Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie MozartDigital Edition of Letters and Documents from the Mozart FamilyInternationale Stiftung Mozarteum SalzburgSalzburgAustriaThe Packard Humanities InstituteLos AltosCalifornia, USAMorgensternAnja
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KelnreiterFranz
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Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich LeisingerDigitale Mozart-Editionhttps://dme.mozarteum.at2013-5CC BY-NC-SA 4.0https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1121A-SmA-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT)last file update: Wed May 11 14:48:14 2022WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG
MÜNCHEN, 5. DEZEMBER 1870____________________________________________________________________________________\hfill Munic ce 5 de Decembre______Mon trés cher Pére!___________________________________________________________________\hfill 1780.
der Todfall der kaÿserin thut meiner Opera im geringsten nichts – den,
es ist gar kein theater eingestellt, die Comœdien gehen fort wie sonst –
und die ganze trauer wird nicht mehr als 6 Wochen dauern – und dieOpera gehet vor dem 20:ten Jener nicht in scena. – itzt bitte ich sie meinschwarzes kleid rechtschaffen aus=bürsten, ausklopfen, und auf das mög=lichste gut her=richten zu lassen, und mir selbes mit dem nächsten
Postwagen zu schicken. – den, künftige Woche zieht schon alles die
Trauer an – und ich, der bald dort und da hin kömt, muß auch
mit Weinen. – – in ihren lezten brief finde ich kein Wort von
einem gewissen h: Sieger der mit dem lezten Postwagen nach Salzburg
gereiset ist – vielweniger von einem briefe den ich ihm an sie mitgegeben.
– ich hatte damals eben den Cathar daß ich 2 täge zuhause geblieben
bin – sieger konte geschäfte halber nicht mehr zu mir komen – der
brief lag fertig – ich, der nicht im sin hatte auszugehen, war nicht an=gezogen – mithin schickte ich den Brief auf die Post, wo der Wagen ab=fährt, mit einenBillet wo der Name Sieger darauf stund – und wen
einer unter den mitreisenden kömt welcher so heist, soll man ihn diesen
brief geben. – ich bin also der Meÿnung, daß dieser Man, |: welcher
mehr adressen nach Salzbourg hat :| noch vielleicht die gelegenheit nicht gefunden
hat zu ihnen zu komen – welches mir aber leid thut, weil ich ihnen
in diesen Brief um etwas Pressantes für die opera gebetten haben –
nemlich mir eine trompettenSordine – deren wir in Wien haben
machen lassen – und eine nemlichefür Waldhorn – welche beÿ den
thurnern zu finden sind – zu überschicken – den ich brauche sie zu demMarche im 2:ten Ackt. – aber bald – dan habe ich auch wegen der ul=tima aria von Raaff geschrieben, daß wir beÿde noch etwas angenehmers, und in Worten
süssers zu haben wünschten – dasera ist gezwungen – der anfang wäre gut – gelida massa – ist wieder hart. – mit einem Worte, ausgesuchte, oder ungewöhnliche
Wörter sind in einer angenehmen aria allzeit unschicklich. – DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUMINTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881
und dan möchte ich daß die aria nur Ruhe und zufriedenheit anzeigte – und hätte
sie nur einen theil – wäre es auch recht, Ja mir fast lieber. – dan habe ich auch
geschrieben wegen Panzachi – dem Ehrlichen, alten Man muß man doch auch etwas
zu guten thun. – dieser möchte nur um etwa ein paar Verse sein Recitativ
im 3:ten Ackt verlängert haben. – welches wegen demChiaro e scuro und weil
er ein guter acteur ist, von guter wirkung seÿn wird. – zum beÿspiell nach
der strophe: sei la città del pianto, e questa Reggia quella del Duol. – einen
kleinen schimer von Hofnung – und dan! – ich unsiniger! – wohin
verleitet mich mein schmerz! – ah Creta tutta io vedo Etc: –
wegen diesen sachen darf Ja abbate Varesco den ackt nicht wieder frisch
abschreiben – das kan man Ja leicht hinein schreiben – dan – hab
ich auch geschrieben daß mir – |: und auch andern :| die unterirdische Rede,
um das sie Effect macht – zu lange scheint – überlegen sie es –
Nun muß ich schliessen, weil ich entsezlich viel zu schreiben habe – Baron Lehrbach habe ich nicht gesehen – weis auch nicht ob er noch hier
ist, oder nicht – ich habe nicht Zeit herum zu laufen – ich kan
es leicht nicht wissen daß er hier ist – er weis es aber Positiv
daß ich hier bin – wäre ich ein Mädchen wär er gewiß schon beÿ mir
gewesen – wegen der lieben, Jungen, schönen, geschickten, vernünftigenfrl: Louise Lodron ist mir sehr leid daß sie einem solchen Wanst
zu theile wird – sie wird wohl vermuthlich den Anfang deszweyten theils von den Menuett den ich vom Bach
gelernt, mit ihm wacker spiellen – den – zu dem Aus=gang wird er wohl nicht viel Nutz seÿn – wenigstens sehr
unbequem. – der Peperl Lodron meine Empfehlung, und
ich lasse von herzen Condoliren daß ihr ihre schwester den
guten bissen weg geschnapt hat. – Nun adieu – von hier
von allen – – 1000 Compliment – an alle gute freund und
freundinen meine Empfehlung. – den augenblick erhalte ihrDOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUMINTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881
schreiben von 4:tndecembre – das küssen müssen sie sich schon ein
wenig angewöhnen – üben sie sich nur unterdessen imer mit derMaresquelle – den – hier werden sie so oft sie zur Dorothea
Wendling komen |: wo alles noch halb französisch fuß ist :|
Mutter und tochter Embrassirn müssen – aber NB: auf das
kinn – damit der schminck nicht Blau wird – Nächstens mehr – Adieu – ich küsse 1000mal ihre hände, und meine schwester
umarme ich von herzen, und bin Ewig deroP: S: nicht vergessen wegen meinen
schwarzen kleid – ich muß es
haben, sonst werde ich aus=gelacht – und das wird
man doch nicht gern – ______________________________________________________________\hfill gehorsamster sohn____________________________________________________________\hfill Wolfg. Amadè Mozart mpDOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUMINTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881\newpageÀ
Monsieur
Monsieur Leopold Mozart
Maitre de la Chapelle de S: A: R:
L'archeveque de et àSalzbourg.8da mit dem fassnachtschda das mfINTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881