Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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LEOPOLD MOZART AN MARIA ANNA VON BERCHTOLD ZU SONNENBURG IN ST. GILGEN SALZBURG, 21. UND 22. JULI 1786
Der Leopoldl ist gesund und Wohl.___\hfill Freytage d 21t 1786 _________________________________________________________________________________[21. Juli 1786] Da wir um halbe 10 uhr beÿ der Kirche vorbeÿ fuhr, so war wir in weniger als 3 Stund zu Hof; wo wir noch vor halbe 1 uhr eintraff. das Hoferwagerl samt dem Wirth war in Salzb: also musste ich mirs gefall lassen dem kessler woferl die an=verlangt 3 f zu bezahl. wir futtert also das Roß und uns, und ging erst um Viertl nach 2 uhr weg, kamen aber denoch, à dispetto unserer Hintern, um 3 Viertl auf 5 in Salzb: an, da man eb, als wir beÿm Zahlmeister fuhr und einand Komplimentiert, im Mirabel zum Rosenkranz zu leüt anfieng. – der knecht fuhr schnurgerad bis Hof zurück. Etwas von dem Unrath, was die Überschwemung angerichtet hat, sieht man aller Ort, wo man hingeht. Es ist sehr auffallend die Mirabellmauer im Zwergelgart hinter den Schifschopper Häusern wo die Schiesstatt ist ganz u gar niedergeriss zu seh, und eben so die Mauer am Ecke, wo die Leute den Änt brod hinunter-werff am obern Theil ganz niedergeriss, wo es die Quatterstücke auf dem Weeg lieg ließ, und nicht ein einziges in den Grab fiel. – Der alte Steinmetz mit seiner Zwergel== Familie zohe zum Traubenwirth. Die Thorwache war im Theater, wo man den Eingang bezahlt. Vor dem Cajetanerthor geht man bis St: Joseph auf lauter aufgethürmt Gries u Stein, nur zum fahr hat man die nötige Vorkehrung ge=macht. Beÿm Müllnerthor ist ein Theil der Mauer am Weeg auf viele Schue untergrab. hinter dem Beren eine garten=mauer völlig weggeriss pp: h: von Schiedenhof erzehlte mir, daß alle seine Bauern im wasser war, folglich er alles ihr Viehe u Menschen beÿ ihm im Schloß hatte. – Man berechnet bereits den Kameralschad, nach den eingelaufen Bericht auf eine halbe Million. Hallein hat sich bereits erklärt, daß es 36000 Stam Holz nötig habe. Die Brücke ist auf beÿd Seit noch ausgeschlag und nur sind kleine Latten vorgenagelt. beyde Gänge DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 sind gesperrt, 2 Schildwach unt u oben und ein Caporal, nur ein Wagen darf langsam darüber fahr. Man hat vor iedem starken Regen Sorge, indem der Rechen im Hallein unt sehr ausgespielt ist und natürl: weise durch diese erstaunliche Flut sehr geschwecht word, wo man freÿlich Tag u Nacht arbeitet, ausbessert und alles mögliche vorkehret. Sollte ein neues heftiges Wasser den Rech zerreissen, so ist die Brügge hier ohne Rettung weg, da sie erstaunlich gelitt und nur durch gute Anstalt erhalt worden, die ich nicht beschreib kan, – die man aber sieht. Gestern d 20t hatt wir den erst, aber auch einzig schön Tag; heute fiel schon wied erschröckliche Wetterreg. um die Statt herum ist alles fast geschnitt und aufgehifelt od wie mans heist: ein paar schöne Täge, – so ist alles zum einführ. unser Spazier=gang weeg am Wasser ist ganz weg. Man geht in den versanden und versteinert feldern des Sandners u Niederlegmüllers hinunter, die tiefe des Wassers hat sich da verlor, und alles herein ist Sand und Gries als wäre alles dieses von all Zeit her schon d gewöhnliche Lauf d Salza gewesen. – der Sandner hat sein Hof alsogleich seiner Mutter, der BestandMaÿerin, verkauft. die steinerne Plainbrügge hatte es auch zerrissen. Die Fr: Reifenstuhlin ist mit einem Mädl entbund word, welches gleich gestorb. Die Fr: Atzwangerin wird sterb, sie ist an d Auszehrung schon