Cantabrica Humboldt Wilhelm von TEI enconding Silvia Berigüete Pastor Wilhelm von Humboldt: Schriften August 2026 Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) https://www.wvh-schriften.de Humboldt Wilhelm von Wilhelm von Humboldts Werke. Dritter Band Leitzmann Albert https://archive.org/details/gesammelteschrif03humbuoft/mode/2up Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften Berlin 1904

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August 1800 Paris Deutsch Essay Reisen
Cantabrica
1. St. Jean de Luz.

Unsre Ungeduld die Spanische Gränze zu begrüssen, wurde noch einen Tag länger hingehalten, als wir geglaubt hatten. Der Weg war unglaublich schlecht; das Pflaster der Chaussée war, wie von Grund aus, aufgewühlt und die Steine lagen haufenweis mitten in der Strasse aufgethürmt.

Doch waren dies nicht die einzigen Spuren, welche uns an den letzten Krieg zwischen Frankreich und Spanien, und an die Vernachlässigung der innern Administration seit der Zeit der Revolution erinnerten. Die sprechendsten Beweise davon fanden wir in Saint Jean de Luz. Ein Arm des Meers strömt daselbst in das Land ein, und theilt diesen kleinen Ort in zwei Theile. Ueber diesen Arm ist eine lange hölzerne Brücke gebaut, und da das Meer hier überaus stürmisch ist, so sind die Ufer mit prächtigen steinernen Quais eingefasst. Seit Jahren aber hat man diese Schutzwehren gegen die Gewalt der andringenden Wogen gänzlich vernachlässigt; die Quais sind beschädigt und zum Theil eingestürzt; die Flut hat schon einige der dem Ufer zunächst stehenden Fischerhütten weggerissen, und droht andern denselben Untergang; und die Brücke ist so verfallen, dass nur noch Fuss- gängern darüber zu gehen erlaubt wird. Geschieht den Eingriffen des Meers nicht bald Einhalt, so läuft der ganze Theil des Orts um den Hafen herum sichtbare Gefahr.

Wir kamen gerade zur Zeit der einströmenden Flut in dem Orte an, und da unser Wagen durch das Wasser fahren musste, so waren wir genöthigt die Ebbe abzuwarten, und gegen unsern Vorsatz hier zu übernachten. Wir machten einen Spaziergang an den Hafen, setzten uns auf dem verfallenen quai neben einigen Fischern, deren starke, aus den Lumpen, die sie umhüllten, nackt hervorblickende Glieder und deren armseliger Fang uns lebhaft an den TheokritischenἉλιεῖς ist die 22. Idylle Theokrits überschrieben.Eigentlich bezeichnet Ἁλιεῖς die 21. Idylle. erinnerte, nieder, und ergötzten uns unendlich an dem Schauspiel des vom Sturm bewegten Meers.

Der Meerbusen von St. Jean de Luz ist vorzüglich malerisch. Klein, aber durch zwei Vorgebirge, rechts durch das Fort St. Barbe, links durch das, welches den Namen des Orts trägt, gut begränzt, bietet er dem Auge gerade die Fläche dar, die es leicht übersieht. Die Wogen rollten majestätisch von der Höhe des Meers auf uns zu; vom Widerstand der zurückprallenden Wellen aufgehalten, brach sich ihre finsterthürmende Spitze in weissen Schaum, der vom Mittelpunkt aus wie ein plötzlich entzündetesplötzlich entzündetes verbessert aus verheerendes. Feuer zu beiden Seiten in unabsehlichen Reihen hinlief; dann sich mit verdoppelter Gewalt überwälzend, stürzten sie lautbrausend in die Mündung des Hafens. Dieselbe Flut aber, die hier vor uns eingeengt im Drange des Ein- und Zurückströmens wild auftobte, ergoss sich hinter uns mit pfeilschneller Geschwindigkeit in lieblichen Schlangenlinien über das glattgespülte Ufer, und — so rasch war die Bewegung — wenn die zweite Welle der ersten zurückkehrenden begegnete, sah man, wie in einem durchsichtigen Krystall, zwei zusammenhängende Spiegelflächen über einander in entgegengesetzten Richtungen hingleiten. In der Ferne vernahm man nur ein dumpfes Toben, ein verwirrtes Gewühl der Wogen; an hervorragenden Klippen sprützte Schaum aus der dunkeln Flut empor, und auf der äussersten Höhe des Meers schwankten von Zeit zu Zeit die schimmernden Segel eines Schiffes vorüber.

In den Pyrenäen hatten mich oft jene ungeheuren, von keinem mildernden Grün umkleideten Felsmassen in die frühesten Alter der ersten Weltbildung zurückversetzt. Sie sind das Bild einer ewig unthätigen Ruhe, einer Last, die, immer auf den Mittelpunkt ihrer Schwere drückend, nur zusammenzustürzen droht, um sich noch fester an einander zu ballen. Was dagegen bei dem Anblick des Meers die Einbildungskraft bis zum Entsetzen anspannt, ist die fürchterliche, sich mit unglaublicher Geschwindigkeit nach allen Seiten zugleich fortpflanzende, von dem unbedeutendsten Stoss die ungeheuerste Tiefe aufwühlende, den ganzen Erdkreis bedrohende Beweglichkeit. Jene ewige Ruhe, dies ewige Rollen, beide nach blinden Gesetzen, beide in todten ungeschiedenen und ungeheuren Massen, die wüsten Elemente des Chaos, sind die Gestalten, in welchen die lebloseleblose verbessert aus physische. Natur uns ihre Erhabenheit zeigt, in denen eine dunkle und unverstandene Kraft waltet, und neben welchen jede geistige verstummt und verschwindet.

Wie die Pflanze, die, sich aus der Ritze des Felsens hervorwindend, seine schroffen Ecken umklammert, erhält sich mitten unter ihrer Verwüstung die lebendige Organisation, und wie der im Stein verborgene Funke springt der Trieb der Bildung aus ihr selbst hervor.

In jedem gefühlvollen Zeichner der Natur hat eins dieser zwiefachen Elemente, die todte oder die beseelende Kraft, ein sichtbares Uebergewicht. Homer und die Griechen schildern die Natur lieber in der Mannigfaltigkeit ihrer Gestalten und der Fülle ihrer Bewegung; die nordische Phantasie Ossians verweilt vorzugsweise bei ihren rohen, wüsten und finsteren Massen. Aber noch fehlt uns der Dichter, welcher, tiefer eindringend, den formlosen Stoff wahrhaft mit dem Bildungstrieb gattete, und matte Beschreibungen aus seinem Kreise verbannend den Kampf und die Vereinigung der Schöpfungskräfte selbst einführte.

Er würde vielleicht die Kosmogenie einige Schritte weiter führen, aber wenigstens gewiss den unbebautesten Theil der Dichtkunst, die didaktische, mit einem unbekannten Muster bereichern. Denn nicht Welten durch Welten zu entzünden, und Fabeln an Fabeln zu reihen ist es, was die dichterische Einbildungskraft hier sucht. Sie will im Menschen die Kräfte erregen, durch die er eine solche Schöpfung ausser sich begreifen, eine ähnliche in sich nachbilden kann.

Denn auch in ihm streitet ein formloser Stoff, ein un- bestimmtes Streben und ein unbestimmter Trieb mit dem ordnenden Gedanken und der gestaltenden Anschauung; auch in sich begreift er diese Elemente nur einzeln, und nur der Einbildungskraft ist es gegeben, sie wenigstens auf Augenblicke zu ihrer ursprünglichen Einheit zu verknüpfen.

