Neue
Erklärung
der ersten Grundsätze
der metaphysischen Erkenntniß
welche
mit Bewilligung der wohllöblichen
philosophischen Facultät
in öffentlicher Disputation
die im philosophischen Hörsal zum 27sten
September in den Stunden von 8 bis 12 Uhr
gehalten werden soll
um die Aufnahme in diese Facultät zu
erwerben
verteidigen wird
M. Immanuel Kant aus
Königsberg.
Respondent wird seyn
Christoph Abraham Borchard aus Heiligenbeil in Preußen
der Gottesgelahrtheit Beflissener,
Opponenten werden seyn
Johann Gottfried Möller aus
Königsberg
der Gottesgelahrtheit Beflissener,
Friedrich Heichrich Samuel Lysius aus Königsberg
der Rechte Beflissener
und
Johann Reinhold Grube aus
Königsberg, der Rechte Beflissener.
im Jahre 1755.
Königsberg,
in den Lettern Ihrer Heiligen Königlichen Majestät und der Universitätsdruckerei J. H. Hartungs.
widme und überlasse ich voll Wohlgesonnenheit
diese Seiten
verbunden in Dankbarkeit und Geistesfreundschaft
für die so vielfach erwiesene Gnade
In Hoffnung, über die ersten Grundsätze unserer
Erkenntniß, wie ich wünsche, einiges Licht zu verbreiten, muß ich, um gemäß
meinem Entschluß die Resultate meines Nachdenkens über den Gegenstand dieser
Schrift auf möglichst wenigen Seiten darzulegen, mich aller entbehrlichen
Ausführlichkeit, und, zufrieden, die Nerven und Gelenke der Beweisgründe
dargestellt zu haben, alles Schmuckes und aller gefallenden Einkleidung des
Vortrags geflissentlich enthalten. Wenn ich hierbey von der Meinung berühmter
Männer abzuweichen, oder auch dieselben bisweilen namentlich anzuführen zu dem
Zweck meines Vorhabens angemessen finde, so bin ich von ihrer billigen Denkart
und richtigen Beurtheilung überzeugt, daß sie dadurch der ihren Verdiensten
gebührenden Hochachtung keinesweges etwas entzogen glauben, und deshalb mit mir
nicht unzufrieden seyn werden. Denn im Fall verschiedener Meinungen über
dieselbe Sache, muß es jedem erlaubt seyn, seiner eigenen Ansicht derselben und
seinen Vorstellungen davon zu folgen, auch die Beweisgründe anderer einer neuen
Prüfung und Sichtung zu unterwerfen, sofern diese ohne alle Bitterkeit und ohne
Streitsucht unternommen wird. Ich finde nicht, daß ein so bescheidenes Verfahren
von billigen Richtern jemals für unverträglich mit den Pflichten des Wohlstandes
und der schuldigen Ehrerbietung wäre geachtet worden.
Zuerst werde ich also das, was über den Satz des Widerspruchs,
als den ersten Satz der Philosophie, und dessen unbezweifelte Herrschaft über
alle Wahrheiten gewöhnlich mit mehr Zuversicht als Wahrheit vorgetragen wird,
einer sorgfältigern Schätzung und Absonderung unterwerfen, und zugleich, was
diesfalls für wahr zu halten sey, kürzlich darzulegen mich bemühen. Sodann werde
ich von dem Satz des zureichenden Grundes handeln, und nicht allein alles, was
dessen Sinn zu berichtigen oder den Beweis desselben zu befestigen dient,
sondern auch die Schwierigkeiten, welche ihn zu entkräften scheinen, aufführen
und den Gegenargumenten mit der Kraft der Beweisgründe, wie weit ich dazu fähig
bin, entgegentreten. Zuletzt werde ich, um einen Schritt wenigstens weiter zu
gehen, zwey neue Grundsätze der metaphysischen Erkenntniß, die nach meinem
Dafürhalten von nicht unbedeutendem Gewicht sind, aufstellen: Sie sind zwar
weder ursprüngliche noch ganz einfache Sätze, aber gerade deswegen desto
brauchbarer und mehr umfassend als irgend ein anderer Satz. Da ich bey
Da ich mich hier hauptsächlich der Kürze befleißigen
muß, so finde ich es gerathener, die in den bekannten Theorien bereits
hinlänglich begründeten und dabey ganz vernunftmäßigen Definitionen und
Lehrsätze nicht nochmals herzuschreiben: denn ich mag nicht nach der Weise
derer handeln, welche aus sclavischer Anhänglichkeit an einer, der Himmel
weiß welcher, Regel der Methode nicht in gehöriger Ordnung zu verfahren
meinen, wenn sie nicht vom Anfang bis zum Ende alles erörtern und
beleuchten, was sie in den Büchern und Heften der Philosophen über ihren
Gegenstand gesagt finden. Ich habe dem Leser im voraus sagen wollen, daß ich
alles dieses vorsätzlich weglasse, damit es mir nicht als Fehler angerechnet
werde.
Erster Satz. Einen einzigen Grundsatz aller Wahrheiten, welcher dabey
schlechthin der erste und allgemein wäre, giebt es nicht.
Ein erster Grundsatz, welcher in Wahrheit
einzig ist, muß nothwendig ein einfacher Satz seyn; denn sonst begreift
er in sich mehrere Sätze, und hat nur die trügerische Gestalt eines
einzigen Grundsatzes. Ist er wahrlich ein einfacher Satz, so ist er
nothwendig nur eins von zweyen, bejahend oder verneinend. Und nun
behaupte ich, daß, wenn er eins von beyden ist, er nicht allgemein sey,
oder nicht alle Wahrheiten unter sich begreife: denn sagt man, es sey
ein bejahender Satz, so kann dieser nicht
schlechthin erster Grundsatz der verneinenden Wahrheiten seyn; soll er
selbst verneinend seyn, so kann er nicht an die
Spitze der bejahenden gestellt werden.
Denn man setze, er sey ein verneinender
Satz: weil die Ableitung aller Wahrheiten aus ihren Grundsätzen entweder
direct oder indirect ist; wer sieht nicht, daß aus einem verneinenden
Grundsatz durch die directe Folgerungsweise blos
und allein verneinende Folgesätze abgeleitet werden können? Will man alsdann,
daß indirect bejahende Sätze daraus
gefolgert werden können, so wird man gestehen müssen, daß dieses nicht
anders als mittelst des Satzes geschehen könne: Alles,
wovon das Gegentheil falsch ist, das ist wahr. Dieser Satz aber
kann, da er selbst bejahend Wenn das Gegentheil
eines Satzes wahr ist, so ist dieser falsch; das heißt, das
Gegentheil eines Satzes bejahen, heißt diesen Satz selbst verneinen.
Weil aber auch dieser Satz verneinend ist, so kann er keineswegs aus
einem bejahenden Grundsatz, weder, welches an sich klar ist, directer-
noch indirecterweise anders als mit Voraussetzung, daß er schon bewiesen
sey oder sich selbst beweise, abgeleitet werden. Man mag sich also für
das eine oder das andere erklären, so wird man die Wahrheit des von mir
anfänglich aufgestellten Satzes nicht in Zweifel ziehen können: daß für
alle Wahrheiten ohne Ausnahme ein einziger Grundsatz, der zugleich der
höchste und allgemein wäre, nicht gefunden werden kann.
Zweyter Satz. Für alle Wahrheiten giebt es
zwey schlechthin erste Grundsätze: einen für die bejahenden
Wahrheiten, nehmlich den Satz: alles was ist,
ist; einen für die verneinenden, nehmlich den Satz: alles was nicht ist, ist nicht. Beyde sind
zusammen unter dem Namen des Identitätssatzes begriffen.
Ich berufe mich wieder auf die zwey Arten,
Wahrheiten darzuthun, die directe nehmlich und die indirecte. Die
erstere Beweisart folgert aus der Uebereinstimmung der Begriffe des Subjects und
des Prädicats in einem Satz die Wahrheit desselben, und verfährt jederzeit
nach dieser Grundregel: Wenn das Subject, an sich oder im Zusammenhang
betrachtet, das voraussetzt, was den Begriff des Prädicats enthält, oder
wenn es das ausschließt, was durch den Begriff des Prädicats
ausgeschlossen ist, so muß man sagen, daß dieses Prädicat jenem Subject
zukomme; oder, um das nehmliche deutlicher zu sagen: wenn sich in den
Begriffen des Subjects und Prädicats eines Satzes Einerleyheit findet,
so ist dieser Satz wahr. Dieses wird in den allgemeinsten Termini,
wie sie in einem ersten Grundsatz seyn sollen, so ausgesprochen: Alles, was ist, ist; alles, was nicht ist, ist
nicht. Demnach wird die directe Beweisart ganz gewiß von dem
Identitätsprincip ausgehen, welches der erste Satz ist.
Ist die Rede von der indirecten Beweisart,
so wird sich finden, daß derselben ebenfalls das erwähnte doppelte
Princip zu Grunde liege. Denn immer wird man sich auf einen von diesen
zwey Sätzen berufen müssen: Alles, was nicht nicht ist,
das ist (indem das Wort für Gegentheil durch das Wörtchen nicht, und eben so auch für die Aufhebung durch
das Wörtchen nicht angedeutet werden). Den
letztern Satz wird man also bilden müssen: Alles, was
nicht ist, das ist nicht (indem auch hier anstatt des Worts
Gegentheil, und eben so anstatt des Worts Falsch oder der Aufhebung die
Partikel: nicht gesetzt ist). Wenn man nun, wie
es das Gesetz der Bezeichnung verlangt, nach dem in den Worten des
erstern Satzes enthaltenen Sinn verfährt, so wird, weil die eine
Partikel nicht anzeigt, daß die andere
weggenommen werden soll, nachdem beyde weggenommen sind, der Satz
hervorgehen: Alles, was ist, ist. Da nun der
letztere Satz wörtlich so lautet: Alles, was nicht
ist, ist nicht, so erhellet, daß auch bey der indirecten
Beweisart das doppelte Identitätsprincip die entscheidende Rolle spiele,
folglich der letzte Grund aller Erkenntniß überhaupt sey.
Anmerkung. Hier
hat man zugleich eine zwar geringe, doch nicht ganz zu verachtende Probe
von der combinatorischen Bezeichnungskunst; denn die völlig einfachen Termini, deren
ich mich bey der Entwickelung dieser Grundsätze bediene, sind von den
combinatorischen Bezeichnungen fast gar nicht verschieden. Damit ich bey
dieser Gelegenheit eröffne, was ich von dieser Kunst, welche Leibnitz
erfunden zu haben sich rühmte, und welche, wie alle Gelehrte klagen, mit
diesem großen Mann begraben worden ist, denke; so bekenne ich, daß mir
diese Lehre des großen Philosophen vorkommt, wie das Testament jenes
Vaters beym Aesop, welcher sterbend seinen Kindern entdeckte, er habe
irgendwo in seinem Felde einen Schatz vergraben, und, ehe er noch den
Ort angezeigt, den Geist aufgab, durch diese Entdeckung seine Söhne
veranlaßte, den ganzen Acker mit größtem Fleiß umzugraben und
umzuarbeiten, so daß sie zwar in ihrer Hoffnung getäuscht, dennoch durch
die vermehrte Fruchtbarkeit reicher wurden. Dies ist nach meiner
Vermuthung der einzige Nutzen, welcher von der weitern Forschung über
diese so berühmte Kunst, wenn etwa einige sich damit zu beschäftigen
geneigt seyn sollten, erwartet werden kann. Darf ich aber sagen, was an
der Sache ist, so fürchte ich, daß dem unvergleichlichen Manne das
nehmliche begegnet ist, was der scharfsinnige Boerhaave irgendwo in
seiner Chemie von den besten Kunststücken der Alchymisten vermuthet, daß
nehmlich, nachdem sie viele und besondere Geheimnisse entdeckt, sie
endlich sich eingebildet, sobald es ihnen Hand anzulegen beliebte,
weniger nicht als alles zu vermögen, daß sie sogar durch einen schnellen
Blick in die Zukunft das als bereits geschehen erzählt, was nach ihrer
Vorstellung geschehen könnte, was sogar geschehen Alles, wovon das
Gegentheil falsch ist, das ist wahr hat diesen Fehler nicht.
