Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
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Morgenstern
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Kelnreiter
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Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN SALZBURG
WIEN, 25. UND 26. MÄRZ 1785
____________________________________________________________________________\hfill Wien d 25t am Charfreÿtag
_________________________________________________________________________________________________________________\hfill 1785
Eben itzt da ich schreibe wechselt das Wetter mit Sonenschein und starkem
Schneÿen ab: vor einig tag hat jamerlich geschneÿt und gestöbert, und
dan mit einem hellen tag abgewechselt, wo die Strass, wie ums neue
Jahr vest zugefrohr war: kurz! man glaubt am Sontage den Wein=nacht tag und nicht den ostertag zu hab; und es geht die Rede, daß
die Herrschaft am Ostersontag, weg der Seltenheit, eine Schlittenfahrt
halt woll. Ich wünschte ein gelinderes Wetter, um abreisen zu könn,
den beÿ so einem Wetter wollte ichs nicht wag. Ich habe den
Copisten ins Hauß bestellt, der itzt wirkl: an dreÿerleÿ Variation
für dich schreibt, die ich bezahle. dan werde treib, daß die Cadenzen be=kome: werde auch was gestoch ist, kauffen. den h: v Derer habe
hier auch angetroff, – ein h: v Franciscis d beÿ d Artillerie ist,
und vor 6 Jahr Collegiant war; ein jung Sohn des h: Prof: Stein=hausers. Künftig Ostermontag werde ich und dein Brud beÿ
h: advocat Raab |: der Mitzerl vetter :| speisen: ich denke nun
ich werde das Hauß nicht mehr lange bewohn, dan, so viel ab=genom, wird er, nach einiger Zeit, seine advocatur aufgeb,
und sich nach Salzburg zieh, um alda in Ruhe mit seiner Frau u
kind zu leb, ob er gleich ein junger Man ist, so ist er der
advocatur, der Schindeÿ und aller neu Einrichtung Müde,
da man ihn, wie höre, durch seine Sparsamkeit und das
Vermög, das seine kleine bucklichte Frau hat, und noch erben
wird, auf mehr als 100 000 f schätzt, da er doch noch auch von
seinem vatter seiner Zeit etwas erbet, der als Weinhändler in
Matthaus sehr gut steht. Sollte nun sich dieses seiner Zeit eraign,
so gedenke ich die Wohnung im Alberti Haus zu nehm, wo ich
damals die Marchandisch Logiert hatte. Madame Lang –
die Schwägerin deines Bruders war mit ihrem Mane diese
Fastenzeit in Münch, wo sie beÿde im Theater Gastrollen spielt,
und gut bezahlt wurd, sie hatte auch eine Comoedie ganz für sich,
sang beÿm Churfürst, bekam eine hüpsche goldene Frauzimer
Tabattiere; sang im LiebhaberConcert, bekam eine Medaille von
25 duggatt von des Churf u Churfstin Portrait. dan gieng sie
ihr Man, der Martin Lang und seine Frau über Salzb: nach
Wien und sucht mit einem Recomend: Schreib von d verwittibt
Churfürstin am Wahltag einzutreff, wo sie auch sang und vom
Erzb: 40 duggatt bekam. ich erfuhr es, daß sie nach Salzb:
reisen werd, aber es war zu späth euch solches zu bericht, da
die Briefe so späth hinauskom. Sie sind am Mittwoch von Salzb:
abgereiset, und heut vor 8 tage |: ich schreibe dieses am Char=samstag :| sind sie hier eingetroff. Nun habe die Langin beÿ
ihr 2 mahl am Clavier 5 bis Ari singen\newline gehört, die sie mit
aller Willfehrikeit sang. Es ist gar nicht zu widersprech, daß
sie mit der größt expression singt: allein itzt erkläre ich
mir, warum mir einige, die ich öfters fragte, sagt, sie habe
eine sehr schwache Stime, – und andere sagt mir sie habe eine sehr
laute Stime. beÿdes ist wahr: die Haltung, und alle Not
des Ausdrucks sind erstaunlich stark; die zährtlich Sach,
die Passag und auszierung und die hoh Töne sehr fein, so
daß, nach meiner Empfindung eins geg den ander zu sehr
absticht, und im Zimer die stark Töne die ohr beleidig,
im theater aber die fein Passag eine grosse Stille und auf=merksamkeit d Zuhörer voraussetz. Seiner Zeit mündlich
mehr davon. – Mit den Amandisch in Salzb: muß es sehr
misslich steh, weil mich h: Hofrath von Gilowsky bittet zu er=laub, daß die Licitation v Eigen und den Amandisch
effecten in meinem Saal vor sich geh därfte, dafür er mir
alle Bezahlung, die ich verlange, anbietet. Ich antwortete, daß
es mir leyd thut den arm Amandisch nicht in einer bessern
und angenehmer Gelegenheit dien zu kön, und daß an eine
bezahlung nicht zu gedenk seye. die tresel wird den Saal
ausraum, und mit d Gilowsky Katherl sorg trag, daß die
Zimer alle verschloss werd: Nur die Saalthür vom vorhauß
bleibt off. übrigens kan, wie gesagt, vor einer besseren Witte=rung nicht abreisen, ob ich gleich schon gerne weg wäre, nur die
Comoedi und operett sehe noch gerne, so am Ostermontag
den Anfang nehm. Hier war nicht nur allein keine hl: Gräber
sond sogar das Ciborium nicht ausgesetzt, sond eingeschloss
und 4 leichter bren auf dem Altar, die Auferstehung aber
sind alle Nachmittag und abends. Nun addio! wir alle küssen
dich, den h: Sohn und die Kind von Herz und bin ewig euer
__________________________________________\hfill redlicher Vatter
____________________________________________________\hfill Mozart mp
Der Mad:me Lang |: Weber :| Man ist ein guter Mahler
und hat mich gestern abends auf ein rothes Papier
abgezeichnet, vollkom getroff, und sehr schön ge=zeichnet. Die Boudé wird komend freytag das erste
mahl in Diderots Hausvatter als Sophie auftrett,
h: Lang macht den St: Albin.
Noch ein Brief kanst du mir schreib, wen du willst.
À Madame
Madame Marie Anne
de Sonenbourg née
de Mozart
__________________à
Im Tanzmeister=Haus abzugeb._____Salzbourg
huoboel
hobois
mein.