Vorrede.
Ich
habe einen [Vorwurf] gewählet,
welcher sowol von Seiten seiner innern Schwierigkeit, als auch in
Ansehung der Religion einen grossen Theil der Leser gleich anfänglich
mit einem nachtheiligen Vorurtheile
einzunehmen vermögend ist. Das systematische, welches
die grossen Glieder der Schöpfung in dem ganzen Umfange der
Unendlichkeit verbindet, zu entdecken,
die Bildung der Weltkörper selber und den Ursprung ihrer
Bewegungen aus dem ersten Zustande der Natur durch mechanische
Gesetze herzuleiten: solche Einsichten scheinen
sehr weit die Kräfte der menschlichen Vernunft zu
überschreiten. Von der andern Seite drohet
die Religion mit einer feyerlichen Anklage über
die Verwegenheit, da man der sich selbst
überlassenen Natur solche Folgen beyzumessen sich
erkühnen [darf], darin man mit Recht die
unmittelbare Hand des höchsten Wesens gewahr wird,
und besorget in dem Vorwitz solcher Betrachtungen eine Schutzrede
des Gottesleugners anzutreffen. Ich sehe alle diese Schwierigkeiten wohl
und werde doch nicht kleinmüthig. Ich
empfinde die ganze Stärke der Hindernisse die sich
entgegen setzen, und verzage doch
nicht. Ich habe auf eine geringe Vermuthung eine gefährliche Reise gewagt, und erblicke schon
die Vorgebürge neuer Länder. Diejenigen, welche die Herzhaftigkeit haben
die Untersuchung fortzusetzen, werden
sie betreten und das Vergnügen haben, selbige mit ihrem Namen
zu bezeichnen.
Ich habe nicht eher den
Anschlag auf diese Unternehmung gefasset, als bis ich mich in
Ansehung der Pflichten der Religion in
Sicherheit gesehen habe. Mein Eifer ist verdoppelt worden, als
ich bey jedem Schritte die Nebel sich zerstreuen sahe, welche hinter ihrer
Dunkelheit Ungeheuer zu verbergen schienen und nach deren Zertheilung
die Herrlichkeit des höchsten Wesens mit dem lebhaftesten
Glanze hervorbrach. Da ich diese Bemühungen
von aller Sträflichkeit frey weiß, so will ich getreulich
anführen was wohlgesinnete oder auch schwache Gemüther in meinem Plane
anstößig finden können, und bin bereit es der Strenge des
rechtgläubigen [Areopagus](#en22207) mit einer
Freymüthigkeit zu unterwerfen, die das Merkmaal einer
redlichen Gesinnung ist. Der Sachwalter des Glaubens mag demnach
zuerst seine Gründe hören lassen.
Wenn der Weltbau mit aller Ordnung und Schönheit nur eine Wirkung
der ihren allgemeinen Bewegungsgesetzen überlassenen Materie ist, wenn die
blinde Mechanik der Naturkräfte sich aus dem Chaos so herrlich zu entwickeln weiß und zu solcher
Vollkommenheit von selber gelanget; so ist der Beweis des göttlichen Urhebers,
den man aus dem Anblicke der Schönheit des Weltgebäudes ziehet, völlig
entkräftet, die Natur ist sich selbst genugsam, die göttliche Regierung ist
unnöthig, Epikur lebt mitten im Christenthume wieder auf, und eine unheilige Weltweisheit tritt den
Glauben unter die Füsse, welcher ihr ein helles Licht darreichet, sie zu
erleuchten.
Wenn ich diesen Vorwurf
gegründet fände, so ist die Ueberzeugung, die ich von der
Unfehlbarkeit göttlicher Wahrheiten habe, bey mir
so vermögend, daß ich alles, was ihnen wiederspricht durch
sie vor gnugsam widerlegt halten und verwerfen würde.
Allein eben die Uebereinstimmung, die ich zwischen meinem
System und der Religion antreffe, erhebet meine Zuversicht in Ansehung
aller Schwierigkeiten zu einer
unerschrockenen Gelassenheit.
Ich erkenne den ganzen
Werth derjenigen Beweise, die man aus der Schönheit und
vollkommenen Anordnung des Weltbaues zur
Bestätigung eines höchstweisen Urhebers ziehet. Wenn
man nicht aller Ueberzeugung muthwillig widerstrebet, so muß
[man so unwiedersprechlichen
Gründen gewonnen geben]. Allein ich
behaupte: daß die Vertheidiger der Religion dadurch, daß sie sich
dieser Gründe auf eine schlechte Art bedienen,
den Streit mit den Naturalisten verewigen, indem sie ohne
Noth denselben eine schwache Seite darbiethen.
Man ist gewohnt die
Uebereinstimmungen, die Schönheit, die Zwecke, und eine
vollkommene Beziehung der Mittel auf dieselbe
in der Natur zu bemerken und herauszustreichen. Allein indem
man die Natur von dieser Seite erhebet, so sucht man sie
anderer Seits wiederum zu verringern. Diese Wohlgereimtheit, sagt
man, ist ihr fremd, sie würde ihren allgemeinen Gesetzen
überlassen, nichts als Unordnung zuwege bringen. Die Uebereinstimmungen zeigen eine fremde Hand, die
eine von aller Regelmäßigkeit verlassene Materie in einen
weisen Plan zu zwingen gewußt hat. Allein ich antworte: wenn die
allgemeinen Wirkungsgesetze der Materie gleichfals eine Folge aus dem höchsten
Entwurfe seyn, so können sie
vermuthlich keine andere Bestimmungen haben, als die den Plan von
selber zu erfüllen trachten, den die höchste
Weisheit sich vorgesetzet hat; oder
wenn dieses nicht ist, solte man nicht in Versuchung gerathen zu
glauben, daß wenigstens die Materie und ihre allgemeine Gesetze
unabhängig wären, und daß die höchstweise
Gewalt, die sich ihrer so rühmlichst zu bedienen gewust hat, zwar
groß, aber doch nicht unendlich, zwar mächtig,
aber doch nicht allgenugsam sey?
Der Vertheidiger der
Religion besorgt: daß diejenigen Uebereinstimmungen, die sich aus einem natürlichen Hang der Materie
erklären lassen, die Unabhängigkeit der Natur von der
göttlichen Vorsehung beweisen dörften. Er gesteht es nicht undeutlich:
daß, wenn man zu aller Ordnung des
Weltbaues natürliche Gründe entdecken kan, die dieselbe
aus den allgemeinsten und wesentlichen Eigenschaften der
Materie zu Stande bringen können, so sey es unnöthig sich
auf eine oberste Regierung zu berufen. Der Naturalist findet seine
Rechnung dabey, diese Voraussetzung nicht zu bestreiten. Er
treibt aber Beyspiele auf, die die Fruchtbarkeit der allgemeinen
Naturgesetze an vollkommen schönen Folgen
beweisen und bringt den Rechtgläubigen durch solche Gründe in
Gefahr, welche in dessen Händen zu unüberwindlichen Waffen werden könten. Ich will Beyspiele anführen.
[Man hat schon
mehrmalen es als eine der deutlichsten Proben einer gütigen Vorsorge, die vor die
Menschen wacht, angeführt: daß
in dem heissesten Erdstriche die Seewinde gerade zu
einer solchen Zeit, da das erhitzte Erdreich am meisten
ihrer Abkühlung bedarf,
gleichsam gerufen über das Land streichen und es erquicken. Z. E. In der Insel
Jamaica, so bald die Sonne so hoch gekommen ist,
daß sie die empfindlichste Hitze auf das Erdreich wirft,
gleich nach 9 Uhr Vormittags, fängt sich an aus dem
Meer ein Wind zu erheben, der von allen Seiten über
das Land wehet; seine Stärke nimmt nach dem Maasse
zu als die Höhe der Sonne zunimmt. Um 1 Uhr
Nachmittages, da es natürlicher Weise am heissesten ist,
ist er am heftigsten und läßt wieder mit der Erniedrigung der
Sonne allmählig nach, so daß gegen Abend eben die Stille als
beym Aufgange herrschet. Ohne diese erwünschte
Einrichtung würde diese Insel
unbewohnbar seyn](#en22328). Eben diese Wohlthat geniessen alle Küsten der Länder die im
heissen Erdstriche liegen. Ihnen ist es auch am nöthigsten,
[weil, da] sie die
niedrigsten Gegenden des trockenen Landes seyn, auch
die größte Hitze erleiden; denn die höher im Lande befindliche
Gegenden, dahin dieser Seewind nicht reichet, sind seiner auch weniger
benöthigt, weil ihre höhere Lage sie in eine kühlere
Luftgegend versetzet. Ist dieses nicht alles
schön, sind es nicht sichtbare Zwecke, die durch klüglich
angewandte Mittel bewircket [worden.] Allein zum Wiederspiel muß
der Naturalist die natürlichen
Ursachen davon in den allgemeinsten Eigenschaften der
Luft antreffen ohne besondere Veranstaltungen deswegen
vermuthen zu dörfen. Er bemerket mit Recht, daß diese Seewinde solche
periodische Bewegungen anstellen
müssen, wenn gleich kein Mensch auf solcher Insel lebete, und zwar
durch keine andere Eigenschaft als die der Luft auch ohne Absicht auf
diesen Zweck bloß zum Wachsthum der Pflanzen unentbehrlich vonnöthen
ist, nemlich durch ihre Elasticität und
Schweere. Die Hitze der Sonne hebet das Gleichgewicht der Luft auf,
indem sie diejenige verdünnet die über dem Lande ist, und dadurch
die kühlere Meeresluft veranlasset, sie aus ihrer Stelle zu heben und
ihren Platz einzunehmen.
Was vor einen Nutzen
haben nicht die Winde überhaupt zum Vortheile der Erdkugel,
und was vor einen Gebrauch macht nicht der Menschen
Scharfsinnigkeit aus denselben; indessen waren keine
andere Einrichtungen nöthig sie hervorzubringen, als dieselbe
allgemeine Beschaffenheit der Luft und
Wärme, welche auch unangesehen dieser Zwecke auf der Erde
befindlich seyn mußten.
Gebt ihr es,
sagt allhier der Freygeist, zu: daß, wenn man
nützliche und auf Zwecke abzielende
Verfassungen aus den allgemeinsten und einfachsten
Naturgesetzen herleiten kan, man keine besondere
Regierung einer obersten Weisheit
nöthig habe: so sehet hier Beweise die euch auf eurem
eigenen Geständnisse ertappen werden. Die ganze Natur, vornemlich die
unorganisirte, ist voll von solchen Beweisen, die zu erkennen geben,
daß die sich selbst durch die Mechanick ihrer Kräfte bestimmende
Materie eine gewisse Richtigkeit in ihren
Folgen habe und den Regeln der Wohlanständigkeit ungezwungen
genug thue. Wenn ein wohlgesinneter die gute Sache der Religion zu
retten, diese Fähigkeit der allgemeinen Naturgesetze bestreiten will, so
wird er sich selbst in Verlegenheit setzen und dem Unglauben durch eine
schlechte Vertheidigung Anlaß zu
triumphiren geben.
Allein laßt
uns sehen, wie diese Gründe, die man in den
Händen der Gegner als schädlich befürchtet, vielmehr kräftige
Waffen sind sie zu bestreiten. Die nach ihren allgemeinsten
Gesetzen sich bestimmende Materie bringt durch ihr
natürliches Betragen, oder wenn man es so nennen will durch eine blinde
Mechanick anständige Folgen hervor, die der Entwurf einer höchsten Weisheit zu seyn scheinen. Luft, Wasser, Wärme,
erzeugen wenn man sie sich selbst
überlassen betrachtet, Winde und Wolcken, Regen, Ströme, welche
die Länder befeuchten, und alle die nützliche
Folgen, ohne welche die Natur traurig,
öde und unfruchtbar bleiben müßte. Sie bringen aber diese
Folgen nicht durch ein bloßes Ungefehr, oder durch einen Zufall der
eben so leicht nachtheilig hätte ausfallen
können hervor, sondern man siehet: daß sie durch ihre natürliche
Gesetze eingeschrenckt sind auf keine
andere als diese Weise zu wircken. Was soll
man von dieser Uebereinstimmung denn [gedencken.] Wie wäre es wohl
möglich, daß Dinge von verschiedenen
Naturen in Verbindung mit einander so vortrefliche
Uebereinstimmungen und Schönheiten zu bewircken
trachten solten, so gar zu Zwecken solcher Dinge die sich
gewißermaaßen außer dem Umfange der todten Materie befinden,
nemlich zum Nutzen der Menschen und
Thiere, wenn sie nicht einen gemeinschaftlichen Ursprung
erkenneten, nemlich einen
unendlichen Verstand, in welchem aller Dinge wesentliche
Beschaffenheiten beziehend entworfen [worden.] Wenn ihre Naturen vor sich und unabhängig nothwendig wären, was vor ein
erstaunliches Ohngefähr, oder
vielmehr was vor eine Unmöglichkeit würde es
nicht seyn, daß sie mit ihren natürlichen Bestrebungen sich
gerade so zusammen passen solten,
als eine überlegte kluge Wahl sie hätte vereinbaren können.
Nunmehro mache ich
getrost die Anwendung auf mein gegenwärtiges Unterfangen. Ich nehme die Materie aller Welt in
einer allgemeinen Zerstreuung an und
mache aus derselben ein vollkommenes Chaos. Ich sehe nach
den ausgemachten Gesetzen der Attraktion den Stoff sich bilden und
durch die Zurückstoßung ihre Bewegung modificiren. Ich genieße das Vergnügen ohne Beyhülfe
willkührlicher Erdichtungen, unter der
Veranlassung ausgemachter Bewegungsgesetze sich ein wohlgeordnetes
Ganze erzeugen zu sehen, welches demjenigen Weltsystem so ähnlich
siehet das wir vor Augen haben, daß ich mich nicht entbrechen kan es
vor daßelbe zu halten. Diese unerwartete Auswickelung der Ordnung der Natur im Grossen wird mir
anfänglich verdächtig, da sie
auf so schlechten und einfachen Grunde eine so
zusammengesetzte Richtigkeit
gründet. Ich belehre mich endlich aus der vorher angezeigten Betrachtung:
daß eine solche Auswickelung der Natur nicht etwas unerhörtes an ihr
ist, sondern daß ihre wesentliche Bestrebung solche nothwendig mit
sich bringet, und daß dieses das herrlichste
Zeugniß ihrer Abhängigkeit von
demjenigen Urwesen ist, welches so gar die Quelle der Wesen selber
und ihrer ersten Wirkungsgesetze in sich hat. Diese Einsicht
verdoppelt mein Zutrauen auf den Entwurf den ich
gemacht habe. Die Zuversicht
vermehret sich bey jeden Schritte den ich mit Fortgang weiter setze
und meine Kleinmüthigkeit hört völlig auf.
[Aber die Vertheidigung
deines Systems, wird man sagen, ist zugleich die Vertheidigung der Meinungen des
Epikurs, welche damit
die grösseste Aehnlichkeit haben. Ich will nicht völlig
alle Uebereinstimmung mit demselben ablehnen.
Viele sind durch den Schein solcher
Gründe zu Atheisten geworden, welche bey genauerer Erwegung
sie von der Gewißheit des
höchsten Wesens am kräftigsten hätten überzeugen
können. Die Folgen die ein verkehrter
Verstand aus untadelhaften Grundsätzen zieht, sind öfters
sehr tadelhaft, und so waren es auch die Schlüße
des Epikurs, ohnerachtet sein Entwurf
der Scharfsinnigkeit eines grossen Geistes gemäß war.](#en22616)
[Ich werde es also nicht
in Abrede seyn, daß die Theorie des Lukretz oder deßen ](#en22616)[Vorgängers des]
Epikurs, Leucipps, und
Demokritus mit der meinigen viele Aehnlichkeit
habe. Ich setze den ersten Zustand der Natur, so wie jene
Weltweise, in der allgemeinen Zerstreuung des Urstoffs aller
Weltkörper, oder der Atomen, wie sie bey jenen
genannt werden. Epikur setzte
eine Schwere, die diese elementarische Theilchen zum Sinken
trieb, und dieses scheinet von der newtonischen Anziehung die ich
annehme nicht sehr verschieden zu seyn; er gab ihnen auch eine gewiße
Abweichung von der geradlinigten Bewegung des Falles, ob er
gleich in Ansehung der Ursache derselben und
ihren Folgen ungereimte Einbildungen hatte: diese Abweichung
kommt einigermaassen mit der Veränderung
der geradlinigten Senkung, die wir aus der Zurückstossungskraft
der Theilchen herleiteten, überein; endlich waren die Wirbel die aus der
verwirreten Bewegung der Atomen entstanden ein Hauptstück in dem
Lehrbegriffe des Leucipps und
Democritus und man wird sie auch in dem
unsrigen antreffen. So viel Verwandschaft mit einer
Lehrverfassung, die die wahre Theorie der Gottesleugnung
im Alterthum war, zieht indeßen die meinige dennoch nicht in
die Gemeinschaft ihrer Irrthümer. Auch
in den aller unsinnigsten Meinungen welche sich bey den
Menschen haben Beyfall erwerben können, wird man
jederzeit etwas wahres bemerken. Ein
falscher Grundsatz, oder ein Paar unüberlegte
Verbindungssätze leiten den Menschen von dem
Fußsteige der Wahrheit durch unmerkliche Abwege bis in den Abgrund.
Es bleibt ohnerachtet der angeführten Aehnlichkeit dennoch ein
wesentlicher Unterschied
zwischen der alten Cosmogonie und der gegenwärtigen um
aus dieser ganz entgegengesetzte Folgen ziehen zu
können.
[Die angeführten Lehrer
der mechanischen Erzeugung des Weltbaues leiteten alle Ordnung die sich an demselben wahrnehmen
läßt aus dem ungefehren Zufalle her, der die Atomen so
glücklich zusammentreffen
ließ, daß sie ein wohlgeordnetes Gantze ausmachten. Epikur war gar so unverschämt, daß er
verlangte, die Atomen wichen von ihrer geraden Bewegung ohne
alle Ursache ab, um einander begegnen
zu können. Alle insgesammt trieben diese Ungereimtheit so
weit, daß sie den Ursprung aller belebten Geschöpfe eben diesem blinden
Zusammenlauf beymaßen und die
Vernunft wirklich aus der Unvernunft herleiteten](#en22616). In meiner Lehrverfaßung hingegen finde ich die Materie an
gewiße nothwendige Gesetze gebunden. Ich sehe in ihrer
gänzlichen Auflösung und Zerstreuung ein schönes und
ordentliches Ganze sich ganz natürlich daraus entwickeln. Es
geschiehet dieses nicht durch einen Zufall und
von ungefehr, sondern man bemerket daß natürliche
Eigenschaften es nothwendig also
mit sich bringen. Wird man hiedurch nicht bewogen
zu fragen: warum muste denn die Materie gerade solche
Gesetze haben, die auf Ordnung und Wohlanständigkeit abzwecken? war es
wohl möglich, daß viele Dinge, deren jedes
seine von dem andern unabhängige Natur hat, einander von
selber gerade so bestimmen solten, daß
ein wohlgeordnetes Ganze daraus entspringe und wenn sie
dieses thun, giebt es nicht einen unleugbaren Beweis von der
Gemeinschaft ihres ersten Ursprungs ab, der ein
allgenugsamer höchster Verstand seyn
muß, in
welchem die Naturen der Dinge zu vereinbarten Absichten
entworfen worden?
Die Materie die der
Urstoff aller Dinge ist, ist also an gewisse Gesetze gebunden,
welchen sie frey überlassen nothwendig schöne
Verbindungen hervorbringen muß.
Sie hat keine Freyheit von diesem Plane der Vollkommenheit
abzuweichen. Da sie also sich einer höchst
weisen Absicht unterworfen befindet, so muß sie nothwendig in
solche übereinstimmende
Verhältnisse durch eine über sie herrschende erste
Ursache versetzt worden seyn, und es ist ein GOtt eben
deswegen, weil die Natur auch selbst im
Chaos nicht anders als
regelmäßig und ordentlich verfahren
kan.
Ich habe so viel gute
Meinung von der redlichen Gesinnung dererjenigen, die diesem Entwurfe die Ehre thun, ihn zu
prüfen, daß ich mich versichert halte, die angeführte
Gründe werden, wo sie noch nicht alle Besorgniß
schädlicher Folgen von meinem System aufheben
können, dennoch wenigstens die Lauterkeit meiner Absicht ausser
Zweifel setzen. Wenn es dem ungeachtet boshafte Eiferer
giebt, die es vor eine würdige Pflicht
ihres heiligen Berufs halten, den unschuldigsten
Meinungen schädliche Auslegungen anzuheften, so bin ich versichert,
daß ihr Urtheil bey Vernünftigen gerade die
entgegengesetzte Wirkung ihrer Absicht hat. Man wird mich übrigens des
Rechts nicht berauben, das [
Cartesius, als er die Bildung der
Weltkörper aus blos mechanischen
Gesetzen zu erklären wagte](#en22822), bey billigen Richtern jederzeit
genossen hat. Ich will deswegen die Verfasser der allgemeinen Welthistorie
1. Theil §. 88.
anführen: [„Indessen können wir nicht
anders als glauben: daß der Versuch dieses Weltweisen,
der sich bemühet die Bildung der Welt in gewisser
Zeit aus wüster Materie durch die blosse
Fortsetzung einer einmal eingedrückten Bewegung
zu erklären, und solches auf einige wenige
leichte und allgemeine Bewegungsgesetze gebracht,
so wenig als ](#en22825)[anderer], die seit dem mit mehrerem Beyfall
ebendas versucht haben aus
den ursprünglichen und
anerschaffenen Eigenschaften der Materie zu
thun, strafbar oder GOtt verkleinerlich sey,
wie sich manche eingebildet haben, indem
dadurch vielmehr ein höherer
Begriff seiner unendlichen
Weisheit verursacht
wird.“
Ich habe die
Schwierigkeiten, die von Seiten der Religion
meine Sätze zu bedrohen schienen hinweg zu räumen gesucht.
Es giebt einige nicht geringere
in Ansehung der Sache selber. Wenn es gleich wahr ist, wird man
sagen, daß GOtt in die Kräfte der Natur eine geheime Kunst gelegt
hat, sich aus dem Chaos von selber zu einer vollkommenen
Weltverfassung auszubilden, wird der Verstand
des Menschen, der bey den gemeinsten Gegenständen so blöd ist,
in so grossem Vorwurfe die verborgene Eigenschaften zu
erforschen vermögend [seyn.] Ein solches Unterfangen heißt eben so viel als wenn
man sagte: [
](#en22910)Gebt mir nur Materie, ich will euch eine Welt
daraus bauen
.
Kan dich die Schwäche deiner
Einsichten, die an den geringsten
Dingen, welche deinen Sinnen täglich und in der Nähe
vorkommen, zu schanden wird, nicht
lehren: daß es vergeblich sey, das Unermeßliche und das
was in der Natur vorging ehe noch eine Welt war, zu
[entdecken.] Ich vernichte diese
Schwierigkeit, [indem deutlich] zeige, daß eben
diese Untersuchung unter allen, die in der Naturlehre aufgeworfen
werden können diejenige sey, in welcher man am leichtesten und
sichersten bis zum Ursprunge gelangen kan. Eben so wie unter allen
Aufgaben der Naturforschung keine mit mehr Richtigkeit und Gewisheit aufgelöset worden, als die wahre
Verfassung des Weltbaues im Grossen, die Gesetze der Bewegungen und
das innere Triebwerk der Umläufe aller Planeten; als worin
die Newtonische Weltweisheit solche
Einsichten gewähren kan, dergleichen man sonst in keinem Theile der
Weltweisheit antrift; eben also, behaupte ich,
sey unter allen Naturdingen, deren erste Ursache man
nachforschet, der Ursprung des
Weltsystems und die Erzeugung der Himmelskörper,
samt den Ursachen ihrer Bewegungen, dasjenige, was man am
ersten gründlich und zuverläßig einzusehen
hoffen darf. Die Ursache hievon ist leicht zu ersehen. Die
Himmelskörper sind runde Massen, also von
der einfachsten Bildung, die ein Körper, dessen Ursprung man
sucht, nur immer haben kan. Ihre Bewegungen sind gleichfals
unvermischt. Sie sind nichts als eine freye Fortsetzung
eines einmal eingedrückten Schwunges, welcher, mit der Attraktion des Körpers im Mittelpunkte
verbunden, kreisförmigt wird. Ueberdem ist der Raum, darinn sie sich
bewegen, leer, die Zwischenweiten, die sie von einander absondern, ganz
ungemein groß und also alles sowohl zur unverwirrten Bewegung, als auch
deutlichen Bemerkung derselben auf das deutlichste aus einander
gesetzt. Mich dünkt, man
könne hier in gewissem Verstande ohne Vermessenheit sagen:
Gebet mir Materie,
ich will eine Welt daraus bauen! das ist,
gebet mir Materie, ich will euch zeigen, wie eine Welt daraus
entstehen soll. Denn wenn Materie vorhanden ist, welche
mit einer wesentlichen Attraktionskraft begabt ist, so ist es nicht schweer
diejenigen Ursachen zu bestimmen, die zu der Einrichtung des
Weltsystems im Großen betrachtet, haben
beytragen können. Man weiß was dazu gehöret, daß
ein Körper eine Kugelrunde Figur erlange, man begreift was
erfordert wird, daß frey schwebende Kugeln eine
kreisförmige Bewegung um den Mittelpunkt anstellen gegen den sie gezogen werden. Die
Stellung der Kreise gegeneinander, die Uebereinstimmung der
Richtung, die Eccentricität, alles kan auf die einfachsten
mechanischen Ursachen gebracht werden, und man darf mit
Zuversicht hoffen sie zu entdecken, weil sie auf
die leichtesten und deutlichsten Gründe gesetzt werden
können. Kan man aber wohl von den geringsten Pflanzen
[oder Inseckten] sich solcher
Vortheile rühmen? Ist man in Stande zu sagen: Gebt mir
Materie, ich will euch zeigen wie
eine
Raupe erzeuget werden
könne? Bleibt man hier nicht bey dem ersten
Schritte, aus Unwissenheit der wahren innern Beschaffenheit des Objects
und der Verwickelung der in demselben vorhandenen Mannigfaltigkeit,
stecken? Man darf es sich also nicht befremden lassen, wenn ich mich
unterstehe zu sagen: daß eher die Bildung aller
Himmelskörper, die Ursach ihrer Bewegungen, kurz,
der Ursprung der ganzen gegenwärtigen Verfassung des
Weltbaues, werde können eingesehen werden, ehe die
Erzeugung eines einzigen Krauts oder einer Raupe, aus
mechanischen Gründen, deutlich und vollständig
kund werden wird.
Dieses sind die
Ursachen, worauf ich meine Zuversicht gründe, daß der physische Theil
der Weltwissenschaft künftighin noch wohl eben die Vollkommenheit zu
hoffen habe, zu der
Newton
die
mathematische Hälfte derselben erhoben hat.
Es sind nächst den Gesetzen,
nach welchen der Weltbau, in der Verfaßung darinn er ist,
bestehet, vielleicht keine anderen in der ganzen
Naturforschung solcher mathematischen Bestimmungen fähig, als
diejenigen, nach welchen er entstanden ist, und ohne Zweifel würde
die Hand eines versuchten Meßkünstlers hier nicht unfruchtbare
Felder bearbeiten.
Nachdem ich den Vorwurf
meiner Betrachtung einer günstigen Aufnahme zu empfehlen
mir habe angelegen seyn lassen; so wird
man mir erlauben, mich wegen der Art, nach der ich ihn
abgehandelt habe, kürzlich zu erklären. Der erste Theil
gehet mit einem neuen System des Weltgebäudes im Großen um.
[Herrn
](#en23103)Wright von
Durham,
deßen Abhandlung ich aus den Hamburgischen freyen Urtheilen
vom Jahr 1751. habe kennen lernen, hat mir zuerst
Anlaß gegeben, die Fixsterne nicht als ein ohne
sichtbare Ordnung zerstreutes Gewimmel, sondern als
ein System anzusehen, welches mit einem planetischen die
größte Aehnlichkeit hat, so daß, gleichwie in diesem die
Planeten sich einer gemeinschaftlichen Fläche sehr nahe befinden, also auch die
Fixsterne sich in ihren Lagen auf eine gewisse Fläche, die
durch den ganzen Himmel muß gezogen gedacht werden, so nahe als möglich beziehen
und durch ihre dichteste Häufung zu derselben
denjenigen lichten Streif darstellen,
welcher die Milchstrasse genannt
wird.
Ich habe mich vergewissert, daß, weil diese von unzehligen
Sonnen erleuchtete Zone sehr genau die Richtung eines größten Zirkels
hat, [unsere Sonne sich dieser grossen
Beziehungsfläche gleichfals sehr nahe befinden müsse. Indem ich den
Ursachen dieser Bestimmung nachgegangen bin,
habe ich sehr wahrscheinlich zu seyn befunden: daß
die so genannten Fixsterne, oder feste Sterne,
wohl eigentlich langsam bewegte Wandelsterne
einer höhern Ordnung seyn könten](#en23115). Zur Bestätigung deßen, was man
an seinem Orte von diesem Gedanken antreffen wird, will ich
allhier nur eine
[Stelle aus einer Schrift des Herrn
](#en23121)
Bradley
von
der Bewegung der Fixsterne anführen. „Wenn man aus dem
Erfolg der Vergleichung unserer besten
jetzigen Beobachtungen, mit denen welche vor
diesem mit einem erträglichen Grade der
Richtigkeit angestellet worden, ein Urtheil fällen will, so
erhellet: daß einige Fixsterne
wirklich ihren Stand gegen einander
verändert haben, und zwar so, daß man siehet,
daß dieses nicht [irgend von
einer] Bewegung in unserm Planetengebäude
herrühret, sondern daß es bloß einer Bewegung der
Sterne selber zugeschrieben werden kan. Der Arktur giebt einen starken Beweis hievon an die
Hand. [Denn
wenn man desselben gegenwärtige Declination mit seinem Orte, wie
derselbe so wohl von
](#en23130)
Ticho
als
auch von
Flammsteed
ist bestimmt worden, vergleicht, so wird man finden: daß
der Unterschied grösser ist als man ihn von der
Ungewißheit ihrer Beobachtungen herzurühren
vermuthen kan. Man hat Ursache zu vermuthen:
daß auch andere Exempel von gleicher Beschaffenheit unter der
großen Anzahl der sichtbaren Sterne vorkommen müssen,
weil ihre Lagen gegeneinander durch mancherley
Ursachen können verändert werden. Denn wenn man sich vorstellt,
daß unser eigenes Sonnengebäude seinen Ort in Ansehung des
Weltraums verändert; so wird dieses nach Verlauf einiger Zeit eine
scheinbare Veränderung der
Winkelentfernungen der Fixsterne verursachen. Und
weil dieses in solchem Falle in die Oerter der nächsten Sterne
einen grösseren Einfluß haben würde, als in
die Oerter dererjenigen, welche weit entfernet sind, so würden ihre
Lagen sich zu verändern scheinen, obgleich die Sterne selbst wirklich
unbeweglich blieben. Und wenn im Gegentheil unser eigen
Planetengebäude stille steht und einige Sterne wirklich
eine Bewegung haben; so wird dieses gleichfalls ihre
scheinbare Lage verändern, und
zwar um destomehr, je näher sie bey uns sind, oder je
mehr die Richtung der Bewegung so beschaffen ist, daß sie von
uns kan wahrgenommen werden. Da nun also die Lagen der Sterne
von
so mancherley Ursachen können verändert werden, indem man
die erstaunlichen Entfernungen, in
welchen ganz gewiß einige gelegen sind, betrachtet; so werden wohl die Beobachtungen vieler
Menschenalter nöthig seyn, die Gesetze der scheinbaren
Veränderungen, auch eines einzigen Sternes, zu bestimmen. Viel
schweerer muß es also noch seyn, die Gesetze für
alle die merkwürdigsten Sterne festzusetzen.“
[Ich kan die Grenzen nicht genau bestimmen, die
zwischen dem System des Herrn
](#en23220)
Wright
und dem meinigen anzutreffen
seyn, und in welchen Stücken ich seinen Entwurf bloß
nachgeahmet, oder weiter ausgeführt habe. Indessen bothen
sich mir nach der Hand annehmungswürdige Gründe dar, es auf der einen Seite beträchtlich
zu erweitern. Ich betrachtete die Art neblichter Sterne, deren Herr
von
Maupertuis
in der Abhandlung
von der Figur der Gestirne
[Weil ich den angeführten Traktat
nicht bey der Hand habe, so will ich das dazu gehörige aus der
Anführung der ](#en23227)Ouvrages diverses de
Msr. de
Maupertuis
in den
Actis Erud.
1745. hier einrücken. „Das erste Phänomenon sind diejenige
lichte Stellen am Himmel, welche
neblichte Sterne genannt, und vor einen Haufen kleiner Fixsterne
gehalten werden. Allein die
Astronomen haben durch vortrefliche Ferngläser sie nur als grosse
länglichtrunde Plätzchen, die etwas lichter als der übrige Theil des
Himmels wären, befunden. [
](#en23233)
Hugen
hat dergleichen etwas
zuerst im Orion angetroffen;
[
](#en23234)
Halley
gedenket in den
Anglican.
Trans.
sechs solcher
Plätzchen. 1. im Schwerdt des Orions, 2. im Schützen, 3. im
Centaurus, 4. vor dem rechten Fuße des Antinous, 5. im Herkules,
6. im Gürtel der Andromeda. Wenn diese durch ein reflectirendes
Seherohr von 8 Fuß betrachtet
werden, so siehet man, daß nur der vierte Theil derselben vor
einen Haufen Sterne könne gehalten werden; die übrige haben nur
weißlichte Plätzchen vorgestellt, ohne erheblichen Unterschied,
ausser daß eines mehr der Cirkelrundung beykommt, ein anderes
aber länglichter ist. Es scheinet auch, daß bey dem ersten die
durch das Seherohr sichtbaren kleinen Sternchen seinen
weißlichten Schimmer nicht verursachen können.
Halley
glaubt: daß man aus
diesen Erscheinungen dasjenige erklären könne, [was man im Anfang der Mosaischen
Schöpfungsgeschichte antrift, nemlich daß das Licht eher als
die Sonne erschaffen sey](#en23318).
[
](#en23319)
Derham
vergleicht sie Oeffnungen, dadurch eine andere unermeßliche
Gegend und vielleicht der
Feuerhimmel durchscheine. Er meynet, er habe bemerken können,
daß die Sterne, die neben diesen Plätzchen gesehen werden, uns
viel näher wären, als diese lichte Stellen.
Diesen fügt der Verfasser ein
[Verzeichniß der neblichten Sterne aus dem
](#en23323)
Hevelius
bey.
Er hält diese Erscheinungen vor [grosse lichte Massen],
die durch eine gewaltige Umwälzung abgeplattet worden wären. Die
Materie, daraus sie bestehen, wenn sie eine gleichleuchtende Kraft
mit den übrigen Sternen hätte, würde von ungeheurer Grösse seyn
müssen, damit sie, aus einem viel grösseren Abstande, als der Sterne
ihrer ist, gesehen, dennoch dem Fernglase unter merklicher Gestalt
und Grösse erscheinen können. Wenn sie aber an Grösse den übrigen
Fixsternen ohngefehr gleich kämen; müsten sie uns nicht allein
ungleich viel näher seyn, sondern zugleich ein viel schwächeres
Licht haben: weil sie bey solcher Nähe und scheinbarer Grösse doch
einen so blassen Schimmer an sich zeigen. Es würde also der Mühe
verlohnen, ihre Parallaxe, wofern sie eine haben, zu entdecken. Denn
diejenigen, welche sie ihnen absprechen, schliessen vielleicht von
einigen auf alle. Die Sternchen, die man mitten auf diesen Plätzchen
antrift, wie in dem Orion, (oder noch
schöner, in dem vor dem rechten Fusse des
Antinous, welcher nicht anders aussiehet
als ein Fixstern, der mit einem Nebel umgeben ist) würden, wofern
sie uns näher wären, entweder nach Art der Projection auf denselben
gesehen, oder schienen durch jene Massen, gleich als durch die
Schweife der Cometen, durch.“
gedenket, und die die
Figur von mehr oder weniger
offenen Ellipsen vorstellen, und versicherte mich leicht, daß sie nichts anders
als eine Häufung vieler Fixsterne seyn können. Die jederzeit
abgemessene Rundung dieser Figuren belehrte mich, daß hier ein
unbegreiflich zahlreiches Sternenheer, und zwar um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt,
müste geordnet seyn, weil sonst ihre freye Stellungen gegen einander,
wohl irreguläre Gestalten, aber nicht abgemessene Figuren
vorstellen würden. Ich sahe auch ein: daß sie in dem System, darinn
sie sich vereinigt befinden, vornemlich auf eine Fläche beschränkt
seyn müßten, weil sie nicht zirkelrunde, sondern elliptische Figuren
abbilden, und daß sie wegen ihres blassen Lichts unbegreiflich weit
von uns abstehen. Was ich aus diesen Analogien geschlossen habe wird die Abhandlung selber
der Untersuchung des vorurtheilfreyen Lesers
darlegen.
In dem
zweiten Theile, der den eigentlichsten Vorwurf
dieser Abhandlung in sich enthält, suche ich die
Verfassung des Weltbaues aus dem einfachsten
Zustande der Natur bloß durch mechanische Gesetze zu entwickeln. Wenn ich mich unterstehen darf denenjenigen,
die sich über die Kühnheit dieses Unternehmens entrüsten, bey
der Prüfung womit sie meine Gedanken beehren, eine gewisse Ordnung
vorzuschlagen, so wollte ich bitten das achte
Hauptstück zuerst durchzulesen,
welches, wie ich hoffe, ihre Beurtheilung zu einer richtigen
Einsicht vorbereiten kan. Wenn ich indessen den gneigten
Leser zur Prüfung meiner Meinungen einlade, so besorge ich mit
Recht, daß, da Hypothesen von dieser Art gemeiniglich nicht in viel
besseren Ansehen, als philosophische Träume stehen, es eine
saure Gefälligkeit vor einen Leser ist, sich zu einer sorgfältigen
Untersuchung von selbst erdachten Geschichten
der Natur zu entschliessen und dem Verfasser durch alle die
Wendungen, dadurch er den Schwierigkeiten,
die ihm aufstossen, ausweichet, geduldig zu folgen, um
vielleicht am Ende, [wie die Zuschauer des
londonschen Marktschreiers
](#en23418)siehe
Gellerts
Fabel:
Hans
Nord.
, seine eigne Leichtgläubigkeit zu belachen. Indessen
getraue ich mir zu versprechen: daß,
wenn der Leser durch das vorgeschlagene Vorbereitungs-Hauptstück hoffentlich wird überredet worden seyn,
auf so wahrscheinliche Vermuthungen doch ein solches
physisches Abentheuer zu wagen, er auf dem Fortgange des Weges
nicht so viel krumme Abwege und unwegsame
Hindernisse, als er vielleicht anfänglich
besorgt, antreffen werde.
[Ich habe mich in der That mit grössester Behutsamkeit
aller willkührlichen Erdichtungen entschlagen](#en23426).
[Ich habe, nachdem
ich die Welt in das einfachste Chaos versetzt,
keine andere Kräfte als die Anziehungs und
Zurückstossungskraft zur Entwickelung der grossen
Ordnung der Natur angewandt, zwey Kräfte, welche
beyde gleich gewiß, gleich einfach und zugleich gleich
ursprünglich und allgemein sind. Beyde sind
aus der Newtonischen Weltweisheit
entlehnet. Die erstere ist ein nunmehro ausser
](#en23427)[Zweifel gesetztes]
Naturgesetz. Die zweyte, welcher vielleicht
die Naturwissenschaft des
Newton
nicht so viel Deutlichkeit als
[die erstere] gewähren kan, nehme ich hier nur in
demjenigen Verstande an, da sie
niemand in Abrede ist, nemlich bey der feinsten Auflösung
der Materie, wie z. E. bey den Dünsten. Aus diesen so einfachen
Gründen habe ich auf eine ungekünstelte Art, ohne andere
Folgen zu ersinnen, als diejenigen, worauf
die Aufmerksamkeit des Lesers ganz von selber
verfallen muß, das folgende System hergeleitet.
Man erlaube mir
schlüßlich wegen der Gültigkeit und des angeblichen Werthes derjenigen Sätze, die in der
folgenden Theorie vorkommen werden
und wornach ich sie vor billigen Richter geprüft
zu werden wünsche, eine kurze [Erklärung] zu thun. Man beurtheilt
billig den Verfasser nach demjenigen Stempel, den er auf seine
Waare druckt; daher hoffe ich, man werde in den verschiedenen Theilen
dieser Abhandlung keine strengere
Verantwortung meiner Meinungen fodern, als nach Maasgebung des
Werths, den ich von ihnen selber ausgebe. Ueberhaupt kan die
größte geometrische Schärfe und mathematische Unfehlbarkeit niemals
von einer Abhandlung dieser Art verlangt werden. Wenn das System auf
Analogien und Uebereinstimmungen, nach den Regeln der
Glaubwürdigkeit und einer richtigen Denkungsart,
gegründet ist; so hat es allen Foderungen seines Objects genug
gethan. Diesen Grad der Tüchtigkeit meine ich in einigen Stücken
dieser Abhandlung, als in der Theorie der
Fixsternensystemen, in der Hypothese von der Beschaffenheit der
neblichten Sterne, in dem allgemeinen Entwurfe
von der mechanischen Erzeugungsart des Weltbaues, in der
Theorie von dem Saturnusringe und einigen andern erreicht zu haben.
Etwas minder Ueberzeugung werden einige besondere Theile der
Ausführung gewähren, wie z. E. die Bestimmung der Verhältnisse der
Eccentricität, die Vergleichung der Massen der
Planeten, die mancherley Abweichungen der Cometen, und einige
andere.
Wenn ich daher in dem
siebenten Hauptstück, durch die Fruchtbarkeit des Systems und die Annehmlichkeit des größten
und wunderwürdigsten Gegenstandes,
den man sich nur denken kan, angelocket, zwar stets an dem Leitfaden
der Analogie und einer vernünftigen Glaubwürdigkeit; doch mit einiger Kühnheit die
Folgen des Lehrgebäudes so weit als möglich fortsetze; wenn ich das
Unendliche der ganzen Schöpfung, die Bildung neuer
Welten und den Untergang der alten, den unbeschränkten Raum des Chaos der Einbildungskraft darstelle;
so hoffe ich, man werde der reizenden Annehmlichkeit des Objects und
dem Vergnügen, welches man hat, die
[Uebereinstimmungen] einer Theorie
in ihrer grössesten Ausdehnung zu sehen, so viel Nachsicht vergönnen, sie nicht
nach der größten geometrischen Strenge, die ohnedem bey dieser
Art der Betrachtungen nicht statt hat,
zu beurtheilen. Eben dieser Billigkeit versehe ich mich in Ansehung des dritten Theiles. Man wird indessen
allemal etwas mehr wie bloß
willkührliches, obgleich jederzeit etwas weniger als ungezweifeltes, in
[selbigen]
antreffen.
Allgemeine
Naturgeschichte
und
Theorie des Himmels.
Erster
Theil,
von
der
systematischen Verfassung unter den
Fixsternen.
[
](#en24705)Der Lehrbegriff von der
allgemeinen Verfassung des Weltbaues hat seit den Zeiten
des Huygens keinen merklichen Zuwachs
gewonnen. Man weiß noch zur Zeit nichts mehr,
als was man schon damals gewust hat, nemlich, daß sechs
Planeten mit zehn Begleitern, welche alle beynahe auf
einer Fläche die Cirkel ihres Umlaufs gerichtet
haben, und die [ewige] cometische Kugeln, die nach allen Seiten
ausschweifen, ein System
ausmachen, dessen Mittelpunkt die Sonne ist, gegen
welche sich alles senkt, um welche ihre Bewegungen gehen,
und von welcher sie alle erleuchtet, erwärmet und
belebet werden; daß endlich die Fixsterne als eben so viel
Sonnen, Mittelpunkte von ähnlichen Systemen seyn,
in welchen alles eben so groß und eben so ordentlich als
in [dem]
unsrigen eingerichtet seyn mag, und daß der
unendliche Weltraum von Weltgebäuden wimmele, deren Zahl
und Vortreflichkeit ein Verhältniß zur
Unermeßlichkeit ihres Schöpfers hat.
Das systematische,
welches in der Verbindung der Planeten, die um ihre Sonnen laufen,
statt fand, verschwand alhier in der Menge der Fixsternen, und es
schien, als wenn die gesetzmäßige Beziehung, die
im Kleinen angetroffen wird, nicht unter den Gliedern des
Weltalls im Grossen herrsche; die Fixsterne bekamen kein Gesetz,
durch welches ihre Lagen gegen einander eingeschränket
wurden, und man sahe sie alle
Himmel und
aller Himmel Himmel ohne Ordnung und ohne Absicht
erfüllen. Seit dem die Wißbegierde des Menschen sich diese Schranken
gesetzet hat, so hat man weiter nichts gethan, als die Grösse desjenigen
daraus abzunehmen und zu bewundern, der
in so unbegreiflich grossen Werken sich offenbaret
hat.
