WOLFGANG AMADÉ MOZART AN MARTHA ELISABETH BARONIN VON\newline WALDSTÄTTEN IN WIEN
WIEN, VOR DEM 4. AUGUST 1782
______________________Hochschätzbareste fr: Baronin!
Meine Musicalien habe ich durch die Magd der Mad:me Weber er=halten, und habe müssen eine schriftliche Bescheinung darüber
geben. – die Magd hat mir etwas anvertrauet, welches, wen
ich schon nicht glaube daß es geschehen könte, weil es eine prosti=tution für die ganze famille wäre, doch möglich wäre,
wen man die dume Mad:me Weber kennt, und mich folglich
doch in Sorgen sezt. – die Sophie ist weinend hinausge=komen – und da sie die Magd um die ursach fragte,
so sagte sie; – sage sie doch heimlich dem Mozart, daß er
machen soll daß die Constanz nach hause geht, den –
Meine Mutter will sie absolument mit der Policei ab=hollen lassen! – darf den hier die Policei Wache gleich
in ein Jedes haus? – vielleicht ist es auch nur ein
locknetz, um sie nach hause zu kriegen. – wen das aber
geschehen könte, so wüsste ich kein besser Mittel als
die Costance morgen frühe – wen es seÿn kan heute
noch zu heÿrathen.Wolfgang Amadé Mozart heiratete Constanze Weber
am 4. August 1782 im Stephansdom.
– den dieser schande möchte ich meine
geliebte nicht aus=setzen – und meiner frau kan das
nicht geschehen. – Noch was; – der thorwath ist heute hin=bestellt. – ich bitte Euer gnaden um dero wohl=meinenden rath – und uns armen geschöpfen an
die hand zu gehen. – ich bin imer zu haus. –
ich küsse 1000mal die hände und bin
in gröster Eile. die Costance
_____weis noch von nichts.
_____________________________________________________\hfill dero verbundest diener
_____________________________________________________________\hfill W: A: Mozart mp
war h: v: Thorwath beÿ Euer gnaden? –
ist es nöthig daß wir 2 heute nach tisch zu ihm gehen? –
À
Madame
Madame La Baronne
de Waldstaetten nèe de
Schoeffer
________________à
N: 360.___________Leopoldstatt