2. Spanische Gränze.

Die westliche Seite der Pyrenäen senkt sich gegen das Meer zu allmälig herab,Ueber dies étagenmässig abnehmende Absteigen der Pyrenaeen s. mém. sur la guerre entre la F. et l'Esp. p. 11. nt. (1.) und verliert sich an dem Ufer desselbenNach desselben gestrichen: wenn nicht in eine vollkommene Ebne, doch in unbedeutende Hügel. Die östliche dagegen ist steil und setzt dem Mittelmeer schroffe Vorgebirge entgegen. Daher hat der Weg von Perpignan aus nach Spanien mit Mühe durch den Fels gehauen werden müssen, da der von Bayonne nur zwischen kleinen Anhöhen hinläuft.

Die Aussicht ist hier mehr anmuthig, als gross; doch fehlt es ihr nicht an Mannigfaltigkeit. Man ist immer von grösseren oder kleineren Bergen umgeben, behält beständig einige der hohen Pyrenäen im Gesicht, und erblickt bisweilen über den niedrigeren Hügeln zur Rechten das Meer.

Die Gränze zwischen Frankreich und Spanien macht, wie bekannt, die BidassoaMan hält diesen Fluss gewöhnlich für die Magrada der Alten. Oihenart. p. 87. Florez. XXIV. 15. Mannert. I. 355. [Oihenarts Werk ist S. 119 Anm. * [3)] genauer zitiert. Florez war der Herausgeber der nachher genannten España sagrada. Mannerts Geographie der Griechen und Römer begann Nürnberg 1795 zu erscheinen.] Dem Fortsetzer der Esp. sagr. Risco scheint XXXII. p. 90. die Stelle des Mela, wo er dieses Flusses erwähnt (den sonst keiner der andern alten Schriftsteller nennt), zu sehr verdorben, um etwas darauf bauen zu können. bei dem pas de Beodid. Von einer kleinen Anhöhe sieht man beide Länder liegen.

Die Linie, welche zwei Reiche von einander scheidet, ist immer ein interessanter Anblick, wie wenig auch zunächst um sie herum Boden und Bewohner verschieden seyn mögen. Es ist eine Scheidewand, durch welche die Willkühr oder der Zufall zwei Menschenhaufen zu verschiedenen Schicksalen verurtheilt hat.

Es schiene natürlich, dass sich Völkerstämme, wie andre Ge- wächse des Bodens, so weit verbreiteten, als es ihnen nicht ihre zerstörenden, aber ihre anbauenden Kräfte verstatteten. Ihre politischen Gränzen würden sich dann wahrscheinlich von selbst mit den Natur-Abtheilungen des Landes, das sie bewohnten, in Verbindung setzen. Bei einer weiteren Ausdehnung würden sie lieber in demselben Thale die Ufer desselben Flusses weiter verfolgen, als über das Gebirge in ein neues hinübergehen, wo sie ein andres Klima, einen anderen Boden, und was auf den Menschen, der immer, auch schon in seinem rohesten Zustande, Eindrücken auf die Empfindung und die Einbildungskraft folgt, gleich mächtig wirkt, eine andre Gestalt des Landes und der Vegetation anträfen. Auch kann man in den frühesten Zeiten des bewohnten Europas, wo nicht besondre Umstände ausserordentliche Völkerbewegungen veranlassten, die Gränzscheidungen der Flüsse mit ziemlicher Sicherheit zugleich als Gränzscheidungen der Völkerstämme ansehen.

Im Zustande der Bildung, wenn der Mensch auf dem Boden Kraft genug gewonnen hat, sich über denselben zu erheben, entsteht eine andre Art natürlicher Gränze zwischen verschiednen Nationen, die Verschiedenheit der Sprache und der Kultur.

Der Zufall, oder das Schicksal, welches die menschlichen Begebenheiten lenkt, hat die eine und die andre dieser natürlichen Scheidewände übersprungen; die verschiedensten Völkerstämme haben sich mit einander vermischt; vorhandene Sprachen sind untergegangen, und aus ihren Trümmern sind neue entstanden. Bei allen diesen Veränderungen hat sich die Uebermacht gezeigt, welche die moralischen Einwirkungen im Menschen über die physischen ausüben. Der Einfluss der Gleichheit des Klimas und sogar der Abstammung verschwindet, und derselbe Völkerstamm nimmt eine verschiedne Gestalt an, je nachdem der Zufall einen seiner Theile mit einer andern Nation verbunden hat.

Dies glaubte ich auch hier zu bemerken. Der unläugbaren Nationalähnlichkeit zwischen beiden ungeachtet, tragen doch die Französischen Basquen mehr Französische Leichtigkeit, die Spanischen Biscayer mehr Spanischen Ernst an sich. Die ersteren, die zu der Zeit des gänzlichen Verfalls des Abendländischen Kaiserthums — vermuthlich am Ende des 4ten Jahrhunderts theils von selbst, theils später von den Herzogen von Aquitanien als Miethstruppen herübergerufen, ihre alten Wohnsitze ver- liessen,Oihenarti notitia utriusque Vasconiae. p. 385. 394. und sich in Frankreich festsetzten, haben sich daher dem allgemeinen Charakter der mittäglichen Franzosen genähert, und vorzüglich die gebildeten Classen unter ihnen sind mit den Gascons nicht nur in demselben Namen, sondern auch in demselben Charakter zusammengeschmolzen; die letztern hingegen sind zwar auf allen Stufen der Ausbildung eigenthümlicher geblieben, indess dennoch im Ganzen den Spaniern, deren Sprache sie sogar zum Theil zu der ihrigen gemacht, ähnlicher geworden.

Freilich ist aber auch das Schicksal, welches beide erfahren haben, überaus verschieden. Das Spanische Biscayen, eine zusammenhängende Provinz von beträchtlicher Grösse, ist, auch in seiner Abhängigkeit von Spanien, noch gewissermassen ein selbstständiges Land geblieben, regiert sich durch Personen aus seiner Mitte und nach seinen eignen Gesetzen, und geniesst Freiheiten, über deren Beibehaltung es mit Eifersucht wacht. Durch die Industrie seiner Bewohner und seine dem Handel günstige Lage hat es sich zu einem Grade des Wohlstands erhoben, in welchem im ganzen übrigen Spanien nur Catalonien und Valencia mit ihm wetteisern können. Es ist daher nicht zu verwundern, dass die Biscayer in Spanien auch noch als Nation eine bedeutende Rolle spielen, dass der minder unternehmende und thätige Castilianer mit sichtbarer Eifersucht auf sie blickt, und dass selbst die Vornehmsten und Reichsten unter ihnen, die, in Spanischen Collegien erzogen, selbst ihre Sprache entweder nie erlernt, oder gänzlich vergessen haben, dennoch mit enthusiastischem Stolze an ihrem Vaterlande hängen.

Die Französischen Basquen hingegen bewohnen bloss drei kleine und unbedeutende Distrikte, haben schlechterdings kein politisches nationelles Band unter einander, und verlieren sich in der Masse der Nation, zu der sie gerechnet werden, ohne durch etwas andres, als durch ihre Sprache, ihre Sitten und ihre leidenschaftliche Liebe zu ihrer Heimath, ein selbstständiges Ansehen gewinnen zu können. Immer aber sind diese Züge noch charakteristisch genug, um sie als einen völlig eignen, von allen ihren übrigen französischen Nachbarn geschiedenen Völkerstamm zu bezeichnen; und das hat man von jeher so sehr gefühlt, dass weder die ehemalige monarchische, noch die nachherige republi- kanische Regierung, die doch alle Localverschiedenheiten zu einer allgemeinen Gleichheit herabsetzte, es je versucht haben, die Basquen in der Armée unter verschiedene Corps zu vertheilen. Vielmehr hat man sie immer zu eignen Regimentern unter Anführung ihrer eignen Officiere gebildet, und sie, soviel mir bekannt ist, auch nie ausserhalb Frankreichs gebraucht.

