Über die Bedingungen, unter denen Wissenschaft und Kunst in einem
Volke gedeihen
Mit besondrer Rücksicht auf Deutschland und die gegenwärtige Zeit.
Bruchstück.
Deutschland hat in weniger als einem halben
Jahrhundert drei Perioden seiner wissenschaftlichen Blüthe durchlaufen, welche
mehrere seiner berühmtesten Männer, Klopstock, Herder, Wieland, Göthe, alle gesehen, und zum Theil durch eigne Werke bezeichnet haben.
In der frühesten, in der Lessing und
Klopstock an der Spitze standen, beginnt
Deutsche Eigenthümlichkeit sich eben erst
wieder (denn in älterer Zeit stand sie in vollem Glanze da) von fremder Nachahmung zu
scheiden. Die Philosophie zeigt seltenen Scharfsinn, trachtet nach lichtvoller
Klarheit, sucht eine sie manchmal wenig kleidende Anmuth, trägt aber noch nicht den
eigentlichen Charakter des Strebens nach dem Mittelpunkte alles Denkens. In der
zweiten, in welcher man Kant, Göthe und Schiller die Häupter nennen kann, gieng, nach einer gänzlich
herabgesunkenen, und gewissermassen volksmässig gewordenen Philosophie, selbst aus
den Irrthümern ihres Lehrers eine ächt philosophische Schule aus, die überall Geist
und Leben verbreitete, und eine intellektuelle Regsamkeit hervorbrachte, von der man
sonst vergebens ein Beispiel sucht. Die Dichtkunst erreichte ihren höchsten Gipfel,
und traf besonders in dem Verhältniss des Gehalts zur Form das glückliche Mittel, von
dem man vermuthlich künftig urtheilen wird, dass es
nachher nie gleich rein und harmonisch erschienen ist. Die Einwirkung des Studiums
der Alten wurde entscheidend, und man kann dreist behaupten, dass die Griechen und Römer von keinem Volke so verstanden und aufgefasst worden sind, als
von den Deutschen. Die letzte Periode, von
der man es der Folge überlassen kann, die Führer zu nennen, schien die vorige an
Tiefe und Mannigfaltigkeit des Talents überflügeln zu wollen. Aber die Philosophie
starb mit Fichte aus, und verstummte in
Andren: im Ganzen auch schwankte sie auf einer Höhe, und in einer Tiefe, von der man
mit Recht zweifeln konnte, ob sie haltbaren Grund darböte. In der Dichtung wurde
Nachbildung des Fremden, und der nicht klassischen Vorzeit vorherrschend; man sahe
vorzugsweise auf Reichthum und Glanz der Darstellung, und scheute sich nicht die
Kunst auch in der Künstlichkeit zu zeigen. Nebenher gewannen die Sprachen und
Begriffe des Orients nicht unbedeutenden Einfluss.
In dem Zeitpunkt, wo man sich eben mit zweiflender Neugier fragte, wohin diese neue
Wendung den Deutschen Geist führen werde?
befiel das bis dahin minder freie, als um seine Freiheit unbekümmerte Deutschland von aussenher ein Druck, dem man zu viel
Ehre anthun würde, wenn man ihn einen ehernen nennte. Die Freiheit zu schreiben und
zu denken wurde unterdrückt, die Sprache theils verfolgt, theils von Anhängern des
Fremden schmählich verlassen, durch die allgemeine Verarmung stockte mit jedem andren
Zweige des Gewerbfleisses auch der wissenschaftliche, und das Gemüth jedes nicht ganz
Unedlen wurde durch die Scheusslichkeit der Erscheinung einer in ihren Gründen
ungerechten, ihren Zwecken unvernünftigen, ihren Mitteln empörenden Herrschaft von
dem Gedanken zur Wirklichkeit herabgezogen. Unter diesen Umständen war es natürlich,
dass Wissenschaft und Kunst, wenn gleich des Redens davon noch immer viel war, nur
noch so erklang, wie die Saiten nachschwingen, wenn sie einmal voll und mächtig
gerührt wurden. Wer die letzte Periode unsrer Litteratur geliebt hatte, betrauerte
ihren Untergang; wer ihr nicht günstig gewesen war, konnte sich damit trösten, dass
ein gewaltsamer Tod ihrem natürlichen Hinsterben zuvorgekommen war.
