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Von der Wichtigkeit des Endzwecks erfüllt, welchem der Unterschied der Geschlechter zunächst gewidmet ist, pflegt man die Bestimmung derselben auf ihn allein zu beschränken. Man nimmt ihn unmittelbar mit in den Begriff derselben auf, denkt sich unter dieser Anstalt der Natur weiter nichts, als ein zur Erzeugung nothwendiges Mittel, und würde, wenn diese auf einem andern Wege zu erhalten wäre, einen Unterschied leicht entbehren zu können glauben, der die Entwicklung der Gattung in den Indivuen nicht selten zu hindern scheint. Nur allenfalls im Menschen wird auch die gemeinste Beobachtung mehr auf die heilsame Einwirkung des einen Geschlechts auf das andere aufmerksam gemacht. Allein auch in der übrigen Natur ist diese Erscheinung nicht weniger sichtbar, und es bedarf nur einer mässigen Anstrengung des Nachdenkens, um den Begriff des Geschlechts weit über die beschränkte Sphäre hinaus, in die man ihn einschliesst, in ein unermessliches Feld zu versetzen. Die Natur wäre ohne ihn nicht Natur, ihr Räderwerk stände still, und sowohl der Zug, welcher alle Wesen verbindet, als der Kampf, welcher jedes einzelne nöthigt, sich mit seiner, ihm eigenthümlichen Energie zu wafnen, hörte auf, wenn an die Stelle dieses Unterschiedes eine langweilige und erschlaffende Gleichheit träte.
Das Streben der Natur ist auf etwas Unbeschränktes gerichtet. Alles Grosse und
Trefliche, was in endlichen Kräften wohnt, will
Denn auf der Wechselwirkung allein beruht das Geheimniss der Natur. Ungleichartiger Stoff verknüpft sich, das Verknüpfte wird wiederum Theil eines grösseren Ganzen, und bis ins Unendliche hin umfasst immer jede neue Einheit eine reichere Fülle, dient jede neue Mannigfaltigkeit einer schöneren Einheit. Stoff und Form, so vielfach in einander verschränkt, vertauschen ihr Wesen, und nirgends ist etwas bloss bildend oder gebildet. So erhält die Natur zugleich Einheit und Fülle, zwei scheinbar entgegengesetzte, aber nah verwandte Eigenschaften, deren eine dem Geist wohlthätige Ruhe gewährt, wenn ihn die andre zu thätigem Nachdenken angespannt hat.
Von dem zauberähnlichen Wirken dieser zahllosen Kräfte erstaunt, verzweifelt der
menschliche Geist, je in diess heilige Dunkel zu dringen. Dennoch fühlt er sich durch
seine Natur aufgefordert,
Was, so wie dieser Charakter, das letzte Resultat aller vereinigten Kräfte ist, kann wieder nur mit vereinigten Kräften verstanden werden. In harmonischem Bunde muss das Gefühl mit dem Gedanken gemeinschaftlich thätig seyn. Hat der Verstand die Natur und die Wirkungsart des Wesens nach Begriffen untersucht, so muss die Phantasie das äussere Bild seines Erscheinens, die Form jenes Inhalts, auffassen, und nur die Einheit, zu welcher der Geist diess doppelte Resultat zu verknüpfen strebt, kann dem Gesuchten einigermaassen entsprechen. Keine Erscheinung einer Kraft darf daher der Forscher zurückweisen, und durch das ganze Gebiet ihrer Wirksamkeit muss er sie verfolgen. Bei Untersuchung der Körperwelt muss er mit der moralischen ebenso wohl, als bei dieser mit jener vertraut seyn, und sein Bemühen gehe auf die grössere Naturökonomie oder den kleineren Kreis des Menschen, so darf er nie das Ganze aus dem Gesichte verlieren. Denn die äussere sinnliche Gestalt der Gegenstände giebt ihm einen Spiegel in die Hand, in welchem sein Auge ihre innere Beschaffenheit erblickt.
Vorzüglich aber bedarf der Mensch zu Ergründung und
Veredlung auch seiner moralischen Natur einer anhaltenden und ernsten Betrachtung der
physischen um ihn her, und ihre Vorsorge hat ihm sogar diess Studium erleichtert.
