Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
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Los Altos
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Morgenstern
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Kelnreiter
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Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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LEOPOLD MOZART AN LORENZ HAGENAUER IN SALZBURG
FRANKFURT AM MAIN, 20. AUGUST 1763
[... (Schluss der Abschrift des Briefes vom 13. August 1763)]
_______________________________N. 16.
______________________\hfill Frankfurt den 20. aug: 1763.
_____Vor 3. Tägen ist hier eine Geld-deval=vations=Tabell affigiret worden. Es wäre
zu Umständlich alles hier anzusetzen. Ge=nug, alle 12 Xr: Stücke, wenige Churbajrische,
die nach 1752. geprägt worden, ausgenommen,
sind auf 10 Xr. gesetzet. Die Carolin 11 f.
die Louis d'or 11 f: die Ducaten 5 f. Alle
Conventions Thaller 2 f: 24 Xr: Die grossen Tha=ller 2 f: 45 Xr: pp. unsre 2 Xr:
Stücke haben
unter der kleinen Münz die Ehre, auf 6. Pfen=ing gesetzt zu seÿn. Gewisse batzen sind
auf 3. Xr:, gewisse 6:er auf 5. Xr: abgewir=diget. Eine Menge Kreuzer gelten 2. Pfening,
einige gar nichts.
_____Der Churfürst von Maÿnz war vor
3. Tägen wircklich hier Tod gesagt. Gestern
und heuntheut habe ich aber Briefe vom H: Cammer=diener Urspringer, und H:n Canonico Starck er=halten, die mir schreiben, daß der Churfürst
3. Täge in wirckl: Todtgefahr warewar; seit dem
17.t aber hat sich die Kranckheit so gebrochen,
daß der Churfürst, Gott Lob, um viel besser ist.
_____Vor 2. tägentagen hat ein Jud den Anfang gemacht,
und ist wegen demdes Holländischen fallimentfalliments aus=getrettenausgetreten. In Berlin sind 2. der grösten
Häuser gefallen. Mit einem Worte: kein
Mensch traut hier dem anderen, bis die Sache
mehr ins klare kommt.
_____Seit 4. bis 5. Tägen haben wir hier eine
unausprechliche Hitze, so daß man die gan=ze Nacht s: v: im Schweiss liegt, ob man gleich
alle Fenster offen lässt. Es ist aber auch
nothwendig, dendenn mit dem Weine sahe es noch
sehr schlecht aus. Man kiehltkühlt sich hier mit
den Sauerwassern ab. Schon zu Geissling=en findet man eine Art sauerwasser, und
man findet verschiedene Quellen bis Stuttgard.
jedermann trinckt solche unter dem Weine,
weil die brunnenwasser meistens Schlecht,
matt, stinckend, oder triebtrüb sind. Zu Mann=heim, Maÿnz, FranckfurthFranckfurt p wird nichts als
Schwalbacher und Selzerwasser getrunckengetrunken.
Ich wässere meinen Wein meist mit Selzer
Wasser. Liebster Herr Hagenauer! nun
sehe ich den Unterschied unter den Rheinweinen.
Es ist kein Wein in der Welt, von dem es
mehr Gattungen giebt. Er ist auch nichts we=niger als Wohlfeil, indem die Maas, wenn
sie ein wenig gut ist, 40 Xr: kostet, und
dieß ist unser DischweinTischwein. so dann bekom=men sie die Maas zu 1 f: 2. 3. 4. auch zu
5 f:, welches erstaunlich ist. Die Maas zu 36 Xr:
ist auch ein ehrlich glas Wein: Allein wenn
man nur einmal die Naße in das Glaß
gestecket hat, wo WeineWein ist die Maaß nur
für 1 f: so glaubt man der 40 Xr: Wein
seÿe kein Rheinwein mehr. Die hiesige Maaß
wird Salzburg:e 5. Mässel betragen. Nun
weil wir vom Wein reden, so muß ich ihnen
eine besondere Geschichte erzehlen. Lachen sie!
Gestern Vormittage kam in unser WirtsWirths=haus ein Wagen. Darinne saß ein Frauen=zimmer amazonisch gekleidet oder in einer so
genannten Cassacken, und ein Camermädl,
und auf den Sitz ein Bedienter. Beÿm
aussteigen glaubte man die Madame warewar
krum, Lahm, oder sonst kranckkrank; Allein
es zeigte sich gleich, daß sie etwas weniges be=trunckenbetrunken ware. Sie speiste allein in ihrem
Zimmer, und der Postillion erzehlteerzählte, daß sie,
ihr Cammermädl, der Bediente, und er der
Postillion theils in der fruhe, theils auf dendem
WeegeWege, wo sie sehr oft, sonderheitlich im
Walde, halt gemacht, und den grossen Flaschen=
keller heimsuchten, 12. Maas Wein vor lau=ter Hitze nach und nach hineingetröpfelt
hätten. Und in der That, der Flaschenkeller
war rein ausgeleheretausgeleert; Die Madame, und
das Kamermädl muste man über die Stiege
führen. Sie assen sehr wenig; die Ma=dame erzehlteerzählte mit einer unausgesetzten
Beredsamkeit alle ihre Heÿraths Umstände
&c: &c: &c: – – Und nachdem sie aber=mahlen, nämlich die Madame, das Mädl,
der Bediente, und der neue Postillion, der
dazu eingeladen ware, 4. und eine 12 Maas
Weine ausgestochen, und den Flaschenkeller
auf den Vesper-TrunckTrunk füllen lassen; sind
sie alle Stern HaglHagel voll in den Wagen ge=führet worden: so daß es ein wunder ist, wenn
sie der Postillion, der auch besoffen war,
nicht einige mahl umschmeist. Die Ma=dame ist eine junge Person, die viel Geld hat:
Ein Mann von 70. Jahren hat sie wegen ih=renihres GeldeGeldes, und wegen ihrer Jugend gehaÿ=ratet. Sie reiset, ihre Freunde in Bam=
berg zu besuchen. Hilf Himel! wie
vielleviele maas Wein wird diese edle Gesell=
schaft noch verschlingen, bis sie zu den ihrigen
kommt. Schade, und immer Schade, daß
Sie nicht nach Salzburg kommt um der Ma=dame Zahlmeisterinn Gesellschaft zu leisten.
