Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2012-12 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1037 A-Sm A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT) last file update: Wed May 11 14:48:13 2022
LEOPOLD MOZART AN WOLFGANG AMADÉ MOZART IN PARIS SALZBURG, 3. AUGUST 1778
Mein lieber Sohn!_______________________________________________55_____________________\hfill Salzb: den 3t augusti 1778 Du wirst mein Schreib vom 13 Julii, und das mit dem schwarz Pulver vom 20t unter der addresse an das vorige quartier richtig empfangen haben. Ich schreibe dir um dich meines und deiner Schwester Wohlseÿn zu versichern, weil ich glaube, daß du so für uns, wie wir für dich in beständig Sorgen lebest. dein Einschluß an unsern freund Bullinger habe erhalt, allein sehr späth, den dieser Brief kam erst den 24t in Salzb: an, da du ihn doch unterm 9t schon datiert hattest, und zu meiner verwundung hatte ich tags vorhero den 23t ein Brief vom abbé Lendorffer erhalt, der 4 täge nach deinem Brief geschrieb war, nämlich den 13t, und doch kam er ein tag früher, aus welchem ich auch sahe, daß Lendorffer den 12t beÿ dir war, wo du dein Brief bereits geschrieb und ver=muthlich auf die Post gegeb hattest, sonst wurdest du von ihm einige Meldung gethan hab. dieser Brief des Lendorffer ist aber Kehl gegang. Ich möchte also, daß du auf die Komende Briefe nicht mehr par Strasburg p: sond nur hin=schreib möchtest: und zwar oben etwas gross und unterstrich: Haute Allemagne so stand es auf h: B: grims Brief. Ich hätte in deinem Schreib etwas umständlichs von der Krankheit deiner lieb Mutter, und sonderhtl: von ihrer Begräbniß und von deiner traurig verlegenheit, in der du dich weg all diesen anstalt must be=fund hab zu vernehm gewünschet; ich hoffe in deinem nächst Schreib etwas zu lesen. du wirst freylich dich an den Beystand des Mr: Hena od and freundes haben wend müssen. den ich mich |: wer sie imer sind :| nebst meiner Empfehlung von Herz dank sage. Was die Krankheit selbst betrift, weis ich ohnehin, daß sich mein liebes seel: Weib selbst vernachlässiget, und auch dadurch ist vernachlässiget word. den sie spahrte alles aufs äusserste, sie schob von tag zu tage. Sie wollte keine Medicin, und glaubte alles werde selbst wied besser. ihre Verstopfung, ihre für eine alte Frau gar zu schöne rothe farbe, – ihre öftere Anstoss von Catharr, und ihr gewisser Husten war sichere zeichen, daß ein inerliche Entzindung imer zu beförcht war. Ich schrieb euch im Maÿ schon, sie sollte das Aderlass nicht aufschieb, indem das Clima und die Luft in Paris hitziger als in Salzb: ist. und sie verschob es denoch bis den 11t Junii. und sie wurde sich vielleicht noch nicht adergelass hab, wen sie nicht die höchste nothwendigkeit bemerkt hätte. den Tag vor der Aderlaß hat sie eine gar zu heftige Bewegung gemacht, ist Müde und erhitzt nach Hause gekom; und vermuthlich hat man ihr zu wenig Blut gelass: endlich wurde d Medicus gar viel zu späth geruff, dan da gleich die Hitze und kälte mit durchlauf da war, so war dort schon INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 grosse Gefahr: allein sie sagte nicht viel = blieb ruhig = es wird schon besser werd, du hattest deine Verrichtung, warst den ganz Tag nicht zu Hause, und weil sie nicht viel daraus machte, so nahmst du es auch auf die leichte Achsel, unter=dessen rückte die augenscheinliche Todesgefahr heran, dan komt erst der Medicus, – und es ist lange zu späth. Wäre ihre Natur nicht so vortreflich gut gewesen, so hätte sie nicht 14 täge dauern könn. Genug! es ist vorbeÿ, Gott hat es also woll. die untertrenliche Kette der Göttl: vorsehung hat deiner Mutter, da sie dich gebohr, das Leben geschenkt, ob sie gleich beÿ deiner Geburt in der allergrösst Lebensgefahr war, und sie schon