Schon in dem bloss körperlichen Theil seines Wesens findet er mit unverkennbarer
Schrift dasjenige ausgedrückt, was er in seinem moralischen zum Daseyn zu bringen
streben soll. Freilich verweilt das Auge des Betrachters nur selten hinlänglich auf
den Zügen dieser Schrift. Vorsichtige Besorgniss durch leere Bilder der Phantasie
getäuscht zu werden, zieht oft die Aufmerksamkeit davon ab, und noch weit öfterer
hindert sie Mangel an Feinheit des Sinns, überhaupt nur rege zu werden. Dennoch ist
es unläugbar, dass die physische Natur nur Ein grosses Ganze mit der moralischen
ausmacht, und die Erscheinungen in beiden nur einerlei Gesetzen gehorchen. Nach der
Erforschung der Körperwelt und dem Studium des innern Lebens der Geister bleibt daher
noch endlich ein Blick auf das gegenseitige Verhältniss dieser beiden völlig
ungleichartigen Reiche übrig, um diejenigen Gesetze aufzufinden, welche, in beiden
herrschend, die höchste Verknüpfung des Naturganzen vollenden. Dieser Gesetze werden
freilich immer nur sehr wenige und äusserst einfache seyn können, da sie die reiche
Mannigfaltigkeit aller besondren unter sich befassen müssen. Allein eben dadurch wird
es dem Menschen leichter werden, ihnen auch an seinem Theil zu gehorchen, und gerade
die verborgensten Geheimnisse seines Wesens in ihnen besser enthüllt zu sehn. Denn
vorzüglich in dem Felde der menschlichen Empfindung und Begierde giebt es Tiefen,
welche der Forscher nie zu ergründen vermag, wenn er den Blick unmittelbar und allein
auf sie heftet. Wo die Verwandtschaft mit der schlechterdings physischen Natur des
Menschen zu nah ist, hört die Möglichkeit auf, alles durch seine bloss moralische zu
erklären. Er muss daher zugleich auf jene zurückgehn, und dasjenige, was in einer
feinen und verwickelten Organisation undeutlich erscheint, muss er da aufsuchen, wo
es in grossen und einfachen Zügen ausgedrückt ist. Wohin aber wendete er sich da
besser, als an dieselbe Natur in ihrer weniger verwickelten, aber grössern Oekonomie?
Aus ihr muss der Mensch sich besser verstehn lernen, und bei ihr den Stamm aufsuchen,
von dem nur die feinste Blüthe in ihm sprosst. Hat er diesen entdeckt, so ist es nun
weniger schwer, den wunderbaren Bau bis in seine äussersten Zweige zu verfolgen. Hier
ist der Standpunkt, auf welchem der
Aus endlichen Kräften bestehend, weiss die Natur sich durch ihre Form Unendlichkeit zu verschaffen. Dem Gesetze derselben gehorsam, hinterlässt das hinschwindende Wesen, ehe es von dem Schauplatz seiner Thätigkeit scheidet, ein neues an seiner Stelle, und indem so das Einzelne wechselt, bleibt das Ganze in ununterbrochener Einheit. Diese Sorgfalt für die Fortdauer der Gattungen, bei der Vergänglichkeit der Individuen, ist die erste Erscheinung, welche sich dem allgemeinsten Blick auf das gesammte Gebiet der Natur darstellt. Aber nicht auf blosse Fortdauer allein beschränkt, ist ihre Absicht hiebei zugleich auf etwas höheres gerichtet. Weil bei endlichen Wesen das Vortrefliche nicht auf einmal entsteht, so erhebt sie sie von Stufe zu Stufe des bessren. Dadurch hat sie es möglich gemacht, nach dem ersten Wurf der Keime, ihre Hand von ihrem Werk abziehen zu können, und nun mit ruhigem Blick auf den Reihen der Wesen zu verweilen, die sich jetzt, unendlichen Ketten gleich, von selbst, und doch immer Einem Ziele zueilend entwickeln. Unter allen Verbindungen, die wir in ihr gewahr werden, sind gerade die höchsten, mannigfaltigsten und innigsten diesem doppelten Endzweck gewidmet; und gelänge es dem menschlichen Geist diese durch Erforschung des Charakters der dabei wirksamen Kräfte genauer zu durchspähen, so wäre es ihm dann möglich, diess tiefe Geheimniss mit grösserem Recht zu bewundern.
Bei allem Erzeugen entsteht etwas vorher nicht vorhandenes. Gleich der Schöpfung,
ruft die Zeugung neues Daseyn hervor, und unterscheidet sich nur dadurch von
derselben, dass dem neu Entstehenden ein schon vorhandener Stoff vorhergehen muss.
