Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
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Salzburg
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Los Altos
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Morgenstern
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Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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A-Sm
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN
SALZBURG, 6. BIS 8. OKTOBER 1785
__________________________________________________\hfill Salzb d 6t Octob. 1785
Nun hoffe zu Gott, daß einer meiner grossen Verdrusse
abgethan ist. Die Monica mag die Geschichte zwisch der
Nandl und ihrer Schwester erzehlen, mir würde es zu
lang alles zu schreib. die Nandl bleibt nun ganz da, und
komt gar nicht zu ihrer Schwester. übrigens lasst es euch
zur allgemein Regl gesagt seÿn, – alle Menscher lügen,
und setz was dazue, od – nehm was davon, wie es
zu ihrer Absicht taugt. Man muß ihn in d That nichts
glaub, was zu ihrer aigen Lobserhebung, od einiger
Einschmeichlung durch Geschwätz etwas beytragt:
den das sind sicher Lügen! da ich nichts rede; nur
höre; keine Antwort gebe; mache ich, daß sie nie wiss,
woran sie sind. und so entschied sich d Handl von selbst.
Ein paar ernsthafte Worte die ich sagte. Das Kind
muß versorgt seÿn: ich muß wissen, woran ich bin;
Sie kön die Monica nicht imer herin lass.
ihre Schwester kan iemand and nehm. Hiemit: Holla!
sonst gehe zum StattSyndic. –
Dan der Nandl Schwester hatte sichs schon vor 14 täg
in den Kopf gesetzt, daß sie zu ihr geh sollte, und itzt
ist sie noch nicht niedergekom. genug! Nun ist allem
Streit ein Ende gemacht.
die 4 Leichter habe das Loth à 1 f 27 Xr verkauft, hier
folgt das Geld. – hab ich recht gethan od nicht? –
ich wollte die Gelegenheit nicht auslass, – ich musste mich
also gleich entschlüss._____Hier folg auch meine Auslag.
Ich wollte das Geld für die Leuchter ganz schick: allein
ich überlegte es wäre besser gleich solches abzuzieh, um
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es nicht wied hereinschick zu därff. Ich werde vielleicht
nach und nach etwas vom Silber anbring, die Hagenauer=tresel hat etwas ausgefund. hoffe also Nachricht,
wie mich zu verhalt habe. – Von Hof giebts kein
choccolate zu kauf, das Loch ist aller Ort verrent.
dieser choccolate à 1 f 15 Xr macht keine Hitzen da
er im wasser gesott wird: Er hitzt nur wen man
ihn, wie das Brod, stückweis ist. aigentlich hitzt
nur d choccolate der 2 f 30 X u 3 f kostet, weg
d viel Vanillia. Und überhaupts nehme ich niemal
ein ganzes Ziegerl auf einmahl. man kan iedes
Ziegerl in 3 Theile abschneid od zertheil, und 2 Theile
auf ein portion nehm, so hat man mit 2 Ziegerl für
3 täge genug, das ist wirtschaftlich, folglich für die
physicalische und moralische Hitze gesorgt, da es nicht
so viel kostet als d Coffée, weil ein Ziegerl nicht auf
4 X 3 Pfening komt, und ist gesünd als der Coffeé.
Der Leopoldl ist, Gott Lob, gesund, das wird die
Monica gesagt hab. die Fr: Zezin hat uns eben
itzt besucht, das ist den 7t. um 10 uhr morgens;
sie empfehlt sich._______________ Gestern um 4 uhr war
Seildanzereÿ, – und um halbe 7 uhr Feuerwerk, beydes
hintereinand auf der Somerreitschule. Ich sehe solche sach
nicht, brauch das Geld nothwendiger.
Fürst Baar, – Gr: Gundacker Colredo u sie sind hier,
sonst niemand. der RanftlSohn P: Rupert ist
am Faulfieber im FrauChiesee, wo er Caplan war,
gestorb: war erst 35 jahr alt, bis man ein Doctor
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hab konnte, hatte das übl schon über Hand genom.
Nachmittag.
Itzt bracht mir der Both den Brief, und den recht schön
Fisch, wofür dem h: Sohn sehr danke, die Nandl spitzt
auch schon das Maul auf ein bröckl davon.
wie hat den der Köchin einfall kön zu sag, daß man den Leopoldl
auf Teresia hinausbring wird? das wird wied eine Spiritosa
inventione von d Monica etwa gewesen seÿn, um die Köchin
zu trösten, daß sie bald nachkomt. das kostet die Menscher
keine Mühe ein and etwas vorzulüg.
der Man, der d Köchin Vass hinausführ sollte, hat sich nicht mehr
seh lassen: – die Monica wirds schon gesagt hab; die Leute ent=schuldig sich, sie wär ohnehin schon schwer belad. der Himel weis
wie wir all dieses Zeug hinausbring.
