Nutzen der
Verbindung der Metaphysik mit der Geometrie
in der Natur-Philosophie,
von welcher
der erste Versuch
die physische
Monadologie
enthält
welche,
mit Bewilligung der
wohllöblichen philosophischen Facultät
in einer öffentlichen, um Sitz und Stimme in
derselben zu erlangen zu haltenden Disputation,
am 10ten April in den Stunden
von 8 bis 12 Uhr
in dem philosophischen
Hörsaal
vertheidigen wird
M. Immanuel Kant,
Respondent wird seyn
Lucas David Vogel,
aus Königsberg, der
Gottesgelahrtheit Beflissener;
Opponenten werden seyn
Ludwig Ernst Borowski,
aus Königsberg, der
Gottesgelahrtheit Beflissener;
Georg Ludwig
Mühlenkampf,
aus Trempe, der
Gottesgelahrtheit Beflissener,
und
Ludwig Johann
Krusemark,
aus Koritz, der
Gottesgelahrtheit Beflissener.
Im Jahr 1756.
Königsberg,
In den Lettern Ihrer Heiligen Königlichen
Majestät und der Universitätsdruckerei J. H. Hartungs.
Die folgenden Seiten widmen in hingebungsvollstem Sinne
Die einsichtsvollern Philosophen, welche sich mit
Erforschung der natürlichen Dinge beschäftigen, sind einstimmig der Meinung, daß
man mit möglichster Sorgfalt verhüten müsse, daß nicht etwa grundlose und auf
einer bloßen Sucht, Vermuthungen vorzubringen, beruhende Erdichtungen sich in
die Naturwissenschaft einschleichen, oder daß kein Versuch ohne Zustimmung der
Erfahrung und ohne Anweisung der Geometrie vergebens angestellt werde.
Allerdings konnte kein der Philosophie mehr heilsamer und nützlicher Rath
ausgedacht werden. Allein, weil es kaum einem unter den Sterblichen möglich ist,
auf dem geraden Weg der Wahrheit mit festem Schritt so fort zu gehen, daß er
nicht bisweilen auf eine von beyden Seiten ausschweifen sollte, so haben sich
einige an diese Regel so fest gebunden, daß sie bey Erforschung der Wahrheit es
nie wagten, sich in das offene Meer zu begeben, sondern es gerathener fanden, an
dem Ufer hin zu fahren und nichts als wahr zuzugeben, als was durch das Zeugniß
der Erfahrung unmittelbar bekannt wird. Auf diesem Wege ist es zwar
möglich die Naturgesetze zu erklären, den Ursprung und die Ursachen der Gesetze
aber können wir so nicht finden. Denn wer sich lediglich an die Erscheinungen
hält, der ist von der verborgenern Erkenntniß der ersten Ursachen immer gleich
weit entfernt, und wird die Wissenschaft der Natur der Körper selbst eben so
wenig erreichen, als der, welcher sich einbildete, er werde, wenn er den Gipfel
eines Berges hinan immer höher und höher steige, endlich den Himmel mit der Hand
erlangen können.
Demnach ist die Metaphysik, welche die meisten in
der Naturlehre recht füglich entbehren zu können wähnen, hier gerade die einzige
Hülfe und zündet allein das Licht an. Denn die Körper bestehen aus Theilen; und
es beruht nicht wenig darauf, daß deutlich erklärt werde, wie diese
zusammenhangen, ob sie durch die bloße Mitgegenwart, oder durch einen
wechselseitigen Kampf der Kräfte den Raum erfüllen. Auf welche Weise aber wird
es angehen können, bey dieser Unternehmung die Metaphysik
Da es nun offenbar kein leichtes Unternehmen ist, diesen Streit zu schlichten, so habe ich diesfalls wenigstens einen Versuch machen wollen, und lade zugleich andere ein, deren Kräfte dieser Arbeit mehr gewachsen sind, zu vollenden, was ich zu leisten hier den Anfang zu machen mich bemühe.
Schlüßlich setze ich nur hinzu; da das Princip aller innern Thätigkeiten, oder die innere Kraft der Elemente nothwendig eine bewegende, und zwar, weil sie ihre Wirksamkeit auf Außendinge äußert, nach außen zu gerichtete Kraft seyn muß; da wir ferner zur Bewegung mitvorhandener Körper keine andere Kraft denken können, als eine solche, welche dieselben entweder zurückzustoßen oder anzuziehen strebt; da endlich, wenn man bloß ein zurückstoßendes Vermögen setzt, keine Vereinigung der Elemente, wodurch Körper entstehen könnten, sondern vielmehr eine Zerstreuung, wenn man aber bloß ein anziehendes Vermögen derselben annimmt, zwar eine Vereinigung, aber keine bestimmte Ausdehnung derselben, und kein Raum als möglich gedacht werden kann, so kann man gewissermaßen schon im voraus einsehen, daß der, welcher im Stande wäre, diese beyden Principien aus der Natur der Elemente selbst und aus ihren ursprünglichen Eigenschaften abzuleiten, keinen unbeträchtlichen Beytrag zur Erklärung der innern Natur der Körper geleistet haben würde.