Denn da dieser Satz mit den einfachsten Termini ausgedrückt also lautet:
Alles, was nicht nicht ist, das ist, so thun
wir, indem wir die Wörtchen nicht wegnehmen, damit
weiter nichts, als was die einfache Bedeutung dieser Partikel verlangt,
und so geht, wie es nicht anders seyn konnte, das Identitätsprincip
hervor: Alles, was ist, ist.
Dritter Satz. Ausführlicher zu festigen,
daß das Identitätsprincip sich zu dem Rang eines schlechthin ersten
Grundsatzes im System der Wahrheiten weit mehr eigne, als der Satz
des Widerspruchs.
Ein Satz, welcher des Namens eines
schlechthin höchsten und allgemeinen Grundsatzes für alle Wahrheiten
würdig seyn soll, muß zuerst in den einfachsten, und dann in den
allgemeinsten Termini ausgesagt seyn. Diese Erfordernisse finden sich
nach meiner Ueberzeugung in dem doppelten Identitätsprincip ganz
ungezweifelt. Denn unter allen bejahenden Termini ist das Wörtchen
ist, unter den verneinenden das Wörtchen ist nicht der allereinfachste. Alsdann kann auch
nichts Allgemeineres gedacht werden als die einfachsten Begriffe. Denn Begriffe, die zusammengesetzter sind, erhalten ihr Licht von den
einfachen, und können, weil sie bestimmter sind als diese, nicht so
allgemein seyn.
Der Satz des Widerspruchs, in dem Satz
ausgedrückt: Unmöglich ist, daß etwas zugleich sey und
nicht sey, ist in der Sache selbst nichts weiter als die
Definition des Unmöglichen; denn unmöglich wird
eben genannt was sich selbst widerspricht, oder was zugleich seyn und
nicht seyn soll. Mit welchem Recht aber kann man behaupten, daß alle
Wahrheiten an dieser Definition als an einem Probierstein gehalten und
geprüft werden müssen? Denn es ist nicht nothwendig, jede Wahrheit durch
die Unmöglichkeit des Gegentheils zu beweisen, auch ist dieses, die
Wahrheit zu gestehen, an sich zum Beweis nicht hinreichend; denn von der
Unmöglichkeit des Gegentheils eines Satzes gilt kein Schluß auf die
Wahrheit desselben, als allein mittelst des Satzes: Wovon das Gegentheil falsch ist, das ist wahr, folglich theilt
dieser Satz die Herrschaft mit dem Satz des Widerspruchs, wie im
vorhergehenden gezeigt worden.
Endlich einem verneinenden Satz im Reiche der Wahrheiten den ersten Rang anzuweisen und ihn als Haupt und Stütze von allen zu begrüssen, wem sollte dieses nicht hart und gewissermaßen schlimmer als paradox vorkommen, da man gar keinen Grund sieht, warum gerade ein verneinender Satz mehr als ein bejahender diesen Rang und Vorzug verdienen soll? Richtiger setzen wir, da zwey Arten von Wahrheiten sind, für dieselben auch zwey erste Grundsätze, einen bejahenden, einen verneinenden.
Anmerkung.
Leicht könnte jemanden diese Untersuchung so wie spitzfindig und mühsam,
so auch überflüssig und völlig unnütz vorkommen. Und sieht man auf die
Fruchtbarkeit derselben an Folgesätzen, so stimme ich gern bey. Denn der
Verstand des Menschen befolgt im Denken ein solches Princip, obschon
davon nicht unterrichtet, in allen Fällen unvermeidlich von selbst
vermöge einer gewissen Nothwendigkeit ihrer Natur. Allein, ist es nicht
gerade deswegen ein der Untersuchung würdiger Gegenstand, die Kette
aller Wahrheiten bis auf das oberste Glied zu verfolgen? Und allerdings
ist es keine geringfügige Bemühung, auf diese Weise das Denkgesetz
unseres Verstandes näher kennen zu lernen. Denn weil, um nur diesen
einzigen Nutzen zu erwähnen, unser Schließen am Ende darauf hinausläuft,
die genaue Uebereinstimmung des Prädicats mit dem Subject entweder an
sich oder im Zusammenhang betrachtet zu entdecken, wie aus der letzteren
Regel der Wahrheiten erhellt; so kann man daraus sehen, daß Gott keines
Schließens bedarf, indem, da seinem Anschauen alles ganz deutlich
vorliegt, derselbe Act der Vorstellung dem göttlichen Verstande
darstellt, was übereinstimme oder nicht übereinstimme, folglich bey ihm
die Analyse nicht nöthig ist, welche die Dunkelheit, die unser
Erkenntnisvermögen umnebelt, zum unvermeidlichen Bedürfniß macht.
Vierter Satz.
Etwas bestimmen, heißt ein Prädicat desselben
so setzen, daß das Gegentheil des letztern ausgeschlossen sey. Das,
was ein Subject in Rücksicht eines gewissen Prädicats bestimmt, wird
der Bestimmungsgrund genannt. Diesen Grund theilt man ein in den vorher und den
nachher bestimmenden. Vorher bestimmend ist
der Grund, dessen Begriff dem vorhergeht, was dadurch bestimmt
wird, das heißt, ohne dessen Voraussetzung das dadurch Bestimmte
nicht begreiflich ist.
Hieher kann man den Identitätsgrund rechnen, wenn der Begriff des Subjects durch seine vollkommene Einerleyheit mit dem Prädicat dieses bestimmt. Z. B. ein Triangel hat drey Seiten; denn hier geht der Begriff dessen, was bestimmt, dem Begriff des Bestimmenden weder nach noch vor.
Der Begriff des Grundes bewirkt nach dem
Gemeinsinn einen Zusammenhang und eine Verknüpfung
zwischen einem Subject und einem gewissen Prädicat. Es ist also dazu
jederzeit ein Subject und ein Prädicat, welches mit jenem vereint werden
kann, erforderlich. Fragst du mich nach dem Grund des Cirkels, so
verstehe ich nicht einmal, was das wohl sey, wornach du fragst, wenn du
nicht ein Prädicat hinzusetzest, z. B., daß er unter allen
gleichseitigen Figuren den größten Raum einschließe. Wir fragen z. B.
nach dem Grund von den Uebeln in der Welt. Hier
Um den Unterschied des vorher und nachher bestimmenden Grundes
durch ein Beyspiel zu erläutern, nenne ich die Mondfinsternisse der
Jupiterstrabanten, und sage, daß solche den Erkenntnißgrund von der fortschreitenden und mit bemerkbarer
Geschwindigkeit vor sich gehenden Verbreitung des Lichts abgeben. Allein
dieser Grund ist für diese Wahrheit nur nachher bestimmend; denn wenn
auch sogar keine Jupiterstrabanten existirten, oder die nach Zeiten
abwechselnde Bedeckung derselben nicht wäre, so würde sich dennoch das
Licht zeitmäßig bewegen, ob wir schon davon vielleicht nichts wüßten;
oder um die gegebene Definition näher anzuwenden, so setzen die
Erscheinungen der Jupiterstrabanten, wiefern sie die fortschreitende
Bewegung des Lichts beweisen, diese Eigenschaft des Lichts, ohne welche
sie selbst nicht möglich seyn würden, schon voraus, bestimmen also diese
Wahrheit nur nachher. Der Grund des Geschehens aber, warum nehmlich die
Bewegung des Lichts mit einem bemerkbaren Aufwand von Zeit verknüpft
sey, besteht, (wenn man der Meinung des Cartesius beystimmen will,) in der
Elasticität der Luftkügelchen, welche nach den Gesetzen der Elasticität
dem Stoß etwas nachgeben, und die winzige Zeitspanne, welche mit dem
Anstoßen eines jeden Kügelchens vorbey geht, durch die eine unermeßliche
und ununterbrochene Reihe hindurch fortgesetzte Wiederholung endlich
bemerklich machen. Dies wäre der vorher bestimmende Grund, ohne dessen
Voraussetzung das dadurch Bestimmte gar nicht Statt finden könnte. Denn
wären die Kügelchen des Aethers vollkommen hart, so würde auch in einer
noch so unermeßlichen Entfernung zwischen dem Ausfluß und dem Anstoßen
des Lichtskein Zeitraum wahrgenommen werden können.
Die Definition des berühmten Wolf schien
mir, weil sie einen bedeutenden Fehler hat, einer Verbesserung zu
bedürfen. Denn er definirt den Grund durch das, woraus man einsehen
kann, warum etwas vielmehr sey als nicht sey. Ungezweifelt hat er das
Definitumin die Definition eingehen lassen. Denn obschon das Wörtchen
Warum dem gemeinen Verstande so angemessen zu
seyn scheint, daß man glauben sollte, es könne in die Definition
aufgenommen werden, so enthält es dennoch stillschweigend den Begriff
des Grundes in sich. Denn wenn man solches recht prüft, so wird man
finden, daß es eben so viel heißt als: aus welchem
Grunde. Vollzieht man nun gehörig diese Ersetzung, so wird die
Wolfische Definition lauten: Grund ist dasjenige, woraus man einsehen
kann, aus welchem Grunde etwas vielmehr sey, als
nicht sey.
Eben so habe ich es rathsamer gefunden,
anstatt des Ausdrucks zureichender Grund das Wort
bestimmender Grund zu gebrauchen, und habe
diesfalls die Beystimmung des berühmten Crusius. Denn das Wort zureichend ist schwankend, wie derselbe
hinlänglich zeigt, weil man nicht sogleich sieht, wie viel zureichend
sey. Das Wort bestimmen aber, da es etwas so
setzen heißt, daß das Gegentheil davon ausgeschlossen werde, bezeichnet
genau das, was völlig und gewiß zureicht, sich die Sache so und nicht
anders vorzustellen.
Fünfter Satz. Ohne einen bestimmenden
Grund ist nichts wahr.
Jeder wahre Satz zeigt an, daß das Subject in Rücksicht des Prädicats bestimmt sey; d. h., daß dieses gesetzt werde mit Ausschließung seines Gegentheils; demnach muß in jedem wahren Satz das Gegentheil des ihm zukommenden Prädicats nothwendig ausgeschlossen seyn. Nun wird aber, vermöge des Princips des Widerspruchs, ein Prädicat dadurch ausgeschlossen, daß ein anderer Begriff gesetzt ist, welcher ihm widerstreitet. Folglich findet das Ausschließen nicht Statt, wenn nicht ein anderer Begriff da ist, welcher dem Gegentheil, das eben ausgeschlossen werden soll, widerstreitet. Folglich ist in jeder Wahrheit etwas, welches dadurch, daß es das entgegengesetzte Prädicat ausschließt, die Wahrheit des Satzes bestimmt. Da nun dieses mit dem Namen des bestimmenden Grundes angedeutet wird: so muß man sagen, daß ohne einen bestimmenden Grund nichts wahr sey.
Aus dem Begriff des Grundes kann man
einsehen, welches von zwey entgegengesetzten Prädicaten dem Subject
beyzulegen, welches davon zu trennen sey. Man setze, daß etwas wahr sey
ohne einen bestimmenden Grund, so würde nichts da seyn, woraus erhellet,
welches von entgegengesetzten Prädicaten dem Subject beyzulegen und
welches davon zu trennen
Anmerkung. Daß
die Erkenntniß der Wahrheit ohne Ausnahme auf der Anschauung ihres
Grundes beruhe, dies ist eine durch den gemeinen Sinn aller Sterblichen
ausgemachte Sache. Allein sehr oft begnügen wir uns, weil es uns bloß um
Gewißheit zu thun ist, mit dem nachher bestimmenden Grunde; daß aber in
jedem Fall ein vorher bestimmender, oder, wem der Ausdruck besser
gefällt, genetischer, wenigstens ein identischer Grund vorhanden sey,
dies erhellet leicht, wenn man den gegebenen Lehrsatz und die Definition
zusammen in Vergleichung betrachtet; indem der nachher bestimmende Grund
die Wahrheit nicht bewirkt, sondern blos erklärt. Doch wir gehen fort zu
den Gründen, welche das Daseyn bestimmen.
