Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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WOLFGANG AMADÉ MOZART AN LEOPOLD MOZART IN SALZBURG WIEN, 23. JANUAR 1782
___________________________________________________________________________________\hfill Vienne ce 23 de Janvier _______Mon trés cher Pére!________________________________________________________________________\hfill 1782 Es ist nichts unangenehmers als wen man so in ungewisheit, ohne zu wissen was geschieht, leben muß; – so ist nun dermalen mein fall in betreff meiner accademie; – und eines Jeden der eine zu geben willens ist. – der kaÿser war schon verflossenes Jahr ge=sonen die ganze fasten durch mit den schauspiellen fort zu fahren. – vielleicht geschieht es diesesmal; – Basta; – wenigstens bin ich doch des tages versichert, |: wen nicht gespiellt wird, :| nemlich des 3:ten Sontags in der fasten. – wen ich es nur 14 Täge vorher gewis weis, dan bin ich zufrieden; den sonst ist mein ganzes Con=cept verruckt – oder ich muß mich umsonst in unkösten setzen. – die gräfin Thun, Adamberger und andere gute freunde rathen mir ich soll aus meiner Münchner Oper die Besten Sachen heraus=ziehen und sie alsdan im Theater auf=führen; und nichts als ein Concert, und zulezt eine Phantasie spiellen. – Ich habe es auch schon im Sine gehabt, und nun bin ich ganz dazu entschlossen, besonders weil Clementi auch eine Accademie geben wird. – da hab ich folglich schon einen kleinen avan=tage über ihn. – besonders da ich es vielleicht zweÿmal geben kan. – – Ich habe mich beÿm Peisser angefragt; es ist aber kein brief da. – Nun will ich ihnen wegen dem wenigen gewissen meine Meÿnung sagen. – Ich habe hier auf dreÿer=leÿ sachen mein augenmerk. – das Erste ist nicht gewis, und wen auch – vermuthlich nicht viel – das zweÿte wäre das beste – – aber gott weis ob es geschieht – und das dritte – wäre nicht DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 zu verrachten – nur schade daß es nur das futurum und nicht das Præsens seÿn könte. – das Erste ist der Junge fürst liechtenstein, |: er will es aber noch nicht wissen lassen :| dieser will eine Harmonie Musick aufnehmen, zu welcher ich die stücke setzen soll – da würde freÿlich nicht viel ausfallen – doch wenigstens wäre es etwas sicheres – und ich würde den accord niemalen anders als lebenslänglich ein=gehen – das zweÿte |: welches aber beÿ mir das Erste ist – :| ist der kaÿser selbst. – wer weis – ich will mit h: v: Strack davon reden – ich zweifle nicht daß er das seinige gewis dabeÿ thun wird – den er zeigt einen recht guten freund von mir. – doch ist den Hofschranzen niemalen zu trauen. – die Rede des kaÿsers gegen mich, hat mir einige hofnung eingeflöst. – grosse herrn hören dergleichen reden nicht gerne, geschweige daß sie selbst solche führen sollten; sie müssen imer einen Metzgerstich erwarten – und der=gleichen sachen wissen sie sonst hübsch auszuweichen. – das dritte ist der Erzherzog Maximilian – beÿ diesem kan ich sagen daß ich alles gelte – er streicht mich beÿ allen gelegenheiten hervor – und ich wollte fast gewis sagen könen, daß wen er schon Churfürst von kölln wäre, ich auch schon sein kapellmeister wäre. – Nur schade das solche herrn nichts im voraus thun wollen. – das simple versprechen getrauete ich mir schon heraus zu locken – allein was hilft mir das für itzt? – baares geld ist besser. – – liebster, bester vatter! – wen ich von unsern lieben gott schriftlich haben könte, daß ich gesund bleiben, und nicht INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 krank seÿn werde – O so wollt' ich mein liebes, treues Mädchen noch heute heÿrathen. – ich habe nun 3 scolarinen. – da kom ich das Monath auf 18 duckaten. – den ich mache es nicht mehr mit 12 lectionen sondern Monathlich. – ich habe mit schaden er=fahren, daß sie oft ganze wochen ausgesezt – Nun aber mögen sie lernen oder nicht, so muß mir Jede 6 dugaten geben. – auf diese art will ich noch mehrere bekomen – doch brauch ich nur noch eine, mit viern habe ich genug, das macht 24 dugaten, das sind; 102 fl: und 24 kr: – mit diesem kan man hier mit einer frau |: still und ruhig wie wir zu leben wünschen :| schon auskomen. – allein wen ich krank werde – so haben wir keinen kreutzer einzunehmen. ich kan freÿlich das Jahr wenigstens eine oper schreiben. ich kan alle Jahr eine accademie geben. – ich kan sachen stechen lassen. – sachen auf suscription heraus=geben – es giebt auch andere bezahlte accademien. besonders wen man lange in einem orte ist, und schon credit hat. – solche sachen wünschte ich mir aber nur als acci=dentien und nicht als Nothwendigkeiten zu betrachten. – doch – wen es nicht geht, so mus es brechen – und ich wage es eher auf diese art, als daß ich lange warten sollte. – mit mir kan es nicht schlechter – sondern es muß imer besser gehen. warum ich aber nicht mehr lange warten kan – ist nicht allein – meinetwegen – sondern hauptsächlich – ihrentwegen – Ich muß sie sobald möglich erretten – davon werde ihnen im Nächsten briefe schreiben. – Nun leben sie wohl. ich küsse ihn 1000mal die hände, und meine liebe schwester umarme ich vom ganzen herzen, und bin Ewig dero ___________________________________________________________________________\hfill gehorsamster Sohn _____________________________________________________________________________\hfill W: A: Mozart mp DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 | de vienne | À Monsieur Monsieur Leopold Mozart maitre de la Chapelle de S: A: R: l'archeveque de et à SalzBourg N: 47. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881