Erster Satz. Definition. Eine
einfache Substanz, Monas
Weil mein Vorhaben ist, bloß von der Classe einfacher Substanzen zu handeln, welche ursprüngliche Theile der Körper sind, so erinnere ich im voraus, daß ich mich künftig der Ausdrücke: einfache Substanzen, Monaden, Elemente, Elementartheile der Materie, ursprüngliche Theile des Körpers, als gleichbedeutender Worte bedienen werde.
genannt, ist eine solche, welche nicht aus einer Mehrheit solcher Theile besteht, von denen eine ohne die andere abgesondert existiren kann.
Zweyter Satz. Lehrsatz. Die Körper
bestehen aus Monaden.
Die Körper bestehen aus Theilen, welche, abgesondert von einander, ein zur Fortdauer fähiges Daseyn haben. Weil aber die Zusammensetzung solcher Theile bloß ein Verhältniß, folglich eine an sich zufällige Bestimmung derselben ist, welche ihrem Daseyn unbeschadet aufgehoben werden kann, so erhellet, daß die ganze Zusammensetzung eines Körpers vernichtet werden kann und nichts destoweniger die Theile bleiben, welche vorher zusammengesetzt waren. Ist aber alle Zusammensetzung aufgehoben, so haben die übrigbleibenden Theile gar keine Zusammensetzung, sind daher ohne alle Mehrheit der Substanzen, folglich einfach. Folglich besteht jeder Körper aus ursprünglichen schlechthin einfachen Theilen, das heißt, aus Monaden.
Anmerkung. Absichtlich
habe ich bey dem gegenwärtigen Beweis jenes berühmte Princip des Grundes
weggelassen, und meinen Lehrsatz durch die gemeine Verknüpfung der Begriffe,
welche den Beyfall aller Philosophen hat, bewiesen, aus Besorgniß, es möchten
die, welche diesen Grundsatz nicht annehmen, auf solche Weise weniger überzeugt
werden.
Dritter Satz. Lehrsatz. Der Raum,
welchen die Körper erfüllen, ist ins Unendliche theilbar, besteht folglich
nicht aus ursprünglichen und einfachen Theilen.
Es sey eine Linie e f in
unbestimmte Weite, das heißt, so verlängert, daß sie nach Belieben immer noch
weiter verlängert werden könne, eine andere physische, a b, das heißt, eine
solche, welche, wenn man so will, aus ursprünglichen Theilen der Materie bestehe, sey
darauf rechtwinklig gestellt. Zur Seite sey eine andere, c d, der erstern gleich
aufgerichtet und eben so gestellt, welches, wie man nicht läugnen wird, nicht
allein im geometrischen, sondern auch im physischen Sinne möglich ist. Man
bemerke auf der Linie e f alle Puncte g, h, i, k und so ins Unbestimmte
fort. Erstlich wird niemand in Zweifel ziehen, daß zwischen jeden zwey Puncten,
oder, wenn man so will, zwischen zwey gegebenen Monaden eine gerade physische
Linie gezogen werden könne. Sie sey also gezogen, c g, so wird die Stelle, wo
sie die Perpendicularlinie schneidet, o seyn. Nun denke man sich eine andere
physische Linie zwischen den Puncten c und h gezogen, so wird die Stelle u
beyden Linien c h und a b gemein, dem Punct a aber näher seyn. Und auf dieselbe
Weise werden, wenn man aus demselben Punct c nach allen Puncten auf der Linie
e f ins Unendliche fort Linien i k u. s. w. zieht, die Durchschnittspuncte x,
y, u. s. w. dem Punct a immer näher kommen, wie einem jeden, der auch nichts von
Geometrie weiß, an sich klar ist. Und wenn du meinst, daß diese physischen
Linien endlich gar zu dicht an einander kommen und sich berühren werden, so daß
sie neben einander nicht bestehen können, so kann man die tiefer gezogenen
wegnehmen, und es erhellet nichts destoweniger, daß die Stellen des
Durchschneidens dem Puncte a immer näher und näher kommen müssen Und nie können die Puncte x und y zusammenfallen, weil
sonst die Linien c y und c x ebenfalls, folglich auch die Linien c k und
c i zusammen fallen und sich decken würden, welches wider die
Voraussetzung ist.