Dieser Nothwendigkeit ungeachtet, hat indess das Erzeugte dennoch eine von dem
Erzeugenden unabhängige Kraft des Lebens, und weit entfernt, dass diese aus demselben
erklärbar wäre, bleibt es
Diesem gegenseitigen Zeugen und Empfangen ist nicht bloss die Fortdauer der Gattungen
in der Körperwelt anvertraut. Auch die reinste und geistige Empfindung geht auf
demselben Wege hervor, und selbst der Gedanke, dieser feinste und letzte Sprössling
der Sinnlichkeit, verleugnet diesen Ursprung nicht. Die geistige Zeugungskraft ist
das Genie. Wo es sich zeigt, sey es in der Phantasie des Künstlers, oder in der
Entdeckung des Forschers, oder in der Energie des handlenden Menschen, erweisst es
sich schöpferisch. Was seiner Zeugung das Daseyn dankt, war vorher
Durch Begeisterung gewirkt, ist dem Genie seine eigene Wirksamkeit unbegreiflich. Es
geht nicht auf gebrochenen Bahnen fort, hier erscheint es und dort, aber vergebens
suchten wir die Spuren seines wandlenden Fusstritts. Daher ist es nie zu berechnen,
und vermag selbst nicht zu verbürgen, ob sein Product gesetzlos oder regelmässig seyn
werde? Es kann diess Letztere nur mittelbar befördern,
Leichter als der Augenblick, in welchem das neue Daseyn erweckt wird, ist der Zustand
zu beobachten, welcher demselben vorhergeht. In dieser Stimmung der schöpferischen
Weihe ist, von welcher Art auch die Zeugung seyn möge, das Gefühl einer
überfliessenden Fülle mit dem eines bedürftigen Mangels verbunden. Die Kraft sammelt
sich in sich selbst, nie fühlt sie sich reicher und grösser, nie lebhafter bewegt,
nie rüstiger zur herrlichsten Thätigkeit. Selbst die Erinnerung an diese Stärke
vermag noch, sie in der Folge begeisternd zu erwecken. Aber in dieser Bewegung liegt
der Keim einer unruhvollen Sehnsucht, die zur Hervorbringung reizt. Sich, ihres
Reichthums ungeachtet, so wie sie ist, nicht genügend, ahnet sie etwas andres, mit
dem vereint sie erst ein vollendetes Ganze bildet. Wird ihr Suchen hier mit
glücklichem Finden gekrönt, so strebt sie nach einer Vereinigung, welche jedes
einzelne Daseyn vertilgt. Es entsteht ein Wogen, ein Hin- und Herwanken, und jene
Sehnsucht erreicht eine schmerzliche Höhe. Die ganze Erwartung ist nun auf die
Hervorbringung gespannt, und das eigne Ich entäussert sich bis zu dem Grade, dass es
sich selbst gern für die neue Schöpfung hingeben möchte. Aus diesem höchsten Daseyn
springt das Daseyn hervor. Auf diesem einzigen Moment beruht die Erzeugung auch des
geistigsten Products. Hat die Phantasie des Künstlers einmal das Bild lebendig
geboren, so ist das Meisterwerk vollendet, wenn auch seine Hand in
Eine befremdende Erscheinung ist es, dass Kräfte, die sich so nothwendig sind, und so heftig suchen, getrennt existiren sollen, und dass das zur Verbindung Bestimmte nicht Eins seyn kann. Denn überall sehen wir zur Zeugung zwei ungleichartige Kräfte erforderlich, dieselben mögen nun, wie in einem Theil der Natur, in Einem Wesen verknüpft, oder in zwei verschiedne vertheilt seyn. Da das Erzeugte mit dem Erzeugenden immer gleichartig und ihm ähnlich ist, so scheint es wunderbar, warum nicht unmittelbar aus dem Leben das Leben, aus einer Kraft die andere hervorgehen könne? und da der Begriff der reinen Kraft die andere hervorgehen könne? und da der Begriff der reinen Kraft hier nichts Widersprechendes enthält, so müssen wir diess in den Schranken derselben aufsuchen.
Die lebendige Kraft, welche jedes organische Wesen beseelt, fordert einen Körper. Dieser Körper und jene Kraft stehen in unaufhörlicher Gemeinschaft, indem sie gegenseitig auf einander ein und zurück wirken. So ist in jedem organischen Wesen Wirkung und Rückwirkung verbunden. Wie unbegreiflich nun auch das Geschäft der Zeugung ist, so wird doch soviel wenigstens klar, dass das Erzeugte aus einer Stimmung des Erzeugenden hervorgeht, und, wie vorzüglich die Produkte des Genies auffallend zeigen, derselben ähnlich ist. Die Erzeugung organischer Wesen erfordert daher eine doppelte, eine auf Wirkung und eine andre auf Rückwirkung gerichtete Stimmung, und diese ist in derselben Kraft und zu gleicher Zeit unmöglich.