Jetzt hat ein von der Nation vermöge ihrer eignen Kraft durchgekämpfter Krieg die
fremden Herrscher entfernt, und die eignen regieren wieder mit eignem Willen. Schon
in jener Zeit bemüht, den ersterbenden Funken überall wieder anzufachen, werden sie noch weniger jetzt unterlassen, jedem
wissenschaftlichen Streben Schutz zu verleihen. Der Geist der Nation hat einen
höheren Schwung gewonnen; die That hat dem Worte mehr Kraft gegeben; die Wehmuth um
viele würdige Opfer das Gefühl mehr in sich zurück geführt; schon die lange
Entbehrung sollte die Sehnsucht wecken, sich wieder zu der Einsamkeit der
Wissenschaft und Kunst zu flüchten; und für beide blühen daher neue Hofnungen auf.
Dennoch kann man mit Recht zweifeln, ob schon die nächste Zukunft sie rechtfertigen
wird. Wenn sich die thätige Theilnahme an den grossen Weltbegebenheiten einmal der
Gemüther bemächtigt hat, kehren sie nur langsam und schwer in die ruhigen Gleise des
Denkens und Wissens zurück; auch die grössesten und in sich dichterischsten
Begebenheiten rauben als nah stehende Wirklichkeit der Phantasie ihre Freiheit, die
lieber um das Ferne und Vergangene spielt; die neuen Staatseinrichtungen, die ganz
natürlich aus solcher Krise hervorgehen müssen, und wenn die Regierungen sie auch
nicht wollten, von selbst aus den Gemüthern der Bürger entstehen würden, werden den
Ein- zelnen viel mehr, als ehemals für den Staat in Anspruch nehmen; manche
Hindernisse, die sich in der Nation, der Zeit, selbst der Sprache nach und nach,
gleich Krankheitsstoffen entwickelt hatten, haben durch die politischen Umänderungen
nicht gehoben werden können; und endlich braucht man selbst nur die obige flüchtige
Schilderung des Ganges der Deutschen
Litteratur durchzugehen, um zu fühlen, dass es keinesweges leicht ist, neue
Fortschritte an ihn anzuknüpfen.
Ein solcher Augenblick nun hat mir vorzugsweise zu einer Untersuchung, wie die auf
dem Titel dieser Blätter angekündigte ist, geeignet geschienen. Der Gegenstand
derselben ist fast zu allen Zeiten, und auf sehr mannigfaltige Weise bearbeitet
worden. Es ist meine Absicht nicht ihn diesen früheren Bearbeitungen ähnlich zu
behandeln, die Lagen einzeln durchzugehen, unter denen Wissenschaft und Kunst blühen,
die Mittel, durch welche ihr Gedeihen befördert werden kann. Ich werde mich vielmehr bemühen, die Untersuchung
zu vereinfachen, auf der einen Seite den Punkt aufzufinden, in welchem sich alle
verschiedenen wissenschaftlichen und Kunstbestrebungen vereinigen, und aus welchem
jede hervorgehen muss, um ächt und rein zu heissen; und auf der andren den, in
welchem alle die verschiedenen Umstände, in welchen sich ein Volk in einer gegebenen
Zeit, und mit einer gegebenen Sprache befindet,
demselben einen eigenthümlichen Charakter aufdrücken. Das Zusammenhalten dieser
beiden Punkte giebt alsdann von selbst das Resultat, und die Anwendung auf einzelne
Fälle macht sich von selbst. Ich
beabsichtige auch keine bestimmte auf unsre gegenwärtige Lage darum, dass ich von dieser ausgegangen bin. Es ist nicht zu
vermeiden, nicht bei einem solchen Gegenstande immer Deutschland und die jetzige Zeit vor Augen zu haben, allein übrigens
ist mein Zweck, ihn nur theoretisch zu erschöpfen, und ich bin fern mir anmassen zu wollen, als Einzelner zu dem Gedeihen
desjenigen beitragen zu können, was die schönste Blüthe, und die edelste Frucht der
gesammten Nation ist.
