Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA UND WOLFGANG AMADÉ MOZART IN PARIS
SALZBURG, MAI 1778
Mein liebes Weib, und lieber Sohn!________________________________________50____________________\hfill Salzb: d 28t
______________________________________________________________________________________________________________________________\hfill Maÿ 1778.
Den 25t diess erhielt ich euer Schreib vom 14t, Unterdessen werdet ihr mein den 11t dieses
abgeschickte verhoffentlich erhalt haben. ich bin ohnendlich erfreuet, daß ihr euch beÿde wohl
und gesund befindet, und daß die Sachen diese Jahrszeit gut gehen. ihr därft euch nur
erinern, was ich imer von Paris geschrieb, und wie ich imer getrieb dahin zu reisen;
nur gedult, es wird schon noch besser geh –. Neuigkeit! Ceccarelli ist den 18 in der Nacht mit
der ordinariPost nach Ital: abgereiset, und wird den 1t Novemb: wieder hier seÿn. Er hat ein
Decret auf 3 Jahr angenohm mit jährl: 800 fl und 20 duggatt heraus und 20 duggatt hinein
od zurückreise. er hat dessweg sein Quartier beÿm Peruckenmacher Peter Rosentretter im
fechtmeisterHause behalt, und zahlt monatl: das halbe Geld. da er sich hier erst etliche schöne
kleid mach lass; so war sein Coffre zu klein und er ließ seine meist Ari ein gross
Stoß hier beÿ uns. Er war so ein grosser freund zum Pimperl wie bullinger: und
ich hab in meinem Leb kein so aufrichtig gut welsch, will nicht sag Castrat gekannt,
wie diesen. Die ganze Statt freuet sich, daß er wiederkomt; – Nun bauet man wirklich
hinter des Erzbischof Loge beÿm Theater im gart, wo die Säul sind, zimer, oben
zum spiel; und was unt? – – Bäder! – ja, ja Bäder. wie die Haydnischen
Kayser in Rom beÿ den Theatern auch zu zeit Bäder hatt. und wie in Pozzoli
zu Neapl i bagni di Nerone. lachet! – bald bald werd wir nach St. Sebastian
kom. – Da wir eb von Narr red, so muß euch sag, daß die Auer Sandl den 23 abends
wieder nach Hause gekom und nun, so lange es dauert, recht gar gescheid ist.
Nun etwas vernünftiges! Das ganze Mirabell wird mit Wetterstang verpallisadirt,
und auf all 4 Eken des daches sind kleine Gerüste aufgeführt, wo Kreuzweis die
Wetterleiter=drath hin und her, und dan in den Stattgrab geführt werd, da mög
die Änt und fische in eine grosse Angst und schröck gerath. Ich möchte rath,
man sollte auch die Residenz wohl verwahr und der Fürst sollte imer Wetterableiter
über sich hab, damit die bösen wünsche und flüche des Publikum weg der neu
Steuereinrichtung nicht ihre Wirkung thun. Einer, der sich in diesem Stücke haupt=sächlich hat brauch lass; der, wie man sagt, vieles in vorschlag gebracht, und als
Fürstl: Comissarius gar auf die Pfleggerichter wirklich herumgereiset und alle Baur
und andere Güther untersucht ist schon in die Ewigkeit gegang; und wer ist dieser?
der Lodr: verwalter Wenzl Hafner. Er bekam vor etwa 3 woch ein blau fleck
mit einiger Empfindung auf der Seite des fusses, wo man die Schlüssl im Hosensack
trägt. Er glaubte die Schlüssl hätt ihn gedrückt, und der Bader Günther glaubte es
mit ihm, er schmierte sich mit Saiffengeist: – allein es kam ins Knie, und der
Doctor gab Batzeln p: p: und brav Medicin. Er ließ sich imer im Sessl in die Kirche
tragen. Kurz! der blaue fleck war schon ein zeich des inerlich Brand, die Sache
brach in Zeit 2 Tägen auf einmal aus, und er starb ehe mans glaubte den 23t
in der Frühe, da er den 22t abends verseh wurde. d 25 ging ich mit d Begräbnisse.
