Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN SALZBURG, 16. UND 17. SEPTEMBER 1785
______________________________________________________________\hfill Salzb: d 16t Sept: _______________________________________________________________________________\hfill 1785 Ich sehe wohl daß du nicht weist was d Mehlhund ist, da du glaubst, daß er schon vorbeÿ ist. 9 tage nimt er auf; und 9 täge nimt er ab. da wir glaubt der Mund und Zunge des Kinds wäre fast freÿ, so hat er neuerdings wied nach=gesetzt; der Stuhlgang und Urin ist, da die Saÿereÿ herauskomt, so scharf, daß es ihm die Haut angreift, und folglich muß das Kind 5 und 6 mahl des Tags gereinigt, eingeschmiert und eingestaupt werd. Es ist also ganz natürlich daß es für das Kind schmerzhaft ist, und wir alle dan zu thun hab um ihn zu still, unterdess daß die Nandl sich Mühe giebt in aller Geschwindigkeit ihn zu säubern, dan ist er wied so ruhig, als fehlte ihm gar nichts. Itzt ist freÿlich der Mehlhund im Abnehm; folglich muß alles durch den Stuhlgang und Urin sich reinig. also gedult! – Habe ichs nicht gesagt, daß sich das Fortepiano vielleicht selbst, wenigst zum Theil, herstellt? – – Es wird schwerlich wied so krank werd als es war, wen das Zimer Temperiert erhalt wird: allein, da d vorige Winter ausserordentlich war, – und man, da ihr in Salzburg wart, wenig, – sehr wenig, – od manch Tag vielleicht gar nicht geheitzt hat, so hat kälte und Feuchtigkeit sich in die boros des Holz gelegt und solches ausge=dehnt, daß alles hat steck müss. Ich danke für das überschickte, ich ließ es alsogleich gut mit frischem Brunwasser auswasch, und dan in Essig leg, – übermorg lasse es gleich richt. das eingeschlossne Geld hab auch empfang. das Verlangte schicke hiemit, die Concert hab nur die geschickt, wo die Hautb: p: nicht so nothwendig sind. Bürsterl zum Barteinsaiff DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 kan ausser der Dult nicht bekom. ich musste das meinige erst beÿm Birstenbind anfrüm, und da ists auch nicht viel rares. in 8 Täg ist schon Markt, – unterdess soll er sich nur mit d Hand einsaiff, wie ichs hundertmahl gethan habe. die spitzbueb die wälsch hab weg dem Bologna falsche Brief erdichtet nur um dem Ceccarelli weg seinem Wag in Angst zu setz, und dadurch die ganze Statt zum Narr gehabt. Morg sinds 4 woch, daß von deinem Brud kein Brief habe, – er wird auf dem Land seÿn. – morg wird doch hofentl: einer kom, da 2 mahl geschrieb habe. – od komt er etwa gar selbst? – den Dutt hab wir nicht nötig. das Mensch hat auch hier geschwätz und Lügen genug gemacht, das itzt alles an Tag komt. die neue Sängerin hab noch nicht gehört, sie macht ja nur schlechte Rollen, und den Tenorist mit den roth Stöcklen kenst du ja ohnehin, er schreÿt wie ein Zahnbrecher in der Höhe, und seine Stime ist wie ein hölzerner Laden so trocken. – Weg meiner hinausreise wird es schwer halt. bis das Kind\newpage nicht vollkom gut ist, gehe ich nicht. – und dan kan ich nicht von der Stelle, weil nicht wiss kan, wen die Nandl zu ihrer Schwester muß. basta! es wird sich schon geben. Heute frühe d 17t. Eben erhalte ein Brief von deinem Brud. Er schreibt daß er mir unter der Zeit einmahl geschrieb habe, und darine war die anectode über den Lang so öffentl: in DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 der Wiener Currant im druck herausgekom: dan, daß der Kayser zu deines bruders frau sagte: was für ein Unterschied ein braven Man zu hab! – dein Brud hat seine quartett mit einer wälsch Dedication dem h: Joseph Haydn ge=widmet. mit