[Dem Herrn Wright von
Durham, einem Engeländer, war
es vorbehalten, einen glücklichen Schritt zu einer
Bemerkung zu thun, welche von ihm selber zu keiner gar
zu tüchtigen Absicht gebraucht
zu seyn scheinet, und deren nützliche Anwendung er nicht
genugsam beobachtet
hat. Er betrachtete die Fixsterne nicht als ein ungeordnetes
und ohne Absicht zerstreutes Gewimmel, sondern er fand
eine systematische Verfassung im Ganzen, und eine
allgemeine Beziehung dieser Gestirne gegen einen
Hauptplan der Raume, die sie einnehmen](#en24806).
Wir wollen den
Gedanken, den er vorgetragen, zu verbessern und ihm diejenige Wendung
zu ertheilen suchen, dadurch er an wichtigen Folgen fruchtbar seyn
kan, deren völlige Bestätigung den künftigen Zeiten aufbehalten
ist.
Jedermann, der den
bestirnten Himmel in einer heitern Nacht ansiehet, wird denjenigen lichten Streif gewahr, der durch die Menge
der Sterne, die daselbst mehr als anderwerts gehäuft seyn,
und durch ihre sich in der grossen Weite verlierende Kentlichkeit, ein
einförmigtes Licht darstellet, welches man mit dem Nahmen
der Milchstrasse benennet
hat. Es ist zu bewundern, daß die Beobachter des Himmels durch
die Beschaffenheit dieser am
Himmel kenntlich unterschiedenen Zone nicht
längst bewogen worden, sonderbare Bestimmungen in der Lage der
Fixsterne daraus abzunehmen. Denn man siehet ihn die Richtung eines
größten Zirkels, und zwar in ununterbrochenem Zusammenhange, um
den ganzen Himmel einnehmen, zwey Bedingungen, die eine so genaue
Bestimmung und von dem Unbestimmten des Ungefehrs so kenntlich
unterschiedene Merkmale mit sich führen, daß
aufmerksame Sternkundige natürlicher Weise dadurch hätten
veranlasset werden sollen, der Erklärung einer
solchen Erscheinung mit Aufmerksamkeit
nachzuspüren.
Weil die Sterne nicht
auf die scheinbare hole Himmelssphäre gesetzet sind, sondern, einer weiter als der andere von unserm
Gesichtspuncte entfernet, sich in der Tiefe des Himmels
verlieren: so folget aus dieser Erscheinung, daß in den Entfernungen,
darinn sie einer hinter dem
andern von
uns abstehen, sie sich nicht in einer nach allen Seiten
gleichgültigen Zerstreuung befinden, sondern sich auf
eine gewisse Fläche vornemlich beziehen müssen, die durch unsern
Gesichtspunkt gehet, und welcher sie sich so nahe als möglich
zu befinden bestimmet sind.
Diese Beziehung ist ein
so ungezweifeltes Phänomenon, daß auch selber die übrigen
Sterne, die in dem weißlichten Streife der
Milchstrasse nicht begriffen sind,
doch um desto gehäufter und dichter gesehen werden, je näher ihre
Oerter dem Cirkel der Milchstrasse sind, so, daß von den [2000 Sternen, die das blosse Auge am Himmel
entdecket](#en24909), der größte Theil in einer nicht gar breiten
Zone, deren Mitte die Milchstrasse
einnimmt, angetroffen wird.
Wenn wir nun eine
Fläche durch den Sternenhimmel hindurch in unbeschränkte Weiten
gezogen gedenken, und annehmen: daß zu dieser Fläche alle Fixsterne
und Systemata eine allgemeine Beziehung ihres Orts haben, um sich
derselben näher als andern Gegenden zu
befinden, so wird das Auge, welches sich in dieser Beziehungsfläche
befindet, bey seiner Aussicht in das Feld der Gestirne, an der hohlen
Kugelfläche des Firmaments, diese dichteste Häufung
der Sterne in der Richtung solcher gezogenen Fläche unter der
Gestalt einer von mehrerem Lichte erleuchteten Zone
erblicken. Dieser lichte Streif wird nach der
Richtung eines größten Zirkels fortgehen, weil der Stand des
Zuschauers in der Fläche selber ist. In dieser Zone wird
es von Sternen wimmeln, welche durch die nicht zu
unterscheidende Kleinigkeit der hellen Punkte, die sich einzeln dem
Gesichte entziehen, und durch ihre scheinbare Dichtigkeit, einen
einförmig weißlichten Schimmer, mit einem Worte,
eine Milchstrasse vorstellig machen. Das übrige Himmelsheer,
dessen Beziehung gegen die gezogene Fläche sich nach und
nach vermindert, oder welches sich auch dem Stande des Beobachters
näher befindet, wird mehr zerstreuet,
wiewol doch, [ihrer] Häufung nach,
auf eben diesen Plan beziehend gesehen werden. Endlich folget hieraus,
daß unsere Sonnenwelt, weil von ihr aus dieses System der Fixsterne
in der Richtung eines grössesten Zirkels gesehen wird,
mit in eben derselben grossen Fläche befindlich
sey, und mit den [übrigen] ein System ausmache.
Wir wollen, um in die
Beschaffenheit der allgemeinen Verbindung, die in dem Weltbaue
herrschet, desto besser zu dringen, die Ursache
zu entdecken suchen, welche die Oerter der Fixsterne
[auf]
eine
gemeinschaftliche
Fläche beziehend gemacht hat.
Die Sonne
schrenket die Weite ihrer Anziehungskraft nicht in
den engen Bezirk des Planetengebäudes ein. Allem Ansehen nach
erstreckt sie selbige ins unendliche. Die Cometen, die sich sehr
weit über den Kreiß des Saturns erheben, werden durch die Anziehung der
Sonne genöthiget, wieder zurück zu kehren und in Kreisen zu
laufen. Ob es also gleich der Natur einer Kraft, die dem Wesen der
Materie einverleibt zu seyn scheinet,
gemässer ist, unbeschränkt zu seyn, und sie auch wirklich von denen, die
Newtons Sätze annehmen, davor erkannt
wird; so wollen wir doch nur zugestanden wissen, daß diese
Anziehung der Sonne ohngefehr bis zum nächsten Fixsterne reiche, und
daß die Fixsterne als eben so viel Sonnen
in gleichem Umfange um sich wirken, folglich daß das ganze
Heer derselben einander durch die Anziehung zu nähern bestrebt sey;
so finden sich alle Weltsystemen in der Verfassung, durch die gegenseitige Annäherung, die
unaufhörlich und durch nichts gehindert ist, über kurz oder
lang in einen Klumpen zusammen zu fallen, wofern diesem Ruin nicht so
wie bey den Kugeln unsers planetischen Systems durch die den
Mittelpunkt fliehende Kräfte vorgebeugt worden, welche, indem sie die Himmelskörper von
dem geraden Falle abbeugen, mit den Kräften der Anziehung in
Verbindung die ewige Kreisumläufe zuwege bringen, dadurch das Gebäude
der Schöpfung vor der Zerstörung gesichert und zu einer
unvergänglichen Dauer geschickt gemacht
wird.
So haben denn alle
Sonnen des Firmaments Umlaufsbewegungen, entweder um einen
allgemeinen Mittelpunkt oder um viele. Man kann sich aber allhier der
Analogie bedienen, dessen, was bey den
Kreisläufen unserer Sonnenwelt bemerket wird: daß
nemlich, gleichwie eben dieselbe Ursache, die den
Planeten die Centerfliehkraft, durch die sie ihre
Umläufe verrichten, ertheilet hat,
ihre Laufkreise auch so gerichtet: daß sie sich alle auf eine
Fläche beziehen, also auch die Ursache, welche
es auch immer seyn mag, die den Sonnen der Oberwelt, als so
viel Wandelsternen höherer Weltordnungen die Kraft der
Umwendung gegeben, ihre Kreise zugleich so
viel möglich auf eine Fläche gebracht, und die Abweichungen
von derselben einzuschränken bestrebt gewesen.
Nach dieser Vorstellung
kann man das System der Fixsterne einiger massen durch
das planetische abschildern, wenn man dieses unendlich vergrössert. Denn wenn wir an statt der 6 Planeten mit
ihren 10 Begleitern so viele tausend derselben, und an statt
der [28 oder 30
Cometen, die beobachtet worden](#en25037), ihrer hundert oder tausendmal
mehr annehmen, wenn wir eben diese Körper als selbstleuchtend
gedenken, so würde dem Auge des Zuschauers, das sie von der Erde
ansiehet, eben der Schein als von den Fixsternen der Milchstrasse
entstehen. Denn die gedachte Planeten würden durch ihre Naheit
zu dem gemeinen Plane ihrer Beziehung, uns, die wir mit
unserer Erde in eben demselben Plane
befindlich seyn, eine von unzählbaren Sternen dicht
erleuchtete Zone darstellen,
deren Richtung nach dem grössesten Zirkel
gienge; dieser lichte Streifen würde allenthalben mit Sternen
genugsam besetzet seyn, obgleich gemäß der Hypothese es
Wandelsterne, mithin nicht an einen Ort geheftet sind, denn es würden
sich allezeit nach einer Seite Sterne genug durch ihre Versetzung
befinden, obgleich andere diesen Ort geändert
hätten.
Die Breite dieser
erleuchteten Zone, welche eine Art eines Thierkreises vorstellet, wird durch die verschiedene Grade der
Abweichung besagter Irrsterne von dem Plane
ihrer Beziehung und durch die Neigung ihrer Kreise gegen
dieselbe Fläche veranlasset werden; und weil die
meisten diesem Plane nahe seyn, so wird ihre Anzahl nach dem
Maasse der Entfernung von
dieser Fläche zerstreuter erscheinen; die Cometen aber,
die alle Gegenden ohne Unterscheid einnehmen, werden das Feld
des Himmels von beyden Seiten
bedecken.
Die Gestalt des Himmels
der Fixsterne hat also keine andere Ursache, als eben eine dergleichen systematische Verfassung im
Grossen, [als] der
planetische Weltbau im Kleinen hat, indem alle Sonnen
ein System ausmachen, dessen allgemeine Beziehungsfläche die
Milchstrasse ist; die sich am wenigsten auf diese
Fläche beziehende, werden zur Seite gesehen, sie sind aber
eben deswegen weniger gehäufet, weit zerstreuter und seltener. Es sind
so zu sagen die Cometen unter den Sonnen.
Dieser neue Lehrbegriff
aber legt den Sonnen eine fortrückende Bewegung bey, und jedermann erkennet sie doch als unbewegt, und
von Anbeginn her an ihre Oerter geheftet. Die Benennung, die
die Fixsterne davon erhalten haben,
scheinet durch die Beobachtung aller Jahrhunderte bestätigt und ungezweifelt zu seyn. Diese
Schwierigkeit würde das vorgetragene Lehrgebäude vernichten,
wenn sie gegründet wäre. Allein allem Ansehen nach ist dieser Mangel der
Bewegung nur etwas scheinbares. Es ist
entweder nur eine ausnehmende Langsamkeit, die
von der grossen Entfernung von dem gemeinen Mittelpunkte
ihres Umlaufs, oder
eine Unmerklichkeit, die durch den Abstand von dem Orte
der Beobachtung veranlasset wird. Lasset uns die
Wahrscheinlichkeit dieses Begriffes durch die Ausrechnung der
Bewegung schätzen, die ein unserer Sonne naher Fixstern
haben würde, wenn wir [setzten], daß
unsere Sonne der Mittelpunkt seines Kreises wäre. [Wenn seine Weite nach dem Huygen über 21000mal grösser, als der Abstand der
Sonne von der Erde angenommen wird; so ist nach dem ausgemachten
Gesetze der Umlaufszeiten, die im Verhältniß der
](#en25205)[Quadratwurzel] aus
[dem Würfel] der Entfernungen vom Mittelpunkte
stehen, die Zeit, die er anwenden müste, seinen
Zirkel um die Sonne einmal zu durchlaufen, von
mehr als anderthalb Millionen Jahre, und dieses
würde in 4000 Jahren eine Verrückung
seines Orts nur um einen Grad setzen. Da nun nur vielleicht sehr
wenige Fixsterne der Sonne so nahe sind, als Huygen den Sirius ihr zu seyn gemuthmasset hat, da die
Entfernung des übrigen Himmelsheeres des letzteren seine vielleicht
ungemein übertrift, und [also zu solcher periodischen Umwendung ungleich
längere Zeiten erfordern würden], überdem auch
wahrscheinlicher ist, daß die Bewegung der Sonnen des Sternenhimmels
um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt gehe, dessen Abstand
ungemein groß, und die Fortrückung der Sterne daher
überaus langsam seyn kan: so läßt sich hieraus
mit Wahrscheinlichkeit abnehmen, daß alle Zeit, seit der man
Beobachtungen am Himmel angestellet hat, vielleicht
noch nicht hinlänglich sey, die Veränderung, die in ihren Stellungen
vorgegangen, zu bemerken. Man darf indessen noch nicht die Hoffnung
aufgeben, auch diese mit der Zeit zu entdecken. Es werden subtile und
sorgfältige Aufmerker, imgleichen eine
Vergleichung weit von einander abstehender
Beobachtungen dazu erfordert. Man müßte diese
Beobachtungen vornemlich auf die Sterne der Milchstrasse
richten
Imgleichen auf diejenige Haufen von Sternen, deren viele in einem kleinen
Raume bey einander seyn, als z. E. das
Siebengestirn, welche vielleicht unter sich ein kleines System in dem
Grössern ausmachen.
, welche der Hauptplan aller Bewegung ist. [Herr ](#en25229)
Bradley
hat
beynahe unmerkliche Fortrückungen der
Sterne beobachtet.
[Die Alten haben Sterne an gewissen Stellen
des Himmels gemerket, und wir sehen neue an
andern. Wer weiß, waren es nicht die vorigen, die
nur den Ort geändert haben](#en25230). Die Vortreflichkeit der Werkzeuge und die
Vollkommenheit der Sternenwissenschaft machen uns
gegründete Hoffnung zu Entdeckung so sonderbarer
Merkwürdigkeiten
[
](#en25333)
de la
Hire
bemerket in den
Memoires der
Academie zu Paris vom Jahr 1693, er habe sowohl aus eigenen
Beobachtungen, als auch aus Vergleichung derselben mit des
Ricciolus seinen eine starke Aenderung in den
Stellungen der Sterne des Siebengestirns wahrgenommen.
. Die Glaubwürdigkeit der Sache selber aus den Gründen
der Natur [und der
Analogie unterstützen] diese Hoffnung so gut, daß sie
die Aufmerksamkeit der Naturforscher reitzen [können], sie in Erfüllung
zu bringen.
[Die Milchstrasse ist, so zu sagen, auch der
Thierkreis neuer Sterne, welche fast in keiner andern
Himmelsgegend, als in dieser, wechselsweise sich sehen lassen
und verschwinden](#en25306). Wenn diese Abwechselung ihrer
Sichtbarkeit von ihrer periodischen
Entfernung und Annäherung zu uns herrühret, so scheinet wohl aus der angeführten systematischen
Verfassung der Gestirne, daß ein solches Phänomenon mehrentheils nur
in dem Bezirk der Milchstrasse müsse gesehen werden. Denn da es
Sterne sind, die in sehr [ablangen] Kreisen um andere Fixsterne als
Trabanten um ihre Hauptplaneten laufen, so erfordert es die Analogie
mit unserm planetischen Weltbau, in welchem nur die dem gemeinen
Plane der Bewegungen nahe Himmelskörper um
sich laufende Begleiter haben, daß auch nur die Sterne,
die in der Milchstrasse sind, um sich laufende Sonnen haben
werden.
Ich komme zu demjenigen
Theile des vorgetragenen Lehrbegriffs, der ihn durch die
erhabene Vorstellung, welche er von dem Plane
der Schöpfung darstellet, am meisten reitzend macht. Die
Reihe der Gedanken, die mich darauf geleitet
haben, ist kurz und ungekünstelt; sie bestehet in folgendem.
Wenn ein System von Fixsternen, welche in ihren Lagen sich auf
eine gemeinschaftliche Fläche beziehen, so wie
wir die Milchstrasse entworfen haben, so weit von uns
entfernet ist, daß alle Kenntlichkeit der einzelnen Sterne,
daraus es bestehet, so gar dem Sehrohre nicht mehr empfindlich ist:
wenn seine Entfernung zu der Entfernung der Sterne der Milchstrasse
eben das Verhältniß, als diese zum Abstande der Sonne von uns hat;
kurz, wenn eine solche Welt von Fixsternen in einem so unermeßlichen
Abstande von dem Auge des Beobachters, das sich ausserhalb
[demselben] befindet,
angeschauet wird, so wird dieselbe unter einem
kleinen Winkel als ein mit schwachem Lichte erleuchtetes Räumchen erscheinen, dessen Figur zirkelrund
seyn wird, wenn seine Fläche sich dem Auge gerade zu darbietet
und elliptisch, wenn es von der Seite gesehen wird. Die
Schwäche des Lichts, die Figur und die kennbare Grösse des
Durchmessers werden ein solches Phänomenon, wenn es vorhanden ist, von
allen Sternen, die einzeln gesehen werden, gar deutlich
unterscheiden.
Man darf sich unter den
Beobachtungen der Sternkundigen nicht lange nach dieser
Erscheinung umsehen. Sie ist von
unterschiedlichen Beobachtern deutlich wahrgenommen worden.
Man hat sich über ihre Seltsamkeit verwundert; man hat
gemuthmasset und bisweilen wunderlichen Einbildungen, bisweilen scheinbaren Begriffen, die
aber doch eben so ungegründet, als die erstern waren, Platz
gegeben. Die neblichten Sterne
sind es, welche wir meynen, oder vielmehr eine
Gattung derselben, die der [Herr von ](#en25414)
Maupertuis
so beschreibet
Abhandlung von der Figur der Sterne.
: Daß es kleine, etwas mehr
als das Finstere des leeren Himmelsraums
erleuchtete Plätzchen seyn, die alle darinn überein
kommen, daß sie mehr oder weniger
offene Ellipsen vorstellen, aber deren Licht
weit schwächer ist, als irgend ein anderes,
das man am Himmel gewahr
wird
.
[Der Verfasser
der Astrotheologie bildete sich ein,
daß es Oeffnungen im Firmamente wären, durch
welche er den Feuerhimmel zu sehen glaubte](#en25419). Ein Philosoph
von erleuchtetern Einsichten, der schon angeführte Herr
von
Maupertuis, hält sie in
Betrachtung ihrer Figur und
kennbaren Durchmessers vor erstaunlich grosse Himmelskörper, die durch ihre von dem Drehungsschwunge
verursachte grosse Abplattung von der Seite gesehen,
elliptische Gestalten darstellen.
Man wird leicht
überführt, daß diese letztere Erklärung
gleichfalls nicht statt finden könne. Weil diese Art
von neblichten Sternen ausser Zweifel zum wenigsten eben so weit als
die übrigen Fixsterne von uns entfernet seyn muß; so wäre nicht allein
ihre Grösse erstaunlich, nach welcher sie auch die grössesten
Sterne viele tausendmal übertreffen müsten, sondern das wäre am allerseltsamsten, daß sie bey dieser
ausserordentlichen Grösse, da es selbstleuchtende Körper und
Sonnen seyn, das allerstumpfste und schwächste Licht an sich zeigen
sollten.
Weit natürlicher und
begreiflicher ist es, daß es nicht einzelne so grosse Sterne, sondern
Systemata von vielen seyn, deren Entfernung sie
in einem so engen Raume darstellet, daß das Licht, welches
von jedem derselben einzeln unmerklich ist, bey ihrer
unermeßlichen Menge in einen einförmigten blassen Schimmer
ausschlägt. Die Analogie mit dem Sternensystem, darinn wir uns
befinden, ihre Gestalt, welche gerade so ist, als sie es nach
unserem Lehrbegriffe seyn muß, die Schwäche des Lichts, die eine
vorausgesetzte unendliche Entfernung [erfordert: alles] stimmet vollkommen überein, diese
elliptische Figuren vor eben dergleichen Weltordnungen, und so zu
reden, Milchstrassen zu halten, deren Verfassung wir eben entwickelt haben; und wenn Muthmassungen in
denen Analogie und Beobachtung vollkommen übereinstimmen,
einander zu unterstützen, eben dieselbe Würdigkeit haben als
förmliche Beweise, so wird man die Gewißheit dieser Systemen
vor ausgemacht halten müssen.
Nunmehro hat die
Aufmerksamkeit der Beobachter des Himmels, Bewegungsgründe genug,
sich mit diesem Vorwurfe zu beschäftigen. Die Fixsterne, wie wir
wissen, beziehen sich alle auf einen
gemeinschaftlichen
Plan, und machen dadurch ein zusammengeordnetes Ganze,
welches eine Welt von Welten ist. Man
siehet, daß in unermeßlichen Entfernungen es mehr solcher Sternensystemen giebt, und daß
die Schöpfung in dem ganzen unendlichen Umfange ihrer Grösse
allenthalben systematisch und
auf einander beziehend ist.
Man könnte noch
muthmassen, daß eben diese höhere Weltordnungen nicht ohne Beziehung gegen einander seyn, und
durch dieses gegenseitige Verhältniß wiederum ein noch unermeßlicheres
System ausmachen. [In der
That siehet man, daß die elliptische Figuren ](#en25524)[dieser] Arten neblichter Sterne, welche der
Herr von
Maupertuis
anführet,
eine sehr nahe Beziehung auf den Plan der Milchstrasse
haben. Es stehet hier ein weites Feld zu
Entdeckungen offen, wozu die Beobachtung den Schlüssel geben
muß. Die eigentlich so genannten neblichten Sterne, und die, über
welche man strittig ist, sie so zu benennen, müsten nach Anleitung
dieses Lehrbegriffs untersucht und geprüft werden. Wenn man die
Theile der Natur nach Absichten und einem entdeckten Entwurfe
betrachtet, so eröfnen sich gewisse
Eigenschaften, die sonst übersehen werden und verborgen
bleiben, wenn sich die Beobachtung
ohne Anleitung auf alle Gegenstände zerstreuet.
Der Lehrbegriff, den
wir vorgetragen haben, eröfnet uns eine Aussicht in das
unendliche Feld der Schöpfung, und bietet eine
Vorstellung von dem Werke GOttes
dar, die der Unendlichkeit des grossen Werkmeisters gemäß ist.
Wenn die Grösse eines planetischen Weltbaues, darinn die Erde als ein Sandkorn kaum bemerket wird,
den Verstand in Verwunderung setzt, mit welchem Erstaunen wird
man entzücket, wenn man die unendliche Menge Welten und
Systemen ansiehet, die den Innbegriff der
Milchstrasse erfüllen; allein wie vermehrt sich dieses Erstaunen,
wenn man gewahr wird, daß alle diese unermeßliche Sternordnungen wiederum die Einheit von einer Zahl
machen, deren Ende wir nicht wissen, und die vielleicht eben so
wie jene unbegreiflich groß, und doch
wiederum noch die Einheit einer neuen Zahlverbindung ist. Wir sehen die ersten Glieder einer
fortschreitenden Verhältniß von Welten und
Systemen, und der erste Theil dieser unendlichen Progreßion
giebt schon zu erkennen, was man von dem Ganzen vermuthen soll.
Es ist hie kein Ende, sondern ein Abgrund einer wahren
Unermeßlichkeit, worinn alle Fähigkeit der
menschlichen Begriffe sinket, wenn sie gleich durch
die Hülfe der Zahlwissenschaft erhoben wird. Die Weisheit, die Güte,
die Macht, die sich offenbaret hat, ist unendlich, und in eben der
Maasse fruchtbar und geschäftig; der Plan ihrer
Offenbarung muß daher eben wie sie unendlich und ohne Grenzen
seyn.
Es sind aber nicht
allein im Grossen wichtige Entdeckungen zu machen, die den Begriff
zu erweitern dienen, den man sich von der Grösse der Schöpfung
machen kann. Im Kleinern ist nicht weniger unentdeckt, und wir
sehen sogar in unserer Sonnenwelt die Glieder eines Systems, die
unermeßlich weit von einander abstehen, und zwischen welchen man
die Zwischentheile noch nicht entdecket hat.
Sollte zwischen dem Saturn, dem äussersten unter den
Wandelsternen, die wir kennen, und dem am wenigsten
eccentrischen Cometen, der vielleicht von einer 10 und
mehrmal entlegenern Entfernung zu uns
herabsteigt, kein Planet mehr seyn, dessen Bewegung
der cometischen näher als jener käme? und solten nicht noch andere
mehr durch eine Annäherung ihrer Bestimmungen, vermittelst einer
Reihe von Zwischengliedern, die Planeten nach und nach in Cometen
verwandeln, und die letztere Gattung mit der erstern
zusammenhängen?
Das Gesetz, nach
welchem die Eccentricität der Planetenkreise
sich in Gegenhaltung ihres Abstandes von der Sonne verhält,
unterstützt diese Vermuthung. Die Eccentricität in
den Bewegungen der Planeten nimmt
[mit derselben Abstande] von der Sonne
zu, und die entfernten Planeten kommen dadurch der Bestimmung
der Cometen näher. Es ist also zu vermuthen, daß es noch andere
Planeten über dem Saturn geben wird, welche noch eccentrischer, und
dadurch also jenen noch näher verwandt, vermittelst einer beständigen Leiter die Planeten endlich zu
Cometen machen. [Die Eccentricität ist bey der Venus
⅟](#en25706)126
von der
halben Achse ihres elliptischen Kreises; bey der Erde
⅟58, beym
Jupiter
⅟20,
und beym Saturn
⅟17
derselben; sie nimmt also
augenscheinlich mit den Entfernungen zu. Es ist wahr,
Merkur und Mars nehmen sich durch ihre viel grössere
Eccentricität, als das Maaß ihres Abstandes von
der Sonne es erlaubet, von diesem Gesetze aus; aber wir
werden im folgenden belehret
werden, daß eben [dieselbe
Ursache], weswegen einigen Planeten bey ihrer Bildung eine kleinere Masse zu Theil worden,
auch die Ermangelung des zum Cirkellaufe erforderlichen
Schwunges, folglich die
Eccentricität nach sich gezogen, folglich sie in beyden
Stücken unvollständig gelassen hat.
Ist es diesem
zu folge nicht wahrscheinlich: daß die [Abnahme] der Eccentricität der über dem Saturn
zunächst befindlichen Himmelskörper
ohngefehr eben so gemäßigt, als in den untern sey, und daß
die Planeten durch minder plötzliche Abfälle mit dem
Geschlechte der Cometen verwandt [seyn; denn] es ist gewiß, daß eben diese
Eccentricität den wesentlichen
Unterschied zwischen den Cometen und Planeten macht, und die Schweife
und Dunstkugeln derselben nur deren Folge seyn; imgleichen, daß
eben die Ursache, welche es auch immerhin seyn mag, die den
Himmelskörpern ihre Kreisbewegungen ertheilet hat,
bey grössern Entfernungen nicht allein schwächer gewesen, den
Drehungsschwung der Senkungskraft
gleich zu machen, und dadurch die Bewegungen eccentrisch gelassen hat, sondern auch eben
deswegen weniger vermögend gewesen, die Kreise dieser
Kugeln auf eine gemeinschaftliche
Fläche, auf welcher sich die untern bewegen, zu bringen,
und dadurch die Ausschweifung der Cometen nach allen Gegenden
veranlasset
hat.
Man würde nach dieser
Vermuthung noch vielleicht die Entdeckung neuer Planeten über den
Saturn zu hoffen haben, die eccentrischer als dieser, und also
der cometischen Eigenschaft näher seyn würden; aber eben daher würde
man sie nur eine kurze Zeit, nemlich in der Zeit ihrer Sonnennähe,
erblicken können, welcher Umstand
zusammt dem
geringen Maasse der Annäherung und der Schwäche des
Lichts die Entdeckung [desselben] bisher verhindert haben, und auch aufs
künftige schwer machen müssen. Der letzte Planet und erste Comet
würde, wenn es so beliebte, derjenige können genannt werden,
dessen Eccentricität so groß wäre, daß er
in seiner Sonnennähe den Kreis des ihm nächsten Planeten,
vielleicht also des Saturns, durchschnitte.
Allgemeine
Naturgeschichte
und
Theorie des Himmels.
Zweyter
Theil,
Erstes
Hauptstück,
von
dem
Ursprunge des planetischen Weltbaues überhaupt,
und den Ursachen
[ihrer Bewegungen].
Die Betrachtung des
Weltbaues zeiget in Ansehung der gewechselten Beziehungen, die seine
Theile unter einander haben, und wodurch sie die Ursache bezeichnen,
von der sie herstammen, zwo Seiten, welche beyde gleich
wahrscheinlich und annehmungswürdig seyn. Wenn
man eines Theils erweget: daß 6 Planeten mit
[9] Begleitern, die um die
Sonne, als ihren Mittelpunkt, Kreise beschreiben, alle nach
einer Seite sich bewegen, und zwar
nach derjenigen, nach welcher sich die Sonne
selber drehet, welche ihrer alle Umläufe durch die Kraft der
Anziehung regieret, daß ihre Kreise nicht weit von einer
gemeinen Fläche abweichen, nemlich von der
verlängerten Aeqvatorsfläche der Sonnen, daß bey den
entferntesten der zur
Sonnenwelt gehörigen Himmelskörper, wo die gemeine Ursache der Bewegung dem Vermuthen nach nicht so kräftig
gewesen, als in der Naheit zum
Mittelpuncte Abweichungen von der Genauheit dieser Bestimmungen Statt gefunden, die mit dem
Mangel der eingedruckten Bewegung ein genugsames Verhältniß
haben, wenn man, sage ich, allen diesen Zusammenhang erweget: so wird
man bewogen, zu glauben, daß eine
Ursache, welche es auch sey, einen durchgängigen Einfluß in dem ganzen Raume des Systems gehabt
hat, und daß die Einträchtigkeit in der Richtung und Stellung der
planetischen Kreise eine Folge der Uebereinstimmung sey, die sie alle mit
derjenigen materialischen Ursache gehabt haben müssen, dadurch sie in
Bewegung gesetzet worden.
Wenn wir andern Theils
den Raum erwegen, in dem die Planeten unsers Systems herum
laufen, so ist er vollkommen leer
[Ich untersuche hier nicht, ob
dieser Raum in dem allereigentlichsten
Verstande könne leer genannt werden. Denn allhier ist genug zu
bemerken, daß alle Materie, die etwa in diesem Raume anzutreffen
seyn möchte, viel zu unvermögend sey, als daß sie in Ansehung der
bewegten Massen, von denen die Frage ist, einige Wirkung verüben
könnte](#en26232).
und aller Materie beraubt, die eine Gemeinschaft des
Einflusses auf diese Himmelskörper
verursachen, und die Uebereinstimmung unter ihren
Bewegungen nach sich ziehen könnte. Dieser Umstand ist mit
vollkommener Gewißheit ausgemacht,
und übertrifft noch, wo möglich, die vorige
Wahrscheinlichkeit. [
Newton, durch diesen Grund bewogen, konnte keine
materialische Ursache verstatten, die durch ihre
Erstreckung in dem Raume des Planetengebäudes die Gemeinschaft der Bewegungen unterhalten
sollte. Er behauptete,
die unmittelbare Hand GOttes habe diese Anordnung
ohne die Anwendung der Kräfte der Natur
ausgerichtet](#en26210).
Man siehet bey
unpartheyischer Erwegung: daß die Gründe hier
von beyden Seiten gleich stark und beyde einer völligen
Gewißheit gleich zu schätzen seyn. Es ist aber eben so klar,
daß ein Begriff seyn müsse, in welchem diese dem Scheine nach wider
einander streitende Gründe vereiniget werden können und sollen, und
daß in diesem Begriffe das wahre System zu suchen sey. Wir wollen
ihn mit kurzen Worten anzeigen. In der
jetzigen Verfassung des Raumes, darin die Kugeln der ganzen Planetenwelt
umlaufen, ist keine materialische Ursache
vorhanden, die ihre Bewegungen
eindrücken oder richten könnte. Dieser Raum ist vollkommen
leer, oder wenigstens so gut als leer; also muß er ehemals anders
beschaffen und mit genugsam vermögender Materie erfüllet gewesen seyn,
die Bewegung auf alle darinn befindliche
Himmelskörper zu übertragen, und
sie mit der ihrigen, folglich alle unter einander einstimmig zu machen, und nachdem die Anziehung
besagte Räume gereinigt und alle ausgebreitete Materie in
besondere Klumpen versammlet; so müssen die Planeten
nunmehro mit der einmal eingedrückten
Bewegung ihre Umläufe in einem nicht widerstehenden Raume frey
und unverändert fortsetzen. Die Gründe der zuerst
angeführten Wahrscheinlichkeit erfordern durchaus
diesen Begriff, und weil zwischen beyden Fällen kein
dritter möglich ist; so kann dieser mit einer
vorzüglichen Art des Beyfalles,
welcher ihn über die Scheinbarkeit einer Hypothese erhebet,
angesehen werden. Man könnte, wenn man weitläuftig seyn wollte, durch eine Reihe aus einander
gefolgerter Schlüsse, nach der Art einer mathematischen
Methode, mit allem Gepränge, [den] diese mit sich führet und noch mit
grösserm Schein, als ihr Aufzug in physischen Materien
gemeinhin zu seyn pfleget, endlich auf den
Entwurf selber kommen, den ich von dem Ursprunge des Weltgebäudes
darlegen werde; allein ich will meine Meinungen lieber in der
Gestalt einer Hypothese vortragen, und der Einsicht des Lesers es
überlassen, ihre Würdigkeit zu prüfen, als durch den
Schein einer erschlichenen Ueberführung ihre Gültigkeit verdächtig machen, und indem ich
die Unwissenden einnehme, den
Beyfall der Kenner verlieren.
Ich nehme an: daß alle
Materien, daraus die Kugeln, die zu unserer Sonnenwelt
gehören, alle Planeten und Cometen bestehen, im Anfange aller Dinge
in ihren elementarischen Grundstoff aufgelöset, den ganzen Raum des Weltgebäudes erfüllet haben,
darinn jetzo diese gebildete Körper herumlaufen. Dieser Zustand der
Natur, wenn man ihn, auch ohne Absicht auf ein System, an und vor
sich selbst betrachtet, scheinet [nur] der einfachste zu seyn, der
auf das Nichts folgen kann. Damals hatte sich noch nichts
gebildet. Die Zusammensetzung von einander abstehender Himmelskörper,
ihre nach den Anziehungen gemäßigte Entfernung; ihre Gestalt, die
aus dem Gleichgewichte der versammleten Materie entspringet, sind
ein späterer Zustand. Die Natur, die unmittelbar mit der
Schöpfung gränzete, war so roh, so ungebildet als möglich. Allein
auch in den wesentlichen Eigenschaften der Elemente, die das Chaos ausmachen, ist das Merkmal derjenigen
Vollkommenheit zu spüren, die
sie von ihrem Ursprunge her haben, indem ihr Wesen aus der
ewigen Idee des göttlichen Verstandes eine Folge ist. Die einfachsten,
die allgemeinsten Eigenschaften, die ohne
Absicht scheinen entworfen zu seyn; die Materie, die bloß leidend
und der Formen und Anstalten bedürftig zu seyn scheinet, hat in ihrem
einfachsten Zustande eine
Bestrebung, sich durch eine natürliche Entwickelung zu
einer vollkommenern Verfassung zu bilden. Allein die
Verschiedenheit inden
Gattungen der Elemente träget zu der [Regung] der Natur
und zur
Bildung des Chaos das vornehmste bey, als wodurch die
Ruhe, die bey einer allgemeinen Gleichheit unter den zerstreuten
Elementen herrschen würde, [gehoben], und das Chaos in den Punkten
der stärker anziehenden Partikeln sich zu bilden anfängt. Die
Gattungen dieses Grundstoffes sind ohne Zweifel, nach der
Unermeßlichkeit, die die Natur an allen Seiten zeigt,
unendlich verschieden. Die von gröster specifischen Dichtigkeit und
Anziehungskraft, welche an und vor sich weniger Raum
einnehmen und auch seltener seyn, werden daher bey der gleichen
Austheilung in dem Raume der Welt zerstreuter,
als die leichtern Arten seyn. Elemente von 1000mal grösserer
specifischen Schwere sind tausend, vielleicht auch
Millionenmal zerstreuter, als die in diesem Maasse
leichtern. Und da diese Abfälle so unendlich als
möglich müssen gedacht werden, so
wird, gleichwie es körperliche Bestandtheile von einer Gattung geben kan, die eine andere in
dem Maasse an Dichtigkeit übertrifft, als eine Kugel, die mit dem
Radius des Planetengebäudes beschrieben worden, eine andere, die den
tausendsten Theil einer [Linie](#en26417) im Durchmesser hat, also auch jene Art von
zerstreuten Elementen um einen so
viel grössern Abstand von einander entfernet seyn, als
diese.
Bey einem auf
solche Weise erfüllten Raume dauert die
allgemeine Ruhe nur einen Augenblick. Die Elemente haben wesentliche
Kräfte, einander in Bewegung zu setzen, und sind sich selber eine
Qvelle des Lebens. Die Materie ist sofort in Bestrebung, sich zu
bilden. Die zerstreuten Elemente dichterer Art sammlen, vermittelst
der Anziehung, aus einer Sphäre rund um sich alle Materie von minder
specifischer Schwere; sie selber aber, zusamt der
Materie, die sie mit sich vereinigt haben,
sammlen sich in den Puncten, da die Theilchen von
noch dichterer Gattung befindlich seyn, diese gleichergestalt
zu noch dichteren und so fortan. Indem man also dieser
sich bildenden Natur in Gedanken durch den
ganzen Raum des Chaos nachgehet, so wird man leichtlich inne: daß
alle Folgen dieser Wirkung zuletzt in der
Zusammensetzung verschiedener
Klumpen bestehen [würden], die nach
Verrichtung ihrer Bildungen durch die Gleichheit der
Anziehung ruhig und auf immer unbewegt seyn
würden.
[Allein die Natur hat noch
andere Kräfte im Vorrath, welche sich vornemlich äussern,
wenn die Materie in feine Theilchen
aufgelöset ist, als wodurch selbige einander
zurück stossen und durch ihren Streit
mit
der Anziehung diejenige Bewegung hervor bringen, die
gleichsam ein dauerhaftes Leben der Natur ist. Durch diese
Zurückstossungskraft, die sich in der Elasticität der Dünste,
dem Ausflusse starkriechender Körper und der Ausbreitung aller
geistigen Materien offenbaret, und die ein
unstreitiges Phänomenon der Natur ist, werden die zu
ihren Anziehungspunkten sinkende Elemente durcheinander von der
geradlinichten Bewegung seitwärts
gelenket, und der senkrechte Fall schlägt in Kreisbewegungen aus,
die den Mittelpunkt der Senkung umfassen](#en26435). Wir wollen, um die Bildung des Weltbaues
deutlich zu begreifen, unsere Betrachtung von dem unendlichen
Inbegriffe der Natur auf ein besonderes System einschränken, so wie
dieses zu unserer Sonne gehörige ist.
Nachdem wir die Erzeugung desselben erwogen haben,
so werden wir auf eine ähnliche Weise zu dem Ursprunge der
höhern Weltordnungen fortschreiten, und die Unendlichkeit der
ganzen Schöpfung in einem Lehrbegriffe zusammen fassen
können.
Wenn demnach ein Punkt
in einem sehr grossen Raume befindlich ist, wo die Anziehung
der daselbst befindlichen Elemente stärker als allenthalben um sich
wirket; so wird der in dem ganzen Umfange ausgebreitete Grundstoff elementarischer Partikeln sich zu
diesem hinsenken. Die erste Wirkung dieser allgemeinen
Senkung ist die Bildung eines Körpers in diesem Mittelpunkte der
Attraction, welcher so zu sagen von einem unendlich kleinen Keime, in
schnellen Graden fortwächset, aber in eben der Maasse, als diese Masse
sich vermehret, auch mit stärkerer Kraft die umgebenden
Theile zu seiner Vereinigung beweget. Wenn die Masse dieses
Centralkörpers so weit angewachsen ist, daß [die Geschwindigkeit, womit er die Theilchen von
grossen Entfernungen zu
sich zieht, durch die schwachen Grade der Zurückstossung,
womit selbige einander hindern, seitwärts gebeuget
in Seitenbewegungen ausschläget], die den Centralkörper, vermittelst der
[Centerfliehkraft], in einem
Kreise zu umfassen im Stande seyn: so erzeugen sich grosse
Wirbel von Theilchen, deren jedes vor sich krumme Linien durch
die Zusammensetzung der anziehenden und
der seitwärts gelenkten Umwendungskraft
beschreibet; welche Arten von Kreisen alle einander
durchschneiden, wozu ihnen ihre grosse Zerstreuung in diesem Raume Platz
läßt. Indessen sind diese auf mancherley Art unter einander
streitende Bewegungen natürlicher Weise bestrebt,
einander zur Gleichheit zu bringen, das ist, in einen
Zustand, da eine Bewegung der andern
so wenig als möglich hinderlich
ist. Dieses geschiehet erstlich, indem die Theilchen, eines des andern
Bewegung so lange einschränken, bis
alle nach einer Richtung fortgehen; [zweytens indem] die Partikeln ihre
Vertikalbewegung, vermittelst der sie sich dem Centro der
Attraction nähern, so lange einschränken, bis
sie alle horizontal, d. i. in parallel laufenden Zirkeln um
die Sonne als ihren Mittelpunkt beweget, einander nicht mehr
durchkreutzen, und durch die Gleichheit der Schwungskraft mit der
senkenden sich in freyen Zirkelläufen in der Höhe, da sie
schweben, immer erhalten; so daß endlich nur diejenige Theilchen in dem Umfange des Raumes
schweben bleiben, die durch ihr Fallen eine Geschwindigkeit, und
durch die Widerstehung der
andern eine Richtung bekommen haben, dadurch sie
eine freye Zirkelbewegung fortsetzen
können. In diesem Zustande, da alle Theilchen nach einer Richtung und
in parallellauffenden Kreisen, nemlich in freyen Zirkelbewegungen durch
die erlangte Schwungskräfte um den Centralkörper laufen, ist der
Streit und der Zusammenlauf der Elemente gehoben, und alles ist in
dem Zustande der kleinsten Wechselwirkung. Dieses ist die
natürliche Folge, darein sich allemal eine Materie, die in
streitenden Bewegungen begriffen ist, versetzet.
Es ist also klar, daß von der zerstreuten Menge der
Partikeln eine grosse Menge durch den Widerstand, dadurch sie
einander auf diesen Zustand zu bringen suchen, zu solcher Genauheit
der Bestimmungen gelangen muß; obgleich eine noch viel grössere
Menge dazu nicht gelanget, und nur dazu dienet, den Klumpen des
Centralkörpers zu vermehren, in welchen sie sinken, indem sie sich nicht
in der Höhe, darinn sie schweben, frey erhalten können,
sondern die Kreise der untern durchkreutzen und endlich durch deren
Widerstand alle Bewegung verlieren. Dieser
Körper in dem Mittelpunkte der Attraction, der diesem zufolge
das Hauptstück des planetischen Gebäudes durch die Menge seiner
versammleten Materie worden ist, ist die Sonne, ob sie gleich
diejenige flammende Gluth alsdenn noch nicht hat, die nach völlig
vollendeter Bildung auf ihrer Oberfläche hervor
bricht.
Noch ist zu bemerken:
daß, indem also alle Elemente der sich bildenden Natur, wie
erwiesen, nach einer Richtung um den
Mittelpunkt der Sonne sich bewegen,
bey solchen nach einer einzigen Gegend gerichteten Umläufen,
die gleichsam auf einer gemeinschaftlichen Achse geschehen, die Drehung
der feinen Materie in dieser Art nicht bestehen kann; weil nach den
Gesetzen der Centralbewegung alle Umläufe
mit dem
Plan ihrer Kreise den Mittelpunkt der Attraction
durchschneiden müssen; unter allen diesen aber um eine
gemeinschaftliche Achse, nach einer Richtung laufenden Zirkeln nur ein
einziger ist, der den Mittelpunkt der
Sonne durchschneidet, daher alle Materie von beyden
Seiten dieser in Gedanken gezogenen Achse nach demjenigen Cirkel
hineilet, der durch die [Achse
der Drehung] gerade in dem Mittelpunkte der
gemeinschaftlichen Senkung
[gehet; welcher] Zirkel der
Plan der Beziehung aller herumschwebenden Elemente ist, um
welchen sie sich so sehr als möglich häufen, und dagegen die von
dieser Fläche entferneten Gegenden leer lassen; denn
diejenigen, welche dieser Fläche, zu welcher sich
alles dränget, nicht so nahe kommen können, werden sich in den
Oertern, wo sie schweben, nicht immer erhalten können, sondern, indem
sie an die herumschwebenden Elemente stossen, ihren endlichen Fall zu der Sonne
veranlassen.