Anmerkung. Diesen
von vielen Physikern bereits gebrauchten Beweis habe ich hier angeführet und mit
der größtmöglichsten Deutlichkeit auf den physischen Raum angewendet; damit
nicht die, welche auf den gemeinen Unterschied zwischen geometrischem und
natürlichem Raum viel Gewicht legen, durch irgend eine Ausflucht sich entziehen
können. Es giebt zwar noch andere Beweise desselben Satzes: man stelle sich zum
Beyspiel, damit ich nur einen davon anführe, einen aus Monaden, wenn man so
will, bestehenden gleichseitigen Triangel vor, so können, wenn man dessen zwey
Seiten in unbestimmte Weite verlängert, und in diesen die Entfernungen um das
doppelte, dreyfache, fünffache, hundertfache u. s. w. größer als die Seiten des
gegebenen Dreyecks annimmt, die Endpuncte dieser durch physische Linien
verbunden werden, welche in demselben Verhältniß wie jene größer als die dritte
Seite des Dreyecks seyn, und aus eben so viel ganz einfachen Theilchen mehr bestehen
werden. Weil aber zwischen jeder dieser Monaden und der, welche an die Spitze
des obern Winkels gestellt ist, physische Linien gezogen angenommen werden
können, so theilen diese die Grundlinie des gegebenen Dreyecks unendliche Male,
bestätigen also die unendliche Theilbarkeit des Raums ausnehmend. Allein wer den
oben gegebenen Beweis durch keine vorgefaßte Meinung gehindert begriffen hat,
der kann nach meinem Dafürhalten alle andere entbehren.
Vierter Satz. Lehrsatz. Ein ins
Unendliche theilbares Zusammengesetztes besteht nicht aus ursprünglichen
oder einfachen Theilen.
Da man bey einem ins Unendliche theilbaren Zusammengesetzten durch fortgesetztes Theilen nie auf Theile kommt, die nicht weiter getheilt werden könnten, eine Zusammensetzung aber, die durch Theilung nicht aufgehoben werden mag, gar nicht aufgehoben werden kann, wenn man nicht jedes Daseyn des Zusammengesetzten ganz vernichtet; weil nun die von einem Zusammengesetzten nach Aufhebung aller Zusammensetzung übrigbleibenden Theile einfache genannt werden (erster Satz): so erhellet, daß ein ins Unendliche theilbares Zusammengesetztes aus solchen Theilen nicht bestehe.
Anmerkung. Ich habe,
nach geführtem Beweis, daß jeder Körper aus ursprünglichen einfachen Theilen
bestehe, und nachdem ich auch die unendliche Theilbarkeit des Raums dargethan,
dem Zweck meines Vorhabens gemäß gefunden, zu verhüten, daß niemand die Monaden
für
Zusatz. Demnach besteht jeder Körper aus einer
bestimmten Zahl einfacher Elemente.
Fünfter Satz. Lehrsatz. Jedes
einfache Element eines Körpers, oder jede Monas ist nicht allein im Raum,
sondern erfüllt auch einen Raum, ihrer Einfachheit völlig unbeschadet.
Da jeder Körper aus einer bestimmten Anzahl einfacher Elemente zusammengesetzt ist, der Raum aber, welchen er einnimmt, eine unendliche Theilung zuläßt, so wird jedes dieser Elemente einen noch weiter theilbaren Raum einnehmen, das heißt, einen der Bezeichnung fähigen Raum erfüllen.
Da aber die Theilung des Raums nicht eine Absonderung von Theilen ist, von welchen jeder, von dem andern abgesondert, ein eigenes für sich bestehendes Daseyn hätte, sondern bloß eine gewisse Mehrheit oder Quantität im äußern Verhältniß bezeichnet, so erhellet, daß daraus keine Mehrheit der substantiellen Theile folge; und da diese der wesentlichen Einfachheit einer Monas allein zuwider ist, so erhellet vollkommen, daß die Theilbarkeit des Raums der Einfachheit der Monas nicht zuwider ist.
Anmerkung.