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Nun weis ich doch endlich auch wie der gräfin von Lodron das Weinen ansteht, und daß
sie auch wein kan, den sie weinte am fenster ganz erstaunlich, als man den Ver=walter durch den Bogen trug. ich hätte nicht geglaubt das er um 2 bis 3 Jahr
jünger war als ich. er war erst 55 Jahr alt. ie nun! stirbt der fux so gilts den
balg – lebt er lang, so wird er alt! – die leute hab halt ihre Einbildungen; das böse
volk sagte, der neue Steuerfueß wäre ihn in den fueß gefahr. Er starb aber
an einer Art von Herzwassersucht, und inerlichem Brand. – Weil wir eb vom
Sterb red, so muß euch sag, daß der wachtmeister Clessin Knab auch Tod ist.
er bekam verstopfung, ein gross Bauch, Barisani wand alle Mühe an, aber
vergebends. – So gieng auch die Hilber Sepperl Camerjungf: in die Ewigkeit.
Sie bekam ein hitziges fieber, wurde ins Spittal gebracht, blieb imer in
hitz meistens närrisch und starb den 23t. – Nun will etwas erzehl, welches
nicht weit vom Todt ist. In der Nacht vom 20t und 21 wurde ich durch etwas auf=geweckt ohne zu wiss, was es war: schlief aber gleich wied ein. morgens sagte mir
die Tresel beÿm aufwecken, daß, als sie um 1 Uhr in der Nacht auf dem Abtritt war, sie
auf einmahl ein erschröcklich Schlag, als hätte der doner eingeschlag, gehört hätte, und
daß sich der Abtritt erschitterte. Da sie nun dan gleich darauf ein laut Seufzer, od
was es war gehört hätte, so wäre ihr eine so erschröckl: furcht gekom, daß sie ins zimer
gelauff und ins Beth verschloffen. – Da sie nun in der Frühe in die Kirche gegang, hatte
sie das Elend nicht nur gehört sond geseh, daß nämlich unter dem Gebäude, wo itzt
der Grenier wohnt und ehemals der Hauptman Freytag war, ein theil des Bergs vom
Capuzinerberg eingefall, den hintern Theil des Hechtenwirtshauses und etwas der 2 be=nachtbarten Häuser zusamgeschlag. zum glücke hörte das Mensch beÿ den Kindern
erstaunlich Sand rieseln. Sie weckte den Wirth auf, – dieser lief zu den hint
schlaffend Hiendlmanern, diese sprang aus ihr bettern, das Mensch nahm die 2 klein
Kind auf den Arm, und weckte den etwas grössern Bueb, da sie ihn aber nicht
erweck konnte, so lief sie mit den Kind davon, um so dan auch den Bueb zu hohl:
allein, sie war Kaum weg, geschahe d fall. zum Glück hatte sich eine erschröckl:
menge Sand vorausherunter geschob, so daß die Mauer hinausfiel, und der Bueb
mit dem Bettstättl bis in Keller hinunter geschob wurde. Er schrie um hilfe.
man kam mit lichtern in den Keller; da Kroch der Bueb aus dem Schutt und
Staub hervor, da die erschröcklichst Steine hinter dem Schutt und Maltersand an=geleint war, und die zerbrochn Stücke des Bettstattl da und dort herausschauet.
Es wurde also, Gott Lob, kein Mensch getödet. Aber weg des Seufzer, den die tresel
gehört? – also gleich wird er kom. zum voraus muß erzehl, daß der h: Zahlmeister
das Stöckl der seel: Freul: Kuefstein beÿ Loreto gekauft. Nun, wie reimt sich dieß
zum Seufzer? – recht gut! – der Zahlmeister bauet eine ande Stieg. der Schneider
Joseph war nun dienstlos, und muste aus dem Hauß wegen dem Bauen. – Nur gedult,
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itzt wird der Seufzer bald kom. um nun dem Joseph ein Platz zu verschaff, bis ihm
etwas vorkomt, so nahm ich ihn in das erste Stübl unterm dach. itzt Kom wir
dem Seufzer imer näher! Eben diese Nacht kam er späther nach Hause, und konnte
nicht ins Hauß. er schlich herum, und klopfte endlich beÿ der Seidenspiner Catherl,
da machte ihm dan die Nandl die Haußthür auf. itzt konnte er aber ob nicht
herein, weil die Stiegenthür zu war, und wir nichts wusst, daß er nicht zu hause war.