Hier nun beginnt der Unterschied der Geschlechter. Die zeugende Kraft ist mehr zur
Einwirkung, die empfangende mehr zur Rückwirkung gestimmt. Was von der erstern belebt
wird, nennen wir
Diesen zwiefachen Charakter drückt auch der verschiedene Zustand aus, welcher in
beiden der Hervorbringung unmittelbar vorhergeht. In beiden ist das Gefühl eines
überströmenden Vermögens mit dem eines schmerzlichen Entbehrens gepaart. Aber wo die
Männlichkeit herrscht, ist das Vermögen: Kraft des Lebens, bis zur Dürftigkeit von
Stoff entblösst; und die entbehrende Sehnsucht auf ein Wesen gerichtet, das der
Energie zugleich Stoff zur Thätigkeit gebe, und, indem es durch Rückwirkung ihre
Empfänglichkeit beschäftigt; ihre glühende Heftigkeit lindre. In dem Kreise der
Weiblichkeit hingegen ist das Vermögen: eine üppig überströmende Fülle, zu reich, als
dass die eigne Kraft allein ihrer Belebung genügte; indess die entbehrende Sehnsucht
ein Wesen sucht, das zugleich den innern Stoff erwecke, und der eignen Kraft, indem
es sie durch Einwirkung zu selbstthätiger Rückwirkung nöthigt, eine grössere Stärke
ertheile. In dem ersteren Fall ist daher eine Stärke, die, auf Einen Punkt
versammelt, von diesem
Auch in der geistigen Zeugung nehmen wir nicht bloss dieselbe Wechselwirkung, sondern
auch denselben Unterschied zwei verschiedner Geschlechter wahr. Ganz anders ist es in
Gemüthern beschaffen, die zu zeugen; anders in solchen, die zu empfangen
Dieselbe Eigenthümlichkeit der zeugenden und empfangenden Kräfte, welche wir in den Momenten ihrer höchsten Thätigkeit wahrnehmen, offenbart sich auch durch ihr ganzes Daseyn hindurch. Ueberall spricht aus den ersteren hervorbringende Kraft durch freies Geben aus eigner Fülle; überall ist in den letzteren Stärke des Auffassens durch festes Umschliessen des Aufgenommenen sichtbar. Aber über das stille Daseyn der Wesen unaufmerksam hinwegrollend, eilt unser Blick immer nur ihren Wirkungen zu, und doch ist es eben diess unbemerkte Leben, dem die Kräfte der Natur ihrer Fortdauer danken. Denn was ist jenes Daseyn andres, als eine ununterbrochene Wirksamkeit, welche unaufhörlich die Thätigkeit vorbereitet, die wir nur in dem letzten Theil ihrer Laufbahn erblicken, wenn das fortgesetzte Streben die Kraft endlich bis zum Ueberströmen anschwellt? Nur die körperliche Wirkung rührt unsren gröberen Sinn, indess der feine, aber mächtige Einfluss, den alles, was lebt, unmittelbar dadurch verbreitet, dass es ist, uns gleich einem unsichtbaren Hauch entschlüpft. Eben so ist nun auch den zeugenden und empfangenden Kräften nicht die Sorge der Fortpflanzung allein anvertraut, nicht bloss die Erzeugung, die vor unsren Augen geschieht. Auch die Erhaltung, die vor unsren Augen geschieht. Auch die Erhaltung, und da die Erhaltung des Endlichen nur unaufhörlicher Tod ist, an den immer wiederkehrendes Leben sich anknüpft, auch die uns verborgene Wiedererzeugung ist ihr Werk. Vermöchte daher auch die Natur jenen Zweck der Fortpflanzung auf einem andren Wege zu erreichen, so könnte sie doch nie die Wechselwirkung entbehren, in der die Kräfte der Geschlechter einander gegenseitig ergänzen.
Die Natur, welche mit endlichen Mitteln unendliche Zwecke verfolgt, gründet ihr
Gebäude auf den Widerstreit der Kräfte. Alles Beschränkte zielt auf Zerstörung, und
der himmlische Friede wohnt allein in dem Wirkungskreis dessen, was sich selbst
genügt. Der zerstörenden Thätigkeit des einen muss daher das andre entgegenstreben,
und indem beide gegenseitig einander ihren Endzweck vereiteln, erfüllen sie den
schrankenlosen Plan der Natur.
