__________________________________________\hfill München den 18 September.
Hochverehrtester Herr!__________________________________\hfill 1842
_____Ein Ihnen wohl gänzlich unbekannter, aber innigster
Verehrer Ihres unsterblichen Herrn Vaters nimt sich
die Freiheit, Ihnen, nachträglich zur stattgehabten FeÿerDie Feierlichkeiten zur Enthüllung des Mozart-Denkmals vom 4. bis zum 6. September 1842 in Salzburg.
,
eine neue schwache Danklegung seiner Empfindungen und
Gefühle zu übersenden. Denn wie sollte ich Worte finden,
sie in der Art auszudrücken, wie sie vor meiner Seele
stehen.
_____Ich glaubte es nicht wagen zu dürfen, beÿ dem
Zusamenströmen aller musikalischen Notabilitäten
Deutschlands zur Verherrlichung dieses wahrhaft nazion=alen Festes mit dieser Kleinigkeit zu erscheinen: – sie soll
daher nur Ihnen, und Ihrem Herrn Bruder in Mailand,
dessen Bekanntschaft meine Frau alldort nebst jener
des biedern und verdienstvollen Doktors Lichtenthal machte,
gewidmet seÿn, und ich bin überzeugt, daß Sie diese ob=gleich unbedeutende Gabe in Güte aufnehmen, und mit
Nachsicht beurtheilen werden.
_____Ich hatte vor nahe an 30 Jahren für eine damalige Hoffeÿer=lichkeit eine CantateNicht ermittelt. Der bayerische Beamte Karl Reger war schriftstellerisch tätig
und lieferte für mehrere Vokalkompositionen Peter von Winters Textvorlagen, darunter
für die deutschen Opern Marie von Montalban (1800) und Iphigenie in Aulis (1807) sowie
für mehrere Gelegenheitskantaten. Außerdem übersetzte er italienische Libretti von Peter von
Winter, darunter Maometto Secondo (1817, übers. 1819).
gedichtet, welche unserm verdienstvollen
Capellmeister Winter zur Composition übertragen wurde;
die Musick ist effektreich, und schien mir für diese Gelegen=heit passend, ich wollte sie der Vergessenheit ǀ: dem gewöhn=lichen Schicksal aller nur für ähnliche Veranlassungen be=stimten Compositionen :ǀ entreißen, und sezte beiliegenden
TextDas Gedicht Mozarts Apotheose.
darunter, welcher, außer wenigen erforderlichen kleinen
Punktationen sich wohl unter die Musick fügen dürfte.
_____Es ist imer eine schwere Aufgabe, unter eine für
einen ganz andern Zweck bestimte Composition einen
Text unterzulegen, der für den Charakter des musikali=schen Gedankens nicht fremdartig erscheint, und eben diese
Gebundenheit hindert die Dichtung an freier Bewegung.
_____Bereits in meinem 73 Lebensjahre, seit
einem Dezenium meines Gehörvermögens gänzlich ver=lustig kann ich nur in der Erinerung noch mich der
herrlichen Genüße erfreuen, welche mir sein bisher noch
unerreichter Compositions Geist in frühern Jahren gewährten;
noch schweben die unsterblichen Schöpfungen Ihres unver=geßlichen Herrn Vaters lebhaft vor meinem Gedächtniß.
Eben so unvergesslich ist mir jene glanzvolle Periode,
wo durch Ihn die Tonkunst ihren Höhepunkt erreicht zu
haben schien, um, wie die große Malerschule Italiens,
sich wieder in manirierte Effekthaschereÿ zu verlieren.
Sein Genius musste Ihn erst der Welt entrücken,
um das wahrhaft Große, das Erhabene, den Ethos seiner
Tondichtungen verstehen und würdigen zu lernen.
_____Er theilte das Loos aller großen Geister, von
der Mitwelt nicht begriffen worden zu seÿn. –
_____Indem ich Ihnen zu dem für Sie so ruhm, und
ehrenvoll statt gehabte Ereigniß der Gedächtniß
Feÿer Ihres seeligen Herrn Vaters meinen aufrich=tigsten, und herzlichsten Glückswunsch darbringe
verbleibe ich mit ausgezeichnetster Verehrung
__________Ihr
_______________________\hfill ganz ergebenster Diener
_______________________\hfill Karl Reger quieszirterquieszieren (von lat. quiescere, (aus)ruhen, ruhen lassen), veraltet: in den Ruhestand versetzen.
_______________________\hfill königl: Baÿrischer Legations
_______________________\hfill Secretär
_______________________\hfill Lerchenstraße N 20 15/1