[Waren sie bei Maringo? Wie ist es mit den Bas Bretons? Freiheitssinn.]

Indess ist diess auch die einzige Gestalt, unter der sie in Frankreich noch gewissermassen nationell auftreten.

Etwa eine Stunde diesseits der Spanischen Gränze stiessen wir auf einen alten Mann, mit dem wir uns in ein Gespräch einliessen. Er zeigte uns, da wir ihn nach der Entfernung des Gränzorts fragten, einen Hügel, auf dem die erste Spanische Kapelle lag. Dorthin, sagte er, ging ich sonst wöchentlich, um meine Andacht zu verrichten. Jetzt, da ich alt und schwach geworden bin, kann ich mit Mühe Einmal des Jahrs dahin kommen; und vielleicht muss ich sterben, ehe ich sie wieder sehe. Es lag etwas ungemein Rührendes in der Sehnsucht, mit welcher dieser fromme Greis in ein fremdes Land hinüberschaute, um dort einen Trost zu suchen, der ihm, in seinem eignen, gerade da er dessen am meisten bedurft hätte, geraubt war.

Die sogenannte Fasaneninsel ist so klein, dass man Mühe hat zu begreifen, wie sie zu einer politischen ZusammenkunftBekanntlich wurde hier 1660. der sogenannte Pyrenaeen-Friede durch den Kardinal Mazarin und D. Luis Mendez de Haro y Guzman geschlossen. [Florez. II. 341. nennt den Fluss Vesduya.] dienen konnte. Auch konnte nur die Strenge des Cärimoniels diesen Ort dazu auswählen. Bei einer früheren Zusammenkunft ähnlicher Art war man nicht gleich gewissenhaft. Als Heinrich 4. von Kastilien hier mit Ludwig 11. zusammenkam, blieb Ludwig innerhalb seines Gebiets. Heinrich setzte mit seiner aufs reichste geschmückten Begleitung in mehreren Barken über den Fluss. Schon vom Fluss aus begrüssten beide Könige einander; als aber Heinrich ans Land gestiegen war, umarmten sie sich und gingen an einen niedrigen Fels am Ufer des Flusses. Hier war Heinrich an den Felsen angelehnt, Ludwig stand ihm gegenüber, und zwischen sie trat ein grosser und schöner Jagdhund, auf den beide Könige ihre Hände legten. So besprachen sie sich mit einander, und unterzeichneten den vorher verabredeten Vergleich. Dann kehrte Heinrich über den Fluss zurück und übernachtete in Fuentarrabia. Der Spanische Chronikenschreiber, welcher uns diese Details hinterlassen hat, ist aber auch auf das äusserste über die Schande erbittert, die er darin für seinen König erblickt; er macht dem Erzbischof von Toledo und dem Marques de Villena einen bitteren Vorwurf daraus, dies so veranstaltet zu haben, und ergiesst seinen Unwillen, auf ächt Spanische Weise, in ein Wortspiel, das sich schwerlich in eine andre Sprache möchte übersetzen lassen.E porque todo lo que al rey convenía, fuese de mal en peor, quisieron que en aquellas vistas, ó mas propiamente ciegas quedase antes ofendido el Rey que honrado, mas desabtorizado que tenido en estima. Ca lo que debiera ser en medio de los terminos de Castilla é de Francia, hicieronle que pasase todo el rio y entrase en el reyno ageno, no mirando á lo que la lealtad les obligaba é á la decencia de su rey convenia. Chronik Heinrichs 4. bei Sancha gedruckt, aber noch nicht ausgegeben. [Ist keine andre Ausgabe?]

3. Guipuzcoa. Anblick des Landes.

Auf welcher Seite der Pyrenäen ein Reisender Spanien betritt, wird er durch unerwartet angenehme Eindrücke überrascht; und ebenso wird er sich schwerlich wieder davon trennen können, ohne dass hier die letzten Tagereisen eine gewisse Sehnsucht in ihm zurücklassen. Denn gerade Biscaya und Catalonien sind, zwar vielleicht nicht die merkwürdigsten Provinzen Spaniens, wenigstens nicht die, welche den Nordländer am meisten durch die Neuheit der Gegenstände befremden, aber sie sind bei weitem die freundlichsten, diejenigen, in welchen die Abwechslung der Gegenden, der Wohlstand des Landes und der Charakter der Einwohner am meisten zusammenkommen, dem Gemüth eine angenehme und heitre Stimmung zu geben; da das zwischen ihnen liegende Aragonien, und wenigstens ein Theil von Navarra, allen Beschreibungen nach, einen traurigen und dürftigen Anblick gewähren.

Beide zugleich Berg- und Küstenländer, beide gut bevölkert und treflich angebaut, bieten sie eine Mannigfaltigkeit von Gegenständen, und ein Leben und eine Bewegung dar, welche mit der Einförmigkeit der Natur und der Unthätigkeit der Bewohner in dem übrigen Spanien in nur zu auffallendem Gegensatz stehen. Berge und Thäler wechseln in ihnen in fast immer gleich lieblichen Formen mit einander ab; die Vegetation ist frisch und reich: Dörfer und Städte zeugen von dem Wohlstand, den Ackerbau und Industrie, die Landstrassen von dem Verkehr, den der Handel hervorbringt. Ihre Bewohner, denen ihre Lage im Gebirge und am Meer ohngefähr gleiche Neigungen einflösst und gleiche Beschäftigungen giebt, zugleich kühn und behende, zeigen schon in ihrer Gestalt und ihrer Physiognomie Muth, Entschlossenheit und Thätigkeit. Doch hat der Biscayer mehr die gewandte Kühnheit eines Gebirgbewohners, der Katalane mehr den derben Trotz der Wohlhabenheit, welche die Frucht grösseren Fabrikfleisses und eines mehr ausgebreiteten Handels ist. In dem ersteren sieht man die Spuren eines rohen und ungebildeten, aber auch unverdorbenen und von der Natur mit Kraft und Feuer ausgestatteten Urstamms; in dem letzteren die Ueberreste eines ehemals ansehnlichen, durch politischen Einfluss und inneren Reichthum mächtigen Handelsvolkes. Beide sind, genau betrachtet, in jeder Rücksicht einander unähnlich, verrathen eine verschiedene Abstammung, wie verschiedene Schicksale; aber wer beide gesehn hat, wird sich doch schwerlich enthalten können, sie einen Augenblick mit einander zu vergleichen, da ihnen ihre Thätigkeit, ihr Unternehmungsgeist, und selbst ihre körperliche Schnelligkeit — die Katalanen sind bekanntlich ebenso in Spanien, als die Basken in Frankreich, als die besten Läufer berühmt — eine Aehnlichkeit geben, welche noch mehr durch den Gegensatz mit den übrigen Spaniern ins Auge fällt.

Katalonien wird von Französischen Reisenden nicht selten noch als eine Fortsetzung Frankreichs angesehen. In der That erhalten sich auch noch bis Barcelona hin gewissermassen Französische Sitten und Französische Gemächlichkeit; die Sprache des Landes ist nur ein verschiedener Dialekt von der des mittäglichen Frankreichs, und diese ganze Küste des Mittelmeers theilte lange Zeit hindurch dieselben Schicksale. Biscaya hingegen hat ein schlechterdings eigenthümliches Ansehen, und, in der Mitte zwischen Frankreich und Spanien, trägt es, vorzüglich in seinen Bewohnern, weder den Charakter des einen, noch des andern an sich. Sitten und Gesichtsbildung sind verschieden; die Sprache ist in ihren Worten, ihrer Bildung, und ihrem Ton eigenthümlich, und dem Fremden auch bis auf das unbedeutendste Wort unverständlich, und sogar die Namen der Oerter, die fast alle aus ihr, und zum Theil aus ihren ältesten Wurzelwörtern hergenommen sind, klingen befremdend und ungewöhnlich.