Sechster Satz. Daß irgend etwas den Grund
seines Daseyns in sich selbst enthalte, ist widersinnig.
Denn alles dasjenige, was den Grund von dem Daseyn eines Dinges enthält, ist die Ursache dieses Dinges. Man setze also, daß etwas sey, welches den Grund seines Daseyns in sich selbst enthielte, so müßte dieses Ursache von sich selbst seyn: das heißt, es müßte, weil vermöge der Begriffe von Ursache und Wirkung die Ursache von Natur aus früher ist als die Wirkung, und diese später als jene, dasselbe Etwas zugleich früher und später seyn als es selbst ist, welches ungereimt ist.
Zusatz. Alles
dasjenige demnach, was schlechthin nothwendigerweise existiren soll, das
existirt nicht aus einem gewissen Grund, sondern blos deswegen, weil das
Gegentheil seines Daseyns gar nicht denkbar ist. Diese Unmöglichkeit des
Gegentheils ist allerdings Erkenntnißgrund von dem Daseyn dieses Wesens,
aber ein dieses Daseyn vorher bestimmender Grund fehlt gänzlich. Es existiert; dies einzige genügt uns von ihm zu
sagen und zu denken.
Anmerkung.
Freilich finde ich in den Schriften der neuern Philosophen von Zeit zu
Zeit den Satz wiederholt, daß GOtt den Grund seines Daseyns in sich
selbst habe; allein ich an meinem Theil mag demselben meine Beystimmung
nicht geben. Es scheint nämlich diesen guten Männern etwas hart, daß man
GOtt, dem letzten und vollkommensten Princip aller Gründe und Ursachen,
einen Grund seines Daseyns abspreche; weil sie nun gestehen müssen, daß
dieser Grund nicht außer Ihm seyn könne, so gerathen sie auf den
Gedanken, daß Er diesen tief liegenden Grund in sich selbst habe, und
gleichwohl laßt sich kaum etwas finden, das den Gesetzen der Vernunft
noch ferner sey. Denn sobald man in der Kette der Gründe bis zum
höchsten Princip gekommen ist, so ist es an sich offenbar, daß man dabey
stehen bleiben und die durch die letzte Antwort
Siebenter Satz. Es giebt ein Wesen, dessen
Daseyn der Möglichkeit seiner selbst und aller Dinge vorher geht,
von dem daher gesagt wird, daß es schlechthin nothwendig existire.
Es wird GOtt genannt.
Da die Möglichkeit bloß darin besteht, daß einige verknüpfte Begriffe sich nicht widersprechen, folglich der Begriff der Möglichkeit aus einer Zusammenstellung entspringt; bey jeder Zusammenstellung aber das, was zusammengestellt werden soll, nothwendig gegeben seyn muß; folglich, wenn nichts gegeben ist, weder ein Zusammenstellen, noch auch das Resultat desselben, der Begriff der Möglichkeit Statt findet: so folgt, daß nichts als möglich gedacht werden kann, wenn nicht das Reale, welches in dem Begriff eines jeden Möglichen ist, existirt, und zwar wird es, (weil sonst gar nichts möglich, d. h., alles unmöglich seyn würde,) schlechthin nothwendig existiren. Ferner muß diese allervollkommenste unbedingte Realität in einem einzigen Wesen vereiniget seyn.
Denn man setze, daß die Realitäten, welche
gleichsam den Stoff aller möglichen Begriffe ausmachen, in mehreren
existirenden Dingen vertheilt angetroffen werden, so wird jedes dieser
Dinge ein gewissermaßen beschränktes Daseyn haben, das heißt, verknüpft
mit einigen Entbehrungen, und da diesen die absolute Nothwendigkeit
nicht so wie den Realitäten beygelegt werden kann, und sie gleichwohl
zur durchgängigen Bestimmung eines Dinges, ohne welche das Ding nicht
existiren kann, gehören, so würden die auf diese Weise beschränkten
Realitäten ein zufälliges Daseyn haben. Folglich ist zum schlechthin
nothwendigen Daseyn derselben erforderlich, daß sie ohne alle
Einschränkung existiren, das heißt, daß sie ein unendliches Wesen
ausmachen. Und da die etwa angenommene Mehrheit dieses Wesens eine
öftere Wiederholung desselben, folglich eine Zufälligkeit das Gegentheil
der absoluten Nothwendigkeit wäre, so muß man
Anmerkung. Hier
hat man einen Beweis vom Daseyn des Göttlichen so nothwendig wesentlich,
als er hat gegeben werden können, und, obschon ein genetischer Beweis
hier eigentlich nicht geschafft werden kann, dennoch durch ein ganz
ursprüngliches Beweisthum, nehmlich durch die Möglichkeit der Dinge
selbst, bestätiget. Hieraus erhellet: daß, wenn GOtt aufgehoben wird,
nicht allein das Daseyn der Dinge, sondern sogar ihre innere Möglichkeit
völlig vernichtet wird. Denn ob man schon das Wesen einer Sache (welches
in der innern Möglichkeit besteht,) gewöhnlich schlechthin nothwendig
nennt, so würde man doch dafür richtiger sagen, daß es
den Dingen schlechthin nothwendig zukommt. Denn das Wesen eines
Dreyecks, welches in der Verbindung dreyer Seiten besteht, ist nicht
schlechthin nothwendig; denn welcher Mensch von gesunden Sinnen würde
behaupten, es sey an sich nothwendig, immer drey Seiten verbunden zu
denken; sondern ich gebe nur zu, daß dieses dem Dreyeck wesentlich sey,
d. i., wenn man sich ein Dreyeck vorstellt, so denkt man sich dabey
nothwendig drey Seiten, und das ist genau nicht mehr, als wenn man sagt:
wenn etwas ist, so ist es. Auf welche Weise es aber zugehen soll, daß
dem Denken von Seiten, von einem einzuschließenden Raum u. s. w.
wahre Begriffe entsprechen, das heißt, daß überhaupt etwas sey, welches
gedacht werden könne, woraus hernach durch Verknüpfung, Beschränkung,
Bestimmung jeder Begriff eines denkbaren Dinges resultire, dieß kann,
wenn nicht in GOtt, dem Quell aller Realität, das Reale, was in jedem
Begriff ist, existirte, schlechterdings nicht begriffen werden. Zwar hat
Cartesius, wie wir wissen, den Beweis von dem Daseyn des Göttlichen aus
dem innern Begriff von der Gottheit selbst herleiten wollen; allein wie
wenig es ihm damit geglückt sey, kann man in der Anmerkung zum vorigen
Paragraphen sehen. Unter allen Wesen ist GOtt das einzige, dessen Daseyn
früher ist als die Möglichkeit, oder bey welchem, wenn man so will,
jenes mit diesem identisch ist. Von diesem Wesen bleibt, sobald man das
Daseyn desselben wegnimmt, kein Begriff mehr.
Achter Satz. Kein zufällig existirendes
Ding kann ohne einen sein Daseyn vorher bestimmenden Grund
existiren.
Man setze, etwas existire ohne einen
solchen Grund, dann wird nichts da seyn, was solches als existirend
bestimmte, außer das Daseyn dieses Dinges selbst. Weil nun nichts
destoweniger das Daseyn des Dinges bestimmt ist, das heißt, daß jedes
Gegentheil seiner durchgängigen Bestimmung ganz ausgeschlossen sey; so wird
kein anderes Ausschließen des Gegentheils Statt finden, als das, welches
von dem Setzen des Daseyns herkommt. Weil aber dieses
Ausschließen identisch ist, (indem nichts anders hindert, daß das Ding
nicht existire, als dieses, daß die Nichtexistenz
Zusatz. Aus den
gegebenen Beweisen ergiebt sich, daß bloß das Daseyn zufälliger Dinge
eines vorher bestimmenden Grundes bedarf, daß also das schlechthin
nothwendige Wesen von diesem Gesetz ausgenommen ist; deswegen darf man
auch den höchsten Grundsatz der Philosophie nicht in dem ganz
allgemeinen Sinne nehmen, daß er die Gesammtheit alles Möglichen unter
seiner Herrschaft befasse.
Anmerkung. Dieß
wäre denn nun der Beweis von dem Grundsatz des bestimmenden Grundes, und
zwar, wie ich wenigstens überzeugt bin, mit allem Licht der Gewißheit
erhellt. Es ist bekannt, daß die scharfsichtigsten Philosophen unserer
Zeit, unter welchen ich den berühmten Crusius ehrenhalber nenne, immer
über den wenig befriedigenden Beweis dieses Grundsatzes, wie man ihn in
allen Schriften über diesen Gegenstand feilgeboten findet, geklagt
haben. Und der große Mann zweifelte an der Möglichkeit diesem Uebel
abzuhelfen so sehr, daß er im Ernst behauptete, er sey unfähig, einen
Beweis dieses Satzes zu geben, wenn man auch die Wahrheit desselben
zugestehen müsse. Warum aber nun der Beweis dieses Grundsatzes nicht so
leicht und zusammenhängend von Statten gegangen sey, daß ich solchen,
wie er von andern versucht worden ist, durch ein einziges Räsonnement
ganz vollendete, sondern erst durch einen Umweg die volle Gewißheit habe
erreichen können, davon muß ich Rechenschaft geben.
Ich mußte nehmlich zuerst den Unterschied zwischen dem Grund der Wahrheit und dem des Daseyns genau bestimmen; obschon es scheinen konnte, daß die Allgemeinheit des Grundsatzes des bestimmenden Grundes in dem Reiche der Wahrheiten die Herrschaft desselben auch auf das Daseyn erstrecke. Denn wenn ohne bestimmenden Grund nichts wahr ist, d. h., wenn ohne ihn das Subject dem Prädicat nicht zukommen kann, so kann auch ohne diesen Grund das Prädicat des Daseyns nicht Statt finden. Allein es ist bekannt, daß zum Beweis der Wahrheit an sich kein vorher bestimmender Grund nöthig, sondern dafür die Identität zwischen Subject und Prädicat hinreichend ist. Bey existirenden Dingen aber ist gerade die Frage nach dem vorher bestimmenden Grunde, und ist dieser Grundnicht vorhanden, so existirt dieses Wesen schlechthin nothwendig; ist das Daseyn eines Wesens zufällig, so muß dieser Grund demselben vorhergehen, wie ich erwiesen habe. Auf diese Weise ist, wenigstens nach meinem Urtheil, die Wahrheit, aus ihren Quellen abgeleitet, gereinigter hervorgegangen.
Zwar meint der berühmte Crusius, manches
Daseyn würde durch seine eigene Wirklichkeit so bestimmt, daß es
vergeblich sey nach irgend
Endlich will ich noch kürzlich sagen,
warum ich mich bey dem von dem berühmten Wolff und seinen Anhängern
gebrauchten Beweis nicht habe beruhigen wollen. Der Beweis dieses
berühmten Mannes, wie er von dem scharfsichtigen Baumgarten
weiterentwickelt worden ist, kommt, damit ich mit wenig Worten alles
vortrage, auf diese Sätze hinaus. Wenn etwas keinen Grund hätte, so
würde ein Nichts Grund desselben seyn, das heißt, ein Nichts von Etwas,
welches ungereimt ist. Allein diese Sätze sollten vielmehr so gebildet
worden seyn: Wenn ein Wesen keinen Grund hat, so ist der Grund desselben
ein Nichts, d. h. ein Unding. Dieses aber gebe
Neunter Satz. Die Schwierigkeiten, welchen
das Princip des bestimmenden, oder gewöhnlich sogenannten
zureichenden Grundes unterworfen ist, aufzuzählen und
aufzulösen.
