Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart
Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Salzburg
Austria
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Los Altos
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Morgenstern
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Kelnreiter
Franz
technical supervisor, data modelling
Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
Wissenschaftliche Abteilung. Digitale Mozart-Edition
Ulrich Leisinger
Digitale Mozart-Edition
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN
SALZBURG, 16. UND 18. NOVEMBER 1785
___________________________________________________________________________________\hfill Salzb: d 16t Nov.
Der Leopoldl ist Gesund!_____________________________________________________________\hfill 1785.
Nachdem am Samstag d 12t ein paar Stunde spazier gegang, und
um 4 uhr zu Hause beÿm Kind nachgeseh, bin zum Hagenauer
gegang, um die 2 Töchter auf den Nonberg zum h: Beicht=vatter zu begleit, sonst hätt sie nicht hinaufgeh därff; weil
sie beÿ d Nacht ein Ehrenhütter zum Nachhausgeh hab musst.
Es war auf dem Grieß zu St: Joseph ein Feuerwerk und
Luftballon angekündiget. wir sah den Luftballon und die
Zubereitungen von des Beichtvatters Wohnung um 5 uhr
mit aign Augen und durch ein Fernglas. Ich sagte, daß
aus dem Luftballon nichts werd werde, da er 6 schueh hoch
war, und ohne große Kösten nicht konnte gefüllt werd.
so wars auch: Es stieg etwa 15 bis 20 Raquett, den einige
Luftkugln, – dan wars vorbeÿ; d Ballon blieb sitz, d
vermutlich nur mit Luft aufgeblas dastand, um die Leute
anzulock; und nun war die Leute, die beÿm thor hinaus
zahl musst, – die Gefoppt. – die Moserisch p: sind
schon um 2 uhr Nachmittag zum Hellbr: Pfleger Kofler
ins Hausl hinaus gegang, welches angestopt voll war.
um 7 uhr hab die Hag: Mädl wied nach Haus gebracht. –
Der Erzb: ist von Lauff zurück, – hatte den Tag darauf frühe
ein Erbrech bekom; vor und nach d choccolate sich 6 mahl
erbroch, weil er etwa in Lauff zu viel Obs unter einand
gegess. Es war also geläuffe und Lerm wed Gesellschaft
noch Tafel, man musste ausser d Residenz aus dem wag
steig p: p: eingebund wie ein Kindbetterin p: gestern
aber war die erste Musik u Gesellschaft. das Erbrech
geschahe am Samstag d 12 in d Frühe.
Am Montage, als an meinem glorrich Hoh Geburtstag
hatt die Hubernanerl, Nandl u Tresel sehr viel zu thun um
den Leopoldl zur erst gratulation aufzubutz: und nachdem
ich mich beÿ ihm presentierte und Rockerl, Hauberl, Schue p:
und das ponso farbe gros de naple band, das ich dazu hergeb
musste samt angehenkt amulet und silberner St: Georgi metallie
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die ihm die Mitzerl schon vorher geschenkt, und noch obendrein der Nandl
ein Batz present gemacht hatte. Nun wurde im Menscherrath stante
pede beschloss, die Tresel sollte die Mitzerl hohl um den Leopoldl in
galla zu seh: aber; hilf Himel! die Tresel kam voll schrecken
daher schaubend und berichtete, daß, obs gleich schon 9 uhr wäre, sie
die thür verschloss und alle Vorhänge an den Fenstern noch vorge=zog gefund hätte, – dan wurde geklopft, und gelermt, die Kamer=jungfer und ande kam dazu. endlich kroch die Mitzerl miserabl
aus dem Bette, öffnete das schloss, kroch wieder ins Bette, und nun
konnte man ihr Beyspring, Suppen, antispasmodic und Mar=graf pulver p: geb, den sie hatte eine Zunge wie Holz und
stech und druck p: Abends um 5 uhr war wied beÿ ihr, es gieng
besser, man gab ihr wied ein. = und den 15t morgens, da
abermahl der Leopoldl in galla erschien schliech die Mitzerl
über die Stiege herauf uns zu gratulier und Regalierte dem
Leopoldl abermahl mit einer alt Silbermüntz. h: von
D'Ippold kam aigends den Leopoldl zu seh und ihm zu gratul:
empfahl ihn mit Eyfer d Nandl und schenkte ihr ein 24.gr
das Kind war aber ausserordentl: Lustig und freundlich, so zwar,
daß es mit Händ und Füssen arbeitete, allerhand freundliche
Gesichter machte und unter dem Geplaud des h: v D'Ippold, d
Kamerjungfer, Mitzerl, Nandl p: von Zeit zu Zeit mit einem
lustig Schreÿ od jauchzer sich hör ließ. Wie oft man euch her=gewunsch es zu seh, kan ich nicht zehl: alle die zu mir kam
glaubt euch hier zu find. – Nachmittag bin ich nach Maria Plain
spaziert, hab dan den P: Vital besucht, bin um halbe 5 uhr fort=gegang, und war um viertl nach 5 uhr schon zu Hause.