Der erste Flecken, in dem wir in Spanien zu Mittag assen, war Oyarzun. Es ist zugleich einer von den wenigen, welche auf eine auffallende Weise die Gleichförmigkeit beweisen, in welcher sich die Biscayische Sprache seit den altesten Zeiten erhalten hat. Die Alten erwähnen nemlich an diesem Theile der Küste eines Vorgebirges, das sie als das äusserste gegen die Pyrenaeen hin angeben. Der Name desselben hat vermuthlich durch die Abschreiber vielerlei Abänderungen erlitten. Er heisst bei den verschiedenen Geographen Oeaso, Eason, Jarso und Olarso. Diese letztere Lesart kommt dem wahren Namen am nächsten, und Plinius, der den Ort so anführt,Naturalis historia 4, 110. setzt hinzu, dass es ein Wald der Vasconen (Vasconum saltus Olarso) sey. Noch jetzt aber heisst oyana auf Biscayisch ein Bergwald, Oyarzo hat nach dem Zeugniss Biscayischer SchriftstellerOihenart. p. 169. dieselbe Bedeutung; und man sicht daher deutlich, dass schon die Römer diese Gegend mit demselben Namen belegt fanden, den sie noch heute trägt, und den sie ihrer natürlichen Beschaffenheit verdankt, und dass sie ihn nur aus Unkunde der Sprache in einem einzigen Buchstaben veränderten.

Nach den Römerzeiten im Mittelalter findet man das Thal Oyarzo in Urkunden wieder, und damals erstreckte es sich von dem Hafen S. Sebastian bis an die Bidassoa. Es liegt daher um den Busen herum, den das Meer dort macht, und wird von den Spanischen Schriftstellern vorzüglich wegen des Muths und der Leibesstärke seiner Bewohner gerühmt. Deswegen ertheilten die Könige von Spanien demselben von sehr alten Zeiten her besondre Privilegien und Vorrechte. Seit dem 13. Jahrhundert aber haben einige der dazu gehörenden Orte eigne Freiheiten und Gerichtsbarkeiten erhalten; seitdem ist daher der Name Oyarzo auf einen kleinem Distrikt beschränkt worden, und jetzt trägt ihn nur die umliegende Gegend des Fleckens Oyarzun. In der ehemaligen Ausdehnung begriff er äusser dieser letztern die Orte Fuenterrabia, Renteria und Irun unter sich, und der Hafen, der jetzt el Passage heisst, hiess damals der Hafen von Oyarzo. Noch jetzt ist das Thal so waldreich, dass es Zeiten gegeben hat, in welchen der Flecken Rentería allein 29 aus seinen eignen Waldungen erbaute Kauffartheischiffe besass. Zu den Zeiten der Römer erstreckte sich der Strich Land, welcher diesen Namen führte, gleich weit und bis nah an S. Sebastian heran, und das Vorgebirge Oeaso der Alten ist vermuthlich der heutige Berg Jaizquivel,Dieser Name ist neu. Die Etymologie seiner ersten Stammsilbe ist mir unbekannt. Die Endigung kommt von quibelá, der Rücken, her und bedeutet, dass der Berg hinter einem andern, in der Stammsilbe angezeigten Ort liegt. So sagt man, mit nur kleiner Veränderung der Buchstaben eliz-guibelean, hinter der Kirche (elizá, iglesia, église). — Risco setzt die Stadt Oeaso eigentlich oberhalb des Hafens el Passage gegen eine Anhöhe zu, die man Wasanoaga nennt (32, 187.). Mannert (I. 355.) sagt, dass Oeaso tiefer am Busen lag. (?) Vielleicht ging auch das Meer ehmals tiefer ins Land hinein. Bei Rentería ist dies noch jetzt zu sehen. Was ehmals ein Schiffswerft war, sind jetzt Gärten, und der Hafen läuft Gefahr, sich immer mehr und mehr zu versanden. S. Risco. l. c. p. 186. der von la punta del Higuer bis an den Hafen el passage hinläuft und an dessen FussFuss verbessert aus Rücken. das obenerwähnte Thal liegt, und die StadtNach Stadt gestrichen: die sie tiefer in den Busen ins Land hinein setzen. mag in der Gegend des heutigen Oyarzun gestanden haben, es sey nun dass Oeaso und OlarsoHermolaus Barbarus will nach der Lesart des Plinius: Olarso, die andern der übrigen Geographen umändern. Allein abgerechnet, dass der Verbesserer doch nur das in den Text seines Schriftstellers bringen darf, was dieser sagen wollte, nicht was er hätte sagen sollen, so ist dieser Vorschlag auch darum unstatthaft, weil es mir sehr zweifelhaft scheint, welche Abänderungen das ursprüngliche Biscayische Wort selbst haben konnte. Dass oy und oe verwechselt werden, sieht man deutlich daraus, dass oya und oea gleich viel gelten und beide das Bett heissen. Ja es dürfte vielleicht nicht unrichtig seyn, dies Wort als die Wurzel von oyaná und oyarzo anzusehn. Oya, oea, oatzea und ohatzea heisst in der einfachen Zahl ein Bett, oder ein Nest, in der mehrfachen, oyac und oeac, das Zahnfleisch. Dies letztere wird auch obiac genannt, und obia heisst das Grab. Diese verschiedenen Bedeutungen, die schwerlich unmittelbar auf einander übertragen worden sind, scheinen auf eine gemeinschaftliche Urbedeutung zu führen, und hier scheint die passendste die des Hohlen und des Leeren, die auch in unserm Oede zusammenkommen. Vergleicht man dies Letztere, wie einige Sprachforscher thun, mit dem Griechischen οἶος, und hält man das d nicht für radikal darin, so könnte das Biscayische oya, oea, obia (lauter verwandte Töne) zu derselben Wurzel gehören, ursprünglich hohl bedeuten, und so auf das Grab, das Nest und das Zahnfleisch (als die Höle der Zähne) übertragen seyn, dann leer und daher etwas, was zur Unterlage dienen kann, ein Bett, endlich leer von Anbau, unbeackert, wüst, welche Gegenden dann natürlich mit Wald und Gebüsch bewachsen, woraus sich die Bedeutung eines Buschwerks ergiebt. — Da olá auf Biscayisch ein Brett heisst, so könnte man vielleicht auch dies zur Rechtfertigung von Olarso anführen. Allein dies Wort scheint zu einer andern Familie zu gehören. Beiläufig sey es mir erlaubt hier zu bemerken, dass von diesem Wort ottza, ein Haufen aus einem Baum geschnittner Bretter, tablage, herkommt, wobei man sich wohl schwerlich enthalten kann, sich an unser Holz zu erinnern. — Diese Aehnlichkeit Biscayischer und Deutscher Wörter darf um so weniger befremden, als in der That zwischen den Stammwörtern beider Sprachen eine nicht geringe Verwandschaft herrscht. Dies hat schon Eccard (de Origine Germanorum. ed. Scheidii. p. 28.) bemerkt. Er vergleicht daselbst sogar mit dem Biscayischen oea das Deutsche eja und Wiege, worin ihm aber wenigstens für das Letztere wohl niemand beistimmen dürfte. Doch mehr hievon künftig an einem schicklicheren Orte. verschiedene Namen zur Bezeichnung der Stadt und des Thals, oder nur Abänderungen desselben waren.Man vergleiche über die Geschichte dieses Thals Risco’s Fortsetzung der España sagrada. T. 32. p. 146.