Wenn man also diesen
herumschwebenden Grundstoff der Weltmaterie in solchem Zustande, darinn er sich selbst durch
die Anziehung und durch einen mechanischen Erfolg der allgemeinen
Gesetze des Widerstandes
versetzet, erweget; so sehen wir einen Raum, der zwischen
zwey nicht weit von einander abstehenden Flächen, in
[dessen] Mitte der
allgemeine Plan der Beziehung sich
befindet, begriffen ist, von dem Mittelpunkte der Sonne an, in unbekannte Weiten ausgebreitet,
in welchem alle begriffene Theilchen, jegliche nach Maaßgebung ihrer
Höhe und der Attraction, die daselbst herrschet, abgemessene
Zirkelbewegungen in freyen Umläufen verrichten, und daher, indem
sie bey solcher Verfassung einander so wenig
als möglich mehr hindern, darinn immer
verbleiben würden, wenn die Anziehung dieser Theilchen des
Grundstoffes unter einander nicht alsdenn anfienge,
[seine] Wirkung zu thun und
neue Bildungen, die der Saame zu Planeten, welche entstehen
sollen, seyn, dadurch veranlassete. Denn, indem die um die Sonne in
parallelen Zirkeln bewegte Elemente, in nicht gar zu grossem
Unterschiede des Abstandes von der Sonne genommen, durch
die Gleichheit der parallelen Bewegung, beynahe in respectiver Ruhe
gegen einander seyn; so thut die Anziehung der daselbst befindlichen
Elemente, von übertreffender specifischer Attraction, sogleich hier
eine beträchtliche Wirkung
[Der Anfang der sich bildenden Planeten ist nicht
allein in der Newtonischen
Anziehung zu suchen. Diese würde bey einem Partikelchen, von so
ausnehmender Feinigkeit, gar zu langsam und schwach seyn. Man würde
vielmehr sagen, daß in diesem Raume die erste Bildung durch den
Zusammenlauf einiger Elemente, die sich durch die gewöhnlichen Gesetze des Zusammenhanges vereinigen, geschehe, bis
derjenige Klumpen, der daraus entstanden, nach und nach so weit
angewachsen, daß die Newtonische
Anziehungskraft an ihm vermögend geworden, ihn durch seine Wirkung
in die Ferne immer mehr zu vergrössern](#en26734).
, die Sammlung der nächsten Partikeln zur Bildung eines Körpers
anzufangen, der, nach dem Maasse des
Anwuchses seines Klumpens, seine Anziehung weiter
ausbreitet, und die Elemente aus weitem Umfange zu seiner
Zusammensetzung bewegt.
Die Bildung der
Planeten, in diesem System, hat vor einem jeden möglichen Lehrbegriffe
dieses voraus: daß der Ursprung der Massen zugleich den Ursprung
der Bewegungen und die Stellung der Kreise in eben demselben
Zeitpuncte darstellet; ja, daß sogar die
Abweichungen von der grössesten Genauheit in diesen
Bestimmungen eben sowol, als die Uebereinstimmungen selber, in einem
Anblicke erhellen. Die Planeten bilden sich aus den Theilchen, welche in
der Höhe, da sie schweben, genaue Bewegungen zu
Zirkelkreisen haben: also werden die aus
ihnen zusammengesetzte Massen eben
dieselbe Bewegungen, in ebendem Grade,
nach eben derselben Richtung fortsetzen.
Dieses ist genug, um einzusehen, woher die Bewegung der Planeten
ohngefehr cirkelförmig, und ihre Kreise auf einer Fläche seyn. Sie
würden auch ganz genaue Zirkel seyn
Diese abgemessene Cirkelbewegung betrifft eigentlich nur die der Sonne nahen Planeten: denn von den grossen
Entfernungen, da sich die entlegensten Planeten oder auch die Cometen
gebildet haben, ist leicht zu vermuthen, daß, weil die sinkende Bewegung
des Grundstoffs daselbst viel schwächer, die Weitläuftigkeit der Räume,
da sie zerstreuet seyn, auch grösser ist, die Elemente daselbst an und
vor sich schon von der zirkelgleichen Bewegung abweichen, und dadurch
die [Ursache der]
daraus gebildeten Körper seyn müssen.
, wenn die Weite, daraus sie die
Elemente zu ihrer Bildung versammlen, sehr klein, und also der
Unterschied [ihrer Bewegungen] sehr gering wäre. Da aber
dazu ein weiter Umfang gehöret, aus dem
feinen Grundstoffe, der in dem Himmelsraum so
sehr zerstreuet ist, einen dichten Klumpen eines Planeten zu
bilden; so ist der Unterschied der Entfernungen, die diese Elemente von
der Sonne haben, und mithin auch der Unterschied ihrer
Geschwindigkeiten nicht mehr geringschätzig, folglich würde
nöthig seyn, daß, um bey diesem Unterschiede der Bewegungen dem Planeten
die Gleichheit der Centralkräfte und
die Zirkelgeschwindigkeit zu erhalten, die Theilchen, die
aus verschiedenen Höhen mit verschiedenen Bewegungen auf ihm
zusammen kommen, eine den Mangel der andern genau ersetzten,
welches, ob es gleich in der That ziemlich genau geschiehet
Denn die Theilchen, von der zur Sonne nähern Gegend, welche eine grössere
Umlaufsgeschwindigkeit haben, als in dem
Orte, da sie auf dem Planeten sich versammlen, zur Cirkelbewegung
erfordert wird, ersetzen dasjenige, was denen von der Sonne entfernteren
Theilchen, die sich eben demselben Körper einverleiben, an
Geschwindigkeit fehlet, um in dem Abstande des Planeten zirkelförmig zu
laufen.
, dennoch, da an dieser vollkommenen Ersetzung
etwas fehlet, den [Abgang an der]
Zirkelbewegung und die Eccentricität nach sich ziehet.
Eben so leicht erhellet, daß, obgleich die Kreise aller
Planeten billig auf einer Fläche seyn sollten,
dennoch auch in diesem Stücke eine kleine Abweichung anzutreffen
ist, weil, wie schon erwehnet, die elementarischen Theilchen, da sie sich
dem allgemeinen [Beziehungsplane] ihrer Bewegungen so nahe als möglich befinden,
dennoch einigen Raum von beyden
Seiten desselben einschliessen; da es denn ein gar zu glückliches
Ohngefehr seyn würde, wenn gerade alle Planeten ganz genau in der Mitte
zwischen diesen zwey Seiten, in der Fläche der Beziehung, selber sich
zu bilden anfangen sollten, welches denn schon
einige Neigung ihrer Kreise gegen einander veranlasset, obschon
die Bestrebung der Partikeln, von beyden Seiten diese [Ausweichung] so sehr als
möglich einzuschränken, ihr nur enge Grenzen zulässet. Man darf
sich also nicht wundern, auch hier die grösseste
Genauheit der Bestimmungen so wenig, wie bey allen Dingen
der Natur, anzutreffen, weil überhaupt die
Vielheit der Umstände, die an jeglicher Naturbeschaffenheit
Antheil nehmen, eine abgemessene Regelmäßigkeit nicht
verstattet.
Zweytes Hauptstück,
von
der
verschiedenen Dichtigkeit der
Planeten,
und dem Verhältnisse ihrer
Massen.
Wir haben gezeiget,
daß die Theilchen des elementarischen Grundstoffes, da sie an und vor sich in dem Weltraume gleich
ausgetheilet waren, durch ihr Niedersinken zur Sonne,
in den Orten schweben geblieben, wo
ihre im Fallen erlangte Geschwindigkeit gerade die Gleichheit gegen die Anziehung leistete, und ihre
Richtung so, wie sie bey der Zirkelbewegung seyn soll, senkrecht
gegen den [Zirkelstrahl]
gebeuget worden. Wenn wir nun aber Partikeln, von unterschiedlicher
specifischer Dichtigkeit, in gleichem Abstande von der
Sonne gedenken, so dringen die von grösserer specifischen Schwere
tiefer, durch den Widerstand der andern zur Sonne
hindurch, und werden nicht so bald von ihrem
Wege abgebeuget, als die leichteren; daher ihre Bewegung nur in
einer grösseren Annäherung zur Sonne zirkelförmigt wird.
Dagegen werden die Elemente leichterer Art, eher von dem
geradlinichten Falle abgebeuget, in Zirkelbewegungen
ausschlagen, ehe sie so tief zu dem Centro
hindurch gedrungen seyn, und also in grösseren Entfernungen
schweben bleiben, auch durch den erfüllten Raum der
Elemente nicht so tief hindurch dringen können, ohne daß ihre
Bewegung durch dieser ihren Widerstand geschwächet wird, und sie die grossen Grade der
Geschwindigkeit, die zur Umwendung näher beym
Mittelpunkte erfordert werden, nicht erlangen können; also
werden, nach erlangter Gleichheit der
Bewegungen, die specifisch leichtern Partikeln in
weitern Entfernungen von der Sonne umlaufen, die
schwereren aber in den näheren anzutreffen seyn,
und die Planeten, die sich aus ihnen bilden, werden daher
dichterer Art seyn, welche sich näher zur Sonne, als die sich weiter
von ihr aus dem Zusammenlaufe dieser Atomen
formiren.
Es ist also eine Art
eines statischen Gesetzes, welches den Materien des Weltraumes ihre Höhen, nach dem [verkehrten] Verhältnisse
der Dichtigkeit, bestimmet. Gleichwohl ist es eben so leicht
zu begreifen: daß nicht eben eine jegliche Höhe nur Partikeln von
gleicher specifischen Dichtigkeit einnehmen müsse. Von denen
Theilchen, von gewisser specifischen Gattung, bleiben
diejenigen in grössern Weiten von der Sonne
schweben, und erlangen die zur beständigen Zirkelbewegung
erforderliche Mässigung ihres Falles in weiterm Abstande, welche
von grössern Entfernungen zu ihr herab gesunken; dagegen die,
deren ursprünglicher Ort, bey der allgemeinen Austheilung
der Materien im Chaos, der Sonne näher war, ungeachtet ihrer
nicht grössern Dichtigkeit, näher [zu
dieser ihrem] Zirkel des Umlaufs kommen werden. Und da
also die Oerter der Materien, in Ansehung des Mittelpunkts
ihrer Senkung, nicht allein durch die specifische Schwere derselben,
sondern auch durch ihre ursprünglichen Plätze, bey der ersten Ruhe der Natur bestimmet
werden: so ist leicht zu erachten, daß ihrer sehr verschiedene
Gattungen, in jedem
Abstande von der Sonne, zusammen kommen werden, um
daselbst hängen zu bleiben, daß überhaupt aber die dichtern
Materien häufiger zu dem Mittelpunkte hin, als weiter von
ihm ab, werden angetroffen werden; und daß also, ungeachtet die
Planeten eine Mischung sehr verschiedentlicher Materien seyn werden,
dennoch überhaupt ihre Massen dichter seyn müssen, nach dem Maasse, als
sie der Sonne näher seyn, und minderer Dichtigkeit, nachdem ihr
Abstand grösser ist.
Unser System zeiget in
Ansehung dieses, unter den Planeten herrschenden Gesetzes ihrer Dichtigkeiten, eine vorzügliche
Vollkommenheit vor allen denjenigen Begriffen, die man
sich von ihrer Ursache gemacht hat, oder noch machen könnte.
[
](#en27111)
Newton, der die Dichtigkeit
einiger Planeten durch Rechnung bestimmet
hatte, glaubte, die Ursache, ihres nach dem Abstande
eingerichteten Verhältnisses, in der
Anständigkeit der Wahl GOttes und in den
Bewegungsgründen seines Endzwecks zu finden; weil die
der Sonne näheren Planeten mehr Hitze von ihr
aushalten müssen, und die
entferntern, mit wenigern Graden der Wärme sich behelfen
sollen; welches nicht möglich zu seyn scheinet, wenn
die, der Sonne nahen Planeten, nicht dichterer Art,
und die
entferneteren von leichterer Materie
zusammengesetzt wären. Allein die Unzulänglichkeit einer solchen Erklärung einzusehen, erfordert nicht
eben viel Nachsinnen. Ein
Planet, z. E. unsere Erde, ist aus sehr weit von
einander unterschiedenen Gattungen Materie zusammen gesetzt; unter
diesen war es nun nöthig, daß die leichteren, die durch die gleiche
Wirkung der Sonne mehr durchdrungen und bewegt werden, deren
Zusammensatz ein Verhältniß zu der Wärme hat, womit
ihre Strahlen wirken, auf der Oberfläche ausgebreitet seyn musten;
allein daß die Mischung der übrigen Materien, im Ganzen des
Klumpens, diese Beziehung haben müssen, erhellet hieraus gar nicht; weil
die Sonne auf das innere der Planeten gar keine Wirkung
thut. [
](#en27129)
Newton
befurchte, wenn die
Erde bis zu der Nähe des Merkurs in den Strahlen der Sonne
versenket würde, so dürfte sie wie ein Comet
brennen, und ihre Materie nicht genugsame
Feuerbeständigkeit haben, um durch diese Hitze nicht
zerstreuet zu werden. Allein, um wie
vielmehr müste der Sonnen eigene Materie selber, welche
doch 4mal leichter, als die ist, daraus die Erde besteht, von dieser
Gluth zerstöret werden; oder warum ist der Mond zweymal dichter, als
die Erde, da er doch mit dieser in eben
demselben Abstande von der Sonne [schwebet.] Man kan also die
proportionirten Dichtigkeiten nicht der Verhältniß zu der Sonnenwärme
zuschreiben, ohne sich in die grösseste Widersprüche
zu verwickeln. Man siehet [vielmehr, eine] Ursache, die
die Oerter der Planeten nach der Dichtigkeit ihres Klumpens
austheilet, müsse auf das innere ihrer Materie,
und nicht auf ihre Oberfläche eine Beziehung gehabt haben; sie
müsse, ohnerachtet dieser Folge, die sie bestimmete, doch eine
Verschiedenheit der Materie in eben demselben
Himmelskörper verstatten, und nur im Ganzen des
Zusammensatzes dieses Verhältniß der Dichtigkeit
fest setzen; welchem allen, ob irgend ein anderes statisches
Gesetze, als wie das, so in unserer Lehrverfassung
vorgetragen wird, ein Gnüge leisten könne, überlasse ich
der Einsicht des Lesers, zu urtheilen.
Das Verhältniß unter
den Dichtigkeiten der Planeten führet noch einen Umstand mit sich,
der, durch eine völlige Uebereinstimmung mit der vorher entworfenen
Erklärung, die Richtigkeit unseres Lehrbegriffes bewähret. Der
Himmelskörper, der in dem Mittelpunkte anderer
um ihn laufenden Kugeln stehet, ist gemeiniglich leichterer
Art, als der Körper, der am nächsten um ihn herum läuft. Die
Erde in Ansehung des Mondes, und die Sonne in Ansehung der
Erde, zeigen ein solches Verhältniß ihrer
Dichtigkeiten. Nach dem Entwurfe, den wir
dargelegt haben, ist eine solche Beschaffenheit nothwendig. Denn,
da die untern Planeten vornemlich von dem Ausschusse der
elementarischen [Materien] gebildet worden, welche durch den Vorzug
ihrer Dichtigkeit, bis zu solcher Nähe zum Mittelpunkte,
mit dem erforderlichen Grade der Geschwindigkeit haben dringen können; dagegen der Körper in dem
Mittelpunkte selber, ohne Unterscheid aus denen
Materien aller vorhandenen Gattungen, die ihre gesetzmäßige
Bewegungen nicht erlanget haben, zusammen gehäufet worden, unter welchen, da die leichteren Materien den
grössesten Theil ausmachen, es leicht einzusehen ist, daß, weil der
nächste oder die nächsten zu dem Mittelpunkt umlaufenden
Himmelskörper gleichsam eine Aussonderung dichterer Sorten, der
Centralkörper aber, eine Mischung von allen ohne
Unterschied in sich fasset, [jenes seine
Substanz dichterer Art, als dieser] seyn werde.
[In der That ist auch der Mond 2mal
dichter als die Erde, und diese 4mal dichter
als die Sonne, welche allem Vermuthen nach von den noch tieferen, der Venus und dem
Merkur, in noch höheren Graden an Dichtigkeit wird übertroffen
werden](#en27232).
Anjetzo wendet sich unser Augenmerk auf das Verhältniß,
welches die Massen der Himmelskörper nach unserem Lehrbegriff, in
Vergleichung ihrer Entfernungen,
haben sollen, um das Resultat unseres Systems an den
untrieglichen Rechnungen des
Newton
zu
prüfen. Es bedarf nicht viel Worte, um begreiflich zu machen: daß der
Centralkörper jederzeit das
Hauptstück seines Systems, folglich die Sonne
auf eine vorzügliche Art an Masse grösser, als die gesammten
Planeten, seyn müsse; wie denn dieses auch vom Jupiter, in Ansehung
seiner Nebenplaneten, und vom Saturn, in Betrachtung der
seinigen, gelten wird. Der Centralkörper bildet sich
aus dem Niedersatze aller Partikeln, aus dem
ganzen Umfange seiner Anziehungssphäre, welche
die genaueste Bestimmung der Zirkelbewegung, und die nahe
Beziehung auf die gemeinschaftliche Fläche, nicht haben bekommen
können, und deren ohne Zweifel eine ungemein grössere Menge, als der
[letzteren], seyn muß. Um an der Sonne vornemlich
diese Betrachtung anzuwenden: wenn
man die Breite des Raumes, um den die in Zirkeln umlaufende Partikeln,
welche den Planeten zum Grundstoffe gedienet haben, am weitesten von
der gemeinschaftlichen Fläche abgewichen sind, schätzen will: so kann
man sie ohngefehr etwas grösser, als die Breite der grössesten
Abweichung der Planetenkreise von einander
annehmen. Nun macht aber, indem sie von der gemeinschaftlichen
Fläche nach beyden Seiten ausschweifen, ihre größte Neigung gegen
einander kaum 7½ Grade aus.
Also kann man alle Materie, daraus die Planeten sich gebildet haben,
sich als in denjenigen Raum ausgebreitet
gewesen, vorstellen, der zwischen zwey Flächen, von dem
Mittelpunkte der Sonne aus, begriffen war, die einen Winkel von
7½ Grade
einschlossen. [Nun ist aber eine, nach der Richtung des größten Zirkels,
gehende Zone von 7½ Grad Breite, etwas mehr als der
17te Theil der Kugelfläche, also der körperliche Raum zwischen
den zwo Flächen, die den sphärischen Raum in der Breite
obgedachten Winkels ausschneiden, etwas
mehr, als der 17te Theil des körperlichen Innhalts der
ganzen Sphäre](#en27324). Also würde dieser Hypothese gemäß alle
Materie, die zur Bildung der Planeten angewandt
worden, ohngefehr den siebenzehnten Theil derjenigen Materie ausmachen, die die Sonne aus eben der
Weite, als der äusserste Planet stehet, von beyden Seiten zu ihrer
Zusammensetzung gesammlet hat. [Allein dieser Centralkörper hat einen Vorzug
des Klumpens vor dem gesammten Innhalte aller Planeten,
der nicht zu diesem wie 17 : 1, sondern wie 650
zu 1 ist, wie die Ausrechnung des Newton
es bestimmet](#en27334); aber es ist auch leicht einzusehen, daß
in den
obern Räumen über dem Saturn, wo die planetischen
Bildungen entweder aufhören, oder doch selten seyn, wo nur einige
wenige cometische Körper sich gebildet
haben, und wo vornemlich die Bewegungen des Grundstoffes, indem
sie daselbst [nicht so geschickt] seyn, zu
der gesetzmäßigen Gleichheit der Centralkräfte zu gelangen,
als in der nahen Gegend zum Centro, nur in eine fast allgemeine
Senkung zum Mittelpunkte ausschlagen, und die Sonne mit aller Materie
aus so weit ausgedehnten Räumen vermehren, daß, sage ich, aus
diesen Ursachen der Sonnenklumpen die so vorzügliche Grösse der
Masse erlangen müsse.
Um aber die Planeten in
Ansehung ihrer Massen unter einander zu vergleichen: so
bemerken wir erstlich, daß nach der angezeigten Bildungsart die
Qvantität der Materie, die in den Zusammensatz eines Planeten kommt,
auf die Weite seiner Entfernung von der Sonne vornemlich
ankomme: 1) darum, weil die Sonne durch ihre Anziehung
die Sphäre der Attraction eines Planeten einschränkt,
aber bey gleichen Umständen der entfernteren ihre nicht so
enge einschränkt, als der nahen: 2) weil die Zirkel, aus
denen alle Theilchen zusammen gekommen seyn, [einen Planeten] auszumachen, mit
grösserem Radius beschrieben werden, also mehr Grundstoff, als die
kleinern Zirkel in sich fassen: 3) weil aus eben dem
letzten Grunde [die Breite]
zwischen den zwey Flächen der grössesten Abweichung, bey gleicher
Anzahl Grade, in grossen Höhen grösser, als in kleinen ist. Dagegen
wird dieser Vorzug der entfernteren Planeten, vor den niedrigern,
zwar dadurch eingeschränkt, daß die Partikeln näher zur Sonne
dichterer Art, und allem Ansehen nach auch weniger
zerstreuet, als in grösserem Abstande seyn werden; allein man
kan leicht ermessen, daß die ersteren Vortheile, zu Bildung grosser Massen, die letztern Einschränkungen
dennoch weit übertreffen, und überhaupt die Planeten, die sich in
weitem Abstande von der Sonne bilden,
grössere Massen, als die nahen bekommen müssen. Dieses geschiehet also in so ferne man sich die
Bildung eines Planeten nur als in Gegenwart der Sonne vorstellet;
allein, wenn man mehrere Planeten, in unterschiedlichem Abstande,
sich bilden läßt; so wird einer den Umfang der Attraction des andern,
durch seine Anziehungssphäre einschränken, und dieses bringt eine
Ausnahme von dem vorigen Gesetze zuwege. Denn derjenige Planet,
welcher einem andern, von ausnehmender Masse, nahe ist, wird sehr viel
von der Sphäre seiner Bildung verlieren, und dadurch ungleich kleiner
werden, als das Verhältniß seines Abstandes von der Sonne allein
es erheischet. Obgleich also im Ganzen die Planeten von grösserer Masse
seyn, nachdem sie weiter von der Sonne
entfernt sind, wie denn überhaupt Saturn und Jupiter, als
die zwey Hauptstücke unseres Systems, darum die grössesten
seyn, weil sie von der Sonne am weitesten
entfernet sind: so finden sich dennoch Abweichungen von dieser
Analogie, in denen aber jederzeit das Merkmal der allgemeinen Bildung
hervorleuchtet, die wir von den
Himmelskörpern behaupten: daß nemlich ein Planet von ausnehmender
Grösse die nächsten von beyden Seiten, der, ihnen wegen ihrer
Sonnenweite, gebührenden Masse beraubet, indem
er einen Theil der Materien sich zueignet, die zu jener
ihrer Bildung kommen solten. In der That hat Mars, der vermöge seines
Ortes grösser als die Erde seyn solte, durch die
Anziehungskraft des ihm nahen so grossen Juppiters an seiner
Masse eingebüsset; und Saturn selber, ob er gleich durch seine Höhe
einen Vorzug über den Mars hat, ist dennoch nicht gänzlich befreyet
gewesen, durch Juppiters Anziehung eine
beträchtliche Einbusse zu erleiden, und mich dünkt,
Merkur habe die ausnehmende Kleinigkeit seiner Masse, nicht
allein der Anziehung der ihm so nahen
mächtigen Sonne, sondern auch der Nachbarschaft der Venus zu verdanken, welche, wenn man ihre
muthmaßliche Dichtigkeit mit ihrer
Grösse vergleicht, ein Planet von beträchtlicher Masse seyn
muß.
Indem nun
alles so vortreflich, als man es nur wünschen
mag, zusammenstimmet, die Zulänglichkeit einer mechanischen
Lehrverfassung, bey dem Ursprunge des Weltbaues und der
Himmelskörper, zu bestätigen; so
wollen wir, indem wir den Raum schätzen, darinn
der Grundstoff der Planeten vor ihrer Bildung ausgebreitet
gewesen, erwegen, in welchem Grade der Dünnigkeit dieser
Mittelraum damals erfüllet gewesen, und mit was vor
Freyheit, oder wie wenigen Hindernissen die herumschwebenden Partikeln ihre gesetzmäßige
Bewegungen darinn haben anstellen können. Wenn der Raum, der alle
Materie der Planeten in sich begriff, in demjenigen Theile der
Saturnischen Sphäre enthalten war, der von dem Mittelpunkte
der Sonne aus, zwischen [zwey
um 7] Grade weit, in allen Höhen von einander abstehenden
Flächen begriffen, und daher der siebenzehnte Theil der ganzen
Sphäre war, die man mit dem Radius der Höhe des Saturns beschreiben
kan; so wollen wir, um die [Veränderung] des
planetischen Grundstoffs, da er diesen Raum erfüllete, auszurechnen, nur
die [Höhe des
Saturns 100000 Erddiameter ansetzen](#en27602); [so wird die ganze Sphäre des
saturnischen Kreises den
Raumesinhalt der Erdkugel 1000 ](#en27603)[Bimillionenmal] übertreffen; davon, wenn wir an statt
des siebenzehnten Theils, auch nur den zwanzigsten
nehmen, der Raum, darinn der elementarische Grundstoff
schwebete, den Raumesinhalt der Erdkugel dennoch 50
[Bimillionenmal] übertreffen muß.
[Wenn man nun die Masse
aller Planeten mit ihren Begleitern
⅟](#en27608)650
des Sonnenklumpens nach
dem Newton ansetzet; so wird die
Erde, die nur
⅟169282
[derselben] ist,
sich zu der gesammten Masse aller planetischen Materie wie
1 zu 276½ verhalten; und wenn
man daher alle diese Materie zu gleicher
specifischen Dichtigkeit mit
der Erde brächte, würde daraus ein Körper entstehen, der
[277½] mal grössern Raum als die
Erde einnähme.
[Wenn wir daher die Dichtigkeit der Erde in ihrem ganzen
Klumpen nicht viel grösser, als die
Dichtigkeit der festen Materie, die man
unter der obersten Fläche derselben antrifft, annehmen: wie
es denn die Eigenschaften der Figur der Erde
nicht anders erfordern, und diese obere Materien
ohngefehr 4 oder 5mal dichter als das Wasser,
das Wasser aber 1000mal schwerer als die Luft
ansetzen](#en27615); so würde die Materie aller Planeten,
wenn sie zu der Dünnigkeit der Luft ausgedehnet würden, einen fast 14mal
hunderttausendmal grössern Raum als die Erdkugel einnehmen. Dieser Raum
mit dem Raume, in welchem nach unserer Voraussetzung alle
Materie der Planeten ausgebreitet
war, verglichen, ist [dreyßig Millionenmal
kleiner als derselbe](#en27625): also macht auch die Zerstreuung der
planetischen [Materie] in
diesem Raume eine eben so vielmal grössere Verdünnung aus, als
die die Theilchen unserer Atmosphäre haben. In der That, diese
Grösse der Zerstreuung, so unglaublich sie auch scheinen mag, war
dennoch weder unnöthig, noch unnatürlich. Sie muste so groß als möglich
seyn, um den schwebenden Partikeln alle Freyheit der Bewegung,
fast so, als in einem leeren Raume, zu verstatten, und
den Widerstand unendlich zu verringern, den sie einander leisten
[könnten]; sie konten aber auch
von selber einen solchen Zustand der Verdünnung annehmen,
woran man nicht zweifeln darf, wenn man ein wenig die Ausbreitung
kennet, die die Materie leidet, wenn sie in Dünste verwandelt ist;
oder wenn man, um bey dem Himmel zu bleiben, die Verdünnung der
Materie in
den [Schweifen der Cometen erweget, die bey
einer so unerhörten Dicke ihres Durchschnittes, der den
Durchmesser der Erde wohl hundertmal übertrifft, dennoch so durchscheinend sind, daß
die kleinen Sterne dadurch können gesehen
werden](#en27701);
welches unsere Luft, wenn sie von der Sonne erleuchtet wird,
in einer Höhe, die viel tausendmal kleiner ist, nicht
verstattet.
Ich beschliesse dieses
Hauptstück, indem ich eine Analogie hinzufüge, die an und vor sich allein gegenwärtige Theorie, von der
mechanischen Bildung der
Himmelskörper über die Wahrscheinlichkeit der Hypothese, zu einer
förmlichen Gewißheit erheben kann. Wenn die Sonne aus den Partikeln
desselben Grundstoffes, daraus die Planeten sich gebildet haben,
zusammengesetzt ist: und wenn nur darinn allein der Unterschied
bestehet, daß in der ersteren die Materien aller
Gattungen ohne Unterschied gehäufet, bey diesen aber in
verschiedenen Entfernungen, nach Beschaffenheit der
Dichtigkeit ihrer Sorten, vertheilet worden;
so wird, wenn man die Materie aller Planeten zusammen
vereinigt betrachtet, in ihrer ganzen
Vermischung eine Dichtigkeit herauskommen müssen, die der
Dichtigkeit des Sonnenkörpers beynahe gleich ist. [Nun findet diese nöthige Folgerung
unseres Systems eine glückliche Bestätigung in der Vergleichung, die der Herr
](#en27718)von Büffon, dieser
so würdigberühmte Philosoph, zwischen den Dichtigkeiten
der gesammten planetischen Materie und der Sonnen
[ihre], angestellet hat; er
fand eine Aehnlichkeit zwischen beyden, wie zwischen 640 und 650.
Wenn ungekünstelte und nothwendige Folgerungen aus einer
Lehrverfassung in den wirklichen Verhältnissen der
Natur so glückliche Bestätigungen antreffen; kan man denn
wohl glauben, daß ein blosses Ungefehr diese Uebereinstimmung
zwischen der Theorie und der Beobachtung veranlasse?
Drittes
Hauptstück,
von
der
Eccentricität der Planetenkreise, und
dem
Ursprunge der Cometen.
Man kan aus den
Cometen nicht eine besondere Gattung von Himmelskörpern machen,
die sich von dem Geschlechte der Planeten gänzlich
unterschiede. Die Natur wirket hier, wie anderwerts, durch
unmerkliche Abfälle, und, indem
sie alle Stuffen der Veränderungen durchgehet, hänget sie, vermittelst einer Kette von Zwischengliedern, die
entferneten Eigenschaften mit den
nahen zusammen. Die Eccentricität ist bey den Planeten eine
Folge des Mangelhaften in derjenigen Bestrebung, dadurch die Natur trachtet, die planetischen
Bewegungen gerade Zirkelgleich zu machen, welches sie aber, wegen
Dazwischenkunft von mancherley Umständen, niemals völlig
erlangen kan, aber doch in grösseren Weiten mehr, als in nahen,
davon abweichet.
Diese Bestimmung führet,
durch eine beständige Leiter, vermittelst aller möglichen Stuffen
der Eccentricität, von den Planeten endlich bis
zu den Cometen, und ob zwar dieser Zusammenhang bey dem
Saturn, durch eine grosse Klufft, scheinet abgeschnitten zu seyn,
die das cometische Geschlecht von den Planeten völlig
absondert; so haben wir doch in dem ersten Theile angemerket, daß es,
vermuthlich über dem Saturn, noch andere Planeten geben mag, die,
durch eine grössere Abweichung von der Zirkelrundung der Kreise, dem
Laufe der Cometen näher treten, und daß es nur an dem Mangel der
Beobachtung, oder auch an der Schwierigkeit derselben, liegt, daß
diese Verwandschaft dem Auge nicht eben so sichtbar, als
dem Verstande, vorlängst dargestellet worden.
Wir haben
schon eine Ursache in dem ersten Hauptstücke
dieses Theils angeführet, welche die Laufbahn eines
Himmelskörpers eccentrisch machen kan, der sich aus dem
herumschwebenden Grundstoffe bildet, wenn man gleich
annimmt, daß dieser in allen seinen Oertern
gerade zur Zirkelbewegung abgewogene Kräfte besitze. Denn, weil
der Planet sie aus weit von einander abstehenden Höhen sammlet, wo
die Geschwindigkeiten der
Zirkelläufe unterschieden seyn; so kommen sie
mit verschiedenen ihnen beywohnenden Graden der
Umlaufsbewegung auf ihm zusammen, welche von dem Maasse der
Geschwindigkeit, die dem Abstande des Planeten gebühret,
abweichen, und diesem dadurch in so ferne eine
Eccentricität zuziehen, als diese verschiedentliche
Eindrücke der Partikeln ermangeln, eine der andern Abweichung
völlig zu ersetzen.
Wenn die Eccentricität
keine andere Ursache hätte, so würde sie allenthalben gemäßigt
seyn: sie würde auch bey denen kleinen, und weit von der Sonne
entferneten Planeten, geringer, als bey den nahen
und grossen seyn: wenn man nemlich voraussetzte, daß die
Partikeln des Grundstoffes wirklich vorher genaue Zirkelbewegungen
gehabt hätten. Da
nun diese Bestimmungen mit der Beobachtung nicht
übereinstimmen, indem, wie schon angemerkt, die
Eccentricität mit der Sonnenweite zunimmt, und die Kleinigkeit der Massen vielmehr eine Ausnahme,
zu Vermehrung der Eccentricität, zu machen scheinet, wie
wir am Mars sehen; so sind wir genöthiget, die Hypothese von der
genauen Zirkelbewegung
der Partikeln des Grundstoffes dahin einzuschränken, [daß wir] sie in den der Sonne nahen
Gegenden zwar dieser Genauheit der Bestimmung sehr nahe
beykommen, aber sie doch desto weiter davon abweichen lassen, je
entfernter diese elementarische Theilchen von
der Sonne geschwebet haben. Eine solche Mäßigung des
Grundsatzes, von der freyen zirkelgleichen Bewegung des
Grundstoffes, ist der Natur gemässer. Denn,
ungeachtet der Dünnigkeit des Raumes, die ihnen
Freyheit zu lassen scheinet, sich
einander auf den Punkt der völlig abgewogenen Gleichheit der Centralkräfte einzuschränken; so
sind die Ursachen dennoch nicht minder beträchtlich,
diesen Zweck der Natur an seiner Vollführung zu
verhindern. Je weiter die ausgebreiteten Theile
des Urstoffs von der Sonne entfernet sind, desto schwächer
ist die Kraft, die sie zum Sinken bringt: der Widerstand
der untern Theile, [die
ihren Fall seitwärts beugen, und ihn] nöthigen
soll, seine Richtung senkrecht von dem Zirkelstrahl anzustellen,
vermindert sich nach dem Maasse, als diese unter ihm
wegsinken, um entweder der Sonne sich
einzuverleiben, oder in näheren Gegenden Umläufe
anzustellen. Die [specifisch]
vorzügliche Leichtigkeit dieser
höheren Materie verstattet ihnen nicht, die sinkende Bewegung, die
der Grund von allem ist, mit dem Nachdrucke, welcher erfordert wird,
um die widerstehende Partikeln zum Weichen zu bringen,
anzustellen; und vielleicht, daß diese entfernete
Partikeln einander noch einschränken, um nach einer langen Periode
diese Gleichförmigkeit endlich zu
[überkommen]; so haben sich unter ihnen
schon kleine Massen gebildet, als Anfänge zu so viel
Himmelskörpern, welche, indem sie sich aus schwach bewegtem
Stoffe sammlen, eine [nur]
eccentrische Bewegung haben, womit
sie zur Sonne sinken, und unter Wegens mehr und mehr, durch
die Einverleibung schneller bewegten Theile vom senkrechten Falle
abgebeugt werden, endlich aber doch Cometen
bleiben, wenn jene Räume, in denen sie sich gebildet haben, durch
Niedersinken zur Sonne, oder durch Versammlung in
besondern Klumpen, gereiniget und leer geworden. Dieses ist die
Ursache der mit den Entfernungen von der Sonne
zunehmenden Eccentricitäten der Planeten und
derjenigen Himmelskörper, die um
deswillen Cometen genannt werden, weil sie in dieser
Eigenschaft die erstere vorzüglich übertreffen.
Es sind zwar noch zwey Ausnahmen, die das Gesetz von der mit
dem Abstande von der Sonne zunehmenden Eccentricität
unterbrechen, die man an den beyden kleinesten Planeten
unseres Systems, am Mars und Merkur, wahrnimmt; allein an dem
ersteren ist vermuthlich die Nachbarschaft des so grossen Jupiters
Ursache, der, indem er durch seine Anziehung auf seiner Seite den
Mars, der Partikeln zur Bildung [beraubet, ihm] vornemlich nur Platz lässet, gegen die Sonne sich
auszubreiten, dadurch eine
Ueberwucht der Centralkraft und Eccentricität zuziehet. Was
aber den Merkur, den untersten aber auch am
meisten eccentrischen unter den Planeten betrifft; so ist leicht
zu erachten, daß, weil die Sonne in ihrer Achsendrehung
der Geschwindigkeit des Merkurs noch lange nicht gleich kommt, der
Widerstand, den sie der Materie des sie umgebenden Raumes thut, nicht
allein die nächsten Theilchen ihrer Centralbewegung berauben werde;
sondern auch leichtlich diese Widerstrebung bis zum Merkur ausbreiten
könne, und dessen Umschwungsgeschwindigkeit dadurch beträchtlich werde vermindert
haben.
Die Eccentricität ist
das vornehmste Unterscheidungszeichen der Cometen. Ihre
Atmosphären und Schweife, welche, bey ihrer
grossen Annäherung zur Sonne, durch die Hitze sich verbreiten,
sind nur Folgen von dem erstern, ob sie gleich zu den
Zeiten der Unwissenheit gedienet haben, als ungewohnte
Schreckbilder, dem Pöbel eingebildete Schicksale zu verkündigen. Die
Astronomen, welche mehr Aufmerksamkeit auf die Bewegungsgesetze, als
auf die Seltsamkeit der Gestalt, bezeigen, bemerken eine zweyte Eigenschaft, die das Geschlecht der Cometen
von den Planeten unterscheidet, nemlich daß sie sich nicht,
wie diese, an die Zone des Thierkreises binden, sondern
frey in allen Gegenden des Himmels ihre Umläufe anstellen. Diese
Besonderheit hat einerley Ursache mit der
Eccentricität. Wenn die Planeten darum ihre Kreise
in dem engen Bezirke des Zodiakus eingeschlossen haben, weil
die elementarische Materie nahe um
die Sonne Cirkelbewegungen bekommet, die bey jedem
Umschwunge den Plan der Beziehung zu
durchkreutzen bemühet seyn, und den einmal gebildeten Körper
von dieser Fläche, dahin sich alle Materie von beyden
Seiten dränget, nicht abweichen lassen: so muß der Grundstoff der weit
von dem Mittelpunkte entlegenen Raume, welcher durch die Attraction
schwach bewegt, zu dem freyen Zirkelumschwunge nicht gelangen kan, eben aus dieser Ursache, die
die Eccentricität hervorbringt, nicht vermögend seyn, sich in
dieser Höhe zu dem Plane der Beziehung aller planetischen Bewegungen
zu häufen, um die daselbst gebildete Körper, vornemlich in diesem
Gleise, zu erhalten: vielmehr wird der
zerstreuete Grundstoff, da er keine Einschränkung auf eine besondere Gegend, so wie bey den
untern Planeten, hat, sich gleich leicht auf einer Seite
sowohl, als auf der andern, und weit von dem Beziehungsplane eben so
häufig, als nahe bey demselben, zu Himmelskörpern bilden. Daher werden
die Cometen mit aller Ungebundenheit aus allen Gegenden zu uns
herab kommen: aber doch diejenige, deren erster Bildungsplatz
nicht weit über der Planeten Kreise erhaben ist, werden weniger
Abweichung von den Schranken ihrer Laufbahne eben sowohl, als weniger
Eccentricität beweisen. Mit den Entfernungen von dem
Mittelpunkte des Systems nimmt diese gesetzlose Freyheit der Cometen,
in Ansehung ihrer Abweichungen, zu, und verlieret sich in der Tiefe des
Himmels in einen gänzlichen Mangel der Umwendung, der die
[äusseren] sich bildenden
Körper ihrem Falle zur Sonne frey überläßt, und der systematischen
Verfassung die letzten Grenzen setzet.
Ich setze, bey diesem
Entwurfe der cometischen Bewegungen, voraus: daß, in Ansehung ihrer Richtung, sie selbige grössesten Theils mit
der Planeten ihrer gemein haben werden. Bey denen nahen
Cometen scheinet mir dieses ungezweifelt zu seyn, und
diese Gleichförmigkeit kan sich auch nicht eher in der Tiefe des Himmels
verlieren, als da, wo [der elementarische Grundstoff] in der größten Mattigkeit der
Bewegung, die etwa durch das Niedersinken entstehende Drehung nach
allerley Gegenden anstellet, weil die Zeit,
die erfordert wird, durch die Gemeinschaft der untern Bewegungen, sie in der Richtung
einstimmig zu machen, wegen der Weite der Entfernung, zu lang ist, als
daß sie indessen, daß die Bildung der Natur
in der niederen Gegend verrichtet wird, sich bis dahin
erstrecken könne. Es werden also vielleicht
Cometen seyn, die ihren Umlauf nach der entgegen gesetzten Seite,
nemlich von Morgen gegen Abend, anstellen werden; ob ich gleich aus
Ursachen, die ich allhier anzuführen Bedenken trage, mich beynahe
überreden möchte, daß von den [19 Cometen, an denen man diese Besonderheit bemerket
hat](#en28135),
bey einigen vielleicht ein optischer Schein Anlaß dazu
gegeben haben
möchte.
Ich muß von den Massen der Cometen, und von der
Dichtigkeit ihres Stoffes, noch etwas
anmerken. Von Rechtswegen solten in den obern Gegenden der
Bildung dieser Himmelskörper, aus denen im
vorigen Hauptstücke angeführten Gründen, sich immer nach dem
Maasse, als die Entfernung zunimmt, desto grössere Massen
bilden. Und es ist auch zu glauben, daß einige Cometen grösser
seyn, als Saturn und Jupiter; allein es ist eben nicht zu glauben, daß
diese Grösse der Massen so immer zunimmt. Die Zerstreuung des
Grundstoffes, die specifische Leichtigkeit [ihrer Partikeln], machen die Bildung in der
abgelegensten Gegend des Weltraums langsam; die
unbestimmte Verbreitung desselben, in dem
ganzen unermeßlichen Umfange dieser Weite, ohne
eine Bestimmung, sich gegen eine gewisse Fläche zu häufen,
[verstattet],
an statt einer einzigen beträchtlichen Bildung viele
kleinere, und der Mangel der Centralkraft ziehet den größten
Theil der Partikeln zu der Sonne herab, ohne sich in
Massen versammlet zu haben.
Die specifische
Dichtigkeit des Stoffes, woraus die Cometen entstehen, ist von mehrerer Merkwürdigkeit, als die Grösse ihrer
Massen. Vermuthlich, da sie in der obersten Gegend des
Weltgebäudes sich bilden, sind die
Theilchen ihres Zusammensatzes von der leichtesten
Gattung; und man darf nicht zweifeln,
daß dieses die vornehmste Ursache der Dunstkugeln und der
Schweife [sey], womit sie sich vor andern
Himmelskörpern kenntlich
machen. Man kan der Wirkung der Sonnenhitze diese Zerstreuung der cometischen Materie in einen
Dunst nicht hauptsächlich beymessen; einige Cometen erreichen in
ihrer Sonnennähe kaum die Tiefe des Erdzirkels; viele
bleiben zwischen dem Kreise der Erde und der Venus, und kehren sodann
zurück. Wenn ein so gemäßigter Grad
Hitze, die Materien auf der Oberfläche dieser
Körper dermassen auflöset und verdünnet; so müssen
[sie aus] dem
leichtesten Stoffe bestehen, der durch die Wärme
mehr Verdünnung, als irgend eine Materie, in der ganzen Natur
leidet.
Man kan auch diese, von
dem Cometen so häufig aufsteigende Dünste, der Hitze nicht
beymessen, die sein Körper von der etwa ehemaligen Sonnennähe übrig behalten hat: denn es ist zwar
zu vermuthen, daß ein Comet, zur Zeit
seiner Bildung, etliche Umlaufe mit grösserer Eccentricität
zurück geleget hat, und diese nur nach und nach vermindert worden;
allein die andern Planeten, von denen man eben dasselbe vermuthen
könnte, zeigen dieses Phänomenon nicht.
Indessen würden sie es an sich zeigen, wenn die Sorten der leichtesten
Materie, die in dem Zusammensatze des Planeten begriffen seyn, eben
so häufig, als bey den Cometen, vorhanden wären.
Die Erde hat etwas an
sich, was man mit der Ausbreitung der cometischen Dünste und
ihren Schweifen vergleichen kan
Dieses sind die Nordlichter.
. Die feinsten Partikeln die die Sonnenwirkung aus ihrer
Oberfläche ziehet, häufen sich um einen von
denen Polen, wenn die Sonne den halben Zirkel ihres Laufes auf
der entgegen gesetzten Halbkugel verrichtet. Die feinsten und würksamsten
Theilchen, die in dem brennenden Erdgürtel aufsteigen, nachdem sie
eine gewisse Höhe der Atmosphäre erreichet haben, werden durch die
Wirkung der Sonnenstrahlen genöthiget, in diejenige Gegenden zu
weichen und sich zu häufen, die alsdenn von der Sonne abgewandt,
und in einer langen Nacht begraben sind, und vergüten den Bewohnern
der Eiszone die Abwesenheit des grossen Lichtes, welches ihnen
auch in dieser Entfernung die Würkungen [ihrer Wärme] zuschicket. Eben dieselbe
Kraft der Sonnenstrahlen, welche die Nordlichter macht,
würde einen Dunstkreis mit einem Schweife hervor bringen, wenn die
feinsten und flüchtigen Partikeln auf der Erde
eben so häufig, als auf dem Cometen, anzutreffen
wären.