er setzte sich also unter d Latern auf die Stiege, und schlief ein. der schlag erweckte
ihn, und da hat er od gegametzt, geseufzt od gefarzt. Er hatte aber das Herz
nicht sich zu meld, wie er ein furchtsamer demüthiger Mensch ist, und brachte also die Nacht
auf der Stiege zu bis er in die erste Messe fortgeh konnte. wir wurd es auch nicht gewust hab,
wen wir nicht von d Nandl gehört hätt, daß sie ihn nach 11 uhr ins Haus eingelass hätte. Weiter!
die Trivial und Normalschule war bisher zum grösst verdrusse des Hagenauerisch hauses in dem
Sailerwirthshauß, welche daß Wirtshauß aufgegeb. Nun hat zum vergnüg der ganz Nach=barschaft, der Wirth im Milchgässl Eschenbacher das Sailerwirthshauß um 12000 f gekauft;
die Schul müss nun heraus; aber wohin? – der Magistrat muß sie samt den schulmeistern
ins Kronhaus nehmen; und auch imer jährlich 500 f zum Comoedihauß zahl, damit auch
was itzt gebauet wird, wieder hereinkomt. dem Wolfg: muß sag, daß der englische
Sprachmeister Schwarz, der in Münch, wie wir da war durchgegang, hier ist. er hat bis
15 Scolarn, die meist zahl eine Carolin od Louis d'or das Monat. darunter sind Czernin,
Peterman, Kÿnburg, Althan, wolfegg, Sigerl Lodron, Lerbach p p: Bullinger und Wis=hofer hab eine Stund mit einand um 6 uhr in der frühe für 9 f voila le bonheur
des Frippons! – bis man es in Münch erfährt. Kirsinger ist sein Protector, ob sie
gleich alle wissen, was in Münch vorgegang, indem es Mr Schneid der Secretaire vom
Perusa all erzehlt hat. Er geht ganz verwegen herum, als wäre er d ehrlichste kerl.
er hat so gar mit gr: wolfegg beÿm domProbst gespeiset. alles aus Begierde englisch zu lern!
der berühmte Carl Besozzi war hier; er bließ 2 mahl beÿ Hofe, allzeit 2 Concert, alles
von seiner Composition, die, ob sie gleich ein wenig in den ältern Styl fällt, sehr ordentlich und
gut ist, und in gewisser Art etwas von der Manier unsers Haydn hat. Seine Hautbois aber
ist in der That das, was man auf diesem Instrument nur imer hör kan; ich fand ihn
ganz anders, als dortmals, da ich ihn in Wien hörte. Kurz! er hat alles! die deutlichkeit
und reinste Intonation in den geschwindest lauffend und Springend Passagen ist nicht zu be=schreiben, sonderheitl zeichnet er sich in den Aushaltung aus, wo er mit einer unbe=greiflich Athemlänge anwachsend und abnehmend aushält, ohne auch nur im geringst
in der rein Intonation zu wanken. Diese messa di voce kam mir aber schier zu
oft, und machte mir die nämliche traurige Wirkung, wie die Töne des Glasinstruments
od d Harmonica, dan es war fast die nämliche Klangart. h: Besozzi empfehlt sich dir.
er ist noch in Sächs: dienst, geht nur nach Turin, weil er dort das Burgerrecht vom
König bekom hat, sonst könnte er nicht Erbe seiner 2 Vetter, dern einer, der Fagott:
gestorb ist, seÿn, den er ist in Neapl gebohr. Ich hab dich ihm auf das euferigste empfohl.
