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ἡ δὲ Ῥωμαίων πόλις — κατοικεῖται. Die Stadt der
Ἡ δὲῬωμ αίων πόλις ἁπάσης μὲν ἄρχει γῆς ὅση μὴ ἀνέμβατός ἐστιν, ἀλλ᾽ ὑπ᾽ ἀνθρώπων κατοικεῖται
Es giebt einen vierfachen Genuss des Alterthums:
in der Lesung der alten Schriftsteller,
in der Anschauung der alten Kunstwerke,
in dem Studium der alten Geschichte,
in dem Leben auf classischem Boden. —
Alle diese verschiedenen Genüsse geben im Ganzen denselben, nur zu anderen Graden gesteigerten Eindruck, und das Charakteristische dieses Eindrucks besteht darin,
dass jeder andre Gegenstand immer nur zu einer einzelnen Beschäftigung tauglich, das Alterthum hingegen eine bessere Heimath, zu der man jedesmal gern zurückkehrt, scheint,
dass von ihm aus alle mannigfaltigen menschlichen Sinnes und Vorstellungsarten verständlich werden, die man, wenn man unmittelbar von einer zur andern übergienge, nicht leicht verstehen würde,
dass viele andre Gegenstände auf vielfache Weise ergreifen, allein keiner so alle Ansprüche befriedigt, so in nichts anstösst, so eine vollkommene und zugleich energische Ruhe einflösst,
dass die Beschäftigung mit dem Alterthume die Untersuchung nie zu einem Ende und den Genuss nie zur Sättigung führt, dass es scheint, als könne man auf einem kleinen, eng begrenzten Felde in immer unergründlichere Tiefe graben, um immer grössere Ansichten zu erhalten, dass die längst bekannten Formen immer zu neuer Erhabenheit und Lieblichkeit übergehen, und zu neuem Einklang zusammentreten.
Was diesen Eindruck hervorbringt, kann man die Behandlungsart der Alten nennen.
Das Eigenthümlichste dieser Behandlungsart nun ist:
die menschliche Natur in ihren individuellsten und einfachsten Wirkungen, bloss durch Läuterung und Zusammenhaltung, überall das Idealische anspielen zu lassen;
mit der höchst möglichen Freiheit von stoffartigem Interesse immer nur diese Form vor Augen zu haben, diesen Uebergang vom Individuellen zum Idealen, vom Einfachsten zum Höchsten, vom Einzelnen zum Universum, ihn wie einen freien Rhythmus, nur mit ewig verschiedenem untergelegtem Texte überall ertönen zu lassen;
daher alles im Ganzen und Einzelnen, nur mehr oder minder, symbolisch zu behandeln, und darin mit so glücklichem Tacte begabt zu seyn, dass ebensosehr die Reinheit der Idee, als die Individualität der Wirklichkeit geschont wird. — Hierbei Bestimmung des Begriffs des Symbols und Warnung nicht das Sichtbare und Unsichtbare so zu trennen, als sey eins bloss die Hülle des sonst unabhängigen Andern.
Der Geist, der sich eine solche Behandlungsart erschafft (denn Schöpfer derselben
waren die
dass sein wesentlicher Charakter darin besteht, die Form der
Dies zu erklären wird eine Episode über Individualität, wie sie ist und seyn sollte, erfordert.
Eine fast oberflächliche Betrachtung und ein geringes Nachdenken geben schon folgende Sätze an die Hand.
Soviel sich auch ein Charakter nach seinen Aeusserungen und selbst seinen Eigenschaften schildern lässt, so bleibt die eigentliche Individualität immer verborgen, unerklärlich und unbegreiflich. Sie ist das Leben des Individuums selbst, und der Theil, der von ihr erscheint, ist der geringste an ihr.
Auf gewisse Weise lässt sie sich indess doch als die Consequenz eines gewissen Strebens, das eine Menge anderer ausschliesst, erkennen; als etwas positiv Werdendes durch Beschränkung.
Diese Beschränkung führt vermöge der Einrichtung unsrer Vernunft auf ein über dem Individuum stehendes Ideal.
Die Vergleichung mehrerer Individuen mit diesem und unter sich macht die Ansicht der gegenseitigen Ergänzung verschiedener zur Darstellung des Ideales möglich, und einige Individuen führen ausdrücklich zu derselben.
Das auffallendste Beispiel hiervon ist die Verschiedenheit der Geschlechter, und ein auf dieselbe vorzüglich aufmerksames Gemüth kann durch sie am vollständigsten das Verhältniss des Individuums zum Ideal kennen lernen, und von ihr aus am leichtesten alle andre ähnliche in der Schöpfung vorkommende Fälle auffinden.
Besonders an diesem Beispiele lernt man, dass es auch für die beschränktere Klasse, und endlich sogar für das Individuum ein Ideal giebt, das man dadurch erreicht, dass man die Consequenz des Strebens strenger und weniger einseitig macht, oder anders ausgedrückt die Eigenthümlichkeit mehr durch das, was sie ist, als was sie ausschliesst, an den Tag legt.
Da aber jedes Wesen nur dadurch etwas seyn kann, dass es etwas anderes nicht ist, so ist ein wahrer, nicht aufzuhebender Widerstreit, und eine unüberspringbare Kluft zwischen jedem und jedem auch der verwandtesten Individuen und zwischen allen und dem Ideal, und das Gebot in der Individualität das Ideal zu erreichen ist von unmöglicher Ausführung.
Dennoch kann dies Gebot nicht aufgehoben werden.
Jener Widerstreit muss daher nur scheinbar seyn, und in der
Nichts Lebendiges und daher keine Kraft keiner Art kann als eine Substanz angesehen werden, die entweder selbst, oder in der irgend etwas ruhte; sondern sie ist eine Energie, die einzig und allein an der Handlung hängt, die sie in jedem Moment ausübt. Die längste Vergangenheit existirt nur noch in dem gegenwärtigen Moment, und das ganze Universum wäre vernichtet, wenn sein jedesmaliges Wirken vernichtet werden könnte.
