Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2012-10 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1008 A-Sm A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT) last file update: Wed May 11 14:48:12 2022
LEOPOLD MOZART AN WOLFGANG AMADÉ MOZART IN PARIS SALZBURG, 6. APRIL 1778
____________________________________________________________________________________________________________\hfill Salzburg d 6 Aprill _________________________________________________________________________________________47_____________________________________\hfill 1778. Wir hatt heute das sehnlichst gewünschte Vergnügen euern schon d 24 Merz geschrieb Brief zu erhalt. Ich war um so mehr für diese Reise besorgt, weil wir eben zu derselb Zeit hier das abscheulichste Wetter hatt, und ich gar wohl weis, was es ist mit Rosslehner zu reisen. Gott lob, daß ihr Gesund angelangt. für euere Zehrungskost war mir auch schon bange, dan in Itali ist es noch weit besser, man weis den Preis à pasto zu leb, aber in Frankreich muß man vorher accordier |: welches sie nicht gern thun woll :| sonst wird man jamerlich geschor. ich schrieb euch nichts davon, weil ich damals als sicher glaubte ihr werdet mit dem Postwag geh. wo man sich nach and Leut richt kan. Basta! ihr seyd |: Gott Lob :| glücklich angelangt. Itzt empfehle ich dir nachdrücklichst dich durch ein vollkomenes Kindliches Vertrau recht die Gnade, Liebe und Freundschaft des h: Baron von Grim zu verdien, od vielmehr solche zu erhalt, ihn in all Stück zu Rath zu zieh, und nicht aus aigenem Kopf od vorgefasster Einbildung zu thun, und durchaus auf dein und dadurch auf unser gemeinschaftliches Interesse bedacht zu seÿn. Die Lebensart in Paris ist von der teutsch sehr unterschied, und die Art im französisch sich höflich auszudrück, sich anzuempfehl, Protecktion zu such, sich anzumeld p: hat ganz etwas aigenes, so, daß h: Baron von Grim mir eb auch damals Anweisung gab, und ich fragte, was ich sag und wie ich mich ausdrück sollte. Sage ihm nur, nebst meiner gehorsamst Empfehlung, daß ich dir dieses erinert habe, und er wird mir recht geb. Ich hab noch Vorschrift in Händ, die er mir machte, um Billets an Person vom Rang zu hinterlass, wen ich solche nicht sprech konnte, und wie oft schrieb ich mit der petite Poste an M: Grim um ihn um Rath zu frag, od ihm Nachricht zu geb, da wir weg der weit entlegenheit der Rüe St: Antoine, und der Rüe neuve Luxembourg einander nicht sprech konnt. Was diesen Punckt nun betrift bin ich zum voraus überzeugt, daß du dich imer an diesen unser gewissest freund halt wirst. Du hast mein Brief, den ich an h: Maÿr addressiert, erhalt. ich gab dir Nachricht, daß ich den h: Gschwendner gebett: daß er seinem Bruder schreib möchte, im falle eines nötig Geldmangels dir beÿzusteh. ich that es aus vätterlicher Vorsorge; wünsche aber, und hoffe, daß ihr geld herauszunehm nicht gezwung seÿn möchtet, dan ihr wisst erstlich, wie wir steh, und daß itzt schon genug ___schuldig bin____________________weiß wie____ich es_______bezahlen werde ocuedfg bfn, und nicht wlfo, wfl fcu lo blzmueln wlrde, und zweytens macht es sehr viel aufseh hier, und macht dir keine Ehre, mich aber __________________________________________________________________________________ich___Euch immer___Geld setzet es in verachtung, wen mans erfährt, daß fcu lhcu faalr gled ____schicken muß. ocufckln ahoo. ist es aber die höchste Nothwendigkeit, ie nun, in Gottes nahm: ihr därft dem h: B: v Grim dieses alles sag, ich hab ihm alle unsere Umstände, _______________________Schulden