Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2012-10 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=969 Verbleib unbekannt (Nachweis: Sotheby's London, 1.12.2005, Katalog, Lot 114) last file update: Wed May 11 14:48:12 2022
MARIA ANNA MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG MANNHEIM, 17. JANUAR 1778 mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart
__________________________________________________________28. _____________________________________________________________________\hfill Manheim den 17t ___________________________ __________________________________________\hfill Jener 1778 Mein lieber Mann. heunt habe ich dein brief von 12t datiert mit freiden erhalten bedaure das so ville leuth kranck sein, es ist halt die schlechte witterung schuld, hier haben wür villen Regen gehabt, und iezt ist es für dise zeit zimlich warm, und sehr ungesund. Von Neuigkeiten hert man hier nichts, es ist alles so still __________________________________________________________Kaiserlichen Soldaten man hat schon darvon geredet, das die Kmfoolrefculn ___________in____Bayern marschirt__sind____aber keine rechte Gewissheit oseeln fn bmylrn amrocuflrt olfn, mblr klfnl rlcutl glwfs= ______weiß__man nicht____ich glaube___wenn der Kaiser____was ulft wlfo amn nfcut, fcu gemhbl wln dlr Kmfolr wmo ___wider den Kurfürsten in Sinn hätte würden sich der wfdlr dln Khrifrotln fn sfnn ulttl, wfrdl ofcu dlr ___Kurfürst nicht___so lange__in__München__aufhalten___sondern Khrifrot nfcut os emng fn affnfculn mhfmltln, osndlrn ________________Mannheim____reisen______________Baron Lehrbach wider nach manulfa Rlfooln, das der bmrmn lfhrbmcu ____kasierlicher Gesander ist__wissen Klfslrefculr glsmndlr fot wfooln wür schon und Kennen ___________________________Er ist ein brawer Herr und__________hier ihm recht gueth. lr fot lfn brmvlr ulrrn hnd ist uflr gewesen glwlooln, wür habe ein brief an ihm gehabt, von __________________________________________Lehrbach den Salzburgerisch baron elurbmcu, der wolfgang hat ihme hier in unsern würthshaus übergeben, gott gebe nur das alles Ruehig bleibt, meine nach haus Reise wurde ______________________________________Soldaten im Lande nicht gar lustig sein, wan osedln fn emnd wehren, bewahr mich gott darfür, ich müste für furcht vergehen. ich Lebe indessen in der hoffnung, das es sich in kürze zeigen mues, wo es hinaus will. ____________________________________________* _______________________________________[ künftigen Mittwoch werde ich auf etliche täge nach kircheim Poland zu der Prinzessin von oranien gehen; man hat mir hier so viell gutes von ihr gesprochen daß ich mich endlich entschlossen habe. Ein holländischer officier, der mein guter freünd ist, ist von ihr entsezlich ausgescholten worden, daß er mich, als er hinüber kam ihr das neüe jahr anzuwünschen, nicht mitgebracht hat. auf das wenigste bekome ich doch 8 louisd'or. den, weil sie eine ausserordentliche liebhaberin von singen ist, so habe ich ihr 4 arien abschreiben lassen, und eine sinfonien werde ich ihr auch geben. den sie hat ein ganz niedliches orchester, und giebt alle tag accademie. die Copiatur von den arien werden mich auch nicht viell kosten, den die hat mir ein gewisser h: weber, welcher mit mir hinüber gehen wird, abgeschrieben. ich weis nicht habe ich schon von seiner tochter geschrieben oder nicht – – sie singt halt recht vortreflich, und hat eine schöne reine stim. es geht ihr nichts als die action ab, dan kan sie auf jedem theater die Prima dona machen. sie ist erst 16 jahr alt. ihr Vatter ist ein grund=ehrlicher teütscher Man, der seine kinder gut erzieht, und das ist eben die ursach warum das mädel hier verfolgt wird. er hat 6 kinder, 5 Mädeln und Einen sohn. er hat sich | mit frau und kinder | 14 jahr mit 200 f: besoldung begnügen müssen, und weil er seinen dienst allzeit gut vorgestanden, und dem Churf: eine sehr geschickte 16 jährige sängerin gestellt hat, so hat er nun – ganze 400 f: meine arie von der de amicis, mit den entsezlichen Pasagen, singt sie