Keine Kraft ist mit dem, was sie bis jetzt gewirkt hat, vollendet. Sie erhält mit jedem Wirken Vermehrung; sie hat schon einen nie bekannten Ueberschuss über jedes ihr Wirken, und ihre künftigen Erzeugnisse lassen sich nicht nach den vorhergehenden berechnen. Es kann und muss ewig fort Neues entstehen.
Wenn man sich daher ein göttliches allgenugsames und unveränderliches Wesen denkt, so ist das ein Unding. Denn es ist nicht bloss etwas für uns, die wir an Bedingungen der Zeit gebunden sind, Unbegreifliches, sondern enthält, als ruhende Kraft, einen eigentlichen Widerspruch und gründet sich, indem es der Zeit entflieht, auf falsch angewendeten Begriffen von Raum und Substanz. Die wahre Unendlichkeit der göttlichen Kraft beruht auf dem allem Geschaffnen beiwohnenden Vermögen sich ewig neu und immer grösser zu gestalten, kann aber nicht, abgesondert von dem Geschaffenen, hypostasirt werden.
Die individuelle Kraft des Einen ist dieselbe mit der aller Andern, und der Natur überhaupt. Denn ohne das wäre kein Verstehen, keine Liebe und kein Hass möglich; auch erkennt man überall dieselbe Form wieder.
Worin die Geschiedenheit der Individuen besteht? ist schwieriger zu begreifen, und eigentlich unerklärbar. Allein wie, wenn, da der Mensch sich nur durch Reflexion deutlich werden, und diese nur durch das Gegenüberstellen eines Objects und Subjectes geschehen kann, auch die Kraft des Universums, auf der Stufe, auf der wir sie kennen, sich in Vielheit zerspalten müsste, um sich selbst klar zu werden?
Nach dieser Ansicht gewinnt nun der vorhin erwähnte Widerspruch eine ganz verschiedne Gestalt.
Es ist einmal nicht von festen, durch unveränderliche Gränzen umschriebenen
Substanzen, sondern von ewig wechselnden Kraft-
Denn um sich die individuelle Kraft vollständig vorzustellen, muss man sich, ausser dem beschränkten Daseyn des Moments, noch zweierlei an ihr denken: das verborgene und unergründbare Vermögen derselben, das sich bloss jetzt in solcher Beschränktheit offenbart, und die Ideen, die ein unmittelbarer Abglanz dieses Vermögens sind, die sie aber nicht Kraft besitzt als Wirklichkeit d.i. als Leben gelten zu machen. Daher ist zwischen Idee und Leben zwar ein ewiger Abstand, aber auch ein ewiger Wettkampf. Leben wird zur Idee erhoben und Idee in Leben verwandelt.
So ist, um näher zu unserm Vorwurf zurückzukommen, die Form der Individualität, wie sie seyn sollte, das Aufstreben einer von dem lebendigen Bewusstseyn, dass sie auf das engste mit dem geheimnissvollen, und unergründlichen, aber auch unendlichen Vermögen der Natur zusammenhängt, durchdrungenen Kraft innerhalb der Grenzen einer bestimmten Wirklichkeit zu demjenigen, was jenem verborgnen Vermögen entspricht, aber bloss als Ahndung gefasst und bloss als Idee dargestellt werden kann.
Zu dem Uebergange vom Endlichen zum Unendlichen, der immer nur idealisch ist, taugen ausschliessend die schaffenden Kräfte des Menschen: Einbildungskraft, Vernunft und Gemüth, und diese bedienen sich gewisser Formen, welche nur soviel vom Stoff annehmend, um noch sinnlich zu bleiben, mit eigentlichen Ideen in genauer Verwandtschaft stehend, und daher allbestimmbar, immer einen solchen Eindruck hervorbringen, dass ihre Bestimmtheit niemals beschränkende Gränze scheint.
Diese Formen sind Gestalt, Rhythmus, und Empfindung. Es lässt sich aber wohl noch eine vierte, aber schwer erklärbare hinzufügen, die dem ächten Philosophiren so vorherschwebt, wie das Silbenmass dem noch nicht gefundnen Gedicht.
Die Gestalt steht unter den ewigen Gesetzen der Mathematik des Raums, hat zur Grundlage die ganze sichtbare Natur und spricht auf mannigfaltige Weise zum Gefühl.
Der Rhythmus entspringt aus den geheimnissvollen, aber nothwendigen Verhältnissen der Zahl, beherrscht die ganze tönende Natur, und ist der beständige, unsichtbare Begleiter des Gefühls.
Die Empfindung fügt zu der Form des letzteren die Gewalt des Gefühls, und folgt den leitenden Ideen des Gemüths.
Kehrt man nun zu den einzelnen Eigenschaften des
1. darin, dass alles in ihm Bewegung, ewig mannigfaltig quellendes Leben ist, und es ihm mehr auf Streben, als auf Erstrebtes ankommt.
2. dass das Streben immer idealischer und geistiger Natur ist.
3. dass es ihm eigen ist, in der Wirklichkeit den wahren und rein natürlichen Charakter der Gegenstände aufzufassen,
4. und ihn in der Verarbeitung idealisch zu behandeln.
