Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2020-03 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=641 Verbleib unbekannt (S. 1-14, Vorlage: Abschrift um 1768 in D-B); A-Sm (S. 15-16) last file update: Wed May 11 14:48:18 2022
LEOPOLD MOZART AN LORENZ HAGENAUER IN SALZBURG PARIS, 1. APRIL 1764
______________________22 ________________________________________\hfill Paris le 1. April ____________________________________________________\hfill 1764. Monsieur! _____Die Narren sind halt aller Orten nicht gescheid. In Paris ist sonst dem Scheine nach aller Aberglauben verbannet. Ja sie ma=chen sich nichts daraus manche Kirchenge=bothe als aberglaubische Sachen anzusehen: und sehen sie eine Finsterniß kann der Gegenstand eines allgemeinen Lermens in Paris seÿn! schon 14. Täge her haben die Gläserer in Paris alle alte Trümmer von zerbrochenen Gläsern zusammengesucht, und theils in form eines Octav-blätls, theils wie es der Glasscherbe gab, solche blau, oder vielmehr schwarz anlauffen lassen, die Ränfte mit Goldpapier eingefasst, und sowohl beÿ ihren Läden zum Kauf aus=gesetzt, theils durch alle Strassen herum=tragen und ausrüffen lassen. So, daß man Gestern schon iedermann durch diese Gläser nach der Sonne sehen und solche Pro=bieren sache. Das ist nun kein Aber=glaube: – – aber daß die Leute in der Früehe in die Kirche eÿlten, um vor der Vergifftung des Luftes sicher zu seÿn, die durch diese Fünsternisse entstehen wurde; daß iedermann sagte und glaubte, daß um 9. Uhr die letzte Messe seÿn werde; daß dann alle Kirchen gesperrt werden; daß diese Finsterniß so schwer seÿn werde, daß ein Pest in der Folge zu beförchten seÿe; daß es ganzer 3. Stunden so fin=ster seÿn werde, daß man sich der Lichter wird bedienen müssen, und hundert an=dere Sachen; Dieß sind wohl pöbelhafte Aberglauben. – – Und wissen sie daß selbst die Geistlichkeit |: vieleicht unschuldi=ger weiße :| daran Schuld ist. Man hat von allen Kanzeln verkündiget, daß den 1.t April wegen der Finsterniß das Hoche Amt und der hernach gewöhnliche Chor, das sonst um 10. Uhr bis halbe 12. Uhr ist, um 8. Uhr seÿn werde, man hat aber die rechte Ursache nicht beÿgeset=zet, sondern nur beÿgefüget: um alle Unordnung zu verhinderen. Dieses hat der Pöbel auf sich gezogen, da es doch von der Geistlichkeit selbst zu verstehen ware, die sich, so gar in Klöstern nicht so, wie in Teutschland einschräncken lässt, und ei=nige um die Fünsterniß zu betrachten auf das berühmte Observatoire, das Louis XIV ano 1667. hat bauen lassen, lauffen, andere solche vom Hause aus oder sonst wo beobachten, folglich eine gänzliche Unordnung seÿn werde. Um nun allen diesen Herrn die Bequem=lichkeit zu verschaffen, hat man Chor und HochAmt früher gehalten. – – – parturiunt montes, nascetur ridiculus mus. Die Glaserer haben ihre Gläser nicht umsonst gemacht; aber die Käuffer haben ihr Geld umsonst ausgegeben. Es war ein starckes Regenwetter; und dennoch war es nicht fünsterer, als wie es etwa ist, wenn es anfängt Abend zu wer=den. _____Wir sind, Gott unendlichen Danck ge=sagt, alle Gesund; und nun kann ich ihnen mit Vergnügen sagen, daß ich hoffe in wenig Tägen denen Banquiers Turton et Baur 200 Louis d'or zu behändigen, um solche entzwischen in sichere Hände zu geben, und seiner Zeit nach Salzburg über=machen zu lassen. Ich habe den 9.t Apri=lis wiederum ein solchen Schröcken auszu=stehen, den ich den 10.t Martij hatte: Doch zweiffle ich sehr, ob der Schröcken gar so groß seÿn wird wie der Erste, wo ich in dem Concert den 10. Martij 112. Louis d'or eingenommen. Doch es sind 50 in 60. Louis d'or auch nicht zu verachten, und wenn es mehr ist, so schiebt man es in Sack. Es wird beÿm Eingange ins Concert kein Kreuzer bezahlt; sonderen wer kein ____________________________________________Billet Billet hat, wird nicht eingelassen, er seÿe auch wer er wolle. Meine Freunde ver=theilen 8. Tage vorher die Billets, jedes für einen Laub= oder Feder Thaler, deren 4. ein Louis d'or sind; und sie empfangen dafür das Geld. Doch werden die mei=sten Billets zu 12 und 24 an Damen ge=geben, die es dann um so leichter austhei=len, weil man