dem Ende nahe. h: Domprobst war sehr gefährlich. Ist aber wied ziemlich besser, so daß er langsam ausfahr konnte. Bologna ist den 16t hier in Gesellschaft des Petrazani ange=kom, war alle Tage beÿ mir. gestern u vorgestern macht wir quartett. Er will einige Zeit hier bleib u Baden NB im Stein. hat dessweg gestern an Gr: Seeau geschrieb. Er empfehlt sich! DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Der Both hat mein Pack gebracht; aber ich hab ihn nicht gesproch. auch vernahm, wider alles Vermuth, daß die Glastragerin da war, als ich abends nach Hauß kam, und ich fand also die opera, und hörte daß die Glasträgerin und d Both morg zwar kom, aber mich schwer=lich seh werd, da schon um 8 uhr morgens im Dom bin. heut war im Kapellhaus um 12 uhr, nach 1 uhr kam zum Mittag Essen, – um 2 uhr zur Mslle: Weiser, um 3 uhr in die Vesper, um 4 uhr fieng die ExercierAccademie beÿm Graf Arco an, die alle Freytag ist, dan gieng zu den Kindern des jung Hagenauer, – hinach zum Zeitungsschreiber Hübner weg einer Comission von Münch, und nach 8 uhr kam nach Hause. ich muß demnach in d Nacht um halbe 11 uhr dieses schreib. Das Grüne war schon gekauft, weil wir die Glasträgerin schon vor 2 od 3 Täg erwartet. die Rückständige Zeitung vom 23 Junÿ werde schon schick. Schicke den Kampel u Bürstl. – es war zu späth ein neues Bürstl zu kauff: also nächstens. Hier ist auch das Büchl pp: u ein Brief vom Egedacher mit einer vernünftig überschrift, der mir in einem eb so vernünftig Brief eingeschloss war. \newpage So bald der Orgelmacher seine Seiten, die er erwartet, bekomt, so werde ein ganzen Bezug schick. was er dermahl noch hat, kan er nicht entrath, weil er eb neu verfertigte Instrumente bezieht. er Empfehlt sich. Den verlangt entsetzlich Conto zu mach hätte ohnmöglich Zeit, bin frohe, wen dieser Brief geschrieb ist. Nun muß doch auch die Hauptsache nicht vergessen und dir zum Namenstage glück- wünsch: doch du weist, wie wenig wir uns alle mit diesen Sach imer abgegeb hab. Handlungen u nicht wünsche sind die Beweise der wahren DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881 Freundschaft und zärtlich vätterlich Liebe; von dieser bist du überzeugt, das weis ich; und dieses vergnügt mich. – Ich wünsche dir beständige Gesundheit, und – das übrige magst du dir alles selbst wünsch. Die Nandl danket, und beÿde Mägde schick halt auch Wünsche über Wünsche, so wohl dir als deiner Tochter, welcher ich auch sondheitl: ein langes und breites daher wünschen sollte, wen es nur nicht so späth wäre, den mein Wunsch möchte am Ende einer Predig gleichen, und ich so ins Schreib mich ver=tieff;, daß mich die Kapuziner um 12 uhr durchs Metten=glöckl ans Schlafen geh erinern müsst. unterdess wünsche ich ihr recht viel fleiß, und freude zum Lesen u Clavierspiel; und mehr Lust sich reinlich zu halt und die Zähne zu putz, sonst bekomt sie kein Man: – und das wäre erschrecklich! wen sie auf Michaeli hereinkomt, werde also gleich beobacht, ob sie aus dem Mund riecht. Nun, gute Nacht! ich küsse euch beÿde von Herzen, grüsse die Kind und bin ewig euer alter ____________________________________________________________________\hfill redlicher Vatter ____________________________________________________________________________\hfill Mozart mp der h: Doctor von Gmunt war hier beÿm Haslberger. d 22t frühe. d Leopoldl küsst euch alle. ist gesund u wohl, dankt für die gratu=lation zu seinem Geburtstag. diese woch war täglich im Dom feste u Requiem u täglich Brief zu schreib, nach Münch, Wien augspurg. DOM=MUSICK=VEREINU.MOZARTEUM INTERNATIONALESTIFTUNG:„MOZARTEUM”1881