5. dass er bei der Wahl eines Stoffs immer, soviel es möglich ist, die Endpunkte alles geistigen Daseyns, Himmel und Erde, Götter und Menschen, zusammennimmt und in der Vorstellung des Schicksals, wie in einem Schlusssteine wölbt. Die Formen, deren er sich bedient, sind vorzugsweise:
1. die Gestalt der Plastik,
2. der Rhythmus der Dichtkunst,
3. die Empfindung der durch Phantasiebegeisterung geweckten Religion. Man wird dieser
Schilderung vielleicht entgegensetzen, dass sie zu künstlich sey, und behaupten:
Denn es endigt darin, dass es den
Ueberhaupt lässt sich jede bedeutende menschliche Eigenthümlichkeit durch
mannigfaltige Ansichten schildern, von denen eine nur bald bestimmter, bald leichter
erklärbar, bald fruchtbarer ist, als die andern. Eine, die sich unmittelbar aus dem
Vorigen er-
Alles, was
was sich nicht in klaren Verhältnissen zu Theilen und Ganzen aus einander legte,
was nicht seinen Stoff und selbst seine Form der Idee eines Ganzen unterordnete,
was nicht eine innere, frei wirkende Kraft athmete.
Mehr aber sinnlicher, als intellectueller Natur liebt der
Nachdem wir das Bisherige im Allgemeinen vorausgeschickt haben, wollen wir jetzt, die
hauptsächlichsten Gegenstände, aus denen sich der
der Kunst,
der Dichtung,
der Religion,
den Sitten und Gebräuchen,
dem öffentlichen und Privatcharakter und der Geschichte.
1. an der Kunst.
Der einzige Grundsatz, welcher zu einer richtigen Erklärung der
Es wird lächerlich scheinen, der a priori anzuweisen, sie eher aus den
trocknen Formeln der Mathematik, als der quellenden Fülle des Lebens herzuleiten.
Allein ich berufe mich auf das Unheil eines jeden, der die Antike mit gesundem
Gefühle zu sehen versteht, ob — es verhalte sich auch mit der Wahrheit, wie es wolle
— es nicht wenigstens vollkommen so scheint, als habe der
Die neuere Kunst, insofern sie nicht die alte und im alten Sinn nachbildet, geht in der Darstellung auf Naturnachahmung aus, und hascht in der Bedeutung nach Schönheit oder Charakter, oder nach beidem zugleich. Sie behandelt die Natur, ohne einen Schlüssel zu haben, durch den sie dieselbe zur Erkennung der reinen allein brauchbaren Formen, die von ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit und Individualität bedeckt und gleichsam eingehüllt sind, erschliessen könnte, und von den Zielen, die sie sich vorsetzt, ist eins dunkel und schwer bestimmbar, und das andere führt leicht auf ein Gebiet, dem die Kunst fremd ist.
Die neuere Kunst ist hierin zu entschuldigen, weil selbst die Leichtigkeit der Ausführung, die soviele Vorübungen ihr verschaft haben, sie verführt, weil sie unübertrefliche Vorbilder hat, und verleitet wird, diesen unmittelbar gleichkommen zu wollen, ohne nur in ihnen die mühvolle Bahn zu studiren, welche sie, so wie ihre ältere Schwester, noch gegenwärtig durchgehen müsste.
Die
Die Daß Herakles den
σφαιρικὸς λόγος; aus Ägypten nach Griechenland herüberbrachte, berichtet
Da die Bestimmung der
Diese Verhältnisse beherrschen aber Glieder eines organischen Körpers, die eine ihm einwohnende Kraft belebt, und hierin nun liegt die wundervollste Eigenthümlichkeit der alten Kunst, dass jeder einzelne Theil nur dieser Kraft zu entströmen, und sich in sie zurückzusenken scheint. Begreiflich zu machen, wie dies zugeht, zu zeigen, wie es zu machen sey, ist durchaus unmöglich; es ist der Theil der Kunst, der sich nicht durch Richtigkeit der Verhältnisse, Wahl der Formen, Nachbildung der Natur u.s.f. erklären lässt, da es in nichts Einzelnem liegt, sondern vielmehr alles Einzelne zusammenschmelzt und belebt. Aber auf folgende Weise ist es dennoch möglich, dem Geheimniss etwas näher zu rücken.
Der menschliche Geist hat eine unläugbare Kraft, unmittelbar selbst und in seiner
eigenthümlichsten Gestalt aus sich herauszustrahlen, an einem Stoffe zu haften,
sobald dieser nur von einer Idee, als etwas seiner Natur Verwandtem, bezwungen ist,
und an ihm erkennbar zu seyn. Inwiefern ihm dieses gelingen soll, hängt von seiner
Anstrengung und unverwandten Richtung, und der
Worauf also der
Was aber am meisten Bewunderung verdient, ist dass schon in der Epoche der strengeren
Kunst immer Trockenheit und Härte vermieden blieb, und hiernach alle Fülle des Lebens
so sehr jene ursprünglichen grossen Formen umgoss, dass die schlichteste
Naturnachahmung bloss in einem edleren Element ihre irdische Dürftigkeit ausgetilgt
zu haben schien. Die Kunst keiner Nation und keines Zeitalters schäumt von einem
solchen Reichthum und einer solchen Ueppigkeit der Gestalten über, und hier bewährt
sich aufs neue die Treflichkeit der nie verlassnen Grundmethode. Denn wie er nicht
der Riesenmasse der
Aber wie die reine Form der VerhältnisseNach Verhältnisse gestrichen : in
der früheren Kunst.
siegestrichen:
es in der späteren.
Denn da der
Bis in die tiefste Ader der Brust fühlte der
So verfuhr er bei dem einzelnen Kunstwerk; aber in der Folge aller schied er mit gleich bestimmten Gränzen die besonderen Gattungen; und umfasste mit ihrem vollständigen Cyclus die ganze Schöpfung, und die ihm bekannte Welt und Geschichte, ging alle Momente der Kraft des lebendigen Daseyns durch vom halb thierischen Tritonen bis zum Vater der Götter und Menschen; alle Elemente von den Lüften bis zu dem Grunde des Meers und der Erde; alle Epochen des Lebens von der Geburt bis zur Vergötterung und den Strafen der Unterwelt; die Endpunkte seiner Welttafel von den Indischen Zügen des Bacchus bis zu den Gärten der Hesperiden; und die ganze Folge des Heroenalters von dem Kampf der Titanen bis zur Eroberung Ilions.