Bey Untersuchung der Elemente hat keine Behauptung der Vereinigung der Geometrie
mit der Metaphysik mehr entgegen gestanden, als jene vorgefaßte, aber nicht
gehörig geprüfte Meinung, als wenn die Theilbarkeit des Raums, welchen ein
Element einnehme, auch die mögliche Theilung dieses Elements in seine
wesentlichen Bestandtheile bewiese. Und nach der gewöhnlichen Annahme ist dieses
so sehr außer allem Zweifel, daß die, welche die Theilung des realen Raums ins
Unendliche vertheidigen, von Monaden schlechterdings nichts hören wollen, die
hingegen, welche Monaden zugeben, dieser Annahme getreu die Eigenschaften des
geometrischen Raums ihrerseits für leere Einbildungen erklären. Da aber aus dem oben
Bewiesenen offenbar erhellet, daß weder der Geometer Unrecht hat, noch die dem
Metaphysiker ausgemachte Lehrmeinung ohne Wahrheit ist, so
Sechster Satz. Lehrsatz. Eine Monas
bestimmt den kleinen Raum ihrer Gegenwart nicht durch eine Mehrheit ihrer
substantiellen Theile, sondern durch die Sphäre ihrer Wirksamkeit, mit
welcher sie die äußern ihr beiderseits gegenwärtigen Monaden von einer
weitern Annäherung zu ihr abhält.
Da in einer Monas keine Mehrheit von Substanzen ist, gleichwohl jede abgesondert gesetzt, einen Raum einnimmt (aus dem vorigen); so darf man den Grund der Raumerfüllung nicht in dem bloßen Setzen der Substanz, sondern in ihrer Beziehung im Verhältniß zu den äußern suchen. Weil sie aber durch Ausfüllung eines Raums die ihr auf beiden Seiten unmittelbar gegenwärtigen Monaden von der weitern Annäherung zu sich abhält, und folglich in dem Setzen derselben etwas bestimmt, indem sie nämlich das Maß der Nähe begränzt, in welcher dieselben an sie kommen können; so ist offenbar, daß sie eine Thätigkeit äußere, und zwar in einem nach allen Richtungen bestimmten Raum, folglich muß man zugeben, daß sie den Raum durch die Sphäre ihrer Wirksamkeit erfülle.
Siebenter Satz. Aufgabe. Den Raum,
welchen jede Monas durch die Sphäre ihrer Wirksamkeit, ihrer Einfachheit
unbeschadet, einnimmt, noch weiter von Schwierigkeiten zu befreyen.
Wenn eine Monas, wie wir behaupten, einen
begränzten Raum erfüllt, so wird dieser durch jeden andern angränzenden Raum
bezeichnet werden können. Es stelle also der kleine Kreis A B C D den kleinen
Raum vor, welchen eine Monas durch ihre Wirksamkeit einnimmt, so wird B D der
Durchmesser der Sphäre dieser Wirksamkeit seyn, das heißt, die Entfernung, bis
auf welche sie andere ihr in B und D gegenwärtige von der weitern Annäherung zu
ihr abhält. Aber man sage deswegen ja nicht, daß dieß der Durchmesser der Monade
sey, welches allerdings abgeschmackt Unter allen Schwierigkeiten, welche unserer Lehrmeinung
entgegen stehen können, scheint die wichtigste die zu seyn, welche von
dem Außereinanderseyn der Bestimmungen einer und derselben Substanz
hergenommen ist. Denn die Thätigkeit der Monas in dem
Raum B C D ist außer der Thätigkeit derselben in dem
Raum B D A; sie scheinen also reell von einander
verschieden und außer der Substanz befindlich zu seyn. Allein
Verhältnisse sind jederzeit sowohl außer einander selbst als auch außer
der Substanz, weil diejenigen Wesen, auf welche die Substanz sich
bezieht, von der Substanz und von einander reell verschieden sind, und
dieses keine substantielle Mehrheit andeutet.
Achter Satz. Lehrsatz. Die Kraft,
mit welcher ein einfaches Element eines Körpers seinen Raum einnimmt, ist
einerley mit der, welche man sonst Undurchdringlichkeit nennt, und wenn man jene nicht zugeben will,
so kann diese nicht Statt finden.
Undurchdringlichkeit ist die Eigenschaft eines Körpers, vermöge welcher er von dem Raum, den er einnimmt, die ihn berührenden Dinge abhält. Da aber aus dem Vorhergehenden bekannt ist, daß der Raum, den ein Körper einnimmt, (wenn man die Theile desselben ohne ein Leeres dazwischen so dicht als möglich an einander liegend sich vorstellt,) aus kleinern Räumen zusammengesetzt ist, von welchen jeder durch ein einfaches Element erfüllt wird; da ferner zur Abhaltung der in den erfüllten Raum äußerlich eindringenden Körper, das heißt, zur Undurchdringlichkeit ein Widerstreben, sogar eine gewisse Kraft erforderlich ist, in dem Vorhergehenden aber bewiesen ist, daß die Elemente ihren bestimmten Raum durch eine gewisse Thätigkeit andere Elemente, welche in denselben eindringen wollen, abzuhalten, erfüllen, so erhellet, daß die Undurchdringlichkeit der Körper von keiner andern als derselben natürlichen Kraft der Elemente abhange. Welches das erste war.