Ein anderes Beispiel eines AltBiscayischen in späteren Zeiten aber verdrehten Namens giebt die kleine, durch die Kriege zwischen Spanien und Frankreich bekannte Gränzfestung Fuenterrabia. Diese wird in Erkunden des 13. Jahrhunderts Ondarribia und Undarribia genannt,Oihenart. p. 168. Risco. XXXII. 150. Der letztere behauptet zwar, dass der Name Ondarribia später sey als der heutige in Spanien und Frankreich gewöhnliche (p. 153.), aber ohne hinlängliche Gründe anzuführen. und hat diesen Namen, wie ein anderer Ort an dieser Küste, Ondarroa, von ihrer Lage im Ufersande des sich in ihrer Nähe ins Meer ergiessenden Stromes erhalten. Aus demselben, den ich als den ursprünglichen ansehe und welchem gemass die Biscayer sie noch heute Ondarrabia nennen, haben die Franzosen und Spanier Fentarabie und Fuenterrabía gemacht; und einige lateinische Schriftsteller übersetzen dies gar durch fons rapidus oder rabidus — eine Eleganz,Nach Eleganz gestrichen: bei der wenigstens die Deutlichkeit. gegen welche sich der gesunde Geschmack wohl ebensoschr, alsNach als gestrichen: die Geschichte und. die Etymologie erheben wird.

In einem Lande, das durchaus eigenthümlich ist, wo fast alles den Eingebohrnen und fast nichts Fremden angehört, war es vielleicht nicht unnütz, auch auf kleinere Umstände aufmerksam zu machen, die dies beweisen, und welche dem bloss Durchreisenden leicht entgehen können. Sonst findet die Erinnerung an die lieblichen Thäler Guipuzcoa’s, durch welche unser Weg uns führte, einen zu reichlichen Stoff in der Natur der Gegend und ihrer Bewohner, um lange bei trocknen Namen zu verweilen.

Seitdem wir Oyarzun verlassen hatten, befanden wir uns zu tief im Lande, um noch den Anblick des Meers zu geniessen. Wir hatten schon vorher von ihm Abschied genommen, doch nur mit dem Vorsatz und der Hofnung, es auf der andern Seite Spaniens wieder aufzusuchen, und dort, nicht so unruhig und stürmisch, als es sich von der Höhe herab in den engen Busen Biscayens, der daher immer der Schiffarth gefährlich ist, zusammendrängt, vielleicht nicht mit so mahlerischen Ufern, als die dieser nördlichen Küste, aber grösser und majestätischer, in der schönen Bay von Cadiz wiederzusehen.

Wenn man die Wildheit und die furchtbare Grösse einer Gebirgsgegend bis zur anmuthig überraschenden Abwechslung von Bergen und Thälern, die Rauhigkeit eines nördlichen Klimas bis zur erquickenden Kühle und stärkenden Frische mildert; wenn man der trägeren Vegetation des Nordens einen schnelleren und kräftigeren Wuchs leiht, den kalten, manchmal finstern Ernst seiner Bewohner mit einem Theil der Lebhaftigkeit und der Heiterkeit des Südländers versetzt, so hat man ein treues Bild des Theils von Biscaya, durch den wir reisten. Man fühlt, dass man sich im Norden befindet, die Luft ist schon im Anfang des Herbstes nicht mehr eigentlich milde, die Produkte, die wir bei uns und im nördlichen Frankreich sehen, finden sich auch hier, die zarteren des Südens, die Orangen, Palmen, Mandeln, selbst die Olivenbäume fehlen, und dies unterscheidet diese Provinz besonders sehr auffallend von Katalonien, das sonst, wie ich schon oben bemerkte, mehr als Einen Vergleichungspunkt mit ihr darbietet. Aber dieser Norden ist der Norden Spaniens, und die Vegetation findet in der reichlichen Bewässerung des Landes einen mehr als hinlänglichen Ersatz für die anhaltendere und strengere Kälte. Daher ist das Biscayische Obst so vorzüglich, Kirschen, Aepfel, Birnen von verschiedenen Gattungen sind in Ueberfluss, dem Wein fehlt es nur an gehörig sorgfältiger Bereitung, um vielleicht sogar auswärts berühmt zu seyn, und selbst die im ganzen übrigen Spanien nicht häufigen Pfirschenvorzüglich die, welche man melocotones oder pavías nennt. Bowles hist. nat. de España. p. 285. sind hier so zart und saftreich, dass sie, zur Zeit der Reife gepflückt, nicht einmal nach Madrid verschickt werden können. Die Pfirschen in den königlichen Gärten von Aranjuez stammen von diesen ab, erreichen aber ihre Vortreflichkeit nicht.

