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Unsre Ungeduld die Spanische Gränze zu begrüssen, wurde noch einen Tag länger hingehalten, als wir geglaubt hatten. Der Weg war unglaublich schlecht; das Pflaster der Chaussée war, wie von Grund aus, aufgewühlt und die Steine lagen haufenweis mitten in der Strasse aufgethürmt.
Doch waren dies nicht die einzigen Spuren, welche uns an den letzten Krieg
zwischen Frankreich und Spanien, und an die Vernachlässigung der innern
Administration seit der Zeit der Revolution erinnerten. Die sprechendsten Beweise
davon fanden wir in Saint Jean de Luz. Ein Arm des Meers strömt daselbst in das
Land ein, und theilt diesen kleinen Ort in zwei Theile. Ueber diesen Arm ist eine
lange hölzerne Brücke gebaut, und da das Meer hier überaus stürmisch ist, so sind
die Ufer mit prächtigen steinernen Quais eingefasst. Seit Jahren aber hat man
diese Schutzwehren gegen die Gewalt der andringenden Wogen gänzlich
vernachlässigt; die Quais sind beschädigt und zum Theil eingestürzt; die Flut hat
schon einige der dem Ufer zunächst stehenden Fischerhütten weggerissen, und droht
andern denselben Untergang; und die Brücke ist so verfallen, dass nur noch
Fuss-
Wir kamen gerade zur Zeit der einströmenden Flut in dem Orte an, und da unser
Wagen durch das Wasser fahren musste, so waren wir genöthigt die Ebbe abzuwarten,
und gegen unsern Vorsatz hier zu übernachten. Wir machten einen Spaziergang an den
Hafen, setzten uns auf dem verfallenen quai neben einigen
Fischern, deren starke, aus den Lumpen, die sie umhüllten, nackt hervorblickende
Glieder und deren armseliger Fang uns lebhaft an den Theokritischen
Der Meerbusen von St. Jean de Luz ist vorzüglich malerisch. Klein, aber durch zwei
Vorgebirge, rechts durch das Fort St. Barbe, links durch das, welches den Namen
des Orts trägt, gut begränzt, bietet er dem Auge gerade die Fläche dar, die es
leicht übersieht. Die Wogen rollten majestätisch von der Höhe des Meers auf uns
zu; vom Widerstand der zurückprallenden Wellen aufgehalten, brach sich ihre
finsterthürmende Spitze in weissen Schaum, der vom Mittelpunkt aus wie ein
plötzlich entzündetesplötzlich entzündetes
verbessert aus
verheerendes
.
In den Pyrenäen hatten mich oft jene ungeheuren, von keinem mildernden Grün
umkleideten Felsmassen in die frühesten Alter leblose
verbessert aus physische
.
Wie die Pflanze, die, sich aus der Ritze des Felsens hervorwindend, seine schroffen Ecken umklammert, erhält sich mitten unter ihrer Verwüstung die lebendige Organisation, und wie der im Stein verborgene Funke springt der Trieb der Bildung aus ihr selbst hervor.
In jedem gefühlvollen Zeichner der Natur hat eins dieser zwiefachen Elemente, die todte oder die beseelende Kraft, ein sichtbares Uebergewicht. Homer und die Griechen schildern die Natur lieber in der Mannigfaltigkeit ihrer Gestalten und der Fülle ihrer Bewegung; die nordische Phantasie Ossians verweilt vorzugsweise bei ihren rohen, wüsten und finsteren Massen. Aber noch fehlt uns der Dichter, welcher, tiefer eindringend, den formlosen Stoff wahrhaft mit dem Bildungstrieb gattete, und matte Beschreibungen aus seinem Kreise verbannend den Kampf und die Vereinigung der Schöpfungskräfte selbst einführte.
Er würde vielleicht die Kosmogenie einige Schritte weiter führen, aber wenigstens gewiss den unbebautesten Theil der Dichtkunst, die didaktische, mit einem unbekannten Muster bereichern. Denn nicht Welten durch Welten zu entzünden, und Fabeln an Fabeln zu reihen ist es, was die dichterische Einbildungskraft hier sucht. Sie will im Menschen die Kräfte erregen, durch die er eine solche Schöpfung ausser sich begreifen, eine ähnliche in sich nachbilden kann.
