Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN SALZBURG, 18. BIS 20. MAI 1786
_______________________________________________________________________________\hfill Salzb d 18t Maÿ Der Leopoldl ist gesund!________________________________________________________\hfill 1786. Ich schreibe nach u nach und werde seh, ob den Brief mit dem Grazer both hinausbringe, ohne daß er ihn nach Gratz spatziern führt.______ Da ich den h: Polis schon gestern beÿ meinem Fenster in d Frühe, mit Lautem geschreÿ u geschwätz mit einem Weib, vor=beÿgeh sahe, so war ich frohe euch ausser weiterer Verlegenheit zu wissen. Die Hubernanerl hatte ihn in Monsee beÿm Hofrichter erfragt, – und seiner köchin, die ehemals beÿ euch war, der Sybilla Trinkt kein Bier, hatte er geschrieb, daß er ein Kalb, mer, Änten, Hüner p: u, was weis ich alles voraus nach Hause schicken, theils aber auch mit bring werde. das Mensch erzehlte es aller ort. Es hatte das Anseh, als wäre er, wie die Franzis=caner, auf die Samlung ausgereiset. Wen d Man so fortfährt, da man doch beÿ solch Jahr imer sonst vernünftiger wird, so wird er seiner Frau und Kind wirklich sehr beschwerlich werd, oder gar ein Freÿquartier im prächtig Neugebäude zu St: Sebastian bekom. Daß er nach St: Gilg gereist seÿe, oder reis werde, habe die vorige Woch gehört, und sein Schreib an seine Magd machte mirs gewis. das übrige müsst ihr alles besser wissen: Die Hubernanerl war am Sontag morgens schon beÿ mir, u erzehlte mir, das übrige p: Sie ist vergebens nach Straswach gereist; die Zimerman Nanerl war schon weg, u ist hier durch nach Carnth gereist, um dort zu Haÿrath. Der alte Schnedizenÿ hatte dem Carl alles geschrieb, um es der Hubernanerl zu sag, der aber ihr nichts davon sagte: der alte war sehr böse darüber. Der Leopoldl hat nun auch ein paar Besuche gemacht. da h: D'ypold wuste, daß man ihn in gart spazier trägt, so kam er solch in forma einzulad. Die Nandl trug ihn also hinauf, und er führte sie in seine Zimer u gab ihm ein Biscuit. Gestern ließ ich ihn zur Fr: Hagenauerin trag, die den alle die grösste Freude mit ihm hatt, weil er nicht scheue ist, nicht weint, u lacht und meckert wie eine Gaiß. alle Leute sind DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 in seine frisch munter grossen Blaue Augen verbliebt, und es fällt allen sehr auf, daß der Bueb alles hört und sieht; – wen sich iemand reuspert, niesst, sich die Nas butzt, zu red anfangt, ein tritt weiter geht, sich unversehends Bewegt p: kurz! was für die Aug od das Ohr im Zimer od auf der Strasse vorgeht, in dem näml: Augen=blicke sind der kopf u die aug in d gröst Geschwindigkeit auf dem Platz, wo etwas geschieht. Ich zweifle nun nicht mehr daß ihrs bald mit Gottes Hilfe selbst seh werdet. die Händel sind gekauft u fress auf eure gesundheit. \newpage Wir hatt ein so genant Engl: Bereüter hier, der aufwärts ins Reich gieng; – dageg kam gleich ein ander, der von oben herab dermahl aus Münch komt, und nach Wien p: abwärts geht, – dieser zog so prächtig mit aigner Feldmusik u einem Mohren, dan vielen Pferd herum, daß alles wie närrisch nach der Reit=schule lief. 3 mahl hat er sich produciert; und er wird, wens Wetter günstig ist, noch einmal auftrett. Ich muß das sondbare, das gute, – und die charlatanerie davon auf eine mündliche Erzehlung erspar. Vorgestern sollte ein Declamateur auf dem Rathhaussaale aus Klopfstocks Messias sich in d hohen Declamation p: zeig, da aber um eb die 4te Stunde die Experimental Physic und um 5 uhr Lytaneÿ im Mirabell, u um 6 uhr opera im Theater, überdaß das schenste Wetter war, so erschien 3 Person! h: Doctor Geiger musste also seine Declamation bis Samstag aussetz, die nicht mehr im Rathhause sondern im Zimer d Lesegesellschaft im RitzenbogHause wird gehalt werd. Ausser Gelehrt und den Mitglied der Lesegesellschaft, die aus d Cassa ein Honorari mach, wird wohl Niemand kom, weil die Leute nicht begreiff, was das ist, od seÿn mag. die Person zahlt 36 Xr. INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Heute den 19t Maÿ um 6 uhr wird ein grosses Concert auf dem Rathaus seÿn. das mehrere erklärt d AnschlagZettl, der hier beyliegt. h: Obkirchner ist des hiesig alt Primer beÿ den Soldat Hautboist Sohn. Er ist schon viele jahre in Donauösching in des Fürst von Fürstenberg Dienst. Gott gebe, daß er 7 od 8 f einimt, umb Zettldruck und die übrig klein Unköst die etwa auf 7 f kom werd, bezahl kan, ohne aus seinem Beutl beÿzusetz. Heute d 20t. gestern war die Berühmte Accademie, wo ganze 13 f eingegang sind. Der ehrliche Man ________________kam hieher sein alt jubiliert Vatter u ________________Mutter zu besuch, hatte Recomenda=________________tionsschreib an h: HofCanzler, der ________________ihm sagte, daß er ein Concert geb ________________solle, u doch weder er noch sie, dazu ________________kam. Nun! Lebt gesund! ________________Hoffe d grazerboth wird den Brief ________________abgeb, und du so vorsichtig seÿn ________________und frag lass, ob er nichts hat? – – ________________Ich küsse euch von Herz grüsse ________________die Kind und bin euer redlicher ________________Vatter ______________________________________\hfill Mozart mp Das interesse von St: Peter hab auch erhalt, behalte es in Hand bis zu eurer Ankunft, so viel höre kündet der Besitzer desselb solches nicht halb=jährig, sond auf ein jahr auf. darüber mit euch zu red, und mit dir weg Weiszeug u andem in meinem Hauswes zu sprech habe. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Beÿ d zweÿt opera deines Bruders sind 5 Stück; – u beÿ d 3t aufführung 7 Stück repetiert word, worunter ein kleines Duetto 3 mahl hat müss gesung werd. Wen er Wort hält, so komt das opera Büchl u die ganze Spart d opera den letzt Maÿ mit dem Postwag. Er empfehlt sich beydseÿts. A Madame Mad:me de Sonenbourg a St: Gilgen DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 _______________________________________________________________________M 35/701