Den 10ten April 1756.
Das Feuer der unterirdischen Grüfte ist noch nicht
beruhigt. Die Erschütterungen währeten nur noch neulich und erschrecketen
Länder, denen dieses Uebel von je her unbekannt gewesen. Die Unordnung im
Luftkreise hat die Jahreszeit auf der Hälfte des Erdkreises verändert. Die
Allerunwissendsten wollen die Ursache davon erraten haben. Man höret Einige ohne
Verstand und Nachdenken sprechen: die Erde habe sich verrückt und sey, ich weiß
nicht um wie viel Grade, der Sonne näher [gekommen. Ein] Urtheil, welches eines
[Kindermanns](#en46508)
würdig wäre, wenn er wieder aufstände, Träume eines verrückten Kopfs
für Beobachtungen zu verkaufen. Dahin gehören auch diejenige, die die Cometen
wieder auf die Bahn bringen, nachdem
[Whiston](#en46511)
selbst die Philosophen gelehrt hat sie zu fürchten. Es ist eine
gemeine Ausschweifung, daß man den Ursprung eines Uebels einige tausend Meilen
weit herholet, wenn man ihn in der Nähe finden kann. So machen es die Türken mit
der Pest; so machte man es mit den Heuschrecken, mit der Viehseuche und weiß
Gott mit was [vor] andern Uebeln mehr.
Man schämt sich blos in der Nähe etwas sehen zu können. In unendlicher Ferne
Ursachen zu erblicken, das ist erst ein rechter Beweis eines scharfsichtigen
Verstandes.
Unter allen Muthmaßungen, die bey einer großen Abweichung von den
Regeln einer richtigen Naturwissenschaft Einige, die sie nicht zu prüfen wissen,
leicht einnehmen können, gehöret der Gedanke, der in den öffentlichen
Nachrichten dem [
Hrn. Professor Profe
](#en46522) zu Altona zugeschrieben wird. Es ist zwar schon lange, daß man bey
Wahrnehmung großer Vorfälle auf dem Erdboden deswegen keinen Verdacht mehr auf
die Planeten wirft. Die Verzeichnisse der harten Beschuldigungen, die unsere
lieben Vorfahren die Herren Astrologen diesen Sternen gemacht haben, sind in das
Archiv veralteter Hirngespinste neben der wahrhaften Geschichte der Feen, den sympathetischen Wundern des
[Digby](#en46601a)
und
[Vallemonts](#en46601b)
und den nächtlichen Begebenheiten des Blocksbergs beygelegt. Aber
seitdem die Naturwissenschaft von diesen Grillen gesäubert ist, so hat ein
Newton eine wirkliche Kraft entdeckt
und durch Erfahrung bestätigt, welche auch die entfernteste Planeten gegen
einander und gegen unsere Erde ausüben. Allein zu allem Unglück [vor] diejenige, welche die Anwendung
dieser merkwürdigen Eigenschaft [bis
zur] Ausschweifung treiben wollen, ist das Maaß dieser Kraft und die
Art ihrer Wirkung bestimmt, und zwar durch eben dieselbe Beobachtung mit
Beyhülfe der Geometrie, welcher wir die Offenbarung derselben zu danken haben.
Man kann uns nun nicht mehr, was man will, von ihren Wirkungen weiß machen. Wir
haben die Waage in der Hand, an der wir die Wirkungen gegen die vorgegebene
Ursache abwiegen können.
Wenn ein Mann, der es sich einmal hat erzählen
lassen, daß der Mond die Gewässer der Erde zieht und dadurch das Aufschwellen
und Niedersinken des Oceans, die man Ebbe und Fluth nennt, verursache,
ingleichen daß alle Planeten mit einer ähnlichen Anziehungskraft begabt sind
und, wenn sie der durch die Erde und Sonne gezogenen geraden Linie sich nahe
befinden, ihre Anziehungskräfte mit des Mondes seiner vereinigen, wenn, sage
ich, ein solcher, der keinen Beruf hat die Sache genauer zu prüfen, vermuthete,
daß diese vereinigte Kräfte nicht allein die Gewässer der Erde in diejenige
gewaltsame Bewegung bringen könnten, die wir am 1sten Nov. ersehen
haben, sondern auch wohl auch durch einen Einfluß in die unterirdische Luft den
verborgenen Zunder zu Hervorbringung der Erdbeben reizen könne, so kann man
nichts weiter von ihm verlangen. Aber von einem Naturkündiger erwartet man mehr.
