Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg Austria
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2013-12 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1229 A-Sm A-Sm: Internationale Stiftung Mozarteum, Bibliotheca Mozartiana. Salzburg (AUT) last file update: Wed May 11 14:48:16 2022
WOLFGANG AMADÉ MOZART AN MARIA ANNA (NANNERL) MOZART IN SALZBURG WIEN, 13. FEBRUAR 1782
130________________________________________________________________________\hfill Vienne ce 13 febrier 1782 _____Ma trés chére soeur! Ich danke dir für das überschickte Büchl, welches ich in der that mit grösster Sehnsucht erwartet habe! – Ich hoffe daß du, da du diesen brief erhältst, unsern lieben, besten vattern schon wieder beÿ dir hast. – du darfst aus dem daß ich dir nicht antworte, nicht schlüssen, daß du mir mit deinen schreiben beschwerlich fällst! – Ich werde die Ehre, von dir liebe schwester einen brief zu erhalten, allzeit mit dem grössten vergnügen aufnehmen; – wen es meine |: für mein lebens unterhalt :| nothwendigen geschäfte zuliessen, so weis es gott, ob ich dir nicht antworten würde! – habe ich dir den gar niemalen geantwortet? – also? – vergessung kan es nicht seÿn – Nachlässigkeit auch nicht. – mithin ist es nichts, als unmittelbare hindernüss – wahre ohnmöglichkeit! – schrieb ich meinem vatter nicht auch wenig genug? – schlecht genug wirst du sagen! – aber um gottes Willen – sie kenen doch beÿde Wien! – hat ein Mensch, |: der keinen kreützer sicheres Einkomen hat :| an einem solchen orte nicht tag und Nacht zu denken und zu arbeiten genug? – – unser vatter, wen er seine kirchen dienste, und du deine paar scolaren abgefertiget hast, so könen sie beÿde den ganzen tag thun was sie wollen, und briefe schreiben die ganze lytanien enthalten. – aber ich nicht. – DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Ich habe meinem vatter schon lezthin meinen lebenslauf beschrieben, und ich will dir ihn wiederhollen. – um 6 uhr früh bin ich schon allzeit frisirt. – um 7 uhr ganz angekleidet. – dan schreib ich bis 9 uhr. von 9 uhr bis 1 uhr habe ich meine lectionen. – dan Esse ich, wen ich nicht zu gaste bin, wo man dan um 2 uhr und auch 3 uhr speist, wie heute und Morgen beÿ der gräfin Zizi und gräfin Thun. – Vor 5 uhr abends oder 6 uhr kan ich nichts arbeiten – und öfters bin ich durch eine accademie daran verhindert; wo nicht, so schreibe ich bis 9 uhr. – dan gehe ich zu meiner lieben konstanz – alwo uns aber das vergnügen uns zu sehen durch die bittern reden ihrer Mutter mehrerntheils verbittert wird – welches ich meinen vatter im nächsten brief erklären werde – und daher gehört der Wunsch, daß ich sie so bald möglich befreÿen und eretten möchte. – um halb 11 uhr oder 11 kome ich nach haus; – das besteht von dem schuß ihrer Mutter, oder von meinen kräften ihn aus=zuhalten. – da ich mich wegen den vorfallenden academien und auch wegen der unsicherheit ob ich nicht bald da bald dort hin gerufen werde, auf das abend schreiben nicht verlassen kan, so pflege ich |: besonders wen ich früher Nach haus kome :| Noch vor dem schlaffen gehen etwas zu schreiben. – da verschreibe INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 ich mich öfters bis 1 uhr – und dan wieder um 6 uhr auf. – \newpage liebste schwester! – wen du glaubst daß ich Jemals meinen liebsten, besten vatter und dich vergessen köne, so – – doch still! gott weis es, und das ist mir beruhigung genug; – der soll mich straffen, wen ich es kan! – Adieu ich bin Ewig P: S: Meinen liebsten vatter, wen er schon in Salzburg ist, küsse ich 1000mal die hände. ____________________________________________________________\hfill dein aufrichter Bruder _______________________________________________________________\hfill W. A: Mozart mp DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 À Mademoiselle Mademoiselle Marie Anne de Mozart à SalzBourg. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881