Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
The Packard Humanities Institute
Los Altos
California, USA
Morgenstern
Anja
text encoding, text editing
Kelnreiter
Franz
technical supervisor, data modelling
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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2013-5
CC BY-NC-SA 4.0
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A-Sm
A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT)
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WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG
MÜNCHEN, 16. DEZEMBER 1780
_________________________________________________________________________________\hfill Munic ce 16 Dec:bre
______Mon trés cher Pére!____________________________________________________________\hfill 1780.
Gestern war h: Esser zum Erstenmal beÿ mir – ist er in Salzburg
zu fusse gegangen? – oder auch wie hier imer in der Gutsche herum gefahren?
– – ich glaube das bischen Salzburger geld wird nicht im Beütel bleiben
wollen. – Sontags speisen wir zusamen beÿm Canabich, und da muß
er uns seine gescheide und Närrische Solos hören lassen. – er sagt, er
giebt kein Concert hier – will sich auch beÿ Hofe nicht produciren – er
sucht es nicht – wen ihn der Churfürst hören will, Eh bien – ich bin da –
es wird mir eine Gnade seÿn; – allein – ich melde mich nicht –
übrigens mag er ein guter Narr – Teufel, Ritter wollte ich sagen,
seÿn – er fragte mich schon, warum ich den sporn nicht trüge – ich sagte
ich hätte an den im kopf schwer genug zu tragen; – er hatte die
güte mein kleid mir am leibe ein wenig auszubürsten, und sagte:
Ein Cavallier darf den andern schon bedienen. – ungeacht dessen
hatte er doch den nämlichen Nachmittag ganz gewis aus vergessenheit,
als er zum Canabich kam, seinen sporn |: ich meÿne den äüsserlichen –
– den sichtbaren :| zu hause gelassen, oder wenigstens so gut zu ver=stecken gewust, daß man nicht das geringste davon zu sehen bekam.
– Nun geschwind sonst vergesse ich wieder; – die Mad:me und Mad:selle
Canabich fangen an aus ursach hiesiger luft und Wasser so nach und
nach imer am halse etwas dicker zu werden; auf die letzt könte
gar ein kropf daraus werden – gott seÿ beÿ uns! – sie nehmen zwar
ein gewisses Pulver, was weis ich – aber so heist es nicht. – Nein; –
allein es will doch nicht recht nach Contendrement ausfallen – derent=wegen Nam ich mir die freÿheit die sogenanten kropfbillen anzu=Empfehlen, vorgebend, |: um den Werth dieser Pillen zu erhöhen :| daß
meine schwester 3 kröpf gehabt hat; – einer grösser als der andere –
– und doch endlich kraft dieser herrlichen Pillen wieder davon gänzlich
befreÿet worden – kan man sie hier machen, so bitte um das Recept –
– werden sie aber nur beÿ uns gemacht – so bitte gegen baare bezahlung
mir mit nächsten Postwagen etwelche Zendtner hieherzuschicken – sie wissen
meine adresse.
DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM
INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881
Wegen der Churfürstin ist es eine Capital lüge – weil izt die kaÿserin
gestorben, so glauben die leute es geht von einer grossen frau zur andern
herum – den Margrafen von Anspach hat man auch schon für tod ge=sagt. – der kaÿser seÿe gestürtzt – und übel darin; – daß er
ein wenig unpaß ist, und zwar aus Politique |: wegen den Gottes=diensten :| will ich zugeben. – es kan seÿn daß H: Bergopzoomer
mit seiner frau |: die Mad:selle schindler :| hieher komen; den, Graf
Seeau sagte mir gestern, daß er von ihm briefe bekomen, darin
er sich anfrägt ob man hier eine Musikalische Accademie geben könte,
und ob es der Mühe lohnte? – ich weis dan nicht ob er auf seine
Beantwortung komen wird. – heute Nachmittag ist Probe von Ersten
und zweÿten Ackt – wieder in zimer beÿm Grafen – dan werden
wir nichts als den dritten noch im zimer Probiren – alsdan aber
gleich aufs theater gehen – wegen dem Copisten ist die Probe imer
verschoben worden – über welches graf Sensheim fuchs teufel
Wild worden. – wegen der spart zu Copiren braucht ich es gar
nicht fein zu machen, sondern sagte es ganz gerade dem Grafen.