auch alle unsere ocuhedln in zween langen Brief geschrieb, und mich in viel ____________________________________________________________________________________________________Erzbischof Stücken, die verfolgung und die verachtung die wir vom lrzbfocusoo ausgestand betreffend auf deine mindliche Erzehlung beruffen, ich hab ihm erzehlt, daß er nur dan höflich geschmeichelt, wen er etwas nötig hatte, und er dir für alle Composition nicht ein Kreuzer bezahlt hat; du kanst ihm mein Elend vorstell. INTERNATIONALESTIFTUNG:MOZARTEUM1881 könntest zu, wie Hanauer, wie d seel: Schobert p: von einem Prinz in Paris ein monatl: Gehalt bekom, – dan nebbeÿ fürs Theater, fürs Concert Spirituel und fürs Concert des amateurs zu zeit etwas arbeit, – und dan einige mahl par subscription etwas gravier lass – ich aber und deine Schwester Lection geb, und deine Schwester in Concert und Accademi spiel, so würd wir gewiß recht gut zu leb hab. du wünschest daß ich in mein Brief ein gut humor zeigen möchte. mein lieber Wolfgang! du weist, daß die Ehre mir mehr als mein leb gilt. – überlege den ganzen hergang der Sache – denke, daß ich _______________________________Schulden bis itzt tiefer in Ocuhedln gerathen; da ich durch dich mich herauszureiss gedachte. – du weist ich stehe hier beÿ iederman in Credit –, so bald ich diesen verliere, ist auch meine Ehre hin: – die freundschaft und das Wohlwoll der Kaufleute dauert aber nur so lange, als man mit der Bezahlung richtig zuhält – bleibt diese zu lange _______________________________________________________________________________________Erzbischof aus, so ist die freundschaft d Welt verlohr! – und der lrzbfocusoo? – – sollte wohl dieser das vergnüg haben zu hör, daß unsere Sach schlecht stünd, und darüber lach – darüber spott könn? – – Ich würde in solchem falle des gähen Todes hinfallen. da ich euer schreib erhalt, wurde ich augenblicklich beÿ durchlesung desselb in die beste Laune versetzt. Wir bracht also gleich all Leut, die uns sorgfältigst imer fragt, die gute Nachricht, daß ihr gesund und glücklich in Paris angelangt. Ich im Arcoisch Hause und die Nanerl im Hagenau=erisch und beÿ den Mölckisch p: die sich alle empfehl. – du weist das ich an das Nachdenk und Überleg gewohnt bin, sonst würde ich meine Sach niemals so weit ge=bracht hab, da ich niemand hatte, der mir rath konnte, und ich von jugend auf niemand völlig mich anvertrauete, bis ich nicht sichere Prob hatte. Sehe nur meine Brüder und mich an, und du wirst die folg meines überlegens und Nach=denkens mit Händ greiff, wen du den Unterschied zwisch uns bedenkest; da ich also von jugend an zur Überlegung gewohnt bin, wie kanst du mirs ver=denk, wen mir eine so wichtige das wohl aller der meinig betreffende höchst wichtige Sache tag und Nacht am Herz liegt? – Eine Sache die mich selbst, und die jene Person angehet die mir das liebste von d ganz Welt sind. – Ich sollte, wen ein Krieg zu nahe kom sollte, gleich zu euch reisen. ja, nicht nur wen ein Krieg ausbricht, sondern auch ohne Kriegsgefahr. – allein ich muß _____________________Schulden bezahlen_______________________________________zu____wenig Geld vorher die ocuhedln blzmueln n, sonst bleibt uns zh wlnfg Gled zum reis. Mein guter Humor hängt von dein Umständ an, mein lieber Sohn, diese mach mich gesund, so viels für mein alter möglich ist, und ich empfinde, daß mich deine Werkthätige Bemühung und Sorge, mich aus unserm Jamerthale zu reis gesund macht. Hast du einmahl ernstlich auf das Wohl deines Vatters INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 gedacht, so wird dieser auch fortfahr auf dein Wohl und Vergnüg zu denk und dir als dein wahrer freund beysteh. das Hoffe ich auch von dir und diese Hofnung macht mich aufleb, macht mich vergnügt, macht mich fröhlich. Was du mir _______________________________________________________________Cannabich von der wenig Dankbarkeit des Mr. Cmnmbfcu schreibst habe ich dir ja schon in mein vorig Brief vorgesagt. arme Leute, die Ehre im Leib hab, sind allzeit erkäntlicher als auf ihr Rang und Anseh Stolze, die ihre wahre Ehre dem Stolz einer ein=gebildet Ehre aufopfern und alles als eine Schuldigkeit anseh, was man ihn zu gefahl thut, und dich vielleicht durch etliche Mahlzeit belohnt zu hab glaub. ________________________________________________________________Cannabichs weist du was mir h: v Grim, da er dir Cmnmbfcuo Synfoni schickte geschrieb hat? – c'est moi qui lui |: er sprach von dir :| fais présent des Symphonies de Canabich. Imaginez que celui ci envoie chez moi un Exemplaire pour moi, un pour vous, et se fait payer tous les deux par le Baron Bagge pour mon Compte, et prend même six francs de plus et décampe. NB du hattest ihm vorher deine Pariser Londoner, und Holländ Sonaten gratis geb müss, und er versprach dir dafür seine Sinfoni zu geb; Nahm aber das geld und reisete davon. Und glaubst du wohl, daß ein so elend Synfonischmierer dich _________________________im Ernste neb seiner in dienst hab möchte? – _________________________da du noch ob drein jung und er schon _________________________alt ist? Ich glaubs nicht! Die Manheimer Composition hab mir, die Wahrheit zu gesteh, niemals gefahl, das orchester ist gut, – stark – aber ihr gusto ist nicht der feine wahre rührende geschmack. etwas vom Krieg! der Herzog von Zweÿbrück hat durch eine öfentl im druck erschienene Schrift beÿm Reichstag wid den Vergleich zwisch dem Haus östereich und Churf: von d Pfalz protestiert, hat das Röm: Reich um Beystand angeruff und ist selbst zum König in Preuss gereiset, welcher auch dan in einer öffentl schrift sich erkläret hat, daß er niemals zugeb werde, daß Churbayr vertheilt werde. Nun wird es beÿm Reichstag untersucht, wie weit die östereicherisch Ansprüche gegründet sind. unterdess zieh sich die Oster: und Preuss Armeen schon zusam, um sich geg einand zu stell. von uns geh aus dem Gebürg etliche 100 Pferd zur öst: armé die gekauft word. heut sind wied 40 Stück durchgeführt word. Morg und folgende täge kom die Maul=thier aus Itali hier durch über 2000 St: – Schreibet mir, ob frankreich den Krieg den Engelländer wirkl: erkläret hat? – – nun wirst du den ameri=caner Minister h: Dr: Francklin seh. Frankreich erkent die 13 Amerikanisch Provinz für ohnabhängig und hat mit ihn tracktat geschloss. die Nanerl empfehlt sich d Mama und ihrem Brud ins Herz wir küss euch beÿde million=mahl und bin d alte_____Mzt mp INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Mein liebes weib hat also abermahl Paris zu seh bekom, u das auch das roth attlassner Kleid u das Waderl d Mad:me d'Epinay ist wied nach Paris gekom. o wär wir beÿ euch! das A, B, C: Komt nächstens gestern wars versprech mit dem Oberbereuter u Barisani antonia auf ostern die Hochzeit. der Castrat, d täglich zu uns komt, empfehlt sich, er singt, die Nanerl accompagniert wie ein ied Capellmeister. Monsieur Monsieur Wolfgang Amadé Mozart Maître de Musique _______________________à chez Mr: Mayer Marchand Fripier Ruë Bourg l'Abbé____Paris ALEMAGNE Nro 45. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881