Viertes
Hauptstück,
von
dem
Ursprunge der Monde, und den
Bewegungen
der Planeten um ihre Achse.
Die Bestrebung eines
Planeten, aus dem Umfange der elementarischen Materie sich zu bilden, ist zugleich die
Ursache seiner Achsendrehung,
und erzeuget die Monde, die um ihn laufen sollen. Was
die Sonne mit ihren Planeten im Grossen ist, das stellet ein
Planet, der eine weit ausgedehnte Anziehungssphäre hat, im kleinern
vor, nemlich das Hauptstück eines Systems, dessen Theile durch die
Attraction des Centralkörpers in Bewegung gesetzet worden. Der sich
bildende Planet, indem er die Partikeln des Grundstoffs
aus dem ganzen Umfange zu seiner Bildung bewegt, wird aus allen
diesen sinkenden Bewegungen, vermittelst ihrer Wechselwirkung,
Kreisbewegungen, und zwar endlich solche erzeugen, die in eine gemeinschaftliche Richtung ausschlagen,
und [deren ein Theil die gehörige Mäßigung des freyen Zirkellaufes bekommen, und in dieser Einschränkung sich einer gemeinschaftlichen
Fläche nahe befinden werden]. In diesem Raume werden, so wie um
die Sonne die Hauptplaneten, also auch um diese sich die Monde
bilden, wenn die Weite der Attraction solcher Himmelskörper günstige
Umstände zu ihrer Erzeugung
darreichet. Was übrigens in Ansehung des Ursprunges des
Sonnensystems gesagt worden, dasselbe läßt sich
auf das System des Jupiters und des Saturns mit genugsamer
Gleichheit anwenden. Die Monde werden alle nach einer [Seite], und beynahe
auf einer Fläche, die Kreise ihres Umschwunges gerichtet
haben, und dieses zwar aus den gleichen Ursachen, die
diese Analogie im grossen bestimmen: Aber warum bewegen sich
diese Begleiter in ihrer gemeinschaftlichen Richtung vielmehr nach
der Seite, nach der die Planeten laufen, als nach einer jeden
andern? Ihre Umläufe werden ja durch die Kreisbewegungen nicht erzeuget: sie erkennen lediglich die
Attraction des Hauptplaneten zur Ursache, und in Ansehung dieser sind
alle Richtungen gleichgültig; ein
blosses Ungefehr wird diejenige unter allen möglichen entscheiden,
nach der die sinkende Bewegung des Stoffes in Kreise ausschlägt. In
der That thut der Zirkellauf des Hauptplaneten nichts dazu, dem
Stoffe, aus dem sich um ihn die Monde bilden sollen, Umwälzungen um
diesen einzudrücken; alle Partikeln um den Planeten bewegen sich
in gleicher [Bewegung] mit ihm um
die Sonne, und sind also in respectiver Ruhe gegen denselben. Die
Attraction des Planeten thut alles allein. Allein die Kreisbewegung,
die aus ihr entstehen soll, weil sie in Ansehung aller Richtungen
an und vor sich gleichgültig ist, bedarf nur einer kleinen
äusserlichen Bestimmung, um nach einer Seite vielmehr, als nach
der andern, auszuschlagen: und diesen kleinen Grad der Lenkung
bekommt sie von der Vorrückung der elementarischen Partikeln, welche
zugleich mit um die Sonne, aber mit mehr Geschwindigkeit, laufen, und in
die Sphäre der Attraction des Planeten kommen. Denn diese nöthiget
die zur Sonne nähere Theilchen, die mit schnellerem Schwunge
umlaufen, schon von weitem die Richtung ihres Gleises zu verlassen,
und in einer ablangen Ausschweifung
sich über den Planeten zu erheben. Diese, weil sie
einen grössern Grad der Geschwindigkeit, als der Planet selber,
haben, wenn sie durch dessen Anziehung zum Sinken gebracht werden,
geben ihrem geradlinigten Falle, und auch dem Falle der übrigen, eine
Abbeugung von Abend gegen Morgen, und es bedarf nur dieser geringen
Lenkung, um zu verursachen, daß die Kreisbewegung, dahin der Fall,
den die Attraction erregt, ausschlägt, vielmehr diese, als eine
jede andere Richtung, nehme. Aus diesem Grunde werden alle Monde in
ihrer Richtung, mit der Richtung des Umlaufs der Hauptplaneten
übereinstimmen. Aber auch die
Fläche ihrer Bahn kan nicht weit von dem Plane der Planetenkreise
abweichen, weil die Materie, daraus sie sich bilden, aus eben dem
Grunde, den wir von der Richtung überhaupt angeführet haben, auch
auf diese genaueste Bestimmung derselben, nemlich die
Uebereintreffung mit der Fläche der Hauptkreise,
gelenket wird.
Man siehet aus allem
diesen klärlich, welches die Umstände seyn, unter welchen ein
Planet Trabanten bekommen könne. Die Anziehungskraft desselben muß groß, und folglich die Weite seiner
Wirkungssphäre weit ausgedehnt seyn, damit sowohl die
Theilchen durch einen hohen Fall zum Planeten bewegt, ohnerachtet
dessen, was der Widerstand aufhebet, dennoch hinlängliche
Geschwindigkeit zum freyen Umschwunge erlangen [können], als auch genugsamer Stoff zu
Bildung der Monde in diesem Bezirke vorhanden sey, welches
bey einer geringen Attraction nicht geschehen kan. Daher sind nur die
Planeten von grossen Massen, und weiter
Entfernung mit Begleitern, begabt. Jupiter und
Saturn, die 2 grösten und auch entfernetesten unter den Planeten,
haben die meisten Monde. Der Erde, die viel kleiner als jene ist,
ist nur einer zu Theil worden; und Mars, welchem wegen seines Abstandes
auch einiger Antheil an diesem Vorzuge gebührete, gehet leer
aus, weil seine Masse so gering ist.
Man nimmt mit Vergnügen
wahr, wie dieselbe Anziehung des Planeten, die den Stoff
zur Bildung der Monde herbeyschaffte, und zugleich derselben Bewegung bestimmete, sich bis auf seinen
eigenen Körper erstreckt, und dieser sich selber durch eben
dieselbe Handlung, durch welche er sich bildet, eine
Drehung um die Achse, nach der allgemeinen Richtung von Abend gegen Morgen, ertheilet. Die
Partikeln des niedersinkenden Grundstoffes, welche, wie gesagt,
eine allgemeine drehende Bewegung von Abend gegen Morgen
hin bekommen, fallen größten Theils auf die Fläche des
Planeten, und vermischen sich mit seinem Klumpen, weil
sie die abgemessene Grade nicht haben, sich
frey schwebend in Zirkelbewegungen zu erhalten. Indem sie nun in
den Zusammensatz des Planeten kommen, so müssen sie, als
Theile desselben, eben dieselbe Umwendung,
nach eben derselben Richtung fortsetzen, die sie hatten, ehe sie mit ihm vereiniget worden. Und
weil überhaupt aus dem vorigen zu ersehen, daß die Menge der
Theilchen, welche der Mangel an der erforderlichen Bewegung auf den
Centralkörper niederstürzet, sehr
weit die Anzahl der andern übertreffen müsse, welche die gehörige
Grade der Geschwindigkeit haben erlangen können; so begreifet man auch
leicht, woher dieser in seiner Achsendrehung
zwar bey weitem die Geschwindigkeit nicht haben werde, der
Schwere auf seiner Oberfläche mit der fliehenden Kraft das
Gleichgewicht zu leisten, aber dennoch bey Planeten von grosser
Masse und weitem [Abstande weit] schneller, als bey nahen und
kleinen, seyn werde. [In der
That hat Jupiter die schnelleste Achsendrehung, die wir
kennen](#en28613),
und ich weiß nicht, nach welchem System man dieses mit einem Körper,
dessen Klumpen alle andern übertrifft, zusammen reimen könnte,
wenn man nicht seine Bewegungen selber, als die Wirkung derjenigen
Anziehung, ansehen könnte, die dieser Himmelskörper, nach dem Maasse
eben dieses Klumpens, ausübet. Wenn die Achsendrehung eine Wirkung
einer äusserlichen Ursache wäre, so müßte Mars eine schnellere,
als Jupiter, haben; denn eben dieselbe bewegende Kraft bewegt einen
kleinern Körper mehr, als einen grössern, und überdieses würde man
sich mit Recht wundern, wie, da alle Bewegungen weiter von dem
Mittelpunkte hin abnehmen, die Geschwindigkeiten der
Umwelzungen mit denselben Entfernungen zunehmen, und beym Jupiter
sogar drittehalbmal schneller, als seine jährliche Bewegung selber,
seyn könne.
Indem man also
genöthiget ist, in den täglichen Umwendungen der Planeten eben
dieselbe Ursache, welche überhaupt die
allgemeine Bewegungsqvelle der Natur ist, nemlich die Anziehung zu
erkennen; so wird diese Erklärungsart durch das natürliche Vorrecht
[seines]
Grundbegriffes, und durch eine
ungezwungene Folge aus demselben, ihre Rechtmäßigkeit
bewähren.
Allein, wenn die
Bildung eines Körpers selber die Achsendrehung hervorbringt, so müssen
sie billig alle Kugeln des Weltbaues haben; aber warum hat sie der
Mond [nicht? welcher],
[wiewol fälschlich],
diejenige Art einer Umwendung,
dadurch er der Erde immer dieselbe Seite zuwendet,
[einigen] vielmehr von einer Art einer
Ueberwucht der einen
Halbkugel, als von einem wirklichen Schwunge der
Revolution, herzuhaben scheinet. Solte derselbe sich
wohl ehedem schneller um seine Achse gewelzet haben, und durch, ich weis
nicht was vor Ursachen, die diese Bewegung nach und nach
verminderten, bis zu diesem geringen und abgemessenen
Ueberrest gebracht worden seyn? Man darf diese Frage nur in Ansehung
eines von den Planeten auflösen, so ergiebt sich daraus die
Anwendung auf alle von selber. [Ich
verspare diese Auflösung zu einer andern
Gelegenheit, weil sie eine nothwendige Verbindung mit derjenigen Aufgabe hat, die die königliche
Akademie der Wissenschaften zu Berlin, auf das
1754ste Jahr, zum Preise aufgestellet hatte](#en28707).
Die Theorie, welche den
Ursprung der Achsendrehungen erklären soll, muß auch die
Stellung ihrer Achsen, gegen den Plan ihrer
Kreise, aus eben denselben Ursachen herleiten können.
Man hat Ursache, sich zu verwundern, woher der Aeqvator der
täglichen Umwelzung mit der Fläche der Mondenkreise, die um
denselben Planeten laufen, nicht in demselben Plane ist;
denn dieselbe Bewegung, die den Umlauf eines Trabanten gerichtet,
hat durch ihre Erstreckung bis zum Körper des Planeten, dessen
Drehung um die Achse hervorgebracht, und dieser
eben dieselbe Bestimmung in der Richtung und Lage ertheilen
sollen. Himmelskörper, die keine um
sich laufende Nebenplaneten haben, setzten sich dennoch durch eben
dieselbe Bewegung der Partikeln, die zu ihrem Stoffe dieneten, und
durch dasselbe Gesetze, welches jene auf die
Fläche ihrer periodischen Laufbahn einschränkte, in eine
Achsendrehung, welche aus den gleichen Gründen mit ihrer
Umlaufsfläche in der Richtung übereintreffen muste. Diesen Ursachen zu
Folge müsten billig die Achsen aller Himmelskörper, gegen die
allgemeine Beziehungsfläche des planetischen Systems, welche nicht weit
von der Ecliptik abweicht, senkrecht stehen. [Allein sie sind nur bey den zwey wichtigsten
Stücken dieses Weltbaues senkrecht: beym
Jupiter und bey der Sonne; die andern, deren
Umdrehung man kennet, neigen ihre Achsen gegen
den Plan ihrer Kreise; der Saturn mehr als die andern,
die Erde aber mehr, als Mars, dessen Achse auch
beynahe senkrecht gegen die Ecliptik gerichtet ist. Der
Aeqvator des Saturns, (wofern man denselben
durch die Richtung seines Ringes bezeichnet halten kan,)
neiget sich mit einem Winkel von 31 Graden zur
Fläche seiner Bahn; der
Erden ihrer aber nur mit
](#en28729)[22½]
. Man kan die Ursache dieser
Abweichungen vielleicht der Ungleichheit in den Bewegungen des Stoffes
beymessen, die den Planeten zu bilden zusammen gekommen sind. In der
Richtung der Fläche seines Laufkreises war die vornehmste Bewegung
der Partikeln um den Mittelpunkt desselben, und daselbst war
der Plan der Beziehung, um welchen die elementarische Theilchen
sich häuften, um daselbst die Bewegung, wo möglich, zirkelgleich zu
machen, und zur Bildung der Nebenplaneten Materie zu
häufen, welche um deswillen niemals von der Umlaufsbahn weit
abweichen. Wenn der Planet sich gröstentheils nur aus diesen Theilchen
bildete, so würde seine Achsendrehung so
wenig, wie die Nebenplaneten, die um ihn laufen,
bey seiner ersten Bildung davon abgewichen seyn; aber er
bildete sich, wie die Theorie es dargethan hat, mehr aus
den Partikeln, die auf beyden Seiten niedersunken, und deren Menge
oder Geschwindigkeit nicht so völlig abgewogen gewesen zu seyn
scheinet, daß die eine Halbkugel nicht eine kleine Ueberwucht
der Bewegung über die andere, und daher einige Abweichung der Achse
hätte bekommen können.
Dieser Gründe
ungeachtet trage ich diese Erklärung nur als
eine Muthmassung vor, die ich mir nicht auszumachen getraue.
Meine wahre Meynung gehet dahin: daß die Umdrehung der Planeten
um die Achse in dem ursprünglichen Zustande der ersten
Bildung, mit der Fläche ihrer jährlichen Bahn, ziemlich
genau übereingetroffen habe, und daß Ursachen vorhanden
gewesen, diese Achse aus ihrer ersten Stellung zu verschieben. Ein
Himmelskörper, welcher aus seinem ersten
flüßigen Zustande in den Stand der Festigkeit übergehet, erleidet,
wenn er sich auf solche Art völlig ausbildet, eine grosse Veränderung
in der Regelmäßigkeit seiner
Oberfläche. Dieselbe wird feste und gehärtet,
indessen, daß die tiefern Materien sich noch nicht, nach Maaßgebung
ihrer specifischen Schweere, genugsam
gesenket haben; die leichteren Sorten, die mit in ihrem Klumpen
untermengt waren, begeben sich endlich, nachdem sie sich von den andern geschieden, unter die oberste fest
gewordene Rinde, und erzeugen die grossen Hölen, deren, aus
Ursachen, welche allhier anzuführen, zu weitläuftig ist,
die grösseste und weiteste unter oder nahe zu dem Aeqvator
befindlich sind, in welche die gedachte Rinde endlich hineinsinkt,
mannigfaltige Ungleichheiten, Berge und Höhlen, erzeuget. Wenn nun auf
solche Art, wie es mit der Erde, dem Monde, der Venus,
augenscheinlich vorgegangen seyn muß, die Oberfläche
uneben geworden; so hat sie nicht das
Gleichgewicht des Umschwunges in
ihrer Achsendrehung mehr auf allen Seiten leisten können.
Einige hervorragende Theile von beträchtlicher Masse, welche auf
der entgegengesetzten Seite
keine andere fanden, die ihnen die Gegenwirkung des Schwunges leisten
konten, musten alsbald die Achse der Umdrehung verrücken, und sie in solchen Stand zu setzen suchen,
um welchen die Materien sich im Gleichgewichte
aufhielten. Eben dieselbe Ursache also, die bey der völligen
Ausbildung eines Himmelskörpers seine Oberfläche aus dem waagerechten
Zustande in abgebrochene Ungleichheiten versetzte; diese allgemeine Ursache, die bey allen
Himmelskörpern, welche das
Fernglas deutlich genug entdecken kan, wahrgenommen wird, hat sie in die Nothwendigkeit
versetzet, die ursprüngliche
Stellung ihrer Achse etwas zu verändern. Allein diese
Veränderung hat ihre Grenzen, um nicht gar zu weit
auszuschweifen. [Die
Ungleichheiten erzeugen
sich, wie schon erwehnt, mehr neben dem
Aeqvator einer umdrehenden Himmelskugel, als
weit von demselben; zu den Polen hin verlieren sie sich fast
gar, wovon die Ursachen anzuführen, ich andere
Gelegenheit vorbehalte](#en28913). Daher werden die am meisten
über die gleiche Fläche hervorragende Massen nahe bey dem
Aequinoctialzirkel
anzutreffen seyn, und indem dieselbe, durch den Vorzug
des Schwunges, diesem sich zu nähern streben, werden sie
höchstens nur um einige Grade die Achse des
Himmelskörpers, aus der senkrechten Stellung von der Fläche seiner
Bahn, erheben können. Diesem zu Folge wird ein Himmelskörper, der
sich noch nicht völlig ausgebildet hat, diese rechtwinklichte Lage
der Achse zu seinem Laufkreise noch an sich
haben, die er vielleicht nur in der Folge langer Jahrhunderte
ändern wird. Jupiter scheinet noch in diesem Zustande zu seyn. Der
Vorzug seiner Masse und Grösse, die Leichtigkeit seines Stoffes, haben
ihn genöthiget, den festen Ruhestand seiner Materien einige
Jahrhunderte später, als andere Himmelskörper, zu
überkommen. Vielleicht ist das innere seines
Klumpens noch in der Bewegung, die
Theile seines Zusammensatzes zu dem Mittelpunkte, nach
Beschaffenheit ihrer Schwere, zu senken, und durch
die Scheidung der dünnern Gattungen von den schweren, den
Stand der Festigkeit zu überkommen. Bey solcher Bewandniß kan es
auf seiner Oberfläche noch nicht ruhig aussehen. Die Umstürzungen
und Ruine herrschen auf derselben. Selbst das Fernglas hat uns
davon versichert. Die Gestalt dieses Planeten ändert sich
beständig, da indessen der Mond, die Venus, die Erde,
dieselbe unverändert erhalten. Man kan
auch wohl
mit Recht die Vollendung der Periode der Ausbildung bey
einem [Himmelskörper einige
Jahrhunderte später gedenken, der unsere
Erde an Grösse mehr wie zwanzigtausendmal übertrifft, und
an Dichtigkeit 4mal nachstehet](#en29002). Wenn seine
Oberfläche eine ruhige Beschaffenheit wird erreichet haben; so
werden ohne Zweifel weit grössere Ungleichheiten,
als die, so die Erdfläche bedecken, mit der Schnelligkeit
seines Schwunges verbunden, seiner Umwendung in nicht gar
langem Zeitlaufe diejenige beständige Stellung ertheilen, die das
Gleichgewicht der Kräfte auf ihm erheischen
wird.
[Saturn, der 3mal kleiner, als Jupiter ist](#en29010), kan vielleicht
durch seinen weitern Abstand einen Vorzug einer geschwinderen
Ausbildung vor diesem erhalten haben: zum wenigsten macht die viel
schnellere Achsendrehung desselben, und das grosse
Verhältniß seiner Centerfliehkraft zu
der Schweere auf seiner Oberfläche, (welches in dem
folgenden Hauptstücke soll dargethan werden,) daß die vermuthlich
auf derselben dadurch erzeugte Ungleichheiten, gar bald den Ausschlag
auf die Seite [der
Ueberwucht], durch eine [Vorrückung] der Achse, gegeben haben.
Ich gestehe freymüthig, daß dieser Theil meines Systems,
welcher die Stellung der
planetischen Achsen betrifft, noch unvollkommen und
ziemlich weit entfernt sey, der geometrischen Rechnung unterworfen
zu werden. Ich habe dieses lieber aufrichtig entdecken wollen, als
durch allerhand erborgte Scheingründe der Tüchtigkeit,
der übrigen Lehrverfassung Abbruch zu thun,
und ihr eine schwache Seite zu geben.
Nachfolgendes Hauptstück kan eine Bestätigung von der
Glaubwürdigkeit der ganzen Hypothese abgeben, wodurch wir die
Bewegungen des Weltbaues haben erklären wollen.
Fünftes
Hauptstück,
von dem
Ursprunge des Ringes des Saturns, und
Berechnung der täglichen Umdrehung
dieses
Planeten aus den Verhältnissen
[desselben].
Vermöge der
systematischen Verfassung im Weltgebäude hängen die Theile derselben
durch eine stufenartige Abänderung ihrer Eigenschaften zusammen, und man kan vermuthen, daß ein in der
entlegensten Gegend der Welt
befindlicher Planet ohngefehr solche Bestimmungen haben werde, als der nächste Comet überkommen
möchte, wenn er durch die Verminderung der Eccentricität in das
planetische Geschlecht erhoben würde. Wir wollen
demnach den Saturn so ansehen, als wenn er
auf eine, der cometischen Bewegung ähnliche Art, etliche Umläufe mit
grösserer Eccentricität zurück geleget habe, und
nach und nach zu einem dem Zirkel ähnlichern Gleise gebracht
worden
Oder welches wahrscheinlicher ist, daß er in seiner Cometenähnlichen
Natur, die er auch noch jetzo vermöge seiner Eccentricität an sich hat,
bevor der leichteste Stoff seiner Oberfläche völlig zerstreuet worden,
eine cometische Atmosphäre ausgebreitet habe.
. Die Hitze, die sich ihm in seiner Sonnennähe
einverleibete, erhob den leichten Stoff von seiner Oberfläche,
der, wie wir aus den vorigen Hauptstücken wissen, bey denen obersten
Himmelskörpern [von
überschwenglicher Dünnigkeit ist, sich] von geringen Graden Wärme
ausbreiten zu lassen. Indessen, nachdem der Planet in etlichen
Umschwüngen zu dem Abstande, da er jetzt schwebet, gebracht
worden; verlohr er in einem so gemäßigten Clima nach und nach die
empfangene Wärme, und die Dünste, welche von seiner Oberfläche
sich noch immer um ihn verbreiteten,
liessen nach und nach ab, sich bis in Schweifen zu
erheben. Es stiegen auch nicht mehr neue so häufig auf, um die
alten zu vermehren: kurz, die schon ihn
umgebenden Dünste blieben durch Ursachen, welche wir gleich
anführen wollen, um ihn schweben, und erhielten
ihm das Merkmal seiner ehemaligen cometenähnlichen Natur in
einem beständigen Ringe, indessen, daß
sein Körper die Hitze verhauchte, und zuletzt ein ruhiger und
gereinigter Planet wurde. Nun wollen wir das Geheimniß anzeigen,
das dem Himmelskörper seine aufgestiegene Dünste frey schwebend
hat erhalten können, ja, sie aus einer rund um ihn ausgebreiteten Atmosphäre,
in die Form eines allenthalben abstehenden Ringes, verändert hat. Ich nehme an: Saturn
habe eine Umdrehung um die Achse gehabt; und nichts mehr, als
dieses, ist nöthig, um das ganze Geheimniß aufzudecken. Kein
anderes Triebwerk, als dieses einzige, hat durch einen
unmittelbaren mechanischen Erfolg, gedachtes Phänomenon dem Planeten zuwege gebracht; und ich
getraue mir es zu behaupten, daß in der ganzen Natur nur
wenig Dinge auf einen so begreiflichen Ursprung können
gebracht werden, als diese Besonderheit des Himmels, aus dem rohen Zustande der ersten
Bildung sich entwickeln läßt.
Die von dem Saturn
aufsteigende Dünste hatten die Bewegung an sich, und setzten sie
in der Höhe, dahin sie aufgestiegen waren, frey fort, die sie, als
dessen Theile bey seiner Umdrehung um die Achse, gehabt hatten. Die
Theilchen, die nahe beym Aeqvator des Planeten aufstiegen, müssen die
schnellste, und weiter davon ab zu den Polen, um so viel schwächere
Bewegungen gehabt haben, je grösser die Breite
des Orts war, von dem sie aufstiegen. Das Verhältniß der
specifischen Schwere ordnete den Partikeln die
verschiedentliche [Höhen zu, zu] denen
sie aufstiegen; aber nur diejenige Partikeln konten die
Oerter ihres Abstandes in
einem beständig freyen Zirkelumschwunge behaupten,
deren Entfernungen, in die sie versetzt waren, eine solche
Centralkraft erheischeten,
als diese mit der Geschwindigkeit, welche ihnen von der
Achsendrehung eigen war, leisten
konten; die übrigen, wofern sie durch die Wechselwirkung der
andern nicht zu dieser Genauheit gebracht werden können, müssen entweder
mit dem Uebermaasse der Bewegung aus der Sphäre des Planeten
sich entfernen, oder durch den Mangel derselben, auf ihn zurück zu
sinken, genöthiget werden. Die durch den ganzen Umfang der Dunstkugel
zerstreute Theilchen werden, vermöge eben derselben Centralgesetze, in der Bewegung ihres Umschwunges, die
fortgesetzte Aeqvatorsfläche des
Planeten von beyden Seiten zu durchschneiden trachten, und, indem
[sie einander in diesem Plane von
beyden Hemisphärien
einander] aufhalten, werden sie sich daselbst
häufen; und, weil ich setze, daß gedachte Dünste diejenige sind,
die der Planet [zu] seiner Verkühlung zuletzt herauf
schickt, wird alle zerstreuete Dunstmaterie sich neben diesem Plane in einem nicht gar
breiten Raume sammlen, und die Räume zu beyden Seiten leer lassen. In
dieser neuen und veränderten Richtung aber werden sie dennoch eben
dieselbe Bewegung fortsetzen, welche sie, in
freyen concentrischen Zirkelumläufen, schwebend erhält. Auf
solche Weise nun ändert der Dunstkreiß seine Gestalt, welche eine
erfüllte Sphäre war, in eine Form einer ausgebreiteten Fläche, welche gerade mit dem Aeqvator des
Saturns zusammen trifft; aber auch diese
Fläche muß aus eben denselben mechanischen Gründen zuletzt die Form eines Ringes annehmen,
dessen äusserer Rand durch die Wirkung der
Sonnenstrahlen bestimmet wird, welche diejenige Theilchen,
die sich bis zu gewisser Weite von dem
Mittelpunkte des Planeten entfernet
haben, durch ihre Kraft zerstreuet und entfernet, so wie sie es
bey den Cometen thut, und dadurch die auswendige Grenze ihres Dunstkreises abzeichnet. Der inwendige
Rand dieses entspringenden Ringes wird durch die Verhältniß der
Geschwindigkeit des Planeten unter
seinem Aeqvator bestimmt. Denn in demjenigen Abstande von seinem Mittelpunkte, da
diese Geschwindigkeit
[mit der Attraction des Orts] das Gleichgewichte leistet,
da ist die größte Nähe, in welcher die von seinem Körper
aufgestiegene Theilchen, durch [die der Achsendrehung eigene] Bewegung, Zirkelkreise
beschreiben können. Die nähern Theilchen, weil sie
einer grössern Geschwindigkeit zu solchem Umlaufe bedürfen, die sie
doch nicht haben können, weil selbst auf dem Aeqvator des Planeten die
Bewegung nicht schneller ist, werden dadurch eccentrische Läufe
erhalten, die einander durchkreutzen, [eine der andern Bewegung schwächen], und endlich
insgesammt auf den Planeten niederstürzen, von dem sie sich
erhoben hatten. Da sehen wir nun das wunderseltsame Phänomenon,
dessen Anblick seit seiner Entdeckung die Astronomen jederzeit in
Bewunderung gesetzet hat, und, dessen Ursache zu entdecken, man
niemals, auch nur eine wahrscheinliche, Hoffnung hat fassen
können, auf eine leichte von aller Hypothese befreyete mechanische Art entstehen. Was dem Saturn widerfahren
ist, das würde, wie hieraus leicht ersehen werden kan, einem
jeden Cometen, der genugsame Achsendrehung hätte, wenn er in eine
beständige Höhe versetzt würde, in der sein Körper nach
und nach verkühlen könte, eben so regelmäßig wiederfahren. Die Natur
ist an vortreflichen Auswickelungen, in
dem sich selbst gelassenen Zustande ihrer Kräfte, sogar
im Chaos fruchtbar, und die darauf folgende Ausbildung
bringet so herrliche
Beziehungen und Uebereinstimmungen zum gemeinsamen
Nutzen der Creatur mit sich, daß sie sogar, in den ewigen und
unwandelbaren Gesetzen ihrer wesentlichen
Eigenschaften, dasjenige grosse Wesen mit einstimmiger Gewißheit zu erkennen geben, in welchem sie,
vermittelst ihrer gemeinschaftlichen Abhängigkeit, sich zu
einer gesammten Harmonie [vereinbaren]. Saturn hat
von seinem Ringe grosse Vortheile; er vermehret seinen Tag, und
erleuchtet unter so viel Monden dessen Nacht
dermassen, daß man daselbst leichtlich die Abwesenheit der Sonne
vergißt. Aber, muß man denn deswegen leugnen, daß die allgemeine
Entwickelung der Materie durch mechanische Gesetze,
ohne andere, als ihre allgemeine Bestimmungen, zu
bedürfen, habe Beziehungen hervorbringen
können, die
der vernünftigen Creatur Nutzen schaffen? Alle Wesen hängen
aus einer Ursache zusammen, welche der Verstand GOttes ist;
sie können dahero keine andere Folgen nach sich ziehen, als solche,
die eine Vorstellung der Vollkommenheit in
eben derselben göttlichen Idee mit sich führen.
[Wir wollen nunmehro die Zeit der Achsendrehung dieses
Himmelskörpers
aus den Verhältnissen seines Ringes, nach der
angeführten Hypothese seiner Erzeugung,
berechnen. Weil alle Bewegung der Theilchen des Ringes, eine
einverleibte Bewegung von der Achsendrehung
des Saturns ist, auf dessen Oberfläche sie sich befanden;
so trifft die schnelleste Bewegung unter denen,
die diese Theilchen haben, mit der schnellesten
Umwendung, die auf der Oberfläche des Saturns
angetroffen wird, überein,
das ist: die Geschwindigkeit, womit die Partikeln
des Ringes in seinem inwendigen Rande umlaufen, ist
derjenigen, die der Planet auf seinem Aeqvator hat,
gleich. Man kan aber jene leicht finden, indem man
sie aus der Geschwindigkeit eines von den
Saturnustrabanten suchet, dadurch, daß man selbige, in ](#en29406)[dem Verhältnisse]
der [Qvadratwurzel] der Entfernungen von dem Mittelpunkte des
Planeten, nimmt. Aus der gefundenen
Geschwindigkeit ergiebt sich unmittelbar die Zeit der
Umdrehung des Saturns um seine Achse; sie ist
von sechs Stunden, drey und
zwanzig Minuten, und drey
und funfzig
Secunden
.
Diese mathematische Berechnung einer
unbekannten Bewegung eines
Himmelskörpers, die vielleicht die einzige Vorherverkündigung ihrer Art in der eigentlichen Naturlehre
ist, erwartet von den Beobachtungen künftiger Zeiten die Bestätigung.
Die noch zur Zeit bekannte Ferngläser vergrössern den Saturn nicht
so sehr, daß man die Flecken, die man auf seiner Oberfläche vermuthen
kan, dadurch entdecken könnte, um durch
deren Verrückung seine Umwendung um die Achse zu
ersehen. Allein die Sehröhre haben vielleicht
noch nicht alle diejenige Vollkommenheit erlanget, die man von
ihnen hoffen kan, und welche der Fleiß und die Geschicklichkeit der
Künstler uns zu versprechen scheinet. Wenn man dereinst dahin
gelangete, unsern Muthmassungen den Ausschlag durch den
Augenschein zu geben, welche Gewißheit würde die Theorie des Saturns,
und was vor eine vorzügliche
Glaubwürdigkeit würde das ganze System dadurch nicht
erlangen, das auf den gleichen Gründen errichtet ist.
[Die Zeit der
täglichen Umdrehung des Saturns führet auch
die Verhältniß, der den Mittelpunkt fliehenden Kraft seines
Aeqvators, zur Schweere auf seiner Oberfläche mit sich; sie ist zu dieser, wie 20 : 32](#en29436). Die Schweere ist
also nur um ⅗
grösser,
als die Centerfliehkraft. Dieses so grosse
Verhältniß verursachet nothwendig einen sehr beträchtlichen
Unterscheid der Durchmesser dieses
Planeten, und man könte besorgen, daß er so groß
entspringen müßte, daß die
Beobachtung bey diesem, ob zwar wenig, durch das Fernglas
vergrösserten Planeten, dennoch gar zu deutlich in
die Augen fallen müßte, welches wirklich nicht geschiehet, und
die Theorie dadurch einen nachtheiligen Anstoß erleiden könte.
[Eine
gründliche Prüfung hebet diese Schwierigkeit
völlig. ](#en29509)[Nach der Huygenianischen Hypothese,
welche annimmt, daß die Schweere in dem innern
eines Planeten durch und durch gleich
sey, ist der Unterscheid der Durchmesser in einer
zweyfach kleinern Verhältniß zu dem Durchmesser des
Aeqvators,
als die Centerfliehkraft zur Schweere unter den Polen hat.
Z. E. da bey der
Erde, die den Mittelpunkt fliehende Kraft des
Aeqvators
⅟](#en29510)289
der Schweere unter den
Polen ist: so muß in der Huygenianischen Hypothese der
Durchmesser der Aeqvatorsfläche
⅟578
grösser, als die
Erdachse
seyn. Die Ursache ist diese: weil, da die Schweere der
Voraussetzung gemäß, in dem innern des Erdklumpens, in allen Nähen
zum Mittelpunkte so groß, wie auf der Oberfläche ist, die
Centrifugalkraft aber mit den Annäherungen zum
Mittelpunkte abnimmt, selbige nicht allenthalben
⅟289
der Schweere ist, sondern vielmehr die ganze
Verminderung des Gewichtes der flüßigen Säule in der
Aeqvatorsfläche aus diesem Grunde nicht
⅟289,
sondern die Hälfte davon, d. i.
⅟578, desselben
beträgt.
[Dagegen hat
in der Hypothese des Newton
die Centerfliehkraft, welche die
Achsendrehung erreget, in der ganzen
Fläche des Aeqvators, bis zum
Mittelpunkte, eine gleiche Verhältniß zur
Schweere des Orts: weil diese in dem
innern des Planeten, (wenn er durch und durch von
gleichförmiger Dichtigkeit angenommen wird,) mit dem
Abstande
vom Mittelpunkte in derselben Proportion, als die
Centerfliehkraft, abnimmt, mithin diese jederzeit
⅟](#en29525)289
der erstern ist. Dieses
verursachet eine Erleichterung der flüßigen Säule in der
Aeqvatorsfläche, und auch die Erhebung derselben
um ⅟289,
welcher Unterschied der Durchmesser in diesem
Lehrbegriffe noch dadurch vermehret wird,
daß die Verkürzung der Achse eine
Annäherung der Theile zum Mittelpunkte, mithin eine Vermehrung der Schweere; die
Verlängerung des Aeqvatordurchmessers aber eine
Entfernung der Theile von eben demselben Mittelpunkte, und daher
eine Verringerung ihrer Gravität mit sich führet, und aus
diesem Grunde die Abplattung des Newtonischen Sphäroids so vermehret,
daß der Unterscheid der Durchmesser von
⅟289
bis zu ⅟230
erhoben wird
.
Nach diesen
Gründen müsten die Durchmesser des Saturns noch in grösserem
Verhältnisse, als das von 20 zu 32 ist, gegen
einander seyn; sie müsten der Proportion von 1 zu 2 beynahe gleich
[kommen: ein]
Unterscheid, der so groß ist,
daß die geringste Aufmerksamkeit ihn nicht [fehlen] würde, so klein auch Saturn
durch die Ferngläser erscheinen mag. Allein hieraus ist nur zu ersehen,
daß die Voraussetzung der gleichförmigen Dichtigkeit, welche bey
dem Erdkörper ziemlich richtig angebracht zu seyn scheinet, beym Saturn
gar zu weit von der Warheit abweiche;
welches schon an sich selber bey einem Planeten
wahrscheinlich ist, dessen
Klumpen dem grossesten Theile, seines Inhaltes
nach, aus den leichtesten Materien bestehet, und denen von
schwererer Art in seinem Zusammensatze, bevor er den
Zustand der Festigkeit bekommt, die Niedersinkung zum Mittelpunkte, nach
Beschaffenheit ihrer Schweere, weit freyer verstattet, als diejenige
Himmelskörper, deren viel dichterer Stoff den Niedersatz
der Materien verzögert, und sie, ehe diese
Niedersinkung geschehen kan, fest
werden läßt. Indem wir also beym Saturn voraussetzen, daß die
Dichtigkeit seiner Materien, in seinem Innern, mit der Annäherung zum
Mittelpunkte zunehme, so nimmt die Schweere nicht mehr in diesem
Verhältnisse ab; sondern die wachsende Dichtigkeit ersetzt den Mangel der Theile, die über die Höhe des
in dem Planeten befindlichen Punkts gesetzt seyn, und durch ihre
Anziehung zu dessen Gravität nichts
beytragen
[Denn nach den Newtonischen Gesetzen der Attraction wird ein
Körper, der sich in dem inwendigen einer Kugel befindet, nur von
demjenigen Theile derselben angezogen, der in der Weite, welche
jener vom Mittelpunkte hat, um diesen sphärisch beschrieben worden.
Der ausser diesem Abstande befindliche concentrische Theil thut,
wegen des Gleichgewichts seiner Anziehungen, die einander aufheben,
nichts dazu, weder den Körper zum Mittelpunkte hin, noch von ihm
weg, zu bewegen](#en29631).
. Wenn diese vorzügliche Dichtigkeit der tiefsten Materien
sehr groß ist; so verwandelt sie, vermöge der
Gesetze der Anziehung, die zum
Mittelpunkte hin in dem innern abnehmende Schweere in eine fast gleichförmige, und setzet
das Verhältniß der Durchmesser dem Huygenischen nahe, welches
immer die Hälfte von dem
Verhältniß zwischen der Centrifugalkraft und der Schweere
ist, folglich, da diese gegen einander wie 2 : 3 waren; so wird
der Unterscheid der Durchmesser dieses
Planeten nicht ⅓, sondern ⅙
des
[Aeqvatordurchschnitts] seyn: welcher Unterscheid schlüßlich noch dadurch
verborgen wird, weil [Saturn,
dessen Achse mit der Fläche seiner Bahn
jederzeit einen Winkel von 31 Graden
macht](#en29705),
die Stellung desselben gegen seinen Aeqvator niemals, wie
beym Jupiter, gerade zu darbietet, welches den vorigen Unterscheid fast
um den dritten Theil, dem Scheine nach, vermindert. Man kan bey solchen Umständen, und vornemlich bey
der so grossen Weite dieses Planeten leicht erachten: daß die
abgeplattete Gestalt seines Körpers nicht so leicht,
als man wohl denken solte, in die Augen fallen werde; dennoch wird die
Sternwissenschaft, deren Aufnehmen
vornemlich auf die Vollkommenheit der Werkzeuge
ankommt, die Entdeckung einer so merkwürdigen Eigenschaft, wo ich
mir nicht zu sehr schmeichle, durch derselben Hülfe vielleicht zu
erreichen, in den Stand gesetzet
werden.
Was ich von der Figur
des Saturns sage, kan gewissermassen der Naturlehre des
Himmels zu einer allgemeinen Bemerkung dienen. [Jupiter, der, nach einer genauen Ausrechnung, eine
Verhältniß der Schweere zur Centrifugalkraft auf
seinem Aeqvator wenigstens wie 9¼ :
1 hat, solte, wenn sein Klumpen durch und durch von
gleichförmiger Dichtigkeit wäre, nach den
Lehrsätzen des Newton, einen noch
grössern Unterscheid, als
⅑, zwischen seiner Achse und dem
Aeqvatorsdurchmesser, an sich zeigen. Allein
Caßini hat ihn
nur ⅟](#en29719)16,
[Pound]
⅟12,
bisweilen
⅟14
befunden; wenigstens stimmen
alle diese verschiedene Beobachtungen, welche durch ihren
Unterscheid die Schwierigkeit dieser Abmessung
bestätigen, darin überein,
sie viel kleiner zu setzen, als sie es nach
dem System des Newton, oder vielmehr nach
seiner Hypothese, von der gleichförmigen Dichtigkeit seyn
solte.
Und wenn man daher die Voraussetzung
der gleichförmigen Dichtigkeit, welche die so grosse
Abweichung der Theorie von der
Beobachtung veranlasset, in die viel wahrscheinlichere verändert, da die Dichtigkeit des
planetischen Klumpens zu seinem Mittelpunkte hinzunehmend
gesetzet wird; so wird man nicht allein an dem Jupiter
die Beobachtung rechtfertigen, sondern auch bey dem Saturn, einem viel
schwerer abzumessenden Planeten, die Ursache einer minderen
Abplattung seines sphäroidischen Körpers deutlich
einsehen
können.
Wir
haben aus der Erzeugung des saturnischen Ringes
Anlaß genommen, den kühnen Schritt zu wagen, die Zeit der
Achsendrehung, welche die Ferngläser zu entdecken nicht
vermögen, ihm durch Rechnung zu bestimmen. Lasset uns diese Probe
einer physischen Vorhersagung, noch mit einer andern, an eben diesem
Planeten vermehren, welche von vollkommeneren Werkzeugen künftiger
Zeiten das Zeugniß ihrer Richtigkeit zu erwarten hat.
Der Voraussetzung gemäß:
daß der Ring des Saturns eine Häufung der Theilchen sey, die, nachdem sie von der Oberfläche
dieses Himmelskörpers als Dünste aufgestiegen, sich vermöge des
Schwunges, den sie von der Achsendrehung desselben an sich haben und
fortsetzen, in der Höhe ihres Abstandes frey in
Zirkeln laufend erhalten, haben dieselbe nicht in allen ihren
Entfernungen vom Mittelpunkte, gleiche periodische
Umlaufszeiten; [sondern diese verhalten
sich vielmehr, wie die Qvadratwurzeln, aus den Würfeln
ihres Abstandes, wenn sie sich durch die Gesetze
der Centralkräfte schwebend erhalten sollen. Nun
ist die Zeit, darinn, nach dieser Hypothese, die
Theilchen des inwendigen Randes ihren
Umlauf verrichten, ohngefehr von 10 Stunden, und
die Zeit des Zirkellaufs der Partikeln im auswendigen
Rande ist, nach gehöriger
Ausrechnung, 15 Stunden; also, wenn die niedrigsten
Theile des Ringes ihren Umlauf 3mal verrichtet haben, haben
es die entfernetesten nur 2mal gethan](#en29814). Es ist aber wahrscheinlich,
man mag die Hinderniß, die die Partikeln bey ihrer grossen
Zerstreuung in der Ebene des Ringes einander leisten, so
gering schätzen, als man will, daß das Nachbleiben der entferntern
Theilchen, bey jeglichem ihrer Umläufe, die schneller bewegte niedrige
Theile nach und nach [verzögert und aufhält]: dagegen diese denen obern
einen Theil ihrer Bewegung, zu einer geschwindern Umwendung, eindrücken
müssen, welches, wenn diese Wechselwirkung nicht endlich
unterbrochen würde, so lange dauren würde, bis die
Theilchen des Ringes alle dahin gebracht wären,
sowohl die niedrigen, als die weitern, in gleicher Zeit sich
herumzuwenden, als in welchem Zustande sie in
respectiver Ruhe gegen einander seyn, und durch die
Wegrückung keine Wirkung in einander thun
würden. Nun würde aber ein solcher Zustand, wenn die Bewegung des
Ringes dahin ausschlüge, denselben gänzlich zerstören, weil,
wenn man die Mitte von der Ebene des Ringes nimmt, und setzet, daß
daselbst die Bewegung in dem Zustande verbleibe, darinn sie vorher war
und seyn muß, um einen freyen Zirkellauf leisten zu können, die untern
Theilchen, weil sie sehr zurück
gehalten worden, sich nicht in ihrer Höhe schwebend erhalten,
sondern in schiefen und eccentrischen
Bewegungen einander durchkreutzen, die entferntern aber durch den
Eindruck einer grössern Bewegung, als sie vor die Centralkraft ihres
Abstandes seyn soll, weiter von [der Sonne abgewandt, als die Sonnenwirkung]
die äussere Grenze des Ringes bestimmt, durch dieselbe hinter
dem Planeten zerstreuet und fortgeführet werden
müsten.