Denn auch in ihm streitet ein formloser Stoff, ein un-
Die westliche Seite der Pyrenäen senkt sich gegen das Meer zu allmälig herab,Nach desselben gestrichen: wenn nicht in eine
vollkommene Ebne, doch
Die Aussicht ist hier mehr anmuthig, als gross; doch fehlt es ihr nicht an Mannigfaltigkeit. Man ist immer von grösseren oder kleineren Bergen umgeben, behält beständig einige der hohen Pyrenäen im Gesicht, und erblickt bisweilen über den niedrigeren Hügeln zur Rechten das Meer.
Die Gränze zwischen Frankreich und Spanien macht, wie bekannt, die Bidassoapas de
Beodid. Von einer kleinen Anhöhe sieht man beide Länder liegen.
Die Linie, welche zwei Reiche von einander scheidet, ist immer ein interessanter Anblick, wie wenig auch zunächst um sie herum Boden und Bewohner verschieden seyn mögen. Es ist eine Scheidewand, durch welche die Willkühr oder der Zufall zwei Menschenhaufen zu verschiedenen Schicksalen verurtheilt hat.
Es schiene natürlich, dass sich Völkerstämme, wie andre Ge-
Im Zustande der Bildung, wenn der Mensch auf dem Boden Kraft genug gewonnen hat, sich über denselben zu erheben, entsteht eine andre Art natürlicher Gränze zwischen verschiednen Nationen, die Verschiedenheit der Sprache und der Kultur.
Der Zufall, oder das Schicksal, welches die menschlichen Begebenheiten lenkt, hat die eine und die andre dieser natürlichen Scheidewände übersprungen; die verschiedensten Völkerstämme haben sich mit einander vermischt; vorhandene Sprachen sind untergegangen, und aus ihren Trümmern sind neue entstanden. Bei allen diesen Veränderungen hat sich die Uebermacht gezeigt, welche die moralischen Einwirkungen im Menschen über die physischen ausüben. Der Einfluss der Gleichheit des Klimas und sogar der Abstammung verschwindet, und derselbe Völkerstamm nimmt eine verschiedne Gestalt an, je nachdem der Zufall einen seiner Theile mit einer andern Nation verbunden hat.
Dies glaubte ich auch hier zu bemerken. Der unläugbaren Nationalähnlichkeit
zwischen beiden ungeachtet, tragen doch die Französischen Basquen mehr
Französische Leichtigkeit, die Spanischen Biscayer mehr Spanischen Ernst an sich.
Die ersteren, die zu der Zeit des gänzlichen Verfalls des Abendländischen
Kaiserthums — vermuthlich am Ende des 4ten Jahrhunderts theils von selbst, theils
später von den Herzogen von Aquitanien als Miethstruppen herübergerufen, ihre
alten Wohnsitze ver-
Freilich ist aber auch das Schicksal, welches beide erfahren haben, überaus verschieden. Das Spanische Biscayen, eine zusammenhängende Provinz von beträchtlicher Grösse, ist, auch in seiner Abhängigkeit von Spanien, noch gewissermassen ein selbstständiges Land geblieben, regiert sich durch Personen aus seiner Mitte und nach seinen eignen Gesetzen, und geniesst Freiheiten, über deren Beibehaltung es mit Eifersucht wacht. Durch die Industrie seiner Bewohner und seine dem Handel günstige Lage hat es sich zu einem Grade des Wohlstands erhoben, in welchem im ganzen übrigen Spanien nur Catalonien und Valencia mit ihm wetteisern können. Es ist daher nicht zu verwundern, dass die Biscayer in Spanien auch noch als Nation eine bedeutende Rolle spielen, dass der minder unternehmende und thätige Castilianer mit sichtbarer Eifersucht auf sie blickt, und dass selbst die Vornehmsten und Reichsten unter ihnen, die, in Spanischen Collegien erzogen, selbst ihre Sprache entweder nie erlernt, oder gänzlich vergessen haben, dennoch mit enthusiastischem Stolze an ihrem Vaterlande hängen.