Der Ceccarelli ist von Passau zurück gekom, wo er seine Sängerin zurük geführt
hatte, der Fürst hat ihm eine schöne goldene Uhr mit goldener schwer kette u
24 duggt: present gemacht. Er richtete mir Compt: vom Fiala aus,
welcher zu Passau ihn in d durchreise nach Lintz sprach; diesem hat Graf
Taufkürch ein Ring von 40 duggatt, – ein schön degen, – und 24 duggatt
beÿ der Abreise, – dem Andre aber 12 duggatt gegeb.
Vor ein paar tag erhielt ein Brief, beÿ dessen Ansicht ich aufrief:
was ist das! ein Brief von einem d schon etliche Jahr tod ist! dan
ich erkannte die Handschrift des h: Friderici in Gera, – auch sein
Sigl; öffnete den Brief, und die Unterschrift war: Friderici:
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daß die 2 Brüd Friderici Tod sind, das hat seine Richtigkeit: ob nun
aber dieser Friderici |: vermutlich Sohn :| alle vormalige Briefe geschrieb
hat; od ob sie so vokom gleiche Schrift hatt, muß er vernehm. Er ver=wundert sich, daß auf den Nam Friderici und ihre arbeit völlig vergess
habe und trägt mir 2 Instrument zur Probe an, die er mir auf
Speculation schick will. – Der Erzb: hat nun schon in Lauff d
Brief vom Schmid erhalt, und noch komt keine Resolution, obwohl
Schmid um baldige Antwort bittet. – Endlich hat dein Bruder
auch unterm 2t Nov: geschrieb = ja das hab ich euch schon geschrieb,
daß er Le Nozze di Figaro macht. – Morg hoffe mit dem Postwag
von ihm etwas zu erhalt, umso mehr, da ihm um die 2 neu Clavier=Concert, und du auch um etwas geschrieb hast.
Freÿtag d 18t Nov: Von deinem Brud ist nichts gekomen!
Gestern konte kein Buchstab schreib, weil an Marchand zu schreib hatte;
auch beÿ diesen vortrefflich schön Täg, die wir hab, d sehr gross kälte
ohngeacht, spatzier lauff musste. Marchand, Gretl, Heinrich schrieb
mir zu meinem Namenstag. – Marchand schreibt: das Austauschungs
project macht hier ein entsetzlich Lärmen! die Meinung sind
getheilt; ein Theil behauptet es mit so viel hitze, als der ande es
widspricht. So gehts beÿ Hof, unter dem Adl, unter d Bürgern pp:
wir sind über dieß in einer kritisch Lage beÿ einer entsezlich
Vernachläsigung der Policeÿ. BrodTheurung, Fleisch und Holzmangel
veranlassten schon verschiedene Bürgerversamlung, und deputa=tionen an den Khurfürst, die aber fruchtlos war. da die
Baÿern eine natürl: Abneigung geg die Öster: hab, so machte
letzlich die Rede eines Bürgers allgemeines Aufseh. Nach einer
fruchtlos abgelauffen Ver- samlung war verschiedene Bürger
in einem Bierhause, sie schwur alle, lieber aus dem Lande zu
zieh, als kaÿs: zu werd p: p: nach verschieden solch Betheurung
sagte ein Schlossermeister: ihr Narrn, was wollt ihr den?
mir wäre es recht, wen wir Kaÿs: würden! denkt einmahl!
der Kayser giebt sich doch alle Mühe um uns zu bekomen;
er muß uns also recht lieb hab: unser Herr hat uns, und
mag uns ja nicht, weil er uns alle verderb lässt.
In der Wahrheit, ein argumentum ad hominem. h: Marchand
und alle empfehl sich beÿdseits, die gretl hat dein Brief erhalt.
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Nun wird bald die schöne Schrift, die mein besonders guter
Freund h: Baron von Gemingen in Wien, das Austauschungs=- werk betreffend, herausgegeben in Salzb: zu haben seÿn.
Es verbreitet sich auch eben itzt die Nachricht, daß nach den
Herbstreichstag Ferien der Antrag gescheh solle den 20 f
Müntzfuß in Baÿern, – vermutlich dan auch im ganz R: R:
einzuführ. – das wäre abermal ein Schritt das Geld,
vorhinein auf Kays: Fuß zu setz; nothwendig, – weg d Salz=ausfuhr. – – – Es ist Mittag, und eb bringt die
Glastragerin die Schachtl u bücher, und sagt es wäre schon
ein Zettl darin. ich finde aber nicht ein Buchstab. ich muß
vermuth, daß d Both ein Brief bringt, sonst wärs wohl
lächerlich so etwas zu vergessen. das Kind schläft itzt,
kan also das kleine Hauberl nicht probier, – das grosse ist
ohnehin noch zu groß, er wird aber, mit Gottes Hilfe, schon darein
wachsen. da die Glastragerin nach 12 uhr wied komt, so werde
ihr was mitgeb; und dan seh ob d Both kein Brief hat.
Am Trierer Hof wurde ein Hautboist gesucht: die Md:me
Antoine hatte das Glück ihr jung Sohn, als Hautboist,
und durch Vorsprach d verwittibt Churfürstin des Khurf:
v Trier Schwester auch den grossen Limel anzubring, und
zwar hab beÿde miteinander 900 f. Nun küsse euch
beyde von Herz, grüsse die Kind und bin d alte Vatter
___________________________________________________________________\hfill Mozart mp
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