2. an der Dichtung.
Die Poesie hat nicht, wie die bildende Kunst ein beschränktes, sondern ein unermessliches alles Daseyn umfassendes Feld. Sie ist Kunst, indem sie die Schöpfung als ein lebendiges, sich durch eigne Kraft von innen aus gestaltendes Ganzes darzustellen, das belebende Prinzip auszusprechen versucht, das keine andre Beschreibung schildern, und keine nicht von Begeisterung ausgehende Untersuchung erreichen kann, und sie bedient sich zur Vollendung ihres Geschäfts des Rhythmus, der, als ein wahrer Vermittler, als äussere Gesetzmässigkeit, die Bewegungen der Welt, und als innere, die Veränderungen des Gemüths beherrscht.
Das Charakteristische der
Dass diese Empfindung, und nicht, wie bei andern Nationen, eine beschränktere und
mehr subjective der
Denn in der That ist eine grössere Objectivität in den Silbenmassen der
Dass in der That die
Auf welche Weise nun wäre dies möglich, wenn man nicht annähme, dass ein grosses,
noch ausserdem in verschiedene Stämme getheiltes, unendlich lebhaftes, ewig
schwatzendes und singendes Volk von einem von Natur auf Rhythmus und Wohlklang
gerichteten Sinne beseelt gewesen sey? Nur in dem Munde
Das hauptsächlichste und ursprüngliche Streben des
Denn es ist immer dasselbe Suchen des Unendlichen im Endlichen, der Gottheit im
Irrdischen, da einmal unläugbar ist, dass in diesem mehr als bloss Irrdisches liegt
und dieses Mehr doch nur der Begeisterung zugänglich ist. Ueberall bezeichnet dieser
Trieb nach dem Göttlichen den
Die
In demselben Geiste, welcher in dem Rhythmus der
Denn es ist, als ginge der Zweck aller
Alles zu Individuelle wird daher verschmäht, und mit Fleiss vermieden. Nicht der Einzelne, sondern der Mensch soll auftreten in den bestimmt geschiedenen, aber einfachen Zügen seines Charakters.
Selbst diese Züge sind schon in der Dichtung, wie in der Plastik, unveränderlich festgesetzt. Man denkt nicht darauf, sie zu vervielfachen, sondern nur sie dem Gemüth anders und anders einzuprägen. Auch hat die Dichtung ebenso einen bestimmten Kreis, und die ernsthafte steigt nicht in das bürgerliche und gemeine Leben herab.
Der Gedanke hält sich, wie die Empfindung innerhalb derselben allgemeinen, unbestreitbaren Klarheit und Evidenz. Wie in jener das zu Partikulaire, so wird in dieser das zu Abstracte vermieden.
Aber in diesem so bestimmten Umfang alles, was Tiefe, Klarheit, Sinnlichkeit und Idealität in ihrem lebendigsten Zusammenwirken hervorzubringen vermögen.
Die Tiefe ist nicht eine durch Nachdenken ergrübelte, sondern die, welche sich, so zu sagen, von selbst aufthut, so wie das Gemüth auf die rechte Weise erschüttert wird.
Die Klarheit ist keine solche, die was dunkel oder verwickelt scheint entfernt, sondern die, welche den reichsten und gehaltvollsten Stoff bestimmt aus einander legt.
Die Sinnlichkeit beruht nicht bloss auf dem Reichthum sinnlicher Gegenstände und Bilder, sondern auf der weisen Behandlung derselben, welche die dem Sinn nur hinderliche Ueberladung hinwegschneidet, und auf der Wahl, die gerade diejenigen heraushebt, die allgemein auf gleiche Weise empfunden werden.
Die Idealität endlich geht zwar grossentheils aus der hohen und edlen Ansicht, den
Menschen immer mit den Göttern zu-
Denn alles hier Geschilderte arbeitet allein darauf hin, die Wirklichkeit, so rein und so treu als möglich, zum Symbol der Unendlichkeit zu machen; indem man einestheils nur das an ihr heraushebt, was vorzüglich fähig ist, die sich in ihr ausprägende Idee darzustellen, und anderntheils das Gemüth stimmt in ihren Zügen nur diese Idee zu erkennen.
Alle Dichtung, die sich, erreichte sie auch von gewissen Seiten einzelne Vorzüge vor
ihr, von der
3. an der Religion.
Der Geist der
In beidem wird klar, dass der
dass er dies nicht bloss aus abergläubischen Beweggründen, sondern aus reiner Freude an Ideen that, denen er durchaus freies Feld liess,
dass er die Natur des Uebersinnlichen in den reinen Ideen suchte, die in der That die Wirklichkeit, wie grosse und ewige Gesetze beherrschen,
dass er aber endlich doch mit ihnen wiederum auf wundervolle Weise die lebendigste Sinnlichkeit verband, und also auch hier
symbolisch blieb.
Dass den
1., den eigentlich religiösen und moralischen Gehalt, vor allem die Scheu vor dem Unbegreiflichen, Uebersinnlichen, ohne die an keine wahre Grösse und Schönheit des menschlichen Wesens gedacht werden kann.