vortreflich; sie wird sie auch zu kircheim Poland singen. sie ist im stande sich selbst zu lehren. sie accompagnirt sich recht gut; und spielt auch Passable galanterie. das glücklichste für sie in Manheim ist, daß sie von allen Ehrlichen und gutdenckenden leüten gelobt wird; der Churf: und Chur:stin selbst haben sie, wen es nur nichts kostet, recht gern. sie kan zu der Churf. gehen wen sie will, alle tage, und das hat sie ihrer guten auführung zu dancken. wissen sie um was ich sie bitten möchte? – daß sie mir nach ge=legenheit, doch so bald möglich, so nach und nach, die 2 Sonaten auf 4 hände, und die Variationen von fischer schicken möchten! – – ich würde sie zu Paris gut brauchen könen. Ich glaube wir werden längstens den 15 feb:ro von hier abreisen, weil keine opera hier ist. Nun etwas anders. vergangenen Mittwoch war in unserm hause ein grosses tractament, und da war ich auch dazu eingeladen; es waren 15 gäste, und die Mad:selle vom hause sollte auf den abend das Concert, welches ich ihr gelehret, spielen. um 11 uhr vormittag kam der h: kamer=rath mit den h: Vogler zu mir herein. der h: vogler hat halt absoulument mit mir recht bekant werden wollen. was er mich schon oft geplagt hat zu ihm zu komen, das ist nicht zu beschreiben; Endlich hat er doch seinen hochmuth besiegt, und hat mir die erste visite gemacht; überhaupts sagen mir die leüte daß er izt ganz anderst seÿ, weil er dermalen nicht mehr so bewundert wird; den die leüte haben ihn in anfang zu einen abgott gemacht. ich gieng also mit ihm gleich hinauf; da kamen so nach und nach die gäste, und wurd nichts als geschwäzt. nachtisch aber liesse er 2 Clavier von ihm holen, welche zusammstimen, und auch seine gestochene langweilige Sonaten. ich muste sie spielen, und er accom=pagnirte mir auf den andern clavier dazu. ich muste, auf sein so dringendes bitten auch meine Sonaten holen lassen. NB: vor dem Tisch hat er mein Concrt, | welches die Madselle vom haus spiellt, und welches das von der litzau ist, Prima vista herabgehudelt. das erste stuck gieng Prestissimo das Andante allegro und das Rondeau wahrlich Prestississimo. den Bass spielte er meistens anderst als es stund, und bisweilen machte er ganz eine andere Harmonie und auch Melodie. es ist auch nicht anderst möglich, in der geschwin=dickeit. die augen könen es nicht sehen, und die hände nicht greifen. ja was ist den das? – – so ein Prima vista spiellen, und scheissen ist beÿ mir einerleÿ. die zuhörer | ich meÿne diejenigen, die würdig sind so genant zu werden | könen nichts sagen, als daß sie Musique und Clavier spielen – – gesehen haben. sie hören, dencken – und empfinden so wenig dabeÿ – als er. sie könen sich leicht vorstellen das es nicht zum aus=stehen war, weil ich es nicht gerathen konte ihm zu sagen. viell zu geschwind. übrigens ist es auch viell leichter eine sache geschwind, als langsam zu spiellen. man kan in Pasagen etliche Noten in stich lassen, ohne das es jemand merckt; ist es aber schön? – – man kan in der ge=schwindigkeit mit der rechten und lincken hand verändern, ohne das es jemand sieht und hört: ist es aber schön? – – und in was besteht die kunst, Prima vista zu lesen? in diesem: das stück im rechten tempo wie es seÿn soll zu spiellen. alle noten, vorschläg Etc: mit der gehörigen expression und gusto, wie es steht auszudrücken, so, das man glaubt, derjenige hätte es selbst Componirt, der es spiellt. seine aplicatur ist auch Miserable, der lincke daum ist wie beÿm seeligen Adlgasser, und alle läuffe herab mit der rechten hand, machte er mit den ersten finger und daum. aufs nächste werde ich mehr davon reden. den ich bin seitdem von ihm zu einer Musique eingeladen worden. ich stehe halt doch im gnaden beÿ ihm. Addio. ich küsse ihnen 100000mahl die hände und meine schwester umarme ich von ganzen herzen. unsere Empfehlung an alle gute freund und freündinen absonderlich an M:r bullinger und Madlle Salel. ich bitte sie, schreiben sie mir doch ein schönes Abc____\hfill wolfgang Amadè Mozart. mit gross und kleinen buchstaben; und schicken sie mirs.