Es sey ferner die Linie a g aus ursprünglichen Elementen der
Materie oder Monaden zusammengesetzt. Wenn jedes dieser Elemente d durch die
Gegenwart seiner Substanz bloß den Ort bezeichnete und keinen Raum einnähme, so
würde der Ort d die gegebene Linie a g zerschneiden, und dann wird er, weil er
auf diese Weise andeutet, wo die eine Hälfte der Linie aufhört und die andere
anfängt, beyden Hälften gemein seyn. Allein physische Linien sind nicht gleich,
wenn sie nicht aus einer gleichen Anzahl von Elementen bestehen, und die Anzahl
der Elemente auf beyden Seiten ist nicht gleich als in der Linie a c und e g,
folglich wird der Ort der Monas d den Linien a c, e g gemein seyn, das heißt,
die genannten Linien werden sich an dem angegebenen Ort unmittelbar begegnen,
und folglich hält das Element d die nächsten e und c von der unmittelbaren
Berührung nicht ab, das heißt, es wird nicht undurchdringlich seyn. Sagst du
also, der Ort, den die Monas d einnimmt, sey den Linien a c, e g nicht gemein,
so wird der Punct x es seyn, wo die Linien a c und d g sich unmittelbar
begegnen, und der Punct o, wo die Linien a d und e g einander berühren; weil
also der Ort der Monas d verschieden ist von dem Ort x und eben so von dem Ort
o, indem sonst, wie vorhin gesagt worden, immer eine unmittelbare Berührung
Statt fände; so hast du drey verschiedene Orte x d o, welche ohne Zweifel irgend
eine Linie bestimmen. Es wird also die bestimmte Linie durch die unmittelbare
Gegenwart der Monas d bestimmt, das heißt, sie ist in dem bestimmten Raum
zugegen, und weil sie durch das bloße Setzen ihrer Substanz nicht einen Raum,
sondern nur einen Ort einnehmen könnte, so muß nothwendig noch etwas anderes in
der Substanz da seyn, welches in den dieselbe auf beyden Seiten
Neunter
Satz. Definition. Berührung ist das gegenseitige Einwirken
der Undurchdringlichkeitskräfte mehrerer
Elemente.
Anmerkung. Berührung wird gewöhnlich durch die unmittelbare Gegenwart definirt. Allein,
wenn man auch, zumal äußere dazu setzte, (weil ohne diesen Zusatz Gott,
welcher allen Dingen unmittelbar, aber innerlich zugegen ist, dieselben berühren
müßte); so wird die Definition dennoch bey weitem nicht fehlerfrey seyn. Denn
weil von andern hinlänglich bewiesen worden ist, daß Körper, die durch leeren
Raum von einander entfernt sind, nichts destoweniger coexistiren, folglich auch
einander unmittelbar gegenwärtig seyn können, obschon ohne gegenseitige
Berührung, so ist die Definition ungezweifelt in so weit fehlerhaft.
Ferner wird von
der Newtonischen Schule nicht ohne
großen
Anschein von Wahrheit die unmittelbare Anziehung weit von
einander entlegener Körper behauptet, deren Mitgegenwart also ebenfalls ohne
gegenseitige Berührung erfolgen würde. Ueberdieß mußt du, wenn du die Definition
vertheidigst, welche die unmittelbare Mitgegenwart für den Begriff der Berührung
selbst ausgiebt, zuerst den Begriff dieser Gegenwart erklären. Erklärst du ihn wie gewöhnlich
durch eine wechselseitige Thätigkeit; worin besteht wohl diese Thätigkeit? Ohne
Zweifel sind Körper durch Selbstbewegung thätig. Die Bewegkraft aber, welche
sich von einem gegebenen Punct aus äußert, stößt entweder andere Dinge von
demselben zurück, oder zieht sie an. Welche von beyden Thätigkeiten bey der
Berührung zu verstehen sey, ist an sich klar. Denn wenn ein Körper einem andern
Körper immer näher und näher gebracht wird, so sagen wir dann, daß beyde sich
einander berühren, sobald die Kraft der Undurchdringlichkeit, das heißt, die
zurückstoßende
Zehnter
Satz. Lehrsatz. Durch die Undurchdringlichkeitskraft
allein würden die Körper kein begränztes Volumen haben, wenn nicht eine andere
gleichfalls
innewohnende
Anziehungskraft mit jener gemeinschaftlich die Gränze der Ausdehnung
bestimmte.