Es ist nicht genug auf eine Ursache gerathen zu seyn, die etwas mit der Wirkung
Aehnliches hat; sie muß auch in Ansehung der Größe proportionirt seyn. Ich will
ein Exempel anführen. [Der Doctor
List, ein sonst geschicktes
Mitglied der Londonschen Societät, hatte wahrgenommen, daß die Seepflanze,
Meerlinse genannt, eine ungemein starke Ausduftung an sich habe. Er
bemerkte, daß sie sich häufig an den Küsten der Meere des heißen Erdstrichs
befinde. Weil nun eine starke Ausduftung wohl leicht die Luft etwas bewegen
kann, so schloß er: daß der allgemeine Ostwind, der in diesen Meeren
beständig weht und sich mehr wie 1000 Meilen weit vom Lande erstreckt, davon
herkomme, vornehmlich weil sich diese Pflanze nach der Sonne drehe](#en46629).
Das Lächerliche dieser Meynung steckt blos darin: daß die Ursache gegen die Wirkung ganz und gar kein Verhältniß
hat. Eben so ist es mit der Kraft der Planeten bewandt, wenn man sie mit der
Wirkung vergleicht, die von ihr herkommen soll, nämlich der Bewegung der Meere
und Erregung der Erdbeben. Man wird vielleicht sagen: wissen wir denn die Größe
der Kraft, womit diese Himmelskörper auf die Erde wirken können? Ich werde bald
darauf antworten.
[Herr Bouguer
](#en46707), ein berühmter französischer Akademist, erzählet, daß bey seinem
Aufenthalt in Peru ein Gelehrter, welcher Professor der Mathematik auf der
Universität zu Lima werden wollte, ein Buch unter dem Titel einer astronomischen
Uhr der Erdbeben geschrieben habe, darin er sich unternimmt diese aus dem Lauf
des Mondes vorher zu verkündigen. Man kann leicht rathen: daß ein Prophet in
Peru gut habe Erdbeben vorher zu sagen, weil sie sich daselbst fast täglich
zutragen und nur durch die Stärke unterschieden werden. Hr. Bouguer setzt hinzu, daß ein Mensch,
der ohne Nachdenken mit dem auf und absteigenden Knoten des Mondes, der Erdnähe
und Erdferne, der Conjunction und Opposition um sich wirft, wohl von ohngefähr
bisweilen etwas sagen könne, was durch den Ausgang bestätigt wird, und gestehet:
daß er nicht immer unglücklich geweißagt habe. Er vermuthet selbst, daß es nicht
gänzlich unwahrscheinlich sey, daß der Mond, der die Gewässer des Oceans so
kräftig bewegt, einigen Einfluß auf die Erderschütterungen haben könne, entweder
indem er das Gewässer, welches er außerordentlich erhebt, in gewisse Erdspalten
führet, dahin es sonst nicht würde gelanget seyn, und dieses die tobende
Bewegung in den tiefen Höhlen verursache, oder durch irgend eine andere Art des
Zusammenhanges.
Wenn man in Erwägung zieht, daß die Anziehungskräfte der
Himmelskörper in das Innerste der Materie wirken und daher die in den tiefsten
und verborgensten Gängen der Erde verschlossene Luft in Bewegung bringen können,
so kann schwerlich dem Monde aller Einfluß in die Erdbeben abgesprochen werden.
Diese Kraft würde aber höchstens nur die in der Erde befindliche entzündbare
Materien reizen, das übrige, die Erschütterung, die Wasserbewegung, werden
lediglich eine Wirkung dieser letzteren seyn.
Wenn man von dem Monde weiter in den Planetenhimmel hinaufsteigt,
so verschwindet dieses Vermögen nach und nach, so wie die Entfernungen derselben
zunehmen und die Kräfte aller Planeten, mit einander vereinigt, leisten, wenn man sie
mit der Kraft des einzigen, uns so nahen Mondes vergleicht, nur einen unendlich
kleinen Theil derselben.