Die Französischen Basquen hingegen bewohnen bloss drei kleine und unbedeutende
Distrikte, haben schlechterdings kein politisches nationelles Band unter einander,
und verlieren sich in der Masse der Nation, zu der sie gerechnet werden, ohne
durch etwas andres, als durch ihre Sprache, ihre Sitten und ihre leidenschaftliche
Liebe zu ihrer Heimath, ein selbstständiges Ansehen gewinnen zu können. Immer aber
sind diese Züge noch charakteristisch genug, um sie als einen völlig eignen, von
allen ihren übrigen französischen Nachbarn geschiedenen Völkerstamm zu bezeichnen;
und das hat man von jeher so sehr gefühlt, dass weder die ehemalige monarchische,
noch die nachherige republi-
[Waren sie bei Maringo? Wie ist es mit den Bas Bretons? Freiheitssinn.]
Indess ist diess auch die einzige Gestalt, unter der sie in Frankreich noch gewissermassen nationell auftreten.
Etwa eine Stunde diesseits der Spanischen Gränze stiessen wir auf einen alten
Mann, mit dem wir uns in ein Gespräch einliessen. Er zeigte uns, da wir ihn nach
der Entfernung des Gränzorts fragten, einen Hügel, auf dem die erste Spanische
Kapelle lag. Dorthin
, sagte er, ging ich sonst wöchentlich,
um meine Andacht zu verrichten. Jetzt, da ich alt und schwach geworden bin,
kann ich mit Mühe Einmal des Jahrs dahin kommen; und vielleicht muss ich
sterben, ehe ich sie wieder sehe.
Es lag etwas ungemein Rührendes in
der Sehnsucht, mit welcher dieser fromme Greis in ein fremdes Land hinüberschaute,
um dort einen Trost zu suchen, der ihm, in seinem eignen, gerade da er dessen am
meisten bedurft hätte, geraubt war.
Die sogenannte Fasaneninsel ist so klein, dass man Mühe hat zu begreifen, wie sie
zu einer politischen ZusammenkunftE
porque todo lo que al rey convenía, fuese de mal en peor, quisieron que en
aquellas vistas, ó mas propiamente ciegas quedase
antes ofendido el Rey que honrado, mas desabtorizado que tenido en estima.
Ca lo que debiera ser en medio de los terminos de Castilla é de Francia,
hicieronle que pasase todo el rio y entrase en el reyno ageno, no mirando á
lo que la lealtad les obligaba é á la decencia de su rey convenia.
Chronik Heinrichs 4. bei Sancha gedruckt, aber noch nicht ausgegeben. [Ist
keine andre Ausgabe?]
Auf welcher Seite der Pyrenäen ein Reisender Spanien betritt, wird er durch unerwartet angenehme Eindrücke überrascht; und ebenso wird er sich schwerlich wieder davon trennen können, ohne dass hier die letzten Tagereisen eine gewisse Sehnsucht in ihm zurücklassen. Denn gerade Biscaya und Catalonien sind, zwar vielleicht nicht die merkwürdigsten Provinzen Spaniens, wenigstens nicht die, welche den Nordländer am meisten durch die Neuheit der Gegenstände befremden, aber sie sind bei weitem die freundlichsten, diejenigen, in welchen die Abwechslung der Gegenden, der Wohlstand des Landes und der Charakter der Einwohner am meisten zusammenkommen, dem Gemüth eine angenehme und heitre Stimmung zu geben; da das zwischen ihnen liegende Aragonien, und wenigstens ein Theil von Navarra, allen Beschreibungen nach, einen traurigen und dürftigen Anblick gewähren.
Beide zugleich Berg- und Küstenländer, beide gut bevölkert und treflich angebaut,
bieten sie eine Mannigfaltigkeit von Gegenständen, und ein Leben und eine Bewegung
dar, welche mit der Einförmigkeit der Natur und der Unthätigkeit der Bewohner in
dem übrigen Spanien in nur zu auffallendem Gegensatz stehen.