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habe ihm auch Complim: an Abbate Gasparini pp: aufgegeb. der Erzb: gab ihm 20 duggatt.
der Erzbischof von Ollmütz ist den 17t gewecht word. hättest du in Manheim nicht so viel
für ande Leute zu thun gehabt, so hättest Du Deine Messe ausmach und mir schick könn.
es war vom Brunetti beÿ der Musik imer ein Geplaud, wer denn die ConsecrationsMesse
machen sollte, und er glaubte es dahin zu bring, daß Haÿdn vom Erzbischof ein Befehl
bekom sollte: allein der Erzbischof gab keine Antwort, und auch gr: Czernin und Starn=berg, an den sich Brunetti und die Haÿdin wanden, gab ihn gar keine Antwort.
ich machte des Wolfg: Messe mit dem Orgl Solo: das Kyrie aber aus der Spaur Messe;
ließ sie schreib, und bekam die 6 duccatt richtig. Da nun am Ende der Olmützer=Fürst auch 30 duggatt extra für die Gesellschaft Musik und die Serenata hergab, so
schickte der Erzbischof solche mir, um die Austheilung zu mach. Ich machte eine schriftliche
austheilung, schickte sie dem Erzb: zur approbation, und damit er seh konnte, daß
ich mich nicht auf die Lista gesetzt hatte, um mich vor aller Nachrede sicher zu stell,
und theilte es dan aus. NB den Abbate Varesco hat er aus der Lista weggestrich.
von Ollmütz war der Leibmedicus Wolf mit da, für dessen Töchterl damals der Wolfg:
eine Arie in Ollmütz Componiert hat. der dermalige Ceremoniarius kannte uns auch und
hinterließ mir die address an Mr: Hay. welcher nach der hand Dechant zu Cremsir ge=word, und itzt infulierter Probst zu Nicklspurg ist, beÿm Kaysl: Hof alles gilt,
und vermuthlich noch bischof werd wird. der domdechant in Brün gr: Corinsky ist
Bischof und der Baron Post domdechant in Brün word. h: Canonicus von Grim
aber ist, leid, weg viel Schuld in übl Umständ. der erste Husarn durchmarsch war
den 17 Maÿ, der 2te den 20t, der 3te d 22t, d 4te d 24t. alle hab Paradiert, dan war Rasttag,
und den ganz Tag, sonderheitl: abends die halbe Statt draussen auf der Riedenburg; Man spricht
hier wie in Paris noch imer von der Hofnung zum fried, da unterdess die erstaunlichst An=stalt zum Krieg gemacht werd; eb so ist es zwischen Frankreich und Engelland, zwischen
Russland und dem Türken. Eines hängt am and. der König von Preuss wünschet
vorhero ein richtig gestellt fried zwischen der Porten und Russland, um sich dan der
Russischen Hilfe desto eher versichern zu kön. Die Türken woll abwart, bis Russland
sich für Preussen erkläret, und bis Preussen den Kayser angreifft, um alsdan mit
mehrerer Sicherheit die Russen anpacken zu könn, die so dan nicht nur einen theil trupp
beÿ Preuss hab, sond auch vom Preussen nicht könn unterstüzt werd. Preussen möchte
und muß tracht in ein fremdes Land einzudring, um Geld, Lebensmittl und
Recrout zu erobern, den wen er gleich itzt für ein paar Compagni genug paares
Geld hat, so hat er für die zukunft kein Credit, in Holland und genua ist ihm der
Kayser zuvorkom und schon vielle Million negociert; Preussen kam zu späth, und
um dem Preusisch Anverlang auszuweichen hat genua und Holland unter d Hand dem Haus öster: schon
in der Stille Geld angetrag. Engelland kan dem Preuss kein Geld dermahl geb: Preuss hat also
im Anhaltisch die truppen von Wesel p: und die von Magdeburg p: zusamgezog, dazu soll
30000 M Sachsen Stossen, die Soll Prinz Heinrich Comandier, und dan damit durch francken und
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die obere Pfalz in Baÿern eindring, und was Öster: in Besitz genom,
wied weg nehm, dabeÿ aber seiner Armee am fremd Grund und
Bod Geld, Recrut und Lebensmittl verschaffen: allein, das will
nun doch nicht recht geh. Man hat den Brat geroch. Im Straubingsch p:
ist ein Starkes Corps eingerückt, Eger stark besetzt word, in breznice
6000 Mann einmarschirt und bis Aussig ein Cordon gezog, wo der
General Lobkowitz mit einem Corps stehet. Will Preuss durch die obere
Pfalz einbrech; so bleibt ihm die Vestung Eger und ihre Besatzung im
Rück. Die übrig Ostereicher fall in Sachs ein, ein Theil vereiniget
sich und gehen ihm nach und schneid ihm den Rückweg ab. Er müsste also
um sein Vorhab auszuführ, vorher Eger belagern od gar wegnehm.