solches anzunehmen aus Höflichkeit nicht abschlagen kann. est mo=dus in rebus. oder zu Teutsch, die H: Franzosen wollen gefoppet seÿn. Auf dem Billet |: das auf einem Kartenblat geschrieben, und mein Bettschaft beÿgedru=ket ist :| stehen nichts als diese Worte Au Théâtre de M: Felix; rüe et Porte S:t Honoré, ce Lundi 9 avril à six heures du Soir. Die ist ein Saal, in dem Hause eines vornehmen Herrn, in welchem ein klein Théâtre stehet, auf dem oft die Noblesse unter sich selbst agiren und Comoedien aufführen, und diesen Platz habe ich durch die Madame de Clermont, die in diesem Hauße wohnet, erhalten. Die Erlaubniß aber die 2. Concert zu halten ist ganz was besonderes, und ist schnur gerad wieder das Privilegium so der König der opéra, dem Concert Spirituel und dem französischen und Itäliänischen Theatro gegeben, und diese Erlaubniß hat durch absendung und ei=gener Zuschrift des Duc de châtreschârtres, Duc desde Duras, Comte de Tessé und vieller der ersten Damen von dem Mr: de Sartine Lieutenant General de la Police müssen erhalten werden. – – Nun etwas anders. _____Ich bitte den 12.t angefangen, 13t, 14, 15, 16, 17, 18 und 19 aprilis, nämlich 8. Täge nach einander, täglich eine heil: Mess für uns lesen zu lassen. Sie mögen solche austheilen nach ihren be=lieben, in was für einer Kirche, und auf was für einem Altar. Wenn nur 4. davon zu Loreto beÿm heil: Kindl, und 4 auf einen unser lieben Frauen Altar gelesen werden, Es mag in der Pfarr, oder sonst wo seÿn; wo es etwa der Frau Hagenauerin gelegen ist, mit ihrer andächtigen Gegenwart vielleicht etwas beÿtragen zu wollen. Nur bitte diese 8. Täge, vom 12.t bis 19.t aprilis inclusivé solche gewiß lesen zu lassen. Sollte der Brief aber nach dem 12. april wieder Vermuthen erst anlangen, so bitte gleich den anderen Tag darauf anfangen zu lassen: Es hat seine wichtigen Ursachen. Nun ist es auch Zeit ihnen von meinen 2. Freun=den aus Sachsen Herrn BaronBarons v Hopf=garten und v BoséBose etwas zu sagen. Sie sind vor ungefehr 2. Monat von hier nach Italien abgegangen um oder durch Kärnthen oder über Salzburg nach Wienn zu gehen. Ich habe ihnen einen Simplen Brief an Sie mit gegeben, da=rinne ich mich auf dieß, was ich ihnen iezt schreibe, beziehe. Sollten sie nun über Salzburg gehen, so bitte ich sie ihnen an die Hand zu gehen, damit sie nicht nur alles sehen, was zu sehen ist; sonderen dahin zu trachten, daß ihnen beÿ Hofe alle Ehre erwiesen wird; indem ich selbst der Augenzeuge bin von den grossen Ehren, die solche an den Tafeln und an den Höfen des Churfürsten aus Baÿern, dann zu Ludwigsburg, am Pfälzer Hofe zu Schwezingen, zu Maÿnz, zu Brüssl beÿm Prinz Carl, und hier in Versailles empfangen haben. Sie sind unsere ge=treuen Reisefreunde gewesen. Bald haben wir ihnen, bald sie uns die quar=tier bestellt. Hier werden sie 2. Men=schen sehen, die alles haben, was ein ehr=licher Mann auf dieser Welt haben soll: und, wenn sie gleich beÿde Lutheraner sind; so sind sie doch ganz andere Lu=theraner, und Leuthe, an denen ich mich oft sehr erbauet habe. Zum Abschiede hat Herr Baron v Bose dem Wolfg: ___________________________________________ein ein schönes Buch, darinnen geistliche Betrach=tungen in Reimen sind zum Angedencken gegeben, und hat voran folgendes hinge=schrieben: Nimm kleiner, 7. Jähriger Orpheus, dieß Buch aus der Hand deines Bewunderers und Freundes! Lies es oft, – – und fühle seine göttlichen Gesänge, und leihe ihnen |: in diesen seeligen Stunden der Empfin=dung :| deine unwiederstehlichen Harmo=nien; damit sie der fühllose Religions=verächter lese, – – und aufmerke! – – damit er sie höre – – und niederfalle, und Gott anbethe. ______________________________\hfill Friedrich Carl Baron _________________________________________\hfill v BosseBose. Diese 2. Herren können ihnen hundert sachen von unserer Reise erzehlen, und ihr umgang wird ihnen Tausend Vergnü=gen machen. Wenn sie kommen, so kommen sie nach der Ascensa von Venedig. Der grössere ist der Baron Hopfgarten und der kleinere der Baron v Bose. _____Die Frau Hagenauerin lasse ich, nebst meiner Empfehlung bitten, die manchetten oder datzl, die ich