Anhang.
Vorrede zu Alexander von
Humboldts Schrift über die unterirdischen Gasarten
Schon seit mehreren Jahren war mein Bruder
mit der Zerlegung der unterirrdischen Gasarten, und mit Versuchen, ihren Nachtheil zu
vermindern, beschäftigt. Die Wichtigkeit dieses mit der Gesundheit und dem Leben
einer zahlreichen Menschenklasse so nahe verbundenen Gegenstandes machte ihm diese
Arbeiten vorzugsweise vor andern werth, und liess ihn die Gefahr nicht scheuen, die,
wie die Folge dieser Blätter zeigen wird, mit mehreren dieser Versuche verknüpft war.
Seine Lage als Oberbergmeister gab ihm überdies Gelegenheit, eine grössere Anzahl
interessanter Beobachtungen zu sammeln, und sicherer und besser, als es der blosse
Theoretiker zu thun im Stande gewesen wäre, das Ausführbare von dem Unausführbaren
abzusondern.
Zwei Jahre sind jetzt verflossen, seitdem der Apparat der Rettungslampe zu Stande
gekommen, versendet und in mehreren Zeitschriften beschrieben worden ist. Bei der
grossen Aufmerksamkeit, die man dieser Erfindung geschenkt hat, wurde eine
Beschreibung von dem Erfinder selbst gewünscht. Auch bereitete sich mein Bruder in der That dazu vor. Da aber Reisen
und andere chemische Arbeiten ihn abhielten, sich ununterbrochen damit zu
beschäftigen; so würde die gegenwärtige Schrift schwer- lich ohne die Hülfe seiner Freunde zu Stande gekommen seyn.
Nur dasjenige, was darin die unterirrdische Meteorologie betrift, so wie den Plan des
Ganzen arbeitete er selbst bei seinem Aufenthalte in Salzburg und Paris aus; das
Uebrige wurde (um die Erwartung des Publikums nicht zu lange unbefriedigt zu lassen)
aus kleinen, früher von ihm gemachten Aufsätzen von fremder Hand zusammengesetzt und
hinzugefügt. Doch darf er sich mit Grunde schmeicheln, dass seine Ideen durchaus
genau und richtig dargestellt sind. Sehr viele überaus nützliche Materialien zu
dieser Schrift verdankt er besonders dem Herrn
Bergamtsassessor Freiesleben zu Marienberg, welcher dem Publikum bereits, als geognostischer
Schriftsteller, rühmlichst bekannt ist.
Da mein Bruder auch jetzt schon seit einigen
Monaten abwesend und auf einer weiteren Reise begriffen ist; so habe ich es für nöthig gehalten, diesen Bogen einige
wenige Worte über die Entstehung dieser Arbeit vorzusetzen.
Ich füge nur noch die einzige Bemerkung
hinzu, dass, wie ich an mir selbst erfahren
habe, diese Schrift auch noch demjenigen interessant seyn wird, welchem das
Technische des Bergbaues fremd ist, und der sich selbst nicht mit den genaueren
Versuchen der analytischen Chemie beschäftigt. Der erste Theil derselben, welcher die
Grundzüge zu einer unterirrdischen Meteorologie enthält, deckt einen bisher noch fast
ganz unbekannten Theil der Natur auf, führt in eine gleichsam neue, unterirrdische
Schöpfung, überrascht durch anziehende Vergleichungen in der obern und untern
Atmosphäre, und gewährt nicht bloss dem Nachdenken und der wissenschaftlichen
Neugierde, sondern selbst der Einbildungskraft reichliche Nahrung. Der zweite macht
mit den Beschwerden und Gefahren des Bergbaues näher bekannt, und wenn es schon
überhaupt ein erhebendes Schauspiel ist, den Kunstfleiss des Menschen im Kampfe mit
überlegenen Elementen zu sehen, so wird hier noch die menschenfreundliche Theilnahme
für eine arbeitsame und achtungswürdige Menschenklasse erweckt.
Wilhelm von Humboldt.
Bemerkungen zur Entstehungsgeschichte
Erster Druck: Über die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren
Nachteil zu vermindern, ein Beitrag zur Physik der praktischen
Bergbaukunde von Friedrich
Alexander von Humboldt S. III—VI (1799).
Über dieses Werk seines Bruders, zu dem
Humboldt, nachdem jener im Oktober 1798
von Paris nach Spanien gegangen war, um sich nach Amerika einzuschiffen, die Vorrede
geschrieben hat, vgl. Bruhns, Alexander von Humboldt
1, 244. 253. 261
Anm. 2.