fast vor verlohr hielt sie musste sich aber auf eine ande Art ihrem Sohne aufopfern, sie wollte willig mit dir von Salzb: abreisen, und da ich sie schon von Manheim in Salzburg zurück hoffte, imer euere zu machende Anstalt in all mein Briefen betrieb, auch schon an mein Brud nach Augsp: geschrieb hatte, da kam ein Brief von euch der mich in Erstaun, in verwirrung und betrübniß setzte, und sie erklärte sich im nämlich schreib, ohne daß du es weist, daß sie aus gut Gründ, aus Lieb zu dir, mit dir nach Paris reisen wolle, alles dieses hat also gescheh müssen, weil die Täge ihres Lebens von der göttl: vorsehung gezehlt, und nun zu Ende war, – Sie muste in Paris sterb, weil sie in Salzburg nicht gestorb wäre. Bett wir die allerheiligste Göttliche Anordnung und sein heiligst will in tiefester demuth an. Was ich beÿ euerer beÿd Abreise ausgestand übertrift alle die vorhergehend Betrübniss meines Lebens, das aller erschröcklichste ist noch oben darein, daß ich elendig krank fürs Einpack und Aufpack besorget, von Angst und Schmerz betäubt imer unt beÿm Wag zu thun hatte, und nicht einmahl mit euch beyd alleine etwas vor euerer Abreise sprech konnte. – und doch sahe ich die gute Frau das letzte mahl! Nun komt die Nachricht ihres Todes – das ist nun der zweite noch härtere Schlag – Nun die ewige Angst für dein Wohl, für deine Gesundheit, Mein Sohn! – und für – ich weis selbst nicht – – Noch so ein Schlag; dan bin ich dahin! – etwas anders! INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 den Abbé Lendorff kanst du nicht kenn, du warst nicht gebohr. Er tragt sich als Or=ganist nach Salzb: an. höre seine Lebensbeschreibung. Er ist eines Lutherischen fleischhackers Sohn aus augspurg. Er entlief sein Eltern, und wurde Catholisch, und zwar in augsp. Ich weis nun nicht was für geistlich sich dort seiner anahm, sie liess ihn studier und Musik lern. Er kam als student nach Salzb: der Chorregent zu St: Peter war allzeit vormals ein Weltpriester und war zugleich Organist. der starb, und Lendorffer hielt um die Stelle an, bekam sie, und wurde Priester. Er war imer beÿm Eberlin seel: und in der tägl: Gesellschaft des Adl=gassers, Meissner, und eines gewiss Narr Steinheil |: d sich auch Todt gesoff :| sie schwermet Nachts herum und Lendorffer war täglich besoff. Es kam ande kleinigkeit mit darunter, er musste weg St: Peter in Sorg steh, Schuld gabs auch – er suchte demnach unter der Hand in augsp: eine Chorivicariatsstelle od andes Beneficium, und erhielt es, gieng dahin, trieb eb so ein Lebens=art, machte häuffige Schuld, – und gieng durch –. Nun hieß es er wäre wieder Lutherisch geword, dan man erfuhr, daß er nach Stutgard gegang. das blinde Glück wollte, daß am Würtemberger Hof eine Caplanstelle eb ledig war, die erhielt er, weil er Musik konnte. – am Hof giengs aber nicht lang, weis nicht warum, und er wurde aufs Land exponiert. Nun hörte man seit 14 bis 15 Jahr nichts mehr von ihm, so, daß man ihn für gestorb hielt, und niemand mehr an ihn dachte; Du kanst dir also vorstell wie sehr ich be=troff war ein Brief von ihm zu seh. als ich mit zittern den Brief eröffente, und oben Paris 13 Juillet laß, so warf ich ihn weg und glaubte es möchte mir ein dritter etwas betrübtes von dir schreib: Die Nanerl laß ihn, und dan muste ich lachen und du würdest auch lach wen du ihn les solltest. Er fängt an: Nachdem ich den 23t Juin: aus Britanien nach Paris zurückkam p: p: So groß die Freude war den liebst h: Sohn zu seh, so unvergleichlich war der Schmerz über den verluest p: welche mir noch von 27 Jahr her mit ihr rosenfarb Wang lebhaft vorstell kan; trösten sie sich avec les Nuits de Young, traduits de l'angloise par Mr: Le Tourneur. p: das ist das Buch Joungs Nachtgedank über Leb, todt, und Unsterb=lichkeit. dan heists, daß du in Paris nach dem französisch Etiquette wirst Componier müssen, und daß die franzos heute ein Meister bis in den Himel und morgen bis in die Hölle erheben. und ande solche lächerliche Ausdrücke. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Du siehst nun von was für einer Art Menschen dieser Lendorff ist Dh ofulot nhn vsn wmo ih"r lfnlr mrtu alnoculn dfolr elndsriilr fot. Er ist ein leichtsinniger Mensch________________________________nicht____________________für lr fot lfn elfcutofnfglr Amocu, dessen gesellschaft nfcut ih"r dfcu fot. dich ist. Sollte h: Lendorffer zu dir kom, so kannst du ihm sag, ich hätte noch keine ant=wort, und werde auch so bald keine bekom, dan hier geht alles ins lange hinaus und am Ende ist es meistens nichts. so bald kan, schreibe ich ihm gleich. Neuigkeit! Ferlendis hat vor 3 täg abgedankt, und ist schon mit ultimo Junii aus dienst ge=trett. das war um so unvermutheter und empfindlicher, als ihm der Erzbischof sondheitl: seit 2 Monat, so oft er ein Concert geblasen, allzeit ein od 2 duggatt geschenkt und er unter der Musik die Favoritperson war, auch wirklich, seit dem Besozzi hier war, von ihm vieles gelernt hat. Es komt nun eine andere Historie nach, die nur ich allein weis. Ferrari wird mit Ende augusti sein Abschied nehmen. diese 2 Histori werd auch dem Brunetti den Stab brechen – die welschen verlier nun ihr Credit. Itzt bricht alles wider sie los, der graf Arco, die Lodronin, die 2 Starnberg, der Bischof von Königsgratz p: und ich hebe die Achseln in die Höhe, und sage nichts. Ferlendis giebt vor seiner Frau tauge die Luft nicht. Nun werde ich um Waldhornist, Hautboist, – Tenorist, Violonzellist, Violinist, und – – Nein – um kein Organist – schreib müss. – Sie erwart imer etwas von mir: allein sie wart vergebens: Du kannst glaub, und gewis glaub mein liebster Sohn, daß ich ohne dich eher sterbe, und daß ich, wen ich dich beÿ mir zu hab das vergnüg hab könnte um viele Jahre länger leb würde, das ist einmal ganz gewiß, den ich bin, ausser meiner GemüthsKrankheit, Gott Lob gesund. allein die Sache müste gut – vorträglich, und mit reputation gescheh. wäre dieses, so wäre hier der Platz, als ein Mittlpunckt zwisch Münch Wien und Itali imer sehr vortheilhaft – den Manheim ist übersetzt. Seau ist in Manheim schon vorgellt word, und der Hof wird bald wied nach Münch kom. Mir scheint wir werd von Sänger, Sängerin, und Instrumentalist wens möglich ein neu Bod leg, d Erzb: hat schon mir einige Comission gegeb. beschreibe mir den Rotfischer, aber mit wahrheit, ohne Partialität. deine Schwester küsst dich millionmahl, sie ist erstaunlich fleisig, und hat in wahrheit alle Sorge für mich. Empfehle uns beyde t: h: Baron v Grim INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 und der Md:me D'Epinay, ich danke gehorsamst für alle Gnad, die du alda genüssest, – sorge mein Sohn für deine Gesundheit, ich muß schlüss, die Post geht. _____________________________________________________________\hfill Mzt mp das Buch vom Vogler darfst du mir nicht schick, wir bekom es hier. Leben Ekard – und Hanauer noch? ___________________________________________________________________3 Aug 78 den 4t Juli ist vom Kolb deine Lodro: Cassation auf d gasse, vor den andrett: Hause produciert word. d 9t Julii beym h: von Maÿer vorm Hauß Nachtmusik vom Kolb, eine deinige Finalmusik, und dein Concert für den Kolb: wir hört es kostbar übers wasser in unsern zimern, dan wir wust vorher nichts davon INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 À Monsieur Monsieur Le Chevalier Wolfgang Amadé Mozart maître de Musique ______________________à chez M:r Le Baron de Grimm p: Rue de la Chaussée_________Paris d'Antin, prés de Boulevard. Nro. 53. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881