Newton, der das vortrefliche Gesetz der
Anziehung entdeckt hat, welches für den glücklichsten Versuch angesehen werden
muß, den der menschliche Verstand in der Erkenntniß der Natur noch gethan hat,
lehret die Anziehungskräfte der Planeten, die Monde um sich haben, finden und
bestimmt des Jupiters, des größten unter allen Planeten, seine etwas gringer als
den tausendsten Theil der Anziehungskraft der Sonne. Das Vermögen durch diese
Kraft Veränderungen auf unserer Erde hervorzubringen nimmt, wie der Würfel der
Entfernungen von derselben umgekehrt ab, und ist also bey dem Jupiter, der mehr
wie 5mal weiter von der Erde entfernet ist als die Sonne, wenn man das
Verhältniß seiner Anziehungskraft dazu nimmt, [130 000mal kleiner](#en46813), als was die Anziehungskraft der
Sonne auf unserer Erde allein wirken kann. Nun kann aber die Anziehung der Sonne
das Wasser des Oceans ungefähr 2 Fuß hoch erheben, wie die Erfahrung mit der
Rechnung vereinigt es bekannt gemacht haben, also wird die Anziehung des
Jupiters, wenn sie mit der Sonne ihrer vereinigt ist, [noch den] 65sten Theil eines [Decimalscrupels](#en46818) zu dieser Höhe
hinzuthun, welches ohngefähr den 30sten Theil einer Haaresbreite ausmachen
würde. Wenn man erwäget, daß Mars und Venus ungleich kleinere Körper sind als
Jupiter und die Anziehungskräfte ihrem Klumpen proportionirt [seyn], so thut man noch zu viel, wenn man beyden
zusammengenommen ohngefähr doppelt soviel Vermögen durch die Anziehung auf
unserer Erde zu wirken beylegt, als [dem] Jupiter, weil sie uns ohngefähr 3 mal näher sind als jener, ob
sie gleich viele hundertmal weniger körperlichen Inhalt und mithin
Anziehungskraft besitzen als er. Aber wenn ich auch freygebig wäre, ihre Kraft
10fach größer zu machen, so können sie doch, wenn sie selbige vereinigen, nicht
ein Drittel einer Haaresdicke das Meereswasser aufschwellend machen. Wenn man
die übrige Planeten, den Mercur und Saturn, noch dazu nimmt und sie alle in
Conjunction betrachtet, so wirds offenbar, daß sie noch lange nicht um eine
halbe Haaresbreite die Aufschwellung der Wasser, die der Mond und die Sonne
gemeinschaftlich hervorbringen, vermehren können. Ist es nun nicht lächerlich
von der Anziehung des Mondes und der Sonnen erschreckliche Wasserbewegungen zu
besorgen, wenn die Höhe, zu der sie das Gewässer bringen, um die Hälfte einer
Haaresbreite vermehret worden, da ohne diese keine Gefahr zu besorgen [wäre.] Alle übrige Umstände widerlegen die
angebliche Ursache gänzlich. Gleichwie der Mond nicht allein denselben
Augenblick, wenn er der durch die Sonne und Erde gezogenen geraten Linie am
nächsten tritt, sondern auch einige Tage vor und nachher die höchste Fluth
macht, so sollten die vereinigte Planeten etliche Tage hintereinander und in
diesen etliche Stunden hindurch Wasserbewegungen und Erdbeben gemacht haben,
wenn sie einigen Antheil daran gehabt hätten.
Ich muß meine Leser um Verzeihung bitten, daß
ich sie so weit an dem Firmament herumgeführt habe, um von den Begebenheiten
richtig urtheilen zu können, die auf unserer Erde vorgegangen sind. Die Mühe,
die man anwendet, die Quellen der Irrthümer zu verstopfen, verschafft uns auch
ein gereinigtes Erkenntniß. Ich werde in dem folgenden Stücke die merkwürdigsten
Erscheinungen der großen Naturbegebenheit in Erwägung ziehen, die seit
denjenigen vorgegangen sind, welche ich in einer besondern Abhandlung zu
erklären mich bemühet habe.