Die männliche Kraft, zu beleben bestimmt, sammelt sich von selbst, und durch eigne
Bewegung. Allen Stoff, den sie besitzt, drängt sie zu ungetheilter Einheit zusammen.
Je reicher und mannigfaltiger derselbe ist, desto ermattender ist die Anstrengung,
aber auch desto grösser die Wirkung. Der Stoff darf nicht schon durch seine eigne
Natur zur Verbindung gestimmt seyn. Von ihr, als einem herrschenden Princip, muss er
die Leitung erhalten. So ins ich versammelt, wirkt sie aus sich heraus. Von heftigem
Die weibliche Kraft, zur Rückwirkung bestimmt, sammelt sich auf einen fremden
Gegenstand und durch fremden Reitz. Da der Stoff, den sie in reicher Fülle besitzt,
sich durch seine eigenthümliche Natur vereint; so wirkt er mehr durch ein leidendes,
als ein selbstthätiges Vermögen. Mit dem Grade seiner Mannigfaltigkeit wächst
gleichfalls die Schönheit der Wirkung, nicht aber zugleich auch die Anstrengung.
Vielmehr wird diese durch vielfachere Berührungspunkte erleichtert, und ihr Grad nur
durch die Innigkeit des Umschliessens bestimmt, die von der gegenseitigen Harmonie
abhängt. Der Stoff der weiblichen Kraft bedarf weniger der Herrschaft eines
vereinenden Princips, sondern verbindet sich mehr durch seine eigene Gleichartigkeit.
In dieser Einheit erwiedert sie die Einwirkung mit immer steigendem Feuer, bis
endlich ihre ganze Thätigkeit angespannt ist. Aber da ihre eigenthümliche Natur sie
fähiger macht, Widerstand zu leiden, und sie von der glühenden Heftigkeit frei ist,
welche die männliche verzehrt, so vergütet sie die Langsamkeit ihrer Wirkung durch
längeres Ausdauern. So dankt sie der Beschaffenheit ihres Stoffs selbst einen Theil
ihrer Wirksamkeit, die durch ihn vorbereitet und unterstützt
Nicht also ihrem Grade, sondern allein ihrer Gattung nach, sind die zeugenden und
empfangenden Kräfte von einander verschieden. Blosses Aufnehmen ist kein Empfangen,
sondern steht eben so unter diesem, als das Geben unter dem Zeugen. Beide, Zeugen und
Empfangen, sind höhere und kraftvollere Energien, beide ein Hervorbringen durch Geben
und Aufnehmen. Eigne fruchtbare Fülle muss bei jenem das Entäusserte begleiten, bei
diesem das Aufgenommene umfassen. Der wahre Charakterunterschied beider Kräfte
besteht darin, dass den empfangenden mehr Stoff, mehr Körper, den zeugenden mehr
Seele eigen ist, wenn nemlich Seele jedes selbstthätige Princip bezeichnet. Gerade
aber durch diese Verschiedenheit thun sie der Forderung der Natur ein Genüge. Sollte
der Zerstörung drohenden Heftigkeit der männlichen Kraft eine andre entgegengestellt
werden, so durfte es keine gleichartige seyn. Gegenseitige Ermattung hätte dann den
Kampf beschlossen, in dem, wie überall in der Natur, der Unterliegende selbst neues
Leben aus den Händen des Überwinders erhalten sollte. Der überströmenden Fülle musste
daher ein Bedürfniss gegenüberstehn; aber da die Natur in ihrem Gebiet eben so wenig
Armuth als Selbstgenügsamkeit verstattet, so ist das Bedürfniss wieder mit Reichthum
verknüpft. Indem nun alles Männliche
Zu jeder Zeugung wird also zweierlei erfordert, lebendige Energie der Kraft, die auf
Einen Punkt sich zusammenzieht, und
Ueberall, wo der männliche und weibliche Charakter sichtbar ist, wird man in ihm
diese Seiten gewahr; in dem ersteren ein Streben, mit trennender Heftigkeit
erzeugend, in dem letzteren ein Bemühen, durch Verbindung erhaltend zu seyn. Alle
Eigenschaften, in welche gekleidet beide Geschlechter durch die ganze Natur, aber
vorzüglich im Menschen, erscheinen, bringen denselben verschiedenen Eindruck hervor.