Allein, man darf alle
diese Unordnung nicht befürchten. Der Mechanismus der
erzeugenden Bewegung des Ringes führet auf eine Bestimmung, die
denselben, vermittelst eben der Ursachen, die ihn
zerstören sollen, in einen sichern
Zustand versetzet, dadurch, daß er in etliche concentrische
Zirkelstreifen getheilet wird, welche wegen der Zwischenräume, die sie
absondern, keine Gemeinschaft mehr unter einander haben. Denn
indem die Partikeln, die in dem inwendigen Rande des Ringes
umlaufen, die [obere] durch ihre schnellere
Bewegung etwas fortführen, und ihren Umlauf beschleunigen; so
verursachen die vermehrten Grade der Geschwindigkeit in
diesen ein Uebermaaß der Centrifugalkraft, und eine Entfernung
von dem Orte, da sie schwebeten. Wenn man aber
voraussetzet, daß, indem dieselbe sich von den
niedrigen zu trennen bestreben, sie einen gewissen Zusammenhang zu
überwinden haben, der, ob es zwar zerstreuete Dünste seyn, dennoch
bey diesen nicht ganz nichts bedeutend zu seyn scheinet;
so wird dieser vermehrte Grad des Schwunges gedachten Zusammenhang zu
überwinden trachten: aber selbigen nicht
überwinden, so lange der Ueberschuß der
Centerfliehkraft,
die er in gleicher Umlaufszeit mit den niedrigsten
anwendet, über die Centralkraft ihres Orts, dieses Anhängen nicht
übertrifft. Und aus diesem Grunde muß in einer
gewissen Breite eines Streifens von diesem Ringe, obgleich, weil dessen
Theile in gleicher Zeit ihren Umlauf verrichten, die [obere] eine Bestrebung anwenden,
sich von den untern abzureissen, dennoch der Zusammenhang bestehen,
aber nicht in grösserer Breite, [weil sie, indem] die Geschwindigkeit dieser in
gleichen Zeiten [umbewegten] Theilchen, mit den Entfernungen, also mehr,
als sie es nach den Centralgesetzen thun solte, zunimmt, wenn
sie den Grad überschritten hat, den der Zusammenhang der
Dunsttheilchen leisten kan, von diesen sich abreissen
und einen Abstand annehmen müssen, welcher dem Ueberschusse der
Umwendungskraft über die
Centralkraft des Orts gemäß ist. Auf
diese Weise wird der Zwischenraum bestimmet, der den
ersten Streifen des Ringes von den übrigen absondert: und auf gleiche Weise macht die beschleunigte Bewegung
der obern Theilchen, durch den schnellen Umlauf der untern,
und der Zusammenhang derselben, welcher die Trennung zu hindern
trachtet, den zweyten concentrischen Ring, von welchem der dritte um
eine mäßige Zwischenweite abstehet. Man könte die Zahl dieser
Zirkelstreifen, und die Breite
ihrer Zwischenräume, ausrechnen, wenn der Grad des Zusammenhanges
bekannt wäre, welcher die Theilchen an einander hängt; allein
wir können uns begnügen, überhaupt
die Zusammensetzung des Saturnischen Ringes, die dessen
Zerstörung vorbeugt, und ihn
durch freye Bewegungen schwebend erhält, mit
gutem Grunde der Wahrscheinlichkeit errathen zu
haben.
Diese Muthmassung
vergnüget mich nicht wenig, vermittelst der Hoffnung, selbige noch
wohl dereinst durch wirkliche Beobachtungen bestätiget zu sehen.
[Vor einigen Jahren verlautete aus
London, daß, indem man mit einem neuen, vom Herrn
](#en30016)
Bradley
verbesserten Newtonischen Sehrohre, den Saturn
beobachtete, es geschienen habe, sein Ring sey eigentlich
eine Zusammensetzung von vielen
concentrischen Ringen, welche durch Zwischenräume
abgesondert wären. Diese Nachricht ist seitdem nicht fortgesetzet worden
Nachdem ich dieses aufgesetzet; finde ich [in den ](#en30022)Memoires der königl. Academie der
Wissenschaften zu Paris vom Jahre 1705. in einer Abhandlung des
Herrn
Caßini, von den Trabanten und dem Ringe des
Saturns, auf der 571sten Seite des zweyten Theils
der
v.
Steinwehrschen Uebersetzung, eine Bestätigung
dieser Vermuthung, die fast keinen Zweifel ihrer Richtigkeit mehr
übrig läßt. Nachdem Herr
Caßini
einen Gedanken
vorgetragen, der gewisser massen eine kleine Annäherung zu
derjenigen Warheit hätte seyn können, die wir herausgebracht haben,
ob er gleich an sich unwahrscheinlich ist: nemlich, daß vielleicht
dieser Ring ein Schwarm kleiner Trabanten seyn möchte, die vom
Saturn aus, eben so anzusehen wären, als die
Milchstrasse von der Erde aus erscheinet (Welcher Gedanke Platz
finden kan, wenn man vor diese kleine Trabanten die Dunsttheilchen
nimmt, die mit eben dergleichen Bewegung sich um ihn schwingen); so
sagt er ferner: Diesen Gedanken bestätigten die
Observationen, die man in den Jahren gemacht, da der Ring des
Saturns breiter und offener schien. Denn man sahe die Breite des
Ringes durch eine dunkele elliptische Linie, deren nächster
Theil, nach der Kugel zu, heller war, als der entfernteste, in
zween Theile getheilet. Diese Linie bemerkte gleichsam einen kleinen Zwischenraum zwischen
den zween Theilen, so wie die Weite der Kugel vom Ringe, durch
die größte Dunkelheit zwischen beyden, angezeiget
wird
.
Die Werkzeuge des Gesichts haben
die Kenntnisse der äussersten Gegenden des Weltgebäudes
dem Verstande eröfnet. Wenn es nun vornemlich auf sie ankommt,
neue Schritte darinn zu thun; so kan man von der Aufmerksamkeit
des Jahrhunderts auf [alle] dasjenige, was die Einsichten der
Menschen erweitern kan, wohl mit Wahrscheinlichkeit hoffen, daß sie
sich vornemlich auf eine Seite wenden
werde, welche ihr die größte Hoffnung zu wichtigen Entdeckungen darbietet.
Wenn aber Saturn so
glücklich gewesen, sich einen Ring zu verschaffen, warum ist denn kein anderer Planet mehr dieses
Vortheils theilhaftig worden? die Ursache ist deutlich. Weil ein
Ring aus den Ausdünstungen eines Planeten, der sie bey
seinem rohen Zustande aushauchet, entstehen
soll, und die Achsendrehung [dieser] den Schwung geben muß, den sie nur
fortzusetzen haben, wenn sie in die Höhe gelanget seyn, da sie mit dieser eingepflanzten Bewegung der
Gravitation gegen den Planeten gerade das
Gleichgewicht leisten können; so kan man leicht durch
Rechnung bestimmen, zu welcher Höhe die Dünste von einem Planeten
aufsteigen müssen, wenn sie durch die
Bewegungen, die sie unter dem Aeqvator desselben
hatten, sich in freyer Zirkelbewegung erhalten sollen, wenn
man den Durchmesser des Planeten, die Zeit seiner Umdrehung, und
die Schweere auf seiner Oberfläche kennet. Nach dem Gesetze der
Centralbewegung wird die Entfernung eines
Körpers, der um einen Planeten mit einer dessen Achsendrehung
gleichen Geschwindigkeit frey im
Zirkel laufen kan, in eben solchem Verhältnisse zum halben Durchmesser
des Planeten seyn, [als die den
Mittelpunkt fliehende Kraft, unter dem Aeqvator
desselben, zur Schweere ist].
[Aus diesen Gründen war die Entfernung
des innern Randes des Saturnringes wie 8, wenn der halbe Diameter desselben wie 5
angenommen wird](#en30125), welche zwey Zahlen in
demselben Verhältnisse wie 32 : 20 [sind], [die, so] wie wir vorher bemerket haben, die Proportion zwischen
der Schweere und der Centerfliehkraft unter dem Aeqvator
[ausdrückt].
Aus den gleichen Gründen, wenn man setzte, daß Jupiter einen
auf diese Art erzeugten Ring haben solte, würde dessen kleinster
halber Durchmesser die halbe Dicke des
Jupiter 10mal übertreffen, welches gerade
dahin treffen würde, wo sein äusserster Trabante um ihn läuft,
und daher sowohl aus diesen Gründen, als auch, weil die
Ausdünstung eines Planeten sich so weit von ihm nicht
ausbreiten kan, unmöglich ist. Wenn man verlangte zu wissen, warum
die Erde keinen Ring bekommen hat; so wird man die
Beantwortung in der Grösse des halben Durchmessers finden, den nur sein
innerer Rand hätte haben müssen, welcher 289 halbe Erddiameter
müste groß geworden seyn. Bey den langsamer bewegten Planeten
entfernet sich die Erzeugung eines Ringes noch weiter von der
Möglichkeit; also bleibt kein Fall übrig, da ein Planet
auf die Weise, wie wir es erkläret haben, einen Ring hätte bekommen
können, als derjenige, darinn der Planet ist, welcher ihn würklich
hat, welches eine nicht geringe Bestärkung der Glaubwürdigkeit unserer
Erklärungsart ist.
Was mich aber fast
versichert macht, daß der Ring, welcher den Saturn umgiebet, ihm
nicht auf diejenige allgemeine Art entstanden, und durch die
allgemeine Bildungsgesetze erzeugt worden, die
durch das ganze System der Planeten geherrschet, und dem Saturn
auch seine Trabanten verschaffet [hat], daß, sage ich, diese
äusserliche Materie nicht ihren Stoff dazu hergegeben,
sondern er ein Geschöpf des Planeten selber sey, der seine
flüchtigsten Theile durch [die] Wärme
erhoben, und ihnen durch seine eigene Achsendrehung den Schwung zur
Umwendung ertheilet hat, ist dieses, daß der Ring nicht so
wie die andern Trabanten
desselben, und wie überhaupt alle umlaufende Körper, die
in der Begleitung der Hauptplaneten befindlich seyn, in der
allgemeinen Beziehungsfläche der planetischen
Bewegungen gerichtet ist, sondern von ihr sehr abweicht:
welches ein sicherer Beweis ist, daß er nicht aus dem allgemeinen
Grundstoffe gebildet, und seine Bewegung aus dessen Herabsinken
bekommen, sondern von dem Planeten, nach längst vollendeter Bildung
aufgestiegen, und durch dessen eingepflanzte Umschwungskräfte, als sein abgeschiedener Theil, eine sich
auf desselben Achsendrehung beziehende Bewegung und Richtung, bekommen
habe.
Das Vergnügen, eine von
den seltensten Besonderheiten des Himmels, in dem ganzen
Umfange ihres Wesens und Erzeugung, begriffen zu haben, hat uns in eine so weitläuftige Abhandlung
verwickelt. Lasset uns mit der
[Vergünstigung] unserer
gefälligen Leser dieselbe, wo es beliebig, bis zur
Ausschweiffung treiben, um, nachdem wir uns auf eine
angenehme Art willkührlichen Meinungen, mit
einer Art
von Ungebundenheit, überlassen haben, mit desto mehrerer
Behutsamkeit und Sorgfalt,
wiederum zu der Warheit zurück zu kehren.
Könte man sich nicht
einbilden, daß die Erde eben sowohl, wie Saturn, ehemals einen
Ring gehabt habe? Er möchte nun von [seiner Oberfläche] eben so, wie Saturns seiner,
aufgestiegen seyn, und habe sich lange Zeit erhalten, indessen daß
die Erde von einer viel schnelleren Umdrehung,
als die gegenwärtige ist, durch, wer weiß was vor
Ursachen, bis zu gegenwärtigem Grade
aufgehalten worden, oder daß man dem abwerts sinkenden allgemeinen
Grundstoffe es zutrauet, denselben nach den
Regeln, die wir oben erkläret, gebildet zu haben,
welches man so genau nicht nehmen muß, wenn man seine Neigung
zum sonderbaren, vergnügen will. Allein, was vor ein Vorrath
von schönen Erläuterungen und Folgen bietet uns eine solche
Idee [dar.] Ein Ring um die Erde! Welche Schönheit
eines Anblicks vor diejenige, die erschaffen waren, die Erde als ein
Paradies zu bewohnen; wie viel Beqvemlichkeit vor diese, welche
die Natur von allen Seiten anlachen solte!
Allein dieses ist noch nichts gegen die Bestätigung,
die eine solche Hypothese aus der Urkunde der
Schöpfungsgeschichte entlehnen kan, und
die vor diejenige keine geringe Empfehlung zum Beyfalle ist, welche
die Ehre der Offenbarung nicht zu entweihen, sondern zu bestätigen
glauben, wenn sie sich ihrer bedienen, den Ausschweifungen ihres Witzes dadurch ein Ansehen zu geben.
[Das
Wasser der Veste, deren die Mosaische Beschreibung erwehnet,
hat den Auslegern
schon nicht wenig Mühe verursachet. Könte man sich
dieses Ringes nicht bedienen, sich aus dieser Schwierigkeit
heraus zu helfen? Dieser Ring bestand ohne Zweifel aus
wäßrichten Dünsten; und man hat ausser dem Vortheile, den er den
ersten Bewohnern der Erde verschaffen konte, noch diesen, ihn im benöthigten Falle
zerbrechen zu lassen, um die Welt, die solcher
Schönheit sich unwürdig
gemacht hatte, mit Ueberschwemmungen zu
züchtigen. Entweder ein Comet, dessen Anziehung
die regelmäßige Bewegungen seiner Theile in
Verwirrung brachte, oder die
Verkühlung der Gegend seines Aufenthalts vereinigte dessen
zerstreuete Dunsttheile, und stürzte sie, in einem
der allergrausamsten Wolkenbrüche, auf den Erdboden
nieder. Man weiß leichtlich, was die Folge hievon
war. Alle Welt gieng im Wasser unter, und sog noch
über dieses, in denen fremden und flüchtigen
Dünsten dieses unnatürlichen Regens,
denjenigen langsamen Gift ein, der alle
Geschöpfe dem Tode und der Zerstörung näher brachte.
Nunmehro war die Figur eines blassen und lichten Bogens von dem
Horizonte verschwunden, und die neue Welt, welche sich dieses
Anblicks niemals erinnern konte, ohne ein Schrecken vor
dieses fürchterliche Werkzeug der göttlichen Rache zu empfinden, sahe
vielleicht mit nicht geringer Bestürzung in dem ersten Regen denjenigen
](#en30322)[farbigten Bogen](#en30406),
der, seiner Figur nach, den erstern abzubilden schien, aber
durch die Versicherung des versöhnten
Himmels, ein Gnadenzeichen und Denkmaal einer fortwährenden
Erhaltung des nunmehro veränderten Erdbodens, seyn solte. Die
Aehnlichkeit der Gestalt dieses
Erinnerungszeichens mit der bezeichneten Begebenheit, könte
eine solche Hypothese denenjenigen
anpreisen, die der herrschenden Neigung ergeben sind,
die Wunder der Offenbarung mit den ordentlichen Naturgesetzen
in ein System zu bringen. Ich finde es vor rathsamer, den
flüchtigen Beyfall, den solche
Uebereinstimmungen erwecken können, dem wahren Vergnügen völlig
aufzuopfern; welches aus der Wahrnehmung des regelmäßigen
Zusammenhanges entspringet, wenn physische
Analogien einander zur Bezeichnung physischer Warheiten
unterstützen.
Sechstes
Hauptstück,
von
dem
Zodiakallichte.
[
](#en30421)Die Sonne ist mit einem subtilen
und dunstigen Wesen umgeben, welches in der
Fläche ihres Aeqvators, mit einer nur geringen
Ausbreitung auf beyden
Seiten, bis zu einer grossen Höhe sie
umgiebet, wovon man nicht versichert seyn kan,
ob es, wie Herr von
Mairan
es abbildet, in der
Figur eines erhaben geschliffenen Glases, (
figura lenticulari
,) mit der Oberfläche der
Sonne zusammen stößt, oder wie der Ring des
Saturns allenthalben von [ihm]
abstehet. Es sey nun das eine oder das andere;
so bleibet Aehnlichkeit genug übrig, um dieses Phänomenon mit dem
Ringe des Saturns in Vergleichung zu stellen, und es aus einem
übereinkommenden Ursprunge herzuleiten. Wenn diese ausgebreitete
Materie ein Ausfluß aus der Sonne ist, wie es denn am
wahrscheinlichsten ist, sie davor zu halten; so wird man
die Ursache nicht verfehlen können, die sie auf die, dem
Sonnenäqvator gemeine Fläche gebracht hat. Der leichteste und flüchtigste Stoff,
den das Sonnenfeuer von dessen Oberfläche erhebet, und schon
lange erhoben hat, wird durch [derselben Wirkung] weit über sie fortgetrieben,
und bleibet, nach Maasgebung seiner Leichtigkeit, in einer
Entfernung schweben, wo die forttreibende Wirkung der Strahlen
der Schweere dieser Dunsttheilchen
das Gleichgewicht leistet, oder sie werden von dem
Zuflusse neuer Partikeln unterstützet, welche beständig zu ihnen
hinzu kommen. Nun, weil die Sonne, indem sie sich um die Achse drehet,
diesen von ihrer Oberfläche abgerissenen Dünsten ihre Bewegung
gleichmäßig eindrückt; so behalten dieselbe einen
gewissen Schwung zum Umlaufe, wodurch sie von beyden Seiten, den
Centralgesetzen gemäß, in dem Zirkel ihrer Bewegung die fortgesetzte
Aeqvatorsfläche der Sonne zu durchschneiden, bestrebt seyn; und
daher, weil sie in gleicher Qvantität von beyden Hemisphärien
sich zu derselben hindringen, daselbst sich mit gleichen Kräften
häufen, und eine ausgebreitete Ebene, in diesem
auf dem Sonnenäqvator beziehenden Plan,
formiren.
Allein, ohnerachtet
dieser Aehnlichkeit mit dem Saturnusringe,
bleibt ein wesentlicher Unterschied übrig, welcher das
Phänomenon des Zodiakallichtes von jenem sehr abweichend macht. Die
Partikeln des erstern erhalten sich durch die eingepflanzte
Umdrehungsbewegung in frey schwebendem Zirkellaufe; allein die
Theilchen des letztern werden durch die Kraft der Sonnenstrahlen in
ihrer Höhe erhalten, [ohne welcher] die ihnen von der
Sonnenumwendung beywohnende Bewegung gar weit fehlen würde,
sie im freyen Umschwunge vom Falle abzuhalten. [Denn, da
die den Mittelpunkt fliehende Kraft der
Achsendrehung
auf der Oberfläche der Sonne noch nicht
⅟](#en30525)40000
der
Attraction ist; so würden diese aufgestiegene
Dünste 40000 halbe Sonnendiameter von ihr entfernet
werden müssen, um in solcher Weite allererst
eine Gravitation anzutreffen, [der ihre mitgetheilte] Bewegung das
Gleichgewicht leisten könte. Man
ist also sicher, dieses Phänomenon der Sonne ihr nicht auf
die, dem Saturnusringe gleiche Art zuzumessen.
Gleichwohl bleibet eine
nicht geringe Wahrscheinlichkeit übrig, daß dieser Halsschmuck der
Sonne vielleicht denselben Ursprung erkenne, den die gesammte Natur
erkennet, nemlich die Bildung aus dem allgemeinen Grundstoff, dessen Theile, da sie in den höchsten
Gegenden der Sonnenwelt herum geschwebet, nur allererst nach
völlig vollendeter Bildung des ganzen Systems zu der Sonne,
in einem späten Falle mit geschwächter, aber doch von Abend gegen Morgen
gekrümmter Bewegung, herab gesunken, und, vermittelst dieser Art des
Kreislaufes, die fortgesetzte Aeqvatorsfläche
derselben durchschnitten, daselbst durch ihre Häufung von beyden
Seiten, indem sie sich aufhielten, eine in dieser Stellung
ausgebreitete Ebene eingenommen haben, worinn
sie sich zum Theil durch der Sonnenstrahlen Zurücktreibung,
zum Theil durch ihre wirklich erlangte Kreißbewegung, jetzo in
beständig gleicher Höhe erhalten. Die gegenwärtige Erklärung
hat keine andere Würdigkeit, als
diejenige, welche Muthmassungen zukommt, und keinen
Anspruch, als nur auf einen
willkührlichen Beyfall; das Urtheil des Lesers mag sich auf diejenige
Seite wenden, welche ihm die annehmungswürdigste zu seyn dünket.
Siebendes
Hauptstück,
von
der
Schöpfung im ganzen Umfange ihrer Unendlichkeit,
sowohl dem Raume, als der Zeit nach.
Das Weltgebäude
setzet durch seine unermeßliche Grösse, und
durch die unendliche Mannigfaltigkeit und Schönheit, welche aus
[ihr]
von allen Seiten hervorleuchtet, in ein stilles Erstaunen.
Wenn die Vorstellung aller dieser
Vollkommenheit nun die Einbildungskraft rühret; so nimmt den Verstand
anderer Seits eine andere Art der Entzückung ein, wenn er
betrachtet, wie so viel Pracht, so viel Grösse, aus
einer einzigen allgemeinen Regel, mit einer
ewigen und richtigen Ordnung, abfliesset. Der planetische Weltbau,
[in dem] die Sonne aus dem
Mittelpunkte aller Kreise, mit
ihrer mächtigen Anziehung, die bewohnte Kugeln ihres Systems in ewigen
Kreisen umlaufend macht, ist gänzlich, wie wir gesehen haben, aus
dem ursprünglich ausgebreiteten Grundstoff aller Weltmaterie
gebildet worden. Alle Fixsterne, die das Auge an der holen Tiefe des
Himmels entdecket, und die eine Art von Verschwendung anzuzeigen scheinen, sind Sonnen und
Mittelpunkte von ähnlichen Systemen. Die Analogie erlaubt
es also hier nicht, zu zweifeln, daß diese auf die gleiche Art,
wie das, darinn wir uns befinden, aus
denen kleinsten Theilen der elementarischen Materie, die
den leeren Raum, diesen unendlichen Umfang der göttlichen
Gegenwart, erfüllete, gebildet und erzeuget
worden.
Wenn nun
alle Welten und Weltordnungen dieselbe Art ihres Ursprungs erkennen: wenn
die Anziehung unbeschränkt und allgemein, die Zurückstossung der
Elemente aber ebenfalls durchgehends wirksam, wenn bey dem unendlichen
das grosse und kleine beyderseits klein ist; solten nicht alle die
Weltgebäude gleichermassen eine beziehende Verfassung und systematische Verbindung unter einander
angenommen haben, als die Himmelskörper unserer Sonnenwelt im
kleinen, wie Saturn, Jupiter und die Erde, die vor sich insonderheit
Systeme seyn, und dennoch unter einander als Glieder in einem noch
grössern zusammen hängen? Wenn man in dem unermeßlichen Raume,
darinn alle Sonnen der Milchstrasse sich gebildet haben, einen
Punkt annimmt, um welchen durch, ich weiß nicht was vor eine Ursache,
die erste Bildung der Natur aus dem Chaos angefangen hat;
so wird daselbst die größte Masse, und ein Körper von der
ungemeinsten Attraction, entstanden seyn,
der dadurch fähig geworden, in einer ungeheuren
Sphäre um sich alle in der Bildung begriffene Systeme zu
nöthigen, sich gegen ihn, als ihren Mittelpunkt, zu senken,
und um ihn ein gleiches System im Ganzen zu errichten, als derselbe
elementarische Grundstoff, der die Planeten bildete, um
die Sonne im Kleinen gemacht hat. Die Beobachtung macht diese Muthmassung beynahe ungezweifelt.
Das Heer der Gestirne macht, durch seine beziehende Stellung gegen
einen gemeinschaftlichen Plan,
eben sowohl ein System aus, als die Planeten unseres Sonnenbaues um
die Sonne. Die Milchstrasse ist der Zodiakus dieser höheren
Weltordnungen, die von seiner Zone so wenig als möglich, abweichen, und
deren Streif immer von ihrem Lichte erleuchtet ist, so wie der
Thierkreiß der Planeten von dem Scheine dieser
Kugeln, obzwar nur in sehr wenig Punkten, hin und wieder
schimmert. Eine jede dieser Sonnen macht mit ihren
umlaufenden Planeten vor sich ein besonderes System aus; allein dieses
hindert nicht, Theile eines noch grösseren Systems zu seyn, so wie
Jupiter oder Saturn, ungeachtet ihrer eigenen Begleitung, in der
systematischen Verfassung eines
noch grösseren Weltbaues beschränkt seyn. Kan man, an einer so
genauen Uebereinstimmung in der Verfassung nicht die gleiche
Ursache und Art der Erzeugung
erkennen?
Wenn nun die Fixsterne
ein System ausmachen, dessen Umfang durch die
Anziehungssphäre desjenigen Körpers, der im
Mittelpunkte befindlich ist, bestimmet wird, werden
nicht mehr Sonnensystemata, und, so zu
reden, mehr Milchstrassen entstanden seyn, die in dem
Grenzenlosen Felde des Weltraums
erzeuget worden? Wir haben mit Erstaunen Figuren am Himmel
erblickt, welche nichts anders, als solche auf
einen gemeinschaftlichen Plan beschränkte Fixsternensystemata,
solche Milchstrassen, wenn ich mich so
ausdrücken darf, seyn, die in verschiedenen Stellungen gegen das
Auge, mit einem, ihrem unendlichen Abstande gemäß geschwächten
Schimmer, elliptische Gestalten darstellen; es
sind Systemata von, so zu sagen, unendliche mal unendlich
grösserm Durchmesser, als
der Diameter unseres Sonnenbaues, ist; aber ohne
Zweifel auf gleiche Art entstanden, aus gleichen Ursachen
geordnet und eingerichtet,
und erhalten sich durch ein gleiches Triebwerk, als dieses,
in ihrer Verfassung.
Wenn man diese
Sternensystemata wiederum als Glieder an der grossen Kette der
gesammten Natur ansiehet; so hat man eben so
viel Ursache, wie vorher, sie in einer gegenseitigen Beziehung
zu gedenken, und in Verbindungen, welche Kraft des durch die
ganze Natur herrschenden
Gesetzes der ersten Bildung, ein neues noch grösseres
System ausmachen, das durch die Anziehung eines Körpers von
ungleich mächtigerer Attraction, als alle die vorige, waren, aus
dem Mittelpunkte ihrer regelmäßigen
Stellungen regieret wird. Die Anziehung, welche die Ursache der
systematischen Verfassung unter den Fixsternen der Milchstrasse ist,
wirket auch noch in der Entfernung eben dieser Weltordnungen, um sie
aus ihren Stellungen zu bringen, und die Welt in einem
unvermeidlich bevorstehenden Chaos zu begraben,
wenn nicht regelmäßig ausgetheilte Schwungskräfte der
Attraction das Gegengewicht
leisten, und beyderseits in Verbindung diejenige
Beziehung hervorbringen, die der Grund der systematischen
Verfassung ist. Die Anziehung ist ohne Zweifel eine eben so
weit ausgedehnte Eigenschaft der Materie, als die Coexistenz, welche
den Raum macht, indem sie die Substanzen durch gegenseitige
Abhängigkeiten verbindet, oder, eigentlicher zu reden, die Anziehung ist
eben diese allgemeine Beziehung, welche
die Theile der Natur in einem Raume vereinigt:
sie erstrecket sich also auf die ganze Ausdehnung desselben,
bis in alle Weiten ihrer Unendlichkeit. Wenn das Licht von
diesen entfernten Systemen zu uns gelanget, das Licht, welches nur
eine eingedrückte Bewegung ist, muß nicht vielmehr die Anziehung,
diese ursprüngliche Bewegungsqvelle,
welche eher, wie alle Bewegung ist: die keiner fremden [Ursachen]
bedarf, auch durch keine Hinderniß kan aufgehalten werden, weil
sie in das innerste der Materie, ohne einigen Stoß, selbst bey
der allgemeinen Ruhe der Natur wirket,
muß, sage ich, die Anziehung nicht diese
Fixsternen-Systemata, ihrer unermeßlichen
Entfernungen ungeachtet, bey der
ungebildeten Zerstreuung ihres Stoffes, im Anfange
der Regung der Natur, in [Bewegungen versetzet haben, die] eben so, wie
wir im Kleinen gesehen haben, die Qvelle der systematischen
Verbindung, und der dauerhaften Beständigkeit ihrer
Glieder ist, die sie vor den Verfall sichert?
Aber, welches wird denn
endlich das Ende der systematischen Einrichtungen seyn? wo
wird die Schöpfung selber aufhören? Man merket wohl, daß, um
sie in einem Verhältnisse mit der Macht des unendlichen Wesens zu
gedenken, sie gar keine Grenzen haben müsse. Man kommt der
Unendlichkeit der Schöpfungskraft GOttes nicht
näher, wenn man den Raum ihrer Offenbarung in einer Sphäre mit
dem Radius der Milchstrasse beschrieben, einschliesset, als
wenn man ihn in eine Kugel beschränken will, die einen
Zoll im Durchmesser hat. Alles was endlich, was seine Schranken und ein
bestimmtes Verhältniß zur Einheit hat, ist von dem unendlichen
gleich weit entfernet. Nun wäre es ungereimt, die Gottheit mit einem
unendlich kleinen Theile ihres schöpferischen Vermögens in Wirksamkeit
zu setzen, und ihre unendliche Kraft, den Schatz einer wahren
Unermeßlichkeit, von Naturen und Welten unthätig, und in
einem ewigen Mangel der Ausübung
verschlossen, zu gedenken. Ist
es nicht vielmehr anständiger, oder besser zu sagen, ist es nicht
nothwendig, den Inbegriff der Schöpfung also anzustellen, als er
seyn muß, um ein Zeugniß von derjenigen Macht zu seyn, die durch
keinen Maaßstab kan abgemessen werden? Aus diesem Grunde ist das
Feld der Offenbarung göttlicher Eigenschaften eben so unendlich, als
diese selber sind
[Der Begriff einer unendlichen Ausdehnung der Welt
findet unter den ](#en30930)[Metaphysikkündigern] Gegner, und hat
nur neulich an dem Herrn M.
Weitenkampf
einen gefunden.
Wenn diese Herren, wegen der angeblichen Unmöglichkeit einer Menge
ohne Zahl und Grenzen, sich zu dieser Idee nicht beqvemen
können; so wolte ich nur vorläufig fragen: ob die
künftige Folge der Ewigkeit nicht eine wahre Unendlichkeit von
Mannigfaltigkeiten und Veränderungen in sich fassen [wird? und ob diese unendliche Reihe nicht
auf einmal schon jetzo dem göttlichen Verstande gänzlich gegenwärtig
sey?] Wenn es nun möglich war, daß GOtt den Begriff der
Unendlichkeit, der seinem Verstande auf einmal darstehet, in einer auf
einander folgenden Reihe würklich machen kan: warum solte derselbe nicht
den Begriff einer andern Unendlichkeit in einem, dem Raume nach,
verbundenen Zusammenhange darstellen, und
dadurch den Umfang der Welt ohne Grenzen machen können? [Indessen, daß man diese Frage wird zu
beantworten suchen, so ](#en31032)[werde
mich] der Gelegenheit, die sich darbieten wird,
bedienen, durch eine aus der Natur der Zahlen gezogene Erläuterung, die vermeinte Schwierigkeit zu heben, woferne
man, bey genauer Erwegung, es noch als eine einer Erörterung
bedürftige Frage ansehen kan: ob dasjenige, was eine durch die
höchste Weisheit begleitete Macht hervorgebracht
hat, sich zu offenbaren, zu demjenigen, was sie hat
hervorbringen können, sich wie eine
Differenzialgrösse [verhalte?]
. Die Ewigkeit ist nicht hinlänglich, die Zeugnisse des höchsten
Wesens zu fassen, wo sie nicht mit der Unendlichkeit des
Raumes verbunden wird. Es ist wahr, die Ausbildung, die Form,
die Schönheit und Vollkommenheit, sind Beziehungen der Grundstücke und der Substanzen, die den
Stoff des Weltbaues ausmachen; und man bemerket es an den Anstalten,
die die Weisheit GOttes noch zu aller Zeit trifft; es ist ihr auch
am gemässesten, daß sie sich, aus
dieser ihren eingepflanzten allgemeinen Gesetzen, durch eine
ungezwungene Folge herauswickeln. Und daher kan man mit gutem Grunde
setzen, daß die Anordnung und Einrichtung der Weltgebäude, aus dem Vorrathe des
erschaffenen Naturstoffes, in
einer Folge der Zeit, nach und nach geschehe; allein,
die Grundmaterie selber, deren Eigenschaften und Kräfte allen
Veränderungen zum Grunde
liegen, ist eine unmittelbare Folge des göttlichen Daseyns:
selbige muß also auf einmal so reich, so
vollständig seyn, daß die Entwickelung ihrer
Zusammensetzungen in dem Abflusse der Ewigkeit sich über
einen Plan ausbreiten könne, der alles in sich schliesset, was seyn
kan, der kein Maaß annimmt, kurz, der unendlich ist.
Wenn nun also
die Schöpfung, [der Räume] nach,
unendlich ist, oder es wenigstens, der Materie nach, wirklich von
Anbeginn her schon gewesen ist, der Form, oder der
Ausbildung nach, aber es bereit ist, zu werden; so wird der
Weltraum mit Welten ohne Zahl und ohne Ende belebet werden.
Wird denn nun jene systematische Verbindung, die wir vorher bey
allen Theilen insonderheit erwogen haben, auch aufs Ganze gehen, und
das gesammte Universum, das All
der Natur, in einem [einigen] System, durch die Verbindung der
Anziehung und der fliehenden Kraft, zusammen fassen? Ich sage ja;
wenn nur lauter abgesonderte Weltgebäude, die unter einander keine vereinte Beziehung zu einem Ganzen hätten, vorhanden wären, so könte
man wohl, wenn man diese Kette von Gliedern als wirklich
unendlich annähme, gedenken, daß eine genaue
Gleichheit der Anziehung ihrer Theile von allen Seiten diese Systemata
[vor] dem Verfall, den
ihnen die innere Wechselanziehung drohet, sicher halten könne.
Allein hiezu gehöret eine so genaue abgemessene Bestimmung in denen,
nach der Attraction abgewogenen Entfernungen, daß auch die
geringste Verrückung dem
Universo den Untergang zuziehen, und sie in
langen Perioden, die aber doch endlich zu Ende lauffen müssen,
dem Umsturze überliefern würde. [Eine Weltverfassung, die sich ohne ein
Wunder nicht erhielt, hat nicht den Character der
Beständigkeit, die das Merkmal der Wahl GOttes ist](#en31110); [man trifft es also dieser weit anständiger], wenn [man aus der] gesammten Schöpfung
ein einziges System machet, welches alle Welten und Weltordnungen,
die den ganzen unendlichen Raum ausfüllen, auf einen [einigen] Mittelpunkt beziehend macht.
Ein zerstreuetes Gewimmel von Weltgebäuden, sie möchten auch
durch noch so weite Entfernungen von einander getrennet seyn, würde
mit einem unverhinderten Hang zum Verderben und zur Zerstörung
eilen, wenn nicht eine gewisse beziehende Einrichtung gegen einen
allgemeinen Mittelpunkt, das Centrum der Attraction
des Universi, und den Unterstützungspunkt der
gesammten Natur durch systematische Bewegungen getroffen wäre.
Um diesen allgemeinen
Mittelpunkt der Senkung der ganzen Natur, sowohl der
gebildeten, als der rohen, in welchem sich ohne Zweifel der Klumpen von
der ausnehmendsten Attraction befindet, der in seine
Anziehungssphäre alle Welten und Ordnungen, die die
Zeit hervorgebracht hat, und die Ewigkeit hervorbringen wird,
begreiffet, kan man mit Wahrscheinlichkeit annehmen,
daß die Natur den Anfang ihrer Bildung
gemacht, und daselbst auch die Systemen am dichtesten gehäufet
seyn; weiter von demselben aber in der
Unendlichkeit des Raumes sich, mit immer grösseren
Graden der Zerstreuung verlieren. Man
könnte diese Regel aus der Analogie unseres
Sonnenbaues abnehmen, und diese
Verfassung kan ohnedem dazu dienen, daß in grossen
Entfernungen nicht allein der allgemeine
Centralkörper, sondern auch alle um ihn zunächst
laufende Systemata ihre Anziehung zusammen vereinigen,
und sie gleichsam aus einem Klumpen gegen die Systemata des noch
weiteren Abstandes ausüben. Dieses wird
alsdenn mit dazu behülflich seyn, die ganze Natur in der
ganzen Unendlichkeit ihrer Erstreckung,
in einem einzigen Systema, zu begreifen.
Um nun der Errichtung
dieses allgemeinen Systems der Natur, aus den mechanischen
Gesetzen der zur Bildung strebenden Materie, nachzuspüren; so muß in
dem unendlichen Raume des ausgebreiteten elementarischen
Grundstoffes, an irgend einem Orte, dieser
Grundstoff die dichteste Häufung gehabt haben, um durch die daselbst
geschehende vorzügliche Bildung, dem gesammten
Universo eine Masse
verschaffet zu haben, die ihm zum Unterstützungspunkt
dienete. [Es ist zwar an
dem, daß] in einem unendlichen Raume kein Punkt eigentlich das
Vorrecht haben kan, der Mittelpunkt
zu heissen; aber, vermittelst einer gewissen Verhältniß,
die sich auf die wesentliche Grade der Dichtigkeit des Urstoffes gründet, nach [welcher diese zugleich mit ihrer] Schöpfung an einem gewissen Orte
vorzüglich dichter gehäuffet, und mit den Weiten von
demselben in der Zerstreuung zunimmt, kan ein solcher Punkt das
Vorrecht haben, der Mittelpunkt zu heissen, und
er wird es auch wirklich, durch die Bildung der
Centralmasse, von der kräftigsten Anziehung in demselben, zu
dem sich alle übrige, in Particularbildungen begriffene elementarische Materie senket, und
dadurch, so weit sich auch die Auswickelung der Natur erstrecken mag,
in der unendlichen Sphäre der
Schöpfung, aus dem ganzen All, nur ein einziges System
macht.
Das ist aber was
wichtiges, und welches, woferne es Beyfall erlanget, der grössesten Aufmerksamkeit würdig ist, daß der Ordnung
der Natur, in diesem unserm System zu Folge, die Schöpfung,
oder vielmehr die Ausbildung der Natur,
bey diesem Mittelpunkte zuerst anfängt, und mit stetiger Fortschreitung nach und nach in alle
fernere Weiten ausgebreitet wird, um den unendlichen Raum in dem
Fortgange der Ewigkeit mit Welten
und Ordnungen zu erfüllen. Lasset uns dieser Vorstellung
einen Augenblick mit stillem Vergnügen nachhängen. Ich finde nichts, das den Geist des Menschen zu
einem edleren Erstaunen erheben kan, indem es ihm eine Aussicht
in das unendliche Feld der Allmacht eröfnet, als diesen Theil
der Theorie, der die succeßive Vollendung der Schöpfung betrifft. Wenn
man mir zugiebt, daß die Materie, die der Stoff zu Bildung aller
Welten ist, in dem ganzen unendlichen Raume der göttlichen Gegenwart
nicht gleichförmig, sondern nach einem gewissen Gesetze
ausgebreitet gewesen, das
sich vielleicht auf die Dichtigkeit der Partikeln bezog, und
nach welchem von einem gewissen Punkte, als dem Orte der
dichtesten Häufung, mit den
Weiten von diesem Mittelpunkte die Zerstreuung
des Urstoffes zunahm; so wird, in der ursprünglichen
Regung der Natur, die Bildung [zunächst diesem] Centro angefangen, und denn,
in fortschreitender Zeitfolge,
der weitere Raum, nach und nach Welten und Weltordnungen, mit einer
gegen [diesen] sich beziehenden
systematischen Verfassung, gebildet haben. Ein jeder
endlicher Periodus, dessen Länge zu der Grösse des zu
vollbringenden Werks ein Verhältniß hat, wird immer nur eine endliche
Sphäre, von diesem Mittelpunkte an, zur Ausbildung bringen; der übrige unendliche Theil wird
indessen noch mit der Verwirrung und dem Chaos streiten,
und um so viel weiter von dem Zustande der vollendeten Bildung
entfernet seyn, je weiter dessen Abstand, von der Sphäre
der schon ausgebildeten Natur, entfernet ist. Diesem zu Folge, ob wir
gleich von dem Orte unseres Aufenthalts in dem
Universo eine [Aufsicht] in eine, wie es scheinet, völlig
vollendete Welt, und, so zu reden, in ein unendliches Heer von
Weltordnungen, die systematisch verbunden sind, haben;
so befinden wir uns doch eigentlich nur in einer Naheit zum
Mittelpunkte der ganzen Natur, wo diese sich schon aus
dem Chaos ausgewickelt, und ihre gehörige Vollkommenheit erlanget hat. Wenn wir eine gewisse Sphäre
überschreiten könten; würden wir daselbst das Chaos
und die Zerstreuung der Elemente erblicken, die nach dem Maasse,
als sie sich diesem Mittelpunkte näher
befinden, den rohen Zustand zum Theil verlassen,
und der Vollkommenheit der [Ausübung] näher sind, mit den Graden
der Entfernung aber sich nach und nach in einer
völligen Zerstreuung verlieren. [Wir würden] sehen, wie der unendliche
Raum der göttlichen Gegenwart, darinn der Vorrath zu allen
möglichen Naturbildungen anzutreffen ist, in einer stillen Nacht
begraben, voll von [Materie], den künftig zu erzeugenden Welten zum
Stoffe zu dienen, und von Triebfedern sie in Bewegung zu bringen,
die, mit einer schwachen Regung, diejenige Bewegungen anfangen,
womit die Unermeßlichkeit dieser öden Räume dereinst noch soll
belebet werden. Es ist vielleicht eine Reihe von
Millionen Jahren und Jahrhunderten verflossen,
ehe die Sphäre der gebildeten Natur, darinn wir uns befinden,
zu der Vollkommenheit gediehen ist, die ihr jetzt beywohnet; und
es wird vielleicht ein eben so langer
Periodus vergehen, bis die Natur einen
eben so
weiten Schritt in dem Chaos thut: allein die Sphäre der
ausgebildeten Natur ist
unaufhörlich beschäftiget, sich auszubreiten.
Die Schöpfung ist nicht das Werk von einem Augenblicke.
Nachdem sie mit der Hervorbringung einer Unendlichkeit von Substanzen
und Materie den Anfang gemachet hat; so ist sie mit immer zunehmenden
Graden der Fruchtbarkeit, die ganze Folge der Ewigkeit hindurch,
wirksam. [Es werden Millionen, und ganze Gebürge von Millionen
Jahrhunderten verfliessen, binnen welchen immer
neue Welten und Weltordnungen](#en31406) nach einander in denen entfernten Weiten
von dem Mittelpunkte der Natur, sich bilden, und zur
Vollkommenheit gelangen werden; sie werden, ohnerachtet der
systematischen Verfassung, die unter ihren Theilen
ist, eine allgemeine Beziehung auf den Mittelpunkt erlangen,
welcher der erste Bildungspunkt, und das Centrum der Schöpfung durch
das Anziehungsvermögen,
seiner vorzüglichen Masse worden ist. Die Unendlichkeit der künftigen Zeitfolge, womit die Ewigkeit
unerschöpflich ist, wird alle Räume der Gegenwart
GOttes ganz und gar beleben, und in die Regelmäßigkeit, die der
Treflichkeit seines Entwurfes gemäß ist, nach und nach versetzen, und wenn man mit einer
kühnen Vorstellung die ganze Ewigkeit, so zu sagen, in einem
Begriffe zusammen fassen könte; so würde man
auch den ganzen unendlichen Raum mit Weltordnungen angefüllet, und
die Schöpfung vollendet ansehen können.
Weil aber in der That von der Zeitfolge der
Ewigkeit der rückständige Theil allemal unendlich, und der
abgeflossene endlich ist; so ist die Sphäre der ausgebildeten
Natur allemal nur ein unendlich kleiner
Theil desjenigen Inbegriffs, der den Saamen
zukünftiger Welten in sich hat, und sich aus dem
rohen Zustande des Chaos, in längern oder kürzern Perioden,
auszuwickeln trachtet. Die Schöpfung ist niemals vollendet.
Sie hat zwar einmal angefangen, aber sie wird niemals aufhören. Sie
ist immer geschäftig, mehr Auftritte der Natur, neue Dinge und neue
Welten hervor zu bringen. Das Werk, welches sie zu Stande bringet,
hat ein Verhältniß zu der Zeit, die sie darauf anwendet. Sie braucht
nichts weniger, als eine Ewigkeit, um die ganze grenzenlose Weite
der unendlichen Räume, mit Welten ohne Zahl und ohne Ende, zu
beleben. Man kan von ihr dasjenige sagen, was der erhabenste
unter den deutschen Dichtern von der Ewigkeit schreibet:
[
Unendlichkeit! wer misset dich?](#en31501)
Vor dir sind Welten Tag, und Menschen
Augenblicke;
Vielleicht die tausendste der Sonnen welzt jetzt
sich,
Und tausend bleiben noch zurücke.
Wie eine Uhr, beseelt durch ein
Gewicht,
Eilt eine Sonn, aus GOttes Kraft
bewegt:
Ihr Trieb läuft ab, und eine andre
schlägt,
Du aber bleibst, und zählst sie
nicht.
[
](#en31501)v. Haller.
Es ist ein nicht
geringes Vergnügen, mit seiner Einbildungskraft über die Grenze der
vollendeten Schöpfung, in den Raum des Chaos, auszuschweifen, und die
halb rohe Natur, in der Naheit zur Sphäre der ausgebildeten Welt,
sich nach und nach durch alle Stuffen und Schattirungen der
Unvollkommenheit, in dem ganzen ungebildeten Raume, verlieren zu
sehen. Aber ist es nicht eine tadelnswürdige Kühnheit, wird man
sagen, eine Hypothese aufzuwerfen, und sie, als einen Vorwurf der
Ergötzung des Verstandes, anzupreisen, welche
vielleicht nur gar zu willkührlich
ist, wenn man behauptet, daß die Natur, nur einem unendlich
kleinen Theile nach, ausgebildet sey, und unendliche Räume noch mit dem Chaos streiten, um
in der Folge künftiger Zeiten ganze Heere von Welten und
Weltordnungen, in aller gehörigen Ordnung und Schönheit,
darzustellen? Ich bin den Folgen, die meine Theorie darbietet,
nicht so sehr ergeben, daß ich nicht erkennen
solte, wie die Muthmassung, von der succeßiven Ausbreitung der
Schöpfung, durch die unendliche Räume, die den Stoff dazu in sich
fassen, den Einwurf der Unerweislichkeit nicht völlig ablehnen könne.