Die Planeten sind vor dem Richterstuhle der Vernunft von der
Anklage losgesprochen, einigen Antheil an der Ursache der Verwüstung gehabt zu
haben, die uns in den Erdbeben widerfähret. Forthin soll sie niemand deswegen
weiter in Verdacht halten. Es sind wohl eher einige Planeten in Verbindung
gewesen, und man hat kein Erdbeben gefühlt. [
Peirescius
sahe nach dem Zeugniß des Gassendus
](#en46920) die seltene Verbindung der 3 obern Planeten im Jahr 1604, die sich nur in
800 Jahren einmal zuträgt, aber die Erde blieb in Sicherheit. Wenn der Mond, auf
den noch einzig und allein die Vermuthung mit einiger Wahrscheinlichkeit fallen
könnte, daran Antheil hätte, so müßten die mitwirkende Ursachen in so vollem
Maße vorhanden seyn, daß auch der schwächste äußere Einfluß den Ausschlag der
Veränderung geben könnte. Denn der Mond kommt oft in die Stellung, darin er die
größte Wirkung auf den Erdboden ausübet, aber er erregt nicht eben so oft
Erdbeben. Das vom 1. Nov. trug sich bald nach dem letzten Viertheil
zu; alsdenn aber sind die Einflüsse desselben die schwächsten, wie die Newtonische Theorie und die Erfahrung es
ausweisen. Lasset uns also nur auf unserm Wohnplatze selber nach der Ursache
fragen, wir haben die Ursache unter unsern Füßen.
Seit denen Erschütterungen, die vorher schon angeführt worden, sind
keine vorgefallen, die sich in [weitere] Länder erstreckt hätten, als [das] vom 18ten Febr. Es wurde in
Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden gefühlt. Es war an den
mehresten Orten, wie aus Westphalen, dem
Hanöverschen und Magdeburgischen berichtet worden, mehr einer leichten
Schaukelung eines durch unterirdische heftige Stürme bewegten Erdreichs zu
vergleichen, als den Stößen einer entbrannten Materie. Nur die obersten Etagen
in den Gebäuden fühleten die Schwankung, unten auf der Erde ward sie kaum
bemerkt. Schon den 13ten und 14ten vorher wurden in den Niederlanden und den
benachbarten Orten Erschütterungen gefühlet, und in diesen Tagen, vornehmlich
vom 16ten auf den 18ten, wütheten weit und breit in Deutschland, Polen, England,
Orkane, es zeigeten sich Blitze und Ungewitter, kurz der Luftkreis war in eine
Art von Gährung gebracht, welches zur Bestätigung dessen dienen kann, was wir
schon bey anderer Gelegenheit angemerkt haben, nämlich daß die Erdbeben oder die
unterirdische Entzündungen, die ihre Ursache [seyn], unsere Atmosphäre verändern, indem sie fremde
Dünste in dieselbe ausstoßen.
Hin und wieder sind einige Einsinkungen des Erdreichs geschehen. Es
haben sich Felsenstücke von den Gebirgen abgerissen und sind mit fürchterlicher
Gewalt in die Thäler gerollt. Diese Begebenheiten tragen sich öfters auch ohne
vorgegangene Erdbeben zu. Anhaltende Regen machen, daß die Quelladern von Wasser
angefüllt, öfters die Grundlage eines Stück Landes unterwaschen, indem sie das
Erdreich hinwegspülen und eben so Felsenstücke, vornehmlich wenn Frost und Nässe
ihre Wirkungen vereinigen, von den Gipfeln der Berge abreißen. Die große Klüfte
und Erdspalten, die sich hin und wieder in der Schweiz und andernwärts geöffnet
und wieder größtentheils geschlossen haben, sind deutlichere Beweisthümer einer
ausdehnenden unterirdischen Gewalt, wodurch die Schichten von etwas geringerer
Dichtigkeit zerborsten sind. Wenn wir diese Zerbrechlichkeit unseres Fußbodens,
den Vorrath der unterirdischen Gluth, die vielleicht allenthalben die
entzündbare Materien, die [Steinkohlenlager], die Harze und Schwefel in einem stets lodernden
Feuer unterhalten mögen (so wie Steinkohlen-Bergwerke öfters, wenn sie sich von
selbst an der Luft entzündet haben, Jahrhunderte hindurch glühen und um sich
greifen), wenn wir, sage ich, diese Verfassung der unterirdischen Hölen
betrachten, scheinet nicht bey derselben ein Wink genug zu seyn um unsere
Wölbungen in ganze Meere von glühenden Schwefel zu versenken und unsere bewohnte
Plätze mit Strömen von brennenden Materien zu verwüsten, so wie die ausgegossene
Lava die Flecken verheerete, die neben dem Fuße des Aetna in einer unbekümmerten
Ruhe angebauet [waren.] Der [Herr ](#en47037)
D.