– Der König stehet mit seiner Hauptarmee beÿ Glatz. – der Kaÿser
beÿ Königsgratz. Die Preuss Campier wirklich im Lager. Die Öster:
aber Cantonieren noch in Dörffern und Ortschaften, und ist nicht einmal
noch ein Lager ausgesteckt, welches den König verwirret, da die
öster: so enge liegen, daß sie also gleich zusamenrück und
hingeh kön, wohin sie woll. Die Waldung sind verhackt, daß
keine Seele durch kan. So steh die Öster: – sind im Besitz, und
erwart, wer ihn etwas nehm will. – Sie werd niemals angreiff.
die bederseitig VorPost steh nur 3 Stund von einand. kurz! die Lage
der Österr: ist so; daß sie ein Cordon, so zu sag von Eger bis zu ihr
Besitzung in Pohl gezog hab. von Hungarn komt alle Zufuhr, und
der Hungarische Adl hat sich erklärt, daß er wens erforderlich ist,
NB d ganze Adl aufsitz und mit ihr Leut auf ihre aignen Köst
zu Felde geh will. – Es freuet uns, daß euch wohl geht! wir sind
Gott Lob, gesund. Ich glaube daß ich es schon einmal geschrieb habe,
daß es vorträglicher seÿn würde beÿ Zeit darauf zu denk euch selbst
zu koch; man erspart sehr vieles. Mein lieber Sohn! ich bitte dich
suche die Freundschaft des Duc de Guines zu erhalt, und sich beÿ ihm
in Credit zu setz, ich habe ihn oft in Zeitung gelesen, er gilt alles
am Königl: Hofe, da itzt die Königin schwanger ist, so werd dan
beÿ d Geburth grosse Festivität seÿn, da könntest du etwas zu thun
bekom, so dein Glück mach könnte, da in solch fäll wird alles ge=scheh, was die Königin nur verlangt. du schreibst, heute habe ich der
Madslle des Herzog die 4te Lection gegeb, und du willst, daß sie schon
selbst gedank aufschreib soll, – meinst du alle Leute hab dein Genie?
– – es wird schon kom! sie hat ein gut Gedächtniß. eh bien!
lass sie stehlen – od höflich, applicier, – von Anfang thut es nichts
bis das Courage komt, mit Variation hast du ein gut Weeg genohm,
nur fortgefahr! – – wen Mr: Le Duc nur etwas kleines von sei=ner Mdssll Tochter höret, wird er ausser sich seÿn; das ist wirklich
eine glückliche Bekanntschaft! – Wegen der Opera, die du schreib
sollst, hab dir letzlich schon meine Erinerung gemacht. Ich wieder=hohle dir zu sag, die Materies wohl zu überleg, die Poesie mit B:n
Grim durchzulesen, und weg Expression der affecten mit Novere dich zu
versteh, dem Geschmack der Nation im Gesange zu folgen, welches deine
Modulation und deine Stimensetzung alsdan erhöb und von andern
unterscheid wird. – Rudolph hat dir die Organist Stelle in Versailles
angetrag? – – steht es beÿ ihm? – – er will dir dazu verhelfen!
