaß einmahl auf – und im augenblicke wird das lächerlichste Gesicht, ganz gewiß ernsthaft. Ich tadle dich keinesweegs, daß du dich durch freundschafts Stücke das Cana= bichische Hauß verbündlich gemacht, es war sehr wohl gethan: allein einige sonst müssige Abendstund hättest du deinem für dich so sorgfältig Vatter schenck, und ihm kein in d Geschwindigkeit hinge=schrieben Mischmasch, sond einen ordentlich vertraulich Bericht, von eur gemacht Reiseköst, von eurem noch übrig Geld, von der in Zukunft vorzunehmend Reise, von deiner Absicht in Manheim pp: umständlich niederschreib und dich Raths erhohl soll; das Hoffe wirst du selbst vernünftig einsehen. dan auf wen fällt dan endlich alles zurück, als auf dein arm alt Vatter. da ich den 21t, wie ob gesagt, dein Brief erhielt; konte vor dem Heutig tage nichts antwort. Gestern d 23t habe beÿ der hl: Dreyfalltigkeit meine Beicht ver=richtet und euch beÿde mit weinend Augen dem Schutz des allmächtig Gottes empfohl. Nachmittag war Bölzlschüss, das der Cajetan Andretter gab: ich gewan das beste. h: Bullinger, der sich empfiehlt, war über dein Brief auch etwas betroff, und beÿ diesen ernsthaft Um=ständ, schien mir, daß ihm dein Spaß mit d ofen schuld nicht sehr gefiel. um halbe 6 uhr bin ich noch zu h: Hagenauer gegang, um ihn zu bitt: daß wen h: Nocker und Schiedl mit d Post ihm keine Nachricht giebt dir etwas angewiesen zu hab, daß er mit dieser Post dessweg nach Augsp: möchte schreib lass. Heute frühe gieng ich abermahl in Laden und sprach mit dem h: Joseph. Ich fand, daß sie von Nocker und Schidl zwar Briefe hatt; aber von dir wird nichts gemeldet. Er versprach mir heute zu schreib. Nun hab für alles gesorgt; und hoffe du wirst entzwisch Geld erhalt haben, die Noker und Schiedlische Handlung wird es dan erst bericht, wen sie wiss, wie viel dir gegeb word. NB Es ist alzeit besser, wen man wo geld nimt, daß man nicht Guld weis, sondern Stück weis nimt z: E: 6, 7, p:  Louisd'or, Carolin, od was es ist. Nun habe ich dir alles gesagt wie es mir ums Herz ist, und wie es die Gottliebende Wahrheit ist. du wirst es erst einsehen lernen, daß es kein Spaß ist so eine Reise zu unternehm und vom zufälligen Geld=einnahm leben zu müssen: wo man vor allem Gott inständigst um die Gesundheit bitt INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 vor schlecht Leuten sich wachsam Hütten, und mit allem, was man weis und kan Geld zu ver=dien, und solches dan mit gröster Hauswirtschaft ausgeb muß. Mir ist lieber auf der Reise daß mir ein Mensch, dem ich etwa zu wenig gebe, und ihn in meinem Leb nicht mehr sehe, mir nachsagt, ich wäre ein Pfeningfuxer, als wen er, da ich ihm zuviel gebe, mich noch hinten darein auslacht. das Papier ist voll, und ich, sondheitl: meine Aug müde. Ich und die Nanerl wünsch euch die beste Gesundheit, Küss euch von Herz millionmahl und ich bin der alte Man und Vatter_____NB nicht Sohn ____________________________________________________________Mozart mp \newpage Hoffe ihr werdet mein Brief vom 20t erhalt haben, wo ich dir gemeldet habe, daß du an M: Grim nach Paris schreib könntest, auch was du an Fürst in Chiemse nach Münch schreib sollst, mit nächster Post, werde alle Post nach Paris und meine Meinung p: auch die Lista aller unserer ehemalig bekannt in Paris übermach. addio. À Monsieur Frcoaug: Monsieur Wolfgang Amadé Mozart Maître de Musique im Pfälzischen________à Hofe.______________________Manheim N:o 20. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881