Die reizende Anmuth und die liebliche Fülle der Weiblichkeit bewegt die Sinne; die
nicht sowohl anschauliche, als bildliche Vorstellungsart und der sinnliche
Denn nur die Verbindung der Eigenthümlichkeiten beider Geschlechter bringt das
Vollendete hervor, und wenn das Studium des männlichen den Verstand anhaltender
beschäftigt, und die Betrachtung des weiblichen die die Empfindung lebhafter bewegt,
so befriedigt nur die Verknüpfung beider, oder vielmehr das reine Wesen, abgesondert
von allem Geschlechtsunterschied, die Vernunft, als das Vermögen der Ideen. Die
höchste Einheit erfordert allemal zwei entgegengesetzte Richtungen. Da die Einheit
überhaupt nur dann Werth hat, wenn sie aus der Fülle, nie aber, wenn sie aus der
Armuth entspringt; so darf die Stärke und Ausbildung der einzelnen Theile nicht
minder gross seyn, als die Innigkeit des Zusammenhangs aller. Allein um das Einzelne
zu üben, wird
Denn die ursprünglich anfangende Thätigkeit ist den zeugenden Kräften, so wie die erwiedernde den empfangenden eigen, und die Zeugung, als das gemeinschaftliche Werk beider, ist auf diese Weise zwischen ihnen vertheilt. Alle Hervorbringung setzt ein Stoff voraus; denn nur an das schon vorhandene knüpft die Natur das Neue an. Dieser Stoff bildet sich aus, und zwar durch einen Trieb, welcher mit eigenthümlicher Kraft, und nach einer Regel (die, wie vorhin bemerkt worden, die Erzeugung des Gleichartigen scheint) thätig ist. In diesem Triebe aber, als zu einer ihm vorher fremden Energie, muss er erweckt werden, und diese Erweckung ist der Anfang des Lebens, als der Verbindung des Bildungstriebes (im allgemeinsten Verstande) mit der rohen Materie. Das erste Geschäft dieses Bildungstriebes ist die Ausbildung selbst, und, ist diese vollendet, die Ersetzung dessen, was der organische Körper zufällig verliert. Allein auch ausserdem ist er ununterbrochen fort thätig, um die einmal vollendete Bildung zu erhalten. Denn da die Gesetze der Materie hier vorzüglich die chemischen Verwandtschaften den Gesetzen des Lebens, d. i. der Organisation, immerfort entgegenarbeiten, und das Leben wie die Resultate neuerer Untersuchungen zeigen, nichts andres ist, als der Sieg der letzteren über die ersteren; so ist ein unaufhörlicher Kampf nöthig, diese Oberherrschaft zu behaupten. Das Princip, das hier thätig ist, pflegt man die Lebenskraft zu nennen, und von ihr macht der Bildungstrieb (im engern Verstande) nur eine besondre Modification aus. Die Hervorbringung erfordert daher zwei unentbehrliche Elemente, rohen Stoff, und Belebung desselben zur Ausbildung.
Sollen diese beide unter die zeugenden und empfangenden Kräfte vertheilt werden, so
scheint es natürlich den Stoff den letzteren, die Belebung den ersteren
zuzuschreiben. Wenigstens zeigte sich, nach dem bisherigen Raisonnement, bei den
zeugenden Kräften die Energie, bei den empfangenden das ursprünglich Vorhandne,
worauf die Energie wirkt, in höherem Grade. So schien in Absicht der hervorbringenden
Kraft den erstern mehr selbstthätiges Feuer, den letztern mehr entgegenwirkende
Stärke; in Absicht der Einheit der Wirkung den ersteren ein stärkeres ver-
Jeder reinen Theilung widerspricht indess schon die Analogie der Naturgesetze. Denn
soweit unsre Beobachtung reicht, sehen wir, dass die Natur, immer bemüht, den
höchsten Reichthum durch die einfachsten Mittel hervorzuschaffen, Wesen von
ungleichartiger Wirksamkeit nicht sowohl durch den Grad, als die Richtung ihrer
Kräfte von einander unterscheidet. Eben so ist nun auch in den empfangenden nicht