Die Undurchdringlichkeitskraft ist eine zurückstoßende, welche alles Aeußere von weiterer Annäherung abhält. Da diese Kraft einem jeden Element angeboren ist, so kann zwar aus der Natur derselben erkannt werden, warum mit zunehmender Entfernung, zu welcher sie sich ausdehnt, der Grad ihrer Thätigkeit abnehme, daß diese aber in einer gegebenen Entfernung ganz aufhöre und null sey, dieß kann man hieraus an sich nicht einsehen. Folglich würde, wenn es auf diese allein ankäme, gar kein Zusammenhang der Körper Statt finden, indem die ursprünglichen Theilchen derselben sich bloß zurückstießen, und ein Körper könnte kein festes in eine bestimmte Gränze eingeschlossenes Volumen haben. Folglich ist es nothwendig, daß dieser Tendenz eine andere von entgegengesetzter, und in einer gegebenen Entfernung von gleicher Richtung entgegengesetzt werde, welche dem einzunehmenden Raum die Gränze bestimme. Diese ist, da sie dem Zurückstoßen entgegen wirkt, die anziehende Kraft. Folglich ist jedem Element außer der Undurchdringlichkeitskraft eine anziehende Kraft nothwendig, und ohne diese anzunehmen, würde man keine bestimmten Volumina der natürlichen Körper als möglich erkennen können.
Anmerkung. Welche die Gesetze beyder Kräfte, der zurückstoßenden und anziehenden, in den
Elementen
sind, dieß zu erforschen ist allerdings eine äußerst wichtige Untersuchung, und
würdig die scharfsichtigern Köpfe zu beschäftigen. Mir ist es hier genug, das
Daseyn derselben, so weit es wegen der nöthigen Kürze möglich war, mit völliger
Gewißheit bewiesen zu haben. Um jedoch einiges zu dieser Untersuchung gehörige,
wem es gefällt, hier gleichsam von weitem
anzudeuten,
wird nicht, da die zurückstoßende Kraft von dem innersten Punct des von dem
Element
eingenommenen Raums aus gegen außen zu wirkt, anzunehmen seyn, daß der Grad
derselben in demselben Verhältniß abnehme, in welchem der Raum, in den sie sich
ausdehnt, zunimmt? Denn die von einem Punct ausgehende Kraft kann nicht in der bestimmten Sphäre
wirksam befunden werden, wenn sie nicht den ganzen unter dem gegebenen
Durchmesser befindlichen Raum mit ihrer Thätigkeit erfüllt. Dieß erhellet auf
diese Weise. Denn wenn du dir eine von einer gegebenen
Fläche
nach geraden Linien ausgehende Kraft vorstellst, wie zum Beyspiel das Licht,
oder auch nach Keils Meinung die anziehende Kraft selbst, so wird die auf diese
Weise in Thätigkeit gebrachte Kraft im Verhältniß der Menge der Linien, welche
von dieser Fläche aus gezogen werden können, das heißt, im Verhältniß
Im Gegentheil wird, da die Anziehung zwar eine Thätigkeit desselben Elements, aber jener Kraft entgegen gerichtet ist, die sphärische Fläche, auf welche die Anziehung in einer gegebenen Entfernung sich thätig äußert, der örtliche Anfang ihrer Thätigkeit seyn; und diese wird, da die Menge der Puncte, von welchen aus gegen den Mittelpunct ihrer Tendenz hin Linien gezogen werden können, und folglich auch das Quantum der Anziehung bestimmt ist, auf diese Weise zu bezeichnen und auszudrücken möglich und abnehmend seyn im umgekehrten Verhältniß der sphärischen Flächen, das heißt, in dem umgekehrten doppelten der Entfernungen.
Wenn man nun annimmt, daß die zurückstoßende Kraft im dreyfachen, folglich in einem weit größern Verhältniß abnehme, so müssen in einem gewissen Puncte des Durchmessers Anziehung und Zurückstoßung nothwendig gleich seyn. Und dieser Punct wird die Gränze der Undurchdringlichkeit und den Umfang der äußern Berührung, das heißt, das Volumen bestimmen; denn wenn die Anziehung überwunden ist, so wirkt die zurückstoßende Kraft nicht weiter.
Zusatz.