Es ist ein mächtiger, aber nicht immer gehörig beachteter Unterschied zwischen der
Blüthe der Wissenschaften und Künste, und dem Gedeihen des wahren wissenschaftlichen
Geistes und des ächten Kunstsinns. Jene verdankt ihr vorübergehendes Daseyn oft
zufälligen und äusseren Ursachen, dieses entsteht nur aus einer in sich kraftvollen,
oder glücklich vorbereiteten Natur; jener bleibt das Genie meistentheils fremd, in
diesem erscheint das blosse Talent in seiner unverhüllten Mittelmässigkeit; jene
lässt höchstens Stoff zu künftiger Bearbeitung zurück, dieses verbreitet durch sein
Walten selbst Licht, Wärme und Kraft. Diese oft mit einander verwechselten Dinge
gehörig zu unterscheiden, dem Geist nachzuspüren, von dessen Wehen erst der todte
Buchstabe der Wissenschaft Leben empfangen muss, ist eins der vorzüglichsten
Geschäfte der gegenwärtigen Untersuchung.
Das Gebiet der Wissenschaft ist so unermesslich, dass es in den verschiedensten
Theilen, und jeder auf die verschiedenste Weise bearbeitet werden kann. Keine dieser
Bearbeitungen ist unnütz, jede vielmehr fügt dem Ganzen etwas hinzu, wenn sie nur
nicht falsche Voraussetzungen einmischt, nicht dadurch die Aufhellung andrer Punkte
verhindert, den Uebergang vom Verwandten zum Verwandten, vom Besondren zum
Allgemeinen, von der Erscheinung zur Ursach erschwert. Der Geist der ächten
Wissenschaft beruht daher gar nicht ausschliesslich auf einer nur von hohen
Standpunkten ausgehenden, oder einer gerade alles umfassenden Ansicht. Er ist der
Geist der Wahrheit, und ehrt gleich sehr die einfache der Anschauung und
Gedankenverbindung, die erhabene der Urideen, und die reine der Grundkräfte, er
um- fasst in seiner Vollständigkeit alle drei,
aber er ist keiner einzelnen fremd.
Denn hierdurch ist das ausgesprochen, was gesucht wird. Die ächte Wissenschaft muss
von der Ahndung einer Grundkraft, deren Wesen sich, wie in einem Spiegel, in einer
Uridee darstellt, durchdrungen und belebt werden, und muss die Gesammtheit der
Erscheinungen an sie anknüpfen. Der Weg in diese Tiefe, der Schwung zu dieser Höhe
braucht nicht immer gewagt, der ganze Kreis nicht immer durchlaufen zu werden; aber
die Bahnen müssen offen bleiben, der Sinn auf ihnen fortzustreben muss vorhanden
seyn, und der falsche Dünkel auf einen nichtigen Besitz muss dem bescheidenen Suchen
nach dem ächten Platz machen.
Diese Begriffe bedürfen einer grösseren Entwicklung, und der leichtere Weg. ihnen
Klarheit zu verschaffen, ist der, einen Augenblick bei demjenigen stehen zu bleiben,
was ihnen entgegengesetzt ist. Nun aber widerstrebt ihnen das einseitige Hangen an
der Erfahrung, und an der bloss logischen Auflösung der Begriffe. Durch beides wird
die ächte Philosophie verdrängt, und ohne das Streben nach ihr ist kein Gedeihen der
Wissenschaft in einem Volke vollständig, und keins lange Zeit hindurch rein und
wahr.