Katalonien wird von Französischen Reisenden nicht selten noch als eine Fortsetzung
Frankreichs angesehen. In der That erhalten sich auch noch bis Barcelona hin
gewissermassen Französische Sitten und Französische Gemächlichkeit; die Sprache
des Landes ist nur ein verschiedener Dialekt von der des mittäglichen Frankreichs,
und diese ganze Küste des Mittelmeers theilte lange Zeit hindurch dieselben
Schicksale. Biscaya hingegen hat ein schlechterdings eigenthümliches Ansehen, und,
in der Mitte zwischen Frankreich und Spanien, trägt es, vorzüglich in seinen
Bewohnern, weder den Charakter des einen, noch des andern an sich. Sitten und
Gesichtsbildung sind verschieden; die Sprache ist in ihren Worten, ihrer Bildung,
und ihrem Ton eigenthümlich, und dem Fremden auch bis auf das unbedeutendste Wort
unverständlich, und sogar die Namen der Oerter, die fast alle aus
Der erste Flecken, in dem wir in Spanien zu Mittag assen, war Oyarzun. Es ist
zugleich einer von den wenigen, welche auf eine auffallende Weise die
Gleichförmigkeit beweisen, in welcher sich die Biscayische Sprache seit den
altesten Zeiten erhalten hat. Die Alten erwähnen nemlich an diesem Theile der
Küste eines Vorgebirges, das sie als das äusserste gegen die Pyrenaeen hin
angeben. Der Name desselben hat vermuthlich durch die Abschreiber vielerlei
Abänderungen erlitten. Er heisst bei den verschiedenen Geographen Oeaso, Eason,
Jarso und Olarso. Diese letztere Lesart kommt dem wahren Namen am nächsten, und
Plinius, der den Ort so anführt,Vasconum saltus Olarso) sey. Noch jetzt
aber heisst oyana auf Biscayisch ein Oyarzo hat nach dem Zeugniss Biscayischer Schriftsteller
Nach den Römerzeiten im Mittelalter findet man das Thal Oyarzo in Urkunden wieder,
und damals erstreckte es sich von dem Hafen S. Sebastian bis an die Bidassoa. Es
liegt daher um den Busen herum, den das Meer dort macht, und wird von den
Spanischen Schriftstellern vorzüglich wegen des Muths und der Leibesstärke seiner
Bewohner gerühmt. Deswegen ertheilten die Könige von Spanien demselben von sehr
alten Zeiten her besondre Privilegien und Vorrechte. Seit dem 13. Jahrhundert aber
haben einige der dazu gehörenden Orte eigne Freiheiten und Gerichtsbarkeiten
erhalten; seitdem ist daher der Name Oyarzo auf einen kleinem Distrikt beschränkt
worden, und jetzt trägt ihn nur die umliegende Gegend des Fleckens Oyarzun. In der
ehemaligen Ausdehnung begriff er äusser dieser letztern die Orte Fuenterrabia,
Renteria und Irun unter sich, und der Hafen, der jetzt el Passage heisst,
hiess damals der Hafen von Oyarzo. Noch jetzt ist das Thal so waldreich, dass es
Zeiten gegeben hat, in quibelá, der Rücken, her und bedeutet, dass der Berg
eliz-guibelean, hinter der Kirche (elizá, iglesia, église). — Risco setzt
die Stadt Oeaso eigentlich oberhalb des Hafens el Passage gegen eine
Anhöhe zu, die man Wasanoaga nennt (32, 187.). Mannert (I. 355.) sagt, dass
Oeaso tiefer am Busen lag. (?) Vielleicht ging auch das Meer ehmals tiefer ins
Land hinein. Bei Rentería ist dies noch jetzt zu sehen. Was ehmals ein
Schiffswerft war, sind jetzt Gärten, und der Hafen läuft Gefahr, sich immer
mehr und mehr zu versanden. S. la punta del Higuer bis an den Hafen el
passage hinläuft und an dessen FussFuss
verbessert aus
Rücken
.Nach
Stadt gestrichen: die sie tiefer in den Busen ins
Land hinein setzen.
Ein anderes Beispiel eines AltBiscayischen in späteren Zeiten aber verdrehten
Namens giebt die kleine, durch die Kriege zwischen Spanien und Frankreich bekannte
Gränzfestung Fuenterrabia. Diese wird in Erkunden des 13. Jahrhunderts Ondarribia
und Undarribia genannt,fons rapidus oder rabidus — eine
Eleganz,Nach
Eleganz gestrichen: bei der wenigstens die
Deutlichkeit.
alsgestrichen:
die Geschichte und.
