Digitale Edition der Briefe und Dokument der Familie Mozart Digital Edition of Letters and Documents from the Mozart Family Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg
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2022-06 CC BY-NC-SA 4.0 https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=3090 A-Wn A-Wn: Österreichische Nationalbibliothek. Wien (AUT) last file update: Wed May 11 14:48:31 2022
KARL REGER AN FRANZ XAVER WOLFGANG MOZART IN WIEN MÜNCHEN, 18. SEPTEMBER 1842
__________________________________________\hfill München den 18 September. Hochverehrtester Herr!__________________________________\hfill 1842 _____Ein Ihnen wohl gänzlich unbekannter, aber innigster Verehrer Ihres unsterblichen Herrn Vaters nimt sich die Freiheit, Ihnen, nachträglich zur stattgehabten
FeÿerDie Feierlichkeiten zur Enthüllung des Mozart-Denkmals vom 4. bis zum 6. September 1842 in Salzburg.
, eine neue schwache Danklegung seiner Empfindungen und Gefühle zu übersenden. Denn wie sollte ich Worte finden, sie in der Art auszudrücken, wie sie vor meiner Seele stehen. _____Ich glaubte es nicht wagen zu dürfen, beÿ dem Zusamenströmen aller musikalischen Notabilitäten Deutschlands zur Verherrlichung dieses wahrhaft nazion=alen Festes mit dieser Kleinigkeit zu erscheinen: – sie soll daher nur Ihnen, und Ihrem Herrn Bruder in Mailand, dessen Bekanntschaft meine Frau alldort nebst jener des biedern und verdienstvollen Doktors Lichtenthal machte, gewidmet seÿn, und ich bin überzeugt, daß Sie diese ob=gleich unbedeutende Gabe in Güte aufnehmen, und mit Nachsicht beurtheilen werden. _____Ich hatte vor nahe an 30 Jahren für eine damalige Hoffeÿer=lichkeit eine
CantateNicht ermittelt. Der bayerische Beamte Karl Reger war schriftstellerisch tätig und lieferte für mehrere Vokalkompositionen Peter von Winters Textvorlagen, darunter für die deutschen Opern Marie von Montalban (1800) und Iphigenie in Aulis (1807) sowie für mehrere Gelegenheitskantaten. Außerdem übersetzte er italienische Libretti von Peter von Winter, darunter Maometto Secondo (1817, übers. 1819).
gedichtet, welche unserm verdienstvollen Capellmeister Winter zur Composition übertragen wurde; die Musick ist effektreich, und schien mir für diese Gelegen=heit passend, ich wollte sie der Vergessenheit ǀ: dem gewöhn=lichen Schicksal aller nur für ähnliche Veranlassungen be=stimten Compositionen :ǀ entreißen, und sezte
beiliegenden TextDas Gedicht Mozarts Apotheose.
darunter, welcher, außer wenigen erforderlichen kleinen Punktationen sich wohl unter die Musick fügen dürfte. _____Es ist imer eine schwere Aufgabe, unter eine für einen ganz andern Zweck bestimte Composition einen Text unterzulegen, der für den Charakter des musikali=schen Gedankens nicht fremdartig erscheint, und eben diese Gebundenheit hindert die Dichtung an freier Bewegung. _____Bereits in meinem 73 Lebensjahre, seit einem Dezenium meines Gehörvermögens gänzlich ver=lustig kann ich nur in der Erinerung noch mich der herrlichen Genüße erfreuen, welche mir sein bisher noch unerreichter Compositions Geist in frühern Jahren gewährten; noch schweben die unsterblichen Schöpfungen Ihres unver=geßlichen Herrn Vaters lebhaft vor meinem Gedächtniß. Eben so unvergesslich ist mir jene glanzvolle Periode, wo durch Ihn die Tonkunst ihren Höhepunkt erreicht zu haben schien, um, wie die große Malerschule Italiens, sich wieder in manirierte Effekthaschereÿ zu verlieren. Sein Genius musste Ihn erst der Welt entrücken, um das wahrhaft Große, das Erhabene, den Ethos seiner Tondichtungen verstehen und würdigen zu lernen. _____Er theilte das Loos aller großen Geister, von der Mitwelt nicht begriffen worden zu seÿn. – _____Indem ich Ihnen zu dem für Sie so ruhm, und ehrenvoll statt gehabte Ereigniß der Gedächtniß Feÿer Ihres seeligen Herrn Vaters meinen aufrich=tigsten, und herzlichsten Glückswunsch darbringe verbleibe ich mit ausgezeichnetster Verehrung __________Ihr _______________________\hfill ganz ergebenster Diener _______________________\hfill Karl Reger 
quieszirterquieszieren (von lat. quiescere, (aus)ruhen, ruhen lassen), veraltet: in den Ruhestand versetzen.
_______________________\hfill königl: Baÿrischer Legations _______________________\hfill Secretär _______________________\hfill Lerchenstraße N 20 15/1