Unter den Bestreitern dieses Grundsatzes
kann man als den Anführer und Stellvertreter aller übrigen mit Recht
ansehen Ich will damit dem berühmten Darjes nichts entzogen
haben, und bekenne vielmehr, daß die von ihm und einigen andern
zur Bestreitung des Princips des bestimmenden Grundes
vorgebrachten Einwürfe viel Gewicht haben. Allein, weil sie nach
meinem Dafürhalten mit den anzuführenden Gründen des D. Crusius
sehr verwandt sind, so glaube ich, meine Antwort auf die dagegen
erregten Zweifel ohne Misbilligung anderer großen Männer auf die
letztern einschränken zu können.ob, sondern woher das
Daseyn desselben bestimmt sey; ist nichts da, wodurch das Gegentheil
ausgeschlossen wird, als allein das absolute Setzen desselben Dinges, so
existirt dieses Ding an sich und schlechthin nothwendig; nimmt man aber
ein Ding an, dessen Daseyn zufällig ist, so muß etwas anderes vorhanden
seyn, welches dadurch, daß es das Daseyn des Dinges so und nicht anders
bestimmt, das Gegentheil davon vorher ausschließt. So viel von meinem
Beweis überhaupt.
Eine in der That größere Gefahr haben die Vertheidiger dieses Grundsatzes von diesem Einwurfe des berühmten Mannes zu fürchten, wenn er uns ausdrücklich und mit Gründen von nicht unbedeutendem Gewicht Schuld giebt, daß wir durch die Behauptung der unabänderlichen Nothwendigkeit aller Dinge und Wiedereinführung der stoischen Bestimmung alle sittliche Freyheit und alle Moralität der Handlungen aufheben. Ich will den Beweis desselben, welcher zwar nicht ganz neu, aber doch von ihm ausführlicher und kräftiger vorgetragen worden ist, so entwickelt als möglich, aber ohne seiner Stärke etwas zu entziehen, hier anführen.
Wenn das, was geschieht, anders nicht
geschehen kann, als so, daß es einen vorher bestimmenden Grund habe, so
folgt, daß das, was nicht geschieht, auch nicht
geschehen könne, weil nehmlich kein Grund da ist, ohne welchen
es nicht geschehen kann. Weil nun dieses von allen Gründen der Gründe in
rückwärts schreitender Ordnung zugegeben werden muß, so folgt, daß alles
vermöge seiner natürlichen Verknüpfung in so gedrängter und innigst
zusammenhängender Ordnung geschehe, daß, wer das Gegentheil eines
Ereignisses oder auch einer freyen Handlung wünscht, etwas Unmögliches
wünscht, indem kein Grund vorhanden ist, welcher zur Bewirkung dieses
Gegentheils erforderlich ist. Und auf diese Weise wird, wenn man die
unvermeidlich nothwendige Kette der Ereignisse durchläuft, die, wie
Chrysipp sagt, GOtt einmal gewollt und durch die ewigen Ordnungen der
Folgen zusammengehalten habe, ist endlich in den allerersten Zustand der
Welt, dessen Urheber GOtt unmittelbar ist, der letzte und an Folgen so
fruchtbare Grund aller Ereignisse gesetzt, und nun, nachdem er gesetzt
ist, ein Ereigniß aus dem andern in alle künftige Zeiten hinaus nach
einem unabänderlichen Gesetz abgeleitet. Die bekannte Unterscheidung
zwischen absoluter und hypothetischer Nothwendigkeit, wodurch die
Freunde dieses Grundsatzes zu entkommen hoffen, bestreitet der Berühmte
Mann so: daß dadurch die Kraft und Wirksamkeit der Nothwendigkeit nicht
im geringsten geschwächt wird. Denn was thut es zur Sache, ob das
Gegentheil eines durch vorhergehende Gründe genau
Wenn wir die hypothetische, besonders die
moralische Nothwendigkeit von der absoluten unterscheiden, so wird hier
nicht von der Kraft und Wirksamkeit der Nothwendigkeit gehandelt, ob
nehmlich ein Ding in einem von zwey Fällen mehr oder minder nothwendig
sey, sondern die Frage ist von dem nöthigenden Princip, woher nehmlich das Ding nothwendig sey. Und hier
gestehe ich gern, daß einige Anhänger der Wolfischen Philosophie von dem
Sinn des Wahren gewissermaßen darin abweichen, daß sie das, was durch
eine Kette von Gründen, die sich hypothetisch gegenseitig bestimmen,
gesetzt ist, von der vollendeten Nothwendigkeit noch etwas entfernt zu
seyn wähnen, weil es noch der absoluten Nothwendigkeit ermangele. Auch
hierin stimme ich diesem berühmten Gegner bey, Wahren nicht noch etwas, das
noch wahrer, außer dem Gewissen nicht
etwas Gewisseres, eben so kann außer dem Bestimmten nicht etwas noch Bestimmteres gedacht werden. Die Ereignisse in der Welt sind
so gewiß bestimmt, daß die sich zu trügen unfähige Vorsicht der Gottheit
mit gleicher Gewißheit sowohl das künftige Geschehen derselben, als auch
die Unmöglichkeit des Gegentheils vermöge der Verknüpfung der Gründe als
eben so gleichförmig einsieht, als wenn durch den absoluten Begriff
derselben das Gegentheil ausgeschlossen würde. Allein hier ist die
Hauptfrage nicht wie sehr, sondern woher das
künftige Geschehen zufälliger Dinge
nothwendig sey. Daß der Act der Erschaffung der Welt in GOtt nicht
unbestimmt, sondern so völlig gewiß bestimmt gewesen, daß das
Gegentheil GOttes unwürdig ist, d. i., derselben gar nicht zukommen kann,
wer wird hieran zweifeln? Nichts destoweniger aber ist dieser Acteine
freye Handlung, weil er durch solche Gründe bestimmt wird, welche
ihnen Absichten eines unendlichen Verstandes, insofern sie den Willen mit
vollkommenster Gewißheit regieren, zurechnen, und diese nicht einer
blinden Wirksamkeit der Natur zuschreiben. Eben so wird bey den freyen
Handlungen der Menschen, wiefern sie als bestimmt betrachtet werden, das
Gegentheil zwar ausgeschlossen, aber es wird nicht durch Gründe
ausgeschlossen, die außer dem Begehren und den freywilligen Neigungen
des Subjects gesetzt wären, gleich als wenn der Mensch auch wider seinen
Willen durch eine unwiderstehliche Nothwendigkeit gewisse Handlungen zu
begehen getrieben würde; sondern in der Hinneigung des Wollens und
Begehrens selbst, wiefern sie den Reizungen der Außendinge freywillig folgt,
werden die Handlungen zwar durch eine völlig gewisse, aber dennoch
willkührliche Verknüpfung, gemäß einem beständigen Gesetz bestimmt. Der
Unterschied zwischen physischen Handlungen und solchen, die sich einer
sittlichen Freyheit erfreuen, besteht nicht in der Verschiedenheit des
Zusammenhangs und der Gewißheit, als wenn die letztern die einzigen
wären, die sich, ungewiß in Ansehung ihres künftigen Geschehens und
entblößt von aller Verknüpfung der Gründe, einem schwankenden
und ungewissen Entstehungsgrund verdanken würden; denn auf diese Weise
würden sie für die Vorzüge vernünftiger Wesen wenig Empfehlendes haben.
Sondern die eigene Art, wie die Gewißheit derselben durch ihre Gründe
bestimmt wird, diese allein macht die Hauptsache bey Vertheidigung der
Freyheit aus; sie werden nehmlich bloß und allein durch Beweggründe des
Verstandes, welche dem Willen vorgestellt werden, erzeugt, da im
Gegentheil bey den thierischen, d. h. Physisch-mechanischen Handlungen
alles durch Triebe und äußere Stöße, durch beyde gleichförmig ohne alle
freywillige Neigung der Willkühr, nothwendig gemacht wird. Daß zwar das
Vermögen zu einer zu sagst du, er handelt aus keinem andern
Grunde also, als weil es ihm gerade so beliebte.
Jetzt halte ich dich bey deinem eigenen Bekenntniß. Denn was ist das
Belieben anders, als nach Maßgabe der durch ein Object verursachten
Reizung eine Neigung des Willens mehr auf die eine als auf die andere
Seite; folglich bezeichnet dein es beliebt, oder
es gefällt mir so: eine durch innere Gründe bestimmte Handlung. Denn
nach deinem Geständniß bestimmt das Belieben die Handlung; dieses aber
ist nichts anders, als das Zufriedenseyn des Willens mit einem Object,
nach Maßgabe der Reizung, wodurch es den Willen einladet. Es ist also
hier eine respective Bestimmung, und setzt man, daß der Wille auf beyden
Seiten gleich stark gereizt werde, so heißt alsdann behaupten, daß ihm
das eine beliebe oder mehr gefalle, sagen, daß es zu gleicher Zeit
gleich und auch nicht gleich gefalle, welches einen Widerstreit
einschließt. Es kann aber der Fall vorkommen, daß die Gründe, welche den
Willen auf eine von beyden Seiten hinneigen könnten, dem Bewußtseyn ganz
entfliehen, und nichts destoweniger eins von beyden gewählt wird. Allein
in einem solchen Fall ist anstatt des obern, ein niederes Seelenvermögen
thätig, und die Seele wird, nach Maßgabe des Uebergewichts einer dunkeln
Vorstellung, nach einer von beyden Seiten hin, (von welchem ich im
Folgenden umständlicher handeln werde) gegen die andere getrieben.
Es sey mir erlaubt, der Nützlichkeit wegen, diese weitbekannte Streitigkeit durch ein kurzes Gespräch zwischen Cajus, als einem Vertheidiger des Gleichgewichts der gegen beyde Seiten gleichgültigen Willkühr, und Titius, als einem Freund des bestimmenden Grundes, zu erläutern.
Cajus: Das
Nachdenken über den Lauf meines zurückgelegten Lebens erregt mir zwar
Gewissensbisse, aber ich habe doch noch den einzigen Trost, wenn ich an
deine Lehren glauben darf, daß die Schuld der von mir begangenen Thaten
nicht auf mich fallen kann, weil ich, gebunden durch den Zusammenhang
von Gründen, die sich einander vom Anfang der Welt an bestimmen, alles
was ich gethan, schlechterdings habe thun müssen, und wer mir jetzt
meine Fehler vorwirft, und, daß ich einen andern Lebenswandel hätte
führen sollen, behauptet, der handelt eben so thöricht, als wenn er mir
zumuthete, ich hätte den Lauf der Zeit aufhalten sollen. Titius. Sage doch! welches ist die Reihe von
Gründen, durch welche du gebunden gewesen zu seyn klagst? Hast du nicht
alles, was du thatest, freywillig gethan? Haben nicht die stille Abmahnung
deines Caj. Alles dieses
läugne ich gar nicht. Ich weiß wohl, daß ich nicht widerstanden, den
Reizen nicht widerstrebt habe, und nicht gezwungen, wie als ob an der
Kehle gepackt, auf schlechten Wegen fortgerissen worden bin. Freywillig
und wissentlich habe ich mich den Lastern ergeben. Aber diese
Geneigtheit des Willens gegen die schlechtere Seite, woher ist sie mir
geworden? War es nicht, ehe ich noch handelte, als ich noch
unentschlossen war und göttliche und menschliche Gesetze mich ermahnten
ihnen zu gehorchen, bereits durch eine zur Vollendung gebrachte Reihe
von Gründen bestimmt, daß ich mich mehr auf die schlechte als die gute
Seite neigen müßte? Heißt, etwas durch seinen in allen Stücken absolut
gesetzten Grund schon Begründetes hindern zu wollen, nicht eben so viel,
als etwas Geschehenes ungeschehen machen zu wollen? Nun ist aber nach
deiner Lehre jede Neigung meines Willens durch einen vorhergehenden
Grund vollkommen bestimmt, dieser wieder durch einen frühern Grund, und
auf diese Weise alles bis zum ersten Anfang aller Dinge. Tit. Jetzt will ich dir deinen Zweifel benehmen.