Die würde ihrem Manne gar bald eineinen Raths=titltitel an den Hals sauffen.
_____Hier speist unter andern der Churtrieri=sche GesannteGesandte, ein Braunschweigischer Husaren=Rittmeister, und ein Preiss:Preuss: Hauptmann,
und der bekannte labati mit uns, der von
französischen Desserteurs ein Regiment aufge=richtaufgerichtet, das aber wieder ihn revoltirt, und
auf einmahl durchgegangen ist.
_____Nun haben sie einen langen Brief, und
zwar in der ordentlichen Unordnung. ich
Schreibe wie es mir gefällt. So gehet es, wen
man reiset. Eine Menge Sachen kom=men vor, die ich ihnen sagen möchte, allein
ich muste ganze Tage schreiben.
_____Den 18.t war unser Concert. Es
war gut. am 22.t wird es wieder seÿn,
und auch am 25.t oder 26.t Der Kayserl:e
Gesandte Graf von Pergen und seine Dame p
waren auch da. Alles gerieth in Erstaunen!
Gott giebt uns die Gnade, daß wir, Gott
Lob, gesund sind, und aller Orten bewundert
werden. Der Wolfang: ist ganz ausseror=dentlich lustig, aber auch schlimm. Die Nan=nerl leidet nun durch den Buben nichts mehr,
indem sie so spielt, daß alles von ihr spricht,
und ihre Fertigkeit bewundert. Ich habe ein
artiges Clavierl vom H: Stein in Aug=spurg gekauft, welches uns wegen dem Exercitio
auf der Reise grosse Dienste thut. Das
Geld dafür habe beÿ H: Calligari angewie=sen; Dann H: Stein hat es beÿ einem guten
Freund in Augspurg weggenommen, der eben
nicht in Augspurg warewar. Und er wuste mir
selbst nicht zu sagen, wie viel ihm der Freund
dafür bezahlt hatte. Einmahl seit dem wir
auf der Reise sind, ich glaube es war zu
Augspurg, fieng der Wolfgang: da er mor=gens erwachte an zu weinen. Ich fragte wa=rum: er sagte es ware ihm Leid, daß er
den H: Hagenauer, h. Wenzl, Spizeder,
Deibl, Leitgeb, Vogt, Caietan, Nazerl p.
und andere gute Freunde nicht sehe. Wir
empfehlen uns demnach alle ihnen, allen den
ihrigen, allem im Hause, und so viellen mei=nen guten Freundinen, und Freunden, daß
es besonders zu benennen nicht möglich ware.
Leben sie gesund. Und wenn sie schreiben,
so schreiben sie nach Maÿnz im Gasthof zum
König v Engelland, oder nach Coblenz. Auf
der Post liegen zu Lassen. Addio.
P: S: Die Nanerl trägt zum spazieren gehen
einen Englischen Hut, wie es in diesen gegenden beÿ
Frauenzimmern mode ist. Wenn wir so zu Salz=burg: durch die Strassen giengen, lieffe es alles
zusam, als wenn der RinocerosRhinoceros komtekäme. Sie be=kam ihn in Maÿnz, samt einen gallanteriegalanterie fla=schenkeller: zum præsent. Der Hut kost 1. DugatenDukaten.
das eau Sens pareill:pareille flaschenkeller: 3. Ducaten.
_____Wollen sie etwas von einer neuen Mode wissen?
3. EngellenderEngelländer speissen mit uns en compagnie. Die
Taille von ihrer Kleidung ist so hoch bis unter die
Achseln; und so dann hängt der Rock bis auf
die helfte d waden hinunter: und dazu kommen
noch die alten engen StiflStiefel-Ermel; so,
________________________________________________________daß
daß es abscheulich anzusehen ist. Und das ist
wircklich ihre letzte mode. Einer von ihnen
gehet wenigst alle zweÿte TägeTage vor Tische hin=aus vor die StattStadt, und Badet sich im MeÿnMaÿn:
und kommt dann, wie eine tauftegetaufte MaußeMaus
zum Speisen. O wie viel hätte ich zu schrei=ben! – – – Der Wolfg: hat auch ein
Tabattiere von Porcellan zum præsent be=kommen. Die Nannerl eine von Lac Mar=tin und eineine garnitur pallatin: p.