In einem Lande, das durchaus eigenthümlich ist, wo fast alles den Eingebohrnen und fast nichts Fremden angehört, war es vielleicht nicht unnütz, auch auf kleinere Umstände aufmerksam zu machen, die dies beweisen, und welche dem bloss Durchreisenden leicht entgehen können. Sonst findet die Erinnerung an die lieblichen Thäler Guipuzcoa’s, durch welche unser Weg uns führte, einen zu reichlichen Stoff in der Natur der Gegend und ihrer Bewohner, um lange bei trocknen Namen zu verweilen.
Seitdem wir Oyarzun verlassen hatten, befanden wir uns zu tief im Lande, um noch den Anblick des Meers zu geniessen. Wir hatten schon vorher von ihm Abschied genommen, doch nur mit dem Vorsatz und der Hofnung, es auf der andern Seite Spaniens wieder aufzusuchen, und dort, nicht so unruhig und stürmisch, als es sich von der Höhe herab in den engen Busen Biscayens, der daher immer der Schiffarth gefährlich ist, zusammendrängt, vielleicht nicht mit so mahlerischen Ufern, als die dieser nördlichen Küste, aber grösser und majestätischer, in der schönen Bay von Cadiz wiederzusehen.
Wenn man die Wildheit und die furchtbare Grösse einer Gebirgsgegend bis zur
anmuthig überraschenden Abwechslung von Bergen und Thälern, die Rauhigkeit eines
nördlichen Klimas bis zur erquickenden Kühle und stärkenden Frische mildert; wenn
man der trägeren Vegetation des Nordens einen schnelleren und kräftigeren Wuchs
leiht, den kalten, manchmal finstern Ernst seiner Bewohner mit einem Theil der
Lebhaftigkeit und der Heiterkeit des Südländers versetzt, so hat man ein treues
Bild des Theils von Biscaya, durch den wir reisten. Man fühlt, dass man sich im
Norden befindet, die Luft ist schon im Anfang des Herbstes nicht mehr eigentlich
milde, die Produkte, die wir bei uns und im nördlichen Frankreich sehen, finden
sich auch hier, die zarteren des Südens, die Orangen, Palmen, Mandeln, selbst die
Olivenbäume fehlen, und dies unterscheidet diese Provinz besonders sehr auffallend
von Katalonien, das sonst, wie ich schon oben bemerkte, mehr als Einen
Vergleichungspunkt mit ihr darbietet. Aber dieser Norden ist der Norden Spaniens,
und die Vegetation findet in der reichlichen Bewässerung des Landes einen mehr als
hinlänglichen Ersatz für die anhaltendere und strengere Kälte. Daher ist das
Biscayische Obst so vorzüglich, Kirschen, Aepfel, Birnen von verschiedenen
Gattungen sind in Ueberfluss, dem Wein fehlt es nur an gehörig sorgfältiger
Bereitung, um vielleicht sogar auswärts berühmt zu seyn, und selbst die im ganzen
übrigen Spanien nicht häufigen Pfirschenmelocotones oder pavías nennt.