Thäler und Berge sind in Guipuzcoa lieblicher an einander gereiht und in einander verschränkt, als leicht in irgend einem andern Lande. Mit jedem Augenblick verändert sich der Anblick, fast uberall ist die Aussicht geschlossen, und das Auge übersieht immer nur kleinere Parthien, nirgends weder so grosse Flussthäler, noch so weit hinlaufende Berge als in dem gleich mannigfaltigen, aber weiteren Katalonien. Das Ganze trägt das Ansehen eines Gebirglandes: kleine, schnell rieselnde Bäche durchschneiden fast jeden Anger in ihren vielfachen Windungen, eine Menge von Mühlen werden durch diese schmalen, aber gewaltsam hinrauschenden Wasserströme getrieben, und von Zeit zu Zeit stösst man auf Hüttenwerke, vorzüglich aber zeigt der sichre und kühne Gang des Volkes, dass es an die Beschwerden des Bergsteigens gewöhnt ist. Fast nirgends sieht man nackte Felsen, die Berge sind bis auf ihren Gipsel mit Grün bedekt: Acker- Wiesen- und Waldstücke wechseln mit einander ab, die letztern bestehen meist aus den beiden Arten Eichen (quercus robur und quercus ilex), die man durch ganz Spanien häufig antrift. Die Steineichen (robles) stehen meistentheils tiefer, als die andern (enzinas), und beide haben, da sie bei ihrem sehr blätterreichen Wuchs oft geköpft werden, ein krauses und kräftiges Ansehn. Man findet hier nicht mehr die Ueppigkeit der Vegetation, welche den Ufern der Garonne einen so hohen Reiz giebt, es sind nicht mehr Reben, die sich weite Strecken fort hoch um schlanke Ulmen schlingen, aber man vermisst sie nicht, da der stämmige Wuchs der Bäume, das minder hohe, aber gleich dichte und krause Aufschiessen des Grases und des Korns eine männliche Schönheit besitzt, die sich besser für den Charakter einer Gebirgsgegend schickt. Biscaya kennt nicht die der Bevölkerung und Cultur so verderbliche, die Kräfte einer sorgfältigen Bearbeitung übersteigende Grösse der Besitzungen: in Guipuzcoa besonders hat die Kleinheit der Eigenthumsstücke fast ihren höchst möglichen GradJovellanos sobre la ley agraria. p. 27. erreicht; auch sind dieselben nicht, wie in den meisten andern Provinzen Spaniens, der Verwüstung der Heerden und dem Muthwillen der VorübergehendenUeber diesen klagt schon Herrera l. 1. c. 17. Man säe, sagt er, die Erbsen weit vom Wege ab. Sonst geht, wenn sie jung und zart sind, niemand vorüber, sey es auch ein Mönch in der Fastenzeit, der nicht eine Handvoll mit wegnimmt. Die Schäfer setzen ihnen besonders zu, und wie erst wenn die Weiber darauf fallen? Kein Hagelwetter richtet solchen Schaden an.dem Muthwillen der Vorübergehenden verbessert aus Beraubungen des Müssigganges. offengelassen, sondern meistentheils mit lebendigen Hecken befriedigt, wodurch schon das Auge selbst beim blossen Durchreisen ergötzt wird. Ueberhaupt bemerkt man überall Spuren der unermüdeten Thätigkeit und des Fleisses der Bewohner, und nichts kann sie auffallender von ihren Nachbarn in Kastilien unterscheiden. Nur diesem Fleisse ist es zuzuschreiben, dass sie ihrem undankbareren Boden und ihrem rauheren Himmels strich durch wahrhaft unselige ArbeitDen Ursprung dieses Zitats kann ich nicht nachweisen. Früchte abgewinnen, wie sie kaum die von der Natur am meisten begünstigten Provinzen Spaniens erzeugen. Der Boden vorzüglich setzt ihnen, besonders in einigen Gegenden, unglaubliche Schwierigkeiten entgegen, und ist so steinig und tonigt, dass er ohne eine ganz besondre Bearbeitung nur Dornen und schlechtes Buschwerk tragen würde. Die Arbeit des Pflugs und der Egge reicht nicht hin, die Festigkeit der Erdschollen, welche jedes Eindringen feinerer Wurzeln unmöglich machen würde, zu überwinden; es muss die unmittelbare der Menschenhände hinzukommen; da Ein Arbeiter dabei nichts ausrichten würde, müssen sich mehrere dazu vereinigen, und sich dabei eines eignen, nur hier üblichen, zangenähnlichen Werkzeugs bedienen, mit welchem grosse Erdstücke losgerissen und hernach, wie mit dem Spaten, herumgeworfen werden. Man nennt dies Werkzeug, in dessen BeschreibungWer dasselbe und das ganze Verfahren näher zu kennen wünscht, sehe Bowles. l. c. p. 289. ich nicht weiter eingehen will, laya,Laya, layata, layaria, womit man das Werkzeug, die Handlung und den Arbeiter bezeichnet, scheinen mit laguna, Gesellschaft, verwandt, und stammen vielleicht von einander her. und da immer mehrere gemeinschaftlich damit arbeiten, so ist daraus ein Spanisches Sprichwort entstanden, das vorzüglich in Andalusien gebräuchlich ist. Sie sind von einer laya (son de una misma laya)dos ó tres damas de la misma laya. Gil Blas. I. 321. sagt man, wie bei uns: sie sind Eines Gelichters. Bei dieser Arbeitsamkeit sind die Biscayer die gutmüthigste und fröhlichste Nation, die man sehen kann, und auf das sauerste Tagwerk folgt sehr oft Musik und Tanz; keinem Reisenden kann der Gegensatz ihrer Heiterkeit mit dem trägen Ernst des Kastiliers entgehen. Aber sie leben auch nicht in Dürftigkeit und Bedrückung wie er, sondern in aller Gemächlichkeit des Wohlstandes — wo man Bettler antrift sind es selten Einheimische, sondern meist Fremde — und nähren eine edle Vaterlandsliebe, einen auffallenden Stolz auf die Vorrechte ihres Landes, das Alter und den Ruhm ihrer Nation in ihrer Brust; wenn man mit ihnen redet, wenn man sie unter sich erblickt, ja wenn man nur ihren leichten behenden Gang, die kühne Zuversicht ihres Blickes sieht, so fühlt man es deutlich, dass sie sich ihrer selbst und ihrer Heimath freuen, und ihr nichts an die Seite setzen.Nach setzen gestrichen: und nichts ausser ihr suchen. Sie haben sogar ein sichtbares Bestreben, den Fremden selbst darauf aufmerksam zu machen. Ich erinnere mich, dass ich, als ich in Bergara am Fluss spatzieren ging, einem unbekannten Menschen aus dem Volk begegnete. Er redete mich an, lobte das Land, fragte mich, wohin ich gehe, und als ich nach Madrid sagte, lobte er auch Kastilien, seine Grösse, seine Fruchtbarkeit u. s. f. Aber die Menschen, setzte er mit Lebhaftigkeit hinzu, sind dort nicht so gut als hier, nicht so brav und edel als die Biscayer, und nachdem er sich bloss aufgehalten hatte, mir dies Lob seiner Nation zu hinterlassen, eilte er schnell wieder fort. Diese Gesinnungen und Empfindungen sind im Volke und bei allen, welche noch nicht den Nationalcharakter durch fremde Ausbildung verloren haben, allgemein, sie sind von ihren Vätern auf sie übergegangen, und wo dieselben in einer Nation herrschen, und ausserdem körperlicher Wohlstand, eine dem Lande angemessne Verfassung und fast völlige Gleichheit der Stände hinzukommt, da muss heitres und gesundes Blut in den Adern rollen, und der Mensch gleich bereit zu den Beschwerden der Arbeit und den ErholungenErholungen verbessert aus Ausbrüchen. des Vergnügens seyn.

Gleiches Ansehen von Wohlstand haben die Städte und selbst die Dörfer. Sie sind reinlich und hübsch gebaut; die Ecken der Häuser, so wie die Einfassungen der Fenster und Thüren sind immer von Quadersteinen; die Städte haben meistentheils trottoirsfür die Fussgänger zu den Seiten. Aber die Bauart ist, von dem ersten Hause jenseits der Bidassoa an, ganz und gar von der Französischen verschieden, und ächt spanisch. Die Dächer sind flacher, die Häuser haben weit mehr Tiefe und sind fast völlige Vierecke; die Fenster werden schon seltner, und überall sieht man die Balcons, die in den Spanischen Romanen und Komödien eine so wichtige Rolle spielen.

Dies bemerkten wir vorzüglich in Tolosa, unsrem ersten Nachtquartier, einem hübschen Landstädtchen, am Fluss Oria oder Araxes. Man hat dasselbe fälschlich für das Iturissa der Alten gehalten. Der Araxes aber scheint der MenlascusNach Menlascus gestrichen: der Griechischen und Römischen Geographen. zu seyn, so zweifelhaft es auch ist, welchen der vier kleinen Flüsse dieses Theils der Küste man dafür ansehen soll.Risco. XXXII. 183. Es überrascht nicht wenig, unter einer Menge nationeller und einigen Römischen Ortnamen auf einmal einen kleinen Fluss mit einem so Orientalischen anzutreffen, als der Araxes ist. Spanische Schriftsteller haben in dieser NamensGleichheit eines Biscayischen Flusses mit einem Armenischen die Spuren der frühen Bevölkerung dieses Landes zu sehn geglaubt; und wenn man ihnen trauen darf, so setzten sich die unmittelbaren Nachkommen Noes hier fest und gaben den Bergen und Flüssen dieser Gegend die gleichen Namen mit denen, in deren Nachbarschaft die Ärche ihres Stammvaters zuerst landete. Das Gebirge Ararat und die Biscayische Bergreihe Aralar, der Berg Gordieyus bei Josephus und der Gorbeya in Alava, Armenien selbst und die kleine Stadt Armentia müssen zu Beweisen dieser sonderbaren Behauptung dienen. So leicht es indess auch ist, Träumereien dieser Art auf ihren wahren Werth herabzusetzen, so bleibt der durchaus fremde Name Araxes in dieser Gegend dennoch immer merkwürdig, und dies um so mehr, als er nicht bei Römischen Schriftstellern vorkommt und man auch sonst Aehnlichkeiten der Baskischen und einiger Asiatischer SprachenRisco. 33, 231. bemerkt hat. Plin. VI. 22. I. 320. 2. hat auch einen Fluss Cantabras, der in den Indus fällt. Der Verfasser der noblesse des BasquesDer anonyme Essai sur la noblesse des Basques, rédigé sur les mémoires d’un militaire basque par un ami de la nation erschien 1785. schliesst aus dieser Behauptung p. 63. Gleich eine Wanderung derselben nach Indien.