Die Reihe verknüpfter Gründe gab dir bey jeder Handlung, die du begehen
wolltest, blos Beweggründe an die Hand, welche dich auf beyde Seiten
hinzogen, auf eine von beyden hast du dich freywillig hingeneigt, weil
es dir so beliebte, eher das eine als das andere zu thun. Aber, sagst
du, es war schon durch die zur Vollendung gebrachte Reihe der Gründe
bestimmt, daß ich mich auf die bestimmte Seite neigen würde. Allein
bedenke, ob nicht zu einem zur Vollendung gebrachten Grund einer
Handlung auch die selbstthätige Neigung deines Willens nach Maßgabe der
Reizungen des Objects gehöre? Caj. Nenne sie ja
nicht selbstthätig; mein Wille konnte nicht anders, als sich auf diese
Seite neigen. Tit. Dieß hebt den selbstthätigen
Entschluß so wenig auf, daß es solchen vielmehr völlig gewiß macht,
sobald man es in dem rechten Sinn nimmt. Denn Selbstthätigkeit ist eine durch ein inneres
Princip erzeugte Handlung. Wird diese durch die Vorstellung
dessen, was zu thun das beste ist, und dieser gemäß bestimmt, so heißt
sie Freyheit. Je gewisserein Mensch diesem
Gesetzfolgt, je mehr also sein Entschluß durch alle gegebene Beweggründe
des Wollens bestimmt wird, desto freyer ist der Mensch. Aus deinem
Beweisgang folgt nicht, daß die Freyheit durch die Kraft der vorher
bestimmenden Gründe geschwächt werde. Denn dein eigenes Geständniß
widerlegt dich, daß du nicht wider deinen Willen, sondern freywillig
gehandelt hast. Folglich war deine Handlung nicht unvermeidlich, wie du zu meinen scheinst, denn du hast dich
nicht bemüht sie zu vermeiden, sondern nur unfehlbar nach der Neigung deines Begehrens unter also
bestimmten Umständen. Und eben dieß vermehrt deine Caj. Ich
meine so, wenn du das, was du von der Verkettung der einander mit
beständigem Erfolg bestimmenden Gründe sagst, weg ließest, wenn du
zugäbest, daß der Mensch bey jeder freyen Handlung sich gegen
beyde Seiten gleichgültig verhält, und, obschon alle Gründe, so viel du willst,
die ihn für das eine bestimmen könnten, gegeben sind, dennoch das eine
eben so wohl als das andere wählen könne, dann würde ich bekennen, daß
es mit der Sache der Freyheit gut stehe. Tit.
GOtt bewahre! Wenn eine Gottheit dir diesen Wunsch gewährte, wie
unglücklich würdest du seyn, du von jeder Stunde abhängiger Mensch. Nimm
an, du seyst fest entschlossen den Weg der Tugend zu wandeln. Nimm an,
du seyst im Geiste durch die Vorschriften der Religion und durch alles,
was dich in diesem Entschluß zu befestigen wirksam ist, gehörig
vorbereitet. Nun kommt dir eine Gelegenheit zu handeln. Sogleich
verfällst du auf die schlimmere Seite, denn die Gründe, welche dir das
Bessere rathen, bestimmen dich nicht. Wie viel andere Klagen höre ich
dich nun vorbringen? Ach wie schnell hat mich das widrige Schicksal von
meinem heilsamen Entschluß abgebracht! Zu was soll es nützen, den
Vorschriften der Tugend folgen zu wollen, wenn die Handlungen durch
zufälliges Geschick erfolgen und nicht durch Gründe bestimmt werden!
Zwar, sagst du, beklage ich mich nicht über den widerwilligen Zwang
eines mich mit sich fortreißenden Schicksals, sondern ich verabscheue
das Unfassbare, was mich gerade auf die schlechtere Seite hinzieht.
O Schande! woher habe ich dieses abscheuliche Begehren gerade nach dem
Schlechtern, da es sich eben so leicht zu dem Bessern neigen konnte. Caj. Auf diese Weise scheint es um die Freyheit
völlig gethan zu seyn. Tit. Du siehst also, wie
sehr ich deine Truppen in die Enge getrieben habe. Denke dir keine
Ideengespenste aus; du fühlst dich frey, aber mache dir von dieser
deiner Freyheit keinen Begriff aus, welcher der richtig denkenden
Vernunft nicht zusagt. Frey handeln heißt weiter nichts, als mit
Bewußtseyn der jedesmaligen Neigung gemäß handeln. Und dieß ist durch
das Gesetz des bestimmenden Grundes nicht ausgeschlossen. Caj. Ob ich schon kaum etwas dir entgegen zu
setzen habe, so scheint mir doch der innere Sinn deiner Behauptung zu
widersprechen. Denn setze einen nicht viel bedeutenden Fall, wenn ich
auf mich selbst genau Acht gebe, so finde ich, daß es in meiner Gewalt
steht mich auf die eine Seite eben sowohl als auf die andere zu neigen,
so daß ich mich hinreichend überzeuge, die Richtung meiner Handlung sey
durch eine vorhergehende Reihe von Gründen nicht bestimmt worden. Tit.
Ich will dir die heimliche Täuschung deines
Geistes aufdecken, welche dir das Gleichgewicht der
unentschiedenen, gleichgültigen Neigung gegen beyde Seiten vorspiegelt.
Das dem Geist des Menschen gerade diese und keine andere Richtung bekommt,
ganz gewiß Gründe, welche diese Richtung bestimmen, da seyn müssen. Caj. Du hast mich, ich gestehe es, in viele
Schwierigkeiten verwickelt, aber ich bin gewiß, daß dir nicht geringere
entgegen stehen. Wie, glaubst du, daß diebestimmte Entstehung des Bösen,
von welchem auf diese Weise GOtt die letzte und bestimmende Ursache ist,
mit der Güte und Heiligkeit desselben werde vereiniget werden können?
Tit. Ich will, damit wir nicht die Zeit mit
unnützem Streit verbringen, die Zweifel, welche deine Ueberzeugung
hindern, kürzlich prüfen und auflösen. Da die Gewißheit sowohl aller
physischen Ereignisse, als auch der freyen Handlungen bestimmt ist, da
das Nachfolgende im Vorhergehenden, das Vorhergehende im weiter
vorhergehenden, und so im ununterbrochenen Zusammenhang alles in frühern
Ursachen gegründet und bestimmt ist, bis endlich der allererste Zustand
der Welt, von welchem GOtt unmittelbar der Urheber ist, gleichsam als
Quelle und Ursprung erscheint, aus welchem mit Nothwendigkeit, die keinen Betrug kennt, alle
Ereignisse abgeleitet werden wie aus einem geneigten Flußbett; so
glaubst du, werde GOtt nicht undeutlich als Urheber des Bösen
angedeutet, und es scheint dir, daß derselbe das Gewebe, welches er
selbst angefangen, und welches seinem ersten Plan gemäß durch alle
Perioden der Folgezeit fortgewebt wird, nicht hassen, daß er also die in
sein Werk verwebten Sünden nicht mit dem seiner Heiligkeit gemäßen
Unwillen ansehen könne, indem die Schuld alles Bösen auf ihn selbst als
den ersten Urheber desselben zurück falle. Dieß sind die Zweifel, welche
dich drücken; nun will ich die Nebel derselben zerstreuen. GOtt hat
allerdings durch Erschaffung des ersten Zustandes des Weltalls die Reihe
Die unendliche Güte GOttes bezweckt die
größtmöglichste Vollkommenheit der erschaffenen Dinge, welcher sie
empfänglich sind, und die Glückseligkeit der Geisterwelt. Aber mit eben
demselben unendlichen Drang sich zu offenbaren, hat er nicht allein die
vollkommensten Reihen von Ereignissen, welche sich in der Folgezeit nach
der Ordnung der Gründe begeben sollten, angeordnet, sondern damit kein
Gut von geringerem Grad fehlen möchte, damit vielmehr das Weltall in
seiner Unermeßlichkeit von dem höchsten Grade der Vollkommenheit, dessen
endliche Dinge fähig sind, zu allen untern, sogar bis auf das Nichts
herab, so zu sagen, alles in sich befaßte, auch alles das in seinen Plan
eingehen lassen, was, obschon mit sehr vielen Uebeln vermischt,
wenigstens etwas Gutes enthielte, welches die Weisheit GOttes daraus
ziehen könnte, um seine Ehre durch die unendliche
Verschiedenheit destomehr zu offenbaren. In diesem Umfang war es seiner
Weisheit und Macht und Güte sehr anständig, daß auch die Geschichte des
menschlichen Geschlechts, so traurig sie ist, nicht vermißt
Diejenigen, welche unsern Grundsatz
unterschreiben, haben diesen Beweis wider ihre Gegner immer mit Erfolg
gebraucht. Daher überhebe ich mich dieser Mühe, und bemühe mich blos, das zu
beantworten, was der überaus scharfsinnige Crusius für das Gegentheil
anführt. Er wirft denen, welche also denken, eine GOttes unwürdige Meinung
vor, als wenn sie glaubten, daß er Vernunftschlüsse gebrauche. In Rücksicht
dieser Meinung trete ich, sollten auch einige anders darüber denken, gern
auf die
Endlich gesteht der gelobte Gegner offen, daß hier noch etwas unbegreiflich bleibe, was aber, sobald man auf die Betrachtung des Unendlichen gekommen ist, mit der Erhabenheit des Gegenstandes völlig zusammenstimmt. Allein ob ich schon gestehe, daß noch einige Geheimnisse der tiefern Erkenntniß übrig bleiben, welche der menschliche Verstand nie aufschließen wird, wenn man in die innere Erkenntniß einzudringen auch noch so begierig ist; so ist doch hier nicht die Rede von der Art wie, sondern davon, ob die Sache selbst Statt finde, und dießfalls ist es, den Widerstreit derselben mit der Behauptung der Gegner einzusehen, dem menschlichen Verstande sehr leicht.
Die Freunde der entgegengesetzten Meinung
fordern uns auf, damit wir ihnen auch dießfalls Genüge thun, auf Beyspiele,
welche die gleiche Geneigtheit des menschlichen Willens zu allen freyen
Handlungen so offenbar zu bezeugen scheinen, daß kaum etwas offenbarer seyn
könne. Wenn das gerade oder ungerade gespielt wird,
und die in der Hand verborgenen Bohnen durch Errathen gewonnen werden
sollen, so sprechen wir eins von beyden aus ohne alle Ueberlegung, und ohne
irgend einen Grund, eins von beyden zu wählen. Das Zwillingsstück darzu
nehmen sie von einem gewissen, ich weiß nicht, welchem Fürsten her, welcher
jemanden zwischen zwey Büchsen, welche einander an Gewicht, Gestalt und
Ansehen völlig gleich waren, und von welchen er heimlich die eine
Zehnter Satz. Einige ächte Zusätze aus dem
Satz des bestimmenden Grundes darzustellen.
1. In dem Begründeten
ist nichts, was nicht in dem Grund gewesen. Denn nichts ist
ohne bestimmenden Grund, folglich nichts in dem Begründeten, was das
Daseyn des dasselbe bestimmenden Grundes nicht bewiese.