Thäler und Berge sind in Guipuzcoa lieblicher an einander gereiht und in einander
verschränkt, als leicht in irgend einem andern Lande. Mit jedem Augenblick
verändert sich der Anblick, fast uberall ist die Aussicht geschlossen, und das
Auge übersieht immer nur kleinere Parthien, nirgends weder so grosse Flussthäler,
noch so weit hinlaufende Berge als in dem gleich mannigfaltigen, aber weiteren
Katalonien. Das Ganze trägt das Ansehen eines Gebirglandes: kleine, schnell
rieselnde Bäche durchschneiden fast jeden Anger in ihren vielfachen Windungen,
eine Menge von Mühlen werden durch diese schmalen, aber gewaltsam hinrauschenden
Wasserströme getrieben, und von Zeit zu Zeit stösst man auf Hüttenwerke,
vorzüglich aber zeigt der sichre und kühne Gang des Volkes, dass es an die
Beschwerden des Bergsteigens gewöhnt ist. Fast nirgends sieht man nackte Felsen,
die Berge sind bis auf ihren Gipsel mit Grün bedekt: Acker- Wiesen- und Waldstücke
wechseln mit einander ab, die letztern bestehen meist aus den beiden Arten Eichen
(quercus robur und quercus ilex),
die man durch ganz Spanien häufig antrift. Die Steineichen (robles) stehen meistentheils tiefer, als die andern (enzinas), und beide haben, da sie bei ihrem sehr blätterreichen Wuchs oft
geköpft werden, ein krauses und kräftiges Ansehn. Man findet hier nicht mehr die
Ueppigkeit der Vegetation, welche den Ufern der Garonne einen so hohen Reiz giebt,
es sind nicht mehr Reben, die sich weite Strecken fort hoch um schlanke Ulmen
schlingen, aber man vermisst sie nicht, da der stämmige Wuchs der Bäume, das
minder hohe, aber gleich dichte und krause Aufschiessen des Grases und des Korns
eine männliche Schönheit besitzt, die sich besser für den Charakter einer
Gebirgsgegend schickt. Biscaya kennt nicht die der Bevölkerung und Cultur so
verderbliche, die Kräfte einer sorgfältigen Bearbeitung übersteigende Grösse der
Besitzungen: in Guipuzcoa besonders hat die Kleinheit der Eigenthumsstücke fast
ihren höchst möglichen Graddem Muthwillen der Vorübergehenden
verbessert aus Beraubungen des Müssigganges
.unselige Arbeit
Den Ursprung dieses Zitats kann ich nicht nachweisen.
setzengestrichen:
und nichts ausser ihr suchen.
Erholungenverbessert aus
Ausbrüchen.
Gleiches Ansehen von Wohlstand haben die Städte und selbst die Dörfer. Sie sind
reinlich und hübsch gebaut; die Ecken der Häuser, so wie die Einfassungen der
Fenster und Thüren sind immer von Quadersteinen; die Städte haben meistentheils
trottoirsfür die Fussgänger zu den Seiten. Aber die
Bauart ist, von dem ersten Hause jenseits der Bidassoa an, ganz und gar von der
Französischen verschieden, und ächt spanisch. Die Dächer sind flacher, die Häuser
haben weit mehr Tiefe und sind fast völlige
Dies bemerkten wir vorzüglich in Tolosa, unsrem ersten Nachtquartier, einem
hübschen Landstädtchen, am Fluss Oria oder Araxes. Man hat dasselbe fälschlich für
das Iturissa der Alten gehalten. Der Araxes aber scheint der MenlascusNach Menlascus
gestrichen: der Griechischen und Römischen
Geographen.
Das Gefühl, dass wir uns in einem fremden Lande befanden, wurde uns von den ersten
Schritten in Guipuzcoa an auch durch ein sonderbares Geräusch erneuert, welches
den Reisenden, ehe eine nimmer fehlende Quelle eines ruhigen Vergnügens für den
Spanier
da der Stier sich beklagen sollte,
sagen sie, thut
es der Wagen
Idiac erassi beharrean gurdiac. Und
doch ist alle Undeutlichkeit vermieden denn sie zeigt, allein unter allen mir
bekannten Sprachen, durch einen den Substantiven angehängten Buchstaben an, ob
dasselbe sich im Zustande des Handelns oder des Leidens befindet. Sie setzt
nemlich im ersten Fall ein c oder ic hinter das Wort, das im
letztem wegbleibt, und dieser Zusatz allein drückt aus, wozu wir ein eignes verbum brauchen müssen.
Mit diesem Geräusch wechselt das der Maulthierzüge ab, die man auf der Strasse von Madrid nach Bayonne unablässig antrift. Jedes Maulthier hat nemlich kleine Schellen um den Hals, das letzte des Zuges aber trägt zur Seite hinter dem Gepäck eine ungeheuer grosse Glocke, die man cencerro zumbon nennt. Wenn sich ihr langsam anschlagender dumpfer Ton zu dem Geräusch der Ochsenkarren gesellt, so giebt es nicht eins der angenehmsten, aber wenigstens der sonderbarsten Concerte.
Dicht hinter Salinas, das etwa auf der Hälfte des Weges zwischen Mondragon und Vitoria liegt, verlässt man Guipuzcoa und tritt in Alava ein. Nachdem man einen hohen Berg überstiegen hat, gelangt man in ein flacheres Land, und die lieblichen Berge und Thäler, die man bis hieher beständig zur Seite hatte, verlieren sich nun in eine noch fruchtbare und gut angebaute, aber minder anmuthige Gegend.