weniger Kraft, als in den zeugenden Stoff in dem Augenblick der Hervorbringung
wirksam; und die Verschiedenheit liegt allein in der Art, wie beide gegenseitig
gestimmt sind. In dem männlichen Geschlechte ist alles allein auf die Einwirkung
gerichtet. Da der Stoff bloss bestimmt ist, sie dadurch zu verstärken, dass er ihr
gleichsam einen Körper leiht, so sucht sie ihn sich, fast bis zur Vertilgung seiner
eigenthümlichen Natur, zu assimiliren. In dem weiblichen geht dagegen die ganze
Stimmung auf die Rückwirkung. Indem die Kraft diese in dem Stoff zu erhöhen strebt,
behandelt sie ihn mit grösserer Schonung. Eigentlich geschieht daher die Belebung
durch beide Geschlechter zugleich, nur dass die männliche Kraft doch allein die
Erweckung bewirkt, indess die weibliche nur ihre Möglichkeit vorbereitet, und ihre
Fortdauer sichert. Nie vermöchte auch die belebende Kraft auf den Stoff zu wirken,
wenn nicht zugleich eigne Thätigkeit desjenigen Wesens hinzukäme, welchem derselbe
angehört. Selbst die stärkste Einwirkung kann nur durch Rückwirkung in das eigne
Wesen aufgenommen werden, und aus dem ganzen Umfange ihres Gebiets hat die organische
Natur bloss unthätiges Leiden verbannt. Dadurch, dass sie jedem Geschlecht beide zur
Erzeugung nothwendige Kräfte verliehen, hat sie es möglich gemacht, dass Mangel der
Kraft auf der einen Seite durch ein Uebergewicht auf der andern gleichsam übertragen
werden kann. Wo es der männlichen Kraft an Stärke gebricht, da kann die Lebendigkeit
der weiblichen noch die Möglichkeit der Fruchtbarkeit retten, wie diess die Erfahrung
in der That nicht selten beweisst, und umgekehrt kann, wo die weibliche einen zur
Empfänglichkeit wenig vorbereiteten Stoff darbietet, die männliche
Den geweihten Schleier zu durchdringen, in den die Natur gerade ihr heiligstes Bilden
verhüllt, ist von einer Schwierigkeit begleitet, welche sich schon durch dir
mannigfaltigen und gänzlich verschiedenen Theorien über diesen Gegenstand verräth.
Die wahrscheinlichste unter denselben stimmt jedoch genau mit dem eben Gesagten
überein. Ueberall, wo die Natur Zeugung und Empfängniss zwei verschiedenen Wesen
anvertraut hat, ist der Stoff in dem empfangenden, das belebende Princip in dem
zeugenden. Damit aber beide miteinander in Verbindung gesetzt werden können, muss
noch eine Thätigkeit auch des ersteren hinzukommen, durch welche ein Theil des Stoffs
sich losreisst, und Keim zur ferneren Ausbildung wird. Gerade in ihrer geheimsten
Werkstätte wirkt daher die Natur am meisten schöpferisch und am wenigsten mechanisch.
Gerade hier lässt sich am wenigsten die Wirkung aus den Ursachen berechnen; vielmehr
zündet nur ein Funke den andern an. Diess haben am meisten diejenigen gefühlt, welche
diess Phänomen durch jene Wirkungsart zu erklären unternahmen, da doch dem
menschlichen Verstand hier nichts übrig blieb, als die hervorbringenden Ursachen
aufzusuchen, den Erfolg zu beobachten, und nicht zu erklären, sondern schweigend zu
bewundern, ein Gipfel der bescheidenen Achtung gegen die grosse Werkmeisterin, zu
welchem nur die neuere philosophische Naturkunde führen konnte. Wunderbar ist es zu
Achtung für alles wirkliche Daseyn, und Streben demselben eine bestimmte Gestalt nach
eigner Willkühr zu geben, bezeichnen überall den weiblichen und männlichen Charakter,
und so erfüllen sie beide dadurch gemeinschaftlich den grossen Endzweck der Natur,
die unaufhörliche
Durch diess Verweilen führt die Fähigkeit zu empfangen zu dauernder Beharrlichkeit.