Indessen verspreche ich mir doch von denenjenigen, welche die
Grade der Wahrscheinlichkeit zu schätzen, im Stande sind, daß eine solche Charte
der Unendlichkeit, ob sie gleich einen Vorwurf begreiffet,
der bestimmt zu seyn scheinet, dem menschlichen
Verstande auf ewig verborgen zu seyn, nicht um deswillen
sofort als ein Hirngespinste werde angesehen
werden, vornemlich, wenn man die Analogie zu Hülfe nimmt, welche
uns allemal, in solchen Fällen, leiten muß, wo dem Verstande
der Faden der untrüglichen Beweise mangelt.
Man kan aber auch die
Analogie noch durch annehmungswürdige Gründe unterstützen,
und die Einsicht des Lesers, wofern ich mich
solches Beyfalls schmeicheln darf, wird sie vielleicht mit noch
wichtigern vermehren können.
Denn wenn man erweget, daß die Schöpfung
den Character der Beständigkeit nicht mit sich führet, wofern sie der
allgemeinen Bestrebung der
Anziehung, die durch alle ihre Theile wirket, nicht eine eben so
durchgängige Bestimmung entgegen setzet, die dem Hange der ersten
zum Verderben und zur Unordnung gnugsam widerstehen kan, wenn sie nicht Schwungskräfte ausgetheilet
hat, die in der Verbindung, mit der Centralneigung, eine
allgemeine systematische Verfassung
festsetzen; so wird man genöthiget, einen allgemeinen
Mittelpunkt des ganzen Welt-Alls anzunehmen, [der]
alle Theile desselben in verbundener Beziehung zusammen hält, und aus dem ganzen
Inbegriff der Natur nur ein System machet. Wenn man hiezu den Begriff,
von der Bildung der Weltkörper, aus der zerstreueten
elementarischen Materie füget, wie wir ihn in [den vorhergehenden] entworfen haben, jedoch
ihn allhier nicht auf ein [absonderliches] System einschränkt, sondern
über die ganze Natur ausdehnet; so wird man genöthiget, eine
solche Austheilung des Grundstoffes, in
dem Raume des ursprünglichen Chaos, zu gedenken, die
natürlicher Weise einen Mittelpunkt der ganzen Schöpfung mit sich
bringet, damit in diesen die wirksame Masse, die in ihrer Sphäre die
gesammte Natur begreift, zusammengebracht, und die durchgängige
Beziehung bewirket werden könne, wodurch alle
Welten nur ein einziges Gebäude ausmachen. Es kan aber in dem
unendlichen Raume, kaum eine Art
der Austheilung des ursprünglichen Grundstoffes, gedacht
werden, die einen wahren Mittel und Senkungspunkt der gesammten Natur setzen solte, als wenn sie nach
einem Gesetze der zunehmenden Zerstreuung,
von diesem Punkte an, in alle ferne Weiten eingerichtet
ist. Dieses Gesetze aber setzet zugleich einen
Unterscheid in der Zeit, die
ein System in den verschiedenen Gegenden des unendlichen Raumes
gebrauchet, zur Reife seiner Ausbildung zu
kommen, so, daß diese Periode desto kürzer ist, je näher der
Bildungsplatz eines Weltbaues sich dem Centro der Schöpfung
befindet, weil daselbst die Elemente des Stoffes dichter gehäufet
sind, und dagegen um desto länger Zeit erfordert, je
weiter der Abstand ist, weil die Partikeln
daselbst zerstreueter sind, und später zur Bildung zusammen
kommen.
Wenn man die ganze
Hypothese, die ich entwerfe, in dem ganzen Umfange sowohl dessen,
was ich gesagt habe, als was ich noch eigentlich darlegen werde, erweget; so wird man die Kühnheit
ihrer Forderungen wenigstens nicht vor
unfähig halten, eine Entschuldigung anzunehmen. Man kan den unvermeidlichen Hang, den ein
jegliches zur
Vollkommenheit gebrachtes Weltgebäude nach und nach zu
seinem Untergange hat, unter die Gründe rechnen, die es bewähren
können, daß das Universum dagegen in andern
Gegenden an Welten fruchtbar seyn werde,
um den Mangel zu ersetzen, den es an einem Orte erlitten hat. Das ganze
Stück der Natur, das wir kennen, ob es gleich nur ein Atomus in
Ansehung dessen ist, was über oder unter unserem Gesichtskreise
verborgen bleibt, bestätiget doch diese
Fruchtbarkeit der Natur, die ohne
Schranken ist, weil sie [nicht] anders, als
die Ausübung der göttlichen Allmacht, selber ist. Unzählige
Thiere und Pflanzen werden täglich zerstöret, und
sind ein Opfer der Vergänglichkeit;
aber nicht weniger bringet die Natur, durch ein
unerschöpftes Zeugungsvermögen, an andern Orten
wiederum hervor, und füllet das leere aus. Beträchtliche Stücke des
Erdbodens, den wir bewohnen, werden wiederum in dem Meere begraben,
aus dem sie ein günstiger Periodus hervorgezogen hatte; aber an
anderen Orten ergänzet die Natur den Mangel, und bringet andere
Gegenden hervor, die in der Tiefe [des Wesens] verborgen waren, um neue
Reichthümer ihrer Fruchtbarkeit
über dieselbe auszubreiten. Auf die gleiche Art vergehen
Welten und Weltordnungen, und werden von dem Abgrunde der
Ewigkeiten verschlungen; dagegen ist die Schöpfung immerfort
geschäftig, in andern Himmelsgegenden neue Bildungen zu
verrichten, und den Abgang mit Vortheile zu
ergänzen.
Man darf nicht
erstaunen, selbst in dem Grossen der Werke
GOttes, eine Vergänglichkeit zu verstatten. Alles, was endlich
ist, was einen Anfang und Ursprung hat, hat das Merkmaal seiner
eingeschränkten Natur in sich; es muß vergehen, und ein
Ende haben. Die Dauer eines Weltbaues hat, durch die
Vortreflichkeit ihrer Errichtung, eine Beständigkeit in sich,
die, unsern Begriffen nach, einer unendlichen
Dauer nahe kommt. Vielleicht werden tausend, vielleicht
Millionen Jahrhunderte sie
nicht vernichten; allein, weil die [Eitelkeit], die an denen endlichen Naturen haftet, beständig an ihrer Zerstörung arbeitet; so
wird die Ewigkeit alle mögliche Perioden in
sich halten, um durch einen allmählichen Verfall den Zeitpunkt ihres
Unterganges doch endlich herbey zu führen. [
](#en31734)
Newton, dieser grosse Bewunderer der
Eigenschaften GOttes, aus der Vollkommenheit seiner Werke,
der mit der tiefsten Einsicht, in die Treflichkeit
der Natur, die gröste Ehrfurcht gegen die
Offenbarung der göttlichen Allmacht verband,
sahe sich genöthiget, der Natur ihren
Verfall durch den natürlichen Hang, den die Mechanik der
Bewegungen dazu hat, vorher zu verkündigen. Wenn eine systematische
Verfassung, durch die wesentliche Folge der
Hinfälligkeit, in grossen Zeitläuften auch den allerkleinsten
Theil, den man sich nur gedenken mag, dem Zustande ihrer Verwirrung nähert; so muß in dem unendlichen
Ablaufe der Ewigkeit doch ein Zeitpunkt seyn, da diese allmähliche
Verminderung alle Bewegung erschöpfet
hat.
Wir dürfen aber den
Untergang eines Weltgebäudes nicht als einen wahren Verlust der
Natur bedauren. Sie beweiset ihren Reichthum in einer Art von Verschwendung, welche, indem einige
Theile der Vergänglichkeit den Tribut bezahlen, sich durch
unzehlige neue Zeugungen in dem ganzen Umfange ihrer Vollkommenheit
unbeschadet erhält. Welch eine unzehlige Menge
Blumen und Insecten zerstöret ein einziger kalter Tag; aber wie wenig
vermisset man sie, ohnerachtet es herrliche Kunstwerke der Natur und
Beweisthümer der göttlichen Allmacht seyn; an einem andern Orte wird
dieser Abgang mit Ueberfluß wiederum
ersetzet. Der Mensch, der das Meisterstück der
Schöpfung zu seyn scheinet, ist selbst von diesem Gesetze nicht
ausgenommen. Die Natur beweiset, daß sie eben so reich,
eben so unerschöpfet, in Hervorbringung des treflichsten unter den Creaturen, als des
geringschätzigsten, ist, und
daß selbst deren Untergang eine nothwendige Schattirung in der
Mannigfaltigkeit ihrer Sonnen ist, weil die Erzeugung derselben ihr nichts kostet. Die schädlichen Wirkungen
der angesteckten Luft, die Erdbeben, die Ueberschwemmungen,
vertilgen ganze Völker von dem Erdboden; allein es
scheinet nicht, daß die Natur dadurch einigen Nachtheil erlitten habe. Auf gleiche Weise
verlassen ganze Welten und Systemen den Schauplatz, nachdem sie
ihre Rolle ausgespielet haben. Die Unendlichkeit der Schöpfung ist
groß genug, um eine Welt, oder eine Milchstrasse von Welten, gegen
sie anzusehen, wie man eine Blume, oder ein Insect, in Vergleichung
gegen die Erde, ansiehet. Indessen, daß die Natur mit
veränderlichen Auftritten die Ewigkeit auszieret, bleibt GOtt in einer
unaufhörlichen Schöpfung geschäftig, den
Zeug zur Bildung noch grösserer Welten zu formen.
[
Der stets mit einem gleichen Auge, weil er, der Schöpfer, ja von
allen, ](#en31834)
Sieht einen Helden untergehn, und einen kleinen Sperling
fallen,
Sieht eine Wasserblase springen, und eine ganze Welt
vergehn.
[
](#en31834)
Pope,
nach
Brockes
Uebersetzung.
Last uns also
unser Auge, an diese erschreckliche Umstürzungen als an die gewöhnlichen
Wege der Vorsehung, gewöhnen, und sie sogar mit einer Art von
Wohlgefallen ansehen. Und in der That ist dem Reichthume der Natur
nichts anständiger als dieses. Denn wenn ein Weltsystem in der langen
Folge seiner Dauer alle Mannigfaltigkeit erschöpfet, die seine
Einrichtung fassen kan, wenn es nun ein überflüßiges Glied in der Kette der Wesen geworden; so ist
nichts geziemender, als daß es in dem
Schauspiele der ablaufenden Veränderungen des Universi die letzte
Rolle spielet, die jedem endlichen Dinge gebühret, nemlich der
Vergänglichkeit ihr Gebühr abtrage. Die Natur zeiget, wie gedacht,
schon in dem kleinen Theile ihres Inbegriffes,
diese Regel ihres Verfahrens, die das ewige Schicksal ihr im
ganzen vorgeschrieben hat, und ich
sage es nochmals, die Grösse desjenigen was untergehen soll, ist
hierin nicht im geringsten hinderlich, denn
alles was groß ist, wird klein, ja es wird gleichsam nur ein
Punkt, wenn man es mit dem Unendlichen vergleicht, welches die
Schöpfung in dem unbeschränkten Raume, die Folge der Ewigkeit
hindurch, darstellen
wird.
Es scheinet, daß dieses
denen Welten, so wie allen Naturdingen verhängte Ende, einen gewissen Gesetze unterworfen sey, dessen
Erwegung der Theorie einen neuen Zug der Anständigkeit giebet.
Nach demselben hebt es bey denen Weltkörpern an, die sich dem
Mittelpunkte des Welt-Alls am nächsten befinden,
so wie die Erzeugung und Bildung neben diesem Centro zuerst
angefangen: von da breitet sich das Verderben und die Zerstörung nach
und nach in die weiteren Entfernungen aus, um [alle] Welt, welche ihre Periode
zurück geleget hat, durch einen allmählichen Verfall der Bewegungen, zuletzt in einem
einzigen [Chaos]
zu begraben. Andererseits ist die Natur auf der
entgegengesetzten Grenze der ausgebildeten Welt, unabläßig
beschäftiget, aus dem rohen Zeuge der zerstreueten
Elemente Welten zu bilden, und, indem sie an der einen Seite neben dem
Mittelpunkte veraltet, so ist sie auf der andern jung und an neuen
Zeugungen fruchtbar. Die ausgebildete Welt befindet sich diesemnach zwischen den Ruinen der zerstörten, und
zwischen dem [Chaos] der
ungebildeten Natur mitten inne beschräncket, und
wenn man wie es wahrscheinlich ist, sich vorstellet, daß eine
schon zur Vollkommenheit
gediehene Welt, eine längere Zeit dauren könne, als sie
bedurft hat, gebildet zu werden; so
wird ungeachtet aller der
Verheerungen, die
die Vergänglichkeit unaufhörlich anrichtet, der Umfang des
Universi dennoch überhaupt
zunehmen.
Will man aber noch
zuletzt einer Idee Platz lassen, die eben so wahrscheinlich, als der
Verfassung der göttlichen Werke, wohlanständig ist; so wird die
Zufriedenheit welche eine solche Abschilderung
der Veränderungen der Natur erreget, bis zum höchsten Grade
des Wohlgefallens erhoben.
Kan man nicht glauben, die Natur, welche vermögend war sich aus dem [Chaos] in eine
regelmäßige Ordnung und in ein geschicktes System zu setzen, sey
ebenfalls im Stande, aus dem neuen [Chaos], darinn sie die Verminderung
ihrer Bewegungen versenket hat, sich wiederum eben so leicht
herzustellen, und die erste Verbindung zu erneuren? Können die
Federn, welche den Stoff der zerstreuten Materie in Bewegung und
Ordnung brachten, nachdem sie der Stillstand der Maschine zur Ruhe gebracht hat, durch
erweiterte Kräfte nicht wiederum in Wirksamkeit gesetzt werden,
und sich nach eben denselben allgemeinen Regeln zur Uebereinstimmung
einschränken, wodurch die ursprüngliche Bildung zuwege gebracht
worden ist? Man wird nicht lange Bedenken tragen, dieses zuzugeben,
wenn man erweget, daß, nachdem die endliche
Mattigkeit der Umlaufs-Bewegungen in dem
Weltgebäude die Planeten und
Cometen insgesamt auf die Sonne niedergestürtzt hat, dieser ihre Glut einen unermeßlichen
Zuwachs durch die Vermischung so vieler und grosser
Klumpen bekommen muß, vornemlich da die
entfernete Kugeln des Sonnensystems, unserer vorher
erwiesenen Theorie zufolge, den
leichtesten und im Feuer wirksamsten Stoff der ganzen Natur,
in sich enthalten. Dieses durch neue Nahrung und die flüchtigste
Materie in die gröste Heftigkeit versetzte Feuer,
wird ohne Zweifel nicht allein alles wiederum in die kleinsten
Elemente auflösen, sondern auch dieselbe in
dieser Art, mit einer der Hitze gemässen Ausdehnungskraft,
und mit einer Schnelligkeit, welche durch keinen Widerstand des
Mittelraums geschwächet wird, in dieselben
weiten Räume wiederum ausbreiten und zerstreuen, welche sie vor
der ersten Bildung der Natur eingenommen hatten, um, nachdem die
Heftigkeit des Centralfeuers durch eine beynahe gänzliche
Zerstreuung ihrer Masse gedämpfet [worden], durch Verbindung der
Attractions und Zurückstossungskräfte, die alten Zeugungen und systematisch beziehende
Bewegungen, mit nicht minderer
Regelmäßigkeit zu wiederholen und ein neues Weltgebäude
darzustellen. Wenn denn ein besonderes
Planetensystem auf diese Weise in
Verfall gerathen und durch wesentliche Kräfte sich daraus wiederum
hergestellet hat, wenn es wohl gar dieses Spiel mehr wie einmal
wiederholet; so wird endlich die Periode
herannahen, die auf gleiche Weise das grosse System,
darinn die Fixsterne Glieder seyn, durch den Verfall ihrer Bewegungen,
in einem [Chaos]
versamlen wird. Man wird hier noch weniger zweifeln, daß die
Vereinigung einer so unendlichen Menge Feuerschätze,
als diese brennenden Sonnen sind, zusammt dem Gefolge ihrer Planeten
den Stoff ihrer Massen durch die unnenbare Glut aufgelöset, in
den alten Raum ihrer Bildungssphäre zerstreuen und daselbst
die Materialien zu neuen Bildungen durch dieselbe mechanische
Gesetze hergeben werden, woraus wiederum der öde Raum mit Welten und
Systemen kan belebet werden. Wenn wir denn diesen Phönix der Natur,
der sich nur darum verbrennet, um
aus seiner Asche wiederum verjüngt aufzuleben, durch
alle Unendlichkeit der Zeiten und Räume hindurch folgen: wenn
man siehet, wie sie sogar in der Gegend da sie verfält und veraltet
an neuen Auftritten unerschöpft und auf der anderen Grenze der
Schöpfung in dem Raum der ungebildeten rohen Materie mit stetigen
Schritten zur Ausdehnung des Plans der göttlichen Offenbarung
fortschreitet, um die Ewigkeit sowohl, als alle Räume mit
ihren Wundern zu füllen; so versenket sich der Geist, der alles
dieses überdencket, in ein tiefes Erstaunen; aber annoch mit diesem so grossen Gegenstande
unzufrieden, dessen Vergänglichkeit die Seele nicht
gnugsam zufrieden stellen kan, wünschet er dasjenige Wesen von nahem
kennen zu lernen, dessen Verstand, dessen
Grösse die Quelle desjenigen Lichtes ist, das sich über
die gesammte Natur, gleichsam als aus einem Mittelpunkte,
ausbreitet. Mit welcher Art der Ehrfurcht muß nicht die
Seele so gar ihr eigen Wesen ansehen, wenn sie betrachtet, daß sie
noch alle diese Veränderungen überleben soll, sie kan zu sich selber
sagen, was der philosophische Dichter von der Ewigkeit
saget:
[
Wenn denn ein zweytes Nichts, wird diese Welt begraben;
](#en32131)
Wenn von dem Alles selbst, nichts bleibet als die Stelle;
Wenn mancher Himmel noch, von andern Sternen helle,
Wird seinen Lauf vollend haben;
Wirst du so jung als jetzt, von
deinem Tod gleich weit,
Gleich ewig künftig seyn, wie
heut.
[
v. ](#en32131)Haller
.
O glücklich
wenn sie unter dem Tumult der Elemente und den [Träumen] der Natur jederzeit auf eine
Höhe gesetzet ist, von da sie die Verheerungen, die die Hinfälligkeit
den Dingen der Welt verursacht, gleichsam unter ihren Füssen kan vorbey
rauschen sehen. Eine Glückseligkeit,
welche die Vernunft nicht einmal zu erwünschen sich
erkühnen darf, lehret uns die Offenbarung mit Ueberzeugung hoffen.
Wenn denn die Fesseln, welche uns an die Eitelkeit der Creaturen
geknüpft halten, in dem Augenblicke, welcher zu der
Verwandelung unsers Wesens bestimmt worden,
abgefallen seyn, so wird der unsterbliche Geist von
der Abhängigkeit der endlichen Dinge befreyet, in der
Gemeinschaft mit dem unendlichen Wesen, den Genuß der wahren
Glückseligkeit finden. Die ganze Natur, welche eine allgemeine
harmonische Beziehung zu dem Wohlgefallen der Gottheit hat, kan
diejenige vernünftige Creatur nicht anders als mit
immerwährender Zufriedenheit erfüllen, die sich
mit dieser Urquelle aller Vollkommenheit vereint befindet.
Die Natur von diesem Mittelpunkte aus gesehen, wird von allen Seiten
lauter Sicherheit, lauter Wohlanständigkeit
zeigen. Die veränderlichen Scenen der Natur vermögen nicht,
den Ruhestand der Glückseligkeit eines Geistes zu verrücken, der
einmal zu solcher Höhe erhoben ist. Indem er
diesen Zustand, mit einer süssen Hofnung, schon zum voraus
kostet; kan er seinen Mund in denjenigen Lobgesängen üben, dadavon
dereinst alle Ewigkeiten erschallen sollen.
[
Wenn dereinst der Bau der Welt, in sein Nichts zurück geeilet](#en32223)
Und sich deiner Hände Werk nicht durch Tag und Nacht mehr theilet;
Denn soll mein gerührt Gemüthe, sich durch dich gestärkt bemühn,
In Verehrung deiner Allmacht, stets vor deinen Thron zu ziehn:
Mein von Dank erfüllter Mund soll durch alle Ewigkeiten,
Dir und deiner Majestät, ein unendlich Lob bereiten;
Ist dabey gleich kein vollkomnes, denn o HErr! so groß bist du,
Dich nach Würdigkeit zu loben, reicht die Ewigkeit nicht zu.
[
](#en32223)
Addisson
Nach Gottscheds
Uebersetzung.
Zugabe
zum siebenden Hauptstücke.
Allgemeine Theorie und Geschichte der
Sonne überhaupt.
Es ist noch eine
Hauptfrage deren Auflösung in der Naturlehre des Himmels, und in
einer vollständigen Cosmogonie unentbehrlich
ist. Woher wird nemlich der Mittelpunkt eines jeden Systems von
einem flammenden Cörper eingenommen? Unser planetische Weltbau
hat die Sonne zum Centralkörper, und die Fixsterne die wir sehen,
sind allem Ansehen nach Mittelpunkte ähnlicher
Systematum.
Um zu begreifen, woher
in der Bildung eines Weltgebäudes, der Körper, der zum
Mittelpunkte der Attraction dienet, ein feuriger
Körper hat werden müssen, indessen daß die übrige Kugeln seiner
Anziehungssphäre
dunkele und kalte Weltkörper blieben, darf man nur die Art
der Erzeugung eines Weltbaues sich zurück erinnern, die wir
in dem vorhergehenden umständlich
entworfen haben. In dem weit ausgedehnten Raume, darinn der
ausgebreitete elementarische Grundstoff sich zu
Bildungen und systematischen
Bewegungen anschickt, bilden sich die Planeten und Cometen nur allein aus demjenigen Theile, des zum
Mittelpunkte der Attraction
sinkenden elementarischen Grundstoffes, welcher durch den Fall und die
[Wechselwirkung, der]
gesammten Partikeln zu der genauen Einschränkung der Richtung
und Geschwindigkeit, die zum Umschwunge erfordert wird, bestimmt
worden. Dieser Theil ist, wie oben dargethan worden, der mindeste von
der ganzen Menge der abwärts sinkenden
Materie, und zwar nur der Ausschuß dichterer
Sorten, welche durch den Wiederstand der andern zu diesem Grade
der Genauheit haben gelangen können. Es
befinden sich in diesem Gemenge, heranschwebende Sorten
vorzüglicher Leichtigkeit, die, durch die
Wiederstrebung des Raumes
gehindert, durch ihren Fall zu der gehörigen Schnelligkeit der
periodischen Umwendungen nicht durchdringen, und die folglich in der
Mattigkeit ihres Schwunges insgesamt zum Centralkörper
hinabgestürtzet werden. Weil nun eben diese
leichteren und flüchtigen Theile auch die wirksamsten seyn, das
Feuer zu unterhalten; so
sehen wir, daß durch ihren Zusatz der Körper [und]
Mittelpunkt des Systems den Vorzug
erhält, eine flammende Kugel, mit einem Worte, eine Sonne
zu werden. Dagegen wird der schweerere und unkräftige Stoff
und der Mangel dieser feuernährenden
Theilchen, aus
den Planeten nur kalte und todte Klumpen machen, die
solcher Eigenschaft beraubt seyn.
Dieser Zusatz so
leichter Materien ist es auch, wodurch die Sonne die specifisch mindere
Dichtigkeit überkommen hat, dadurch sie auch so gar unserer Erde, dem
dritten Planeten in dem Abstande von ihr, 4 mal an Dichtigkeit
nachstehet; obgleich es natürlich ist, zu
glauben, [daß in] diesem
Mittelpunkte des Weltbaues, als in dessen
niedrigsten Orte, die schweeresten und dichtesten
Gattungen der Materie sich befinden solten, wodurch sie,
ohne dem Zusatz einer so grossen Menge des
leichtesten Stoffes, die Dichtigkeit aller Planeten
übertreffen würde.
Die Vermengung
dichterer und schweerer Sorten der Elementen, zu diesen leichtesten und
flüchtigsten, dienet gleichfalls dem
Centralkörper zu der heftigsten Glut, die auf seiner
Oberfläche brennen und unterhalten werden
soll, geschickt zu machen. Denn wir wissen, daß
das Feuer, in dessen nährenden Stoffe dichte Materien unter
den flüchtigen sich vermengt befinden, einen grossen Vorzug der
Heftigkeit vor [denenjenigen
Flammen hat, die nur von den leichten Gattungen
unterhalten werden]. Diese Untermischung aber,
einiger schweeren Sorten unter die leichteren, ist eine
nothwendige Folge unsers Lehrbegriffes von der
Bildung der Weltkörper, und hat noch
diesen Nutzen, daß die Gewalt der Glut, die brennbare
Materie der Oberfläche nicht plötzlich
zerstreue, und daß selbige, durch den Zufluß der Nahrung aus dem
innern, allmählig und beständig genähret
wird.
Nachdem die Frage nun
aufgelöset ist, woher der Centralkörper eines grossen
Sternsystems, eine flammende Kugel d. i. eine
Sonne sey; so scheinet es nicht überflüßig zu seyn, sich mit
diesem Vorwurfe noch einige Zeit zu beschäftigen, und
den Zustand eines solchen Himmelskörpers mit einer sorgfältigen Prüfung zu erforschen;
vornemlich, da die Muthmassungen allhier aus
tüchtigeren Gründen sich herleiten lassen, als sie es
gemeiniglich, bey den Untersuchungen der
Beschaffenheit
entferneter Himmelskörper, zu seyn pflegen.
[Zuvörderst setze ich fest, daß man nicht zweifeln
könne, die Sonne sey wirklich ein flammender Körper,
und nicht eine bis zum höchsten Grade erhitzte
Masse geschmoltzener und glüender Materie, wie
einige aus gewissen Schwierigkeiten, welche sie bey der
ersteren Meinung zu finden vermeinet, haben schliessen
wollen](#en32432).
Denn wenn man erweget, daß ein flammendes Feuer, vor einer jeden
andern Art der Hitze, diesen wesentlichen Vorzug hat, daß es,
so zu sagen, aus sich selbst wirksam, anstatt sich durch die
Mittheilung zu verringern, oder zu erschöpfen, vielmehr eben dadurch
mehr Stärke und Heftigkeit überkommt, und also nur Stoff und Nahrung
zum Unterhalte erfordert, um immer fort zu währen; dahingegen die
Glut einer, auf den höchsten Grad erhitzten Masse, ein blos
leidender Zustand ist, der sich durch die
Gemeinschaft der berührenden Materie unaufhörlich
vermindert, und keine eigene Kräfte hat, sich aus einem kleinen
Anfange auszubreiten, oder bey der Verminderung wiederum
aufzuleben, wenn man, sage ich, dieses erweget, so wird man, ich
geschweige der anderen Gründe, schon hieraus
sattsam ersehen können, daß der Sonne, der Quelle des Lichtes und
der Wärme in jeglichem Weltbau, jene Eigenschaft
wahrscheinlicher Weise müsse beygeleget werden.
Wenn die Sonne nun,
oder die Sonnen überhaupt flammende Kugeln seyn; so ist die
erste Beschaffenheit ihrer Oberfläche, die sich hieraus abnehmen läst,
daß auf ihnen Luft befindlich seyn müsse, weil ohne Luft kein Feuer
brennet. Dieser Umstand giebt Anlaß zu merkwürdigen Folgerungen. Denn wenn man erstlich die
Atmosphäre der Sonne und ihr Gewicht in Verhältniß des
Sonnenklumpens setzet; in welchen Stande der Zusammendrückung wird
diese Luft nicht seyn, und wie vermögend wird sie nicht eben
dadurch werden, die heftigsten Grade des Feuers durch ihre Federkraft
zu unterhalten? In dieser Atmosphäre erheben sich, allem
Vermuthen nach, auch die Rauchwolken von denen durch die
Flamme aufgelöseten Materien, die, wie man nicht zweifeln darf, eine
Mischung von groben und leichteren Theilchen, in sich haben, welche,
nachdem sie sich zu einer Höhe, die vor sie eine kühlere Luft heget,
erhoben haben, in schweren Pech und
Schwefelregen hinabstürzen und der Flamme neue Nahrung
zuführen. Eben diese Atmosphäre ist auch, aus den
[gleichen] Ursachen wie auf unserer
Erde, von denen Bewegungen der Winde nicht befreyet, welche
aber, dem Ansehen nach, alles was die
Einbildungskraft nur sich vorzustellen vermag, an Heftigkeit weit übertreffen müssen. Wenn irgend eine
Gegend auf der Oberfläche der Sonne, entweder durch die
erstickende Gewalt der ausbrechenden Dämpfe, oder durch den
sparsamen Zufluß brenbarer Materien, in dem Ausbruche der Flamme nachläst; so
erkühlet die darüber befindliche Luft einiger massen, und, indem
sie sich zusammenziehet,
giebt sie der daneben befindlichen Platz, mit einer dem
Ueberschusse ihrer Ausspannung gemässen Gewalt, in
ihren Raum zu dringen, um die erloschene Flamme
anzufachen.
[Gleichwohl verschlinget alle Flamme immer viele Luft,
und es ist kein Zweifel, daß die Federkraft des flüßigen
Luftelements, das die Sonne umgiebet, dadurch in einiger
Zeit nicht geringen Nachtheil erleiden müsse. Wenn man dasjenige, was Herr
](#en32603)
Hales
hievon, bey der Wirkung der Flamme in unserer
Atmosphäre, durch sorgfältige Versuche bewähret hat, hier in grossen anwendet; so
kan man die immerwährende
Bestrebung der aus der Flamme gehenden
Rauchtheilchen, die Elasticität der Sonnen Atmosphäre
zu zernichten, als einen Hauptknoten
ansehen, dessen Auflösung mit Schwierigkeiten verbunden
ist. Denn dadurch, daß die Flamme, die über der ganzen Fläche
der Sonne brennet, sich selber die Luft benimmt, die ihr zum
Brennen unentbehrlich ist, so ist die
Sonne in Gefahr gar zu verlöschen, wenn der gröste Theil ihrer
Atmosphäre verschlungen worden. Es ist wahr, das Feuer erzeuget
auch, durch Auflösung gewisser Materien, Luft;
aber die Versuche beweisen, daß allezeit mehr verschlungen,
als erzeuget wird. Zwar, wenn ein Theil des Sonnenfeuers,
unter erstickenden Dämpfen der Luft, die [zu ihrer Erhaltung] dienet beraubet
wird; so werden, wie wir schon angemerket haben, heftige
Stürme sie zerstreuen und wegzuführen
bemühet seyn. Allein im ganzen wird man die
Ersetzung dieses nöthigen Elements auf folgende Art sich
begreiflich machen können, wenn man in
Betrachtung ziehet, daß da bey einem flammenden Feuer, die Hitze fast
nur über sich, und nur wenig unter sich würket, wenn sie durch die
angeführte Ursache ersticket worden, [ihre] Heftigkeit gegen das innere des
Sonnenkörpers kehret, und dessen tiefe Schlünde nöthiget, die in ihren
Höhlen verschlossene Luft hervorbrechen zu
lassen, und das Feuer aufs neue anzufachen: wenn man in diesem
ihrem Eingeweide durch eine Freyheit,
die bey einem so unbekannten Gegenstande nicht verboten ist,
vornemlich Materien setzet, [die, wie der
Salpeter, an elastischer Luft unerschöpflich
ergiebig seyn](#en32630); so wird das Sonnenfeuer überaus lange Perioden
hindurch an dem Zuflusse immer erneueter Luft, nicht leichtlich
Mangel leiden können.
Gleichwohl siehet man,
die deutlichen Merkmaale der Vergänglichkeit auch an diesem
unschätzbaren Feuer, das die Natur zur Fackel
der Welt aufgestecket. Es kommt eine Zeit, darinn sie wird
erloschen seyn. Die Entziehung der flüchtigsten und
feinsten Materien, die, durch
die Heftigkeit der Hitze zerstreuet, niemals wieder zurück kehren, und
den Stoff des Zodiakallichts vermehren, die Häufung
unverbrenlicher und ausgebrannter Materien, Z. E. der Asche
auf der Oberfläche, endlich auch der Mangel
der Luft, werden der Sonne ein Ziel setzen, da
ihre Flamme dereinst erlöschen, und ihren Ort, [der anjetzo der
Mittelpunkt des Lichtes und des Lebens dem ganzen
Weltgebäude ist], ewige Finsternisse einnehmen werden. Die
abwechselnde Bestrebung ihres Feuers, durch die Eröfnung neuer Grüfte,
wiederum aufzuleben, wodurch sie sich
vieleicht vor ihrem Untergange etlichemal herstellet,
könnte eine Erklärung des Verschwindens und der
Wiedererscheinung einiger Fixsterne abgeben. Es würden Sonnen
seyn, welche ihrem Erlöschen nahe sind, und die noch etlichemal aus
ihrem Schutte aufzuleben trachten. Es mag diese Erklärung Beyfall
verdienen, oder nicht, so wird man sich doch gewiß diese
Betrachtung dazu dienen lassen, einzusehen, daß, da der Vollkommenheit aller Weltordnungen,
es sey auf die eine oder andere Art, ein unvermeidlicher Verfall
drohet, man keine Schwierigkeit in dem oben angeführten
Gesetze ihres Unterganges, durch den Hang der
mechanischen Einrichtung, finden werde, welche
dadurch aber vornemlich annehmungswürdig wird, weil sie den
Saamen der Wiedererneurung, selbst in der Vermengung mit dem
[Chaos] bey sich
führet.
Zuletzt lasset uns der
Einbildungskraft ein so wunderseltsames Object, als eine brennende Sonne ist, gleichsam von nahen
vorstellen. Man siehet in einem Anblicke weite
Feuerseen, die ihre Flammen gen Himmel erheben, rasende Stürme, deren
Wuth die Heftigkeit der ersten verdoppelt, welche, indem sie
selbige über ihre Ufer aufschwellend machen, bald die
erhabene Gegenden dieses Weltkörpers bedecken,
bald sie in ihre Grenzen zurücksinken lassen: ausgebrannte
Felsen, die aus den flammenden Schlünden ihre
fürchterliche Spitzen herausstrecken, und deren
Ueberschwemmung oder Entblössung von dem
wallenden Feuerelemente, das abwechselnde Erscheinen und
Verschwinden der Sonnenflecken, verursachet: dicke
Dämpfe, die das Feuer ersticken, und die, durch die Gewalt
der Winde erhoben, finstre Wolken ausmachen, welche in feurigen
Regengüssen wiederum herabstürzen, und als
brennende Ströhme, von den Höhen des festen
Sonnenlandes
Ich schreibe nicht ohne Ursache der Sonnen alle Unebenheiten des festen Landes, der Gebürge
und der Thäler zu, die wir auf unserer Erde und andern Weltkörpern
antreffen. Die Bildung einer Weltkugel, die sich aus einem flüßigen
Zustande in einen festen verändert, bringt nothwendig solche
Ungleichheiten auf der Oberfläche zuwege. Wenn die Oberfläche sich
härtet, indessen, daß in dem flüßigen inwendigen Theile solcher Masse,
die Materien sich noch nach Maßgebung ihrer Schweere zum Mittelpunkte,
hinsenken; so werden die Partickeln des elastischen Luft oder
Feuerelements, das sich in diesen Materien mit untergemengt befindet,
heraus gejagt, und häufen sich unter der indessen festgewordenen Rinde,
unter welcher sie grosse, und nach Proportion des Sonnenklumpens
ungeheure Höhlen erzeugen, [in
die] gedachte oberste Rinde, zuletzt mit
mannigfaltigen Einbeugungen hereinsinkt, und sowohl
erhöhete Gegenden und Gebirge, als auch Thäler und Fluthbette weiter
Feuerseen dadurch zubereitet.
sich in die flammende Thäler ergiessen, das Krachen der Elemente, den Schutt
ausgebrannter Materien, und die mit der Zerstörung
ringende Natur, welche, selbst mit dem abscheulichsten Zustande ihrer
Zerrüttungen die Schönheit der Welt und den Nutzen der Creaturen,
bewirket.
Wenn denn die
Mittelpunkte aller grossen Weltsystemen
flammende Körper seyn; so ist dieses am meisten von dem
Centralkörper desjenigen
unermeßlichen Systems zu vermuthen, welches die
Fixsterne ausmachen. Wird nun aber dieser Cörper, dessen Masse zu
der Grösse seines Systems ein Verhältniß haben muß, wenn er ein
selbstleuchtender
Körper oder eine Sonne wäre, nicht mit vorzüglichem Glanze
und Grösse in die Augen fallen? Gleichwohl sehen wir keinen
dergleichen sich ausnehmend unterscheidenden
Fixstern unter dem Himmelsheere hervorschimmern. In der That, man darf
es sich nicht befremden lassen, wenn dieses nicht [geschicht]. Wenn er gleich 10000mahl
unsere Sonne an Grösse überträffe, so könnte er doch, wenn man
seine Entfernung 100mahl grösser, als
des Sirius seine annimmt, nicht grösser und heller, als dieser,
erscheinen.
Vielleicht aber ist es
[den] künftigen Zeiten aufgehoben,
wenigstens noch dereinst die Gegend zu entdecken, wo
der Mittelpunkt
Ich habe eine Muthmassung, nach welcher es mir sehr wahrscheinlich zu
seyn dünket, daß der Sirius oder Hundsstern, in dem System der Sterne,
die die Milchstrasse ausmachen, der Centralkörper sey, und den
Mittelpunkt einnehme, zu welchen sie sich alle beziehen. Wenn man dieses
System, nach dem Entwurfe des ersten Theils dieser Abhandlung, wie ein
Gewimmel von Sonnen, die zu einer gemeinschaftlichen Fläche gehäuft
seyn, ansiehet, welches nach allen Seiten von dem Mittelpunkte derselben
ausgestreuet ist, und [doch] einen gewissen, so zu sagen, zirkelförmigten
Raum, der durch die geringe Abweichungen derselben von Beziehungsplane,
sich auch in die Breite von beyden Seiten etwas ausdehnet, ausmacht: so
wird die Sonne, die sich gleichfalls diesem Plane nahe befindet, die
Erscheinung dieser zirkelförmigten, weislicht schimmernden
Zone, nach derjenigen Seite hin, am breitesten sehen, nach welcher sie
sich der äussersten Grenze des Systems am nächsten befindet; denn es ist
leicht zu vermuthen, daß sie sich nicht eben gerade im Mittelpunkte
aufhalten werde. Nun ist der Streif der Milchstrasse, in dem Theile
zwischen dem Zeichen des Schwaans und des Schützens, am breitesten,
folglich wird dieses die Seite seyn, da der Platz unserer Sonne der
äussersten Peripherie des zirkelförmigten Systems am nächsten ist: und
in diesem Theile werden wir den Ort, wo die Sternbilder des Adlers und
Fuchses mit der Gans stehen, insonderheit vor den allernächsten halten,
weil daselbst aus dem Zwischenraume, da die Milchstrasse sich theilet,
die grösseste scheinbare Zerstreuung der Sterne erhellet.
Wenn man daher ohngefehr von dem Orte neben dem Schwanze des Adlers,
eine Linie mitten durch die Fläche der Milchstrasse bis zu dem gegen
überstehenden Punkte ziehet; so muß diese auf den Mittelpunkt des
Systems zutreffen, und sie trift in der That sehr genau auf den Sirius,
den hellesten Stern am ganzen Himmel, der, wegen dieser glücklichen, mit
seiner vorzüglichen Gestalt [so
wohl] harmonierenden Zusammentreffung, es zu verdienen
scheinet, daß man ihn vor den Centralkörper selber halte. Er würde, nach
diesem Begriffe, auch gerade in dem Streife der Milchstrasse gesehen
werden, [wenn nicht der Stand
unserer Sonne der beym Schwanze des Adlers von dem Plane derselben
etwas abweichet, den] optischen Abstand des
Mittelpunktes gegen die andere Seite solcher Zone, verursachte.
des Fix
sternensystems, darein unsere Sonne
gehöret, befindlich ist, oder vielleicht wohl gar zu bestimmen, wohin man den Centralkörper des
Universi, nach welchem alle Theile desselben mit
einstimmiger Senkung zielen, setzen müsse. [Von was vor einer Beschaffenheit dieses
Fundamentalstücke der
ganzen Schöpfung sey, und was auf ihm
befindlich, wollen wir dem Herrn
](#en32904)[
]Wright
von
Durham
zu bestimmen
überlassen, der mit einer fanatischen
Begeisterung, ein kräftiges Wesen von der Götterart mit
geistlichen Anziehungs und Zurückstossungskräften,
das, in einer unendlichen Sphäre um sich wirksam, alle
Tugend an sich zöge, die Laster aber, zurücktriebe,
in diesem glücklichen Orte, gleichsam auf einen Thron der
gesammten Natur, erhöhete. Wir wollen die Kühnheit unserer
Muthmassungen, welchen wir vielleicht nur gar zu viel erlaubt haben,
nicht bis zu willkührlichen Erdichtungen den
Zügel schiessen lassen. Die Gottheit ist in der Unendlichkeit
des ganzen Weltraumes allenthalben gleich gegenwärtig; allenthalben
wo Naturen seyn, welche fähig seyn, sich über die Abhängigkeit der
Geschöpfe, zu der Gemeinschaft des höchsten Wesens, empor zu schwingen,
befindet es sich gleich nahe. Die ganze Schöpfung ist von ihren
Kräften durchdrungen, aber nur derjenige,
der sich von dem Geschöpfe zu befreyen weiß,
welcher so edel ist, einzusehen, daß in dem Genusse dieser
Urqvelle der Vollkommenheit die
höchste [Staffell] der Glückseligkeit
einzig und allein zu suchen, der allein ist fähig, diesem wahren
Beziehungspunkte
aller Treflichkeit sich näher, als irgend etwas anders in
der ganzen Natur, zu befinden. Indessen wenn ich, ohne an der
enthusiastischen Vorstellung
des Engelländers Theil zu nehmen, von den verschiedenen Graden der Geisterwelt aus der physischen
Beziehung ihrer Wohnplätze gegen den Mittelpunkt der
Schöpfung, muthmassen soll, so [wollte mit] [mehrer] Wahrscheinlichkeit die vollkommensten
Classen vernünftiger Wesen, weiter von diesem Mittelpunkte, als
nahe bey demselben, suchen. Die
Vollkommenheit mit Vernunft begabter Geschöpfe, in so weit sie von der
Beschaffenheit der Materie abhänget, in deren Verbindung sie
beschränket seyn, kommt gar sehr auf die Feinigkeit
des Stoffes an, dessen Einfluß dieselbe zur Vorstellung der
Welt und zur Gegenwirkung in dieselbe bestimmt. Die Trägheit und der
Wiederstand der Materie schränket die Freyheit
[der geistigen
Wesen] zum Wirken und die Deutlichkeit
ihrer Empfindung von äussern Dingen gar zu sehr ein, sie macht
ihre Fähigkeiten stumpf, indem sie deren Bewegungen nicht mit gehöriger Leichtigkeit gehorchet.
Daher wenn man, wie es wahrscheinlich ist, nahe zum
Mittelpunkte der Natur die dichtesten und schweersten Sorten der
Materie, und dagegen in der grösseren Entfernung, die zunehmenden
Grade der Feinigkeit und Leichtigkeit derselben, der Analogie
gemäß, die in unsern Weltbau herrschet, annimmt; so ist die Folge
begreiflich. Die vernünftigen Wesen deren Erzeugungsplatz und
Aufenthalt näher zu dem Mittelpunkte der
Schöpfung sich befindet, sind in eine steife und
unbewegliche Materie versenket, die
ihre Kräfte in einer unüberwindlichen Trägheit verschlossen enthält, und auch eben so unfähig ist, die
Eindrücke des Universi, mit der nöthigen
Deutlichkeit und Leichtigkeit, zu übertragen und mitzutheilen. Man wird diese denkende Wesen
also in die niedrige Classe zu zehlen haben; dagegen wird, mit den
Entfernungen vom allgemeinen Centro, diese
Vollkommenheit der Geisterwelt, welche auf der gewechselten
Abhängigkeit derselben von der Materie beruhet, wie eine beständige
Leiter wachsen. In der tiefsten Erniedrigung zu diesem Senkungspunkte
hat man diesem zufolge die schlechtesten und unvollkommensten
Gattungen denkender Naturen zu setzen, und hiewärtshin ist, wo diese Treflichkeit der Wesen sich, mit
allen Schattierungen der Verminderung,
endlich in den gänzlichen Mangel der Ueberlegung und des
Denkens verlieret. In der That, wenn man
erweget, daß der Mittelpunkt der
Natur zugleich der Anfang ihrer Bildung aus dem rohen Zeuge, und
ihre Grenze mit dem [Chaos],
ausmacht: wenn man dazu setzet, daß die Vollkommenheit geistiger
[Wesen,
welche wohl] eine äusserste Grenze ihres Anfanges hat, wo ihre
Fähigkeiten mit der Unvernunft zusammenstossen, aber
keine Grenzen der Fortsetzung, über
welche sie nicht könte erhoben werden, sondern nach
der Seite hin, eine völlige Unendlichkeit vor sich findet; so
wird man, wenn ja ein Gesetze statt finden soll, nach welchem der
vernünftigen Creaturen Wohnplätze, nach der Ordnung ihrer
Beziehung zum gemeinschaftlichen Mittelpunkte, vertheilet seyn, die
niedrigste und unvollkommenste Gattung, die gleichsam den
Anfang des Geschlechtes der Geisterwelt
ausmacht, an demjenigen Orte zu setzen haben, der der Anfang des
gesammten Universi zu nennen ist, um
zugleich mit diesem in gleicher Fortschreitung alle Unendlichkeit der Zeit und der Räume, mit
ins unendliche wachsenden Graden der
Vollkommenheit des Denkungsvermögens, zu erfüllen, und sich,
gleichsam nach und nach, dem Ziele der höchsten Treflichkeit, nemlich
der Gottheit zu näheren, ohne es doch jemals erreichen zu können.