2., eine lebendige Welt von Wesen, die, ihrer ganzen Beschaffenheit nach, Menschen
bloss von ihren Mängeln frei sind. Ja selbst von diesen noch das an sich tragen, was
gross, stark und üppig ist, und nur auf eine wunderbare Weise das moralisch
Misfällige daran durch die eine Voraussetzung, dass sie Götter sind, austilgen. Der
ächt
3., dunkle, aber selbst dadurch nur mächtiger wirkende Ideen über die Zusammenfügung und die Entstehung des Weltalls. Denn wenn man auch die spätere, oft kindische und kleinliche Allegorie absondern muss, so liegen doch gewisse Urbegriffe davon unläugbar auch in den ältesten Vorstellungsarten zum Grunde.
4., ihre vaterländische Geschichte und die ganze Summe ihrer Weltkunde und Tradition.
Auf diese Weise war die Religion der
Die einzige Idee schon, dass an der Spitze von Allem ein Schicksal stand, dem
Menschen und Götter gleich unterworfen waren, und das nach durchaus blinden und
unverstandenen Rathschlüssen herrschte, gab der Religion für ein Volk von Οὐδὲ γὰρ οὐδὲ βίη
Auch ist es nicht richtig (und dies verdient hier vor Allem Beherzigung), dass der
Mensch nur immer nach Genuss und Glückseligkeit jagt. Sein wahrer Instinct, seine
tiefe, innere Leidenschaft ist, seine Bestimmung, und sey es auch eine unglückliche
zu erfüllen, wie die Raupe sich einspinnt und andre Thiere auf andre Weise ihrem Tode
entgegeneilen. Es giebt kein höheres, thätig und leidend starkes und mit edler Scheu
vor einer übersinnlichen, alles beherrschenden Macht ergebenes Gefühl, als das, in
dem Hektor ausruft: denn es kommt einst der Tag, an dem die heilige Ilios sinkt!Ἔσσεται
ἦμαρ ὅτ᾽ ἄν ποτ᾽ ὀλώλῃ
Ein zweites, überaus wichtiges Moment ist es, dass die Religion nicht in einer Reihe
erweisbarer oder geoffenbarter Wahrheiten bestand, sondern ein Inbegriff von oft
widersprechenden Sagen und Ueberlieferungen war. Das Suchen nach religiöser Wahrheit,
das aus der moralischen Unruhe des Gewissens, oder der intellectuellen, die durch den
Zweifel erregt wird, entspringt, war den Alten, wenigstens in ihrer schönsten
Eigenthümlichkeit, fremd. Ihre Religion war dem Volke von der einen Seite blosser
Opfer und Götzendienst, von der andern Theil der Staatsverfassung, des öffentlichen
und häuslichen Lebens, und allen, die sich über das Volk erhoben, Beschäftigung mit
einer überirrdischen Welt, die jeder nach der Natur seines Geistes sinnlicher und
geistiger, buchstäblicher und symbolischer ansehen, in die er durch das Thor der
Kunst und der Philosophie, der Wissenschaft und der Geschichte eingehen konnte. Die
Aber der Der älteste
Beleg dieser Erzählung findet sich in den Scholien zu
Der
An das Leben der Götter auf Erden knüpft sich unmittelbar das Geschlecht der Heroen
an, ihre Geschichte und ihr Dienst. Die
Wohl alle Nationen haben Menschen in den Himmel, und ihre Götter auf die Erde
versetzt, mehrere haben vergötterte Menschen den Göttern gleich gestellt oder
untergeordnet. Aber dass keins dies so weit ausgedehnt, so genau ausgesponnen, so
tief in alle seine Umgebungen verwebt, keins so für die Bereicherung der Kunst und
der Dichtung und die Belebung des Nationalgeistes benutzt hat, als die
Wie die Religion der
Merkwürdig ist es noch, dass die Religion der Kunst so unbeschränkte Freiheit liess,
und sie nicht, wie wenigstens zum Theil in
Für den rohen Menschen ist die Religion immer, mehr oder minder, Götzendienst; der besserer Empfindungen fähige schöpft daraus Ueberzeugung, Gesetz und Hofnung. Dies ist das eigentlich religiöse Bedürfniss. Aus diesem entstehen in Familien und Völkern Ueberlieferungen und Gebräuche; diese benutzt der Staat und wendet sie zu seinen Zwecken. Insoweit sind die Religionen aller, besonders der älteren Völker einander gleich.
Die Eigenthümlichkeit des
Um dies ganz zu fühlen erinnere man sich an das Ungeheure und Unästhetische so vieler
Religionen des Orients und selbst zum Theil der
4. an den Sitten und Gebräuchen.
Aus diesem weiten Felde ist es nur möglich einige einzelne Punkte herauszuheben.
Παλαίστραν δὲ καὶ μουσικὴν οὐ νόμιμόν ἐστι παρ´ αὐτοῖς
μανθάνειν
Κατεσκεύασε δὲ καὶ γυμνάσια καὶ θεῶν ναοὺς καὶ τἄλλα
πάντα τὰ πρὸς βίον ἀνθρώπων εὐδαίμονα, ὧν ὑπομνήματα μέχρι τῶνδε τῶν καιρῶν
διαμένει
Der Werth, den die
Diese Sitte, den Olympischen Kranz höher zu achten, als den ernsthaftesten Sieg und
das nützlichste Bestreben, dies Schattenbild des Ruhms bloss aus dem Alter der
Spiele, der Ehrwürdigkeit ihres Stifters, den damit verknüpften heiligen
Feierlichkeiten, dem Zusammenströmen aller
An diese Art des Lebens schlossen sich nun und aus derselben entsprangen zwei andere,
auch nur den
Der letzten wird niemand geradezu das Wort reden. Aber im höchsten Grade merkwürdig
bleibt es, welchen Gebrauch die
Man hat die Knabenliebe oft aus der geringen Ausbildung des weiblichen Geschlechts
herleiten wollen. Allein es möchte schwer zu beweisen seyn, dass diese wirklich so
gering gewesen sey. Die Geschichte bietet Beispiele genug dar, dass Weiber theils
Uebrigens waren aber unsinnige Prachtliebe und Ausschweifungen bei den
Indess ist es nicht zu läugnen, dass das weibliche Geschlecht in
Das weibliche Geschlecht ist dergestalt an seine ursprüngliche
Aus den beiden so eben erwähnten Eigenschaften des
5. an dem öffentlichen und Privatcharakter und der Geschichte.