d nachst Dilligence werde es bekom. dein Brud küsst dich und dein Herr von Herz. Er schreibt ich soll den Fiala nach Wien schick, er will ihn unterdess gleich zum Gr: v Kuffstein bringen, damit er gleich ein Ort hat. Weder vom Orgelmacher noch von einem Violinist ist etwas zu hör ________________so viel mir Brunetti sagte, ________________hat d Erzb: aus Itali von keiner ________________Seite einige Antwort bekom weg eines ________________Violinist, – mir scheint, kein Antwort, ________________ist auch eine Antwort. NB du schriebst ________________den 14t, ich erfuhr, daß morg ein Weib ________________hineingeht. – Sie ist aber erst gestern am ________________Freytag nachmittag mit d Schachtl kom: sollte sie nun, wen sie itzt komt, die Concertstim nicht leicht tragn, so schicke solche beÿ ander Gelegenheit. Mit der Hagenaur Teresel werde schon red. Man sagte hier öffentl, der Portugese Laudon, der beÿm Hofwirth wohnt, wäre durchgegang, und versigelte so gar beÿm Hofwirth seine Sach. Er war in die gastein gereist, das Gebürg zu seh, besuchte den Fürst Salm, Fürst Schrattenbach in Steÿrmark und Karnth. kam, riess die Sigill selbst weg, gieng mit 1000 duggatt zum StattSyndicus, und es zeigte sich, daß d ganze Lerm weg einem Ring entstand, den ihm d trouxes Maÿr zu verkauff in Comission gegeb und zwar um 19 duggatt, da doch überdass seine Effetti im Wirths=haus über 2000 austrag. die Nandl empfehlt sich beydseits zu Gnad, und lasst sich sondheitl: d Freul: Nanerl auch em=pfehlen. die Tresl und Monica küssen die Hände. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 das Kind hat heut Nacht gut geschlaff. die Schärffe beÿm Beutterl ist nun zimlich geheilt, nun Curier wir das Arsch=loch = od löcherl. Ich küsse euch und die Kinder von Herz und bin ewig euer redlicher Vatter _____________________________________________________\hfill Mozart mp À Madame Madame de Sonnenbourg. à St: Gilgen DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 \newpage _____________________________________________________________________\hfill Um 1 uhr Nachmittag. _____________________________________________________________________________\hfill den 17 Sept. 1785 Das Weib versprach um 10 od 11 uhr heute Vormittag zu kom. ich hatte demnach alles zusamgemacht, hab imer auf das Weib gewartet, bin nicht aus dem Hause gekom, weil selbst mit ihr sprech und seh wollte, ob sie alles mitnehm kan. Noch sehe ich kein Weib! – ich hoffe sie wird noch kom, weil sies gewiss versproch hat. Nun schickte vor 1 uhr d h: Haselberger her, und ließ mich frag, ob etwa d h: Sohn hereinkome, indem er ihm durch den Grazerboth etwas sehr notwendiges geschrieb, und noch keine Antwort erhalt habe. – Ich vermuthe der Grazerboth hat vor 8 tag den brief etwa abzugeb ver=gessen, und solch mit sich nach Gratz spazier lass: od ist der Brief beym Muntigler lieg geblieb? – – genug! diese ist die Ursache, warum dieses schreibe, weil mir scheint, daß dem h: Haselberger um eine baldige Antwort zu thun, und bange ist. – den Both hab gar nicht geseh. er hatte mir nichts zu bring. Er ließ sich also beÿ mir nicht seh, – und in dem Brief heists, ich soll dem Weib die Sach aufgeb –, das Weib versprach zu kom, und sagte auch daß man ihrs gesagt habe, sie müste etwas hinausbring: also bin in Erwartung, – in verdrüsslicher Erwartung, – euer redlicher Vatter _____________Mzt mp DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 À Madame Madame de Sonenburg à St: Gilgen DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881