Das Gefühl, dass wir uns in einem fremden Lande befanden, wurde uns von den ersten Schritten in Guipuzcoa an auch durch ein sonderbares Geräusch erneuert, welches den Reisenden, ehe er daran gewöhnt ist, wunderbar überrascht. Es ist das knarrende Pfeifen der kleinen Ochsenkarren, denen man hier alle Augenblicke begegnet. Die Räder dieser Wagen sind nemlich vollkommene Scheiben, ohne getrennte Speichen, und statt dass sie sich um die Axe drehen sollten, dreht sich die Axe selbst mit ihnen um. Dies giebt ein so langsam gezogenes, und doch eindringendes Pfeifen, dass es, besonders am Abend und in der Ferne gehört, so dass man nicht augenblicklich die Ursach davon entdeckt, einen sonderbar traurigen und schwermüthigen Eindruck hervorbringt. Townsend, der diese Wagen in Asturien sah und ausführlich beschreibt, findet in diesem Geräusch eine nimmer fehlende Quelle eines ruhigen Vergnügens für den Spanierthe never failing source of calm enjoyment. II. 30.Townsends Journey trough Spain in the years <date when="1786">1786</date> and <date when="1787">1787</date> war London 1791 erschienen. und behauptet, dass es absichtlich zur Ermunterung der Ochsen bewirkt werde. Das Letztere mag wohl gegründet seyn, das erstere ist es schwerlich wenigstens hier. Der muntere und rasche Biscayer bedarf keiner so traurigen und einschläfernden Melodie. Dies Pfeifen hat zu einem National-Sprichwort unter den Biscayern Anlass gegeben; da der Stier sich beklagen sollte, sagen sie, thut es der WagenEs ist unmöglich, die Kürze der Biscayischen Sprache, vorzüglich in Sprichwörtlichen Redensarten, nachzuahmen. Hier z. B. sagt sie bloss: da der Stier klagen sollte, der Wagen, Idiac erassi beharrean gurdiac. Und doch ist alle Undeutlichkeit vermieden denn sie zeigt, allein unter allen mir bekannten Sprachen, durch einen den Substantiven angehängten Buchstaben an, ob dasselbe sich im Zustande des Handelns oder des Leidens befindet. Sie setzt nemlich im ersten Fall ein c oder ic hinter das Wort, das im letztem wegbleibt, und dieser Zusatz allein drückt aus, wozu wir ein eignes verbum brauchen müssen. — ein Beweis wie auffallend diese einförmigen Klagetöne auch dem Volke gewesen sind und wie sehr dieselben gleichsam zu der Physiognomie des Landes gehören.

Mit diesem Geräusch wechselt das der Maulthierzüge ab, die man auf der Strasse von Madrid nach Bayonne unablässig antrift. Jedes Maulthier hat nemlich kleine Schellen um den Hals, das letzte des Zuges aber trägt zur Seite hinter dem Gepäck eine ungeheuer grosse Glocke, die man cencerro zumbon nennt. Wenn sich ihr langsam anschlagender dumpfer Ton zu dem Geräusch der Ochsenkarren gesellt, so giebt es nicht eins der angenehmsten, aber wenigstens der sonderbarsten Concerte.

5.Der vierte Abschnitt fehlt in der Handschrift. Vitoria.

Dicht hinter Salinas, das etwa auf der Hälfte des Weges zwischen Mondragon und Vitoria liegt, verlässt man Guipuzcoa und tritt in Alava ein. Nachdem man einen hohen Berg überstiegen hat, gelangt man in ein flacheres Land, und die lieblichen Berge und Thäler, die man bis hieher beständig zur Seite hatte, verlieren sich nun in eine noch fruchtbare und gut angebaute, aber minder anmuthige Gegend.

VitoriaNach Vitoria gestrichen: die Hauptstadt der Provinz. verdankt sein Emporkommen dem Könige Sancho dem Weisen von Navarra. Dieser hatte mehrere Jahre hindurch Gränzstreitigkeiten mit Alphons dem Edlen (bei einigen dem 3., bei andern dem 8.) von Kastilien, die er endlich nach mehrern deshalb vergeblich gemachten Versuchen in einer ZusammenkunftNach Zusammenkunft gestrichen: mit Alphons, verbessert aus mit demselben. zwischen Najero und Logroño durch einen Vergleich beilegte, vermöge dessen der kleine Fluss Zadorra die östliche Gränze seiner Besitzungen wurde. Um dieser Gränze mehr Festigkeit zu verschaffen, umgab er einen kleinen Ort Gasteiz an derselben mit Mauern, vergrösserte ihn durch neu dahingeführte Einwohner, befestigte ihn nach damaliger Sitte mit Thürmen, und legte ihm den Namen Victoria bei. Dies geschah im Jahr 1181. Seitdem gerieth Armentia, das bis dahin der Sitz der Bischöfe gewesen war, und jetzt nur noch aus wenigen Häusern besteht, in Verfall und Vitoria erhob sich, durch die ihm von Sancho und den nachsolgenden Königen verliehenen Vorrechte, zur Hauptstadt der Provinz Alava. Noch jetzt sicht man an der Mitternachtsseite der Colegiatkirche einen Thurm und ein beträchtliches Stück Mauer des Kastells, das Sancho hier anlegte.

Die Biscayer behaupten, dass der Name der Stadt Biscayischen Ursprungs sey, und leiten ihn von bitorea, vortreflich, hervorstechend, ab. Sie verwerfen daher die hie und da gewöhnliche Schreibart Victoria. Liest man aber die Gründungsurkunde Sanchos,Man vergleiche dieselbe bei Moret investigaciones historicas de las antigüedades de Navarra. p. 669. Vobis omnibus populatoribus meis de noua Victoria —— und in praesata villa cui nouum nomen imposui, scilicet Victoria, quae antea vocabatur Gasteiz. In Sanchos Zeiten wurde alles, was eine gewisse Grösse mit sich führen sollte, aus dem Lateinischen abgeleitet. Hätte man bei dieser Urkunde ein vaterländisches Wort im Sinne gehabt, so hätte man es vermuthlich angezeigt. Man änderte aber vielmehr den unbekannten Namen, um einen prangenden und gelehrten an die Stelle zu setzen. [Der Ort soll Bitorea geheissen haben. S. Mat. Buch. S. 127. So verdrehen die Biscayer alle Namen.] Cf. Oihenart. p. 22. so sieht man deutlich, dass derselbe der Stadt einen lateinischen Namen zu geben glaubte, und vermuthlich wählte man den heutigen in der Voraussetzung, dass ehmals in derselben Gegend eine Römische Stadt gleiches Namens gestanden habe — eine Meynung, die auch neuerlich Anhänger gefunden hat, aber an sich sehr wenig Wahrscheinlichkeit besitzt.

Vitoria trägt durchaus das Ansehen einer durch Handels- und Erwerbtleiss blühenden Provinzstadt. Man erblickt überall Leben und Wohlstand, und bemerkt mehrere grosse neu ausgeführte Gebäude, unter welchen sich vorzüglich der erst 1791, fertig gewordne Marktplatz auszeichnet. Er ist viereckt, ganz aus Stein aufgeführt, und besteht aus 34 Häusern, unter welchen das Rathhaus der Stadt (la casa consistorial) das grösseste ist. Der Baumeister hat sich übrigens in nichts von der gewöhnlichen Bauart der Marktplätze in Spanien entsernt. Auch hier läuft unten ein ofner Bogengang herum, und jedes Fenster hat seinen eisernen Balcon, eine Einrichtung, die insofern nothwendig ist, als in den Städten, welche kein eignes Amphitheater für die Stiergefechte haben, der Markt zu diesem Behufe gebraucht wird. Auf den äusseren Seiten desselben umgeben ihn vier breite Strassen, so dass jedes Haus dadurch einen zweiten, nicht durch das Getümmel des Markts gehinderten Eingang bekommt.