ihr in Handen gelassen, wenn solche nicht verkauft sind, oder was sie noch hat, zu behalten: denn ich werde auf meinen Reisen meine mancheten zimmlich zusamm reißen, daß ich sie dann selbst gebrauchen kann. _____Nun sind wir mit allen Gesandten der auswertigen Potenzen hier bekannt. Der englische gesandte Milord Bedfort und sein Sohn sind uns beÿde sehr gewogen; und der Russische, Prince Gallitzin, liebt uns wie seine Kinder. In etlichen Tä=gen werden die Sonaten, die der Herr Wolfgang: der M:me la comtesse de Tessé dedicirt hat, fertig. Sie würden schon eher fertig geworden seÿn; allein die Dedication, die unser bester Freund M:r Grimm gemacht, wollte die Comtesse absolute nicht annehmen. Man muste also eine Veränderung vornehmen; und da sie meistens zu Versailles ist, alle=zeit die Antwort von dort abwarten. Es ist schade, daß diese Dedication nicht hat därffen gestochen werden: Allein die Gräfin will nicht gelobt seÿn; und in dieser Schrift ist die Frau Gräfin und mein Bueb, beÿde sehr lebhaft ab=geschildert. _____Nun müssen sie aber auch wissen wer dieser Mann ist, dieser mein grosser Freund, von dem ich hier alles habe, dieser Mr: Grimm. Er ist Secretaire vom Duc d’Orelansd’Orleans; ein gelehrter Mann und ein grosser Menschenfreund. Alle meine übrigen Briefe und Recomenda=tionen waren nichts; ia wohl der fran= zösische Bottschafter in Wienn; ia wohl der Kaÿserl: Gesandte in Paris, und alle Empfehlungs Schreiben vom Ministre in Brüssel, grafen v Cobenzel: ia wohl Prince Conti; Duchesse d’aiguilliond’aiguillon pp und alle andere, deren ich eine ganze Lytaneÿ hersetzen könnte. _____Der einzige Mr: grimm, an den ich von einer KaufmannsFrau in Frankf.Frankfurt einen Brief hatte, hat alles gethann. Er hat die Sache nach Hofe gebracht; er hat das erste Concert besorget, und er al=lein hat mir 80. Louis d'or bezahlt, folg=lich 320. Billets versorget, und noch die illumination in wachs bezahlt, da über 60. Stück tafel Kerzen gebrennt haben; Nun dieser Grimm hat die Erlaubnis des Concerts ausgewürcket, und wird nun auch das zweÿte besorgen, wozu schon über 100 Billets ausgetheilt sind. Sehen sie was ein Mensch kann der Vernunft und ein gutes herz hat. Er ist ein Regens=purger: Allein er ist schon über 15. Jahr in Paris, und weis alles auf die rechte Strasse so einzuleithen, daß es, so wie er will, ausfallen muß. Ich habe ihnen ___________________________________________schon schon letztlich geschrieben, daß sie meinem Brief unter seiner Addresse nach Paris schicken sollen; nämlich: Chez Mr: Grimm Secretaire de S: A: MonsigneurMonseigneur le Duc d’Orelansd’Orleans. Rue neuve de Luxembourg. ______________________________à __________Paris. Wenn sie mir aber beÿ Empfang dieses Briefes nicht schon etwa geschrieben haben; so warten Sie noch einen anderen Brief von mir ab. Entzwischen den=ken sie nach, wie ich es zu machen habe, daß ich das Geld mit Nutzen nach Salz=burg bringe. Ich werde die Summa in 200. Stück Louis d'or in Specie er=legen, und mich entzwischen dafür beschein lassen. Ich wollte aber das ich die Louis d'ors in Natura in Salzburg hätte, viel=leicht könnte ich beÿ iedem Stuck noch über 11 f: etwas profittiren. – – Viel=leicht etwa schon in Augspurg? – – Viel=leicht könnte ich für iemand hier eine Zah=lung machen. Correspondiren sie dess=wegen nach Augspurg. Herr Brovino und Perrinet haben mir auch in Paris ihre Dienste angetragen. Das Blat wird zu klein. Ich empfehle mich ih=nen und ganz Salzburg und bin der alte Diener. ___________________________Paris 1 April 1764 Meine Kind empfehl sich samt meiner Frau allerseits. M: de Mechel ein Kupferstecher arbeitet über Hals und Kopf unsere Portraits die h: v Carmontel |: ein Liebhaber :| sehr gut gemahlt hat, zu stech. der Wolfg: spiehlt Clavier, ich stehe hinter seinem sessl und spiele Violin, und die Nanerl lehnt sich auf das Clavecin mit einem Arm. mit der and hand hält sie musicali, als säng sie. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Paris d 1 april 1764 A Monsieur Monsieur Lorence Hagenauer à ___france Salzbourg 13 April empf DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881