Mehr in sich zurückzukehren, als in weite Fernen zu schweifen durch ihre Natur selbst
veranlasst, sind alle empfangende Wesen an einen stäteren, minder wechselnden Gang
gefesselt. Um der Kraft, die ihnen entgegen kommt, ausdauernde Stärke entgegen zu
setzen, das Getrennte zu ver-
Aber die Beharrlichkeit hat nur dann einen Werth, wenn sie das Gesetz der Thätigkeit ist, nicht wenn sie zur Unthätigkeit herabsinkt. Besitzt nun das weibliche Geschlecht ein Princip der Beharrlichkeit, so ist ihm nicht auch zugleich ein andres der Thätigkeit eigen, sondern es muss diess von der wechselseitigen Einwirkung des männlichen erwarten. Die Kraft, die mit so grosser Heftigkeit wirkt, dass sie selbst die Zerstörung nicht scheut, und fremden Stoff nach eigner Willkühr zu formen unternimmt, ist unermüdet, aber auch leicht dem Wechsel unterworfen. Da sie nicht Raum genug in sich fühlt, das schwellende Streben zu fassen, so ist ihr Ruhe unerträglich; und da sie nicht sowohl der Beschaffenheit des Stoffs nachgiebt, als von eignem Feuer beseelt wird, so lässt sich die Stätigkeit ihrer Wirksamkeit nicht verbürgen. In demjenigen Theil der Natur, in welchem überhaupt wenig oder gar keine Willkühr herrscht, wird diess wenig sichtbar seyn; vielleicht aber ist es auch nur, wie so vieles in diesem Gebiet, wenig beobachtet, und wenigstens bestätigt in dem übrigen die Erfahrung diese, hier bloss aus Begriffen gefolgerte Behauptung. Soll der Mensch zu dem Ideale gelangen, das die Vernunft ihm vorschreibt; so muss der Mann seine natürliche Thätigkeit an ein festes Gesetz binden, das Weib die Gesetzmässigkeit, welche es seinem Wesen eingeprägt fühlt, durch innre Antriebe mit Thätigkeit beleben. Unterliegt aber das Bemühen der Vernunft hier dem Hang der Natur, so hebt der doppelte Fehler beider Geschlechter sich selbst wieder auf. Mit verschiedenen Eigenschaften versehen und doch unzertrennlich von einander, beschränken sie sich selbst bis auf die Gränze, welche dem Endzweck des Ganzen entspricht.
Die Natur, in ihrem ganzen Umfang betrachtet, ist unveränderlich. Die Thätigkeit ihrer Kräfte rostet nie, und ihre Gesetze verschaffen sich immer gleichen Gehorsam. So unterbricht nichts je weder den Grad, noch die Form ihrer Wirksamkeit. Diese Thätigkeit aber unveränderlich zu erhalten findet sie in der gegenseitigen Eigenthümlichkeit beider Geschlechter eine mächtige Stütze. Indess sie aus dem einen Rastlosigkeit schöpft, verbürgt ihr das andre die Stätigkeit.
So sind nun zwischen beiden Geschlechtern die Anlagen vertheilt, welche es ihnen möglich machen, diess unermessliche Ganze zu bilden. Nur dadurch gelang es der Natur, widersprechende Eigenschaften zu verbinden, und das Endliche dem Unendlichen zu nähern. Denn überall droht angestrengte Thätigkeit dem ruhigen Daseyn, so wie erhaltende Ruhe der regen Energie den Untergang. Darum beseelte die Natur ihre Söhne mit Kraft, Feuer und Lebhaftigkeit, und hauchte ihren Töchtern Haltung, Wärme und Innigkeit ein. Indess nun die einen ihr Gebiet zu erweitern streben, bereichern es die andern mit sorgsamer Hand innerhalb seiner Gränzen. Denn der ganze Charakter des männlichen Geschlechts ist auf Energie gerichtet; dahin zielt seine Kraft, seine zerstörende Heftigkeit, sein Streben nach Aussenwirkung, seine Rastlosigkeit. Dagegen geht die Stimmung des weiblichen, seine ausdauernde Stärke, seine Neigung zur Verbindung, sein Hang die Einwirkung zu erwiedern und seine holde Stätigkeit, allein auf Erhaltung und Daseyn. Mit gemeinschaftlicher Sorgfalt verrichten sie daher die beiden grossen Operationen der Natur, die, ewig wiederkehrend, doch so oft in veränderter Gestalt erscheine, Erzeugung und Ausbildung des Erzeugten. Verglicht man indess ihre eigenthümliche Beschaffenheit noch näher mit einander; so hat die Natur die empfangenden Kräfte noch unter genauern Obhut genommen. Sie theilen mit ihr ihre entschiedensten Vorzüge, und, gleich den Töchtern im Hause, schliessen sie sich näher an die sorgsame Mutter an.
Daseyn, von Energie beseelt, ist Leben, und das höchste Leben das letzte Ziel, in dem
sich das Streben aller verschiedenen Kräfte der Natur vereint. Die Verschiedenheit
beider Geschlechter befördert die Erreichung dieses Ziels, oder vielmehr ihre
eigenthümliche Beschaffenheit führt sie zu demselben hin, ohne dass
Erster Druck:
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