Wenn man
dieses
Gesetz der
innewohnenden
Kräfte der
Elemente
als wahr anerkennt, so wird man auch finden, daß das Volumen aller
Elemente,
obschon von verschiedener Art und Natur, gleich sey. Denn da es offenbar ist,
daß sowohl die zurückstoßenden als die anziehenden Kräfte, weil jede einen
bestimmten Grad
Intensität
hat, in verschiedenen
Elementen
äußerst verschieden seyn können, in einigen von
mehr,
in andern von weniger Spannung; so müssen dennoch, weil die doppelte Kraft der
Zurückstoßung in derselben doppelten Entfernung ist, und die Kraft der Anziehung
eben so, und weil vermöge einer natürlichen Folge alle Bewegkräfte eines
Elements,
wenn etwas stärker ist als das specifisch doppelte, in demselben Verhältniß
stärker sind, die genannten Kräfte in derselben Entfernung jederzeit gleich
seyn, und folglich ein gleiches Volu
des
Elements bestimmen, mögen sie von den gleichnamigen Kräften
anderer
Elemente
im Grade noch so verschieden seyn.
Eilfter
Satz. Lehrsatz. Die Trägheitskraft ist in jedem Element
von bestimmter Quantität, ob sie schon in verschiedenen Elementen sehr
verschieden seyn kann.
Ein bewegter, auf einen andern zugehender Körper würde gar keine Wirksamkeit haben, und durch jedes unendlich kleine Hinderniß in Ruhe gebracht werden, wenn er keine Trägheitskraft hätte, vermöge welcher er in dem Zustand der Bewegung zu beharren strebt. Es ist aber die Trägheitskraft eines Körpers die Summe der Trägheitskräfte aller Elemente, aus welchen er besteht, (und diese nennt man die Masse); folglich würde jedes Element, ob es schon mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegt worden, wenn diese nicht durch die Trägheitskraft multiplicirt würde, gar keine Wirksamkeit der Bewegung haben. Was aber, in ein anderes multiplicirt, ein Quantum giebt, welches größer ist als einer von den Factoren, das ist selbst eine Quantität, und es wird ein anderes bald größeres bald kleineres als dieses angenommen werden können. Folglich wird es in Elementen von anderer Art, entweder eine größere oder kleinere Trägheitskraft geben können, als die eines jeden Elements ist.
Erster
Zusatz. Außer
einem
jeden gegebenen
Element
kann es andere geben, deren Trägheitskraft, oder, was in anderer Beziehung
dasselbe ist, Bewegkraft um das Doppelte oder Dreyfache größer ist, das heißt,
welche sowohl einer gegebenen Geschwindigkeit mit einer doppelt oder dreyfach
größern Kraft widerstehen, als
auch,
mit derselben Geschwindigkeit selbst bewegt, eine doppelt oder dreyfach größere
Heftigkeit
haben.
Zweyter
Zusatz. Da, wie aus dem Zusatz des vorigen Lehrsatzes bekannt
ist, alle
Elemente,
obschon verschiedener Art, dennoch gleiches Volumen haben, und folglich in einem genau
erfüllten Raum jederzeit eine gleiche Anzahl
von
Elementen
enthalten ist, so wird hieraus richtig geschlossen: daß die Körper, wenn man
auch annimmt, daß ihnen gar kein Leeres beygemischt, und der ganze Raum
vollkommen erfüllt sey, dennoch unter einerley Volumen die verschiedensten Massen
enthalten können, indem ihre
Elemente
eine größere oder geringere Trägheitskraft haben. Denn die Masse der Körper ist
bloß die Summe ihrer Trägheitskraft, vermöge welcher sie entweder der Bewegung
widerstehen,
oder,
selbst mit einer gegebenen Geschwindigkeit bewegt, eine gewisse Heftigkeit der
Bewegung haben.
Daher gilt von
einer
kleinern Quantität einer in einem gegebenen Volumen
eingeschlossenen Materie nicht immer eine ganz sichere Folge auf eine geringere
Dichtigkeit, und auf größere darin befindliche leere Zwischenräume.
Denn von zwey
Körpern kann jeder entweder gleiche leere Zwischenräume haben, oder gleich dicht
seyn, und nichts destoweniger
Zwölfter
Satz. Lehrsatz. Die specifische Verschiedenheit der
Dichtigkeit der in der Welt wahrzunehmenden Körper, kann ohne eine
specifische Verschiedenheit der Trägheit ihrer Elemente gar nicht
erklärt werden.