Achtes Hauptstück,
Allgemeiner Beweis von der Richtigkeit
einer mechanischen
[Lehrverfassung der] Einrichtung
des Weltbaues überhaupt, insonderheit
von
der Gewißheit der gegenwärtigen.
Man kan das
Weltgebäude nicht ansehen, ohne die treflichste Anordnung in
[ihrer Einrichtung], und die
sicheren Merkmaale der Hand GOttes, in der Vollkommenheit
[ihrer Beziehungen], zu kennen.
Die Vernunft, nachdem sie so viel Schönheit, so viel
Treflichkeit erwogen und bewundert hat, entrüstet sich mit
Recht über die kühne Thorheit, welche sich unterstehen darf, alles
dieses dem Zufalle, und einem glücklichen Ohngefehr zuzuschreiben. Es muß die höchste
Weisheit den Entwurf gemacht, und eine unendliche Macht [selbige] ausgeführet
haben, sonst wäre es unmöglich, so viele in einem Zweck zusammen
kommende Absichten, in der Verfassung des Weltgebäudes,
anzutreffen. Es kommt nur noch darauf an, zu entscheiden, ob
der Entwurf der Einrichtung des Universi von
dem höchsten Verstande schon in die wesentliche
Bestimmungen der ewigen Naturen
gelegt, und in die allgemeine Bewegungsgesetze gepflanzet sey, um sich aus ihnen, auf eine der
vollkommensten Ordnung anständige Art, ungezwungen zu
entwickeln; oder ob die allgemeine
Eigenschaften der Bestandtheile der Welt die völlige Unfähigkeit zur Uebereinstimmung, und
nicht die geringste Beziehung zur Verbindung, haben, und durchaus einer fremden Hand bedurft
haben, um diejenige Einschränkung und Zusammenfügung zu überkommen,
welche Vollkommenheit und Schönheit an sich blicken läßt. Ein
fast allgemeines Vorurtheil hat die
meisten Weltweisen, gegen die Fähigkeit der Natur, etwas
ordentliches durch ihre allgemeine Gesetze
hervorzubringen, eingenommen, gleich als wenn es GOtt die
Regierung der Welt streitig machen hiesse, wenn man die
ursprüngliche Bildungen in den Naturkräften suchet, und als wenn [diese] ein von der Gottheit
unabhängiges Principium, und ein ewiges blindes
Schicksaal, [wäre].
Wenn man aber erweget,
daß die Natur und die ewigen Gesetze, welche den Substanzen
zu ihrer Wechselwirkung vorgeschrieben seyn, kein selbständiges, und
ohne GOtt nothwendiges, Principium sey, daß eben dadurch, weil sie
so viel Uebereinstimmung und Ordnung in demjenigen zeiget, was sie durch allgemeine Gesetze
hervorbringet, zu ersehen ist, daß die Wesen aller Dinge, in einem
gewissen Grundwesen, ihren gemeinschaftlichen Ursprung haben
müssen, und daß sie darum lauter gewechselte Beziehungen
und lauter Harmonie zeigen, weil ihre Eigenschaften in einem einzigen höchsten Verstande ihre Quelle
haben, dessen weise Idee sie in durchgängigen Beziehungen entworfen,
und ihnen diejenige Fähigkeit eingepflanzet
hat, dadurch sie lauter Schönheit, lauter Ordnung, in dem
ihnen selbst gelassenen Zustande ihrer
Wirksamkeit, hervorbringen: wenn man, sage ich,
dieses erweget, so wird die Natur uns würdiger, als sie
gemeiniglich angesehen wird, erscheinen, und man wird von ihren
Auswickelungen nichts, als Uebereinstimmung, nichts als Ordnung,
erwarten. [Wenn
man hingegen einem ungegründeten Vorurtheile Platz lässet, daß die allgemeine
Naturgesetze, an und vor sich selber, nichts als
Unordnung zuwege bringen, und ](#en33235)[alle] Uebereinstimmung zum Nutzen,
welche bey der Verfassung der Natur hervor leuchtet, die
unmittelbare Hand GOttes anzeiget; so wird man
genöthiget, die ganze Natur in Wunder zu
verkehren.
Man wird den schönen farbigten Bogen, der in den Regentropfen
erscheinet, wenn dieselben die Farben des Sonnenlichts absondern,
wegen seiner Schönheit, den Regen, wegen seines Nutzens, die Winde,
wegen der unentbehrlichen Vortheile, die sie in unendlichen Arten
der menschlichen Bedürfnisse leisten; kurz, alle Veränderungen der
Welt, welche Wohlanständigkeit und Ordnung mit sich führen, nicht aus
den eingepflanzten Kräften der Materie herleiten sollen. Das
Beginnen der Naturforscher, die sich mit einer solchen Weltweisheit
abgegeben haben, wird, vor dem Richterstuhle der Religion, eine
feyerliche Abbitte thun müssen. Es wird in der That alsdenn
keine Natur mehr seyn; es wird nur ein [GOtt in der Maschine](#en33313) die Veränderungen der Welt
hervor bringen. Aber, was wird denn dieses seltsame Mittel,
die Gewißheit des höchsten Wesens aus der wesentlichen
Unfähigkeit der Natur zu beweisen,
vor eine Wirkung zur Ueberführung des Epikurers
[thun.]
Wenn die Naturen der Dinge, durch die ewigen Gesetze
ihrer Wesen, nichts als Unordnung und Ungereimtheit
zuwege bringen; so werden sie eben dadurch den Charakter ihrer
Unabhängigkeit von GOtt beweisen: und was vor
einen Begriff wird man sich von einer Gottheit machen können,
welcher die allgemeinen Naturgesetze nur durch eine Art von Zwange
gehorchen, und an und vor sich [dessen] weisesten Entwürfen
widerstreiten? Wird der Feind der Vorsehung nicht eben so
viel Siege über diese falschen Grundsätze davon tragen, als er
Uebereinstimmungen aufweisen kan, welche die allgemeinen
Wirkungsgesetze der Natur, ohne alle besondere Einschränkungen,
hervorbringen? und wird es ihm wohl an solchen Beyspielen fehlen
können? Dagegen lasset uns mit grösserer
Anständigkeit und Richtigkeit also
schliessen: Die Natur, ihren allgemeinen Eigenschaften überlassen, ist an lauter schönen und
vollkommenen Früchten fruchtbar, welche nicht allein an sich
Uebereinstimmung und Treflichkeit zeigen, sondern auch
mit dem ganzen Umfange ihrer Wesen, mit dem Nutzen der Menschen,
und der Verherrlichung der göttlichen
Eigenschaften, wohl harmoniren. Hieraus folget, daß
ihre wesentlichen Eigenschaften keine unabhängige Nothwendigkeit haben
können; sondern, daß sie ihren Ursprung in einem einzigen Verstande,
als dem Grunde und der Quelle aller Wesen, haben müssen, in welchem
sie, unter gemeinschaftlichen
Beziehungen, entworfen
sind. Alles, was sich auf einander, zu einer
gewechselten Harmonie, beziehet,
muß in einem einzigen Wesen, von welchem es insgesammt
abhänget, unter einander verbunden werden. Also ist ein Wesen aller
Wesen, ein unendlicher Verstand und
selbständige Weisheit vorhanden, daraus die Natur,
auch sogar ihrer Möglichkeit nach, in dem ganzen Inbegriffe der
Bestimmungen, ihren Ursprung ziehet. Nunmehro darf man die Fähigkeit
der Natur, als dem Daseyn eines höchsten Wesens nachtheilig, nicht
bestreiten; je vollkommener sie in ihren Entwickelungen ist, je besser
ihre allgemeinen Gesetze zur Ordnung und Uebereinstimmung führen; ein
desto [sicherer]
Beweisthum der Gottheit ist sie, von
welcher sie diese Verhältnisse entlehnet. Ihre Hervorbringungen
sind nicht mehr Wirkungen des Ohngefehrs, und Folgen des Zufalls; es
fliesset alles nach unwandelbaren Gesetzen von ihr ab, welche darum
lauter geschicktes darstellen müssen, weil sie lauter Züge aus dem
allerweisesten Entwurfe seyn, aus dem die Unordnung verbannet ist. Nicht der ohngefehre Zusammenlauf der
Atomen des
Lucrez
hat
die Welt gebildet; eingepflanzte Kräfte und Gesetze,
die den weisesten Verstand zur Quelle haben, sind ein
unwandelbarer Ursprung
derjenigen Ordnung gewesen, die aus ihnen nicht von
ohngefehr, sondern nothwendig abfliessen muste.
Wenn man sich also
eines alten und ungegründeten Vorurtheils, und der faulen
Weltweisheit, entschlagen kan, die, unter einer
andächtigen Mine, eine träge
Unwissenheit zu verbergen trachtet; so hoffe ich,
auf unwiedersprechliche Gründe, eine sichere Ueberzeugung zu
gründen: daß die Welt
eine mechanische Entwickelung, aus den
allgemeinen Naturgesetzen, zum Ursprunge
ihrer Verfassung, erkenne; und daß zweytens
die Art der mechanischen Erzeugung, die
wir vorgestellet haben, die wahre
sey. Wenn man beurtheilen will, ob die Natur genugsame
Fähigkeiten habe, durch eine mechanische Folge ihrer
Bewegungsgesetze, die Anordnung des Weltbaues
zuwege zu bringen; so muß man vorhero erwegen, wie einfach die
Bewegungen seyn, welche die Weltkörper beobachten, und daß sie
nichts an sich haben, was eine genauere Bestimmung erforderte,
als es die allgemeinen Regeln der Naturkräfte mit sich führen.
Die Umlaufsbewegungen bestehen aus der
Verbindung der sinkenden Kraft, die eine gewisse
Folge aus den Eigenschaften der Materie ist, und aus der
schiessenden Bewegung, die, als
die Wirkung der ersteren, als eine, durch das
Herabsinken, erlangte
Geschwindigkeit, kan angesehen werden, in der nur
eine gewisse Ursache nöthig gewesen, den senkrechten Fall
seitwärts abzubeugen. Nach
einmal erlangter Bestimmung dieser Bewegungen
ist nichts ferner nöthig, sie auf immer zu erhalten. Sie
bestehen in dem leeren Raume, durch die Verbindung der
einmal eingedrückten schiessenden Kraft, mit der aus den
wesentlichen Naturkräften fliessenden
Attraction, und leiden weiterhin keine Veränderung.
Allein die Analogien, in der Uebereinstimmung dieser Bewegungen,
bezeigen die Wirklichkeit eines mechanischen Ursprunges so deutlich, daß
man daran keinen Zweifel tragen kan. Denn
1. Haben diese
Bewegungen eine durchgehends übereinstimmende Richtung, daß von sechs
Hauptplaneten, von 10 Trabanten, sowohl in ihrer fortrückenden
Bewegung, als in ihren Umdrehungen um die Achse, nicht ein einziger ist,
der nach einer andern Seite, als von Abend gegen Morgen, sich bewegete.
Diese Richtungen sind überdem so genau zusammentreffend, daß sie nur wenig von einer
gemeinschaftlichen Fläche abweichen, und diese Fläche, auf welche
sich alles beziehet, ist die Aeqvatorsfläche des Körpers, der, in dem
Mittelpunkte des ganzen Systems, sich nach eben derselben Gegend
um die Achse drehet, und der, durch seine vorzügliche Attraction, der
Beziehungspunkt aller Bewegungen geworden, und folglich
an denenselben so genau, als möglich, hat Theil nehmen [müssen: ein] Beweis, daß die gesammte
Bewegungen auf eine, den allgemeinen Naturgesetzen gemässe, mechanische
Art entstanden und bestimmet worden, und daß die Ursache, welche
entweder die Seitenbewegungen eindrückte, oder richtete, den ganzen Raum des
Planetengebäudes beherrschet hat,
und darinn den Gesetzen gehorchet, welche die,
in einem gemeinschaftlich bewegten Raume, befindliche
Materie beobachtet, daß alle verschiedene Bewegungen zuletzt
eine einzige Richtung annehmen, und sich
insgesammt so genau, als möglich, auf eine
einzige Fläche beziehend machen.
2. Sind die
Geschwindigkeiten so beschaffen, als sie es in
einem Raume seyn müssen, da die bewegende Kraft in dem
Mittelpunkte ist, nemlich, sie nehmen in beständigen
Graden mit den Entfernungen von diesem ab, und verlieren sich, in der
grössesten Weite, in eine gänzliche Mattigkeit der
Bewegung, welche den senkrechten Fall nur sehr
wenig seitwärts beuget. Vom Merkur an, welcher die größte
Schwungskraft hat, siehet man diese stufenweise sich
vermindern, und in dem
äussersten Cometen so gering seyn, als sie es seyn kan, um nicht gerade in die
Sonne zu fallen. Man kan nicht einwenden, daß die Regeln der
Centralbewegungen, in
Zirkelkreisen, es so erheischen, daß, je näher zum
Mittelpunkte der allgemeinen
Senkung, desto grösser die Umschwungsgeschwindigkeit seyn müsse; denn woher müssen eben die,
diesem Centro nahen Himmelskörper, Zirkelförmigte Kreise haben? woher
sind nicht die nächsten sehr eccentrisch, und die entfernteren in
Zirkeln umlaufend? oder vielmehr, da sie alle von dieser
abgemessenen geometrischen Genauheit
abweichen; warum nimmt diese Abweichung, mit den
Entfernungen zu? Bezeichnen
diese Verhältnisse nicht den Punkt, zu dem alle Bewegung
ursprünglich sich gedränget, und, nach dem Maasse
der Naheit, auch grössere Grade erlanget hat, bevor andere
Bestimmungen [ihre] Richtungen in die gegenwärtige verändert
haben?
Will man nun
aber die Verfassung des Weltbaues, und den Ursprung der Bewegungen, von den allgemeinen Naturgesetzen
ausnehmen, um sie der [unmittelbaren] Hand GOttes zuzuschreiben; so wird
man alsbald inne, daß die angeführte Analogien einen solchen
Begriff offenbar widerlegen. Denn was erstlich
die durchgängige Uebereinstimmung in der Richtung
betrifft, so ist offenbar, daß hier kein Grund sey,
woher die Weltkörper, gerade nach
einer einzigen Gegend, ihre Umläufe anstellen müsten, wenn
der Mechanismus ihrer Erzeugung sie nicht dahin bestimmet hätte.
Denn der Raum, in dem sie laufen, ist unendlich wenig widerstehend, und schränket ihre Bewegungen so
wenig nach der einen Seite, als nach der andern, ein; also
würde die Wahl GOttes, ohne den geringsten Bewegungsgrund, sich nicht an
eine einzige Bestimmung binden, sondern sich mit mehrerer Freyheit in
allerley Abwechselungen und
Verschiedenheit zeigen. Noch mehr: warum sind
die Kreise der Planeten so genau auf eine gemeinschaftliche
Fläche beziehend, nemlich auf die
Aeqvatorsfläche desjenigen grossen Körpers, der in dem Mittelpunkte
aller Bewegung ihre Umläufe regieret? Diese Analogie, an statt
einen Bewegungsgrund der Wohlanständigkeit an sich zu zeigen, ist
vielmehr die Ursache einer gewissen Verwirrung, welche durch eine freye
Abweichung der Planetenkreise würde gehoben werden: denn die
Anziehungen der Planeten stören anjetzo
gewissermassen die Gleichförmigkeit
ihrer Bewegungen, und würden einander gar nicht hinderlich
seyn, wenn sie sich nicht so genau auf eine
gemeinschaftliche Fläche
bezögen.
Noch mehr, als alle
diese Analogien, zeiget sich das deutlichste Merkmaal von der Hand
der Natur, an dem Mangel der genauesten Bestimmung, in
denjenigen Verhältnissen, die sie zu erreichen
bestrebt gewesen. Wenn es am besten wäre, daß die Planetenkreise
beynahe auf eine gemeinschaftliche Fläche gestellet wären, warum
sind sie es nicht ganz genau? und warum ist ein Theil derjenigen
Abweichung übrig geblieben, welche hat vermieden werden sollen? Wenn
darum die der Laufbahne der Sonne nahen Planeten, die der
Attraction das Gleichgewicht haltende Grösse der Schwungskraft empfangen
haben, warum fehlet noch etwas an dieser völligen Gleichheit?
und woher sind ihre Umläufe nicht vollkommen Zirkelrund, wenn bloß die
weiseste Absicht, durch das größte Vermögen
unterstützet, diese Bestimmung hervorzubringen, getrachtet hat? Ist es nicht klar einzusehen,
daß diejenige Ursache, welche die Laufbahnen der Himmelskörper
gestellet hat, indem sie selbige auf eine gemeinschaftliche
Fläche zu bringen bestrebt gewesen, es nicht
völlig hat ausrichten können; ingleichen, daß die
Kraft, welche den Himmelsraum beherrschete, als alle Materie,
die nunmehro in Kugeln gebildet ist, ihre Umschwungsgeschwindigkeiten
erhielt, sie zwar nahe beym Mittelpunkte in ein Gleichgewicht mit der
senkenden Gewalt zu bringen getrachtet hat; aber die völlige
Genauheit nicht hat erreichen [
können.] Ist nicht das gewöhnliche
Verfahren der Natur hieran zu erkennen, welches, durch die
Dazwischenkunft der verschiedenen Mitwürkungen, allemal von der ganz abgemessenen Bestimmung
abweichend gemacht wird? und wird man wohl lediglich in den
Endzwecken, des unmittelbar so gebietenden höchsten
Willens, die Gründe dieser Beschaffenheit finden? Man kan, ohne eine Hartnäckigkeit zu
bezeigen, nicht in Abrede seyn, daß die gepriesene Erklärungsart
von den Natureigenschaften, durch
Anführung ihres Nutzens, Grund anzugeben, hier nicht die verhofte
Probe halte. Es war gewiß, in Ansehung des Nutzens, der Welt ganz
gleichgültig, ob die Planetenkreise völlig
zirkelrund, oder ob sie ein wenig
eccentrisch wären; ob sie mit der Fläche ihrer allgemeinen
Beziehung völlig zusammen treffen, oder noch
etwas davon abweichen solten; vielmehr, wenn es [ja nöthig] war, in
dieser Art von Uebereinstimmungen beschränkt zu seyn, so war es
am besten, sie völlig an [sich
zu haben]. [Wenn es wahr ist, was
der Philosoph sagte: daß GOtt
beständig die Geometrie ausübet](#en33735): wenn dieses auch
in den Wegen der allgemeinen Naturgesetze hervor leuchtet;
so würde gewiß diese Regel, bey den unmittelbaren Werken des
allmächtigen [Wortes], vollkommen zu spüren seyn, und diese
würden alle Vollkommenheit der geometrischen Genauheit an sich zeigen.
Die Cometen gehören mit unter diese Mängel der Natur. Man kan
nicht leugnen, daß, in Ansehung ihres
Laufes und der Veränderungen, die sie dadurch
erleiden, sie als unvollkommene Glieder der Schöpfung
anzusehen seyn, welche weder dienen können, vernünftigen Wesen
bequeme Wohnplätze abzugeben, noch dem
Besten des ganzen Systems dadurch nützlich zu
werden, daß sie, wie man vermuthet hat, der Sonne dereinst zur
Nahrung dieneten; denn es ist gewiß, daß die meisten derselben
diesen Zweck nicht eher, als bey dem Umsturze des ganzen planetischen
Gebäudes, erreichen würden. In dem Lehrbegriffe, von der
unmittelbaren höchsten Anordnung der Welt, ohne eine natürliche
Entwickelung aus allgemeinen Naturgesetzen, würde eine solche
Anmerkung anstößig seyn, ob sie gleich gewiß ist. Allein in
einer mechanischen Erklärungsart verherrlichet
sich dadurch die Schönheit der Welt, und die Offenbarung der
Allmacht, nicht wenig. Die Natur, indem sie alle mögliche Stufen
der Mannigfaltigkeit in sich
fasset, erstrecket ihren Umfang über alle Gattungen
von der Vollkommenheit bis zum Nichts, und die Mängel selber
sind ein Zeichen des Ueberflusses, an welchem ihr Innbegriff
unerschöpft ist.
Es ist zu glauben, daß
die angeführten Analogien so viel über das Vorurtheil vermögen
würden, den mechanischen Ursprung des Weltgebäudes
annehmungswürdig zu machen, wenn nicht noch
gewisse Gründe, die aus der Natur der Sache selber hergenommen
sind, dieser Lehrverfassung gänzlich zu widersprechen schienen.
[Der
Himmelsraum ist, wie schon mehrmalen gedacht,
leer, oder wenigstens mit unendlich dünner Materie
angefüllet, welche folglich kein Mittel hat
abgeben können, denen Himmelskörpern
gemeinschaftliche Bewegungen einzudrücken. Diese Schwierigkeit
ist so bedeutend und gültig, daß ](#en33835)
Newton,
welcher Ursache hatte, den Einsichten seiner
Weltweisheit, so viel als irgend ein Sterblicher zu
vertrauen, sich genöthiget sahe, allhier die
Hoffnung aufzugeben, die Eindrückung der den
Planeten beywohnenden Schwungskräfte, ohnerachtet aller Uebereinstimmung, welche
auf einen mechanischen Ursprung zeigete, durch die Gesetze
der Natur und die Kräfte der Materie,
aufzulösen. Ob es gleich vor einen Philosophen eine
betrübte Entschliessung ist, bey einer
zusammengesetzten, und noch weit von den einfachen
Grundgesetzen entferneten Beschaffenheit, die Bemühung der
Untersuchung aufzugeben, und sich mit der Anführung des
unmittelbaren Willens GOttes zu
begnügen; so erkannte doch
Newton
hier die Grenzscheidung, welche die Natur und den Finger
GOttes, den Lauf der eingeführten Gesetze der ersteren, und den Wink
des letzteren, von einander scheidet. Nach eines so grossen
Weltweisen Verzweifelung scheinet es eine Vermessenheit zu seyn,
noch einen glücklichen Fortgang in einer Sache, von solcher
Schwierigkeit, zu hoffen.
Allein eben dieselbe
Schwierigkeit, welche dem
Newton
die
Hoffnung benahm, die denen
Himmelskörpern ertheilte Schwungskräfte, deren Richtung und
Bestimmungen das Systematische des Weltbaues
ausmachet, aus denen Kräften der
Natur zu begreiffen, ist die Qvelle
der Lehrverfassung gewesen, die wir in den vorigen
Hauptstücken vorgetragen
haben. Sie gründet einen mechanischen Lehrbegriff;
aber einen solchen, der weit von demjenigen entfernet ist,
welchen
Newton
unzulänglich befand,
und um dessen willen er alle Unterursachen verwarf, weil er (wenn ich es mir unterstehen darf, zu sagen,)
darinn irrete, daß er ihn vor den einzigen, unter allen
möglichen seiner Art, hielte. Es ist ganz leicht und
natürlich, selbst vermittelst der Schwierigkeit des
Newton, durch
eine kurze und gründliche Schlußfolge auf die Gewißheit derjenigen
mechanischen Erklärungsart zu kommen, die wir in dieser Abhandlung
entworfen haben. Wenn man voraussetzt, (wie man denn nicht umhin
kan, es zu bekennen,) daß die obigen Analogien es mit grössester
Gewißheit festsetzen, daß die harmonirenden, und sich auf einander
ordentlich beziehenden Bewegungen und Kreise der Himmelskörper, eine
natürliche Ursache, als ihren Ursprung,
anzeigen; so kan diese doch nicht dieselbe Materie seyn, welche
anjetzt den Himmelsraum erfüllet. Also muß diejenige, welche ehedem
diese Räume erfüllete, und deren Bewegung der Grund von den
gegenwärtigen Umläufen der
Himmelskörper gewesen ist, nachdem sie sich auf
diese Kugeln versammlet, und dadurch die Räume gereiniget hat,
die man anjetzt leer siehet, oder, welches unmittelbar hieraus
herfliesset, die [Materie] selber, daraus die Planeten, die Cometen, ja die
Sonne, bestehen, müssen anfänglich in dem Raume des planetischen
Systems ausgebreitet gewesen seyn, und in diesem
Zustande sich in Bewegungen versetzet haben, welche sie behalten
haben, als sie sich in besondere Klumpen vereinigten,
und die Himmelskörper bildeten, welche alle den ehemals zerstreueten
Stoff der Weltmaterie in sich fassen. Man
ist hiebey nicht lange in Verlegenheit, das Triebwerk zu entdecken,
welches diesen Stoff der sich bildenden Natur in Bewegung gesetzt
haben möge. Der Antrieb selber, der die Vereinigung der Massen zuwege
brachte, die Kraft der Anziehung, welche der Materie wesentlich
beywohnet, und sich daher, bey der ersten Regung der Natur, zur ersten
Ursache der Bewegung so wohl schicket, war die Quelle derselben. Die
Richtung, welche bey dieser Kraft immer gerade zum Mittelpunkte hin
zielet, macht allhier kein Bedenken; denn es ist gewiß, daß der
feine Stoff zerstreueter Elemente in der senkrechten Bewegung, sowohl
durch die Mannigfaltigkeit der Attractionspunkte, als durch die
Hinderniß, die einander ihre durchkreutzende Richtungslinien leisten,
hat in verschiedene Seitenbewegungen ausschlagen müssen, bey
denen [das gewisse
Naturgesetz, welches macht, daß
alle einander, durch gewechselte Wirkung
einschränkende Materie,
sich zuletzt auf einen solchen Zustand bringet,
da eine der andern so wenig Veränderung, als möglich,
mehr zuziehet](#en34012), sowohl die Einförmigkeit der Richtung,
als auch die gehörigen Grade der Geschwindigkeiten, hervorgebracht
hat, die in jedem Abstande nach der Centralkraft abgewogen seyn, und
durch deren [Verbindung
sie weder] über noch unter sich
auszuschweifen trachten: da alle Elemente also nicht
allein nach einer Seite, sondern auch bey nahe
in parallelen und freyen Zirkeln, um den gemeinschaftlichen
Senkungspunkt, in dem dünnen Himmelsraume umlaufend
gemacht worden. Diese Bewegungen der Theile musten hernach
fortdauren, als sich planetische Kugeln daraus gebildet
hatten, und bestehen anjetzt durch die Verbindung des einmal eingepflanzten Schwunges mit der
Centralkraft, in unbeschränkte künftige Zeiten. Auf
diesem so [unbegreiflichen]
Grunde beruhen die Einförmigkeit der Richtungen in den
Planetenkreisen, die genaue Beziehung auf eine
gemeinschaftliche Fläche, die Mäßigung der Schwungskräfte nach der
Attraction des Ortes, die mit den Entfernungen abnehmende Genauheit dieser Analogien, und die
freye Abweichung der äussersten
Himmelskörper nach beyden Seiten sowohl, als nach entgegengesetzter
Richtung. Wenn diese Zeichen der gewechselten Abhängigkeit in denen
Bestimmungen der Erzeugung auf eine, durch den ganzen Raum verbreitete
ursprünglich bewegte Materie, mit offenbarer Gewißheit zeigen; so
beweiset der gänzliche Mangel aller Materien in diesem nunmehro leeren
Himmelsraume, ausser derjenigen, woraus die Körper der Planeten,
der Sonne und der Cometen
zusammengesetzt seyn,
daß diese selber im Anfange in diesem Zustande der
Ausbreitung, müsse gewesen seyn. Die Leichtigkeit und
Richtigkeit, mit welcher aus diesem angenommenen Grundsatze, alle
Phänomena des Weltbaues in den vorigen Hauptstücken
hergeleitet worden, ist eine Vollendung solcher Muthmassung, und giebt
ihr einen Werth, der nicht mehr willkührlich ist.
Die Gewißheit einer
mechanischen Lehrverfassung von dem Ursprunge des Weltgebäudes, vornemlich des unsrigen, wird auf
den höchsten Gipfel der Ueberzeugung erhoben, wenn man die
Bildung der Himmelskörper selber, die [Wichtigkeit] und Grösse ihrer Massen
nach [den] Verhältnissen
erweget, die sie, in Ansehung ihres Abstandes
von dem Mittelpunkte der Gravitation, haben. Denn erstlich
ist die Dichtigkeit ihres Stoffes, wenn man sie im ganzen ihres
Klumpens erweget, in beständigen Graden mit den Entfernungen von
der Sonne abnehmend: eine Bestimmung, die so deutlich auf die
mechanische Bestimmungen der ersten
Bildung zielet, daß man nichts mehr verlangen kan. Sie sind aus
solchen Materien zusammengesetzet, deren die von schwererer Art einen
tiefern Ort zu dem gemeinschaftlichen Senkungspunkte; die von leichterer Art aber, einen entferneteren
Abstand bekommen haben: welche Bedingung, in
aller Art der natürlichen Erzeugung, nothwendig ist. Aber
bey einer unmittelbar aus dem göttlichen Willen fliessenden
[Errichtung], ist nicht der mindeste Grund
zu gedachten Verhältnisse
anzutreffen. Denn ob es gleich scheinen möchte, daß
die entferneteren Kugeln aus leichterem Stoffe bestehen
müsten, damit sie von der geringern Kraft der
Sonnenstrahlen die nöthige Wirkung verspüren könnten; so ist dieses doch nur ein Zweck, der auf
die Beschaffenheit der
auf der Oberfläche befindlichen Materien, und nicht auf
die tieferen Sorten [seines inwendigen Klumpens] zielet, als in welche
die Sonnenwärme niemals einige Wirkung thut, die auch nur
dienen die Attraction des Planeten, welche die ihn umgebenden Körper
zu ihm sinkend machen soll, zu bewirken, und daher nicht die
mindeste Beziehung auf die Stärke oder
Schwäche der Sonnenstrahlen haben [darf]. [Wenn man daher fraget, woher die aus den richtigen Rechnungen
des Newton gezogene
Dichtigkeiten der ](#en34132)Erde, des
Jupiters, des
Saturns sich gegeneinander
wie 400, 94½ und 64
verhalten; so wäre es ungereimt die
Ursache der Absicht GOttes, welcher sie nach den
Graden der Sonnenwärme gemässiget hat, beyzumessen; denn da kan
unsere Erde uns zum Gegenbeweise dienen, bey der die Sonne nur
in eine so
geringe Tiefe unter der Oberfläche durch ihre Strahlen wirket,
daß derjenige Theil ihres Klumpens, der dazu einige Beziehung
haben muß, bey weitem nicht den millionsten Theil des ganzen
beträgt, wovon das übrige in Ansehung dieser
Absicht völlig gleichgültig ist. Wenn also der Stoff, daraus
die Himmelskörper bestehen, ein ordentliches mit den Entfernungen
harmonirendes Verhältniß, gegen einander hat, und die Planeten
einander anjetzt nicht einschränken können, da sie
nun in leerem Raume von einander abstehen; so muß ihre Materie
vordem in einem Zustande gewesen seyn,
da [sie] in einander
gemeinschaftliche
Wirkung thun können, um sich in die, ihrer specifischen
Schweere proportionirte Oerter, einzuschränken, welches nicht
anders hat geschehen können, als daß ihre Theile vor der
Bildung in dem ganzen Raume des Systems ausgebreitet gewesen, und,
dem allgemeinen Gesetze der Bewegung gemäß, Oerter gewonnen haben,
welche ihrer Dichtigkeit gebühren.
Das Verhältniß unter
der Grösse der planetischen Massen, welches mit den Entfernungen
zunimmt, ist der zweyte Grund der die mechanische Bildung der Himmelskörper, und vornemlich unsere
Theorie von derselben, klärlich beweiset. Warum nehmen die Massen der
Himmelskörper ohngefehr mit den
Entfernungen zu? Wenn man einer der Wahl GOttes alles
zuschreibenden Lehrart nachgehet; so könnte keine
andere Absicht gedacht werden, warum die entfernetern Planeten
grössere Massen haben müssen, als damit [sie durch die] vorzügliche Stärke
ihrer Anziehung in ihrer Sphäre einen oder etliche Monde
begreifen könten, welche dienen sollen den Bewohnern,
welche vor sie bestimmt sind, den Aufenthalt bequemlich
zu machen. Allein dieser Zweck konte eben sowohl durch eine
vorzügliche Dichtigkeit in dem inwendigen ihres Klumpens erhalten
werden, und warum muste denn die aus besonderen Gründen fliessende
Leichtigkeit des Stoffes, welche diesem
Verhältniß entgegen ist bleiben, und durch den Vorzug des Volumens
so weit übertroffen werden, daß dennoch die Masse der obern
wichtiger als der untern ihre würde? Wenn man nicht auf
die Art der natürlichen Erzeugung dieser
Körper Acht hat; so wird man schwerlich von
diesem Verhältnisse Grund geben können: aber in Betrachtung
derselben ist nichts leichter, als diese Bestimmung zu begreifen. Als
der Stoff aller Weltkörper in den Raum des planetischen Systems
noch ausgebreitet war; so bildete die
Anziehung aus diesen Theilchen
Kugeln, welche ohne Zweifel um desto grösser werden musten, je weiter der
Ort ihrer Bildungssphäre von demjenigen allgemeinen
Centralkörper entfernet war, der
aus dem Mittelpunkte des ganzen Raumes, durch
eine vorzüglich mächtige Attraction diese Vereinigung, so viel
an ihm ist, einschränkete und hinderte.
Man wird die Merkmale
dieser Bildung der Himmelskörper aus dem, im Anfange
ausgebreitet gewesenem Grundstoffe mit Vergnügen an der Weite der
Zwischenräume gewahr, die ihre Kreise von
einander scheiden, und die nach diesem Begriffe als die leeren
Fächer müssen angesehen werden, aus denen die Planeten die Materie zu
ihrer Bildung hergenommen haben. Man siehet, wie diese
Zwischenräume zwischen den Kreisen ein Verhältniß zu
der Grösse der Massen haben, die daraus gebildet seyn. Die Weite
zwischen dem Kreise des
Jupiters und des
Mars ist so groß, daß der darinn beschlossene Raum
die Fläche aller unteren Planetenkreise zusammengenommen
übertrift: allein er ist des grössesten unter allen Planeten würdig,
desjenigen, der mehr Masse hat, als alle übrigen
zusammen. Man kan diese Entfernung des
Jupiters von dem Mars nicht der Absicht beymessen,
daß ihre Attractionen einander so wenig als möglich,
hindern solten. Denn nach solchem Grunde würde sich der
Planet zwischen zwey Kreisen allemal [demjenigen am] nächsten befinden, dessen mit
der seinigen vereinigte Attraction die beyderseitigen Umläufe
um die Sonne, am wenigsten stöhren kan: folglich demjenigen, der die
kleinste Masse hat. [Weil nun nach
den richtigen Rechnungen ](#en34324)
Newtons
die
Gewalt, womit Jupiter in den Lauf des Mars
wirken [kan, sich zu
derjenigen, die er in den Saturn durch die
vereinigte Anziehung ausübet, wie
⅟]12512
zu ⅟200
verhält
; so kan man
leicht die Rechnung machen, um wie viel Jupiter sich dem Kreise des
Mars näher befinden müste, als des Saturns seinem, wenn ihr Abstand
durch die Absicht ihrer äusserlichen Beziehung, und nicht durch
den Mechanismus ihrer Erzeugung
bestimmt worden wäre. Da dieses sich nun aber ganz
anders befindet: da ein planetischer Kreis in Ansehung der zwey
Kreise, die über und unter ihm seyn, sich oft von demjenigen
[abstehender]
befindet, in welchem ein kleinerer Planet läuft, als [die Bahn dessen von] grösserer Masse; die Weite des Raumes
aber um den Kreis eines jeden Planeten, allemal ein richtiges
Verhältniß zu seiner Masse hat; so ist klar, daß die Art der Erzeugung
diese Verhältnisse müsse bestimmt haben, und daß, weil diese Bestimmungen so, wie die
Ursache und die Folgen derselben, scheinen verbunden zu seyn, man
es wohl am richtigsten treffen wird, wenn man die, zwischen den
Kreisen begriffene Räume als die
Behältnisse desjenigen Stoffes ansiehet, daraus sich die Planeten
gebildet haben: woraus unmittelbar folget, daß
deren Grösse dieser ihren Massen proportionirt seyn muß, welches
Verhältniß aber bey denen entfernetern Planeten durch die, in dem
ersten Zustande grössere Zerstreuung der elementarischen
Materie in diesen Gegenden vermehret wird. Daher von zwey Planeten
die an Masse einander ziemlich gleich kommen, der
[entferntere] einen grössern
Bildungsraum, d. i. einen grössern Abstand von den
beyden nächsten Kreisen haben muß, sowohl weil der Stoff daselbst an
sich specifisch leichterer Art, als auch, weil er zerstreuter war, als
bey dem, so sich näher zu der Sonne bildete. Daher obgleich die Erde
zusammt dem Monde der Venus noch nicht an körperlichen
Innhalte gleich zu seyn scheinet, so hat sie dennoch um sich
einen grössern Bildungsraum erfordert: weil sie sich aus einem mehr
zerstreuten Stoffe zu bilden [hatte], als dieser untere Planet. Vom
Saturn ist aus diesen Gründen zu vermuthen, daß seine
Bildungssphäre sich auf der abgelegenen Seite viel
weiter wird ausgebreitet haben, als auf der Seite gegen den
Mittelpunkt hin, (wie denn dieses fast von allen Planeten
gilt;) und daher wird der Zwischenraum zwischen den
Saturnuskreise, und der Bahn des diesem Planeten zunächst obern
Himmelskörpers, den man über ihn vermuthen kan, viel weiter, als zwischen eben demselben und
dem Jupiter, seyn.
Also gehet alles in dem
planetischen Weltbaue stuffenweise, mit richtigen Beziehungen
zu der ersten erzeugenden Kraft, die neben dem Mittelpunkte wirksamer
als in der Ferne gewesen, in alle unbeschränkte Weiten fort. Die Verminderung der
eingedruckten schiessenden Kraft, die Abweichung von der
genauesten Uebereinstimmung in der Richtung und der Stellung der
Kreise, die Dichtigkeiten der Himmelskörper, die Sparsamkeit der Natur
in Absehen auf den Raum ihrer Bildung: alles vermindert sich
stuffenartig von dem Centro in die weiten Entfernungen: alles zeiget, daß die erste Ursache an die
mechanischen Regeln der Bewegung gebunden gewesen,
und nicht durch eine freye Wahl gehandelt hat.
Allein was so deutlich,
als irgend sonsten etwas, die
natürliche Bildung der Himmelskugeln aus dem ursprünglich in dem Raume
des Himmels, der nunmehro leer ist, ausgebreitet gewesenen
Grundstoffe anzeiget, ist
diejenige [Uebereinstimmung, die ich von
dem Herrn von ](#en34503)
Buffon
entlehne, die aber
in seiner Theorie bey weitem den Nutzen, als
in der unsrigen, nicht hat. Denn nach seiner Bemerkung,
wenn man die Planeten, deren Massen man durch
Rechnung bestimmen kan, zusammen
summiret: nemlich den Saturn, den Jupiter, die Erde
und den Mond; so geben sie einen Klumpen, dessen
Dichtigkeit der Dichtigkeit des
Sonnenkörpers wie 640 zu 650 [beykömmt]
[, gegen welche,
da es die Hauptstücke in ][dem] planetischen System sind,
die
übrigen Planeten Mars, Venus und Merkur kaum
verdienen gerechnet zu werden; so wird man billig über die merkwürdige
Gleichheit erstaunen, die zwischen der Materie des gesammten
planetischen Gebäudes, wenn es als in einem Klumpen vereinigt
betrachtet wird, und zwischen der Masse der Sonnen
herrschet. Es wäre ein unverantwortlicher
Leichtsinn, diese Analogie einem
Ungefehr zuzuschreiben, [welche unter
einer Mannigfaltigkeit so unendlich verschiedener
][Materien, deren nur
allein auf unserer Erde einige
anzutreffen sind, die 15tausendmal an
Dichtigkeit
von einander übertroffen worden](#en34517), dennoch im ganzen der
Verhältniß von 1
[bis] 1 so nahe kommt: und man muß
zugeben, daß wenn man die Sonne als ein Mengsel von allen Sorten
Materie, die in dem planetischen Gebäude von einander geschieden seyn,
betrachtet, alle insgesammt sich in einem Raume
scheinen gebildet zu haben, der ursprünglich mit gleichförmig
ausgebreiteten Stoffe erfüllet war, und auf dem Centralkörper
sich ohne Unterschied versammlet, zur Bildung der Planeten aber nach
Maßgebung der Höhen eingetheilet worden. Ich überlasse es denen,
die die mechanische Erzeugung der Weltkörper nicht zugeben können,
aus [den] Bewegungsgründen der Wahl
GOttes diese so besondere Uebereinstimmung, wo sie können, zu
erklären. Ich will endlich aufhören, eine Sache von so überzeugender
Deutlichkeit, als die Entwickelung des Weltgebäudes
aus den Kräften der Natur ist, auf mehr Beweisthümer zu gründen.
Wenn man im Stande ist, bey so vieler Ueberführung unbeweglich
zu bleiben; so muß man entweder gar zu
tief in den Fesseln des Vorurtheils liegen, oder
gänzlich unfähig seyn, sich über den Wust hergebrachter Meinungen,
zu der Betrachtung der allerreinsten
Wahrheit, empor zu schwingen. Indessen ist zu glauben, daß niemand
als die Blödsinnigen, auf deren Beyfall
man nicht
rechnen darf, die Richtigkeit dieser Theorie verkennen könte,
wenn die Uebereinstimmungen, die der Weltbau in allen seinen
Verbindungen zu dem Nutzen der vernünftigen Creatur
hat, nicht etwas mehr, als blosse allgemeine Naturgesetze zum Grunde
zu haben schienen. Man glaubt auch mit Recht, daß geschickte
Anordnungen, welche auf einen würdigen Zweck abzielen, einen weisen
Verstand zum Urheber haben müssen, und man wird völlig befriedigt
werden, wenn man bedenkt, daß, da die Naturen der Dinge keine
andere, als eben diese Urquelle erkennen, ihre wesentliche und allgemeine
Beschaffenheiten eine natürliche Neigung
zu anständigen und unter einander wohl übereinstimmenden Folgen haben müssen. Man wird sich also nicht
befremden dörfen, wenn man zum gewechselten Vortheile der Creaturen
gereichende Einrichtungen der Weltverfassung gewahr
wird, selbige einer natürlichen Folge
aus den allgemeinen Gesetzen der Natur beyzumessen,
denn was aus [diesen] herfliesset, ist nicht die Wirkung des blinden
Zufalles oder der unvernünftigen Nothwendigkeit: es gründet sich
zuletzt doch in der höchsten Weisheit, von der die allgemeinen
Beschaffenheiten ihre Uebereinstimmung entlehnen. Der
eine Schluß ist ganz richtig: Wenn in der Verfassung der Welt, Ordnung
und Schönheit hervorleuchten;
so ist ein Gott. Allein, der andere ist nicht weniger
gegründet: Wenn diese Ordnung aus
allgemeinen Naturgesetzen hat herfliessen können; so ist die ganze Natur nothwendig eine
Wirkung der höchsten Weisheit.
Wenn man es
sich aber durchaus belieben läßt, die
unmittelbare Anwendung der göttlichen Weisheit an
allen Anordnungen der Natur, die unter sich Harmonie und nützliche
Zwecke begreiffen, zu erkennen, indem man der Entwickelung aus
allgemeinen Bewegungsgesetzen keine übereinstimmende Folgen
zutrauet; so wollte ich rathen, in der Beschauung des Weltbaues seine Augen nicht auf einen
einzigen unter den Himmelskörpern, sondern auf das Ganze zu richten, um
sich aus diesem Wahne auf einmal heraus zu reissen. Wenn die
schiefe Lage der Erdachse, gegen die Fläche ihres jährlichen Laufes,
durch die beliebte Abwechselung der
Jahreszeiten, ein Beweisthum der unmittelbaren Hand GOttes seyn soll,
so darf man nur diese Beschaffenheit bey den andern Himmelskörpern
dagegen halten; so wird man gewahr werden, daß sie bey jedem
derselben abwechselt, und daß in dieser
Verschiedenheit es
auch einige giebt, die sie gar nicht haben: wie z. E.