Man könnte einwenden, daß, weil die erschaffenen Dinge Gränzen haben, auch GOtt, welcher den Grund dieser Dinge enthält, ebenfalls Gränzen haben müsse. Ich antworte: Die den endlichen Dingen anhängenden Gränzen haben ebenfalls ihren begränzten Grund in dem Act der Schöpfung GOttes; denn die erschaffende Handlung GOttes ist begränzt nach Maßgabe des begränzten Wesens, welches erschaffen werden soll. Da aber diese Handlung nur eine Bestimmung GOttes in gewisser Beziehung ist, welche nehmlich den zu erschaffenden Dingen entsprechen muß, da sie also nicht innerlich und in GOtt schlechthin gedenkbar ist, so erhellet, daß diese Begränzungen GOtt innerlich nicht zukommen können.
2) Von zwey Dingen,
welche nichts mit einander gemein haben, kann keins der Grund des
andern seyn. Dieß kommt auf den vorigen Satz zurück.
3) In dem Begründeten
kann nicht mehr seyn, als was in dem Grunde ist. Ist aus
derselben Regel klar.
Folgesatz. Die
Summe der absoluten Realität in der Welt wird auf
natürliche Weise nicht verändert, weder durch Vermehrung noch
durch Verminderung.
Es sey mir hier erlaubt, in der Sprache des
gemeinen Verstandes die mitgetheilte Kraft als eine übertragene
Realität darzustellen, ob sie schon eigentlich nichts anderes
ist, als eine gewisse Beschränkung oder Richtung der
ursprünglichen Realität.Erklaerung. Die
Klarheit dieser Regel erhellet aus den Veränderungen der Körper sehr
leicht. Wenn z. B. ein Körper A einen andern B stößt und forttreibt, so
bekommt der letztere einige Kraft, folglich einige Realität mehr der kleinere elastische Körper erhält dadurch,
daß er von dem größern, den er anstößt, zurück
gestoßen wird, eine größere Kraft nach der entgegengesetzten Richtung,
welche wenn sie zu der, die er dem größern mittheilte, hinzugefügt wird,
zwar in der Quantität des anstoßenden Körpers eine größere Summe
bewirkt, wie aus der Mechanik bekannt ist, aber die Kraft, welche hier
gewöhnlich absolut heißt, muß richtiger respectiv genannt werden. Denn
diese Kräfte streben nach verschiedenen Richtungen; folglich wird, wenn
man dieselben aus den Wirkungen, welche zusammen gebrauchte und also im
Ganzen in einer Summe betrachtete Maschinen hervorbringen können,
beurtheilt, die wahre Summe der Kräfte dadurch erkannt, daß man die
Bewegungen nach entgegengesetzten Richtungen, die sich insofern am Ende
auf irgend eine Weise selbst vernichten müssen, abzieht; dann bleibt
blos die Bewegung des Schwerpuncts, welche, wie aus der Statik bekannt
ist, nach dem Zusammenstoßen genau so ist, wie sie vor demselben war.
Was die völlige Vernichtung der Bewegung durch den Widerstand der
Materie betrifft, so entkräftet sie die gegebene Regel so wenig, daß sie
solche vielmehr befestiget. Denn die Kraft, welche durch das
Zusammenkommen von Ursachen aus der Ruhe entstanden ist, wird dadurch,
daß sie bey dem Widerstand gegen die Hindernisse eben so viel verliert
als sie erhalten hat, wieder zur Ruhe gebracht, und die Sache bleibt wie
vorher. Deswegen ist auch das immerwährende nie erschöpfte Fortgehen
einer mechanischen Bewegungunmöglich; denn da sie an dem jedesmaligen
Widerstand immer einen Theil ihrer Kraft verwendet, so widerstreitet es
obiger Regel und dem gesunden Verstand gleich sehr, daß sie nichts
destoweniger die unverminderte Kraft, sich selbst die vorige Stärke zu
geben, behalten soll.
Sehr oft sehen wir sehr große Kräfte aus einer unendlich kleinen ersten Ursache entstehen. Ein einziger Feuerfunke in Schießpulver geworfen, welche maßlose ausdehnende Kraft theilt er mit? oder kommt er anderswo auf feuerfangende Materie, welche Feuersbrünste, welchen Untergang von Städten, welche fortwährende Verwüstung großer Wälder veranlaßt er nicht? Welch’ eine große Masse fester Körper löst also der unbedeutende Reiz eines einzigen Funkens auf? Allein in solchen Fällen wird die stets wirksame Ursache unermeßlicher Kräfte, welche in dem Innern der festen Körper eingeschlossen ist, nehmlich die elastische Materie entweder der Luft, wie (nach Hales’ Versuchen) in dem Schießpulver, oder des Feuerstoffs, wie in jedem verbrennbaren Körper, durch den kleinen Reiz eines Funkens nur veroffenbart, nicht eigentlich erzeugt. Die elastischen Körper, die zusammengepreßt und verschlossen sind, äußern bey dem kleinsten Reiz Kräfte, welche dem gegenseitigen Streben der Anziehung und Zurückstoßung proportional sind.
Die Kräfte der Geister und ihr immerwährendes Fortschreiten zu weiteren Vollkommenheiten, scheinen von obiger Regel wohl ausgenommen zu seyn. Nach meiner Ueberzeugung aber sind sie derselben ebenfalls unterworfen. Ohne Zweifel enthält die unendliche, obschon sehr dunkele Wahrnehmung des ganzen Weltalls, welche der Seele stets innerlich vorschwebt, alle die Realitäten, welche in den nach und nach mehr aufzuklärenden Gedanken seyn können, bereits in sich, und der Geist erlangt bloß dadurch, daß er hernach seine Aufmerksamkeit auf einige besonders richtet, und diese, indem sie andern einen gleichen Grad derselben entzieht, mit einem stärkern Licht erhellet, nach und nach immer größere Erkenntniß, erweitert aber dadurch nicht den Umfang der absoluten Realität, (weil das Materielle aller Vorstellungen, da es aus dem Zusammenhang mit dem Weltall herkommt, immer dasselbe bleibt), sondern es wird bloß das Formale, welches in dem Zusammenhalten der Begriffe und in der auf die Verschiedenheit oder Aehnlichkeit und Zusammenstimmung derselben gerichteten Aufmerksamkeit besteht, auf mancherley Weise verändert. Das Nämliche bemerken wir auch an der den Körpern innewohnenden Kraft. Denn da die Bewegungen, genau untersucht, nicht Realitäten, sondern Erscheinungen sind, und da die innewohnende Kraft, wenn sie durch den Anstoß eines andern Körpers modificirt wird, diesem Stoß vermöge ihres innern Princips der Wirksamkeit in dem Maße widersteht, als sie durch die Richtung des anstoßenden Körpers erhält; so ist in der Erscheinung der Bewegung das gesammte Reale der Kräfte völlig dem gleich, welches dem Körper im Zustande der Ruhe innewohnend war, und das innere Vermögen, welches während der Ruhe in Rücksicht seiner Richtung unbestimmt war, erhält durch einen Stoß von außen weiter nichts, als eine Richtung.
Was ich bisher von der unveränderlichen Quantität der absoluten Realität in dem Weltall gesagt habe, muß also verstanden werden, wiefern alles nach der Ordnung der Natur erfolgt. Denn wer wollte es wagen zu zweifeln, daß durch die Kraft GOttes die abnehmende Vollkommenheit der Welt wieder hergestellt, den vernünftigen Wesen ein reineres Licht, als sie von Natur haben können, vom Himmel herab mitgetheilt, und alles auf einen höhern Gipfel der Vollkommenheit gebracht werden könne.
Elfter Satz. Einige unächte Zusätze,
welche aus dem Satz des bestimmenden Grundes mit Unrecht abgeleitet
werden, anzugeben und zu widerlegen.
1. Daß Nichts ohne etwas
Begründetes sey; oder, daß alles was ist, seine Folge habe. Man
nennt dieses den Satz der Consequenz. Und davon ist meines Wissens
Baumgarten, der Anführer der Metaphysiker, Urheber. Und weil von
demselben dieser Satz auf die nehmliche Weisewie der Satz des Grundes
bewiesen worden ist, so muß er mit demselben auf einerley Weise
zusammenbrechen. Ist blos von den Gründen des Erkennens die Rede, so ist
die Wahrheit dieses Satzes unbezweifelt. Denn der Begriff eines jeden
Wesens ist entweder allgemein oder individuell. Im erstern Fall muß man
zugeben, daß alles, was von dem allgemeinen Begriff der Sache behauptet
wird, allen niedrigeren, darunter begriffenen zukomme, daß also jener
den Grund von diesen enthalte. In dem letztern Fall kann man schließen,
daß die Prädicate, welche in einem gewissen Zusammenhang diesem Subject
zukommen, demselben unter Voraussetzung der nehmlichen Gründe jederzeit
zukommen müssen; es bestimmt aus dem gegebenen Fall die Wahrheit in
ähnlichen, hat also ein Begründetes der Erkenntniß. Allein, wenn wir
hierunter auch das Begründete der Existenz mit verstehen, so wird man,
daß die wirklichen Wesen nicht unendlich fruchtbar sind, selbst aus dem
letzten Abschnitt dieser Abhandlung sehen können, wo wir, daß der
Zustand einer jeden Substanz, welche außer allen Zusammenhang mit den
andern gesetzt ist, gar keiner Veränderung fähig sey, mit
unwiderleglichen Gründen darthun werden.
2. Unter allen Dingen
des Weltalls, ist keins dem andern in allen Stücken ähnlich.
Man nennt dieses den Satz des Nichtzuunterscheidenden, welcher, wie
gewöhnlich geschieht, in dem weitesten Sinn genommen, sich von der
Wahrheit sehr weit entfernt. Man beweist denselben hauptsächlich auf
doppelte Weise. Der erste Beweisgang davon ist äußerst seicht, und
überspringt sein Object mit leichtem Schritt, ist daher kaum einer
Widerlegung werth. Dieß sind jene Spitzfindigkeiten: Dinge, welche nach
allen Merkmalen völlig übereinkommen und durch keinen Unterschied
voneinander abweichen, scheinen für ein und dasselbe Ding gehalten
werden zu müssen. Daher können nicht alle Dinge vollkommen ähnlich seyn,
als in einem und demselben Wesen, dem nur mehrere Orte angewiesen wären;
da nun dieses der gesunden Vernunft widerstreite, so
Es ist, sagt man, kein Grund zu finden, warum GOtt zwey Substanzen verschiedene Orte angewiesen habe, wenn sie in allen andern Stücken völlig überein kämen. Welche Thorheiten! Ich wundere mich, daß die ernsthaftesten Männer an solchen Spielereyen mit Gründen Vergnügen finden. Die eine Substanz nenne ich A, die andere B. Man setze, daß A den Ort des B einnehme, so wird alsdann, weil den innern Merkmalen nach A von B gar nicht verschieden ist und nun auch den Ort desselben einnimmt, jenes mit diesem in allen Stücken einerley seyn und nun B genannt werden müssen, was vorher A hieß; und was vorher den Namen B hatte, das wird, nachdem es in den Ort des A gekommen ist, ebenfalls A genannt werden müssen. Denn diese Verschiedenheit der Bezeichnung bedeutet blos die Verschiedenheit des Orts. Sage also, ob GOtt etwas anderes gethan haben würde, wenn er die Orte nach deiner Meinung bestimmt hätte? Beydes ist vollkommen dasselbe, und deswegen ist die von dir erdichtete Verwechselung nichts; daß aber ein Nichts keinen Grund habe, dieß paßt nach meiner Meinung sehr gut.
Dieses unächte Gesetz wird auch durch das ganze Universum der Dinge, und durch das, was der göttlichen Weisheit ziemt, vollkommen widerlegt. Denn daß Wasser, Quecksilber, Gold, einfachste Salze u. s. w. den gleichartigen und innern Merkmalen nach in ihren ursprünglichen Bestandtheilen völlig gleich sind, dieß bestätigt sich durch die Einerleyheit des Gebrauchs und der Anwendung, zu welcher sie bestimmt werden, und kann auch aus ihren Wirkungen gesehen werden, welche jederzeit gleich ohne einigen bemerkbaren Unterschied von ihnen hervorgebracht werden. Auch kann es nicht zuläßig seyn, hier eine verborgene und den Sinnen unzugängliche Verschiedenheit zu vermuthen, als wenn doch GOtt noch eine nämliche hätte, woran er selbst die Theile seines Werks unterscheiden könnte; denn das hieße Knoten an einer Binse suchen.
