Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
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Los Altos
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Morgenstern
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Kelnreiter
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Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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A-Sm
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN
SALZBURG, 14. SEPTEMBER 1784
____________________________________________________________\hfill Salzb d 14t Sept. 1784
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Schicke 3 Concert, aber nur die Clavierstim; welche die Fr: Tochter
beÿ ihrer hereinreise wied mit nehm kan, um sonderhtl: das Concert
ex B hier dan mit all Stim probier zu kön: auch das neue, das schon
draussen ist. – die weissen Beindl, – die Haube, – Fürdücher folg auch,
der Schneider verspricht die ande Historie alle diese Woch mit dem Both
zu schick. Mein Sohn war in Wien sehr krank, – er schwitzte in
der neu opera des Paesiello durch alle Kleid, und musste durch
die Kalte Luft erst den Bedient anzutreff such, d sein Überrock
hatte, weil unterdess d Befehl ergieng kein Bedient durch den or=dentlich Ausgang ins Theater zu lass. dadurch erwischte nicht nur
er, sond manche ande Person ein Revmatisches Fieber, das, wen
man nicht gleich dazuthat, in ein faulfieber ausartete. Er schreibt:
ich habe 4 Täge nacheinand zur näml: Stunde rasende Colique
bekom, die sich allzeit mit starkem Erbrech geendet hat; nun muß mich
entsetzlich halt. Mein Doctor ist h: Sigmund Barisani der ohnehin die
zeit, als er hier ist, fast täglich beÿ mir war; er wird hier sehr gelobt,
ist auch sehr geschickt, und sie werd seh, daß er in kurzem sehr avancier
wird. wir bitt in ihrem Briefe nach St: Gilg unserm h: Schwager und
meiner Schwester Million Bussel zu schick p: Weg d 3t Magd wird die
Katherl, die gleich holl ließ, mit der Spithalverwalter Tochter heute noch
sprech, und sie glaubt gewiß, daß sie hinausgeh wird. Sollte es, wid ver=muth, nicht seÿn, so werd wir schon etwas auftreib: dessweg wird der
Himel nicht einfallen. Der Geiger von Wien h: Menzl ist fort.
Ob, oder Wan die Comoediant kom, weis nichts. Es war einmahl wied
stark die Rede, daß sie ein bessers Ort gefund hätt, und folgl: nicht
komen werd: in begegnete aber dem h: Kaserer Cassier, der sagte mir,
er wüsste nur, daß sie weg einem Umstande an h: StattSyndic ge=schrieb hätt, den er ihn aber zugestand hätte; daß dan die Rede
wäre, als sollt sie schon bald kom. Daß das Kloster Monsee
Florian, und Lambach aufgehob sind, werdet ihr schon wissen.
der h: Prelat von Gleink ist hier beÿ St: Peter, ich war aber
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noch nicht beÿ ihm. Die Veronica geht nach Lofer nicht um aus=zulehr, sond um einzufüll: Sie will sich alda mit ihrem
Geliebt Copulier lass, welcher in Regenspurg beÿ einem
Cavalier, beÿ dem er schon Camerdiener war, wiedum als
Kamerdiener in Dienst komt. Sie hat mirs ganz allein
vertraut, und ich hab ihr die erstaunlichst Vorstellung
und Predig gemacht. itzt steht die Glasträgerin
vor mir, – muß also schlüss. Ich küsse euch beÿde
von Herz u bin euer alter redlicher Vatter
____________________________________________________\hfill Mozart mp
um 10 uhr morgens.
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