Jupiter, dessen Achse senkrecht zu dem Plane seines Kreises ist, und
Mars, dessen seine es beynahe ist, welche beyde keine
Verschiedenheit der Jahreszeiten
geniessen, und doch eben sowohl Werke der höchsten
Weisheit, als die andern, sind. Die Begleitung der Monde beym
Saturn, dem Jupiter und der Erde, würden scheinen, besondere
Anordnungen [des Wesens] zu seyn, wenn die freye
Abweichung von diesem Zwecke, durch das ganze System des
Weltbaues, nicht anzeigte, daß die Natur, ohne durch einen
ausserordentlichen Zwang in ihrem freyen Betragen gestört zu seyn, diese Bestimmungen hervorgebracht habe.
Jupiter hat vier Monde, Saturn fünf, die
Erde einen, die übrigen Planeten gar keinen; ob es
gleich scheinet, daß diese, wegen ihrer längeren
Nächte, derselben bedürftiger wären, als jene. Wenn man die
proportionirte Gleichheit, der den Planeten
eingedrückten Schwungskräfte, mit den Centralneigungen ihres
Abstandes, als die Ursache, woher sie beynahe in Zirkeln um die Sonne
laufen, und, durch die Gleichmäßigkeit der von dieser ertheilten
Wärme, zu Wohnplätzen vernünftiger Creaturen geschickt werden,
bewundert, und sie, als den unmittelbaren Finger
der Allmacht, ansiehet; so wird man auf einmal auf die
allgemeinen Gesetze der Natur zurück geführet, wenn man
erweget, daß diese planetische Beschaffenheit sich nach und nach, mit
allen Stufen der Verminderung, in der Tiefe des Himmels verlieret, und
daß eben die höchste Weisheit, welche an der gemäßigten Bewegung der
Planeten ein Wohlgefallen gehabt hat, auch die Mängel nicht
ausgeschlossen, mit welchen sich das System endiget, indem
es in der völligen Unregelmäßigkeit und Unordnung aufhöret. Die Natur, ohnerachtet sie eine wesentliche
Bestimmung zur Vollkommenheit und Ordnung hat, fasset in dem Umfange
ihrer Mannigfaltigkeit alle mögliche Abwechselungen, sogar bis
auf die Mängel und Abweichungen, in sich. Eben dieselbe unbeschränkte
Fruchtbarkeit derselben hat die bewohnten
Himmelskugeln sowohl, als die Cometen, die nützlichen Berge
und die schädlichen Klippen, die bewohnbaren Landschaften und öden
Wüsteneyen, die Tugenden und Laster, hervorgebracht.
Allgemeine
Naturgeschichte
und
Theorie des Himmels.
Dritter
Theil.
Anhang,
von
den Bewohnern der Gestirne.
Weil ich davor
halte, daß es den Charakter der Weltweisheit
entehren heisse, wenn man sich ihrer
gebrauchet, mit einer Art von Leichtsinn freye Ausschweifungen des Witzes, mit einiger Scheinbarkeit, zu
behaupten, wenn man sich gleich
erklären wolte, daß es nur geschähe, um zu
belustigen; so [werde
in]
gegenwärtigem Versuche keine anderen Sätze anführen, als
solche, die zur Erweiterung unseres
Erkenntnisses wirklich beytragen können, und deren
Wahrscheinlichkeit zugleich so wohl gegründet ist, daß man
sich kaum entbrechen kan, sie gelten zu lassen.
Obgleich es scheinen
möchte, daß in dieser Art des Vorwurfes, die Freyheit zu erdichten,
keine eigentliche Schranken habe, und daß man in dem Urtheil von der
Beschaffenheit der Einwohner entlegener Welten, mit weit grösserer
Ungebundenheit, der Phantasey könne den Zügel schiessen lassen, als
ein Mahler in der Abbildung der Gewächse oder Thiere unentdeckter
Länder, und daß dergleichen Gedanken weder recht erwiesen, noch
widerleget werden könten; so muß man doch
gestehen, daß die Entfernungen der Himmelskörper von der Sonne
gewisse Verhältnisse mit sich führen,
welche einen wesentlichen Einfluß, in die
verschiedenen Eigenschaften der
denkenden Naturen, nach sich ziehen, die auf denenselben
befindlich sind, als deren Art zu wirken und zu
leiden, an die Beschaffenheit der Materie, mit der sie verknüpfet
seyn, gebunden ist, und von dem Maaß der Eindrücke abhänget, die die
Welt, nach den Eigenschaften der Beziehung ihres Wohnplatzes, zu dem
Mittelpunkte der Attraction und der Wärme, in ihnen
erwecket.
Ich bin der Meinung, daß
es eben nicht nothwendig sey, zu behaupten, alle Planeten müßten bewohnt seyn, ob es gleich eine
Ungereimtheit wäre, dieses, in
Ansehung aller, oder auch nur der meisten, zu leugnen. Bey dem
Reichthume der Natur, da Welten und Systeme, in Ansehung des Ganzen
der Schöpfung, nur Sonnenstäubchen seyn, könnte es auch wohl öde
und unbewohnte Gegenden geben, die nicht auf das genaueste zu
dem Zwecke der Natur, nemlich der Betrachtung vernünftiger Wesen,
genutzet würden. Es wäre, als wenn man sich aus dem Grunde der Weisheit
GOttes ein Bedenken machen wolte, zuzugeben, daß sandigte und unbewohnte Wüsteneyen grosse Strecken
des Erdbodens einnehmen, und daß es verlassene Inseln im
Weltmeere gebe, darauf kein Mensch befindlich ist. Indessen ist ein
Planet, viel weniger in Ansehung des Ganzen der Schöpfung, als eine
Wüste, oder Insel, in Ansehung des Erdbodens.
Vielleicht, daß sich
noch nicht alle Himmelskörper völlig ausgebildet haben; es gehören
Jahrhunderte, und vielleicht tausende von Jahren dazu, bis ein grosser
Himmelskörper einen festen Stand seiner Materien erlanget hat. Jupiter
scheinet noch in diesem Streite zu seyn. Die merkliche Abwechselung
seiner Gestalt, zu verschiedenen Zeiten, hat die Astronomen schon
vorlängst muthmassen lassen, daß er grosse
Umstürzungen erleiden müsse, und bey weiten so ruhig
auf seiner Oberfläche nicht sey, als es ein bewohnbarer
Planet seyn muß. Wenn er keine Bewohner hat, und auch keine
jemals haben solte, was vor ein unendlich
kleiner Aufwand der Natur wäre dieses, in Ansehung der
Unermeßlichkeit der ganzen Schöpfung? Und wäre es nicht
vielmehr ein Zeichen der Armuth, als des Ueberflusses
derselben, wenn sie in jedem Punkte des Raumes so sorgfältig seyn
solte, alle ihre Reichthümer aufzuzeigen?
Allein, man kan noch
mit mehr Befriedigung vermuthen, daß, wenn er gleich jetzt
unbewohnt ist, er dennoch es dereinst werden
wird, wenn die Periode seiner Bildung wird vollendet seyn.
Vielleicht ist unsere Erde tausend oder mehr Jahre vorhanden gewesen,
ehe sie sich in Verfassung befunden
hat, Menschen, Thiere und Gewächse unterhalten zu können. Daß ein Planet nun einige tausend Jahre
später zu dieser Vollkommenheit kommt, das thut dem Zwecke seines
Daseyns keinen Abbruch. Er wird eben um deswillen auch ins
zukünftige länger in der Vollkommenheit seiner Verfassung,
wenn er sie einmal erreichet hat, verbleiben; denn es ist einmal ein
gewisses Naturgesetz: alles, was einen Anfang hat, nähert sich
beständig seinem Untergange, und ist demselben um so viel
näher, je mehr es sich von dem Punkte seines Anfanges entfernet
hat.
[Die satyrische Vorstellung jenes witzigen Kopfes aus
dem Haag, welcher, nach der Anführung der allgemeinen
Nachrichten aus dem R. d. Wissenschaften, die Einbildung
von der nothwendigen Bevölkerung
aller Weltkörper, auf der lächerlichen Seite vorzustellen
wuste, kan nicht anders, als
gebilliget werden. „Diejenigen Creaturen,“
](#en35310)sprichter, „welche die Wälder auf dem Kopfe eines
Bettlers bewohnen, hatten schon lange ihren Aufenthalt vor
eine unermeßliche Kugel, und sich selber, als das
Meisterstück der Schöpfung, angesehen, als einer unter
ihnen, den der Himmel mit einer feinern Seele begabet hatte,
ein kleiner
Fontenelle
seines Geschlechts, den Kopf
eines Edelmanns unvermuthet gewahr ward. Alsbald rief er alle
witzige Köpfe seines Quartiers zusammen, und sagte ihnen mit Entzückung: wir sind
nicht die einzigen belebten Wesen der ganzen Natur:
sehet hier ein neues Land,
hie wohnen
mehr Läuse.“
Wenn der Ausgang dieses Schlusses
ein Lachen erwecket; so [geschicht] es nicht um deswillen, weil
er von der Menschen Art, zu urtheilen, weit abgehet; sondern, weil
eben derselbe Irrthum, der bey dem Menschen eine gleiche Ursache zum
Grunde hat, bey diesen mehr Entschuldigung zu verdienen
scheinet.
Laßt uns ohne
Vorurtheil urtheilen. Dieses Insekt, welches,
sowohl seiner Art zu leben, als auch
seiner Nichtswürdigkeit nach, die Beschaffenheit der
meisten Menschen sehr wohl ausdrückt, kan mit gutem Fuge zu einer
solchen Vergleichung gebraucht werden. Weil, seiner Einbildung nach,
der Natur an seinem Daseyn unendlich viel gelegen ist: so hält es
die ganze übrige Schöpfung vor vergeblich, die nicht eine genaue
Abzielung auf sein Geschlechte, als den
Mittelpunkt ihrer Zwecke, mit sich führet. Der
Mensch, welcher gleich unendlich weit von der
obersten Stufe der Wesen abstehet, ist so verwegen,
von der Nothwendigkeit seines Daseyns, sich mit gleicher
Einbildung zu schmeicheln. Die Unendlichkeit der Schöpfung fasset alle Naturen,
die ihr überschwenglicher Reichthum hervorbringt, mit gleicher
Nothwendigkeit in
sich. Von der erhabensten Classe, unter den denkenden
Wesen, bis zu dem verachtetesten Insekt, ist ihr kein Glied
gleichgültig; und es kan keins fehlen, ohne daß die
Schönheit des Ganzen, welche in dem Zusammenhange bestehet, dadurch
unterbrochen würde. Indessen wird alles, durch allgemeine Gesetze,
bestimmet, welche die Natur, durch die Verbindung ihrer
ursprünglich eingepflanzten Kräfte, bewirket.
Weil sie in ihrem Verfahren lauter Wohlanständigkeit und
Ordnung hervorbringt; so
darf keine einzelne Absicht ihre Folgen stören und
unterbrechen. Bey ihrer ersten
Bildung war die Erzeugung eines Planeten nur eine unendlich
kleine Folge ihrer Fruchtbarkeit; und nun wäre
es etwas ungereimtes, daß ihre so wohlgegründete Gesetze,
den besondern Zwecken dieses Atomus nachgeben solten. Wenn die
Beschaffenheit eines Himmelskörpers der Bevölkerung
natürliche Hindernisse entgegen setzet: so wird er unbewohnt seyn,
obgleich es an und vor sich schöner wäre, daß er Einwohner
hätte. Die Treflichkeit der Schöpfung verlieret dadurch nichts: denn das Unendliche ist unter allen Grössen
diejenige, welche, durch Entziehung
eines endlichen Theiles, nicht vermindert wird. Es wäre, als wenn
man klagen wolte, daß der Raum, zwischen dem Jupiter und
dem Mars, so unnöthig leer stehet, und daß es
Cometen giebt, welche nicht bevölkert sind. In der That, jenes
Insekt mag uns so nichtswürdig scheinen, als es wolle, es ist der Natur
gewiß an der Erhaltung [ihrer
ganzen Classe] mehr gelegen, als an einer
kleinen Zahl vortreflicherer Geschöpfe, deren es dennoch
unendlich viel giebt, wenn [ihnen gleich eine Gegend, oder Ort, beraubet seyn
solte]. Weil sie in Hervorbringung beyder
unerschöpflich ist, so sieht man ja gleich unbekümmert, beyde in
ihrer Erhaltung und Zerstörung, den allgemeinen Gesetzen überlassen.
Hat wohl jemals der Besitzer jener bewohnten Wälder, auf dem Kopfe
des Bettlers, grössere Verheerungen unter dem Geschlechte dieser
Colonie gemacht, als [der
Sohn Philipps
](#en35431), in
dem Geschlechte seiner Mitbürger, anrichtete, als es ihm sein
böser Genius in den Kopf gesetzet hatte, daß die Welt nur um
seinetwillen hervorgebracht
sey?
Indessen sind doch die
meisten unter den Planeten gewiß bewohnt, und die es nicht sind,
werden es dereinst werden. Was vor Verhältnisse werden nun, unter den verschiedenen Arten dieser
Einwohner, durch die Beziehung ihres
Ortes in dem Weltgebäude zu dem Mittelpunkte, daraus sich die Wärme
verbreitet, die alles belebt, verursachet [werden.] Denn es ist gewiß, daß diese, unter den
Materien dieser Himmelskörper, nach
Proportion ihres Abstandes, gewisse Verhältnisse in
ihren Bestimmungen mit sich führet. Der Mensch, welcher
unter allen vernünftigen
Wesen dasjenige ist, welches wir am deutlichsten kennen,
ob uns gleich seine innere Beschaffenheit annoch ein
unerforschtes Problema ist, muß in dieser Vergleichung zum
Grunde und zum allgemeinen Beziehungspunkte dienen. Wir wollen ihn
allhier nicht nach seinen moralischen Eigenschaften, auch nicht
nach der physischen Einrichtung seines Baues betrachten: wir wollen nur
untersuchen, was das Vermögen,
vernünftig zu denken, und die Bewegung seines Leibes,
die diesem gehorchet, durch die, dem Abstande von der Sonne
proportionirte Beschaffenheit der Materie, an die er
geknüpfet ist, vor Einschränkungen leide. Des unendlichen
Abstandes ungeachtet, welcher zwischen der Kraft, zu denken, und
der Bewegung der Materie, zwischen dem vernünftigen Geiste, und dem Körper, anzutreffen ist, so ist
es doch gewiß, daß der Mensch, der alle seine
Begriffe und Vorstellungen von [dem Eindrucke her hat, den] das
Universum, vermittelst des
Körpers, in seiner Seele erreget, sowohl in Ansehung der
Deutlichkeit derselben, als auch der Fertigkeit, dieselbe zu
verbinden und zu vergleichen, welche man das Vermögen zu
denken nennet, von der Beschaffenheit dieser Materie völlig abhängt,
an die der Schöpfer ihn gebunden hat.
Der Mensch ist
erschaffen, die Eindrücke und Rührungen, die die Welt in ihm erregen
soll, durch denjenigen Körper anzunehmen, der der sichtbare Theil
seines Wesens ist, und dessen Materie nicht
allein dem unsichtbaren Geiste, welcher ihn bewohnet, dienet,
die ersten Begriffe der äusseren Gegenstände einzudrücken;
sondern auch in der innern Handlung diese zu wiederholen, zu
verbinden: kurz, zu denken, unentbehrlich ist
Es ist aus den Gründen der Psychologie ausgemacht, daß, vermöge der
jetzigen Verfassung, darinn die Schöpfung Seele und Leib von einander
abhängig gemachet hat, die erstere nicht allein alle Begriffe des
Universi durch des letztern Gemeinschaft und
Einfluß überkommen muß; sondern auch die Ausübung [seiner Denkungskraft]
selber auf dessen Verfassung ankommt, und von dessen Beyhülfe die
nöthige Fähigkeit dazu entlehnet.
. Nach dem Maasse, als sein Körper sich ausbildet, bekommen die Fähigkeiten seiner denkenden Natur, auch
die gehörigen Grade der Vollkommenheit, und erlangen allererst ein
gesetztes und männliches Vermögen, wenn die Fasern seiner Werkzeuge die
Festigkeit und Dauerhaftigkeit
überkommen haben, welche die Vollendung ihrer Ausbildung ist.
Diejenigen Fähigkeiten entwickeln sich bey ihm früh genug, durch welche
er der Nothdurft, die die Abhängigkeit von den äusserlichen Dingen
ihm zuziehet, genug thun kan. Bey einigen Menschen bleibt es bey
diesem Grade der Auswickelung. Das Vermögen, abgezogene Begriffe zu verbinden, und durch eine freye
Anwendung der Einsichten, über den
Hang der Leidenschaften zu herrschen, findet sich spät ein,
bey einigen niemals in ihrem ganzen Leben; bey allen aber ist es
schwach: es dienet den unteren Kräften, über die
es doch herrschen solte, und in deren Regierung der Vorzug
seiner Natur bestehet. Wenn man das Leben der meisten
Menschen ansiehet: so scheinet diese Creatur geschaffen zu seyn, um wie
eine Pflanze Saft in sich zu ziehen und zu wachsen, sein Geschlecht
fortzusetzen, endlich alt zu werden, und zu sterben. Er
erreichet unter allen Geschöpfen am wenigsten
den Zweck seines Daseyns, weil er seine vorzügliche
Fähigkeiten zu solchen Absichten verbrauchet, die die übrigen
Creaturen mit weit minderen, und doch weit sicherer und anständiger,
erreichen. Er würde auch das Verachtungswürdigste unter allen, zum
wenigsten in den Augen der wahren Weisheit, seyn, wenn die Hoffnung
des Künftigen ihn nicht erhübe, und denen,
in ihm verschlossenen Kräften, nicht die Periode
einer völligen Auswickelung bevorstünde.
Wenn man die Ursache
der Hindernisse untersuchet, welche die menschliche Natur in
einer so tiefen Erniedrigung erhalten; so findet sie sich in der
Grobheit der Materie, darinn sein geistiger Theil
versenket ist, in der Unbiegsamkeit
der Fasern, und der Trägheit und Unbeweglichkeit der Säfte, welche dessen Regungen gehorchen
sollen. Die Nerven und Flüßigkeiten seines Gehirnes liefern ihm nur
grobe und undeutliche Begriffe, und weil er der Reitzung der
sinnlichen Empfindungen, in
dem inwendigen seines Denkungsvermögens, nicht
genugsam kräftige Vorstellungen zum Gleichgewichte entgegen
stellen kan: so wird er von seinen Leidenschaften
hingerissen, von dem Getümmel der Elemente, die seine
Maschine unterhalten, übertäubet und gestöret.
Die Bemühungen der Vernunft, sich dagegen zu erheben, und
diese Verwirrung durch das Licht der
Urtheilskraft zu vertreiben, sind wie
die Sonnenblicke, wenn dicke
Wolken ihre Heiterkeit unablässig unterbrechen und
verdunkeln.
Diese Grobheit des
Stoffes und des Gewebes in dem Baue der menschlichen Natur ist
die Ursache derjenigen Trägheit, welche die
Fähigkeiten der Seele in einer
beständigen Mattigkeit und Kraftlosigkeit erhält. Die Handlung des Nachdenkens, und der durch die
Vernunft aufgeklärten Vorstellungen ist ein mühsamer Zustand,
darein die Seele sich nicht ohne Wiederstand setzen kan,
und aus welchem sie, durch einen natürlichen Hang der
körperlichen Maschine, alsbald in den leidenden Zustand zurückfällt, da
die [sämtlichen] Reizungen alle ihre
Handlungen bestimmen und regieren.
Diese Trägheit seiner
Denkungskraft, welche eine Folge der Abhängigkeit von einer groben und ungelenksamen Materie
ist, ist nicht allein die Quelle des Lasters, sondern auch des Irrthums.
Durch die Schwierigkeit, welche mit der Bemühung verbunden ist, den
Nebel der verwirrten Begriffe zu zerstreuen, und das durch
verglichene Ideen entspringende
allgemeine Erkenntniß von den sinnlichen Eindrücken
abzusondern, abgehalten, giebt sie
lieber einem übereilten Beyfalle Platz, und beruhigt sich in
dem Besitze einer Einsicht, welche ihr die Trägheit ihrer Natur und der Wiederstand der Materie kaum von der
Seite erblicken lassen.
In dieser Abhängigkeit
schwinden die geistigen Fähigkeiten zugleich mit der Lebhaftigkeit
des Leibes: wenn das hohe Alter durch den geschwächten Umlauf der Säfte nur dicke Säfte in dem
Körper kochet, wenn die Beugsamkeit der Fasern, und die Behendigkeit in
allen Bewegungen abnimmt, so erstarren
die Kräfte des Geistes in einer gleichen Ermattung. Die Hurtigkeit der
Gedanken, die Klarheit der [Vorstellung], die Lebhaftigkeit des Witzes und das
Erinnerungsvermögen
werden kraftlos und erkalten. Die durch lange Erfahrung
eingepfropften Begriffe
ersetzen noch einigermassen den Abgang dieser Kräfte und der Verstand
würde sein Unvermögen noch deutlicher verrathen, wenn die Heftigkeit der Leidenschaften, die dessen Zügel
nöthig haben, nicht zugleich, und noch eher als er, abnehmen
[möchte].
Es erhellet demnach
hieraus deutlich, daß die Kräfte der menschlichen Seele von den Hindernissen einer groben Materie,
an die sie innigst verbunden werden, eingeschränket und gehemmet
werden; aber es ist etwas noch merkwürdigers, daß diese
specifische Beschaffenheit des Stoffes eine wesentliche Beziehung zu dem Grade des [Hinflusses]
hat, womit die Sonne nach dem [Maasse] ihres Abstandes sie belebet,
und zu den Verrichtungen der animalischen Oeconomie tüchtig
macht. Diese nothwendige Beziehung zu dem Feuer, welches sich aus dem
Mittelpunkte des Weltsystems
verbreitet, um die Materie in der nöthigen Regung zu erhalten, ist
der Grund einer Analogie, die eben hieraus, zwischen den
verschiedenen Bewohnern der Planeten, vest gesetzet
wird: und eine jede Classe derselben ist vermöge dieser
Verhältniß an den Ort durch die Nothwendigkeit
ihrer Natur gebunden, der ihr in dem Universo angewiesen worden.
Die Einwohner der Erde
und der Venus können ohne ihr beyderseitiges Verderben ihre Wohnplätze gegeneinander nicht
vertauschen. Der erstere, dessen Bildungsstoff vor den
Grad der Wärme seines Abstandes
proportionirt, und daher vor einen noch grössern zu leicht
und flüchtig ist, würde in einer erhitzteren Sphäre
gewaltsame Bewegungen und eine Zerrüttung seiner Natur
erleiden, die von der Zerstreuung und Austrocknung der Säfte
und einer gewaltsamen Spannung seiner elastischen Fasern
entstehen würde; der letztere dessen gröberer
Bau und Trägheit der Elemente seiner Bildung, eines grossen
Einflusses der Sonne bedarf, würde in einer kühleren Himmelsgegend
erstarren und in einer Leblosigkeit verderben. Eben so müssen es weit
leichtere und flüchtigere [Materien] seyn, daraus der Körper des Jupiters
Bewohners bestehet, damit die geringe Regung, womit die Sonne in
diesem Abstande würken kan, diese
Maschinen eben so kräftig bewegen könne, als sie es in den unteren
Gegenden [verrichtet, und damit alles in
einem allgemeinen Begriffe zusammenfasse.]
Der Stoff woraus die
Einwohner verschiedener Planeten, ja so gar die Thiere und
Gewächse auf denselben, gebildet seyn, muß überhaupt um
desto leichterer und feinerer Art,
und die Elasticität der Fasernsammt der
vortheilhaften Anlage ihres Baues, um desto
vollkommener seyn, nach dem [Maasse], als sie weiter von der
Sonneabstehen.
Dieses
Verhältniß ist so natürlich und wohl gegründet, daß
nicht allein die Bewegungsgründe des Endzwecks darauf führen,
welche in der Naturlehre gemeiniglich nur als schwache Gründe
angesehen werden, sondern zugleich [die ](#en35836)[Proportionen] der specifischen
Beschaffenheit der Materien woraus die Planeten
bestehen, welche sowohl durch die
Rechnungen des
Newton, als auch
durch die Gründe der Cosmogonie ausgemacht sind, [dieselbe] bestätigen, nach
[welchen] der Stoff,
woraus die Himmelskörper gebildet sind, bey den entfernetern
allemal leichterer Art, als bey den nahen ist, welches
nothwendig an denen Geschöpfen, die sich auf ihnen erzeugen und
unterhalten, ein gleiches Verhältniß nach sich ziehen
muß.
Wir haben eine
Vergleichung zwischen der Beschaffenheit der Materie, damit die vernünftigen Geschöpfe auf den
Planeten wesentlich vereinigt
seyn, ausgemacht: und es läst sich auch nach der
Einleitung dieser Betrachtung
leichtlich erachten, daß diese Verhältnisse eine Folge, auch in
Ansehung ihrer geistigen Fähigkeit, nach sich
ziehen [werden]. Wenn demnach
diese geistige Fähigkeiten eine nothwendige Abhängigkeit von dem
Stoffe der Maschine haben, welche sie bewohnen; so werden wir mit mehr
als wahrscheinlicher Vermuthung schliessen können: daß
die Treflichkeit der denkenden Naturen,
die Hurtigkeit in ihren
Vorstellungen, die Deutlichkeit und
Lebhaftigkeit der Begriffe, die sie durch äusserlichen
Eindruck bekommen, sammt dem Vermögen
sie zusammen zusetzen, endlich auch
die Behendigkeit in der wirklichen
Ausübung, kurz, der ganze Umfang ihrer
Vollkommenheit unter einer gewissen
Regel stehen, nach welcher dieselben, nach dem
Verhältniß des Abstandes ihrer Wohnplätze von der
Sonne, immer treflicher und
vollkommener werden.
Da dieses Verhältniß
einen Grad der Glaubwürdigkeit hat, der nicht weit von einer
ausgemachten Gewißheit entfernet ist, so finden wir ein ofnes Feld zu
angenehmen Muthmassungen, die aus der Vergleichung der Eigenschaften dieser verschiedenen Bewohner
entspringen. Die menschliche Natur, welche in der
Leiter der Wesen gleichsam die mittelste Sprosse inne hat, siehet sich
zwischen den zwey äussersten Grenzen der Vollkommenheit
mitten inne, von deren beyden Enden sie gleich weit entfernet ist.
Wenn die Vorstellung der erhabensten Classen
vernünftiger Creaturen, die den
Jupiter oder den Saturn bewohnen, ihre Eifersucht reitzet, und
sie durch die Erkenntniß ihrer eigenen
Niedrigkeit demüthiget; so kan der Anblick der
niedrigen Stufen sie wiederum zufrieden sprechen und beruhigen, die in den Planeten Venus und
Merkur weit unter der Vollkommenheit der menschlichen Natur
erniedrigt seyn. Welch ein verwunderungswürdiger Anblick!
Von der einen Seite sahen wir
denkende Geschöpfe, bey denen ein Grönländer oder Hottentotte
ein Newton seyn würde; und auf der
andern Seite andere, die diesen als einen Affen
bewundern.
[
Da jüngst die obern Weisen sahn,](#en36004)
Was unlängst recht verwunderlich,
Ein Sterblicher bey uns gethan,
Und wie er der Natur Gesetz entfaltet; wunderten sie sich,
Daß durch ein irrdisches Geschöpf dergleichen möglich zu geschehn
Und sahen unsern Newton an, so wie wir einen Affen sehn.
[
](#en36004)
Pope
.
Zu welch einem
Fortgange in der Erkenntniß, wird die Einsicht jener glückseligen
Wesen der obersten Himmelssphären nicht
gelangen! Welche schöne Folgen, wird diese Erleuchtung der
Einsichten nicht in ihre sittliche Beschaffenheit haben! Die
Einsichten des Verstandes, wenn sie die gehörigen Grade der
Vollständigkeit und Deutlichkeit besitzen, haben weit lebhaftere Reitzungen als die sinnlichen
Anlockungen an sich, und sind vermögend, diese
siegreich zu beherrschen, und unter den Fuß zu treten. Wie
herrlich wird sich die Gottheit selbst, die sich in allen [Geschöpfen] mahlet in diesen denkenden
Naturen nicht mahlen, welche als ein von den Stürmen der
Leidenschaften unbewegtes Meer ihr Bild ruhig aufnehmen, und
zurückstrahlen! Wir wollen diese Muthmassungen nicht über die, einer physischen Abhandlung
vorgezeichnete Grenzen erstrecken, wir bemerken nur
nochmals die oben angeführte Analogie: daß die
Vollkommenheit der Geisterwelt
sowohl, als der materialischen in den
Planeten, von dem Merkur an bis zum
Saturn, oder vielleicht noch über ihm, (wo ferne
noch andere Planeten seyn,) in
einer richtigen Gradenfolge,
nach der Proportion ihrer
Entfernungen von der Sonne,
wachse und
fortschreite.
Indessen, daß dieses
aus den Folgen der physischen Beziehung ihrer Wohnplätze zu dem
Mittelpunkte der Welt zum Theil natürlich herfliesset, zum Theil
geziemend veranlasset wird: so bestätigt anderer
Seits der wirkliche Anblick der vortreflichsten, und sich vor
die vorzügliche Vollkommenheit dieser Naturen in den
obern Gegenden anschickende Anstalten, diese Regel so deutlich, daß
sie beynahe einen Anspruch auf eine völlige Ueberzeugung machen sollte.
Die Hurtigkeit der Handlungen, die mit den Vorzügen einer erhabenen
Natur verbunden ist, schicket
sich besser zu den schnell
abwechselnden Zeitperioden jener Sphären, als
die Langsamkeit träger und unvollkomener
Geschöpfe.
[Die Sehröhre lehren uns, daß die Abwechselung des
Tages und der Nacht im Jupiter in 10 Stunden geschehe](#en36103). Was würde der
Bewohner der Erde, wenn er in diesen
Planeten gesetzt würde, bey dieser Eintheilung wohl
anfangen? Die 10 Stunden würden kaum zu derjenigen Ruhe zureichen, die diese grobe Maschine zu ihrer
Erholung durch den Schlaf gebrauchet. Was [würden die Vorbereitung zu
den Verrichtungen des Wachens, das Kleiden, die
Zeit]
die zum Essen angewandt wird,
nicht vor einen Antheil an der folgenden Zeit
abfordern, und wie würde eine Creatur, deren Handlungen mit solcher
Langsamkeit geschehen, nicht
zerstreuet, und zu etwas tüchtigen unvermögend gemacht werden, deren 5 Stunden
Geschäfte plötzlich durch die Dazwischenkunft einer eben so langen Finsterniß
unterbrochen würden? Dagegen wenn Jupiter von vollkommneren
Creaturen bewohnet ist, die mit einer feinern Bildung mehr
elastische Kräfte, und eine grössere Behendigkeit in der Ausübung verbinden; so kan man glauben,
daß diese 5 Stunden ihnen eben dasselbe und mehr sind, als
was die 12 Stunden des Tages vor die niedrige Classe der Menschen
betragen. Wir wissen, daß das Bedürfniß der Zeit etwas relatives
ist, welches nicht anders, als aus der Grösse desjenigen was
verrichtet werden soll, mit der Geschwindigkeit der
Ausübung verglichen, kan erkannt und verstanden werden.
Daher eben dieselbe Zeit, die vor eine Art der Geschöpfe gleichsam
nur ein Augenblick ist, vor eine andere eine lange Periode seyn kan,
in der sich eine grosse Folge der Veränderungen durch eine schnelle
Wirksamkeit auswickelt. Saturn hat nach der
wahrscheinlichen Berechnung
seiner Umwälzung, die wir oben dargelegt haben, eine noch weit
kürzere Abtheilung des Tages und der Nacht, und lässet daher an der
Natur seiner Bewohner noch vorzüglichere Fähigkeiten
vermuthen.
Endlich stimmet alles
überein das angeführte Gesetz zu bestätigen. Die Natur hat ihren
Vorrath augenscheinlich auf der entlegenen Seite der Welt am
reichlichsten ausgebreitet. Die Monde, die den
geschäftigen Wesen dieser glückseligen Gegenden,
durch eine hinlängliche Ersetzung die Entziehung des
Tageslichts vergüten, sind in grössester Menge
daselbst angebracht, und die Natur
scheinet sorgfältig gewesen zu seyn, ihrer Wirksamkeit alle
Beyhülfe zu leisten, damit ihnen fast keine
Zeit hinderlich sey, solche anzuwenden. Jupiter hat in Ansehung der
Monde einen augenscheinlichen Vorzug vor allen unteren Planeten,
und Saturn wiederum vor ihm, dessen Anstalten an dem schönen und
nützlichen Ringe der ihn umgiebt, noch grössere Vorzüge von seiner
Beschaffenheit,
wahrscheinlich machen; dahingegen die untern Planeten, bey
denen dieser Vorrath unnützlich würde verschwendet seyn, deren
Classe weit näher an die Unvernunft grenzet, solcher Vortheile
entweder gar nicht, oder doch sehr wenig theilhaftig geworden
sind.
Man kan aber, (damit ich
einem Einwurfe zuvor komme, der alle diese angeführte
Uebereinstimmung vereiteln könnte,) den grösseren
Abstand von der Sonne, dieser Quelle
des Lichts und des Lebens, [als ein Uebel ansehen, wogegen die Weitläuftigkeit solcher
Anstalten bey den entfernetern Planeten nur
vorgekehrt ][worden, um] ihm einigermassen
[abzuhelfen, so daß]
in der That die obern
Planeten eine weniger vortheilhafte Lage im Weltgebäude und eine
Stellung hätten, die der Vollkommenheit ihrer Anstalten
nachtheilig wäre, weil sie von der Sonne einen schwächern
Einfluß erhalten. Denn wir wissen, daß die Wirkung des Lichts und
der Wärme nicht durch deren absolute Intensität, sondern durch die
Fähigkeit der Materie, womit sie solche annimmt, und ihrem Antriebe
weniger oder mehr wiederstehet, bestimmt werde, und daß daher
eben derselbe Abstand, der vor eine Art grober Materie ein
gemäßigtes Clima kan genannt werden, subtilere Flüßigkeiten zerstreuen, und vor sie von schädlicher Heftigkeit
seyn würde; mithin nur ein feinerer und aus beweglichern
Elementen bestehender Stoff dazu gehöret,
um die Entfernungen des Jupiters oder Saturns von der Sonne
beyden zu einer glücklichen Stellung zu machen.
Endlich scheinet noch
die Treflichkeit der Naturen in diesen oberen Himmelsgegenden, durch
einen physischen Zusammenhang mit einer Dauerhaftigkeit, deren
sie würdig ist, verbunden zu seyn. Das Verderben und der Tod können diesen treflichen Geschöpfen nicht so
viel, als uns niedrigen Naturen anhaben. Eben dieselbe Trägheit
der Materie und Grobheit des Stoffes, die bey den unteren
Stuffen das specifische Principium ihrer Erniedrigung ist, ist auch
die Ursache desjenigen
Hanges, den sie zum Verderben haben. Wenn die Säfte,
die das Thier oder den Menschen nähren und wachsen machen,
indem sie sich zwischen seine Fäserchen einverleiben und an seine
Masse ansetzen, nicht mehr zugleich dessen Gefässe und
Canäle in der Raumesausdehnung vergrössern können, wenn
das Wachsthum schon vollendet ist; so müssen diese sich ansetzende
Nahrungssäfte durch eben den mechanischen Trieb, der das Thier zu nähren
angewandt wird, die Höle seiner Gefässe verengen und verstopfen,
und den Bau der ganzen Maschine, in einer nach und nach
zunehmenden Erstarrung, zu Grunde richten. Es ist
zu glauben, daß, obgleich die Vergänglichkeit auch an den
vollkommensten Naturen naget, dennoch der
Vorzug in der Feinigkeit des Stoffes, in der Elasticität der
Gefässe, und der Leichtigkeit und Wirksamkeit
der Säfte, woraus jene vollkommnere Wesen, welche in den
entferneten Planeten wohnen, gebildet seyn, diese
Hinfälligkeit, welche eine Folge aus der Trägheit einer
groben Materie ist, weit länger aufhalten, und diesen Creaturen eine
Dauer, deren Länge ihrer Vollkommenheit proportionirt ist, verschaffen werde, so wie die
Hinfälligkeit des Lebens der Menschen ein richtiges Verhältniß zu
ihrer Nichtswürdigkeit hat.
Ich kan diese
Betrachtung nicht verlassen, ohne einem Zweifel zuvor zu kommen,
welcher natürlicher Weise aus der Vergleichung dieser Meinungen mit
unseren vorigen Sätzen entspringen könnte. Wir haben in den Anstalten
des Weltbaues an der Menge der Trabanten, welche die Planeten der
entferntsten Kreise erleuchten, an der
Schnelligkeit der Achsendrehungen,
und dem gegen die Sonnenwirkung proportionirten Stoffe ihres Zusammensatzes, die Weisheit GOttes
erkannt, welche alles dem Vortheile der vernünftigen
Wesen, die sie bewohnen, so zuträglich
angeordnet hat. Aber wie wollte man anjetzt mit der
Lehrverfassung der Absichten
einen mechanischen Lehrbegriff zusammen reimen, so daß, was die
höchste Weisheit selbst entwarf, der rohen Materie, und das
Regiment der Vorsehung, der sich selbst
überlassenen Natur zur Ausführung aufgetragen worden?
Ist das erstere nicht vielmehr ein
Geständniß, daß die Anordnung des Weltbaues nicht
durch die allgemeinen Gesetze der letzteren entwickelt
[worden.]
Man wird
diese Zweifel bald zerstreuen, wenn man auf
dasjenige nur zurück denckt, was in gleicher Absicht in dem vorigen
angeführet worden. Muß nicht die Mechanik aller natürlichen
[Bewegungen
einen wesentlichen Hang zu lauter solchen Folgen haben, die
mit dem Project der
höchsten Vernunft in dem ganzen Umfange der
Verbindungen wohl ][zusammenstimmet]
? Wie kan sie abirrende
Bestrebungen, und eine ungebundene Zerstreuung in
[ihren] Beginnen haben, da alle
ihre Eigenschaften, aus welchen sich diese Folgen entwickeln,
selbst ihre Bestimmung aus der ewigen Idee des
göttlichen Verstandes haben, in welchem sich alles nothwendig auf
einander beziehen, und zusammenschicken muß? Wenn man sich recht besinnet, wie kan man
die Art zu urtheilen rechtfertigen, daß man die Natur als ein
wiederwärtiges Subject ansiehet, welches nur durch eine
Art von Zwange, der ihrem freyen Betragen Schranken setzt, in dem
Gleise der Ordnung und der gemeinschaftlichen Harmonie kan erhalten
werden, woferne man nicht etwa davor hält, daß sie ein sich selbst
genugsames Principium sey, dessen Eigenschaften keine Ursache
erkennen, und welche GOtt, so gut als es sich thun läßt,
in den Plan seiner Absichten zu zwingen [trachtet.] Je näher man die Natur wird kennen
lernen, desto mehr wird man einsehen, daß die allgemeinen
Beschaffenheiten der Dinge einander nicht fremd und
getrennt seyn. Man wird hinlänglich überführet
werden, daß sie wesentliche Verwandtschaften haben, durch die sie
sich von selber anschicken, einander in Errichtung
vollkommener Verfassungen zu [unterstützen, die] Wechselwirkung der Elemente
zur Schönheit der materialischen
und doch auch zugleich zu den Vortheilen der [Geisterwelt, und] daß überhaupt die einzelen Naturen der
Dinge in dem Felde der ewigen Wahrheiten schon untereinander,
so zu sagen, ein System ausmachen, in
welchem eine auf die andere beziehend ist; man wird
auch alsbald inne werden, daß die Verwandtschaft ihnen von der
Gemeinschaft des Ursprungs eigen
ist, aus dem sie insgesammt ihre wesentlichen Bestimmungen geschöpft haben.
Und um daher diese
wiederholte Betrachtung zu dem vorhabenden Zwecke anzuwenden: Eben
dieselbe allgemeine Bewegungsgesetze, die den obersten Planeten
einen entfernten Platz von dem Mittelpunkte der Anziehung und der
Trägheit in dem Weltsystem angewiesen haben, haben sie dadurch
zugleich in die vortheilhafteste Verfassung
gesetzt, ihre Bildungen am weitesten von dem Beziehungspunkte der
groben Materie, und zwar mit grösserer Freyheit anzustellen; sie
haben sie aber auch zugleich in eine regelmäßige Verhältniß zu dem
Einflusse der Wärme versetzt, welche sich, nach gleichem Gesetze,
aus eben dem Mittelpunkte ausbreitet. Da nun eben diese Bestimmungen
es sind, welche die Bildung der Weltkörper in diesen entferneten
Gegenden ungehinderter, die Erzeugung
der davon abhängenden Bewegungen schneller und kurz zu sagen, das
System wohlanständiger gemacht haben, da endlich die geistigen
Wesen eine nothwendige Abhängigkeit von
der Materie haben, an die
sie persönlich verbunden sind; so ist kein
Wunder, daß die Vollkommenheit der Natur von
beyderley [Orten] in einem
einzigen Zusammenhange der Ursachen,
und aus gleichen Gründen bewirket worden. Diese
Uebereinstimmung ist also bey genauer Erwegung
nichts plötzliches oder unerwartetes, und weil die letzteren
Wesen durch ein gleiches Principium in die allgemeine
Verfassung der materialischen Natur eingeflochten worden; so wird die
Geisterwelt aus eben den Ursachen in den
entferneten Sphären vollkommener seyn, [weswegen es die körperliche ist].
So hänget denn alles in
dem ganzen Umfange der Natur in einer ununterbrochenen
Gradfolge zusammen, durch die ewige Harmonie,
die alle Glieder auf einander beziehend macht. Die
Vollkommenheiten GOttes haben sich in unsern Stufen
deutlich offenbaret, und sind nicht weniger herrlich in den
niedrigsten Classen, als in den erhabnern.
[
Welch eine Kette die von GOtt den Anfang nimmt, was vor Naturen](#en36515)
Von himmlischen und irrdischen, von Engeln, Menschen bis zum Vieh,
Vom Seraphim bis zum Gewürm. O Weite die das Auge nie
Erreichen und betrachten kan!
Von dem Unendlichen zu dir, von dir zum Nichts!
[
](#en36515)
Pope
.
Wir haben die bisherige
Muthmassungen treulich an dem Leitfaden der physischen Verhältnisse fortgeführet, welcher sie auf dem
Pfade einer vernünftigen Glaubwürdigkeit erhalten hat. Wollen
wir uns noch eine Ausschweifung aus diesem Gleise in das
Feld der Phantasie erlauben? Wer zeiget uns die Grenze wo
die gegründete Wahrscheinlichkeit aufhöret, und die willkührlichen Erdichtungen anheben? Wer
ist so kühn, eine Beantwortung der Frage zu wagen: ob die
Sünde ihre Herrschaft auch in den andern Kugeln des Weltbaues
ausübe, oder ob die Tugend allein ihr Regiment daselbst
aufgeschlagen.
[
Die Sterne sind vielleicht ein Sitz verklärter Geister,](#en36530)
Wie hier das Laster herrscht, ist dort die Tugend Meister.
[
v. ](#en36530)Haller
.
Gehört nicht ein
gewisser Mittelstand zwischen der Weisheit und Unvernunft zu der
unglücklichen Fähigkeit sündigen zu [können.] Wer weiß, sind also die Bewohner jener
entferneten Weltkörper nicht zu erhaben und zu weise, um sich bis zu der Thorheit, die in der
Sünde steckt, herabzulassen, diejenigen aber, die in den unteren Planeten
wohnen, zu fest an die Materie geheftet und mit gar zu geringen
Fähigkeiten des Geistes versehen, um die
Verantwortung ihrer Handlungen vor dem Richterstuhle der
Gerechtigkeit tragen zu dörfen? Auf diese Weise wäre die Erde, und
vielleicht noch der Mars, (damit der elende
Trost uns ja nicht genommen werde, Gefährten des Unglücks zu
haben,) allein in der gefährlichen Mittelstrasse, wo die [
Versuchungen der sinnlichen Reitzungen gegen die
Oberherrschaft des Geistes ein starkes
Vermögen zur Verleitung haben], dieser aber
dennoch diejenige Fähigkeit nicht verleugnen kann,
wodurch er im Stande ist, ihnen Wiederstand zu
leisten, wenn es seiner Trägheit nicht vielmehr gefiele, sich
durch dieselbe hinreissen zu
lassen, wo also der gefährliche Zwischenpunkt zwischen
der Schwachheit und dem Vermögen ist, da eben dieselbe
Vorzüge, die ihn über die niederen Classen erheben, ihn
auf eine Höhe stellen, von welcher er wiederum unendlich tiefer
unter diese herabsinken kan. In der That sind die beyden Planeten, die
Erde und der Mars, die mittelsten Glieder
des planetischen Systems, und es läst sich von ihren
Bewohnern vielleicht nicht mit
Unwahrscheinlichkeit ein mittlerer Stand der physischen sowohl,
als moralischen Beschaffenheit zwischen den zwey Endpunkten vermuthen;
allein ich will diese Betrachtung lieber denenjenigen überlassen, die mehr Beruhigung bey einem
unerweißlichen Erkenntnisse,
und mehr Neigung dessen Verantwortung zu
übernehmen, bey sich finden.