Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg Austria
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2013-9 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1165 A-Sm A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT) last file update: Wed May 11 14:48:15 2022
WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG WIEN, 26. MAI 1781
97._________________________________________________________Wien den 26t__________\hfill Viene ce 6 de may Mon trés cher Pére!______________________________________________________________________________\hfill 1781. sie haben ganz recht, so wie ich ganz recht habe Mein liebster vatter! – Ich weis und kene alle meine fehler; aber – kan sich den ein Mensch nicht bessern? – kan er sich nicht schon wirklich gebessert haben? – Ich mag die sache überdenken wie ich will, so sehe ich – daß ich mir und ihnen mein bester vatter so wohl als meiner lieben schwester an besten in allem werde behelfen könen, wen ich in Wien bleibe. es scheint als wen mich das glück hier empfangen wollte. – mir ist als wen ich hier bleiben müsste. – und das war mir schon so als ich von München abreisete. – ich freuete mich ordentlich nach Wien und wuste nicht warum. – gedult müssen sie noch ein wenig haben, dan werde ich ihnen bald in der that zeigen könen, wie nützlich uns allen Wien ist. – glauben sie sicherlich daß ich mich ganz geändert habe – ich kene ausser meiner gesundheit nichts Nothwendigers als das geld; ich bin gewis kein geitzhals – den, das wäre für mich sehr schwer, ein geitzhals zu werden, und doch halten mich die leute hier mehr zum kalmäusen geneugt als zum verschwenden – und das ist zum anfang imer genug. – wegen den scolaren – kan ich so vielle haben als ich will; ich will aber nicht so viel – ich will besser bezahlt seÿn als die andern – und da will ich lieber weniger haben. – man muß sich gleich anfangs ein bischen auf die hintern füsse setzen, sonst hat man auf imer verloren – muß mit den andern imer den algemeinen Weege fortlaufen; wegen der Suscription ist es ganz richtig – und wegen der opera wüste ich nicht warum ich zurückhalten sollte? – graf Rosenberg hat mich, da ich ihm 2 mal visite machte, auf die höflichste art empfangen, und hat beÿ der gräfin thun mit van Suiten und h: v: Sonenfels meine ____________________________________________Stephanie opera gehört. – und da – otlpumnfl mein guter freund ist, so geht alles. – glauben sie mir sicher, daß ich nicht den Müssigang liebe, sondern ________________________________________Stephanie DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 die arbeit. – in Salzburg, Ja das ist wahr, da hat es mich mühe gekost, und konte mich fast nicht dazu entschliessen, warum? – weil mein gemüth nicht vergnügt war; sie müssen mir doch selbst gestehen, daß in Salzburg wenigstens für mich – um keinen kreutzer unterhaltung ist; mit vielen will ich nicht umgehen. – und den meisten andern – bin ich zu schlecht. für mein talent keine aufmunterung! – wen ich spielle, oder von meiner Composition was aufgeführt wird, so ists als wen lauter tisch und sesseln die zuhörer wären. – wen doch wenigstens ein theater da wäre, das was hiesse.– den in dem besteht meine ganze unterhaltung hier. – in München, das ist wahr, da hab ich mich wieder willens in ein falsches licht beÿ ihnen gestellt, da hab ich mich zu viel unterhalten – – doch kan ich ihnen beÿ meiner Ehre schwören, daß ich bevor die opera in scena war, in kein theater gegangen, und nirgends, als zum Canabichischen gekomen bin. – das ich das meiste und stärkste auf die lezt zu machen bekomen habe, ist richtig; aber nicht aus faulheit, oder nachlässigkeit – sondern, ich bin 14 Täge ohne eine Note zu schreib: gewesen, weil es mir ohnmöglich war – ich hab es freÿlich geschrieben aber nichts ins reine. – da ist dan freÿlich viel zeit verloren. doch reuet es mich nicht; – daß ich hernach zu lustig war, das geschah aus Jugendlicher dumheit; ich dachte mir, wo kömst du hin? – nach Salzburg! – mithin must du dich letzen! – das ist gewis daß ich in Salzburg nach 100 unterhaltungen seufze, und hier – nach keiner einzigen. – den, in Wien zu seÿn, ist schon unterhaltung genug. vertrauen sie sich sicher auf mich, ich bin kein Narr mehr. – und daß ich ein gottloser, undankbarer Sohn seÿe, werden sie Ja wohl noch weniger glauben. – mithin vertrauen sie sich ganz auf meinen kopf und mein gutes herz – es wird sie gewis nicht reuen. – INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 wo hätte ich den das geld schätzen lernen könen? – ich habe noch zu wenig unter den händen gehabt. – ich weis daß wie ich einmal 20 duccaten gehabt habe, so glaubte ich mich schon reich. – nur die Noth lernt einen das geld schätzen. – leben sie wohl mein bester, liebster vatter! – meine schuldigkeit ist nun daß ich durch meine Sorge und meinen fleiß hier das gut mache und ersetze, was sie durch diesen vorfall verloren zu haben glauben. – das werde ich auch gewis, und mit 1000 freuden! – Adieu. ich küsse ihnen 1000mal die hände, und meine liebe schwester umarme ich vom herzen und bin Ewig An alle bekante meine Empfehlung.___________\hfill dero ghorsamste Sohn __________________________________________________________\hfill Wolfgang Amadè Mozart mp P: S: so bald Jemand von des Erzb: seinen leuten nach Salzb. geht, wird das Portrait folgen. – hò fatto fare la sopra scritta d'un altro espressamente, perchè non si può sapere. – es ist keinen schelm zu trauen. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 de vienne À Monsieur Monsieur Leopold Mozart maitre de la Chapelle de S: A: R: l'archeveque de et à Salzbourg No. 15 4 INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881