es war allzeit in Manheim der brauch |: wo der kapellmeister gewis
gut bezahlt war :| daß er das orginal zurück bekomen – und daß
es da um desto geschwinder geschehen |: den, der Erste act ist schon
Copirt :| ist ursach, weil, Danzig |: der violoncellist :| welcher schon
beÿ Jahren, meine kleine Noten Nachts gewis nicht würde lesen
könen. – wegen dem sogenanten Popolare sorgen sie nichts,
den, in meiner Oper ist Musick für aller Gattung leute; –
ausgenomen für lange ohren nicht. –
_________________________________________dem Erzbischof?
apropós wie ist es den mit dlm lrzbfocuf? – künftigen Montag
__________sechs Wochen_______________von______Salzburg__weg____bin
wird es olcuo Wsculn daß ich vsn omezbhrg wlg bfn;
________________________________________________________________nur Ihnen zu Liebe in
sie wissen, mein liebster Vatter, daß ich nhr funln zh eflbl fn
. . . . . . . . bin – den – beÿ gott, wen es auf mich ankäme – so würde
______________________________abgereist__________________lezten____________decret
ich bevor ich dießmal mbglrlfolt bin, an den elztln Dlcrlt
den_____Hintern_____gepuzt___haben
dln ufntlrn glphtzt umbln den, mir wird beÿ meiner Ehre
______Salzburg__________________________der_______Fürst__die
nicht omezbhrg – sondern dlr Ih"rot – dfl otsezl Nsbelool – stolze
Noblesse
– alle tage unerträglicher – ich würde also mit vergnügen er=
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____________________er mir___________ließe______er brauche mich nicht_________mehr.
warten, daß lr afr schreiben eflool, lr brmhcul afcu nfcht alur
_________________________________der____________Protektion_____________________hier______habe
– würde auch beÿ dlr grossen Prstlctfsn die ich dermalen uflr umbl
__gegenwärtige_____________zukünftige______Umstände_____gesichert
für glglnwm"rtfgl und zhkh"nitfgl haotm"ndl genug glofculrt
____________________Todesfälle___________ausgenommen____Niemand
seÿn – Tsdloim"eel mhoglnsaaln – für welche nflamnd
________________________________________________Menschen__________________Talenten
stehen kan – und welche aber einen Alnoculn von Tmelntln,
_____ledig____________________Schaden
der Eldfg ist, keinen ocumdln bringen – doch – ihnen zu
liebe alles in der Welt – und leichter würde es mir noch ankomen
wen man doch nur bisweilen auf eine kurze Zeit weg könte,
um odem zu hollen – sie wissen wie schwer daß es gehalten
____dies_________mal_______________wegzukommen.
hat, dfoame wlgzhksaaln. ohne grsoolr___große
__Ursache_______gar kein Gedanke_____nicht
hromcul ist gmr klfn Gldmnkl nfcut – es ist zha__zum
_____Weinen________________daran__________gedenkt
Wlfnln wen man dmrmn gldlnkt – drum weg
damit – – Adieu! – ich küsse ihnen 1000mal die
hände und meine schwester umarme ich von ganzen herzen
und bin Ewig dero
komen sie bald zu mir Nach
München – und hören sie meine
opera – und sagen sie mir
______________________________________Unrecht habe,
dan – ob ich hnrlcut umbl
traurig zu_________seyn
trmhlrfg zh olÿn, wen ich
nach Salz- - -_________denke.
nmcu omez . . . . dlnkl! –
_______Adieu – ______________________________________________________\hfill gehorsamster Sohn
Mein Compliment an alle gute freunde___________\hfill Wolfgang Amadé Mozart mp
Mein Compliment an alle gute freunde
und freundinnen, wie auch hier von allen –
– besonders vom Canabich hauß.
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9______________________________________________10
\newpage
À
Monsieur
Monsieur Leopold Mozart
maitre de la Chapelle de S: A: R:
L'archeveque de et à
Salzbourg.
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