Daß Leibniz, der Urheber dieses Princips, in der Einrichtung organischer, und in dem Gewebe anderer von der Einfachheit entfernter Körper eine bemerkbare Verschiedenheit wahrgenommen habe und man solche bey allen Dingen dieser Art vermuthen dürfe, geben wir zu. Denn wo zur Zusammensetzung eines Ganzen sehr viele verschiedenartige Theile in Harmonie gebracht werden müssen, da können nicht immer gleiche Bestimmungen hervorgehen. Daher wird man an dem nämlichen Baum kaum zwey einander völlig gleiche Blätter finden. Allein hier wird blos die metaphysische Allgemeinheit dieses Grundsatzes verworfen. Uebrigens wird man schwerlich läugnen können, daß in den Gestalten der natürlichen Körper öfters völlig urbildliche Identität gefunden werde. Daß z. B. bey Krystallisationen unter unzählig verschiedenen nicht auch eine oder die andere gefunden werde, welche einer andern mit vollkommener Aehnlichkeit abgeschrieben ist, wer wollte dieses behaupten?
Zwölfter Satz. In den Substanzen
kann keine Veränderung vorgehen, als wiefern sie mit andern im
Zusammenhang sind, so daß die gegenseitige Abhängigkeit derselben
von einander die wechselseitige Aenderung ihres Zustandes
bestimmt.
Daher ist eine einfache Substanz, bar jedes äußeren Zusammenhangs und so sich selbst überlassen, an sich schlechthin unveränderlich.
Eben so kann ferner, wenn sie auch mit andern in einem Zusammenhang steht, so lange dieses Verhältniß unverändert bleibt, in ihr keine Veränderung ihres innern Zustandes sich begeben. In einer Welt also, wo gar keine Bewegung wäre, kann (weil die Bewegung blos die Erscheinungdes veränderten Zusammenhangs ist) auch gar keine Aufeinanderfolge, nicht einmal in dem innern Zustande der Substanzen, gefunden werden.
Daher müssen, sobald aller Zusammenhang der Substanzen aufgehoben wird, auch sogleich die Aufeinanderfolge und die Zeit verschwinden.
Nimm an, daß eine einfache Substanz außer allem Zusammenhang mit andern ganz abgesondert existire; so sage ich, daß eine Veränderung ihres innern Zustandes nicht Statt finden könne. Denn da die der Substanz bereits zukommenden innern Bestimmungen durch innere Gründe mit Ausschließung des Gegentheils gesetzt sind, so muß man, wenn eine andere Bestimmung derselben nachfolgen soll, einen andern Grund setzen, welcher aber, da dessen Gegentheil in dem Innern der Substanz ist, und da gemäß der Voraussetzung kein äußerer Grund hinzukommt, ganz offenbar jenem Wesen nicht beygelegt werden kann.
Derselbe Beweis anders. Was durch einen
bestimmenden Grund gesetzt wird, das muß nothwendig mit diesem zugleich
gesetzt werden; denn es ist ungereimt, daß mit dem bestimmenden Grund
nicht auch das Begründete gesetzt werde. Was daher in einem gewissen
Zustand einer einfachen Substanz Bestimmendes ist, mit demselben muß
auch alles Bestimmte ohne Ausnahme nothwendig zugleich seyn. Weil aber
Veränderung eine Aufeinanderfolge der Bestimmungen ist, wo nämlich eine
gewisse Bestimmung entsteht, welche vorher nicht da war, und folglich
das Wesen für das Gegentheil einer ihr zukommenden Bestimmung bestimmt
wird, so kann diese durch das, was in der Substanz innerlich zu finden
ist, sich nicht begeben. Begiebt sie sich also, so muß sie nothwendig
von einem äußern Zusammenhang herkommen.
Derselbe Beweis noch anders. Setze, eine
Veränderung entstehe unter den genannten Bedingungen; weil sie zu
existiren anfängt, da sie vorher nicht war, das heißt, da die Substanz
für das Gegentheil bestimmt war, und da auch nicht angenommen wird, daß
außer dem Innern etwas hinzukomme, was die Substanz anders woher
bestimme, so wird die Substanz durch dieselben Gründe, wodurch sie auf
eine gewisse Weise als bestimmt angenommen wird, für das
Gegentheil bestimmt werden, welches ungereimt ist.
Diese Wahrheit, ob sie schon von einer so
leicht begreiflichen und untrüglichen Verkettung der Gründe abhängt,
haben die Anhänger der Wolfischen Philosophie so ganz nicht
wahrgenommen, daß sie vielmehr behaupten, eine einfache Substanz sey
blos vermöge ihres innern Princips der Wirksamkeit ständigen
Veränderungen unterworfen. Ich kenne ihre Beweise sehr wohl, bin aber
nicht weniger überzeugt, wie hölzern dieselben sind. Nachdem sie den
willkührlichen Begriff der Kraft so gebildet von Veränderungen enthält, da
man doch richtiger sagen muß, daß sie den Grund von
Bestimmungen enthalte, so war es ihnen unvermeidlich, in
Irrthum zu fallen.
Wenn ferner jemand zu wissen wünschte, auf welche Weise die Veränderungen, deren Wechsel in dem Weltall gefunden wird, entstehen können, da sie aus den innern Bestimmungen einer jeden Substanz, wenn man sie als einzelne denkt, nicht fließen sollen, der richte seine Aufmerksamkeit auf das, was vermöge des Zusammenhangs der Dinge, d. i., vermöge der wechselseitigen Abhängigkeit derselben in ihren Bestimmungen erfolgen muß. Uebrigens ist es, weil eine ausführliche Erörterung dieser Sache die Gränzen dieser Abhandlung überschreiten würde, genug, in meinem Beweis dargethan zu haben, daß die Sache sich nicht anders verhalten könne.
1. Ich finde zuerst, daß das reale Daseyn der Körper, welches die gesündere Philosophie gegen die Idealisten zeither nicht anders als auf dem Weg der Wahrscheinlichkeit vertheidigen konnte, aus den Folgesätzen dieses unsers Princips ganz deutlich und offenbar folgt. Die Seele nämlich ist (durch den innern Sinn) innerlichen Veränderungen unterworfen; da nun diese aus der Natur der Seele selbst, wenn man sie als einzelne und außer allem Zusammenhang mit andern Dingen betrachtet, vermöge des Bewiesenen nicht entstehen können: so müssen nothwendig mehrere Dinge außer der Seele vorhanden seyn, mit welchen sie in gegenseitigem Zusammenhang sich befinde. Auf gleiche Weise erhellet aus denselben, daß der Wechsel der Wahrnehmungen der äußern Bewegung gemäß erfolge, und es kann, weil daraus folgt, daß die Seele die verschiedentlich bestimmbare Vorstellung von irgend einem Körper nicht haben würde, wenn dieser Körper nicht wirklich da wäre und durch seine Wechselwirkung mit der Seele in dieser eine ihm entsprechende Vorstellung hervorbrächte, hieraus leicht geschlossen werden, daß es ein Zusammengesetztes gebe, welches wir unsern Leib nennen.
2. Die Leibnizische vorherbestimmte Harmonie wird so von Grund aus untergraben, nicht wie gemeiniglich geschieht durch Endursachen, welche GOttes unwürdig seyn sollen, ob sie schon nicht selten ein unsicheres Hülfsmittel abgeben, sondern durch seine innere Unmöglichkeit. Aus dem Bewiesenen nämlich folgt unmittelbar, daß die menschliche Seele, wenn sie von allem realen Zusammenhang mit Dingen außer sich abgesondert wäre, gar keine Veränderung ihres innern Zustandes erfahren könnte.
3. Die Meinung, allen endlichen Geistern seyein gewisser organischer Körper beyzulegen, bekommt hieraus ein großes Zeugniß ihrer Gewißheit.
4. Wird dadurch die wesentliche Unveränderlichkeit GOttes nicht aus einem Erkenntnißgrund, welcher von der unendlichen Natur desselben hergenommen ist, sondern aus seinem ächten Princip abgeleitet. Denn da das höchste Walten frey von aller Abhängigkeit ist, da also die ihr zukommenden Bestimmungen durch gar keine äußere Beziehung gesetzt werden, so ergiebt sich, daß gar keine Veränderung ihres Zustandes möglich sey, aus dem Bewiesenen mit vollkommenster Klarheit.
Anmerkung.
Vielleicht könnte jemanden das angeführte Princip eines schädlichen
Irrthums verdächtig zu seyn scheinen, wegen der unzertrennlichen
Verknüpfung, mit welcher auf diese Weise die menschliche Seele bey den
innern Thätigkeiten ihrer Gedanken an die Materie gebunden ist, welches
von der schädlichen Meinung der Materialisten nicht weit entfernt zu
seyn scheint. Allein ich hebe damit den Zustand der Vorstellungen der
Seele nicht auf, ob ich schon unter der Voraussetzung, wenn sie außer
allem äußeren Zusammenhang stehen würde, behaupte, daß dieser ihr Zustand
unveränderlich und sich selbst beständig gleich seyn würde. Und ich kann
den Streit, in welchen vielleicht jemand mich zu verwickeln den Versuch
machen wollte, auf die Seite der Neuern wälzen, welche in einmüthiger
Uebereinstimmung gleichsam aus einem Munde bekennen, daß der Seele die
Vereinigung mit einem organischen Körper unentbehrlich sey. Ich nenne,
um von diesen nur einen als Zeugen anzuführen, den berühmten Crusius,
welcher, wie ich finde, meiner Meinung so sehr beystimmt, daß er ganz
offen behauptet, die Seele sey an jenes Gesetz gebunden, vermöge dessen
das Streben nach Vorstellungen jederzeit mit einem Streben ihrer
Substanz zu einer gewissen Bewegung nach außen verbunden sey, daß also,
wenn das letztere durch Hindernisse erstickt wird, auch das erstere
gehindert werde. Ob er aber schon dieses Gesetz nicht für so nothwendig
hält, daß es nicht, wenn GOtt solches wollte, aufgehoben werden könnte,
so würde, weil er zugiebt, daß seine Natur mit demselben fest verschnürt
sey, er bekennen müssen, daß alsdann auch diese umgeschaffen werden
müsse.
Dreizehnter Satz. Endliche Substanzen stehen
durch ihr bloßes Daseyn in keinen Beziehungen zu einander und werden
durch keinerlei Wechselwirkung zusammengehalten, außer wiefern sie von
dem gemeinschaftlichen Princip ihres Daseyns, nämlich von dem
göttlichen Verstande, als zu gegenseitigen Beziehungen
gebildete erhalten werden.