Wenn alle Elemente einerley Trägheitskraft und einerley Volumen hätten, so ist, um die Verschiedenheit der Lockerkeit der Körper zu verstehen, ein absolut Leeres nöthig, welches den Theilen derselben untermischt sey. Denn den Beweisen Newtons, Keils und anderer zufolge, ist in einem auf solche Weise vollkommen erfüllten Medium eine freye Bewegung nicht möglich. Folglich muß man sich, um die unendlich verschiedene specifische Dichtigkeit der Medien, z. B. des Aethers, der Luft, des Wassers, des Goldes, zu erklären, einer unmäßigen Hypothesensucht überlassen, wornach das Gewebe der Elemente selbst, welches doch der Erkenntniß der Menschen ganz unzugänglich ist, ohne Grund nach bloßem Belieben erdichtet wird, indem man solches bald als äußerst dünne Bläschen, bald als Zweige oder gewundene Federn frey und kühn vorstellt, damit nur die auf so wunderbar verschiedene Weisen ausgedehnte Materie, von welcher ein kleines Quantum einen großen Raum einschließt, gedacht werden könne. Allein man höre die dagegen streitenden Gründe.
Jene kleinen noch so unendlich dünnen Zweige oder jene Bläschen, welche unter einem Häutchen von unendlicher Feinheit eine nach Quantität der Materie große Leere umfassen, müssen nothwendig durch das beständige Zusammenstoßen und Reiben der Körper endlich zerrieben werden, und auf diese Weise die von ihrer Zerstückelung abfallenden Splitter den zwischen ihnen befindlichen leeren Raum ganz erfüllen. Alsdann wird der allenthalben vollkommen erfüllte Weltraum durch eine übermachtige Trägheit erstarren, und alle Bewegungen werden in Kurzem in Ruhe gebracht werden.
Da ferner einer solchen Behauptung zufolge die specifisch lockerern Medien aus Theilen, die sehr von einander abstehen und ein großes Volumen haben, bestehen müssen, auf welche Weise ist es wohl möglich, daß ihnen die Zwischenräume dichterer Körper, welche nach derselben Meinung enger sind, durchdringlich sind, da bekannt ist, daß das Feuer, das magnetische, das electrische Fluidum festere Körper sehr leicht durchdringen? Denn wie Theilchen von größerem Umfang in engere Zwischenräume eingehen sollen, das weiß ich eben so wenig als der Unwissendste.
Wenn man also eine
specifische Verschiedenheit der einfachsten
Elemente
selbst, vermöge welcher bey vollkommener Erfüllung desselben Raums bald eine
kleinere bald eine weit größere Masse gebildet werden
Dreyzehnter
Satz. Lehrsatz. Die
Elemente
eines Körpers haben, auch allein gesetzt, eine vollkommene elastische Kraft, die in
verschiedenen verschieden ist, und machen an sich und ohne alle Beymischung
einer Leere ein ursprünglich elastisches
Medium
aus.
Jedes einfache Element nimmt den Raum seiner Gegenwart durch eine gewisse bestimmte Kraft ein, welche äußere Substanzen von demselben abhält. Da aber jede endliche Kraft einen Grad hat, welcher von einer andern größern übertroffen werden kann, so erhellet, daß dieser zurückstoßenden Kraft eine andere stärkere entgegengesetzt werden kann; und da, um die letztere in derselben Entfernung abzuhalten, die angeborene Kraft des Elements nicht hinreicht, so erhellet, daß jene stärkere Kraft in den von demselben eingenommenen Raum einigermaßen eindringen werde. Da aber alle Kräfte, welche von einem bestimmten Punct aus nach einem Raum hin wirken, mit zunehmender Entfernung von ihm schwächer werden, so folgt, daß diese zurückstoßende Kraft, je näher sie dem Mittelpunct ihrer Wirksamkeit kommt, desto stärker zurück wirke. Und weil die zurückstoßende Kraft, welche in einer gegebenen Entfernung von dem Mittelpunct der Zurückstoßung endlich, in einer bestimmten Proportion der Annäherungen zunimmt, bey dem Mittelpunct selbst nothwendig unendlich ist, so erhellet, daß das Element durch keine gedenkbare Kraft völlig durchdrungen werden kann. Es wird also vollkommen elastisch seyn, und mehrere dieser Art werden durch die vereinigte Federkraft aller ein ursprünglich elastisches Medium ausmachen. Daß diese Federkraft in verschiedenen verschieden sey, erhellet aus dem Zusatz des zehnten Lehrsatzes Zeile 5 ff.
Zusatz.
Die Elemente
sind vollkommen undurchdringlich, das heißt, sie können durch keine auch noch so
große Kraft von dem Raum, den sie einnehmen, völlig ausgeschlossen werden, aber
sie lassen sich zusammendrücken und machen
ebensolche
Körper aus, indem sie der äußern auf sie drückenden Kraft
etwas nachgeben. Daher die Entstehung ursprünglich elastischer
Medien,
unter welchen ich den Aether oder den Feuerstoff im voraus nennen will.
Ende.