das must du nicht so gleich wegwerff, du must überleg, daß die
83 Louisd'or in 6 Monat verdient sind. – daß dir ein halbjahr zu
and Verdienst übrig bleibt. – Daß es vermuthlich ein ewiger Dienst
ist, du magst krank od gesund seÿn. Daß du ihn allzeit wieder
verlass kannst. Daß du am Hofe bist, folglich in den Aug tägl des Königs
und der Königin, und dadurch deinem Glück näher. – Daß du beÿ Abgang
eine der zween Capellmeister Stell erhalt kannst, – daß du seiner Zeit,
wen Succession da seÿn sollte Claviermeister der Königl: jungen Herr=schaft seÿn würdest, das sehr einträglich wäre. Daß dich niemand hinderte
fürs Theater und Concert Spirituell pp: etwas zu schreib, Musik gra=vier zu lassen und den gemacht grossen Bekanntschaft zu dedicier,
da in Versailles viele der Minister sich aufhalt, wenigst im Somer. –
daß Versailles selbst eine kleine Statt ist od wenigst viele ansehnliche
Bewohner hat, wo alles falls ein od andre Scolar od Scolarin sich find
würde – und endlich ist das der sicherste Weeg sich der Protection der
Königin zu versichern, und sich beliebt zu mach. lese dieses dem h:
B: v Grim, und höre seine Meinung; Übrigens würde ich 100 Sach,
die euch schreib will vergess, wen ich nicht ein Bog Papier hergericht
hätte, wo ich, so oft etwas geschieht, od mir einfällt, das ich euch schreib
will, solches alsogleich mit einem paar Worte Notierte. Schreibe
ich euch nun, so nehme den Bog her, und schreibe die Neuigkeit; und
dan lese euern letzt Brief, und antworte. Das könntet ihr wohl
auch so mach. Was ich euch schreibe; streiche auf dem Bogen aus, damit
ich das übrige ein andersmahl schreib kan, was noch da stehet: und
du mein liebes Weib must fein die Zeilen sind eng aneinander schreib.
Du siehst ja wie ichs mache. Unser lieber Wolfg: soll nach und nach,
wen er gute Claviersach findet, etwas sameln, und uns mit dem
Postwag schick. wir brauchen es für die Scolar. Mit guter Gelegenheit.
Wo ist denn euer Quartier in welcher Gegend? ich finde die Rue gros=chenet nicht. ich suche imer um das Palais Royal herum, weil dort
das theater ist. Die Adlgasserisch sind alle noch beÿsam. – Die
Victorl komt alle Woch 3 mahl zum Frisur=Coffée; Die Nanerl geht
alle Donerstag zum Andretter. Cornet ist hier. – wir sind 2 mahl
schon auf dem Wahl im Berhanskÿ Compagnie Gartl gewesen. Freul:
von Schiedenhof und Cranach Nanerl, sind schon vorm neuen jahr
ausgeblieb. Schiedenhof und seine Frau hab uns vor 12 täg Visite
gemacht. Die Nachricht von den Moden war d Nanerl recht lieb
zu hör, sie küsst dir die Hände und bedankt sich. sie laßt itzt
eine Leinwand mach, die Tresel hat ihr braf spin müss, die Fr:
Hagenauerin geht ihr an die Hand. – Hagenauer: Andretter:
Mölkisch: arco: Bullinger, Sallerl, Mitzerl, Deibl p p: Ferrari,
Ferlendi p:, die Tresel und d Pimperl, alles empf sich, absondlich
Gr: Khünburg, und Lehrbach. wir küss euch millionmahl u. bin
d alte
_________________________________________________________________________\hfill Mzt mp
\newpage
À Monsieur
Monsieur le chevalier Wolfgang
Amadé Mozart Maître de
Musique
_____________________________à
Rue groschenet
vis à vis celle du
croissant à l'hotel______________Paris
des 4 Fils emont.