Beweis. Einzelne
Substanzen, deren keine Ursache von dem Daseyn der andern ist, haben ein
abgesondertes Daseyn, das heißt, ein solches, welches auch ohne alles
andere völlig denkbar ist. Wird nun das Daseyn einer jeden Substanz
schlechthin an sich gesetzt, so ist in ihr nichts, was das Daseyn
anderer von ihr verschiedener voraussetzt. Weil aber ein Verhältniß eine
respektive Bestimmung, d. h. eine solche, welche in einem schlechthin an
sich betrachteten Wesen nicht gedacht werden kann, so kann solches eben
so wenig als dessen bestimmender Grund durch das an sich gesetzte Daseyn
einer Substanz erkannt werden. Wenn also außer diesem Daseyn nichts
weiter hinzu käme, so würde unter allen Wesen kein Verhältniß und gar
keine Wechselwirkung seyn. Da nun, wiefern unter allen Substanzen jede
ein von allen andern unabhängiges Daseyn hat, ein
wechselseitiger Zusammenhang derselben nicht Statt findet, von endlichen
Dingen aber allerdings nicht gesagt werden kann, daß sie Ursache von
andern sind, dennoch nichts destoweniger in dem Weltall alles durch
wechselseitigen Zusammenhang verbunden gefunden wird, so muß man
zugestehen, daß dieses Verhältniß der Dinge von ihrer gemeinschaftlichen
Ursache, nämlich von GOtt, dem allgemeinen Princip existirender
Dinge, abhange. Weil aber daraus, daß GOtt das Daseyn derselben
schlechthin begründete, ebenfalls nicht folgt, daß zwischen ihnen
wechselseitige Beziehungen seyn, wenn nicht derselbe Entwurf des
göttlichen Verstandes, welcher das Daseyn giebt, wiefern derselbe das
Daseyn aller Dinge, auf einander bezogen gedacht, enthielt, die
Beziehungen derselben ebenfalls festlegte; so erhellet ganz offenbar,
daß die allgemeine Wechselwirkung aller Dinge lediglich dem Plan der
göttlichen Idee zugeschrieben werden müsse.
Daß die Coexistenz der Substanzen in dem Weltall zur Begründung eines Zusammenhangs zwischen denselben nicht zureichend, sondern außerdem noch eine gewisse Gemeinschaft des Ursprungs und eine harmonische Abhängigkeit von demselben erforderlich sey, dieß glaube ich zuerst durch die einleuchtendsten Gründe dargethan zu haben. Denn, wenn, damit ich den Nerv des Beweises nochmals kürzlich darlege, eine Substanz A existirt, und es existirt außerdem B, so kann man deswegen nicht annehmen, daß diese in A etwas setze. Denn nimm an, daß sie in A etwas bestimme, das heißt, den Grund von der Bestimmung C enthalte; so wird, weil diese Bestimmung ein relatives Prädicat und nicht verständlich ist, wenn nicht außer B auch A existirt, die Substanz B, vermöge dessen, was den Grund von C ausmacht, das Daseyn der Substanz A voraussetzen. Weil aber, wenn die Substanz B allein existirt, durch ihre Existenz ganz unbestimmt bleibt, ob ein A existiren solle oder nicht, so kann aus ihrem Daseyn allein nicht erkannt werden, daß sie in andern von ihr verschiedenen irgend etwas setze, folglich kein Verhältniß, überhaupt keine Wechselwirkung mit andern. Wenn also GOtt außer der Substanz A noch andere, B, D, E, ins Unendliche erschaffen hat, so folgt dennoch aus dem gegebenen Daseyn derselben allein sofort noch keine wechselseitige Abhängigkeit derselbenin ihren Bestimmungen. Denn es folgt daraus, weil außer A auch B, D, E existirt, und A in sich selbst in irgendeiner Weise bestimmt ist, nicht, daß B, D, E dieser gemäße Bestimmungen zu existiren haben. Folglich muß in der Art ihrer gemeinschaftlichen Abhängigkeit von GOtt nothwendig der Grund ihrer wechselseitigen Abhängigkeit von einander vorhanden seyn. Und auf welche Weise dieses bewirkt werde, ist leicht einzusehen. Der Entwurf des göttlichen Verstandes, als der Ursprung alles Daseyns, ist ein fortwährender Act, Erhaltung genannt, in dem, wenn die einzelnen Substanzen irgendwie abgesondert und ohne Verhältniß ihrer Bestimmungen von GOtt gedacht werden, zwischen ihnen kein Zusammenhang, keine wechselseitige Beziehung entstehen kann; wenn sie aber in dem Verstande GOttes in Beziehung auf einander gedacht werden, so beziehen sich in Gemäßheit dieser Idee bey der Fortsetzung des Daseyns in der Folge immer die Bestimmungen der Dinge auf einander, d. h. sie wirken und wirken zurück, und es ist nun ein gewisser äußerer Zustand einer jeden Substanz, welcher, wenn man dieses Princip verließe, durch das bloße Daseyn derselben gar nicht Statt finden könnte.
1. Weil Ort, Lage, Raum, Verhältnisse der
Substanzen sind, mit welchen sie sich auf andere von ihnen real
verschiedene durch wechselseitige Bestimmungen beziehen und auf diese
Weise im äußern Zusammenhang stehen; weil ferner durch das Bewiesene
bekannt geworden ist, daß das bloße Daseyn der Substanzen an sich
einen Zusammenhang mit andern nicht einschließe, so erhellet, daß, wenn
man mehrere Substanzen als existirend setzt, hieraus nicht zugleich der
Ort, die Lage und, was aus diesen durchgängigen Verhältnissen zusammen
entsteht, der Raum bestimmt werde. Allein, weil der wechselseitige
Zusammenhang der Substanzen einen in einer wirksamen Vorstellung des göttlichen Verstandes
respectiv gedachten Entwurf erfordert, diese Vorstellung aber in Gott
ganz willkührlich ist, und folglich nach seinem Wohlgefallen eben sowohl
zugelassen als weggelassen werden kann: so folgt, daß Substanzen unter
diesem Gesetz existiren können, daß sie an keinem Orte
seyn, und folglich in gar keinem Verhältniß zu unserem
Universum von Dingen.
2. Weil solcher Substanzen, die von jedem Zusammenhang mit unserm Universum gelöst sind, vermöge des göttlichen Beliebens mehrere seyn können, welche nichts destoweniger durch einen gewissen Zusammenhang der Bestimmungen unter sich verbunden seyn können, folglich einen Ort, eine Lage und einen Raum bewirken, eine Welt ausmachen, die von dem Umfang der Welt, deren Theile wir sind, ausgeschlossen, d. h. für sich abgesondert sey. So ist es aus diesem Grund nicht widersinnig, zu sagen, daß auch im metaphysischen Sinne mehrere Welten seyn könnten, wenn es GOtt so gefiele.
3. Da nun also das Daseyn der Substanzen an sich zu einer Wechselwirkung undeiner Beziehung ihrer Bestimmung auf einander ganz unzureichend ist, und folglich durch den äußern Zusammenhang der Substanzen die gemeinschaftliche Ursache aller angedeutet wird, in welcher das Daseyn derselben mit Beziehung auf einander entworfen sey, und da ohne dieses gemeinschaftliche Princip ein allgemeiner Zusammenhang nicht gedacht werden kann, so wird hieraus das einleuchtendste Zeugniß für das Daseyn einer höchsten Ursache aller Dinge, d. h. GOttes, und zwar eines einzigen hergenommen, welches, wenigstens nach meinem Dafürhalten, den von der Zufälligkeit abgeleiteten Beweis weit übertrifft.
4. Auch wird die thörichte Meinung der
Manichäer, welche die Herrschaft der Welt zwischen zwey von einander
nicht abhängige erste Principien theilten, durch dieses unser Princip
gründlich widerlegt. Denn es ist nicht möglich, daß eine Substanz mit
den Dingen in der Welt irgend eine Wechselwirkung habe, wenn sie nicht
die gemeinschaftliche Ursache derselben, oder mit ihnen von
derselben Ursache hergekommen sey. Wenn du also sagst, eins von diesen
beyden Principien sey die Ursache aller
5. Ferner, da die Bestimmungen der
Substanzen sich auf einander beziehen, d. h., da die unter sich
verschiedenen Substanzen wechselseitig auf einander wirken (indem
nämlich jede in der andern etwas bestimmt), so ergiebt sich der Begriff
des Raums aus den in einander verwickelten Wirkungen der Substanzen, mit
welchen jederzeit Rückwirkung nothwendig verbunden ist. Wenn nun von
dieser allgemeinen Wirkung und Rückwirkung durch den ganzen Umfang des
Raums, in welchem Körper mit einander in Beziehung sind, die äußere
Erscheinungdie wechselseitige Annäherung derselben ist, Anziehung genannt, welche sich, da sie durch die
bloße Mitgegenwart bewirkt wird, auf jede beliebige Entfernung erstreckt,
und die Newtonianische Anziehung oder
allgemeine Schwerkraft ist; so ist wahrscheinlich, daß diese durch
denselben Zusammenhang der Substanzen, wodurch sie den Raum bestimmen,
bewirkt werde, folglich das ursprünglichste Naturgesetz sey, dem die
Materie unterworfen ist, und welches nur in GOtt, dem unmittelbaren
Urheber, beständig fortdauert, selbst nach der Meinung derer, welche
sich für Newtons Anhänger bekennen.
6. Da zwischen allen Substanzen, wiefern
sie in demselben Raum enthalten sind, Wechselwirkung, folglich eine
wechselseitige Abhängigkeit in ihren Bestimmungen ist, so kann man
hieraus die allgemeine Wirkung der Geister auf die Körper und der Körper
auf die Geister ersehen. Weil aber jede Substanz (vermöge des Bewiesenen),
nicht durch das, was ihr innerlich zukommt, das Vermögen hat, andere von
ihr verschiedene zu bestimmen, sondern bloß vermöge der Kraft des
Zusammenhang, in welchem sie in der Idee des unendlichen Wesens mit
andern verbunden ist; so beziehen sich zwar alle Bestimmungen und
Veränderungen, die in jeder beliebigen gefunden werden, auf Dinge außer
ihr, aber der eigentlich so genannte Physische Einfluß wird
ausgeschlossen, und es ist eine allgemeine Harmonie der Dinge. Dennoch wird weder jene Leibnizische vorherbestimmte, welche eigentlich eine Uebereinstimmung, nicht eine wechselseitige Abhängigkeit den Substanzen beylegt, hieraus
erzeugt, denn GOtt bedient sich, zur Bewirkung der Zusammenstimmung der
Substanzen, nicht der bey einer Reihe zusammengeworfener Gründe
gewöhnlichen Kunstgriffe, noch wird hier ferner ein besonderer Einfluß
GOttes in jedem Fall, d. i. eine Wechselwirkung der Substanzen durch Malebranchens gelegenheitliche Ursachen
behauptet, denn dieselbe individuelle Handlung, welche die Substanzen
zum Physische Einfluß, indem es nämlich den Ursprung des
wechselseitigen Zusammenhangs der Dinge selbst eröffnet, daß solcher
außer dem Princip der Substanzen, jede abgesondert und für sich
betrachtet, gesucht werden müsse, worin eben jenes abgenutzte System der
bewirkenden Ursachen sich vornehmlich von der Wahrheit entfernte.
Anmerkung. Hier
hast du, geneigter Leser, zwey Grundsätze der tiefern metaphysischen
Erkenntniß, durch deren Hülfe man ein nicht zu verachtendes Gebiet in
dem Reiche der Wahrheiten gewinnen kann. Und wenn diese Wissenschaft auf
eine solche Weise mit Ernst bearbeitet wird, so wird man den Boden
derselben nicht so unfruchtbar finden, auch wird der Vorwurf einer
müßigen und von der Welt abgezogenen Grübeley, welcher ihr von ihren
Verächtern gemacht wird, durch eine reiche Ernte einer edlern Erkenntniß
widerlegt werden. Zwar giebt es Menschen, welche, gewohnt, in den
Schriften anderer fehlerhafte Folgerungen aufzuspüren, aus den Ansichten
anderer immer einiges Gift zu ziehen verstehen. Ob ich aber schon nicht
läugnen will, daß diese vielleicht einiges in unseren zu einem
schlimmern Sinn verdrehen können, so glaube ich doch, daß es mir, indem
ich dieselben ihrer eigenen Ueberzeugung überlasse, gebühre, mich nicht
um das zu kümmern, was vielleicht jemandem übel zu deuten beliebt,
sondern auf dem geraden Weg der Forschung und der Wissenschaft
fortzugehen, und bitte mit aller gebührenden Ergebenheit, daß alle die,
welche Freunde der edlern Wissenschaften sind, mich in diesem
Unternehmen begünstigen wollen.
Ende.