Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2022-05 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=2072 B-Bc B-Bc: Conservatoire Royal de Musique Bibliothèque Koninklijk Conservatorium Bibliotheek. Brüssel (BEL: Brussel/Bruxelles) last file update: Fri May 13 14:37:51 2022
FRANZ XAVER WOLFGANG MOZART AN PHILIPP JUNGH IN PRAG WIEN, 12. JUNI 1820
_______________________________________________________________________________________________II _______________________________________________\hfill Wien am 12t Juni 1820 ___________________Lieber Freund! Aus den Augen, aus dem Sine: und noch andere dergleichen lieb=liche Sprüchleins, werden Sie wohl schon öfters, auf mich angewendet haben, wen, wie ich so gerne glaube, in Ihrem freundlichen Kreise meiner erwähnt wurde. Daß das Sprüchlein bey mir nicht zutrift, beweist aber dieser Brief, der freylich ein wenig früher hätte komen könen, und sollen, und wohl auch gekomen wäre, wen ich nicht auf Ihre Nachsicht gehofft hätte. Sie wissen, wie es einem reisendem, und besonders einem reisendem, oder besser zu sagen,
fazierendenvazierend; vazieren (von lat. vacare, frei sein), österr. veraltend: [als Händler, Handwerker u.ä.] umherziehen.
Künstler zu gehen pflegt. Jeden Morgen nimt man sich die schönsten Dinge von der Welt vor, die man am Abende doch nicht ausführen konte, und auf den andern Morgen verlegt. Dazumt noch, ich nach beynahe zwölf Jahren, zum ersten mahle wieder die Vaterstädtische | nicht die angenehmste | Luft einathmete, und folglich nebst den gewöhnlichen ConcertAngelegenheiten, eine Menge alter Bekant=schaften erneuern, alle Veränderungen, in der Stadt, und den Umge=bungen besehen mußte. Dieß zu meiner Entschuldigung. – Nach einer ziemlich langweiligen
ReiseFranz Xaver Wolfgang Mozart befand sich seit Mai 1819 auf einer Konzertreise durch Europa. Er hatte Prag am 14. April 1820 verlassen.
, kam ich, von der wohlthäti=gen Hand, Ihres Bruders gut eingepflastert, nicht einbalsamiert, glücklich hier an, und war auch, bis ein paar Tage vor
meinem ConcerteDas Konzert fand am 2. Mai 1820 im kleinen Redoutensaal der Wiener Hofburg statt.
, recht wohl. Aber stellen Sie sich meinen Verdruß vor, als ich gerade zwey Tage, vor dem Concerte, mit einer abscheulich geschwollnen Wange erwachte. Was war zu thun? Alle Anstalten wa=ren getroffen, an Aufschub war, Humels Anwesenheit wegen, nicht zu denken. Ich mußte mich also entschließen, aller Eitelkeit zum Trotze, meine Schönheit zur Schau zu tragen. Wie es ausgefallen, wer=den Sie in den öffentlichen Blättern schon gelesen haben. Ich war wirklich sehr glücklich. Besonders machte das Andante meines Concertes das ich
erst hier componierteDas Andante zu seinem 2. Klavierkonzert in Es op. 25 WV IV:2 komponierte Franz Xaver Wolfgang Mozart laut Eintrag in seinem Reisetagebuch am 22. April 1820. Die Sätze 1 und 3 hatte er bereits Ende Oktober 1818 vollendet.
vielen Eindruck. Meine dieser Spielart, ganz entwöhnten Landsleute, waren so gerührt, sie mich es kaum enden ließen, sondern mitten hinein applau=dirten; eine Ehre, die einem Cemballisten, beym Andante wohl selten geschieht. – Nach mir gab Humel zwey Concerte, in denen er die Zuhörer, wie nicht anders seyn kan, entzückte. Er ist der König der Klavierspieler, und wohl auch der Komponisten für sein In=strument. –
In einigen Tagen gehe ich über Grätz, Laybach, nach Ita=lienFranz Xaver Wolfgang Mozart verließ Wien am 16. Juni 1820. Er erreichte Graz am 19. Juni und Laibach am 12. Juli 1820.
, und denke dan durch Deutschland zurückzu komen. Meinen Plan über München zu gehn, habe ich ändern müßen, weil ich mich hier zu lange aufgehalten, und also den Hof dort nicht mehr finden würde. Auf dem Rückwege kan ich ja noch imer mein Glück bey Sr. bayrischen Majestät versuchen. – Und somit leben Sie recht wohl, mein lieber guter Freund, empfehlen Sie mich bestens Ihrer Frau, Schwiegermutter, Bruder, und Ihren lieben Kindern, und schreiben Sie mir, wen Sie Zeit haben, zu Deutsch: recht bald. Der Ihre _________________________________________________________________________________\hfill Mozart mp Add: A Messieurs: Crampagna Kern et Comp á Trieste. Dürfte ich Sie wohl ersuchen, gelegentlich bey Herrn Lämel nachfragen zu lassen, ob er meinen Coffre schon abgeschickt? Meine Empfehlung H Tomek. Sr Wohlgeboren Herrn Herrn
AntonBei dem Vornamen des Adressaten muss es sich um einen Irrtum von Franz Xaver Wolfgang Mozart handeln. Ein Prager Arzt Anton Jungh lässt sich nicht nachweisen, gemeint ist Philipp Jungh.
Jungh
Doktor der Medizin Auf dem______________in Alt=städter–Ring______Prag
Herr von Ott, ist diese Nacht gestorben. WIEN 166 CONSERVATOIRE DE BRUXELLES BIBLIOTHÈQUE