Poll hat Recht, daß er in einer kurzen Abhandlung vom Erdbeben nichts weiter als Wasser fordert, um die
stets glimmende Gluth unter der Erde durch ausgespannte Wasserdünste in Bewegung
und die Erde in Erschütterung zu bringen, allein, wenn er dem [
Lemerischen Experimente](#en47103)
(welches durch eine Mischung vom Schwefel und Feilstaub vermittelst Hinzuthuung
des Wassers die Erschütterungen begreiflich machte) die Tauglichkeit dadurch
benehmen will, daß er saget, in der Erde werde kein gediegen Eisen, sondern
bloße Eisenerde angetroffen, welche bey diesem Versuch nicht das Begehrte
leistet, so gebe ich zu überlegen, ob erstlich nicht die vielfache Ursache der
Erhitzung, z. E. die Auswitterung der Schwefelkiese, die Gährungen
durch die Dazukunft des Wassers, wie nach einem Regen an der ausgegossenen Lava,
ingleichen an dem immerwährenden Erdbrande von [Pietra Mala](#en47112) verspüret wird, nachdem sie die tief
befindliche Eisenerde zu gekörnetem Eisen ausgeschmolzen, oder auch der
Magnetstein, der der Natur des gediegenen Eisens so nahe kommt, und der ohne
Zweifel allenthalben in der Tiefe reichlich angetroffen wird, zu der Ausübung
dieses Experiments im Großen nicht hinlängliche Materie liefern können. Die sehr
seltsame Bemerkung, die aus der Schweiz berichtet [worden], da ein Magnet während des Erdbebens von
seiner senkrechten Richtung zusammt dem Faden, an dem er aufgehänget war, einige
Grade abwich, scheinet die Mitwirkung der magnetischen Materien beym Erdbeben zu
bestätigen.
Es wäre ein Werk von weitläuftiger Ausführung,
alle die Hypothesen, die ein jeder, um sich selbst neue Wege der Untersuchung zu
bahnen, aufbringt, und deren eine öfters den Platz der andern wie die
Meereswellen einnimmt, anzuführen und zu prüfen. Es giebt auch einen gewissen
richtigen Geschmack in der Naturwissenschaft, welcher bald die freye [Ausschweifungen] einer
Neuigkeitsbegierde von den sichern und behutsamen Urtheilen, welche das Zeugniß
der Erfahrung und der vernünftigen Glaubwürdigkeit auf ihrer Seite haben, zu
unterscheiden weiß. [Der Pater
Bina und nur kürzlich der ](#en47129)[
Hr. Prof. Krüger
](#en47130) bringen die Meynung empor, die die Erscheinungen des Erdbebens mit
denen von der Electricität auf gleiche Ursachen setzet. Noch eine
größere Kühnheit ist in dem Vorschlage des [
Hrn. Prof. Hollmanns
](#en47133), der, nachdem er die Nützlichkeit der Luftöffnungen in einem von
entzündeten Materien geängstigten Erdreiche durch das Exempel der feuerspeyenden
Berge erwiesen, ohne welche die Königreiche Neapel und Sicilien nicht mehr seyn
würden, haben will, daß man die oberste Rinde der Erde bis in die tiefste
brennende Klüfte durchgraben, und dem Feuer dadurch einen Ausgang
verschaffen solle. Die entsetzliche Dicke zusammt der Festigkeit der inwendigen
Schichten, ohne welche solche grausame Anfälle der Erschütterungen ein solches
Land gewiß längst würden zertrümmert haben, ingleichen das Wasser, das allen
Durchgrabungen bald ein Ziel setzt, und endlich das Unvermögen der Menschen
machen diesen Vorschlag zu einem schönen Traume. Von dem Prometheus der neuern Zeiten dem [
Hrn. Franklin
](#en47207) an, der den Donner entwaffnen wollte, bis zu demjenigen, welcher das
Feuer in der Werkstatt des Vulkans
auslöschen will, sind alle solche Bestrebungen Beweisthümer von der Kühnheit des
Menschen, die mit einem Vermögen verbunden ist, welches in gar geringem
Verhältniß dazu stehet, und führen ihn zuletzt auf die demüthigende Erinnerung,
wobey er billig anfangen sollte, daß er doch niemals etwas mehr als ein Mensch
sey.