Seit gestern warte imer auf die Zurückkunft des Amtmans
und seines Weibs. Ich hab alles, – chioccolate, Limoÿ,
Geld p: alles bereitgehalt: und kein Mensch komt zum
Vorscheine. – kom sie bis morg frühe nicht, so übergieb
ichs dem Both, vielleicht hab sie ein and Weeg genom,
und kom über Monsee nach Hause.
Die Bretter zu den Rahm hätt diese Dultzeit manchmahl
kön hereingeschickt werd, weil der kössler, beck und
kramer herin war. – ich werds wohl selbst abholl müss.
Wen h: Egedacher nur seine Orgel fertig hätte, dan komt
er gleich hinaus. ich werde wied mit ihm red.
Hab ichs euch geschrieb, daß der Kranke Obersthofmeister
auf seine Herrschaft nach Deutschmetz hineingereist ist?
daß er glückl: nach Insprugg gekom, ist schon Bericht da: ob er aber
durch diese Reise nicht sehr kränker wird? – ob ers ganz aus=halt kan? – oder obs wohl möglich ist, daß er beÿ dieser
abnehmend Jahrszeit, sogar eine Besserung zu hoff hat? –
das weis der liebe Gott! er hatte einmahl die erstaunlichste
Sehnsucht, und unwiderstehlich Trieb zu reisen: e questo basta!
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Was den Schmuk anbelangt, ist weiter nicht mehr wed daran zu
denk, noch weniger davon zu reden; nur dient es zur warnung
für zukünftige derleÿ Ereignissen. Übrigens wisst ihr dessweg
den Werth des Schmuks nicht mehr und nicht weniger, den ich
hatte ihn schon beym Mayer und Neiner schätz lass. – Es bleibt
imer richtig, daß man frohe seÿn muß, wen er ohne Nadl
um 1000 f weggeht, weil zu einer solch sache wenig käuffer sind,
und das darauf todliegende Interesse den Gewin auffrisst.
Als ich euch darum schrieb, war nur d Münchnerjude beÿ mir
um solch zu seh. – als ich wusste, das d Wienerjude auch da war,
dan gieng ich zum Traubwirth, und sagte es beÿd: sie kam also
beyde, und das war in d erst Hitze vor d Licitation. der einzige
Vortheil möchte seÿn, daß beyde um den Schmuk wissen und
kenen, im Fall sie etwa solch benutz od mit Vortheil
zu verhandeln eine Gelegenheit find.
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Daß die Poln: Haube dir gefällt, ist mir sehr lieb, sie ist auch
wirkl: schöner als der Fr: v Amand ihre Haube: und 16 Xr macherlohn!
Mit der Hubernanerl werde von einem und dem and red. das
Leibl habe schon bekom. – die Nandl sagte mir die Huber=nanerl wolle auf Theresia nach St: Gilg reisen.
Mit den Erbsen, linsen, und Fisoln weis der liebe Gott was zu thun ist.
dieser Lumpensack fasst alles dieses Zeug nicht. und ists nicht
zum todlach, da du schreibst ich solls vorhero in Papier einmach:
10 Massl Erbsen, ein ganzes Schafflvoll in Papier einmach? – –
4 Massl Linsen in Papier einmach? – wen dus siehst, wirst selbst
darüber lachen. – der Himel gebe mir ein gut Gedank ein,
den Polster und kissenzieher kan ich doch auch nicht nehm und zu
grunde richten. Die Nandl und Tresel empfehl sich, und
vom Leopoldl soll ich ein Lacherl |: ò du Lacherl! :| schreib, das er
euch schickt, er befindet sich wohl und spaziert aufgelokt eb im Zimer
herum. Nun küsse euch alle von Herz und bin d alte redliche Va Mozart mp
den 8t Morgens.
Du hast vergess, daß dir die Nandl schrieb, ob ihr nichts altes zu
unterleglen habt: durch das oftere wasch, werd diese ohnehin
alte fetz, die du als bausch hattest, ohnbrauchbar, den man
nimt oft 3 schlechte unterlegl noch dazu, damit es nicht so durch
geht auf die Polster.
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