Anhang. Vorrede zu Alexander von Humboldts Schrift über die unterirdischen Gasarten Humboldt Wilhelm von TEI enconding Silvia Berigüete Pastor Wilhelm von Humboldt: Schriften August 2026 Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0) https://www.wvh-schriften.de Humboldt Wilhelm von Wilhelm von Humboldts Werke. Dritter Band Leitzmann Albert https://archive.org/details/gesammelteschrif03humbuoft/mode/2up Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften Berlin 1904

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1799 Paris Deutsch Essay Wissenschaft
<emph>Anhang</emph>. Vorrede zu <persName ref="gnd-118554700">Alexander von Humboldt</persName>s Schrift über die unterirdischen Gasarten

Schon seit mehreren Jahren war mein Bruder mit der Zerlegung der unterirrdischen Gasarten, und mit Versuchen, ihren Nachtheil zu vermindern, beschäftigt. Die Wichtigkeit dieses mit der Gesundheit und dem Leben einer zahlreichen Menschenklasse so nahe verbundenen Gegenstandes machte ihm diese Arbeiten vorzugsweise vor andern werth, und liess ihn die Gefahr nicht scheuen, die, wie die Folge dieser Blätter zeigen wird, mit mehreren dieser Versuche verknüpft war. Seine Lage als Oberbergmeister gab ihm überdies Gelegenheit, eine grössere Anzahl interessanter Beobachtungen zu sammeln, und sicherer und besser, als es der blosse Theoretiker zu thun im Stande gewesen wäre, das Ausführbare von dem Unausführbaren abzusondern.

Zwei Jahre sind jetzt verflossen, seitdem der Apparat der Rettungslampe zu Stande gekommen, versendet und in mehreren Zeitschriften beschrieben worden ist. Bei der grossen Aufmerksamkeit, die man dieser Erfindung geschenkt hat, wurde eine Beschreibung von dem Erfinder selbst gewünscht. Auch bereitete sich mein Bruder in der That dazu vor. Da aber Reisen und andere chemische Arbeiten ihn abhielten, sich ununterbrochen damit zu beschäftigen; so würde die gegenwärtige Schrift schwer- lich ohne die Hülfe seiner Freunde zu Stande gekommen seyn. Nur dasjenige, was darin die unterirrdische Meteorologie betrift, so wie den Plan des Ganzen arbeitete er selbst bei seinem Aufenthalte in Salzburg und Paris aus; das Uebrige wurde (um die Erwartung des Publikums nicht zu lange unbefriedigt zu lassen) aus kleinen, früher von ihm gemachten Aufsätzen von fremder Hand zusammengesetzt und hinzugefügt. Doch darf er sich mit Grunde schmeicheln, dass seine Ideen durchaus genau und richtig dargestellt sind. Sehr viele überaus nützliche Materialien zu dieser Schrift verdankt er besonders dem Herrn Bergamtsassessor Freiesleben zu Marienberg, welcher dem Publikum bereits, als geognostischer Schriftsteller, rühmlichst bekannt ist.

Da mein Bruder auch jetzt schon seit einigen Monaten abwesend und auf einer weiteren Reise begriffen ist; so habe ich es für nöthig gehalten, diesen Bogen einige wenige Worte über die Entstehung dieser Arbeit vorzusetzen.

Ich füge nur noch die einzige Bemerkung hinzu, dass, wie ich an mir selbst erfahren habe, diese Schrift auch noch demjenigen interessant seyn wird, welchem das Technische des Bergbaues fremd ist, und der sich selbst nicht mit den genaueren Versuchen der analytischen Chemie beschäftigt. Der erste Theil derselben, welcher die Grundzüge zu einer unterirrdischen Meteorologie enthält, deckt einen bisher noch fast ganz unbekannten Theil der Natur auf, führt in eine gleichsam neue, unterirrdische Schöpfung, überrascht durch anziehende Vergleichungen in der obern und untern Atmosphäre, und gewährt nicht bloss dem Nachdenken und der wissenschaftlichen Neugierde, sondern selbst der Einbildungskraft reichliche Nahrung. Der zweite macht mit den Beschwerden und Gefahren des Bergbaues näher bekannt, und wenn es schon überhaupt ein erhebendes Schauspiel ist, den Kunstfleiss des Menschen im Kampfe mit überlegenen Elementen zu sehen, so wird hier noch die menschenfreundliche Theilnahme für eine arbeitsame und achtungswürdige Menschenklasse erweckt.

Wilhelm von Humboldt.
Bemerkungen zur Entstehungsgeschichte

Erster Druck: Über die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachteil zu vermindern, ein Beitrag zur Physik der praktischen Bergbaukunde von Friedrich Alexander von Humboldt S. III—VI (1799).

Über dieses Werk seines Bruders, zu dem Humboldt, nachdem jener im Oktober 1798 von Paris nach Spanien gegangen war, um sich nach Amerika einzuschiffen, die Vorrede geschrieben hat, vgl. Bruhns, <persName ref="gnd-118554700">Alexander von Humboldt</persName> 1, 244. 253. 261 Anm. 2.