Der Reisende wird die Zeit, welche er sich ohnehin wegen der Durchsuchung seines Gepäcks in Vitoria aufhalten muss, gern dazu anwenden, einige Gemälde in Kirchen, und Privatsammlungen, deren es hier mehrere giebt, zu besehen. Unter denselben zog unsre Aufmerksamkeit am meisten eine Titiansche Magdalena im Hause des Marques de Alameda auf sich. Die Figur ist in Lebensgrösse, stehend und ganz bekleidet. Ihr Kopf ist gegen die rechte Seite gewandt, und die Haare fallen ihr über die Schulter auf den Busen herab.Nach herab gestrichen: und mit der rechten Hand hält sie die Brust. Die Schönheit dieses Gemähldes besteht vorzüg- lich in der hohen Würde, welche der Mahler der Gestalt und der Physiognomie mitten in dem Ausdruck der Reue zu erhalten gewusst hat. Frei von der kleinlichen Absicht dem verführerischen Bilde weiblicher Schönheit durch das Bekenntniss der Schuld nur einen noch höhern Reiz zu leihen — wodurch man eine der edelsten Darstellungen der neuern Kunst so oft zu einer der gemeinsten herabgewürdigt sieht — hat Titian vielmehr seinen Gegenstand durchaus erhaben behandelt. Die Magdalena, die er uns darstellt, entkleidet sich nicht eines Schmucks, der an ihren Vergehungen keinen Theil hat; sie hebt nicht mit schwachen und furchtsamen Thränen flehende Augenflehende Augen verbessert aus gefaltete Hände. zum Himmel empor; ihre Hand fasst an ihr Herz, ihr Blick ist in sich gekehrt, zwar scheu und gespannt, aber trocken und starr auf Einen Fleck gerichtet. Sie bebt nicht vor einem fremden, strafenden Richter, sie erkennt mit Entsetzen den unerbittlichen misbilligenden in sich selbst. Sie giebt die Würde der Menschheit nicht in reuiger Zerknirschung auf: sie fühlt vielmehr ihr Zurückkehren, und ist dadurch betroffen, aber gestärkt.

In dem Hause der patriotischen Gesellschaft, deren Entstehen und Verdienste aus andern Reisebeschreibungen hinlänglich bekannt sind, befinden sich mehrere in der Provinz Alava gefundene Römische Inschriften. Auch sah ich daselbst zwei Stücke von Mosaikfussböden, die aber nur Verzierungen darstellten.

[Wichtigerer Fussboden zwischen Miranda und Comunion.]

Unter den Personen, die sich in Vitoria mit Literatur beschäftigen, lernte ich einen gelehrten und verdienstvollen Geistlichen D. Lorenzo PrestameroVgl. über ihn Farinelli, Guillaume de Humboldt et l’Espagne S. 147. kennen, dessen freundschaftlichen Bemühungen ich auch seit meiner Rückkunft aus Spanien viele interessante Nachrichten vorzüglich über die Biscayische Sprache verdanke. Er hat sich seit mehrern Jahren damit beschäftigt, Materialien zu einer Beschreibung von Alava zu sammeln, und wenn er seinem Entschlusse getreu bleibt diese Arbeit der Akademie der Geschichte in Madrid zum Behufe des geographisch-historischen Wörterbuchs, das sie veranstaltet, mitzutheilen; so dürfte sich dieser Artikel vor vielen andern durch Genauigkeit und Vollständigkeit auszeichnen. Denn er hat den ganzen physischen und politischen Zustand seiner Provinz umfasst, ist in die Geschichte jedes einzelnen Orts, jeder Stadt, jedes Klosters eingegangen, und unter den Vorarbeiten, die er mir zeigte, sah ich nicht bloss ausführliche und mühsam ausgearbeitete Tabellen über die Anzahl der Einwohner, den Betrag der Ernten, Topographien der verschiednen Districte, Angaben der Berghöhen und Ortentfernungen, sondern auch Abschriften ungedruckter Privilegien und Verordnungen, etymologische Untersuchungen über die Namen der Oerter u. s. f. Vorzüglich hat dieser fleissige Mann alles, was auf die Alterthümer Bezug hat, mit der genauesten Sorgfalt untersucht, und er zeigte mir zwei Foliobände von Inschriften älterer und neuerer Zeit, die bloss innerhalb der Gränzen Alavas theils gefunden, theils noch vorhanden sind. Die Anzahl selbst der Römischen ist so gross, dass, wie er mir sagte, die Kirche in San Roman grossentheils aus Inschriftsteinen gebaut ist, von denen aber freilich die meisten halb zerschlagen und nicht mehr zu entziffern sind.

Von Vitoria bis an die Ufer des Ebro ist der Weg wieder flach und die Gegend unbedeutend. Ehe wir aber über den Fluss in die dürren Fluren Kastiliens übergehen, wird es gut seyn noch einen Blick zurück auf das lieblichere Biscayen zu werfen.

Bemerkungen zur Entstehungsgeschichte

Handschrift (31 halbbeschriebene Quartseiten, von denen S. 23—26 fehlen) in der Königlichen Bibliothek in Berlin. Unter dem Haupttitel stehen noch die Worte im Wagen. — Erster Druck: Reiseskizzen aus Biscaya Wilhelm von Humboldts Gesammelte Werke 3, 213—240 (1843).

Auch diese kleinen Probestücke der spanischen Reisebeschreibung werden in Humboldts Briefen nirgends erwähnt. Nach dem Wasserzeichen der Handschrift gehören sie in die letzten pariser Jahre. Man hat lange gezweifelt, ob sie sich auf Humboldts erste größere Reise durch Spanien oder auf den zweiten kleineren, im Frühjahr 1801 unternommenen Ausflug ins Baskenland beziehen: die erstere, nach Schlesiers Vorgang (Erinnerungen an <persName key="gnd-118554727">Wilhelm von Humboldt</persName> 2, 32) auch von Farinelli vertretene Ansicht wird durch die genaue Übereinstimmung der einzelnen Reisestationen und der landschaftlichen Eindrücke mit den Aufzeichnungen in Humboldts spanischem Tagebuch der ersten Reise bestätigt. Da es andrerseits kaum anzunehmen ist, daß die Skizzen erst nach der zweiten baskischen Reise niedergeschrieben sein sollten, so dürften sie mit Sicherheit in den Sommer 1800 zu setzen sein, wenn auch die erhaltenen Stücke schwerlich unter den von Schiller (Briefe 6, 194) erwähnten Fragmenten mit verstanden sein dürften. Eher könnte man mit Grunde vermuten, daß der jetzt fehlende vierte Abschnitt, der jedenfalls die Reise von Tolosa über Bergara nach Vitoria behandelte, dort gemeint ist, dem Aufsatz über den Montserrat, als dieser an Goethe abgesandt wurde, als Probe der oben erwähnten zweiten Behandlungsart der Reise beilag und dann in Goethes oder Schillers Nachlaß verloren ging; wenigstens wäre dann das sonst unerklärliche Fehlen dieses Abschnittes verständlich und nur so Schillers Erwähnung mehrerer Fragmente gerechtfertigt.