Der politische Charakter der
Indess verläugneten sich doch niemals zwei Dinge in demselben: Anhänglichkeit an Volksgleichheit und vaterländischen Ruhm.
Die Bedrückung der niedrigen Bürger durch die vornehmem, und der Armen durch die
Reichen war den
Untergang der Freiheit in einheimischer und fremder Tyrannei hatte zwar von Zeit zu
Zeit Statt, aber niemals auf eine daurende Weise, und wenn man sich fragt, was
eigentlich im Ganzen namentlich in
Auch ist nicht zu übergehen, dass die
Unter der Mannigfaltigkeit von Charakteren, die eine aus so vielen Stämmen
zusammengesetzte Nation in einer Reihe von
In der edelsten Art thun dies
Unter den glänzenden Charakteren, die den (besonders
Dagegen stechen
Endlich in dem Sinken der
Eine Schilderung der Eigenthümlichkeit des
in dem
Er war ofner gegen alle Eindrücke der Aussenwelt und vorzüglich empfänglich für die auf Sinnlichkeit und Einbildungskraft.
Seine inneren Kräfte waren immer rege, den Eindrücken entgegenzuwirken, und zwar in eben der Art, in der diese geschahen.
Er liess dem Eindruck Weile und übereilte ihn nicht; er lieh der inneren Thätigkeit Schnelligkeit und verzögerte sie nicht. Dadurch gewann er in der Ansicht Klarheit und Anschaulichkeit, und in dem Wirken Leben und Feuer.
Er hatte dieses letzteren (und darin liegt vorzüglich der Schlüssel von Allem) so
unglaublich viel, dass es ihm schon darum unmöglich wurde, von irgend einer Seite in
Materialität zu versinken, die immer die Kraft abstumpft, dass er dadurch das
natürliche Gleichgewicht in sich erhielt, weil die stärkere Kraft sich einem innern
Instinkte gemäss von selbst in den Mittelpunkt versetzt,
Die Angeln seiner wundervollen Eigenthümlichkeit sind also die Intensität dieser kraftvollen Beweglichkeit, und ihre natürlich richtige und gleichförmige Stimmung, die ihn im Aeussern zu Klarheit und Richtigkeit, im Innern zu Festigkeit, Consequenz und der höchsten Klarheit des inneren Sinns, der Idealität fähig machte.
Auf diese Weise konnte der
auf der einen Seite Geselligkeit und Trieb nach Mittheilung, wie ihn vielleicht keine Nation je gekannt hat, auf der andern Sucht nach Abgezogenheit und Einsamkeit;
auf der einen beständiges Leben in Sinnlichkeit und Kunst, auf der andern in der tiefsinnigsten Speculation;
auf der einen den verächtlichsten Leichtsinn, die ungeheuerste Inconsequenz, die unglaublichste Wandelbarkeit, wo die Beweglichkeit und Reizbarkeit allein herrschten, auf der andern die musterhafteste Beharrlichkeit und die strengste Tugend, wo sich ihr Feuer, als ernste Kraft, in den Grundvesten des Gemüths sammelte.
Vorzüglich aber begreift man, wie bei einem solchen Charakter Begeisterung für
Vaterland, Freiheit und
Ganz und gar entbehren aber auch die
Das hier Vorgetragene wird vielleicht durch eine kurze Entgegenstellung der
Am ähnlichsten im Ganzen, aber am unfähigsten sie in einzelnen Theilen ihres
Charakters zu erreichen, und beides in höherem Grade als die alten
In die Hauptelemente ihres Charakters sich getheilt haben,
Dem
Die Geschichte der
Man kann sie in vier Perioden abtheilen, in denen sie vorzüglich eine verschiedene Gestalt annimmt.
Vor den
Während der
Den Zwischenraum zwischen diesen Kriegen und der Macedonischen Uebermacht nahm die
Eifersucht der
Von
In dieser ganzen Reihe von Begebenheiten würde man vergebens Einheit suchen, die nur da Statt finden kann, wo die Nation eigentlich politischen Charakter besitzt. Aber keine zeigt eine solche wundervolle Mannigfaltigkeit, und in keiner gewinnen die an sich unwichtigsten Begebenheiten bloss durch den Charakter der auftretenden Menschen eine solche Wichtigkeit und Grösse. Die Begebenheiten entstehen meistentheils durch die Beweglichkeit des Volkscharakters und werden geadelt durch die Handlungsweise der Einzelnen. Reizbarkeit und Heftigkeit des Entgegenwirkens spielen auch hier die Hauptrolle, und nicht lang angelegte Plane, sondern eigentliche Privatleidenschaften, doch mehr der ganzen Völker, als ihrer einzelnen Anführer bestimmen das politische Betragen der Staaten gegen einander.
Wenn man nun fragt: wie hat ein Volk, wie die
Das wesentlichste Element in dem ausgebildeten Charakter einer Nation, wie eines
Individuums ist die ursprüngliche Form
Eine vorzügliche Nation dankt daher ihre Vorzüglichkeit ihrer eigenen ursprünglichen Individualität, und diese entsteht, bei Einzelnen, wie bei ganzen Völkern, von selbst und durch ein Wunder. Wäre sie selbst auch von andern Ursachen durchaus abhängig, so ist diese Reihe verborgen und daher für uns nicht vorhanden. Wie im Geiste selbst ein Gedanke, wie auf der Leinwand des Malers eine Figur, so entsteht in der Natur durch das Wirken grosser, oder gerade glücklich begeisterter Kräfte eine Form des Lebens, die auf einmal eine neue Reihe geistiger Erscheinungen beginnt. Erst wenn sie erschienen ist, beginnt das Reich und der Einfluss der Umstände, die sie aufhalten und zerstören, aber auch beschützen und ausbilden können.
