Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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JOHANN VON FINETTI AN CARL THOMAS MOZART IN MAILAND PAVONE, 14. JUNI 1853
No 11 _____Schätzbarster Herr und Freund. _____Der Wunsch, Ihnen gute und erfreuliche Nachrichten über das Befinden des Fräu-leins geben zu können, war der Grund daß ich mit meinem Schreiben an Sie mehr, als ich gewilligt war, gezögert habe. Und als ich doch nicht länger es aufschie-ben wollte, langte Ihr sehr herzlicher und sehr werther Brief vom 12ten l. M. an, den ich mit dem größten Vergnügen empfing und dessen sehr freundschaft-licher Inhalt uns alle ungemein erfreu-te. Ich kann Ihnen die aufrichtigste Ver-sicherung geben daß Ihre Freundschaft gegen uns eben so werth ist als die unse-re gegen Sie die innigste und die herz-lichste ist. Es fällt uns wirklich ungemein schwer von Ihnen entfernt zu seyn und Sie nicht sehen zu können; der Gedanke aber in einigen Monaten noch weiter von Ihnen zu seyn würde uns noch weh- müthiger stimmen, wenn die Hoffnung nicht wäre, welche nun durch Ihre feierliche Ver-sicherung belebt und bestärkt ist, Sie im nächsten Frühjahre längstens in un-serem neuen Aufenthaltsorte (den ich Ihretwegen auch zu Salzburg zu bestim-men Willens bin) zu sehen und, wie ich es mir schmeicheln will, Sie bleibend zu wissen. Mein Haus und wir alle werden stets zu dem herzlichsten und freudigsten Empfange Ihrer hochwer-then Person bereit seyn. Um nun Ihnen über das Befinden des Fräuleins zu berichten muß ich Ihnen sagen daß sie nach unserer Ankunft auf das Land von einer der heftigsten Flussion am Kopfe ergriffen wurde, welche ihr die fürchterlichsten Leiden insbeson-ders an den Zähnen verursachte, so zwar daß sie nicht einmal liegen, geschweige den ruhen und viel weniger schlafen konnte. Dieser schreckliche Zustand dau- erte volle zwei Wochen, so daß sie in ihren Aussehen und in ihren Kräften unendlich abnahm: dazu mag wohl am meisten die nasse und mitunter auch kalte Witterung beigetragen haben. Nun, Gott sei gelobt, befindet sich bedeutend besser, denn das Zahnweh hat fast ganz nach-gelassen, der sonstige Husten ist völig ver-schwunden, auch das Fieber so wie auch die Leberübeln sind stark in Abnahme. Sie hat bereits die Wassercur ange-t[ret]en d. i. den Gebrauch des Gleichen-[ber]g-Wassers angefangen und, wie e[s] [sch]eint mit guter Wirkung. Sie dankt [Ihnen] [v]ielmals und recht herzlich für Ihre [Thei]l-nahme und schickt Ihnen im Verein mit meinen Kindern die herzlichsten Grüsse zu. Weit entfernt daß meinen Kindern Ihre Anfoderungen am Klavier Plackerei-en gewesen wären, bedauern sie es daß sie nun von denselben aus-geschlossen sind, und wünschen sehnlichst Al Pregiatis. Signore Il Sig. Carlo Mozart Milano Strada della Cavalchina N 1419 BRESCIA 176 MILANO 186 Porta [lettere] I Dist[ribuz.] recht bald und auch in der Folge bis zu ihrer Ausbildung von Ihrer lie-ben Person geleitet zu werden; das hoffe ich und wünsche es eben so warm. Es hängt also blos von Ihnen unsere hei-ßesten Wünsche und unsere schönsten Hoffnungen zu realisiren ab, dadurch daß Sie Sich in Salzburg etabliren möchten. Sie werden durch eigene Erfahrung selbst gesehen haben, daß man in Mailand mit jener Ruhe und Sicher-heit, die zur Zufriedenheit und zu dem Glücke des Lebens unerläßlich sind, nicht mehr leben kann. Also das Verlassen einer Stadt wie Mailand ist wahrlich kein Opfer sondern vielmehr ein Glück. Demnach, werthester Freund, mögen Sie auch einen solchen Entschluß fassen und in einer unseren Wünschen entspre-chender Weise. Es freut uns übri-gens sehr daß Sie ungeachtet der Be-fürchtungen neuer Unglücke über Mailand und insbesondere der bevor-stehenden Sündfluth Sie guten Muthes sind und an eine Arche mit Giuseppe  und Peppa zur Erhaltung der Race denken: und was wollen mit Moretto thun, von dem Sie keine Erwähnung machen? Also die befiederte Fami-lie scheint sich durchaus nicht vermehren zu wollen wegen der Grausamkeit der Alten, welche sich um die Fütterung der Kleinen nicht kümmern wollen! Ich bilde es mir ein, welchen Verdruß der gute Giuseppe darüber haben, und welche Sorgen er sich nehmen wird um doch die kleinen Wesen dem Hun-gerstod zu entreissen. Ich bitte Sie ihn und Peppa unserseits zu grüssen. Empfangen Sie, bester Freund, die wiederholten Versicherungen unserer ausgezeichnesten Hochachtung und Er-gebenheit mit denen ich verharre Pavone 14 Juni 1853__\hfill Ihr zugethanster Freund ___________________________________\hfill und Diener Joh. Finetti