VitoriaNach
Vitoria gestrichen: die Hauptstadt der
Provinz.
Zusammenkunftgestrichen:
mit Alphons, verbessert aus
mit demselben.
Die Biscayer behaupten, dass der Name der Stadt Biscayischen Ursprungs sey, und
leiten ihn von bitorea, vortreflich, hervorstechend, ab. Sie verwerfen daher die
hie und da gewöhnliche Schreibart Victoria. Liest man aber die Gründungsurkunde
Vobis omnibus populatoribus meis de
noua Victoria —— und in praesata villa cui nouum
nomen imposui, scilicet Victoria, quae antea vocabatur Gasteiz. In
Sanchos Zeiten wurde alles, was eine gewisse Grösse mit sich führen sollte, aus
dem Lateinischen abgeleitet. Hätte man bei dieser Urkunde ein vaterländisches
Wort im Sinne gehabt, so hätte man es vermuthlich angezeigt. Man änderte aber
vielmehr den unbekannten Namen, um einen prangenden und gelehrten an die Stelle
zu setzen. [Der Ort soll Bitorea geheissen haben. S.
Vitoria trägt durchaus das Ansehen einer durch Handels- und Erwerbtleiss blühenden
Provinzstadt. Man erblickt überall Leben und Wohlstand, und bemerkt mehrere grosse
neu ausgeführte Gebäude, unter welchen sich vorzüglich der erst 1791, fertig
gewordne Marktplatz auszeichnet. Er ist viereckt, ganz aus Stein aufgeführt, und
besteht aus 34 Häusern, unter welchen das Rathhaus der Stadt (la
casa consistorial) das grösseste ist. Der Baumeister hat sich übrigens in
nichts von der gewöhnlichen Bauart der Marktplätze in Spanien entsernt. Auch hier
läuft unten ein ofner Bogengang herum, und jedes Fenster hat seinen eisernen
Balcon, eine Einrichtung, die insofern nothwendig ist, als in den Städten, welche
kein eignes Amphitheater für die Stiergefechte haben, der Markt zu diesem Behufe
gebraucht wird. Auf den äusseren Seiten desselben umgeben ihn vier breite
Strassen, so dass jedes Haus dadurch einen zweiten, nicht durch das Getümmel des
Markts gehinderten Eingang bekommt.
Der Reisende wird die Zeit, welche er sich ohnehin wegen der Durchsuchung seines
Gepäcks in Vitoria aufhalten muss, gern dazu anwenden, einige Gemälde in Kirchen,
und Privatsammlungen, deren es hier mehrere giebt, zu besehen. Unter denselben zog
unsre Aufmerksamkeit am meisten eine Titiansche Magdalena im Hause des Marques de
Alameda auf sich. Die Figur ist in Lebensgrösse, stehend und ganz bekleidet. Ihr
Kopf ist gegen die rechte Seite gewandt, und die Haare fallen ihr über die
Schulter auf den Busen herab.Nach herab gestrichen: und mit der rechten Hand
hält sie die Brust.
flehende Augenverbessert aus
gefaltete Hände.
In dem Hause der patriotischen Gesellschaft, deren Entstehen und Verdienste aus andern Reisebeschreibungen hinlänglich bekannt sind, befinden sich mehrere in der Provinz Alava gefundene Römische Inschriften. Auch sah ich daselbst zwei Stücke von Mosaikfussböden, die aber nur Verzierungen darstellten.
[Wichtigerer Fussboden zwischen Miranda und Comunion.]
Unter den Personen, die sich in Vitoria mit Literatur beschäftigen, lernte ich
einen gelehrten und verdienstvollen Geistlichen D. Lorenzo PrestameroVgl. über ihn
Von Vitoria bis an die Ufer des Ebro ist der Weg wieder flach und die Gegend unbedeutend. Ehe wir aber über den Fluss in die dürren Fluren Kastiliens übergehen, wird es gut seyn noch einen Blick zurück auf das lieblichere Biscayen zu werfen.
Handschrift (31 halbbeschriebene Quartseiten, von denen S. 23—26 fehlen) in der
im Wagen
. — Erster Druck:
Auch diese kleinen Probestücke der