In der Wirklichkeit mögen vielleicht, ehe eine Form des Geistes in ihrer ganzen Bestimmtheit auftritt, unzählige Versuche vorhergehen, die gewissermassen eine Stufenleiter zu dem ersten gelingenden abgeben. Allein da von diesem zu den verfehlten immer eine Kluft vorhanden seyn muss, für die jede Messung nach Graden unrichtig wäre, so steht in der Erscheinung eine solche Form immer plötzlich und auf Einmal da, und es bleibt nichts zu thun übrig, als den Moment des Erscheinens zu fixiren, und von da an die begünstigenden und hindernden Umstände, wohl verstanden aber, dass diese auch zum Theil durch jene Form bestimmt werden, aus einander zu setzen.
Auf die Frage also, wie kommt es, dass jene hinreissend schöne Form der Menschheit
allein in
Die meisten das Leben einer Nation begleitenden Umstände, der Wohnort, das Klima, die Religion, die Staatsverfassung, die Sitten und Gebräuche, lassen sich gewissermassen von ihr trennen, es kann, selbst bei reger Wechselwirkung noch, was sie an Bildung gaben und empfingen, gewissermassen abgesondert werden. Allein einer ist von durchaus verschiedener Natur, ist der Odem, die Seele der Nation selbst, erscheint überall in gleichem Schritte mit ihr, und führt, man mag ihn als wirkend oder gewirkt ansehen, die Untersuchung nur in einem beständigen Kreise herum — die Sprache.
Ohne sie, als Hülfsmittel zu gebrauchen, wäre jeder Versuch über Nationaleigenthümlichkeiten vergeblich, da nur in der Sprache sich der ganze Charakter ausprägt, und zugleich in ihr, als dem allgemeinen Verständigungsvehikel des Volks, die einzelnen Individualitäten zur Sichtbarwerdung des Allgemeinen untergehen.
In der That geht ein individueller Charakter nur durch zwei Mittel, durch Abstammung und durch Sprache, in einen Volkscharakter über. Aber die Abstammung selbst scheint unwirksam, ehe durch Sprache ein Volk entstanden ist. Denn wir finden nur selten, dass Kinder die Eigenthümlichkeit ihrer Väter, und immer, dass Generationen die Eigenthümlichkeit ihres Stammes an sich tragen.
Auch ist die Sprache gleichsam eine bequemere Handhabe, den Charakter zu fassen, ein Mittel zwischen der Thatsache und der Idee, und da sie nach allgemeinen, wenigstens dunkel empfundenen Grundsätzen gebildet, und meistentheils auch aus schon vorhandenem Vorrath zusammengesetzt ist, so giebt sie nicht nur Mittel zur Vergleichung mehrerer Nationen, sondern auch eine Spur an die Hand den Einfluss einer auf die andern zu verfolgen.
Wir müssen daher hier erst vorläufig die Eigenthümlichkeiten der
Wenn schon die Schilderung des Charakters eines Individuums oder gar einer Nation in
Verlegenheit setzt, so thut dies noch mehr die des Charakters einer Sprache. Wer sie
jemals versucht hat, wird bald inne werden, dass, wenn er etwas Allgemeines zu sagen
im Begriff ist, er unbestimmt wird, und wenn er ins Einzelne ein-
Den nachtheiligsten Einfluss auf die interessante Behandlung jedes Sprachstudiums hat die beschränkte Vorstellung ausgeübt, dass die Sprache durch Convention entstanden, und das Wort nichts als Zeichen einer unabhängig von ihm vorhandenen Sache, oder eines eben solchen Begriffs ist. Diese bis auf einen gewissen Punkt freilich unläugbar richtige, aber weiter hinaus auch durchaus falsche Ansicht tödtet, sobald sie herrschend zu werden anfängt, allen Geist und verbannt alles Leben, und ihr dankt man die so häufig wiederholten Gemeinplätze: dass das Sprachstudium entweder nur zu äusseren Zwecken, oder zu gelegentlicher Entwickelung noch ungeübter Kräfte nothwendig; dass die beste Methode die am kürzesten zu dem mechanischen Verstehen und Gebrauchen einer Sprache führende; dass jede Sprache, wenn man sich ihrer nur recht zu bedienen weiss, ungefähr gleich gut ist; dass es besser seyn würde, wenn alle Nationen sich nur über den Gebrauch einer und ebenderselben verstünden, und was es noch sonst für Vorurtheile dieser Art geben mag.
Genauer untersucht zeigt sich nun aber von allem diesem das gerade Gegentheil.
Das Wort ist freilich insofern ein Zeichen, als es für eine Sache oder einen Begriff
gebraucht wird, aber nach der Art seiner Bildung und seiner Wirkung ist es ein eignes
und selbstständiges Wesen, ein Individuum, die Summe aller Wörter, die Sprache, ist
eine Welt, die zwischen der erscheinenden ausser, und der wirkenden in uns in der
Mitte liegt; sie beruht freilich auf Convention, insofern sich alle Glieder eines
Stammes verstehen, aber die einzelnen Wörter sind zuerst aus dem natürlichen Gefühl
des Sprechenden gebildet, und durch das ähnliche natürliche Gefühl des Hörenden
verstanden worden; das Sprachstudium lehrt daher, ausser dem Gebrauch der Sprache
selbst, noch die Analogie zwischen dem Menschen und der Welt im Allgemeinen und jeder
Nation insbesondre, die sich in der Sprache ausdrückt, und da der in der Welt sich
offenbarende Geist durch keine gegebene
Dies vorausgeschickt lassen wir hier eine möglichst kurze Analyse der Natur der Sprache im Allgemeinen folgen, aus welcher sich dann bald ergeben wird, von welchen Seiten die besonderen Sprachen von einander abweichen, und in ihrem Werthe dem Grade nach verschieden seyn können.