Es soll aber hier keinesweges das Bemühen getadelt werden, die Erfahrung innerhalb
ihres eignen Gebiets aufzuklären und zu erweitern. Alle Erfahrungswissenschaften,
Geschichte und Naturkunde, können ungestört auf diesem Wege fortschreiten, und wenn
sie auch in dieser Gestalt nicht die eigentliche Wissenschaft ausmachen, doch
unendlich zu ihrer Aufbauung beitragen. Tadelnswürdig ist nur der Sinn, jedes
Fortschreiten über den Kreis der Erfahrung hinaus abzuschneiden, oder die Erfahrung
da geltend zu machen, wo, wie bei dem geistigen und sittlichen Menschen eine andre
Sphäre eintritt. Wo diese Ansicht sich einer Nation bemeistert, da muss man bei der
übrigen glücklichsten Ausbildung vieler ihrer Theile auf die Tiefe und Reinheit der
Wissenschaft Verzicht leisten; alles wird nur die Anwendung auss Leben bezwecken. Da
aber zum Leben und zur Erfahrung auch die Empfindungs- und Handlungsweise des
Menschen gehört, die, wenn auch in ihren Quellen unlauter, doch instinctmässig
richtig und wahr aufgefasst werden kann, so wird von dieser Seite wieder ein
wesentlicher Ersatz gefunden.
Ein solcher Ersatz findet sich weit weniger da, wo das Philosophiren, indem es nicht
in die Tiefe der Grundwesen hinabsteigt, sich eben
so wenig auf die Erfahrung verbreitet, sondern bei der bloss logischen Entwicklung
der Begriffe stehen bleibt. Dieser enge Kreis ist bald durchlaufen, er beruht, auf
diese Weise vereinzelt, auf nichts. und führt zu keiner neuen Entdeckung. Ein
nichtiger Schein von Reichthum versteckt bei diesem Verfahren eine unfruchtbare
Armuth, und diese Gattung der Philosophie, die jedem wesenhaften Gegenstande, und am
ersten der Sprache, in der sie doch nur zu leben und zu weben scheint, Unrecht thut,
kann andren Wissenschaften höchstens noch in ihrer formellen Bearbeitung hülfreiche
Hand bieten. In das Leben aber greift sie noch weniger ein, da sie auch nicht einmal
dem Gefühle sein volles Recht lässt.
Durch ihre eigenthümliche, bewundernswürdige Natur kann die Mathematik diesen beiden
fehlerhaften Ansichten ohne Schaden zur Seite stehen. Sie giebt sich unbedingt der
Anwendung auf die Erfahrung hin, ohne Gefahr zu laufen, unlauter zu werden; sie löst
jeden ihrer Begriffe bis in seine letzten Bestandtheile auf, ist sich aber wenigstens
immer dunkel bewusst, dass ihr Wesen noch in etwas ganz Andrem, als dieser
Verwandlung eines Begriffs in einen andren besteht. Jene irrigen Ansichten üben nur
den, aber nicht gerade ihr verderblichen Nachtheil auf sie aus, dass sie selbst einen
geringeren Werth auf ihre Lauterkeit legt, dass die sonst natürlich aus ihr
entspringende Sehnsucht nach der ächten Philosophie erstickt wird, ja dass sie wohl
noch die Unduldsamkeit, mit der diese verfolgt wird, in dem Dünkel auf ihre
Unfehlbarkeit und Klarheit, vermehren hilft.
So dachten sich die Griechen die Mathematik
nicht, wenn sie dieselbe für eine unumgänglich nothwendige Vorübung zur Philosophie
betrachteten. Die reine Flamme der einen sollte die reine der andren entzünden. Ihr
jugendlicher, für den innren Zusammenklang der Formen des Denkens uneigennütziger
empfänglicher Sinn, bei einem müssigeren, weniger Anwendung des Erkannten auf die
Wirklichkeit heischenden Leben, freute sich an der bewundernswürdigen
Uebereinstimmung der mathematischen Begriffe, wie an einer wirklichen Harmonie der
Sphären, und betrachtete sie als eine Offenbarung einer viel grösseren und
herrlicheren Harmonie, welche das Weltall zusammenhielt, und die Schicksale der
Menschen regierte.
