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2009-08-20 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=50 A-Whh A-Whh: Haus-Hof- und Staatsarchiv. Wien (AUT) last file update: Mon Aug 28 09:31:01 2023
EMANUEL SCHIKANEDER AN FÜRST NIKOLAUS II. ESTERHÁZY VON GALÁNTHA WIEN, 2. JANUAR 1810
31248 No 59. Hoftheater. _____Euer Durchlaucht Es verlautet, daß bey den kai-königlen Hof-Theatern sowohl, als bey dem privilegirten Theater an der Wienn eine Veränderung vorge-nommen werden wolle; Man sagt sogar, daß der Antrag bestehe, das Kärnter Thor Theater zu verpachten. Zur Pachtung des Kärntner Thor Theaters er-kläre ich mich hiemit bereitwillig. Wäre dießes jedoch dermalen nicht der Fall, das Gerüchte falsch und etwa eine sonstige Abänderung oder Einrichtung im Antrage, so glaubte ich unmasgebig, nicht ganz ohne weesentlichen Nutzen der Theatral Kassen beiwirken zu können, wenn man mich den-jenigen Männern als Mitglied beizuge-ben befände, welche die Theatral=Leitung zeither mit der möglichsten Thätigkeit geführet haben. _____Für den Fall der Verpachtung trage ich für das Kärntner Thor Theater jährlich einen Pachtschillingvon 20,000 fr an, und bedinge mir die zum Anfange höchst nöthigen aber noch gut brauchbaren Utensilien ein: nämlich die drey vorderen Cortinen, die nöthigen Decorationen und Versetz Stücke, nebst einem Theile der ohnehin überflüssigen Garderobe. Dieße beym Antritt meiner Pachtung mir zu übergebende Gegenstände, worüber ohnehin ein Inventarium ge-macht werden müßte, hätte ich am Ende der Pachtung der Anzahl nach zurückzu-stellen. Die Nothwendigkeit dießes wesentlichen Bedingnisses ist um so einleuchtender, als ich im Gegentheile eine zu lange Zeit zuwarten müßte, ehe ich die Cortine er-öfnen könnte. Es liegt zum Theile in meinem Plane, mehrere von dem überflüssigen Orchestre – als auch einige von dem Theatral Per-sonale, die ich für mich brauchbar finde, zu engagiren; besonders da von letzteren manche durch Monate unthatig sind, und der Kasse lästig fallen, von er-steren aber viele brodlos würden. Schikaneder, E. Die von mir engagirt werdende theatral-Mitglieder würden sich nach und nach für das Hof-Theater ausbilden, und seiner Zeit bey dießem mit mehrerem Vortheile zu verwenden seyn. Die Dauerzeit meiner Pachtung müste sich auf die Dauer desjenigen Kon-trackts, welchen die hohe Herrschaften von dem Freiherrn von Braun über-nommen haben, erstrecken. Sollte jedoch das Kärntner Thor Theater weder gesperret noch verpachtet werden, sondern in Hinsicht auf den ergiebigeren Nutzen eine anderweite Einrichtung im Antrage seyn, und man wäre geneigt, mich nach meiner oben geäußerten Be-reitwilligkeit zu verwenden; so sehe ich der schleunigen hohen Entscheidung hier-über, unter einem aber auch den ange-messenen Bedingnissen mit der gehor-samsten Versicherung entgegen, daß ich mich bey allen drey Theatern wirksam und nützlich verwenden, – nach dem mit mir einmal abgeschlossenen Kontrackte aber nur dann erst einen Jahre lang durchdachten Plan Euerer Durchlaucht und den übrigen hohen Herrschaften vor-legen, dadurch aber einen unfehlbaren grösseren Nutzen anschaulich machen werde, als ein mit seinen Forderungen übertriebener – mit dem Geiste des hie-sigen Publikums nicht so sonderlich bekannten Ifland |: den ich übrigens als einen grossen Schauspieler und klassischen Dichter vorzüglich verehre :| Jemals zu ver-schaffen im Stande gewesen seyn würde, Ich erlasse mich zu hohen Gnaden und bin in tiefester Verehrung. Wien den 2ten Jänner 1810. _____Euerer Durchlaucht ________________________________\hfill ganz gehorsamster _____________________________\hfill
Emanuel Schikaneder mpeigenhändige Unterschrift
41.
prlat., praesentatum; Einlaufdatum
den 2t Jener 810. zur [... (unleserlich)] Durch[?] An Seine des hochgebohrnen Fürsten und Herrn Nicolaus Eszterházy von Galantha etc. etc. etc. Durchlaucht.