Die Sprache ist nichts anders, als das Complement des Denkens, das Bestreben, die äusseren Eindrücke und die noch dunkeln inneren Empfindungen zu deutlichen Begriffen zu erheben, und diese zu Erzeugung neuer Begriffe mit einander zu verbinden.
Die Sprache muss daher die doppelte Natur der Welt und des Menschen annehmen, um die Einwirkung und Rückwirkung beider auf einander wechselseitig zu befördern; oder sie muss vielmehr in ihrer eignen, neu geschaffenen, die eigentliche Natur beider, die Realität des Objects und des Subjects, vertilgen, und von beidem nur die ideale Form beibehalten.
Ehe wir dies weiter erklären, wollen wir vorläufig als den ersten und höchsten Grundsatz im Urtheil über alle Sprachen festsetzen:
dass dieselben immer in dem Grade einen höheren Werth haben, in welchem sie zugleich den Eindruck der Welt treu, vollständig und lebendig, die Empfindungen des Gemüths kraftvoll und beweglich, und die Möglichkeit beide idealisch zu Begriffen zu verbinden leicht erhalten.
Denn der reale aufgefasste Stoff soll idealisch verarbeitet und beherrscht werden, und weil Objectivität und Subjectivität — an sich Eins und dasselbe — nur dadurch verschieden werden, dass die selbstthätige Handlung der Reflexion sie einander entgegensetzt, da auch das Auffassen wirkliche, nur anders modificirte Selbstthätigkeit ist, so sollen beide Handlungen möglichst genau in Einer verbunden werden.
Das heisst: es soll eine freie Uebereinstimmung zwischen den ursprünglichen das
Gemüth und die Welt beherrschenden Grundformen geben, die an sich nicht deutlich
angeschaut werden können, die aber wirksam werden, sobald der Geist in die richtige
Stimmung versetzt ist — eine Stimmung, die hervorzubringen
So wenig das Wort ein Bild der Sache ist, die es bezeichnet, eben so wenig ist es
auch gleichsam eine blosse Andeutung, dass diese Sache mit dem Verstande gedacht,
oder der Phantasie vorgestellt werden soll. Von einem Bilde wird es durch die
Möglichkeit, sich unter ihm die Sache nach den verschiedensten Ansichten und auf die
verschiedenste Weise vorzustellen; von einer solchen blossen Andeutung durch seine
eigne bestimmte sinnliche Gestalt unterschieden. Wer das Wort Wolke ausspricht, denkt
sich weder die Definition, noch Ein bestimmtes Bild dieser Naturerscheinung. Alle
verschiedenen Begriffe und Bilder derselben, alle Empfindungen, die sich an ihre
Wahrnehmung anreihen, alles endlich, was nur irgend mit ihr in und ausser uns in
Verbindung steht, kann sich auf einmal dem Geiste darstellen, und läuft keine Gefahr,
sich zu verwirren, weil der Eine Schall es heftet und zusammenhält. Indem er aber
noch mehr thut, führt er zugleich von den ehemals bei ihm gehabten Empfindungen bald
diese, bald jene zurück, und wenn er in sich, wie hier, (wo man nur Woge, Welle,
Wälzen, Wind, Wehen, Wald u.s.f. mit ihm vergleichen darf, um dies zu finden)
bedeutend ist, so stimmt er selbst die Seele auf eine dem Gegenstande angemessene
Weise, theils an sich, theils durch die Erinnerung an andere, ihm analoge. So
offenbart sich daher das Wort, als ein Wesen einer durchaus eignen Natur, das
insofern mit einem Kunstwerk Aehnlichkeit hat, als es durch eine sinnliche, der Natur
abgeborgte Form eine Idee möglich macht, die ausser aller Natur ist, aber freilich
auch nur insofern, da übrigens die Verschiedenheiten in die Augen springen. Diese
ausser aller Natur liegende Idee ist gerade das, was allein die Gegenstände der Welt
fähig macht, zum Stoff des Denkens und Empfindens gebraucht zu werden, die
Unbestimmtheit des Gegenstandes, da das jedesmal Vorgestellte weder immer vollkommen
ausgemahlt, noch festgehalten zu werden braucht, ja dasselbe vielmehr von selbst
immer neue Uebergänge darbietet — eine Unbestimmtheit, ohne welche die
Selbstthätigkeit des Denkens unmöglich wäre — und die sinnliche Lebhaftigkeit, die
ἵππος, equus und
Pferd ausspricht, nicht durchaus und vollkommen dasselbe sagt.
Wo von unsinnlichen Gegenständen die Rede ist, ist dies noch weit mehr der Fall, und das Wort erlangt eine weit grössere Wichtigkeit, indem es sich noch bei weitem mehr als bei sinnlichen von dem gewöhnlichen Begriff eines Zeichen entfernt. Gedanken und Empfindungen haben gewissermassen noch unbestimmtere Umrisse, können von noch mehr verschiedenen Seiten gefasst und unter mehr verschiedenen sinnlichen Bildern, die jedes wieder eigne Empfindungen erregen, dargestellt werden. Wörter dieser Art sind daher, auch wenn sie Begriffe anzeigen, die sich vollkommen in Definitionen auflösen lassen, noch weniger gleichbedeutend zu nennen.
Handschrift (58 halbbeschriebene Quartseiten) im Archiv in