Um diesen Punkt drehet sich Alles. Wo der Gedanke um des Gedankens willen entzückt,
da führt ächt wissenschaftlicher Sinn das Denken
bis nahe zu seinem Urquell hin. Wo dasselbe zu Zwecken gebraucht wird, die nicht in
ihm selbst liegen, da kann Wissenschaft vorhanden seyn, aber ihr Geist ist wenigstens
alsdann nicht lebendig. Das wissenschaftliche Bedürfniss, in seinen mannigfaltigsten
Erscheinungen, ist, wenn man es auf sein einfaches Wesen zurückführt, immer das
Erkennen des Unsichtbaren im Sichtbaren. Darüber hinaus ist nichts weiter denkbar;
aber es giebt — wenigstens für die Wissenschaft — auch kein Bleiben darunter; und
dass dies ihr wahres Wesen ist, zeigt sich am besten dadurch, dass nur von diesem
Standpunkte aus Zusammenhang in sie zu bringen, und sie nur auf ihm einer von innen
ausgehenden unaufhörlichen Erweiterung fähig ist. Auch entspricht sie nur so dem
Bedürfniss des Menschen, für den sie wieder nicht letzter Zweck, aber Stufe zum
Letzten und Höchsten ist.
Gerade diesen Grundbehauptungen aber wird widersprochen, nicht bloss von Einzelnen,
sondern von ganzen, und achtungswürdigen Nationen; die Wissenschaften werden mit
Fleiss auf das Sammeln und Sichten der Thatsachen beschränkt, und der Anwendung nahe
gehalten; die Speculation wird, als ihnen gefährlich, und in sich hohl und leer,
zurückgewiesen, oder höchstens darauf beschränkt eine Uebung der Köpfe zu seyn, und
den wesenhafteren und nothwendigeren Wissenschaften eine angemessene Form zu leihen.
Hierauf beruht seit langer Zeit der nie ganz geschlichtete Streit zwischen den
Deutschen und dem Auslande; dasselbe ist
eine Quelle des Zwiespalts unter uns selbst geworden. Allein die Speculation behält
darum nicht weniger ihre Rechte; jede Wissenschaft kann nur durch sie den Charakter
der Nothwendigkeit erhalten, und nur vermittelst ihrer kann es eine, alle einzelnen
Wissenschaften umfassende, eine Wissenschaft an sich geben.
Die Gegenstände der Wissenschaften, die Gränzen ihres Gebiets lassen sich nicht bloss
an dem denkbaren Stoff, den sie bearbeiten, sondern eben so wohl an der
Geistesthätigkeit abmessen, die sie in Bewegung setzt, und der letztere Weg ist ohne
Zweifel der richtigere. Nun aber kann der Verstand die Erscheinungen von allem
entkleiden, was ihnen, als solchen, angehört, er kann das reine Object dem reinen
Subject entgegensetzen, und damit und mit den unvermeidlichen Fragen: wer nun von
beiden unabhängig vom andren vorhanden ist? wie das Subject im Bewusstseyn wieder
sein eignes Object ist? und ob es nicht also ein Subject geben muss, das, als
solches, nie Object werden kann? ist die
Metaphysik, die schlechthin speculativ zu nennende Wissenschaft gegeben. Wäre die auf
Beantwortung dieser Fragen gerichtete Stimmung des Geistes auch eine Verirrung zu
nennen, so wäre die Organisation eines ihrer unfähigen Kopfes ebenso unnatürlich als
eine Körperbeschaffenheit, die nie in ein Fieber verfallen könnte. Sie gehört aber so
sehr zu der Gesundheit des Geistes, dass er, sobald er sich nur von dem Aufruhr der
Sinne, dem Gewirre der Geschäfte, und der unfruchtbaren Last des Wissens entledigt
hat, zu diesen Gegenständen, wie in seine Heimath zurückkehrt. Allein auch die
Begierde nach der Kenntniss der Erscheinungen führt zu demselben Punkt hin. Denn die
besondren Erscheinungen sollen doch auf allgemeinere, als ihre Gründe zurückgeführt
werden, und so zwingt die Unzulänglichkeit alles Endlichen, sein eigner
Erklärungsgrund zu seyn, von selbst, seine Gränzen zu überschreiten.